A DARK SONG
(GB, Irland, 2016, Regie: Liam Gavin)
Nachdem ihr Kind ermordet wurde sucht Sophia einen Weg, noch einmal mit ihrem Sohn sprechen zu können. Was unwahrscheinlich klingt, verspricht allerdings ein okkultes Ritual, das Abramelin-Ritual, was von dem Medium, Joseph Solomon, gegen eine hohe Bezahlung durchgeführt werden soll. Dafür muss sich Sofia mit Joseph über Minate in einem verlassenen Landhause in Wales einschließen.
Was mir bereits zu Beginn an Liam Gavins Spielfilmdebüt A DARK SONG positiv aufgefallen ist, ist die europäische Handschrift, die den Film immer bodenständig wirken lässt. Die Inszenierung fühlt sich greifbar an, was vor allem durch die beiden Darsteller gelingt. Catherine Walker ist als verzweifelte von Schuldgefühlen geplagte Sophia ebenso überzeugend wie Steve Oram als Joseph Solomon. Die Authentizität der Figuren ist die klare Stärke von A DARK SONG. Solomon ist kein überzeichneter Sonderling, sondern ein Mensch von nebenan, dem man glaubt, was er sagt, egal, wie bizarr es klingen mag.
Gavin erzeugt über die beiden Figuren die meiste Spannung und lässt sie zwischen Vertrauen, Abhängigkeit und Eskalation hin und her pendeln, was zu durchaus unangenehmen Szenen führt. Auch die Rituale werden sehr geschickt in Szene gesetzt und wirken zu keiner Zeit übertrieben oder überzeichnet. Nichts wird zerredet oder entmystifiziert und doch gleitet man von Minute zu Minute immer tiefer in eine sonderbare Welt, die im letzten Drittel ihre Pforten öffnet und ein wenig mehr den Horror reinbringt, den sich die meisten Zuschauer vielleicht früher gewünscht hätten. A DARK SONG ist sehr kriechend inszeniert und mit 100 Minuten ein wenig zu lang geraten. Trotzdem zieht Gavins Film daraus viel Kraft und ist dabei vor allem eins nicht: vorhersehbar.
A DARK SONG ist ein packend inszenierter Film, der sich hervorragend in eine Reihe von modernen Okkult- und Folk-Horrorfilmen wie KILL LIST (2011), HEREDITARY (2018) und MIDSOMMAR (2019) einreihen, die sich allesamt einer unterschiedlichen Herangehensweise bedienen.
(Bjoern Candidus)
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