DIE GRUFT DER TOTEN FRAUEN
(DEVILS OF DARKNESS, GB, 1965, Regie: Lance Comford)
Um sich vom Leben in der Stadt zu erholen, macht der Schriftsteller Paul Baxter mit seinen Geschwistern Keith und Anne Urlaub in einem kleinen Dorf in der Bretagne. Der hübsche Fleck Erde scheint von einem Vampir, Graf Sinistre, bewohnt zu werden, der mit seinem Clan die Lebenden tyrannisiert. Doch sie ignorieren die Warnungen, was Keith und wenig später Anne das Leben kostet. Die Polizei geht in beiden Fällen von einem Unfall aus, doch Paul will das nicht glauben. Gemeinsam mit einem Doktor versucht er das Geheimnis um Graf Sinistre zu lüften.
Während sich 1965 die Hammer-Studios mit ihren Dracula, bzw. Vampirfilmen vor allem im viktorianischen England aufhielten, wagte Produzent Tom Blakeley mit Planet Films den Spring in die Moderne, wie es 1958 Paul Landres mit DRACULAS BLUTNACHT tat, wenn auch in einem völlig anderen Setting.
In DIE GRUFT DER TOTEN FRAUEN geht es in ein kleines Dorf in der Bretagne, was auch nicht gerade für die Moderne steht. Auch die Eröffnungsszene, in der man bereits den Vampir, Graf Sinistre, zu Gesicht bekommt, nachdem er sich aus der Gestalt einer einer Fledermaus zurückverwandelt hat, spricht eher für klassischen Grusel. Doch allzu viel klassischen Grusel tischt einem Regisseur Lance Comford hier nicht auf, ganz im Gegenteil. Wenn es nicht gerade in ein Höhlenversteck geht, wo man Zeuge okkulter Rituale wird und der Vampir-Horror geschickt mit dem Okkult-Kutten-Horror kombiniert wird, ist die Inszenierung ziemlich trocken und langweilig geraten. Alles ist viel zu hell und die Figuren (einschließlich Graf Sinistre) wirken fad und ausdruckslos. Sinistre wird von Hubert Noël dargestellt, der ein Hauch von Udo Kier hat, nur in völlig langweilig. Mehr Stimmung kommt auch nicht mit William Sylvester als Paul Baxter in die Inszenierung. Nicht, dass die Darsteller, von denen es hier reichlich gibt, schlecht wären, aber ihre Figuren konnten mich genauso wenig mitreißen wie die Story selbst. Der Versuch, die Horrorfilm-Handlung mit Krimi-Elementen zu kombinieren, ein bisschen Swinging Sixties-Atmosphäre mit vielen schönen Damen einzustreuen und eine Sekte um den Vampir herum aufzubauen, ist zwar löblich, hat aber für mich in der Umsetzung nicht funktioniert. Der fortschreitende Mangel an Spannung und Atmosphäre kann durch nichts aufgefangen werden. All das hatte man 1965 bereits in besser gesehen oder folgte noch in besser.
DIE GRUFT DER TOTEN FRAUEN eignet sich lediglich für Freunde britischer Horrorfilme, wenn sie ihre Erwartungshaltung im Vornherein herunterschrauben.
(Bjoern Candidus)









