Autor: marco-fritz

  • 92. Der Werwolf von Tarker Mills (1985)

    92. Der Werwolf von Tarker Mills (1985)

    DER WERWOLF VON TARKER MILLS

    OT: SILVER BULLET

    USA, 1985

    Regie: Daniel Attias

    Bjoern Candidus und Marco Fritz eröffnen das Jahr kalendarisch mit DER WERWOLF VON TARKER MILLS, der Adaption von Stephen Kings Kalendergeschichte „Cycle of the Werewolf“.

    In der Besprechung geht es um Daniel Attias Verfilmung aus dem Jahre 1985, in dem sich ein Junge (Corey Haim) gegen einen Werwolf zur Wehr setzt, der ein beschauliches Städtchen in Maine heimsucht.

    Und wie es die Tradition will, haben Bjoern und Marco auch gleich die Story zum Vergleich mitgebracht.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Night Game, 1989 – ★★★

    Night Game, 1989 – ★★★

    FINAL GAME – DIE KILLERKRALLE
    (NIGHT GAME, USA, 1989, Regie: Peter Masterson) 

    Immer wenn die Footballmanschaft „Astros“ ein Spiel gewinnt, wird eine Frau mit aufgeschlitztem Hals gefunden. Dass ruft Lieutenant Mike Seaver und seine Männer auf den Plan. Dann gerät Seavers Freundin Roxy ins Visier des Killers… 

    Ich mag alte weiße Männer, die einen Fall lösen wollen, doch hier ist ein alter Knochen noch unsympathischer als der andere. Das hat dazu geführt, dass ich in diesem Film nicht einen einzigen Anker gefunden habe, der mich an das Geschehen fixieren konnte. 
    Dass einer dieser Unsympathen ausgerechnet Roy Scheider ist, verwunderte mich dann doch etwas. Das soll nicht heißen, dass er seine Sache nicht gut macht, aber er ist hier eben kein Brody. Neben ihm versammeln sich Lane Smith, Richard Bradford und Paul Gleason, mit denen ich keinen Fall lösen wollte. Roxy wird dargestellt von Karen Young (9 1/2 WOCHEN, 1986), die wenigstens ein bisschen Liebreiz mitbringt. 

    Aber Peter Mastersons Regiearbeit bietet in anderen Bereichen etwas. Kleidet sich der Film am Tage mit Spät-80er-Pastelltönen, die wenig einladen, wird die Impressionen in den abendlichen Momenten sehr ansehnlich. Das bunte, lichterfrohe Vergnügungspark am Strand – Setting entfaltet eine schöne Atmosphäre. Kurz dachte ich an KABINETT DES SCHRECKENS (1981), dann an MANIAC (1980) und schließlich an BLUTBAD DES SCHRECKENS (1973), in dem der Killer ebenfalls eine Handprothese mit Haken trägt. Wenn der Killer in Aktion tritt, darf man sich auf solide Spannungsmomente freuen, die auch ein bisschen Gore zeigen. Der Mord in einem Spiegelkabinett sei hier extra erwähnt, denn der ist richtig gut inszeniert. Begleitet wird das Treiben von einem Score von Pino Donaggio, der nicht zu überhören ist. 

    FINAL GAME – DIE KILLERKRALLE ist ein Serienmöder-Thriller, der sich visuell nicht verstecken muss, aber weder große Überraschungen noch noch sympathische Figuren bietet.

    (Bjoern Candidus)

  • Detective Belli, 1969 – ★★★½

    Detective Belli, 1969 – ★★★½

    DIE KLETTE
    (UN DETECTIVE, Italien, 1969, Regie: Romolo Guerrieri)

    Kommissar Belli wird von dem Rechtsanwalt Fontana dafür bezahlt, das britische Fotomodell Sandy Brown abzuschieben, da sie ihre Hände nicht von seinem Sohn Mino lassen kann. Zudem hegt Fontana einen Groll gegen den Musikproduzenten Romanis mit dem wiederum seine Vera Geschäfte machen will. Als Belli Romanis einen Besuch abstattet, findet er ihn erschossen in seiner Wohnung. Belli gerät in einen Sog aus Verstrickungen, die sein Leben nicht leichter machen. 

    Romolo Guerrieri, der vorher den Giallo DER SCHÖNE KÖRPER DER DEBORAH (1968) mit Jean Sorel drehte, schickt hier Franco Nero in einen frühen Poliziottesco mit Giallo-Elementen. Die Story und das Drehbuch stammen von Umberto Gastaldi und Luciano Martino. Hinter den Kulissen ist man also schon mal in besten Händen. Auch wenn hier bereits Nero- und Maurizio Merli-Verhaltensstrukturen aus späteren Polizeifilmen zu erkennen sind, ist der Action- und Haudrauf-Anteil sehr gering. Vielmehr konzentriert sich der Film auf seine Figuren und ihr verwerfliches Verhalten. 

    Die Besetzung ist exzellent. Ein frischer, noch schnauzerloser Franco Nero spielt Kommissar Belli. Franco bringt jeden Raum zum Leuchten, wenn er nur anwesend ist. Die vielleicht positivste Figur im Geschehen: Renzo Palmer (DIE GEWALT BIN ICH, 1977) als Kommissar Baldo. Alfonso Celi (FEUERBALL, 1965) ist als Rechtsanwalt Fontana wieder erfolgreich im Fiesling-Modus. Sein Sohn wird von Maurizio Bonuglia (SKLAVEN IHRER TRIEBE, 1969) verkörpert. Die weibliche Kraft, und die kommt hier nicht zu knapp, wird von der charismatischen Florinda Bolkan (FLAVIA – LEIDENSWEG EINER NONNE, 1974), Delia Boccardo (TOTE ZEUGEN SINGEN NICHT, 1973) und Susanna Martinková geliefert. Also ein hübsches Grüppchen, um in die Welt von Macht, Korruption und Mord abzusteigen. Während James-Brown mit „It’s a man’s world“ eröffnet, kümmert sich Fred Bongusto im weiteren Verlauf um die Ohren. Kameramann Roberto Geradini versteht hervorragend sowohl die Figuren als auch Rom und seine vielen Schauplätze einzufangen. Die historische Architektur unterstützt die finstere Atmosphäre des Films, die bis zum Schluss aufrechterhalten wird. Dass der Film um die Weihnachtszeit spielt, ist ein nettes Detail, was sich lediglich im Hintergrund abspielt und im italienischen Polizeifilm relativ selten der Fall ist. 

    DIE KLETTE ist ein dialogreicher Whodunit-Krimi voller unmoralischer Figuren, der manchmal etwas zu sperrig ist, aber sich mit Form und Inhalt stets brüsten kann. 

    (Bjoern Candidus)

  • Evil Spirits, 1991 – ★★

    Evil Spirits, 1991 – ★★

    HOUSE OF HORROR
    (EVIL SPIRITS, USA, 1991, Regie: Gary Graver)

    Ella Purdy betreibt eine Art Altenwohnheim, bei dem die Bewohner ihre Rentenschecks sofort eingezogen bekommen, damit so die Miete und die sonstigen anfallenden Kosten gedeckt werden. Eine geniale Idee, besonders für Ella. Doch nach und nach lässt Ella die Damen und Herren mit Hilfe ihrer Tochter und einem Kannibalen im Keller aus dem Leben treten. Sie vergräbt die Leichen im Garten und zieht die Rentenschecks weiter ein. Nicht nur unter den noch lebenden Gästen kommen langsam Zweifel auf bezüglich Ellas Freundlichkeit, sondern auch unter Lester Potts, dem Mann vom Sozialversicherungsamt.

    Gary Graver, ein weiterer Herr mit Corman-Vergangenheit, der sich später im Sumpf der Sexfilme, die er drehte, Robert McCallum nannte, serviert hier einen kleinen Sonderling. Dafür schickt er Karen Black als Ella Purdy ins Rennen, die zusätzlich noch ihren George im Kopf hat, der ihr immer wieder sagt, was sie zu tun hat. Auch wenn Karen Black bessere Auftritte hatte, passt sie doch ganz gut in diesen bunten, schrägen, nicht ernstzunehmenden Horrorfilm. Neben Black gibt es hier noch Michael Berryman zu bewundern, der als Schriftsteller gerne durch Gucklöcher in andere Wohnungen blickt, Robert „Graf Yorga“ Quarry, Martine Beswick, Art Johnson und einige schon recht betagte Darsteller, was natürlich Sinn ergibt, wenn es um ein Altenwohnheim geht. Im Rahmen eines 90er-Jahre-Horrorfilms ist die Anzahl an alten Knochen schon ungewöhnlich hoch. Aber damit kommt auch Abwechslung auf, denn junge Leute beherrschten damals schon genug das Genre.

    Auch wenn die Story nett ist, die verschrobenen Figuren Spaß machen und der ein oder andere Horror-Moment ganz gut ins Bild passt, ist der Mischmasch aus Spät-80er bis Früh-90er Ästhetik eher fürchterlich, wie in vielen DTV-Produktionen jener Tage.

    HOUSE OF HORROR hat durchaus einen eigenen Charakter, der aber in seiner Gesamtheit zu unbeständig und unkontrolliert ist, um wirklich anzukommen.

    (Bjoern Candidus)

  • Spawn of the Slithis, 1978 – ★½

    Spawn of the Slithis, 1978 – ★½

    SLITHIS
    (SPAWN OF THE SLITHIS, USA, 1978, Regie: Stephen Traxler)

    In einer Wohnsiedlung bei L.A. kommt es zu einer Reihe von Hundemorden. Irgendwer scheint die Tiere zu verstümmeln und anschließend zu töten. Die Polizei glaubt an Ritualmorde, bis die ersten Menschen getötet werden. Während die Polizei im Dunklen tappt, ist ein ein Lehrer einer Highschool und ein befreundeter Biologe schon einen Schritt weiter. Sie glauben, dass ein in der Nähe gelegenes Atomkraftwerk die Ursache ist, welches vor Jahren ein Leck hatte, bei dem eines radioaktive Substanz ausgetreten ist. Damals konnte man die Angelegenheit vertuschen, doch die Vergangenheit holt die Gegenwart ein.

    Willkommen in der Welt der Mann-im-Monsterkostüm-Filme! Nicht nur in den 1950er- und 60er-Jahren hatten Monster radioaktive Hintergründe, die sie nicht selten zu Riesen machten. Ein Jahr nach dem THE INCREDIBLE MELTING MAN (1977) durch außerweltliche Strahlungen weggeschmolzen ist, kam Stephen Traxler mit SLITHIS um die Ecke. Auf ein Riesenmonster muss hier allerdings verzichtet werden. 

    Die Story um die radioaktive Substanz „Slithis“, die Lebensformen befällt und sie absorbiert, ist natürlich völliger Unsinn, der genau richtig ist. Anfänglich gibt es auch ein paar blutige Hunde- und Menschenleichen zu bestaunen, aber dann verkommt Traxlers Inszenierung zu einem äußerst öden Monsterfilm, in dem fast unentwegt geredet wird. Wenn es nicht gerade um wissenschaftlichen Quark zwischen dem Lehrer Wayne Connors (Alan Blanchard) und dem Biologen Dr. Erin Burick (J.C. Claire) geht, werden zahlreiche Leute von Schauplatz zu Schauplatz befragt. Ein Idiot reiht sich an den nächsten, und von schauspielerischen Qualitäten ist hier im Grunde jeder befreit. Die Inszenierung bleibt zwar so in Bewegung, tritt aber letztlich nur auf der Stelle, bis dann nach einer Stunde das eigentliche Monster endlich mal richtig auftaucht, nachdem man es anfänglich nur kurz in der Dunkelheit sehen konnte. Das Monster-Design ist durchaus sehenswert. Das Slithis-Monster ist eine Mischung aus Fisch-, Reptil- und Krustentier mit humanoider Form. Im letzten Drittel kommt es dann zu ein paar blutigen Angriffen, die sich aber im Rahmen halten; besagter THE INCREDIBLE MELTING MAN hatte auch in Sachen Gore weitaus mehr zu bieten. 

    Viel Leerlauf, ödes Gerede, wenig Action und noch weniger Spannung machen SLITHIS zu einem langweiligen Monsterfilm, der lediglich kurz ein nettes Monster zu bieten hat. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Aftermath, 1982 – ★★★

    The Aftermath, 1982 – ★★★

    THE AFTERMATH
    (USA, 1982, Regie: Steve Barkett)

    Als ein NASA-Shuttle auf der Erde notlandet, muss der Astronaut Newman und sein überlebender Kollege feststellen, dass in ihrer Abwesenheit ein Atomkrieg gewütet hat. Eine zerstörte Welt mit degenerierten Menschen erwartet sie.  

    Regisseur Steve Barkett, der hier gemeinsam mit seinem Sohn Christopher auch die Hauptrolle übernahm, hat mit THE AFTERMATH einen billigen, aber durchaus unterhaltsamen Endzeit-Actionfilm gedreht. Neben den beiden Barketts taucht hier noch Lynne Margulies, Sid Haig und Forrest J. Ackerman auf. 

    Dass das Budget sehr schmal war, wird eigentlich sekündlich bewiesen, aber dennoch kann der Film in einigen Bereichen punkten. Es gibt sehr schöne Kulissen von zerstörten Städten und einen wundersamen Ausflug in ein Museum mit Dinosauriern, die mit rotem und grünem Licht angestrahlt werden. Der bietet ausreichend Action und teilweise harte Gore-Effekte, die zwar kurz, aber wirkungsvoll sind. An Schauwerten mangelt es nicht, dafür gibt es inhaltlich nicht viel zu entdecken. Die Dialoge sind teilweise etwas nervig und driften hin und wieder in kitschigen Pathos ab. 
    Neben den beiden Barketts taucht hier noch Lynne Margulies, Sid Haig und Forrest J. Ackerman auf. 

    THE AFTERMATH ist alles andere als ein Wunderwerk, aber nichtsdestotrotz schmückt er sich mit einer guten Portion Endzeitromantik und Garstigkeit. 
    Wer auf Filme wie PLANET DER AFFEN (1968), DER OMEGA-MANN (1971) und MAD MAX (1979) steht und seinen Anspruch etwas herunterschraubt, dürfte hier vielleicht richtig sein.

    (Bjoern Candidus)

  • Labyrinth, 2003 – ★★★★

    Labyrinth, 2003 – ★★★★

    DÉDALES – WÜRFEL UM DEIN LEBEN
    (Belgien, Frankreich, 2003, Regie: René Manzor)

    Claude, eine junge Frau, zieht eine blutige Spur durch Paris, bis man sie stellt. Was stimmt nicht mit der Frau, die sich an ihre blutigen Taten nicht erinnern kann? Dr. Karl Freud, Leiter einer Hochsicherheitsanstalt, will zusammen mit dem Psychiater Dr. Brennac in die Psyche von Claude eindringen, um Erklärungen für ihr Verhalten zu finden.

    René Manzor hat mit DÉDALES ein sehr düsteres Psycho-Thriller-Drama geschaffen, was dem Zuschauer keine Minute zum durchatmen lässt. Nicht, dass dieser Film rasend schnell inszeniert worden wäre, dafür ist er zu dialogreich, aber die Sogwirkung greift von der ersten Minute an und zieht einen in die kranke Psyche von Claude, dargestellt von Sylvie Testud, die wirklich eine exzellente Wahl ist. Ihr Schauspiel macht richtig Spaß. Aber auch Lambert Wilson, Frédéric Diefenthal, Michel Duchaussoy und Tomer Sisley sind hier hervorragend aufgehoben, um durch die finsteren Welten einer gequälten Seele zu wandern. 

    Das Thema der dissoziativen Identitätsstörung mag für 2003 nicht gerade neu sein und wurde im gleichen Jahr, aus dem gleichen Land mit HIGH TENSION ebenfalls aufgegriffen. Aber DÉDALES nennt das Kind beim Namen, arbeitet mit dem Thema und lässt dem Zuschauer trotzdem noch Raum zur Interpretation. René Manzor, der hier sowohl für die Story als auch das Drehbuch verantwortlich war, hat sich schon mit REISE IN DIE UNENDLICHKEIT (1986) auf bizarre Pfade begeben und mit seinem Pre-KEVIN ALLEIN ZU HAUSE-Kind-gegen-Weihnachtsmann-Action-Thriller DEADLY GAMES (1989) ein wahres Feuerwerk der Unterhaltung entfacht. Danach folgten Regiearbeiten für Serien wie HITCHHIKER, HIGHLANDER oder DIE ABENTEUER DES JUNGEN INDIANA JONES, bevor er sich mit DÉDALES wieder seinen Themen widmete. Aber nicht nur inhaltlich liefert Manzor Spannung und Abgründe, sondern auch visuell, was schon bei seinen beiden anderen erwähnten Filmen positiv aufgefallen ist. Karge Großstadt-Bilder, verregnete Straßen und triste Farben begegnen einem auf diesem düsteren Seelentrip zwischen Psycho-Drama und Serienmörder-Thriller, der einen bis ins Labyrinth des Minotaurus der griechischen Mythologie führt. Im Übrigen ein Thema, was Stephen King in seinem Roman DAS BILD (ROSE MADDER, 1995) ebenfalls aufgegriffen hat. Nebenbei kam mir auch DEAD ZONE in den Sinn, denn ein Art Johnny Smith ist auch hier zugegen, der zudem auch noch hervorragende Gemälde malt. 

    DÉDALES – WÜRFEL UM DEIN LEBEN ist ein geschickt erzählter, stark besetzter Psycho-Thriller, der nicht ins Wanken gerät. 

    (Bjoern Candidus)

  • When Dinosaurs Ruled the Earth, 1970 – ★★½

    When Dinosaurs Ruled the Earth, 1970 – ★★½

    ALS DINOSAURIER DIE ERDE BEHERRSCHTEN
    (WHEN DINOSAURES RULED THE EARTH, GB, 1970, Regie: Val Guest)

    Sanna soll von ihrem Stamm der Sonne geopfert werden. Doch sie kann entkommen und stößt auf Tara, einem jungen Mann von einem anderen Stamm, der mit ihr flüchtet und gemeinsame Abenteuer erlebt. 

    Nach EINE MILLIONEN JAHRE VOR UNSERER ZEIT (1966) ist ALS DINOSAURIER DIE ERDE BEHERRSCHTEN der zweite Ausflug der Hammer-Studios in die Urzeit. Val Guest hat hier Regie geführt, der einem wunderschöne Einblicke in unserer prähistorische Vergangenheit spendiert, in der paläontologische Korrektheit freilich außen vor ist. Und so erlebt man hier mal wieder eine Urzeit, in der Menschen mit Dinosauriern leben. Doch im Gegensatz zu den meisten anderen Filmen dieser Gattung tauchen hier keine Menschen aus der Gegenwart auf, die auf eine phantastische Reise in die Vergangenheit gehen. Hier bleibt man konsequent unter Urmenschen, denen man auch eine eigene Sprache kreiert hat. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Latein, Phönizisch und Sanskrit. Eigentlich eine schöne Sache, doch irgendwann ging mir die Sprache ziemlich auf die Nerven, einhergehend mit einem gewissen Desinteresse, den Figuren gegenüber. Unter den Darstellern finden sich Patrick Allen, Victoria Vetri und Robin Hawdon, die natürlich überhaupt nicht nach Urmenschen aussehen. Wer es da passender haben will, sollte sich AM ANFANG WAR DAS FEUER (1981) angucken. 

    Die Rituale sind schön bizarr, die Ausstattung der Figuren ist sehr phantasievoll, aber die Highlights sind natürlich die Dinosaurier. Jim Danforth und Roger Dicken haben hier hervorragende, fast fließende Stop-Motion-Effekte geschaffen, um den Sauriern Leben einzuhauchen. Es kommt zu gut gemachten Verfolgungs-und Angriffszenen. Nicht weniger phantastisch sind die Studiokulissen der Shepperton Studios, die geschickt mit den echten Schauplätzen auf den kanarischen Inseln kombiniert wurden. Optisch ist der Film ein absoluter Leckerbissen, der für seine Spezial-Effekte zurecht für einen Oscar nominiert wurde. 

    ALS DINOSAURIER DIE ERDE BEHERRSCHTEN bietet sehr gelungene Tricks und Modelle, präsentiert schöne Naturkulissen, aber leidet unter den nervigen Urmensch-Figuren, die sich wie in einem Comic verhalten. Der mitunter teuerste und erfolgreichste Film der Hammer-Studios wird wohl nie den Weg in mein Herz finden, trotz hervorragender Handarbeit. 

    (Bjoern Candidus)

  • Why Does Herr R. Run Amok?, 1970 – ★★★★½

    Why Does Herr R. Run Amok?, 1970 – ★★★★½

    WARUM LÄUFT HERR R. AMOK? (Deutschland, 1970, Regie: Michael Fengler, Rainer Werner Fassbinder) 

    Herr R. führt ein normales Leben als Ehemann und Vater. Sein Geld verdient er als technischer Zeichner. Er ist ziemlich verschlossen und wenn ihm der Alkohol die Zunge lockert, schießt er schnell über das Ziel hinaus. Frau R. ist eine Hausfrau, die mehr Geld und eine größere Wohnung fordert. Doch auf der Arbeit läuft es nicht so gut, und sein Chef kritisiert ihn immer wieder. Herr R. scheint sich wie ein Fremdkörper in seinem Umfeld zu fühlen.  

    WARUM LÄUFT HERR R. AMOK? ist ein zutiefst realistischer Einblick in das Leben eines Mannes, der sein Umfeld nicht mehr erträgt, der das uninteressante, oberflächliche Gerede nicht mehr hören kann und offensichtlich nicht sonderlich geschätzt wird. Er muss funktionieren und das Bild wahren, das reicht. 

    Die Regie hat hier Michael Fengler
    in Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder geführt, die auch für die Produktion zuständig waren. In erster Linie hat aber Fengler die Regie übernommen und seinen Darstellern die Möglichkeit der Improvisation überlassen, was die Inszenierung so realistisch und greifbar macht, als würde man daneben stehen. Es gibt geradezu schauderhafte Momente, die vermutlich die meisten nachvollziehen können. Kurt Raab legt als Herr R. eine erschreckend authentische Performance ab. Er muss nur da sitzen und schweigen, während die anderen reden und reden, um zu sehen, dass irgendetwas ungutes in ihm vorgeht. Das oberflächliche Geschwätz der Menschen um ihn herum erscheint fast dämonisch, wie auch die Hintergrundgeräusche auf seinem Arbeitsplatz. Die Schauplätze reduzieren sich in erster Linie auf den Arbeitsplatz und dem oft besuchten Wohnzimmer der Familie R. Die Kameraarbeit von Dietrich Lohmann unterstreicht den dokumentarischen Einblick in den Abgrund, der sich hier ganz schleichend und begleitend mit vielen Dialogen und ellenlangen Monologen auftut. Neben Raab sind u.a. Lilith Ungerer als Frau R., Hanna Schygulla, Irm Herrmann und Ingrid Caven an Bord. 

    WARUM LÄUFT HERR R. AMOK? ist ein ungeschminkter Blick in eine Welt voller negativer Figuren, die ein oberflächliches, egoistisches und verlogenes Umfeld schaffen, aus dem Herr R. entkommen möchte. Ein perfekter Schlag in die Magengrube. 

    (Bjoern Candidus)

  • Sonny Boy, 1989 – ★★★★

    Sonny Boy, 1989 – ★★★★

    SATANIC – AUSGEBURT DES WAHNSINNS
    (SONNY BOY, USA, Italien, 1989, Regie: Robert Martin Carroll)

    Nachdem Slue ein Touristenpärchen getötet und deren Auto gestohlen hat, entdeckt er ein Baby im Auto. Besonders Pearl, Slues transsexueller Partner, ist ganz entzückt von dem Kind, was er selbst nie bekommen würde. Sie beschließen den Jungen zu behalten. Aber Slue hat spezielle Pläne: er will den Jungen abrichten, um ihn zu seinem Werkzeug zu machen. Erst muss Sonny Boys Zunge dran glauben, dann wird er mit Schlägen, Feuer und anderen Mitteln zu einer Bestie erzogen. Doch irgendwann begegnet Sonny Boy der Tochter des ansässigen Arztes, in die er sich verliebt und die ihm die Welt hinter seiner Welt des Grauens zeigt. 

    Wenn Ovidio G. Assonitis als Produzent auftaucht, heißt das meistens gute Unterhaltung. Ob Giallo (THE CHILD, 1972), Kannibalen-Abenteuer (MONDO CANNIBALE, 1972), Exorzist Rip-Off (WER BIST DU?, 1974) oder Cosmic-Horror (THE CURSE, 1987), Assonitis ist immer für Überraschungen gut. Hier schüttelt er einen richtig wilden Film aus dem Ärmel, der unter der Regie von Robert Martin Carroll entstanden ist, der danach nur noch einen Film inszeniert hat. Auch Graeme Whifler, der das Drehbuch schrieb, dürfte am ehesten noch als Autor von DR. GIGGLES (1992) bekannt sein. SATANIC – AUSGEBURT DES WAHNSINNS ist gar nicht einfach zu beschreiben, denn die Bilder sollte man selbst sehen. Die Landschaft, das Wolkenspiel und die Farben von New Mexiko sind wunderschön von Roberto D’Ettorre Piazzoli (STAR CRASH, 1978) fotografiert. Auch wenn aus der Froschperspektive gefilmt wird, unterstreicht das die schräge Art dieses außergewöhnlichen, fast nihilistischen Films. Von Beginn an wird man mit auffälligen Charakteren konfrontiert, die bis zum Schluss den Ton angeben. Der Haupt-Wahnsinnige, Slue, wird dargestellt von Paul L. Smith, der immer dann zur Stelle war, wenn Bud Spencer nicht bezahlt werden konnte. An seiner Seite ist David Carradine, der hier seinen transsexuellen Freund Pearl spielt. Carradine mit Kleid. Es klingt verrückt, es ist verrückt, aber es wirkt verdammt gut. Der Dritte im Bunde dieser sonderbaren Allianz ist Brad Dourif als Weasel, der wie immer zeigen darf, wie sehr er in irren Figuren aufgehen kann. Komplettiert wird der Haufen von Sydney Lassick als Charlie P. und natürlich mit Michael Boston als Sonny Boy, um den es ja in erster Linie geht. Eine Gruppensexparty wird hier zwar nicht gezeigt, aber dafür schmettert einem Carroll Bilder der Gewalt um die Augen. Die Folter, die Slue an Sonny Boy ausführt, um ihn abzurichten, damit er zu seinem Werkzeug der Gewalt wird, ist garstig, wenn auch nicht immer explizit dargestellt. Die Brutalität schwebt stets im Raum, aber die irrsinnigen Figuren sind viel zu dominant, um den Film auf seine Ruppigkeit zu reduzieren. SATANIC – AUSGEBURT DES WAHNSINNS kann man durchaus als Außenseiter-Drama sehen. Eine Art Kaspar Hauser in der texanischen Hölle, in der ein Junge aufwächst, der die Welt hinter seiner verrückten Pseudo-Familie nicht kennt. Untermalt wird dieser bizarre Trip vom Score von Carlo Maria Cordio. Aber auch David Carradine darf samt eigener Klavierbegleitung ein Liedchen trällern.

    SATANIC – AUSGEBURT DES WAHNSINNS ist grotesk, brutal, wild und ungezügelt, aber auch traurig und rührend. Ein Film, der durchaus in einer Liste mit Filmen wie THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974), WILD AT HEART (1990), PERDITA DURANGO (1997) und THE DEVIL‘S REJECTS (2005) stehen kann. Faszinierend. 

    (Bjoern Candidus)