SATANIC – AUSGEBURT DES WAHNSINNS
(SONNY BOY, USA, Italien, 1989, Regie: Robert Martin Carroll)
Nachdem Slue ein Touristenpärchen getötet und deren Auto gestohlen hat, entdeckt er ein Baby im Auto. Besonders Pearl, Slues transsexueller Partner, ist ganz entzückt von dem Kind, was er selbst nie bekommen würde. Sie beschließen den Jungen zu behalten. Aber Slue hat spezielle Pläne: er will den Jungen abrichten, um ihn zu seinem Werkzeug zu machen. Erst muss Sonny Boys Zunge dran glauben, dann wird er mit Schlägen, Feuer und anderen Mitteln zu einer Bestie erzogen. Doch irgendwann begegnet Sonny Boy der Tochter des ansässigen Arztes, in die er sich verliebt und die ihm die Welt hinter seiner Welt des Grauens zeigt.
Wenn Ovidio G. Assonitis als Produzent auftaucht, heißt das meistens gute Unterhaltung. Ob Giallo (THE CHILD, 1972), Kannibalen-Abenteuer (MONDO CANNIBALE, 1972), Exorzist Rip-Off (WER BIST DU?, 1974) oder Cosmic-Horror (THE CURSE, 1987), Assonitis ist immer für Überraschungen gut. Hier schüttelt er einen richtig wilden Film aus dem Ärmel, der unter der Regie von Robert Martin Carroll entstanden ist, der danach nur noch einen Film inszeniert hat. Auch Graeme Whifler, der das Drehbuch schrieb, dürfte am ehesten noch als Autor von DR. GIGGLES (1992) bekannt sein. SATANIC – AUSGEBURT DES WAHNSINNS ist gar nicht einfach zu beschreiben, denn die Bilder sollte man selbst sehen. Die Landschaft, das Wolkenspiel und die Farben von New Mexiko sind wunderschön von Roberto D’Ettorre Piazzoli (STAR CRASH, 1978) fotografiert. Auch wenn aus der Froschperspektive gefilmt wird, unterstreicht das die schräge Art dieses außergewöhnlichen, fast nihilistischen Films. Von Beginn an wird man mit auffälligen Charakteren konfrontiert, die bis zum Schluss den Ton angeben. Der Haupt-Wahnsinnige, Slue, wird dargestellt von Paul L. Smith, der immer dann zur Stelle war, wenn Bud Spencer nicht bezahlt werden konnte. An seiner Seite ist David Carradine, der hier seinen transsexuellen Freund Pearl spielt. Carradine mit Kleid. Es klingt verrückt, es ist verrückt, aber es wirkt verdammt gut. Der Dritte im Bunde dieser sonderbaren Allianz ist Brad Dourif als Weasel, der wie immer zeigen darf, wie sehr er in irren Figuren aufgehen kann. Komplettiert wird der Haufen von Sydney Lassick als Charlie P. und natürlich mit Michael Boston als Sonny Boy, um den es ja in erster Linie geht. Eine Gruppensexparty wird hier zwar nicht gezeigt, aber dafür schmettert einem Carroll Bilder der Gewalt um die Augen. Die Folter, die Slue an Sonny Boy ausführt, um ihn abzurichten, damit er zu seinem Werkzeug der Gewalt wird, ist garstig, wenn auch nicht immer explizit dargestellt. Die Brutalität schwebt stets im Raum, aber die irrsinnigen Figuren sind viel zu dominant, um den Film auf seine Ruppigkeit zu reduzieren. SATANIC – AUSGEBURT DES WAHNSINNS kann man durchaus als Außenseiter-Drama sehen. Eine Art Kaspar Hauser in der texanischen Hölle, in der ein Junge aufwächst, der die Welt hinter seiner verrückten Pseudo-Familie nicht kennt. Untermalt wird dieser bizarre Trip vom Score von Carlo Maria Cordio. Aber auch David Carradine darf samt eigener Klavierbegleitung ein Liedchen trällern.
SATANIC – AUSGEBURT DES WAHNSINNS ist grotesk, brutal, wild und ungezügelt, aber auch traurig und rührend. Ein Film, der durchaus in einer Liste mit Filmen wie THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974), WILD AT HEART (1990), PERDITA DURANGO (1997) und THE DEVIL‘S REJECTS (2005) stehen kann. Faszinierend.
(Bjoern Candidus)