Autor: marco-fritz

  • It’s Alive, 1974 – ★★★★

    It’s Alive, 1974 – ★★★★

    DIE WIEGE DES BÖSEN
    (IT‘S ALIVE, USA, 1974, Regie: Larry Cohen)

    Frank Davis und Lenore sind voller Freude, denn ihr zweites Kind ist unterwegs. Doch diesmal bringt Lenore kein normales, sondern ein monströses Baby zu Welt, was direkt ein Blutbad im Kreißsaal anrichtet und fortan von der Polizei gesucht wird. Frank und Lenore sind schockiert über ihren Nachwuchs, der sich irgendwo in der Siedlung versteckt und auf neue Opfer lauert. 

    Larry Cohen dringt mit DIE WIEGE DES BÖSEN in einen ganz empfindlichen Bereich vor und greift das Thema des Contergan-Skandals auf, ohne das Kind beim Namen zu nennen. Auch wenn es hier um ein anderes Medikament geht (welches nicht erwähnt wird) und die Auswirkungen andere sind, liegt es auf der Hand, auf was Cohen (u.a.) anspielt. Ein Monsterbaby mit Wasserkopf, Reißzähnen und Klauen, was unmittelbar nach der Entbindung Ärzten und Pflegepersonal die Kehlen durchbeißt, klingt erst mal grotesk. Das Monsterbaby, was von Rick Baker kreiert wurde und teilweise von seiner Partnerin gespielt wurde, ist auch wahrlich kein Sonnenschein. Am besten funktioniert das Baby allerdings, wenn man es nur kurz sieht oder man mittels POV durch seine Augen guckt. Die ganze Inszenierung profitiert von ihrer Dunkelheit. Die Kamera ist meistens ganz dicht am Geschehen, was sich wohl auch dadurch erklären lässt, dass der Film teilweise auf Larry Cohens Grundstück entstanden ist, was er selbst „The Studio“ nannte. 

    DIE WIEGE DES BÖSEN ist kein stumpfer Monster-Horrorfilm mit einem Baby statt einem Schmelzmann, sondern ein kritischer Film über wenig bis gar nicht getestete Medikamente und Giftstoffe, die immer mehr zum Alltag aller werden, über schlechte Arbeitgeber, über die Presse, die für Informationen alles tut, über Polizisten, die auf ein abnormales Baby schießen, über die Beziehung zweier sich liebender Menschen, die ein schweres Schicksal ereilt und über die Bindung zwischen Eltern und Kindern. All die Themen steckt Cohen ins Kostüm eines Horrorfilms, der nicht eine Sekunde seinen ernsten Ton verliert. 

    Auch auf darstellerischer Seite hat Cohen ins Schwarze getroffen. John P. Ryan als Frank Davis und Sharon Farrell als Lenore ergeben ein überzeugendes Ehepaar ab, was völlig überfordert ist. Abgerundet wird Cohens Inszenierung von einem sehr spannenden Score von Bernard Herrmann. 

    DIE WIEGE DES BÖSEN ist ein packender Horrorfilm, der sich durch seine Story und Darsteller auszeichnet, sich nie aufhält und stets selbst ernst nimmt. 

    (Bjoern Candidus)

  • It’s Alive III: Island of the Alive, 1987 – ★★★½

    It’s Alive III: Island of the Alive, 1987 – ★★★½

    DIE WIEGE DES SCHRECKENS
    (IT‘S ALIVE III: ISLAND OF THE ALIVE, USA, 1987, Regie: Larry Cohen)

    Auch Stephen und Ellen Jarvis haben monströsen Nachwuchs bekommen. Vor Gericht kämpft Stephen Jarvis für das Recht auf Leben seines Babys. Mit Erfolg. Der Richter zeigt sich menschlich, und gemeinsam mit vier weiteren Monsterbabys wird das Jarvis-Baby auf eine einsame Insel gebracht, wo sie fortan aufwachsen dürfen. Der Tablettenhersteller, dem man nie beweisen konnte, dass sein Medikament für die Mutationen verantwortlich war, beauftragt seine Männer, die geheime Insel aufzuspüren, um die Babys auszuschalten. Mit wenig Erfolg, denn die Männer werden getötet. Fünf Jahre später lebt Jarvis getrennt von seiner Frau Ellen und leidet weiter unter seinem schlechten Ruf als Monstervater. Er schließt sich einer Expedition der Regierung an, die sich nach dem Wachstum der Babys erkundigen will. 

    Der dritte Teil von Larry Cohens IT‘S ALIVE-Trilogie ist ein schräger Horrorfilm, der den ernsten Ton der beiden Vorgänger etwas zur Seite schiebt und mehr auf Schauwerte setzt. Mehr Babys, mehr Action, mehr Blut, mehr Schauplätze und ganz viele Darsteller werden hier aufgefahren. Ein Teil des Films spielt auf einer Insel mit einer schönen Fels- und Dschungelkulisse. Cohen und sein Kameramann Daniel Pearl liefern sehr atmosphärische Bilder. Die Babys bekommen mehr Raum für ihre Angriffe und präsentieren sich jetzt wesentlich größer, denn schließlich sind fünf Jahre nach ihrer Aussetzung vergangen. Gingen die Vorgänger mit Blut und Gewalt noch recht sparsam um, wird hier sehr viel mehr Gore geliefert, was sicher auch dem Entstehungsjahr geschuldet sein dürfte. 

    Mit Michael Moriarty als Stephen Jarvis hat man diesmal eine ganz andere Vaterfigur an Bord. Sein Charakter ist verbittert und sorgt mit seinen ironischen Sprüchen für Auflockerung. Seine Frau Ellen wird von Karen Black dargestellt, die allerdings nicht viel Spielzeit eingeräumt bekommt. Aus den beiden Vorgängern konnte sich nur James Dixon als Detektive Lt. Perkins retten, der hier mit zur Expedition aufbricht. Durch die vielen Nebenfiguren kommt es zu zahlreichen Szenen, die im Grunde nichts mit der eigentlichen Story zu tun haben, aber immer dafür sorgen, dass DIE WIEGE DES SCHRECKENS nie langweilig wird. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, Cohen hat gleich zwei Teile gedreht. Bernard Herrmann ist diesmal nur in der Titel- und End-Sequenz zu hören; der eigentlich Score stammt von Laurie Johnson, der sich gut hören lässt. 

    Larry Cohen nutzt in DIE WIEGE DES SCHRECKENS jede Minute, um dem Zuschauer einen unterhaltsamen Horrorfilm zu liefern. 

    (Bjoern Candidus)

  • Light the Fuse… Sartana Is Coming, 1970 – ★★★★

    Light the Fuse… Sartana Is Coming, 1970 – ★★★★

    SARTANA KOMMT
    (UNA NUVOLA DI POLVERE… UN GRIDO DI MORTE… ARRIVA SARTANA, Italien, Spanien, 1970, Regie: Giuliano Carnimeo) 

    Nur Grand Full weiß, wo die 500.000 Dollar in Gold und die 20 Millionen in Falschgeld versteckt sind. Nur dumm, dass er in einem Gefängnis einsitzt, so lange er nicht vor dem Direktor den Fundort des Goldes verrät. Als ein neuer Mithäftling, Sartana, Wind von dem Schatz bekommt, befreit er sich und Grand Full, um die Beute zu teilen. Doch weder Grand Full, noch die anderen verdorbenen Seelen haben die Absicht, etwas zu teilen. Sartana bekommt es gleich mit mehreren Fronten zu tun, die er geschickt gegeneinander ausspielt oder direkt zur Hölle fahren lässt.  

    Zum vierten und letzten Mal schlüpft Gianni Garko in die Rolle des Sartana, der hier aus dem Schießen gar nicht mehr rauskommt. Erneut führte Giuliano Carnimeo Regie, und für die Story und das Drehbuch zeichneten sich Eduardo Manzanos, Tito Carpi und der einzigartige Ernesto Gastaldi verantwortlich, die hier ordentlich die Fetzen fliegen lassen. An Mord und Sadismus (Säurefolter) mangelt es genau so wenig wie an Action und Spannung. Hier bekommt man wirklich reichlich, was fürs Geld geboten. 

    Carnimeo entfach einen bleihaltigen Reigen, der kaum stillsteht, immer gut aussieht und mit einem schönen Score von Bruno Nicolai aufwartet. Aber das reicht natürlich nicht aus, denn wir sind in einem Italowestern und da ist das Aushängeschild vor allem der Darsteller, bzw. die Darsteller, und auch in diesem Punkt bietet SARTANA KOMMT eine ganze Menge. Über Gianni Garko als Sartana muss nicht mehr viel gesagt werden. Der Mann ist wie geschaffen für die Rolle, und mit seinem schwarz-roten Cape zeigt er sich als stilvolle Killermaschine. Gerne als Mistkerl zur Stelle: Piero Lulli (TÖTE, DJANGO, 1967), hier als Grand Full, den jeder fangen möchte. Noch viel unangenehmer ist Massimo Serato (BLUTIGER SCHATTEN, 1978) als Sheriff. Und als einzige Frau weit und breit, darf einen die wunderbare Susan Scott alias Nieves Navarro beglücken. Ansonsten gibt es ein Wiedersehen mit Sal Borgese, Luis Induni, Giuseppe Castellano und vielen anderen bekannten Gesichtern aus der Italowesternzunft.  

    Schießereien am laufenden Band, sadistische und dreckige Figuren wohin das Auge blickt, Wendungen und staubige Landschaften machen SARTANA KOMMT zu einem kleinen Highlight im Gros ähnlicher Produktionen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Nick the Sting, 1976 – ★★½

    Nick the Sting, 1976 – ★★½

    DER STACHEL
    (GLI AMICI DI NICK HEZARD, Italien, 1976, Regie: Fernando di Leo)

    Fernando di Leo wandelt hier auf den Spuren von George Roy Hills os­car­prä­mierter Gangster-Komödie der DER CLOU (1973) und schickt Luc Merenda als Nick Hezard, einem sympathischen Dieb und Betrüger, ins Rennen, der sich an einem stinkreichen Gangsterboss rächen will, der seinen Freund und Kollegen auf dem Gewissen hat. Er wird verhaftet und eingesperrt, doch in Wirklichkeit wurde dieser Akt nur inszeniert. Der Großkriminelle Robert Clark, der auf den Namen „der Amerikaner“ hört, wird von dem wunderbaren Lee J. Cobb (DER EXORZIST, 1973) verkörpert, der kurz nach der Produktion verstarb. Hier schien es ihm bereits weniger gut zu gehen, er wirkt fast wie ein Fremdkörper. Dafür ist mir Luc Merenda selten so locker und verspielt begegnet. Fast nebensächlich erscheinen die Auftritte von Dagmar Lassander und William Berger. Zum Ausgleich gibt es ein Wiedersehen mit Umberto Raho (DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE, 1970), Valentina Cortese (AUGE UM AUGE, 1975), Gabriele Ferzetti (DER NACHTPORTIER, 1974) und Fred Williams (NACHTS, WENN DRACULA ERWACHT, 1970). 

    Für die richtigen Töne sorgt der Score von Luis Bacalov, der das wilde Treiben unterstreicht. Bewegung kommt hier nämlich ordentlich auf, was vor allem an den vielen Splitscreen-Szenen liegt, die zwar gut wirken, aber manchmal zu viel des guten sind. Wendungen, Verfolgungen und die vielen unterschiedlichen Schauplätze in Rom und die wenigen Aufnahmen in der Schweiz, bringen Schwung in die Inszenierung. Bedenkt man jetzt noch das Handlungsgeflecht, was etwas zu konstruiert und holprig wirkt, ist es die Hektik, die einem die Sache etwas verderben kann. Man findet überall gute Ansätze und Ideen, die aber auch oft sehr aufgesetzt wirken oder im schlimmsten Fall in sich zusammenfallen. Zudem liegt zu oft der Humor zu dicht bei der Ernsthaftigkeit, was einen komischen Geschmack ergibt. 

    Verglichen mit Fernando di Leos großen Filmen wie NOTE 7 – DIE JUNGEN DER GEWALT (1969), MILANO KALIBER 9 (1972) oder DER MAFIA-BOSS (1972), bei denen er sich auch als geistiger Vater des Drehbuchs zeigte, ist DER STACHEL eher halbgar, obwohl er unter dem Strich unterhält. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Autopsy of Jane Doe, 2016 – ★★★½

    The Autopsy of Jane Doe, 2016 – ★★★½

    THE AUTOPSY OF JANE DOE (GB, 2016, Regie: André Øvredal)

    Ein Gerichtsmediziner und sein Sohn sollen eine weibliche Leiche ohne Identität untersuchen, um die Todesursache zu klären. Äußerlich scheint die junge Dame keinen Gewalteinflüssen ausgesetzt gewesen zu sein, doch die Geheimnisse fangen in ihrem Inneren an. 

    André Øvredal hat hier einen spannenden, unheimlichen Horrorfilm in reinster Form hingelegt, der mit den beiden Hauptdarstellern Emile Hirsch und dem wunderbaren Brian Cox (L.I.E. – LONG ISLAND EXPRESSWAY, 2001) sympathisch besetzt wurde. Beide ergeben ein gutes Vater-Sohn-Gespann. 

    Øvredal verzichtet in diesem Kammerspiel zwar nicht komplett auf Jump-Scare-Einlagen, aber er dosiert sie, und sie funktionieren auch noch. Noch besser funktioniert aber die unheilvolle Atmosphäre, die in den Kellergewölben der Pathologie vorherrscht; das Unwetter, was sich im Hintergrund abspielt trägt zusätzlich zum schaudern bei. Doch damit nicht genug, denn auch Freunde von Gore-Effekten werden bedient, denn man ist ja schließlich in einer Pathologie. Manchmal wird es richtig unangenehm. Von härter Gewalt hält sich der Film weitestgehend fern und konzentriert sich stattdessen auf das Geheimnis hinter „Jane Doe“. Øvredal bewegt sich mehr im Kosmos eines H.P. Lovecrafts oder Stephen King. Schön gruselig ist auch der Score von Denny Bensi und Saunder Jurriaans. 

    THE AUTOPSY OF JANE DOE ist ein gelungener Horrorfilm, der sich Zeit lässt und trotzdem zu jeder Minute Atmosphäre und Spannung liefert. 

    (Bjoern Candidus)

  • Dead of Night, 1977 – ★★½

    Dead of Night, 1977 – ★★½

    MIT DER NACHT KOMMT DER TOD
    (DEAD OF NIGHT, USA, 1977, Regie: Dan Curtis)

    Der Produzent und Regisseur Dan Curtis, der geistige Vater der legendären TV-Serie DARK SHADOWS (1966-1971), wechselte nach seinem meisterlichen LANDHAUS DER TOTEN SEELEN (1976) wieder zurück ins Fernsehen, um nach TRILOGY OF TERROR (1975) einen weiteren Episodenfilm abzuliefern. 

    Wie der Off-Sprecher des Films bereits ankündigt, erwartet den Zuschauer eine geheimnisvolle, eine fantasievolle und eine schreckliche Geschichte. Zumindest ist eine deutliche Steigerung in Sachen Spannung und Horror zu spüren. 
    Die erste Folge, SECOND CHANCE, bietet eine wenig überzeugende, spannungsarme Zeitreise-Rückwerts-Geschichte mit einem Oldtimer aus dem Jahr 1926, die aufzeigt, was kleine Veränderungen für große Auswirkungen haben können. Das Curtis-typische ländliche Ambiente sorgt für eine Vertrautheit, der Inhalt erinnert an die TWILIGHT ZONE, dennoch ein müder Auftakt. Etwas düsterer und klar im Horror verankert ist die zweite Episode, NO SUCH THING AS A VAMPIRE. Hier wacht die holde Dame von Dr. Gheria immer wieder mit vampirischen Mahlen am Hals auf. Mit seinem Freund Martin und seinem Butler will er das Blutsauger-Problem lösen, doch dabei stößt er gleich auf zwei Probleme, die er lösen muss. Mit Patrick Macnee, Horst Buchholz und Elisha Cook Jr. wird man hier darstellerisch gut bedient und darf sich auf einen netten Twist freuen. Ein richtiges Highlight stellt die dritte Episode, BOBBY, dar. Inhaltlich bewegt man sich auf den Pfaden der Kurzgeschichte DIE AFFENPFOTE von W. W. Jacobs von 1902. Bei Curtis lässt eine Mutter ihren Sohn durch ein okkultes Ritual wieder auferstehen. Doch ihr geliebter Sohn, Bobby, führt anderes im Schilde, statt seine Mutter zu lieben. Hier schafft Curtis eine dichte Atmosphäre, sorgt für düstere Bilder, die in den besten Momenten die TV-Optik der vorherigen Episoden übertüncht und entfacht in den letzten 10 Minuten richtigen Terror, der im Finale an seine Robert Marasco Adaption LANDHAUS DER TOTEN SEELEN erinnert. Verstärkt wird dieses Gefühl, da auch hier Lee Montgomery an Bord ist. Das Curtis-Grusel-Feeling, was in den meisten seiner Horrorfilme zu spüren ist, wird erneut durch seinen Haus- und Hof-Komponist Bob Cobert verstärkt.

    MIT DER NACHT KOMMT DER TOD hat seine Startschwierigkeiten, schmückt sich in den ersten beiden Episoden weder mit gruseliger Atmosphäre noch mit Spannung, zeigt sich aber mit der letzten von seiner besten Seite. Episoden-Horror-Mittelfeld von einer kleinen Legende. 

    (Bjoern Candidus)

  • Porno Holocaust, 1981 – ★½

    PORNO HOLOCAUST
    (Italien, 1981, Regie: Joe D’Amato)

    Ein Doktor, eine Biologin, eine Zoologin und eine Kernphysikerin reisen mit Captain O’Day auf eine Insel, auf der Atombombentests stattgefunden haben. Aufgrund der Strahlung sind die dort ansässigen Tiere ungewöhnlich groß geworden, was die Wissenschaftler untersuchen wollen. Nur dumm, dass auf der Insel auch ein dauergeiler Mutant sein Unwesen treibt, der das neue Frischfleisch kaum erwarten kann.  

    Joe D’Amato präsentiert Lecker und Bläserinnen auf der Insel der Lust! Nichts Ungewöhnliches im Œuvre des Italieners, und im Grunde das, was man auch erwartet. Leider gelingt D’Amato nicht die moderige Atmosphäre von IN DER GEWALT DER ZOMBIES (1980) zu wiederholen, den er kurz vorher ebenfalls in der Dominikanischen Republik drehte. Auch dort war bereits der Horror-Anteil gegenüber des Sex-Anteils sehr übersichtlich, was hier noch deutlicher ist, aber dort stimmt wenigstens der morbide Anstrich und man wird mit Zombies mit Pappmaschee-Köpfen beglückt. Wem die Hardcore-Versionen dieser Filme zu klebrig sind, kann sich aber in der Regel auch mit den Softcore-Versionen befriedigen. Doch neben viel Pimmelaction und Muschiverwöhnungen gibt es auch bei PORNO HOLOCAUST ein bisschen Horror-Zutaten, die allerdings frei von Spannung sind. Dafür sorgt ein sexgeiler Mutant, der auf der Insel wohnt und gierig auf sämtliche Körperöffnungen wartet, die er gerne so hart penetriert, dass die Damen manchmal das Zeitliche segnen. Leider übernimmt den Part des Stechers diesmal nicht George Eastman, wie bei IN DER GEWALT DER ZOMBIES, obwohl er auch hier am Start ist, sondern ein Irgendwer mit einem sehr dicken Penis und einem ziemlich billigen Make-up mit einer steckdosenartigen Nase. Überhaupt ist Eastman der einzige Stern am Himmel, der hier funkelt. Mark Shannons Aufgabe ist blankziehen und bumsen, was die Damen dankend (oder nicht) annehmen. Wer also keine Horror-Pornos mag, wird hier kaum Gefallen finden. Was aber wirklich sehr bedauerlich ist: die angeblich wegen Strahlung viel zu groß gewachsenen Tiere auf der Insel werden nicht gezeigt. Die hätten bestimmt richtig toll ausgesehen, bedenkt man die anderen „Highlights“ in dieser Produktion. Der Ausgleich kommt mit Nico Fidencos schönem Score. 

    Wer an Pornos Gefallen findet, darf bei PORNO HOLOCAUST einen Blick riskieren, aber wer auf Horrorfilme steht, sollte andere Filme von Joe D’Amato schauen. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Haunted House of Horror, 1969 – ★★★

    The Haunted House of Horror, 1969 – ★★★

    GÄNSEHAUT
    (THE HAUNTED HOUSE OF HORROR, GB, 1969, Regie: Michael Armstrong)

    Eine Gruppe junger Leute steigt in ein altes, heruntergekommenes Haus mit finsterer Vergangenheit ein. Nachdem einer der Freunde in dem Haus getötet wird, beschließen sie, den Mord geheim zu halten, um nicht in Verdacht zu geraten. Doch das Gewissen nagt an ihnen, und der Killer ist weiter unterwegs. 

    Ein Jahr bevor Regisseur Michael Armstrong (mit Adrain Hoven) der Welt den wunderschönen HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT schenkte, drehte er für die britische Filmschmiede Tigon diesen Horror-Thriller, der bereits frühe Slasher-Elemente erkennen lässt und auch ein wenig ans Giallo-Kino erinnert. 

    Leider braucht der Film viel Anlauf, um zu zünden, was die ersten 20 Minuten etwas dröge machen. Auch im späteren Verlauf tritt die Inszenierung immer mal wieder auf der Stelle. Immerhin wird atmosphärisch was geboten. Armstrong pendelt zwischen buntem Swinging Sixties- und klassischem Horrorhaus-Ambiente und serviert zwischendurch verregnete und neblige Landstraßen wie es sich für England gehört. Kombiniert mit dem Score wird zumindest eine gewisse Spannung aufgebaut. Unerwartet ruppig sind auch die (wenigen) Morde, die für 1969 recht blutig geraten sind. 

    Insgesamt ist die Besetzung durchaus brauchbar, und mit Dennis Price und Frankie Avalon sind zumindest zwei bekannte Gesichter dabei. Die Rolle des Killers sollte im Übrigen ursprünglich David Bowie übernehmen, der noch vor seiner musikalischen Karriere stand. 

    GÄNSEHAUT ist sicher keine Glanzleistung, aber wer Lust hat auf britisches Horrorkino mit Gruselatmosphäre, findet hier zumindest solide Kost. 

    (Bjoern Candidus)

  • 91. Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London (1976)

    91. Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London (1976)

    JACK THE RIPPER – DER DIRNENMÖRDER VON LONDON

    Deutschland, Schweiz, 1976

    Regie: Jess Franco

    True Crime zu Heiligabend!

    Bjoern Candidus und Patrick Siebold bewegen sich diesmal auf den Spuren von Jack the Ripper und besprechen Jess Francos JACK THE RIPPER – DER DIRNENMÖRDER VON LONDON. In dem von Erwin C. Dietrich produzierten Film schlüpft Klaus Kinski in die Rolle des Rippers, um London in Angst und Schrecken zu versetzen.

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Revenge, 2017 – ★★★½

    Revenge, 2017 – ★★★½

    REVENGE 
    (Belgien, Frankreich, 2017, Regie: Coralie Fargeat)

    Jen lässt sich auf ein Liebesabenteuer mit dem verheirateten Richard ein, der ein luxuriöses Haus irgendwo in der Wüste von Marokko besitzt. Doch aus dem gemeinsamen Wochenende wird nichts, denn Stan und Dimitri, zwei Freunde von Richard, klopfen an die Tür. Die schöne Jen fällt den beiden natürlich gleich ins Auge, und sie tut bei der abendlichen Party alles, um auch ihnen den Kopf zu verdrehen. Stan erhofft sich am anderen Tag, Jen ebenfalls für eine Nummer gewinnen zu können, doch sie macht im klar, dass er nicht ihr Typ ist. daraufhin vergewaltigt er sie mit dem Wissen von Dimitri, der währenddessen ein Bad im Pool nimmt. Die Situation eskaliert vollends, und Jen versucht vor den drei Männern zu flüchten. Bei dem Versuch kann Richard Jen von einem Berg stoßen. Im Glauben, Jen sei tot, kehren sie zurück zum Haus und stricken sich eine Story zu recht. Doch Jen ist mitnichten tot. Schwerverletzt kann sie sich in eine Höhle schleppen und ihre Wunde versorgen. Sie plant einen tödlichen Rachefeldzug.

    Statt auf eine Story zu setzen, folgt Regisseurin Coralie Fargeat dem simplen Muster zahlreicher Rape-and-Revange Filme, die seit Jahrzehnten immer wieder die Kinos und die heimischen Bildschirme erreichen. Doch Fargeats Inszenierung hat es rein visuell geschafft, mich zu begeistern und bei Laune zu halten. 

    Zeigt sich der Film anfänglich modern mit Richards pompösen Haus mit Pool, geht es danach schnell in die karge, felsige Wüste, die Erinnerungen an THE HILLS HAVE EYES (1977) erwecken, und besonders Ajas Remake von 2006 drängt sich auf, wenn es um die grafische Gewalt geht. Spätestens nach 20 Minuten wird hier ein Feuerwerk der Gewalt entzündet, was sich bis zum Ende zieht und teilweise in ungeahnte Gore-Exzesse ausartet. In dem Punkt nimmt der Film wahrlich keine Gefangenen und reiht sich nahtlos in das französische Horrorkino ein, was seit HIGH TENSION (2003) immer wieder aus dem Gebüsch hervorspringt. Veredelt wird der blutige Rachefeldzug von einem treibenden Elektro-Score von Robin Coudert (kurz Rob), der schon Ajas hervorragenden MANIAC (2012) musikalisch verzauberte.

    REVENGE hat aber auch eine Schattenseite. Nicht, dass Matilda Lutz als Jen schlecht besetzt wäre, aber ihr Partygirl-Charakter, der sich nach dem Sturz (den wohl die wenigsten überlebt hätten) in den eines Racheengels verwandelt, der es bestens versteht, sich Wunden auszubrennen und schwerbewaffnet durch die Wüste zu rennen, ist wenig überzeugend. Aber immerhin macht sie halbnackt und schwerbewaffnet was her. Treffender, wenn auch eindimensionaler, sind Richard (Kevin Janssens), Stan (Vincent Colombe) und Dimitri (Guillaume Bouchède), die von Beginn an verachtenswerte Arschlöcher sind. 

    Inhaltlich bietet REVENGE wahrlich nichts Neues und ist in keiner Weise intelligent, aber Fargeat gleicht alles durch die visuelle Kraft der Bilder aus und wird so zu einem blutigen und kompromisslosen Gewalt-Reigen, der zu keiner Sekunde langweilt. 

    (Bjoern Candidus)