Autor: marco-fritz

  • I Am Not a Serial Killer, 2016 – ★★★★

    I Am Not a Serial Killer, 2016 – ★★★★

    I AM NOT A SERIAL KILLER
    (GB, Irland, 2016, Regie: Billy O‘Brien)

    John lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter und Tante in einer kleinen Stadt, wo sie ein Beerdigungsinstitut betreiben. Doch die Stadt ist in Aufruhr, denn ein Serienmörder treibt sein Unwesen. John, der durch sein soziopathisches Verhalten Angst hat, selbst zum Mörder zu werden, beobachtet den Mörder bei seiner Tat und nimmt schließlich Kontakt zu ihm auf. 

    Regisseur Billy O‘Brien (ISOLATION, 2005) hat hier einen spannenden Serienmörder-Horrorfilm-Hybrid mit Coming-Of-Age-Zutaten gedreht, der vor allem durch die sympathischen Darsteller auftrumpft. Angeführt wird die Besetzung durch den sehr überzeugenden Max Records (WHERE THE WILD THINGS ARE, 2009) als John Wayne Cleaver, der sich als soziopathischer Teenager sofort in mein Herz gespielt hat. Es macht einfach Spaß, seiner Auffassung der Dinge zu folgen. Zudem ist er schlagfertig, neugierig und gewitzt. Auch seine Mutter, April Cleaver, dargestellt von Laura Fraser und Tante Margaret, dargestellt von Christina Baldwin, sind sympathische Figuren, die ein Beerdigungsinstitut samt Einbalsamierungs-Service betreiben, in dem Max allzu gerne mitarbeitet. Gekrönt wird die Besetzung von Christopher Lloyd, der hier eine ungewöhnlich finstere Rolle einnimmt. 

    Das Setting, eine US-Kleinstadt, sorgt für eine heimelige Atmosphäre, vor allem, wenn ab der zweiten Hälfte der Schnee fällt. Hier rückt der Film auch immer wieder in die Nähe von Stephen King und seinem Kleinstadt-Kosmos. Insgesamt ist die Inszenierung sehr ansprechend, wurde schön fotografiert und verhält sich nie hektisch. 

    Spannung, ein paar verstörende Momente, interessante Figuren, eine Prise schwarzer Humor und ein bizarrer, wenn auch streitbarer Twist gegen Ende, machen I AM NOT A SERIAL KILLER zu einem sehr gelungenen, facettenreichen Horrorfilm. Basieren tut das Ganze auf dem gleichnamigen Roman von Dan Wells aus dem Jahre 2009. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Skull, 1965 – ★★★

    The Skull, 1965 – ★★★

    DER SCHÄDEL DES MARQUIS DE SADE
    (THE SKULL, GB, 1965, Regie: Freddie Francis)

    Christopher Maitland, ein Autor über das Okkulte und Sammler obskurer Gegenstände, bekommt von seinem Stammhändler Anthony Marco den Schädel des berühmt berüchtigten Marquis de Sade angeboten. Der Schädel wurde einst von einem Phrenologen aus dem Grab des Marquis gestohlen, der kurz nach dem kochen des Schädels getötet wurde. Maitland zweifelt die Echtheit des Schädels an, aber Marco kann ihn soweit überzeugen. Maitland handelt den Preis herunter und möchte einen Tag Bedenkzeit. Zwischenzeitlich erfährt Maitland, dass seinem Freund Sir Matthew Phillips der Schädel gestohlen wurde. Eigentlich wurde Phillips geradezu befreit. Er behauptet von dem Schädel geht eine böse Macht aus, die wie ein Fluch auf einem lastet. Als Maitland Marco aufsucht, findet er diesen tot in seiner Wohnung vor. Er nimmt den Schädel an sich, und die Dinge nehmen ihren Lauf.

    An großen Namen mangelt es diesem Horrorfilm aus den britischen Amicus-Studios wahrlich nicht. Regie führte Freddie Francis, die Vorlage stammt von Robert Bloch, das Drehbuch von Milton Subotsky (1921 ‑ 1991) und vor der Kamera versammeln sich Peter Cushing, kurz Christopher Lee und noch kürzer Michael Gough, so wie Patrick Magee und Patrick Wymark. 

    Schon in der im frühen 19. Jahrhundert angesiedelten Eröffnungs-Sequenz, wenn auf dem Friedhof das Grab des Marquis de Sade geöffnet wird, steht die Inszenierung auf Grusel-Atmosphäre, wie man sie von den Hammer-Studios oder aus dem Roger Corman Poe-Zyklus kennt. Wenig später macht die Story einen Sprung in die 1960er-Jahre und nimmt einen anderen Ton an. Schon während einer Auktion in der Sir Matthew Phillips (Christopher Lee) vier Skulpturen ersteigert, wird klar, dass sich DER SCHÄDEL DES MARQUIS DE SADE mit okkulten Themen beschäftigt, zumindest in der Darstellung. Inhaltlich ist hier leider nicht viel zu erwarten, außer eine absurde Geschichte um den ach so bösen Marquis de Sade, dessen grausamen Ideen über seinen Tod hinaus weiter existieren, und zwar in seinem Schädel, der hin und wieder auch munter durch die Luft schweben kann und den Geist seines aktuellen Besitzers ordentlich quält, bevor er Schlimmeres mit ihm vorhat. 

    Doch Francis hat es, trotz inhaltlicher Schwächen, verstanden, mich zu gruseln. Eine unheilschwangere Atmosphäre ist permanent zu spüren, die okkulten Figuren, Relikte und Bücher, die überall zu sehen sind, unterstreichen diese. Auch der Score von Elisabeth Lutyens trägt zu den unheilvollen Momenten bei. In erster Linie wird die Inszenierung aber von Peter Cushing als Christopher Maitland getragen. Cushing ist immer authentisch und Paranoia und Wahnvorstellungen stehen im gut zu Gesicht. 

    Sieht man von der flachen Story und einem Mangel an Schauwerten ab, ist DER SCHÄDEL DES MARQUIS DE SADE insgesamt ein gut fotografierter, glänzend besetzter Horrorfilm mit einer gruseligen Atmosphäre. Auch wenn es kaum Unterschiede zu Blochs Vorlage gibt, funktioniert diese in geschriebener Form allerdings besser.

    Ein stärkerer Vertreter aus dem britischen Okkult-Horrorkino ist DIE BRAUT DES TEUFELS (1968), der mir hier durchaus in den Sinn kam. 

    (Bjoern Candidus)

  • Spezial: Filme gucken, Filme sammeln

    Spezial: Filme gucken, Filme sammeln

    TRAUMSTADT SPEZIAL: Filme gucken / Filme sammeln

    Bjoern Candidus und Marco Fritz lassen das Jahr entspannt ausklingen und sprechen über ihre Filmleidenschaft. Es geht um Filme gucken, archivieren, um die Entwicklung der Formate, um das Kaufverhalten und so weiter.

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Malombra, 1984 – ★★★

    Malombra, 1984 – ★★★

    MALOMBRA
    (Italien, 1984, Regie: Bruno Gaburro)

    Nachdem sich Marco bei seinem Onkel und seiner Schwägerin eingenistet hat, dessen Frau vor einiger Zeit gestorben ist, lernt er die junge Cameriera kennen. Diese ist sehr angetan von ihm und versucht seine Sexualität richtig zu entfachen. Doch dann kommt es zu einer geheimnisvollen Begegnung mit einer Dame, die seiner verstorbenen Tante auf unheimliche Art gleicht.

    Bruno Gaburro, der sich vor allem zwischen Erotik, Softsex und Drama bewegt, hat hier ein visuell ansehnliches Softsex-Drama mit Gothic-Grusel Anstrich gezaubert. Grusel ist ein großes Wort, was hier im Grunde fehl am Platz ist. In dem Bereich hätte Gaburro mit kleinen Mitteln etwas erreichen können, aber die Erotik kam ihm dazwischen. Auch gut. Das Set bietet dafür schon mehr Stimmung. Der Gothic-Freund wird durch das Herrenhaus und der dazugehörenden Parkanlage des Onkels angesprochen, und hin und wieder hört man auch Donner grollen. Die Fotografie von Pasquale Fanetti kann sich sehen lassen, und in den stärksten Momenten wird sogar eine richtig edle Stimmung durch Licht und dem erdigen Anstrich der Sets erzeugt. Für das Drehbuch zeichnete sich Piero Regnoli verantwortlich. Kein unbeschriebenes Blatt, hat er doch Drehbücher zu so unvergesslichen Schmierfilmen wie PATRICK LEBT! (1980), DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES (1981) oder SEXORGIEN IM SATANSSCHLOSS (1982) geschrieben. PATRICK LEBT! kann einem zumindest in Bezug auf die Villa in den Sinn kommen. In welcher Villa man hier ist, weiß ich nicht, jedenfalls ist es nicht die legendäre Villa Parisi, auch wenn sie ihr stark ähnelt. Piero Regnoli hat sich hier an einem Thema bedient, was auf dem Roman MALOMBRA von Antonio Fogazzaro (1842 – 1911) zurückgeht, der das erste Mal als Stummfilm im Jahre 1917 unter der Regie von Carmine Gallone adaptiert wurde. Es folgten einige andere Adaptionen, wie z.B. EIN ENGEL FÜR DEN TEUFEL (1966) von Camillo Mastrocinque.

    Das Hauptanliegen ist hier ganz klar die Schlüpfrigkeit, das Selbstbefummeln von Paola Senatore (LEBENDIG GEFRESSEN, 1980) die netten Spielereien zwischen Cameriera (Scilla Jacu) und Marco (Stefano Alessandrini). Dazu gibt es noch das herrschsüchtige Verhalten von Maurice Poli (RABID DOGS, 1974) als Onkel Osvaldo und ein Wiedersehen mit Gino Milli (HORRORSEX IM NACHTEXPRESS, 1980), der auch hier scheinbar graue Staubmäuse auf dem Kopf trägt. Leider schleicht sich auch immer wieder eine gewisse Langeweile ein, wenn mal wieder irgendwer irgendwen befummelt.

    Unterdrückung, Manipulation, Liebe, Sex und Zärtlichkeit… MALOMBRA ist ein nettes Italo-Filmchen, was mit Baujahr 1984 verdammt nach 70er-Jahre-Kino aussieht.

    (Bjoern Candidus)

  • Phantom of Death, 1988 – ★★★½

    Phantom of Death, 1988 – ★★★½

    OFF BALANCE – DER TOD WARTET IN VENEDIG
    (UN DELITTO POCO RUBENS, Italien, 1987, Regie: Ruggero Deodato)

    Der erfolgreiche Pianist Robert Domenici leidet plötzlich an einer Krankheit, die ihn binnen kurzer Zeit stark altern lässt. Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr. Zu seinem körperlichen Zerfall gesellt sich auch noch ein geistiger, der ihn zum Killer macht. Inspektor Datti ist auf den Fall angesetzt, und der ahnt nicht, wie nahe er dem Täter ist. 

    Während die Zeit von Großtaten eines Lucio Fulcis, Sergio Martinos oder Umberto Lenzis langsam vorbei waren, konnte sich ein Dario Argento in den späten 80er-Jahren noch am ehesten mit richtiger Qualität schmücken. Irgendwo in den mittleren Bereich schaffte es Ruggero Deodato. Vor allem konnte Deodato immer mit wechselnden Themen überraschen. 1984 servierte er mit CUT & RUN einen actionreichen Dschungel-Sekten-Medien-Schocker; 1986 kredenzte er mit BODYCOUNT – DIE MATHEMATIK DES SCHRECKENS einen netten Wald-und-Wiesen-Slasher. Aus dem gleichen Jahr, stammt der Abenteuer-Actionfilm FLASH FIGHTER, dem ein Jahr später der ansehnliche Fantasyfilm DIE BARBAREN folgte. Mit OFF BALANCE widmete sich Deodato dann dem Giallo, den er vorher, im Gegensatz zu vielen seiner Regie-Kollegen, nie wirklich aufgegriffen hat. 1987 war diesbezüglich ein gutes Jahr für den Giallo, denn Dario Argento feuerte mit OPERA sein wohl letztes großes Meisterstück in die Welt. Das Niveau von OPERA wird hier natürlich nicht erreicht, aber es soll hier auch nicht um einen Vergleich gehen.

    Deodato wäre nicht Deodato, wenn er nicht etwas Spezielles mit einfließen lässt. Und so ist OFF BALANCE – DER TOD WARTET IN VENEDIG nicht nur ein italienischer Thriller, sondern auch ein Drama über einen schwerkranken Mann, der in kürzester Zeit seinen Verstand verliert und zum Mörder wird. Wer der Killer ist, bleibt nicht lang geheim, da der Zuschauer Michael Yorks Leidensweg miterleben soll, und der ist kein schöner. Hier ist viel Leid und Schwermut, die nicht nur durch Yorks Charakter, sondern auch durch Pino Donaggios Score zu Tage kommt. Michael York ist wirklich gut ausgewählt worden. Und das Wiedersehen mit Edwige Fenech, die hier eine schreckliche 80er-Jahre-Frisur trägt, hat mich auch gefreut, da ihr letzter Auftritt in einem Giallo zu dieser Zeit auch schon über 10 Jahre her war. Über Donald Pleasence freue ich immer, und hier kommt er als Inspektor teilweise noch mal richtig aus sich heraus. Ansonsten gibt es noch kleine Auftritte von Caterina Boratto (DIE 120 TAGE VON SODOM, 1975), Giovanni Lombardo Radice (ASPHALT- KANNIBALEN, 1980) und Hal Yamanouchi (GHOSTHOUSE, 1989). Die Besetzung stimmt also soweit. Das im deutschen Titel groß angekündigte Venedig geht leider ziemlich unter. Es gibt ein paar kurze Impressionen vom Markusdom und vom Ufer, aber das war es dann. Die restlichen Aufnahmen entstanden im Studio oder an anderen Orten in Italien. Auch wenn die 80er-Jahr immer mal wieder durchscheinen, versprüht der Film doch mehr den Charme der 70er, dabei orientiert er sich inhaltlich an einem ziemlich modernen Horrorfilm. Die Krankheit, von der im Film die Rede ist, nennt sich Progerie (im Film wird der Name nicht genannt) und tauchte ganz prominent in Tony Scotts Whitley Strieber Adaption BEGIERDE (1983) auf. Das schnelle Altern tritt in der Regel schon in frühester Kindheit auf, nicht erst im Erwachsensein. Hier kommt es auch zu einer recht verstörenden Szene, in der man ein Kind auf einem Spielplatz schaukeln sieht. Dieses Kind ist an Progerie erkrankt, was man durch ein sehr fieses Make-up verdeutlichen wollte. In Sachen Effekten tobt man sich sogar aus, wenn man die sonstige ruhige Art des Films bedenkt. Die Stichattacken, die meistens gezielt in Hälse gehen, sind kurz, aber äußerst blutig; da sieht man, wer hier am Steuer sitzt. Ganz okay, aber nicht so gut wie in BEGIERDE, ist das Alterungs-Make-up von Michael York. Am Hals krankt es schon mal, aber ansonsten kann man damit leben.

    OFF BALANCE – DER TOD WARTET IN VENEDIG ist ein interessanter Giallo, dem es zwar an Spannung mangelt, aber dafür liefert Deodato Dramatik, Charaktere, schöne Bilder und sticht nebenbei ordentlich zu.

    (Bjoern Candidus)

  • Deadly Eyes, 1982 – ★★★

    Deadly Eyes, 1982 – ★★★

    NIGHT EYES
    (DEADLY EYES, Kanada, 1982, Regie: Robert Clouse) 

    Eine Lieferung mit Steroiden verseuchter Mais dient als Nahrungsquelle für eine Horde Ratten, die alsbald zu hundegroßen Bestien heranwachsen, denen Katzen nicht mehr ausreichen und sich fortan auf Zweibeiner konzentrieren. Recht so. Nicht aber für eine Dame vom Gesundheitsamt und einem Sportlehrer, die die Gefahr erkennen und gegen sie in den Ring steigen.

    Robert Clouse (DER MANN MIT DER TODESKRALLE, 1973) lässt die Ratten los und serviert mit NIGHT EYES die Adaption zu „The Rats“, dem Debüt-Roman des britischen Schriftstellers James Herbert aus dem Jahre 1974. 

    Ratten sind, besonders im Horrorkino, beliebt und zeigen über die Jahrzehnte immer wieder ihre Knopfaugen. Man kennt sie als Freunde von Verstoßenen (WILLARD, 1971 / BEN, 1972), als gefräßige Riesenviecher (DIE INSEL DER UNGEHEUER, 1976 / DIE STUNDE DER RATTE, 1989) oder als Randerscheinung, wenn sich ein Vampir in sie verwandelt (BRAM STOKER‘S DRACULA, 1992). Ratten sind schlau, niedlich und fotogen, wobei in NIGHT EYES nicht jede Ratte eine Ratte ist. Als Darsteller werden hier nämlich nicht nur Ratten oder Rattenpuppen, sondern auch Dachse mit Rattenkostümen eingesetzt, was meistens eher lustig aussieht, wenn man die Bewegungen beobachtet. Gerade in diesen Szenen geht der Film mit einer ordentlichen Schnitt-Geschwindigkeit vor, um kleinere Schwierigkeiten in der Darstellung zu kaschieren. Die Attacken der Nagerfreunde sind kurz und blutig, aber im Vergleich zur Vorlage deutlich zurückhaltender. Während Herbert in seinem Roman z.B. erst einen Hund vor den Augen eines Babys fressen lässt, bevor das Baby selbst gefressen wird, ist es im Film ein Kleinkind, was im Off sein Leben lässt. Überhaupt ist Herberts Roman, der storytechnisch nicht sonderlich tief schürfend ist, aber auf seine Art sehr gut als blutiger Pulp-Roman funktioniert, nur lose zu erkennen. Der Roman ist jedenfalls kompakter gehalten, als der Film, der manchmal sprunghaft wirkt und sich teilweise zu oft mit Belanglosigkeiten aufhält. Im Vergleich dazu wird nur selten anhaltende Spannung oder eine unheimliche Stimmung aufbaut. 

    Das Schlimmste sind aber die meisten männlichen Darsteller, angeführt von Sam Groom als Sportlehrer Paul Harris, die wie passive Strohpuppen daherkommen und im völligen Kontrast zu der starken weiblichen Besetzung stehen. Sara Botsford als Kelly Leonard vom Gesundheitsamt macht Spaß, aber noch mehr frischen Wind bringt Lisa Langlois, die bestens bekannt ist aus Claude Chabrols Psycho-Thriller BLUTSVERWANDTE (1978). Was die männliche Seite angeht, darf man sich zumindest über ein Wiedersehen mit Scatman Crothers (SHINING, 1980) freuen, der hier erneut in winterlicher Umgebung unterwegs ist. Aber nicht nur die Wetterbedingungen sind angenehm, sondern auch das Setting. Gedreht wurde in Toronto, und Großstätte sind selten die Schauplätze für Tierhorrorfilme, was sich 1984 vielleicht auch Franco E. Prosperi bei WILD BEASTS dachte, der einem hier durchaus in den Sinn kommen darf. Und WOLFEN (1981) von Michael Wadleigh, sollte man in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen.

    NIGHT EYES gewinnt durch seine Großstadt-Atmosphäre, durch ein paar blutige Momente und durch die weiblichen Darsteller, verliert aber durch seine sprunghafte Erzählstruktur, seine zu kurzen Spannungsmomente und dem einschläfernden Sam Groom. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Cellar, 1989 – ★★

    The Cellar, 1989 – ★★

    ANTHONY II
    (THE CELLAR, USA, 1989, Regie: Kevin Tenney)

    Mance Cashen fährt mit seiner schwangeren Frau Emily und seinem Sohn Willy in die texanische Wüste, um dort einen Job zu finden und sich in einem Haus niederzulassen. Anfänglich geht der Plan auf, doch etwas Schreckliches lauert im Keller des Hauses der Cashen. Als der junge Willy auf einen Comanche-Medizinmann stößt, erzählt er ihm von einem Monster, was seine Väter geschaffen haben, um den Weißen Mann zu vernichten. Als Willy von einer Krallenhand attackiert wird, die aus einem Tümpel hinter dem Haus der Cashens herausschnellt, wird ihm klar, welche Gefahr hier lauert, doch niemand will ihm glauben. 

    Kevin Tenney, der Filme wie den Okkult-Horrorfilm WITCHBOARD (1986) oder die schräge Dämonen-Horror-Komödie NIGHT OF THE DEMONS (1988) ablieferte, tritt hier deutlich auf die Bremse. Das Hauptproblem sind die ganzen Konflikte zwischen den Figuren, die nur wenig mit dem Monster zu tun haben. Dieses scheint man überhaupt vergessen zu haben, obwohl Willy und sein Comanchen-Freund oft genug davon sprechen. Zumindest bekommt man zwischendurch mal die Krallenhand zu sehen, aber bis man es dann (fast) in Gänze bewundern darf, vergeht gut eine Stunde. Bei dem Monster, was durchaus okay aussieht, darf man sich eine Mischung aus Werwolf und Bären ohne Fell vorstellen. Leider bewegt sich das Monster sehr hölzern. Wenn nach einem zähen Weg endlich mal Action einsetzt, ist man im Grunde schon im knappen Finale angelangt.

    ANTHONY II, der nur in Deutschland als Titel-Fortsetzung zu ANTHONY (THE KINDRED, 1987) vermarktet wurde, bietet tolle Naturlandschaften voller interessanter Felsformationen, zeigt Greifvögel und Echsen und nutzt den Tag wie auch die Nacht bestens, um Atmosphäre zu erzeugen. Dabei hilft auch der starke Score. Der mystische Aspekt der amerikanischen Ureinwohner, der hier angeschnitten wird, setzt sich etwas vom gängigen Themenbereich damaliger Horrorfilme ab. Indigene Kulturen, Fetisch-Gegenstände, Rituale und Zeremonien sind nichts Unbekanntes, aber auch nichts Häufiges im Horrorkino. Filme wie z.B. DER MANITOU (1978), PROPHEZEIUNG (1979), WOLFEN (1981), POLTERGEIST 2 (1986), FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE (1989) oder als Häppchen in CREEPSHOW 2 (1987) oder SPUK AM LAGERFEUER (1990) machen solche Thema auf. Die Darsteller sind unauffällig, und man darf froh sein, das der Junior, dargestellt von Chris Miller, keine Katastrophe ist, denn der trägt den Großteil der Story. Patrick Kilpatrick und Suzanne Savoy bleiben als Willys Eltern vergleichsweise blass. Zum Ausgleich gibt es ein Wiedersehen mit Lou Perryman (THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2, 1986) als Choleriker. 

    ANTHONY II bietet was für Augen und Ohren, dehnt sich aber wie Kaugummi, um dann mit einem kleinen Knall zu enden. Hätte man hier mehr Horror- und Monster-Momente gehabt, hätte sich Kevin Tenney sicherlich ein höheres Plätzchen ergattern können. 

    (Bjoern Candidus)

  • Murder Obsession, 1981 – ★★★½

    Murder Obsession, 1981 – ★★★½

    MURDER OBSESSION
    (FOLLIA OMICIDA, Frankreich, Italien, 1981, Regie: Riccardo Freda)

    Michael bereist seine psychisch kranke Mutter in ihrer Villa auf dem Land. Im Schlepptau hat er seine Freundin Debora und weitere Freunde, die ausspannen möchten. Doch Michael ist seit seiner Kindheit traumatisiert. Er soll seinen Vater erstochen haben, um seine Mutter zu schützen. Michael hat jedoch keine Erinnerungen mehr an den Tathergang. Aus dem geplanten Urlaubstrip wird ein Alptraum, als die erste Person tot aufgefunden wird. 

    Zehn Jahre nach seinem letzten Giallo, dem garstigen DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM (1971), kehrt Freda in ähnliche Gefilde zurück, bewegt sich aber vielmehr noch in Richtung seiner Gothic-Horrorfilme DER VAMPIR VON NOTRE DAME (1957) und DAS SCHRECKLICHE GEHEIMNIS DES DR. HICHCOCK (1962). Damit bedient er nicht gerade die Themen, die ab 1979 mit Fulcis WOODOO – SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES auf dem Programmplan der Italiener standen. Die Geschichte ist zwar in der damaligen Gegenwart angesiedelt, aber Freda tut alles, um den unheimlichen Geist seines vergangenen Schaffens heraufzubeschwören, aber gleichzeitig auch zu modernisieren. Dabei serviert er zumindest zeittypische Gewalteinlagen, die kurz, aber ziemlich blutig sind. Das Hauptaugenmerk liegt aber klar auf den Figuren und auf den Beziehungen, die sie miteinander führen. Mit Anita Strindberg, Laura Gemser, John Richardson, Stefano Patrizi und Silvia Dionisio ist man bestens bedient, was Besetzung angeht. Allerdings kommt es zu viel Geschwätzigkeit, die manchmal etwas langatmig ist, andererseits bekommt man gleichzeitig auch immer schöne Bilder vor tollen Kulissen (innen wie außen) gereicht, die alles ausgleichen. Kameramann Cristiano Pogany liefert große Bilder. Ob es die Naturkulisse ist, die reichhaltig ausgestattete Villa oder die alptraumartigen Traumsequenzen, hier sieht alles edel aus, und manchmal glaubt man sich direkt bei Bava oder Argento aufzuhalten. Das Schwarzweiß seiner alten Gothic-Horrorfilme weicht natürlichen Farben, die dennoch genug Finsternis zulassen, um sie dann wieder mit Licht zu durchbrechen. Weniger erbaulich, und für mich der größte Schwachpunkt an der Inszenierung, ist die schwere, oft unpassende Klaviermusik von Franco Mannino, die in einem Stummfilm mehr Anklang gefunden hätte. Die wenigen modernen, experimentellen Töne stammen dann von Carlo Maria Cordio.

    Lügen, Manipulation, Sex bis hin zu inzestuösen Verwirrungen; okkulte Rituale, Riesenspinnen, Totenschädel, blutige Morde und schöne Frauen an Andreaskreuzen, machen MURDER OBSESSION zu einem reichhaltigen Gothic-Horror-Giallo, der lediglich kleine Störfaktoren hat, die ich verschmerzen konnte. Ein schöner Abschluss von Riccardo Freda, der hier seinen letzten Film als Regisseur ablieferte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Seagulls Fly Low, 1978 – ★★★½

    Seagulls Fly Low, 1978 – ★★★½

    KILLER STERBEN EINSAM
    (I GABBIANI VOLANO BASSO, Italien, 1978, Regie: Giorgio Cristallini)

    Martini will vor einem Untersuchungsausschuss seine Partner ans Messer liefern. Um ihm zuvor zu kommen, beauftragen Micheli und Calvi einen Auftragskiller aus den USA, der Martini entsorgen soll. Doch nichts läuft wie geplant, und so verschieben sich plötzlich die Fronten, was für den Amerikaner zu einer lebensbedrohlichen Situation führt. 

    Regisseur Giorgio Cristallini schickt hier Maurizio Merli als großen Blonden mit dickem Revolver ins Rennen, was erst mal nicht ungewöhnlich ist. Nach 30 Minuten kommt es aber zu einer äußerlichen Veränderung. Der Schnauzer kommt ab und die Haare wechseln von lang und blond auf kurz und braun. Ein durchaus wirksamer Effekt, um den Auftragskiller mit Vietnam-Vergangenheit, den Merli hier spielt, äußerlich zu verändern. Auch wenn Merli nie das Charisma eines Franco Neros erreicht, ist er doch immer gern willkommen, um eine ähnliche Rolle auszufüllen. Weibliche Unterstützung kommt von Alain Delons Ex-Frau Nathalie Delon und Dagmar Lassander, während Mel Ferrer als Auftraggeber eine Rolle spielt, die ihm mal wieder auf den Leib geschrieben wurde. Und aus der Reihe „Das-Gesicht-kenne-ich-doch“ ist Franco Garofalo (DIE HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN, 1980) ebenfalls dabei. Für den vertrauten, abwechslungsreichen, sehr hörenswerten Score zeichnen sich Roberto Pregadio (DIE NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE, 1973), Carlo und Paola Cristallini verantwortlich. Der Film besticht durch schöne Kamerafahrten, experimentelle Bildgestaltungen und zahlreiche Schauplätze unter mediterranem Himmel, die zusätzlich Leben in den actionreichen Gangstertrip bringen. 

    Leider kann Cristallini die Spannung nicht bis zum Schluss halten; ab der Hälfte gerät der Film etwas ins Wanken. Dennoch bietet KILLER STERBEN EINSAM unter dem Strich genug Zutaten, die man vom italienischen Gangsterkino erwartet. 

    (Bjoern Candidus)

  • It’s Alive III: Island of the Alive, 1987 – ★★★½

    It’s Alive III: Island of the Alive, 1987 – ★★★½

    DIE WIEGE DES SCHRECKENS
    (IT‘S ALIVE III: ISLAND OF THE ALIVE, USA, 1987, Regie: Larry Cohen)

    Auch Stephen und Ellen Jarvis haben monströsen Nachwuchs bekommen. Vor Gericht kämpft Stephen Jarvis für das Recht auf Leben seines Babys. Mit Erfolg. Der Richter zeigt sich menschlich, und gemeinsam mit vier weiteren Monsterbabys wird das Jarvis-Baby auf eine einsame Insel gebracht, wo sie fortan aufwachsen dürfen. Der Tablettenhersteller, dem man nie beweisen konnte, dass sein Medikament für die Mutationen verantwortlich war, beauftragt seine Männer, die geheime Insel aufzuspüren, um die Babys auszuschalten. Mit wenig Erfolg, denn die Männer werden getötet. Fünf Jahre später lebt Jarvis getrennt von seiner Frau Ellen und leidet weiter unter seinem schlechten Ruf als Monstervater. Er schließt sich einer Expedition der Regierung an, die sich nach dem Wachstum der Babys erkundigen will. 

    Der dritte Teil von Larry Cohens IT‘S ALIVE-Trilogie ist ein schräger Horrorfilm, der den ernsten Ton der beiden Vorgänger etwas zur Seite schiebt und mehr auf Schauwerte setzt. Mehr Babys, mehr Action, mehr Blut, mehr Schauplätze und ganz viele Darsteller werden hier aufgefahren. Ein Teil des Films spielt auf einer Insel mit einer schönen Fels- und Dschungelkulisse. Cohen und sein Kameramann Daniel Pearl liefern sehr atmosphärische Bilder. Die Babys bekommen mehr Raum für ihre Angriffe und präsentieren sich jetzt wesentlich größer, denn schließlich sind fünf Jahre nach ihrer Aussetzung vergangen. Gingen die Vorgänger mit Blut und Gewalt noch recht sparsam um, wird hier sehr viel mehr Gore geliefert, was sicher auch dem Entstehungsjahr geschuldet sein dürfte. 

    Mit Michael Moriarty als Stephen Jarvis hat man diesmal eine ganz andere Vaterfigur an Bord. Sein Charakter ist verbittert und sorgt mit seinen ironischen Sprüchen für Auflockerung. Seine Frau Ellen wird von Karen Black dargestellt, die allerdings nicht viel Spielzeit eingeräumt bekommt. Aus den beiden Vorgängern konnte sich nur James Dixon als Detektive Lt. Perkins retten, der hier mit zur Expedition aufbricht. Durch die vielen Nebenfiguren kommt es zu zahlreichen Szenen, die im Grunde nichts mit der eigentlichen Story zu tun haben, aber immer dafür sorgen, dass DIE WIEGE DES SCHRECKENS nie langweilig wird. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, Cohen hat gleich zwei Teile gedreht. Bernard Herrmann ist diesmal nur in der Titel- und End-Sequenz zu hören; der eigentlich Score stammt von Laurie Johnson, der sich gut hören lässt. 

    Larry Cohen nutzt in DIE WIEGE DES SCHRECKENS jede Minute, um dem Zuschauer einen unterhaltsamen Horrorfilm zu liefern. 

    (Bjoern Candidus)