Autor: marco-fritz

  • Flowers in the Attic, 1987 – ★★½

    Flowers in the Attic, 1987 – ★★½

    BLUMEN DER NACHT
    (FLOWERS IN THE ATTIC, USA, 1987, Regie: Jeffrey Bloom)

    Als sich Corrine entschließt, ihren Cousin zu heiraten, wird sie von ihren strenggläubigen Eltern verstoßen. Als ihr Ehemann bei einem Autounfall stirbt, verliert Corrine und ihre Kinder das Haus. Nach 17 Jahren kehrt sie mit ihren vier Kindern zurück ins Haus ihrer Eltern. Die Stimmung ist angespannt und kippt komplett, als die Großmutter ihre Enkelkinder auf den Dachboden einsperrt. Mit harter Hand wird hier regiert, und seitens Corrine ohne großen Widerstand zu leisten. Während ihre Kinder immer mehr unter der Situation leiden, verliert ihre Mutter scheinbar immer mehr das Interesse an ihren Kindern. Doch die kommen immer mehr hinter den Plan, den ihre Mutter schmiedet. 

    Jeffrey Bloom (BLOOD BEACH, 1980) hat hier den gleichnamigen Roman von Virginia C. Andrews aus dem Jahre 1979 adaptiert, der so erfolgreich war, dass ihm vier Fortsetzungen folgten. Die Grundidee dieses Psycho-Thrillers ist durchaus interessant, aber sie ist teilweise zu konstruiert und unlogisch. Das wird vor allem der Tatsache geschuldet sein, dass man einige Änderungen gegenüber des Romans vornehmen musste. Auf die sadomasochistischen und inzestuösen Bereiche wurde weitestgehend verzichtet, die das Verhalten der Figuren sicherlich besser hätten erklären können. Dabei liegt Potential in der Luft, denn Louise Fletcher (EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST, 1975) ist als garstige Großmutter am Start. Zumindest bringt sie mehr Schwung in die Sache als Victoria Tennant (SAMEN DES BÖSEN, 1981) als Corrine, Kristy Swanson (Buffy im Buffy-Film BUFFY, DER VAMPIRKILLER, 1992) als ihre Tochter und der Rest der Kinder. Leonard Mann (TERROR EYES, 1981) verkommt ganz am Rande auch noch. Obwohl der Film gut fotografiert wurde, bleibt er sehr schlicht und ist zu hell ausgeleuchtet, um Atmosphäre aufzubauen. Das riesige Herrenhaus macht zwar einiges her, wird aber zu wenig genutzt. Man konzentriert sich auf wenige Räume, in denen viel geredet wird. Zumindest kann Christopher Young, der sich im gleichen Jahr mit seinem HELLRAISER-Score verewigt hat, ein bisschen die Stimmung retten. 

    BLUMEN DER NACHT hat interessante Ideen, sieht ordentlich aus, aber verschenkt viel Potential, vermutlich seitens der Grenzen, die Jeffrey Bloom einzuhalten hatte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Trapped, 1982 – ★★★½

    Trapped, 1982 – ★★★½

    TRAPPED – DIE TÖDLICHE FALLE (Kanada, USA, 1982, Regie: William Fruet)

    Henry ist außer sich vor Wut, da seine Braut Sex mit einem Fremden hatte. Ehebruch, eine schwere Sünde, die hinter mindestens sieben Bergen bestraft werden muss. Gemeinsam mit seinen Hinterwäldlerfreunden teert und federt Henry den Fremden. Als dieser einen Fluchtversuch startet, wird er von Henry getötet. Dies beobachtet eine Gruppe junger Leute, die Urlaub in der Wildnis machen will. Schockiert suchen sie Hilfe im naheliegenden Dorf, in dem auch Henry wohnt.

    William Fruet verschlägt es nach DEATH WEEKEND (1976) mal wieder aufs Land, besser gesagt ins tiefe Dickicht der Appalachen irgendwo in Tennessee zwischen Bergen, Bäumen und Holzhütten. 

    Die Welt, die hier betreten wird, ist keine fremde. Auf unangenehme Art und Weise kommt sie einem vertraut vor, wenn man Filme wie STRAW DOGS (1971), DELIVERANCE (1972), LA TRAQUE (1975), RITUALS (1977) oder den später entstandenen und ähnlichen SHALLOW GRAVE (1987) kennt. Hinterwäldler mit ihren eigenen Regeln, die vor nichts zurückschrecken, sobald ein Fremdkörper in ihr System eindringt. Und wenn dieses System auch noch von Henry Silva als Henry Chatwill beherrscht wird, ist schlechte Laune vorprogrammiert, nur nicht für den Zuschauer. Man darf sich ein weiteres Mal auf einen Henry Silva als Wüterich freuen, und der legt sich richtig ins Zeug, um gehasst zu werden. Und so besticht TRAPPED – DIE TÖDLICHE FALLE vor allem durch die Darsteller und die beklemmende Situation, die die Story mit sich bringt. Die Zeichen stehen auf Unterdrückung, Sadismus, Folter und Mord vor einer schönen Naturkulisse, die im deutlichen Kontrast zu ihren menschlichen Bewohnern steht. 

    Fruet lässt hier junge Leute aus der Stadt gegen räudige Suffköppe vom Land antreten, was durchaus gelungen ist. Fruet drückt aufs Gaspedal, lässt einen nicht lange zappeln und serviert einem Action, Gewalt und eine Story mit einer ordentlichen Entwicklung. Neben Silva darf man sich auch auf Nicholas Campbell freuen, der ein Jahr später als Frank Dodd in DEAD ZONE (1983) auftauchte. Ansonsten gibt es einige Leute, die man aus diversen kanadischen Horrorfilmen kennen kann und allesamt einen guten Eindruck machen. 

    Auch wenn TRAPPED im Grunde nichts Neues liefert, ist er ein zünftiger Backwood-Thriller, der ordentlich Schläge verteilt.

    (Bjoern Candidus)

  • Leonor, 1975 – ★★★★

    Leonor, 1975 – ★★★★

    ELEONORE
    (LEONOR, Frankreich, Italien, Spanien, 1975, Regie: Juan Luis Buñuel)

    Nachdem dem tragischen Tod seiner geliebten Leonor, heiratet Ritter Richard Catherine, die ihn zweimal zum Vater macht. 10 Jahre sind vergangen, doch Richard hat den Verlust seiner ersten Frau Leonor nie überwunden. Immer wieder zieht es ihn zur Gruft, bis er einem mysteriösen Mann begegnet, der ihm anbietet, seine Frau in die Welt der Lebenden zurückzubringen. Kurze Zeit später steht Leonor von den Toten auf. 

    Juan Luis Buñuel, der Sohn vom großen Luis Buñuel, hat hier ein Horror-Liebes-Drama im Kleid eines mittelalterlichen Historienfilm gezaubert. 

    Von Beginn an stürzt einen Buñuel in die traurige Welt von Ritter Richard, der in seiner Burg wohnt und in Sorge ist um seine im Sterben liegende Frau Leonor. Es folgen lange Zeit Einblicke in Richards neues Leben mit seiner neuen Frau und seinen beiden Söhnen. Doch die Verzweiflung Richards thront über allem. Immer wieder begibt er sich in die Gruft, sitzt neben ihrem Sarg und ist verzweifelt. Verzweifeln tut auch seine neue Frau Catherine, die nicht mehr weiß, wie sie ihren Mann glücklich machen kann. Neben Liebe, Verlust, Trauer und Verzweiflung baut Buñuel auch den Konflikt zwischen dem Glauben an Gott und der Naturwissenschaft auf. Er streut nebenbei die Inquisition mit ein, die eine junge Frau wegen angeblicher Hexerei und Tötung von Kindern verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrennt, bevor auch noch die Pest ihre Beulen des Todes verbreitet. Mehr Hoffnungslosigkeit ist kaum möglich, und trotzdem ist ELEONORE ein wunderschöner Film, der prächtig von Luciano Tovoli fotografiert wurde. Besonders die Landschaftsaufnahmen und die mittelalterlichen Bauten sind toll eingefangen und vermitteln jederzeit ein authentisches Bild. 

    Doch über der visuellen Kraft der Bilder steht das Schauspiel der Darsteller. Michel Piccoli spielt den von Trauer gezeichneten Richard wirklich hervorragend, und Liv Ullmann als Leonor ist das perfekte Gegenstück. Ein Liebespaar, getrennt durch einen tragischen Tod. Eine weitere leidtragende Person ist Ornella Muti als Catherine, die völlig verzweifelt ist, weil sie Leonors Platz niemals einnehmen kann. Von den Hauptdarstellern bis zu den Nebendarstellern darf man sich hier auf eine sehr gute Besetzung freuen.

    Doch ELEONORE ist nicht nur ein Liebesdrama, sondern wird mit der Wiedererweckung Leonors zu einem finsteren Gothic-Horrorfilm mit vampirischen Elementen. Dass Leonors Rückkehr nichts Gutes erahnen lässt, liegt fast auf der Hand, auf der Affenpfote, um genau zu sein. Inhaltlich erinnert die Geschichte nämlich etwas an William Wymark Jacobs Kurzgeschichte „Die Affenpfote“, die später King zu „Friedhof der Kuscheltiere“ inspirierte. Aber auch „Carmilla“ von Sheridan Le Fanu, „Rebecca“ von Daphne du Maurier oder „Der Untergang des Hauses Usher“ von Poe zeichnen sich ab. Die tatsächlich Ursprungsgeschichte basiert laut Vorspann auf dem deutschen Dichter Ludwig Tieck (1773-1853). Meine Recherche hat allerdings ergeben, dass die Geschichte „Lasst die Toten ruhen“ von Ernst Benjamin Raupach (1784-1852) die eigentliche Vorlage sei. Möglicherweise ist ELEONORE eine Mischung aus zwei Werken. Wie dem auch sei, im letzten Drittel wird der Film immer mehr zu einem unheimlichen Horrorfilm, wenn sich Leonor, als wäre sie nie gestorben, wieder auf der Burg präsentiert und heimlich Jagd auf Kinder macht, denen sie vorher schreckliche Geschichten über erblindete Menschen mit Blähbäuchen erzählt. Und schnell verliert auch Richard die Lust an Leonors Rückkehr. 

    Woran ich nie die Lust verliere, ist an Ennio Morricone, der hier lange Zeit bittersüße Schwermut für die Ohren mitbringt und gegen Ende mit spannenden Klängen aufwartet. 

    ELEONORE ist ein tieftrauriges, wunderschön inszeniertes Schauerstück, was leider unter dem Radar läuft. 

    (Bjoern Candidus)

  • Women’s Prison Massacre, 1983 – ★★★

    Women’s Prison Massacre, 1983 – ★★★

    LAURA 2 — REVOLTE IM FRAUENZUCHTHAUS
    (EMANUELLE FUGA DALL‘INFERNO, Italien, 1983, Regie: Bruno Mattei, Claudio Fragasso)

    Die Reporterin Emanuelle Arsan wird wegen angeblichen Drogenbesitz von einem korrupten Staatsanwalt hinter Gitter gebracht. Der Alltag der Damen im Gefängnis wird durch die strengen Hände der Wärterinnen zur Tortur. Strenge Regeln, Schläge und Erniedrigungen stehen auf der Tagesordnung. Aber es soll noch schlimmer kommen, denn ein Gefangenenbus liefert vier Schwerverbrecher ein, denen es schnell gelingt, die Wärterinnen zu überlisten und das Gefängnis in ihre Gewalt zu bringen.

    Was machten Bruno Mattei und Claudio Fragasso, wenn sie die Darsteller ihres vorherigen Films einfach nicht gehen lassen wollen? Sie dreht einfach noch einen Film mit ihnen. Und so folgte ein Jahr nach LAURA – EINE FRAU GEHT DURCH DIE HÖLLE die Nicht-Fortsetzung LAURA 2 — REVOLTE IM FRAUENZUCHTHAUS. Lag der Fokus im Vorgänger noch mehr auf den Frauen und dem Alltag im Gefängnis, konzentriert sich dieser Film mehr auf die vier Verbrecher, die hier alles dransetzen, um sich von ihrer schlechtesten Seite zu zeigen.

    Der Film startet mit einer Theateraufführung im Gefängnis, die recht schnell zu einer Prügelei unter den Frauen führt, was hier immer wieder passiert. Erst als die vier Männer die Gefängnismauern betreten, verlagern sich die Probleme. Es kommt zur Geiselnahme, zu Vergewaltigungen, sadistischen Spielchen bis hin zu Tötungen durch erwürgen oder erschießen. Der menschenverachtende Ton des Vorgängers wird hier noch mal verstärkt. Insgesamt verhält sich der Film actionreicher, und Mattei und Fragasso treten ordentlich aufs Gaspedal. Erneut darf Luigi Ceccarelli hier den Score beisteuern, der gut zum Tempo passt. 

    Genauso albern wie im Vorgänger ist der Versuch, Italien als die USA zu verkleiden. Namen helfen da nicht, und amerikanische Polizeiautos auf italienischen Straßen fahren zu lassen, hilft noch viel weniger. Aber die Filme von Mattei und Fragasso wirken ja ohnehin oft so, als seien sie in einem Paralleluniversum entstanden. 

    Die größte Freude, die mir LAURA 2 — REVOLTE IM FRAUENZUCHTHAUS bescherte, waren natürlich wieder die vertrauten Darsteller. Laura Gemser, Gabriele Tinti, Franca Stoppi und Lorraine de Selle sind alle wieder am Start, und mit Carlo De Mejo erweitert sich der Cast, um einen weiteren guten Bekannten. Gemser ist als Emanuelle besetzt, Stoppi und de Selle vertreten erneut mit harter Hand das Gesetz, zusammen mit De Mejo, während Tinti zu den üblen Typen gehört. 

    LAURA 2 — REVOLTE IM FRAUENZUCHTHAUS ist ein garstiger Gefängnisfilm mit reichlich Gewalt gegen alles und jeden. Hirn aus, Film an! 

    (Bjoern Candidus)

  • Violence in a Women’s Prison, 1982 – ★★★½

    Violence in a Women’s Prison, 1982 – ★★★½

    LAURA – EINE FRAU GEHT DURCH DIE HÖLLE
    (VIOLENZA IN UN CARCERE FEMMINILE, Frankreich, Italien, 1982, Regie: Bruno Mattei)

    Skandal-Reporterin Emanuelle hat einen neuen Auftrag: Sie nimmt eine falsche Identität an, um die üblen Machenschaften in einem Gefängnis aufzudecken. Als Laura Kendall, die wegen Drogenbesitz und Prostitution verurteilt wurde, wird sie in das berüchtigte Gefängnis Santa Catharina eingeliefert. Dort herrschen nicht nur die strengen Regeln des Gesetzes, sondern auch Folter, Demütigungen und sexuelle Ausschweifungen, die von der Gefängnisdirektorin und ihren Handlangerinnen ausgehen. Laura dringt immer tiefer vor in das scheußliche System hinter den Zuchthausmauern. Aber es gibt auch ein Lichtblick: der Gefängnis-Arzt Dr. Moran. 

    Was Jess Franco konnte, konnte auch Bruno Mattei: Lager- und Gefängnisfilme drehen. Dass hier auch Claudio Fragasso wieder die Hände im Spiel hatte, versteht sich fast von selbst. Dieser schrieb mit seiner Ehefrau Rossella Drudi das Drehbuch. 

    Wer Jess Francos WIP GRETA – HAUS OHNE MÄNNER (1977) kennt, dem wird die Story von LAURA sicher nicht fremd sein. In beiden Filmen wird eine Frau in ein Gefängnis eingeschleust, um an Beweise für die üblen Machenschaften zu gelangen, und in beiden Filmen gibt es eine herrsch- und sexsüchtige Direktorin, die ihre Spielzeuge der Lust unter den Gefangenen findet. In GRETA wurde diese von Dyanne Thorne verkörpert, in LAURA von Lorraine de Selle (DIE RACHE DER KANNIBALEN, 1981). 

    Statt Überraschungen oder Innovationen liefert Mattei, was man von einem italienischen Gefängnisfilm erwartet: Nacktes Fleisch, Folter und Mord hinter ranzigen Gefängnismauern. Nebenbei wurde der Film sogar noch recht brauchbar fotografiert und überzeugt, stets durch seinen Schauplatz. Und mit Laura Gemser, ihrem damaligen Ehemann Gabriele Tinti, Franca Stoppi (SADO – STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF, 1979) und bereits erwähnten Lorraine de Selle, hat Mattei ein wirklich tolles Päckchen geschnürt, was den Freund schmieriger 70er- und 80er-Italofilme höchst erfreuen dürfte. Dadurch wird natürlich auch die Erwartungshaltung hoch.
    Lichtblicke kommen, wenn Frau Gemser von schwarzen Ratten mit roten Augen angefressen wird, die älteste Gefangene ihr Haustier, einen in einem kleinen Käfig gefangenen Käfer, präsentiert oder Frau Direktorin bei der bestellten Vergewaltigung einer Gefangenen ihre voyeuristischen Neigungen befriedigt. Ansonsten gibt es viel Fummelei, Prügel und eine lustige Szene mit Kot. Im übrigen handelt es sich strenggenommen, nicht um einen WIP, denn das Gefängnis hat auch einen Männertrakt, der auch mal kurz mit den üblichen Klischees ausgemalt wird. Abgerundet wird das Ganze von einem Score von Luigi Ceccarelli. 

    LAURA – EINE FRAU GEHT DURCH DIE HÖLLE liefert inhaltlich nichts Neues, wurde aber insgesamt solide inszeniert, passend besetzt und geizt nicht damit, die niederen Instinkte zu befriedigen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Android, 1982 – ★★★★

    Android, 1982 – ★★★★

    DER ANDROID 
    (ANDROID, USA, 1982, Regie: Aaron Lipstadt)

    Irgendwann in der Zukunft:
    Auf einer Raumstation arbeitet Dr. Daniel an Androiden, die nach dem Erdgesetz nicht mehr gebaut werden dürfen. Max 404 ist sein fertiges Modell, dem Dr. Daniel eigentlich ein passendes weibliches Gegenstück konstruieren möchte. 
    Als sich ein kleines Raumschiff mit drei gesuchten Terroristen der Raumstation nähert, gewährt Max der Frau und und den beiden Männern Zutritt. Erst ein paar Stunden später bemerkt Dr. Daniels das eigenmächtige Handeln von Max, als er auf die drei Besucher stößt. Dr. Daniels befürchtet immer mehr, dass Max unter dem München-Syndrom erkrankt ist, was Ungehorsam, Eigensinn und Unberechenbarkeit mitbringt und letztlich zu einer tödlichen Gefahr werden kann. 

    BATTLE BEYOND THE STARS (1980), GALAXY OF TERROR (1981) oder FORBIDDEN WORLD (1982) sind Filme, die Roger Corman durch den Erfolg von KRIEG DER STERNE (1977) und ALIEN (1979) produzierte. DER ANDROID ist ein weiterer Science-Fiction-Film aus diesem Zyklus, der sogar schon auf BLADE RUNNER aus dem gleichen Jahr reagiert. Regie führte Aaron Lipstadt, der in erster Linie für US-TV-Serien tätig war. 

    Im Gegensatz zu den anderen, oben genannten Corman-Produktionen jener Tage, ist DER ANDROID inhaltlich der stärkste, schraubt aber dafür Action und Effekte herunter. Lipstadts konzentriert sich auf das Gefühlsleben eines Androiden, der plötzlich das Interesses an menschlichen Gefühlen und Sexualität entdeckt. Er scheint z.B. auch Gefallen an dem weiblichen Maschinenmensch aus METROPOLIS (1927) zu finden. Insgesamt schaut er gerne alte Filme, die ihm die Menschheit näher bringen sollen. Max wird von Don Keith Opper (CRITTERS, 1986) dargestellt, der als Android eine gut Performance abgibt. Klaus Kinski darf als Dr. Daniels sowohl mit Griesgrämigkeit als auch mit Forscherdrang mit Frankenstein-Potential auffallen. Das kommt natürlich nicht von ungefähr, denn inhaltlich bewegt man sich auch ein bisschen im Rahmen von FRANKENSTEINS BRAUT (1935), nur auf Basis von Androiden. Einige dieser Themen, die hier aufgemacht werden, begegnen einem später immer wieder bei STAR TREK – THE NEXT GENERATION (1987 – 1994), wenn es um Data geht. Apropos STAR TREK: einen Lebensmittel-Replikator bekommt man auch hier serviert. 

    Ein weiterer Gewinn der Inszenierung ist die Kulisse und die Ausstattung, die zwar immer das knappe Budget verrät, aber dennoch eine spacige Atmosphäre verbreitet, die sich durch Cormans-Scifi-Zyklus zieht. Überall blinken kleine Lämpchen in allen Farben oder man sieht Bildschirme mit einfachen Computer Grafiken. Die kalten Gänge, die mit kleinen Farbnuancen aufgelockert wurden, rufen ALIEN, bzw. FORBIDDEN WORLD auf den Plan. Wer die Raumschiff-Designs der 70er-/80er-Jahre zu schätzen weiß, wird sich hier wohlfühlen. Neben einem passenden Score von Don Preston sind auch James Brown und Django Reinhardt zu hören. 

    DER ANDROID ist ein interessanter Science-Fiction-Film, der keinen simplen Effektzauber benötigt, um zu fesseln. Ein kleiner Film mit einer großen Idee, die er mit limitierten Möglichkeiten dennoch prächtig auf den Punkt bringt.

    (Bjoern Candidus)

  • Underwater, 2020 – ★★★½

    Underwater, 2020 – ★★★½

    UNDERWATER
    (USA, 2020, Regie: William Eubank)

    In einer Unterwasserstation auf dem Grund des Mariengrabens bricht das Chaos aus, als plötzlich Wassermassen durch die Wände brechen. Kapitän Lucien und das Team von Maschinenbauingenieuren können sich retten. Die meisten anderen Arbeiter der riesigen Station konnten sich bereits mit Rettungskapseln retten, doch von denen ist keine mehr übrig. Es beginnt der verzweifelten Kampf gegen das Wasser. Doch der Ozean soll nicht das einzige Problem bleiben…

    Dass man mit einer Story, die nicht mehr Platz benötigt, als eine Handfläche bietet, dennoch gut unterhalten kann, muss man dem Genre-Freund nicht erklären. Und so geht William Eubank auch gar keine inhaltlichen Wagnisse ein und liefert dem Zuschauer eine packende Inszenierung, die sich strikt nach vorne bewegt. UNDERWATER geht den simplen Action-Weg, und genau der ist hier richtig. Nur am Anfang wird etwas Ruhe zelebriert, die einen unweigerlich an ALIEN (1979) erinnert, was zusätzlich durch die Titel-Sequenz befeuert wird. Aber die Ruhe hält nicht lange, die Katastrophe setzt nach 5 Minuten ein und zieht sich bis zum Schluss. 
    Der Film ist schön Ausgestattet, actionreich, dennoch nicht überladen; zudem wird es klaustrophobisch und unangenehm, wenn das Wasser zur Gefahr wird. Die Monster werden nicht ausgeschlachtet und bewegen sich schnell genug, um ihre digitale Herkunft zu kaschieren. Den Rest erledigt der düstere Anstrich, den dieser Film durch seinen Meeres-Schauplatz automatisch mitbringt. Und wer es bis zum Finale schafft, darf sich auf eine Überraschung freuen. Auch wenn die Figuren völlig austauschbar sind, machen sich Kirsten Stewart, Vincent Cassel und der Rest ganz gut. Keiner stört mit flachen Sprüchen oder nervigem Verhalten. 

    Auch wenn UNDERWATER im Grunde nichts Neues bietet, darf er sich entspannt in die Liste von Unterwasser-Horror-Scifi-Filmen wie LEVIATHAN (1989) oder DEEP STAR SIX (1989) einreihen und bekommt sogar noch einen Extrapunkt für den kleinen, aber nicht zu übersehenden H. P. Lovecraft – Bezug. Ich habe hier bekommen, was ich erwartet habe. Nicht mehr, nicht weniger.

    (Bjoern Candidus)

  • 90. Der weiße Apache (1987)

    90. Der weiße Apache (1987)

    DER WEISSE APACHE

    OT: BIANCO APACHE

    Italien, Spanien, 1987

    Bjoern Candidus und Patrick Müller unternehmen einen Ritt in die Welt des Italowesterns. Dafür haben sie sich einen besonders späten, ungewöhnlichen Beitrag herausgepickt, der unter der Regie von Bruno Mattei und Claudio Fragasso entstanden ist. In DER WEISSE APACHE geht es um Liebe, Hass und die Kultur der amerikanischen Indigenen, die den rassistischen Weißen ein Dorn im Auge sind.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Robinson Crusoe on Mars, 1964 – ★★★★

    Robinson Crusoe on Mars, 1964 – ★★★★

    NOTLANDUNG IM WELTRAUM
    (ROBINSON CRUSOE ON MARS, USA, 1964, Regie: Byron Haskin)

    Die beiden Astronauten Draper und McReady geraten mit ihrem Raumschiff in einen Meteoritschwarm über dem Mars. Ihnen bleibt kein anderer Ausweg als die Rettungskapsel zu nutzen, die sie auf den Mars bringt. Dabei stirbt McReady, aber nicht Mona, das Bordäffchen. Die ungleichen Partner Draper und Mona sind nun auf sich allein gestellt und müssen schnell eine Möglichkeit finden, an Sauerstoff und Nahrung zu gelangen. 

    Dass Regisseur Byron Haskin Science-Fiction-Filme inszenieren konnte, hat er mit KRIEG DER WELTEN (1953) bewiesen. Inszenierte er 1953 eine Invasion von Außerirdischen, die die Erde angreifen, brechen hier die Menschen zu den Sternen auf und machen eine Notlandung auf dem Mars. 

    Obwohl auch hier feindliche Raumschiffe auftauchen, die eine große Ähnlichkeit mit denen aus KRIEG DER WELTEN besitzen, geht die eigentliche Gefahr in NOTLANDUNG IM WELTRAUM vom Planeten Mars selbst aus. Die Atmosphäre lässt kaum Sauerstoff zum atmen übrig, ein Problem, was nachher von einem Gestein gelöst wird. Auch ess- und trinkbares scheint nicht in der Nähe zu sein. Probleme, die Draper anfänglich noch mit den Notrationen aus Rettungskapsel bewältigen kann. Und so folgen wir dem neuen Alltag von Commander Christopher Draper und dem Affen Mona, die die Science-Fiction-Version von Daniel Dafoes Literaturklassiker „Robinson Crusoe“ darstellen. Später bekommen die beiden tatkräftige Unterstützung von einem Außerirdischen, der allzu menschlich aussieht. Dieser wurde als Sklave gehalten und ist jetzt auf der Flucht. Ihm spendiert man den Namen „Freitag“. 

    Es ist aber nicht nur die mitreißende Story, die gut funktioniert und mit Paul Mantee (Draper), Victor Lundin (Freitag) und Adam West (McReady) sympathisch besetzt wurde, sondern auch die visuelle Kraft der Bilder. Die Spezial-Effekte, Modelle und Kulissen, die hier geschaffen wurden, präsentieren eine faszinierende Mars-Welt. Rot-, Gelb- und Orangetöne dominieren die Bilder. Die Außenaufnahmen entstanden im Death Valley National Park in Kalifornien und in Arizona. Bizarre Felsformationen, riesige Kristalle und ein feuerroter Himmel schaffen eine phantastische Atmosphäre. In diesen Bereichen ist der Film einer der schönsten Beiträge des Science-Fiction-Kinos der 1960er-Jahre. 

    NOTLANDUNG IM WELTRAUM ist ein intelligentes Science-Fiction-Abenteuer zwischen Hoffnung, Freundschaft und Überlebenswillen zweier unterschiedlicher Spezies auf dem Mars, was inhaltlich und visuell gleichermaßen überzeugen kann. 

    (Bjoern Candidus)

  • Henry: Portrait of a Serial Killer, Part 2, 1996 – ★★★★

    Henry: Portrait of a Serial Killer, Part 2, 1996 – ★★★★

    HENRY – PORTRAIT OF A SERIAL KILLER 2
    (HENRY:PORTRAIT OF A SERIAL KILLER – PART 2, USA, 1996, Regie: Chuck Parello)

    Nachdem Henry seinen Kumpel Otis und seine Schwester Becky getötet hat, verlässt er die Stadt, um sich in einem Provinznest einen neuen Job zu suchen. Er hat Glück, denn Rooter, der einen Verleih für mobile Toilettenkabinen hat, sucht gerade tatkräftige Unterstützung.
    Unterschlupf findet er bei Kai und Cricket, die ebenfalls für Rooter arbeiten. Doch es dauert nicht lange, bis Henry sein neues Leben aufgibt und erneut zum morden anfängt.

    Chuck Parello (ED GEIN, 2000) serviert hier quasi eine direkte Fortsetzung zu John McNaughtons HENRY:PORTRAIT OF A SERIAL KILLER (1986), der auf dem wahren Fall des Serienmörders Henry Lee Lucas basiert. Wie McNaughton bleibt auch Parello dicht an Henry dran, um ihn bei seinen barbarischen Taten zu porträtieren. Auch wenn Michael Rooker als Henry ein bisschen mehr Tiefe und mehr Charakter hatte, kann sich die Darstellung von Neil Giuntoli (DIE VERURTEILTEN, 1994) als Henry durchaus sehen lassen. Die beiden haben sogar eine gewisse Ähnlichkeit und verstehen es beide, extrem gefühlskalt zu wirken. Gefühlskälte setzt man auch voraus, wenn es um das kaltblütige, grundlose Töten geht, was hier von statten geht. 

    Der Film startet direkt mit ein paar Impressionen von Henrys letzten Opfern, bevor es mit Henry in eine karge Kleinstadt geht, in der er einen Job bei Rooter, einem ziemlich widerlichen Kerl, bekommt. Widerlich ist hier jeder, auch der Otis-Ersatz Kai (Rich Komenich) und seine Freundin Cricket (Kate Walsh), die in einer kleinen Absteige wohnen, in der sie auch Henry wohnen lassen. Und während Henry anfangs offensichtlich nur Geld verdienen will, gerät er schnell in alte Muster zurück, und stiftet auch noch Kai zum Morden an. 

    Menschen werden erschossen, abgestochen, geköpft und erstickt, was hier recht realistisch inszeniert wurde. Die bestialische Art seines Vorgängers wird hier nahezu erreicht. Die ganze Atmosphäre ist unangenehm und aufgeladen von den zutiefst zerstörerischen Figuren. Auch rein visuell kann man den Film als Fortsetzung annehmen. Nach Mitte 90er-Jahre sieht das Ganze nämlich nicht aus. 

    Auch wenn HENRY – PORTRAIT OF A SERIAL KILLER 2 im Grunde eine überflüssige Fortsetzung ist, hat es Chuck Parello sehr gut verstanden, den brachialen Vorgänger würdevoll zu ergänzen. 

    (Bjoern Candidus)