Autor: marco-fritz

  • Family Reunion, 1989 – ★★

    Family Reunion, 1989 – ★★

    PICKNICK IN GHOST CITY
    (FAMILY REUNION, USA, 1989, Regie: Michael Hawes)

    Ein von Alpträumen geplagter Familienvater reist an Heiligabend mit seinem Anhang nach Sutterville, einem verlassenen Kaff in Nevada, um seiner Vergangenheit auf den Grund zu gehen. Dort wartet bereits ein Diener des Bösen auf ihn und seine Familie. 

    Die einzige Regiearbeit von Michael Hawes ist ein ziemlich holpriger Beitrag aus der Welt des Okkult- und Kutten-Horrorfilms. Dass es sich hier um eine DTV-Produktion handelt, erkennt man sofort, was mich persönlich überhaupt nicht gestört hat. Hawes liefert zumindest eine gruselige Geisterstadt, die mich sofort an KINDER DES ZORNS (1984) erinnerte. Allerdings ist man hier in Nevada statt Nebraska. Obwohl der Film an Heiligabend spielt, gibt es hier so gar nichts weihnachtliches zu sehen, abgesehen vom Ende. 

    Die erste Hälfte von PICKNICK IN GHOST CITY hat ein paar spannende Momente und eine düstere Atmosphäre zu bieten, die in der zweiten deutlich abnimmt. Gegen Ende liefert Hawes noch ein bisschen Gore und hat sich wohl von  DAS OMEN (1976) inspirieren lassen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 73

    Traumstadt Gazette Ausgabe 73

    Leben hinter Gefängnismauern, Biker im Nebel, prähistorische Riesenmollusken…

    In 73. TRAUMSTADT GAZETTE bringen Euch Bjoern Candidus und Marco Fritz folgende Filme mit:

    -CURE (1997)

    -ALARM FÜR SPERRZONE 7 (1957)

    -PSYCHOMANIA (1973)

    -HENRY – PORTRAIT OF A SERIAL KILLER 2 (1996)

    -SHOT CALLER (2017)

    -DIE ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN (1995)

    -LAURA – EINE FRAU GEHT DURCH DIE HÖLLE (1982)

    -LAURA 2 – REVOLTE IM FRAUENZUCHTHAUS (1983)

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Scream of the Demon Lover, 1970 – ★★

    Scream of the Demon Lover, 1970 – ★★

    DAS GEHEIMNIS VON SCHLOSS MONTE CHRISTO
    (IVANNA, Italien, Spanien, 1970, Regie: José Luis Merinos)

    Die junge Chemikerin Dr. Ivanna Rakovsky hat einen neuen Job auf Schloss Monte Christo. Hier soll sie dem Herrn des Hauses, Janos Dalmar, bei der Forschung von menschlichen Zellen helfen. Die Dorfbewohner sind alles andere als angetan von Janos Dalmar, und die rätselhaften Todesfälle, die sich in der Gegend häufen, werden ihm zur Last gelegt. Doch es mangelt an Beweisen. Ivanna hingegen lässt sich nicht abschrecken und stößt bald auf ein finsteres Geheimnis, was Janos Dalmar gut behütet hat. 

    Der von Roger Corman produzierte und unter der Regie von José Luis Merinos (TOTENCHOR DER KNOCHENMÄNNER, 1973) entstandene Gothic-Horrorfilm ist ein zweischneidiges Schwert. Rein visuell ist der Film ansprechend. Das Schloss ist sehr schön, innen wie außen und entfacht eine gruselige Atmosphäre. Gedreht wurde auf Castello di Montechiarugolo in Italien, was Kameramann Emanuele Di Cola wirkungsvoll eingefangen hat. Die Darsteller sind etwas zwiespältig. Während Erna Schürer als schlagfertige, ungewöhnlich emanzipierte Chemikerin Ivanna gute Arbeit leistet, ist Carlos Quiney als sinistrer Janos von Dalmar weniger überzeugend. Da haben sogar die Nebenfiguren mehr Feuer. 

    Unter dem Strich ist es vor allem die langsame Erzählweise, die zwar für dieses Kino nicht untypisch ist, aber zu sehr die Spannung ausgebremst, die hier hätte aufgebaut werden können. Zudem hat mich der sehr eintönige, fast stets präsente Score von Luigi Malatesta genervt. Mit knapp 95 Minuten ist das Ganze einfach etwas zu lang geraten. 

    DAS GEHEIMNIS VON SCHLOSS MONTE CHRISTO schmückt sich mit einer ansehnlichen Gruselatmosphäre, die allerdings nicht über die Spannungsarmut hinwegtäuscht, die hier vorherrscht.

    (Bjoern Candidus)

  • Night of Dark Shadows, 1971 – ★★

    Night of Dark Shadows, 1971 – ★★

    SCHLOSS DER VERLORENEN SEELEN
    (NIGHT OF DARK SHADOWS, USA, 1971, Regie: Dan Curtis)

    Quentin Collins und seine frisch geheiratete Tracy beziehen Collinwood, den geerbten Landsitz der Familie Collins. Anfänglich sind sie begeistert von dem pompösen Anwesen, was von der Haushälterin Carlotta Drake und dem Gärtner Stiles in Schuss gehalten wird. Doch schnell legt sich ein Schatten über die Freude, denn Quentin wird von unheimlichen Flashbacks und Halluzinationen heimgesucht, in denen es um eine Hexe geht, die auf Collinwood verbrannt wurde und einen Weg sucht, ihre Rache zu vollziehen. 

    Der Vampir Barnabas Collins ist Geschichte. Dieser wurde in SCHLOSS DER VAMPIRE, dem ersten Kinofilm zur TV-Serie DARK SHADOWS, vernichtet. Für Dan Curtis war es also Zeit, etwas Neues zu erzählen und konzentrierte sich hier, im zweiten DARK SHADOWS – Film auf Quentin Collins, der in ein Hexenfluch gerät. 

    Mit David Selby, Grayson Hall und Nancy Barrett sind erneut Schauspieler der Serie, bzw. des ersten Films an Bord, die an und für sich einen guten Eindruck hinterlassen. Auch die neue Story um eine Hexe ist durchaus begrüßenswert, wenn auch nicht gerade neu. Die düstere Atmosphäre von SCHLOSS DER VAMPIRE liefert Curtis hier leider nur bedingt. Zwar gibt es durchaus unheimliche bis hypnotische Momente, aber die kommen insgesamt zu kurz oder brechen zu schnell ein. Zwischenzeitlich serviert Curtis viel zu viele Dialoge, die die Inszenierung unnötig aufhalten. Leider ist hier sehr wenig ausgewogen, was vielleicht auch daran lag, dass MGM Curtis dazu zwang, in kurzer Zeit mehr als eine halbe Stunde an Material herauszuschneiden. Was hingegen wieder gut funktioniert: der unheilschwangere Score von Haus- und Hofkomponist Bob Cobert. 

    Dan Curtis hat es mit SCHLOSS DER VERLORENEN SEELEN sicher gut gemeint, um das DARK SHADOW – Universum zu erweitern, doch leider eckt der Film immer wieder an, bremst sich aus und regt zum Augenschließen ein. 

    (Bjoern Candidus)

  • House of Dark Shadows, 1970 – ★★★

    House of Dark Shadows, 1970 – ★★★

    SCHLOSS DER VAMPIRE
    (HOUSE OF DARK SHADOWS, USA, 1970, Regie: Dan Curtis)

    Willie Loomis, ein Angestellter der Familie Collins, sucht in der Familiengruft nach einem Schatz, der in einem Sarg verborgen sein soll. Beim öffnen des Sarges erweckt er Barnabas Collins, einen 175-jährigen Vampir. Barnabas sucht seine Nachfahren in dem weitläufigen Schloss auf und stellt sich als Cousin aus England vor. Als er auf Maggie stößt, glaubt er seine ehemalige Geliebte in ihr wiederzufinden.  

    Im Jahre 1965 hatte Dan Curtis die Idee zu einer Serie, die als DARK SHADOWS TV-Geschichte schreiben sollte, zumindest in den USA. Von 1966 bis 1971 wurden 1225 Folgen der Soap um den Vampir Barnabas Collins und seine Familie ausgestrahlt. 

    Für die Kino-Adaption hat Curtis das Grundgerüst der Serie beibehalten, setzt aber neu an und verändert die Story. Man muss die Serie also nicht kennen, um hier durchzublicken. Was Dan Curtis in seinen Filmen immer wieder gut beherrscht, ist eine unheimliche Atmosphäre zu erzeugen. Finstere Gemäuer und nebeldurchzogene Wälder in der Abgeschiedenheit, erinnern nicht selten an das britische Horrorkino von Hammer, Amicus und Co. Zudem greift Curtis in der Regel auf Komponist Bob Cobert zurück, der es immer versteht, Spannung durch Klänge zu erzeugen. 

    SCHLOSS DER VAMPIRE startet düster und braucht nicht lange, um Barnabas Collins auferstehen zu lassen. Mit seinem versehentlichen Wiedererwecker Willie hat Barnabas einen ersten Handlanger gefunden, der in zukünftig am Tage vertreten kann. Eine Vampirin folgt ebenfalls. Das typische Programm, was 1970 schon reichlich abgenagt war, wird hier also noch mal aufgeführt, zumindest lange Zeit. 

    Neben Jonathan Frid, der als Barnabas eine richtig gute Vampir-Figur abgibt, die sich seriös und wie ein Gentleman zeigt, aber auch aggressiv und wütend werden kann, gibt es auch ein Wiedersehen mit vielen anderen Darstellern der Serie. 
    Ab der Mitte kommt es zu einer Wendung, die durchaus interessant ist im Rahmen des Vampirfilms. Besteht doch die Möglichkeit einer Heilung des Vampirismus. Doch Curtis bleibt letztlich dem klassischen Rahmen des Vampirfilms treu, was die Inszenierung etwas verkümmern lässt. Immerhin kommt es zu einer sehr spaßigen Szene, in der eine Gruppe von Polizisten statt mit gezogener Knarre Kruzifixe in der Hand halten. 

    Curtis hält die düstere Atmosphäre aufrecht und hin und wieder kommt es durchaus zu spannenden Momenten, aber Fans der Serie werden mit SCHLOSS DER VAMPIRE sicherlich mehr Spaß haben, da ihnen die Figuren vertrauter sind. Der Freund des Vampirfilms wurde 1970 mit Graf Yorga in JUNGES BLUT FÜR DRACULA jedenfalls besser bedient. 

    (Bjoern Candidus)

  • Gwendoline, 1984 – ★★★

    Gwendoline, 1984 – ★★★

    GWENDOLINE
    (Frankreich, 1984, Regie: Just Jaeckin) 

    Gwendoline ist in China auf der Suche nach ihrem verschollenen Vater, der wiederum auf der Suche nach einem seltenen Schmetterling ist. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Zofe Beth. Schnell geraten sie in Probleme, bei denen ihnen Willard hilft. Doch dann geraten sie in die Fänge einer garstigen Königin. 

    Just Jaeckin (DIE GESCHICHTE DER O, 1975) hat hier tief in den grenzenlosen Pool kreativer Möglichkeiten gegriffen, um die Sinne anzuregen, wenn auch nicht gerade inhaltlich. Da ich die Comic-Vorlage von John Willie nicht kenne, kann ich auf diese auch nicht eingehen. Style over Substance ist mir willkommen. Die vielen Details und die leuchtenden Farben der abwechslungsreichen Sets und die Naturlandschaften von Marokko und den Philippinen sind ein Genuss für die Augen. Die Ausstattung und die SM-Fetisch-Rüstungen der Damen sind beeindruckend und lassen den Zeitgeist der 80er-Jahre heraushängen, als wäre man in einem wild gemischten Universum aus MAD MAX 2 (1981), CONAN (1982), MTV-Musikvideos und allen italienischen Endzeitfilmen, die in einem Steinbruch gedreht wurden. Und als Sahnehäubchen obendrauf: eine Portion erotisches Getue. Jeackin eben. Visuell ist GWENDOLINE sehr beeindruckend. Zudem kommt der Film selten zum Halt und wenn, dann bekommt man trotzdem viel zu sehen. Doch irgendwann machte sich auch ein leichter Anflug von Eintönigkeit breit. Zu viel von allem und eine zu lange Laufzeit sorgt manchmal für Ermüdungen. Die Darsteller sind gut gewählt. Tawny Kitaen als Gwendoline, Brent Huff als Willard und Zabou Breitman als Beth sind ein witziges Gespann, mehr aber auch nicht. Der Score stammt von Pierre Bachelet, der mich hin und wieder an Klaus Nomi erinnerte, der hier natürlich auch bestens reingepasst hätte. 

    Unter dem Strich ist GWENDOLINE ist ein irrer, komischer Abenteuer-Comic-Trip in zauberhaften Bildern, der großen Spaß macht, wenn man nicht nach einer packenden Story sucht. 

    (Bjoern Candidus)

  • Madame Claude, 1977 – ★★★

    Madame Claude, 1977 – ★★★

    MADAME CLAUDE UND IHRE GAZELLEN
    (MADAME CLAUDE, Frankreich, 1977, Regie: Just Jaeckin)

    Mit ihrer Callgirl-Agentur vermittelt Madame Claude Schönheiten aus aller Welt mit hochangesehen Leuten aus der internationalen Politik, der High Society und der Unterwelt. Auch der Fotograf David Evans gehört zu ihrem Kreis, und der hat ganz eigene Pläne. Er fotografiert Politiker und Prominente, die er beim Sex mit Madame Claudes Mädchen erwischt. Auch internationale Politiker sind Claudes Kunden, die zusätzlich in Schmiergeldaffären verstrickt sind. David wird nun selbst beschattet, und zwar vom CIA.

    Just Jaeckin schöpft wieder aus dem Vollen und liefert erneut schöne Frauen, prickelnde Erotik, wunderschöne Bilder und steigt parallel in einen Sumpf aus Korruption, Erpressung und Machtmissbrauch. Dabei greift Jaeckin auf den Roman „Allo oui, les mémoires de Madame Claude“ von Jacques Quoirez zurück, der wiederum von der echten Fernande Grudet alias Madame Claude inspiriert wurde. 

    Jaeckin hat es erneut geschafft, mich in seine Welt der Farben, Formen und sexuell aufgeladenen Figuren zu saugen, allerdings mit Einschränkungen. Robert Fraisse hat, wie bereits vorher bei DIE GESCHICHTE DER O (1975), eine tolle Kameraarbeit abgeliefert. Die vielen unterschiedlichen Settings sind sehr schön ausgeleuchtet und unterstreichen die aufgeheizte Atmosphäre. Veredelt werden die Bilder von Serge Gainsbourg Score. Die High Society trifft sich in Clubs, pompösen Hotels und Schlössern, um ihrer Dekadenz zu frönen. Jeackin liefert Sex im Wasser, Sex im Zug, Gruppensex, natürlich alles nur im soften Bereich. Doch die Erotik dient hier mehr der Dekoration, denn es geht ja schließlich um Erpressung, Korruption bis hin zu Mord. In seiner Thriller-Handlung zündet MADAME CLAUDE UND IHRE GAZELLEN nicht ganz so gut. Die Themen sind nichts Neues und besonders spannend werden sie auch nicht präsentiert. Aber das kann Jaeckin durch die gute Besetzung etwas kaschieren. Glänzend besetzt ist dabei Françoise Fabian als geheimnisvolle Madame Claude. In weiteren Rollen: Dayle Haddon, Murray Head, Robert Webber und Klaus Kinski. 

    MADAME CLAUDE UND IHRE GAZELLEN sieht zu jeder Sekunde toll aus, klingt schön, aber hat mich weder überrascht noch spannend unterhalten. Ein Erotik-Thriller, der vor allem durch Erotik und seine Darsteller glänzt. Immerhin. 

    (Bjoern Candidus)

  • Zero Point, 1982 – ★★★

    Zero Point, 1982 – ★★★

    NULLPUNKT – ICH BIN DEIN KILLER
    (Deutschland, 1982, Regie: Jochen Richter)

    Jeff Brunner soll für den Peep-Show-Besitzer Didi einen Auftrag erledigen. Er soll wichtige Scheidungsbriefe einer Frau entwenden. Doch der Plan ändert sich. Ihr Ehemann beschließt, seine Frau von Jeff ermorden zu lassen. Statt den Auftrag auszuführen, verliebt sich Jeff in Annette, was ihn große Schwierigkeiten bringt. 

    Jochen Richters Auftragsmord-Krimi zwischen Rotlicht-, Gangster-Milieu und High Society ist ein interessantes Zeitdokument des deutschen Kinos. Neben Hans Peter Hallwachs, Roger Fritz, Margit Geissler, Heinz Trixner und Dan van Husen, sind auch die beiden Briten Victoria Tennant und James Faulkner an Bord. Eine ordentliche Besetzung, die gut harmoniert. 

    Richter ist verspielt, liefert dezent Action und viele Schauplätze, aber tritt auch etwas auf der Stelle. es schleichen sich ein paar Längen ein. Die Kameraarbeit von Petrus R. Schlömp kann sich stets sehen lassen. Die Inszenierung erinnert etwas an US-Filme, auch wenn die Inszenierung optisch kaum ihre Herkunft leugnen kann. Aber warum sollte sie auch? Richter beweist, dass deutsches Kino (zumindest früher) mehr konnte als sich in steifen Dramen oder flapsigen Komödien zu verlieren. Hier tummeln sich interessante Figuren in einer manchmal etwas kruden Story. Nebenbei wird via Nachrichten auf politische Querelen, wie den Kalten Krieg und den ewigen Konflikten des Nahen Ostens eingegangen. 

    Auch wenn NULLPUNKT – ICH BIN DEIN KILLER manchmal etwas verfahren wirkt und kaum Spannung bietet, ist er ein Paradebeispiel für den Neuen Deutschen Film der frühen 1980er-Jahre. 

    (Bjoern Candidus)

  • Pelts, 2006 – ★★★½

    Pelts, 2006 – ★★★½

    PELTS
    (Kanada, USA, 2006, Regie: Dario Argento)

    Der Pelzhändler Jake Feldman kauft bei einem Wilderer ganz besonders schöne Waschbärpelze, die er zu viel Geld machen will. Doch auf den Pelzen lastet ein Fluch, der die Träger dazu bringt, sich auf übelste Art zu verstümmeln und schließlich zu töten.   

    Im Rahmen der MASTERS OF HORROR Serie durfte Dario Argento nach JENIFER (2005) erneut ran und hat nicht nur einen der stärksten Beiträge der 2. Staffel gezaubert, sondern auch einen visuell recht ansprechenden, der sich vor Filmen wie AURA (1993) und THE STENDHAL SYDROME (1996) nicht verstecken muss. Wie steil es für Argento danach, bzw. auch schon davor bergab ging, ist ja hinlänglich bekannt. Hier hat er sich jedenfalls noch mal richtig ausgetobt und die Gore-Keule mächtig geschwungen und sich musikalisch von Goblin-Urgestein Claudio Simonetti begleiten lassen. 

    Man sollte hier kein Kunstwerk im Stile von SUSPIRIA oder PROFONDO ROSSO erwarten, aber Argento liefert ein gutes Handwerk und hat scheinbar eine menge Spaß dabei, das sehr blutige Handwerk der KNB-EFX-Group zu präsentieren. Auch Meat Loaf als Pelzhändler und John Saxon als Wilderer passen wunderbar ins Gesamtbild dieses garstigen Sechzigminüters. 

    Kritik an Tiermord in der Modeindustrie, Menschen die sich selbst häuten oder ihren Kopf mittels Bärenfalle halbieren… PELTS bietet in kurzer Zeit einen blutigen Strauß an Eindrücken, die das Herz des Gore-Fans höher schlagen lassen sollten. 

    (Bjoern Candidus)

  • Born for Hell, 1976 – ★★★½

    Born for Hell, 1976 – ★★★½

    DIE HINRICHTUNG 
    (BORN FOR HELL, Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada, 1976, Regie: Denis Héroux)

    Der US-Vietnamveteran Cain Adamson kommt frisch mit dem Schiff aus Shanghai am Hafen von Belfast an. Dort sucht er sich in einem Obdachlosenheim eine Bleibe, die er alsbald wieder verlässt, um in ein Schwesternwohnheim einzudringen. Dort bringt er neun junge Frauen in seine Gewalt, die er demütigt, teilweise vergewaltigt und tötet. 

    Denis Héroux (DAS UNHEIMLICHE, 1977) greift mit DIE HINRICHTUNG den Fall um den Serienmörder Richard Speck auf, der im Jahre 1966 acht Schwesternschülerinnen in Chicago umgebracht hat. Eine neunte konnte sich im Haus verstecken und überlebte. Héroux ändert die Namen und den Schauplatz, bleibt aber ansonsten sehr dicht am Fall. 

    In düsteren von Terroranschlägen und Gewalt zwischen Katholiken und Protestanten gezeichneten Bildern präsentiert Héroux Belfast, durch das er Mathieu Carrière wandern lässt. Der damals 26-jährige Carrière macht dabei erst mal einen ordentlichen Eindruck. Doch ich habe ihm zu keiner Sekunde den amerikanischen Kriegsveteran abgekauft, und da hilft auch kein Parka. Wenn er spricht und aus ihm immer mehr der Psychopath durchbricht, hat man eher das Gefühl, Mamas Liebling dreht am Rad, der mitnichten jemals in irgendeinem Krieg gewesen war. Aber egal. Mathieu Carrière dreht durch, und das macht er soweit ganz gut. Die Vergewaltigung mit einhergehender Strangulation ist ziemlich heftig, ebenso die anderen kaltblütigen Morde, die hier alle sehr schnell aufeinander folgen. Die Damen, wie Eva Mattes, Debra Berger oder Christine Boisson, die sich hier in den Klauen von Carriere befinden, sind allesamt ebenfalls keine unbekannten und überzeugen als Opfer. 

    Die Inszenierung ist sehr kalt, grob und dreckig; es gibt keine schönen Bilder, keine Liebe. Überall herrscht Gewalt in den Straßen, und der Doppeldeckerbus mit der Aufschrift „Stop Violenz“ scheint vergeblich zu fahren. 

    DIE HINRICHTUNG ist ein kleiner, schmutziger Film, der in der Tradition von Filmen wie Gerald Kargls ANGST (1983) steht. Auch wenn Carrière nicht immer jeden Ton trifft, überzeugt er als Psychopath, der allzu gerne lächelt. 

    (Bjoern Candidus)