Autor: marco-fritz

  • Nightwish, 1989 – ★★

    Nightwish, 1989 – ★★

    NIGHWISH – OUT OF CONTROL
    (NIGHWISH, USA, 1989, Regie: Bruce R. Cook)

    Professor Dr. Mendele, Fachgebiet: Parapsychologie, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Unterbewusstsein zu analysieren, in dem er die Träume seiner Testpersonen aufzeichnet. Um noch weiter in seine Forschungen einzudringen, organisiert er ein Haus auf dem Lande, in dass er eine Handvoll Studenten einlädt, die bereit sind, sich auf seine Experimente einzulassen. Doch sein Experiment gerät außer Kontrolle. 

    NIGHWISH – OUT OF CONTROL startet durchaus interessant und lässt schon in der Pre-Titel-Sequenz erkennen, um was es hier in etwa geht. Nach der stylischen Titel-Sequenz, die mit dem packenden Synthesizer-Score von Phil Davies und Mark Ryder viel verspricht, wird es wenig später ernüchternd. Die atmosphärischen Bilder weichen grellem Tageslicht, durch das ein Autobus mit vier jungen Leuten fährt. Drei von denen sind absolut austauschbar, der andere hingegen ist ein guter Bekannter, der aus der Art schlägt. Kein geringerer als Brian Thompson fährt nämlich den Autobus. Thompsons Rollen sind meistens zwischen Dummheit, Coolness und Brutalität angesiedelt, und hier verbindet sich alles. Auch wenn sein sonderbares Verhalten im weiteren Verlauf des Films durchaus Sinn ergibt, ist er hier als Darsteller ziemlich fehlbesetzt. Keiner der Darsteller kann wirklich überzeugen, ebensowenig die Story, wobei die an sich gar nicht das Problem ist. Durch Film wie A NIGHTMARE ON ELM STREET (1984), insbesondere NIGHTMARE ON ELM STREET – DREAM WARRIORS (1987), DREAMSCAPE (1984) und VISION DER DUNKELHEIT (1988) wurde das Traum-Thema immer wieder aufgegriffen und auf unterschiedliche Art behandelt. Träume sind ein faszinierendes Thema, und das Genre bietet sich gerade dazu an, dies zu bearbeiten. Doch Bruce R. Cook war offensichtlich nicht besonders bemüht, das Thema auf ernsthafte Art anzugehen und tischt einen hanebüchen Irrsinn auf, dem ich kaum folgen konnte. Immerhin spendiert die KNB-Schmiede ein paar eklige Schleim- und Gore-Effekte, an denen auch echte Käfer teilhaben durften. Zudem schafft es Cook hin und wieder die anfängliche Atmosphäre im späteren Verlauf noch mal aufzugreifen und mit netten Licht- und Spezial-Effekten anzureichern, die der Inszenierung zumindest optisch sehr gut tun. 

    Nichtsdestotrotz ist NIGHTWISH ein wirrer, unausgegorener Horrorbrei mit sämtlichen Zutaten, die gar nicht mal so gut abgeschmeckt wurden. 

    (Bjoern Candidus)

  • Frankenstein and the Monster from Hell, 1974 – ★★½

    Frankenstein and the Monster from Hell, 1974 – ★★½

    FRANKENSTEINS HÖLLENMONSTER 
    (FRANKENSTEIN AND THE MONSTER FROM HELL, GB, 1974, Regie: Terence Fisher)

    Der junge Arzt Dr. Simon Helder will die Experimente von Baron Frankenstein fortsetzen. Dabei wird er von der Polizei erwischt und wegen illegaler Experimente an Leichen verurteilt. Er soll für fünf Jahre in eine Anstalt für kriminelle Geisteskranke gesperrt werden. Doch wie es der Zufall will, arbeitet in dieser ein gewisser Doktor Carl Victor, der eigentlich der berühmt-berüchtigte Baron Frankenstein ist. 

    Mitte der 1970er-Jahre schlossen sich langsam die Tore der Hammer-Studios, und FRANKENSTEINS HÖLLENMONSTER ist nicht nur eine der letzten klassischen Hammer-Produktionen, es ist auch Terence Fishers letzter Film, und leider nicht sein stärkster. 

    Die Inszenierung startet klassisch mit Nebel auf einem Friedhof, wo ein Leichendieb eine Leiche ausgräbt und an einen jungen Arzt verkauft, der die Experimente von Baron Frankenstein weiterführen möchte. Der Fan der Frankenstein-Reihe sollte sich also direkt heimisch fühlen. Das Setting bietet nicht viel Abwechslung. Man muss weitestgehend auf die schaurigen Wälder und pittoresken Bauten der Vorgängerfilme verzichten. Aber das fällt nicht stark ins Gewicht, denn die bespielten Kulissen der Anstalt sind stimmig und erschaffen eine gute Atmosphäre. 

    Peter Cushing macht wie immer einen guten Job als Victor Frankenstein. Aber auch sein Schüler Dr. Simon Helder, gespielt von Shane Briant, macht eine gute Figur. Ziemlich bemitleidenswert ist Dave „Darth Vader“ Prowse als Monster. Er ist eine Mischung aus depressivem Mann und einem Yeti, der eher Mitleid als Schrecken verbreitet. Für Prowse war es seine zweite Performance als Frankensteins Monster. 

    Die Handlung bietet nichts Neues, Spannung wird kaum aufgebaut und manchmal wird es sogar etwas langweilig, aber dafür ist der Blut- und Ekelfaktor recht hoch. Augäpfel platzen, ein Schädel wird geöffnet, das Gehirn wird fein säuberlich herausgeschnitten und Körperteile fliegen durch den Raum. Die Aura des Morbiden hängt stets in der Luft. 

    FRANKENSTEINS HÖLLENMONSTER ist keine Sternstunde für Fisher und der schwächste Beitrag der Hammer Frankenstein-Filme. Aber Cushing schafft es erneut durch seine Performance, eine Inszenierung vor dem Untergang zu retten. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Devil in Miss Jonas, 1974 – ★★½

    The Devil in Miss Jonas, 1974 – ★★½

    DER TEUFEL IN MISS JONAS
    (Schweiz, 1974, Regie: Erwin C. Dietrich) 

    Miss Jonas, die nur Sex im Kopf hat, wird wegen ihres nymphomanen Lebenswandel zum Tode verurteilt. Als sie in der Hölle ankommt, stellt der Teufel fest, dass sie ein paar Tage zu früh bei ihm angeliefert wurde. Er erhört ihr Winseln und lässt sie noch mal zurück auf die Erde, wo sie sich weiter genüsslich durchvögeln lassen kann. 

    Der Schweizer Filmmogul Erwin C. Dietrich hat mit DER TEUFEL IN MISS JONAS eine Art deutschsprachiges Remake des Porno-Klassikers THE DEVIL IN MISS JONES (1973) gedreht und dem Wahnsinn freien Lauf gelassen. 

    Der Film startet mit der Verurteilung von Miss Jonas durch ein sonderbares Gericht (Leute mit Henkersmütze), was in einem Keller beherbergt ist. Hier wird die Schöne, deren ausschweifendes Leben unbedingt bestraft werden muss, erst mal ausgepeitscht, was ihr sichtlich Vergnügen bereitet. Dann wird sie durch eine Guillotine geköpft und landet im Empfangsbereich der Hölle, beim Herrn der Fliegen persönlich. Dieser wird von dem stets verschrobenen Herbert Fux dargestellt, der hier einen Ziegenschwanz hat, aber noch kein Horn auf der Stirn trägt, wie drei Jahre später in Francos DIE LIEBESBRIEFE EINER PORTUGIESISCHEN NONNE, aber dafür einen Anzug mit Fliege. Miss Jonas wird von Christa Free dargestellt, die bereits vorher Erfahrungen im Erotikfilm sammeln konnte. Von ihr darf man nicht viel erwarten, aber mehr als die Beine breitmachen, muss sie hier ohnehin nicht. Etwas mehr Ausstrahlung verbreitet Marianne Dupont als Dorthe, die man aus diversen SCHULMÄDCHEN-REPORT-Filmen kennt.

    Dass es hier in erster Linie um nacktes Fleisch geht, macht Dietrich sofort klar. Genauso schnell lässt er den Zuschauer aber auch wissen, dass es hier nicht ernsthaft zugehen wird. Bei dieser Prämisse kann man nur den Boden unter den Füßen verlieren, aber die meisten Figuren liegen hier ohnehin, und zwar übereinander. Und so folgen wir nach einer ominösen Verurteilung, Folter, Enthauptung und einem Besuch beim Teufel, dem lüsternen Leben von Miss Jonas, die noch ein paar Tage Aufschub gewährt bekommt. Ab da an erlebt man einen Softcore-Porno, der eine langweilige Sex-Szene nach der anderen serviert. Um das Geficke noch zu dehnen, bekommt man den Spaß meist in Zeitlupe geliefert. Aufgelockert werden diese Szenen dann mit dem Gesicht von Herbert Fux, was sich über das Bild legt. Er hat zumindest ein paar witzige Sprüche auf Lager. Schön atmosphärisch sind die Fick-Szenen im Wald, in dem dämonische Masken zum Einsatz kommen. So wird wenigsten hin und wieder das Gefühl erweckt, dass man es eigentlich mit einem phantastischen Film zu tun hat. Größtenteils vögelt man sich aber durch öde Zimmer. 

    DER TEUFEL IN MISS JONAS ist ein bizarrer Horror-Porno ohne Horror, aber mit viel langweiligem Sex und irrsinnigen Dialogen. Getragen wird der Film eigentlich nur von Herbert Fux, und der ist Grund genug, um einzuschalten. 

    (Bjoern Candidus)

  • Z.P.G., 1972 – ★★★★

    Z.P.G., 1972 – ★★★★

    ZERO POPULATION GROWTH
    (Z.P.G., USA, 1972, Regie: Michael Campus) 

    Der Mensch hat es endlich geschafft: Natürliche Pflanzen und Tiere sind nahezu ausgerottet. Die Luftverschmutzung lässt es nicht mehr zu, sich ohne Gasmaske im Freien zu bewegen. Künstliche Nahrung steht auf dem Speiseplan. Aus diesem Grund beschließen die Regierungen der Nationen ein Geburten-Verbot für die nächsten drei Jahrzehnte. Wer sich dem widersetzt, wird hingerichtet. Doch ganz ohne „Nachwuchs“ sollen die Familien auch nicht auskommen. Mechanische Baby- und Kinder-Puppen sollen die Leere füllen. Doch dem Liebespaar Russ und Carol McNeill reicht das nicht, sie wollen ein Kind aus Fleisch und Blut.

    Mit ZERO POPULATION GROWTH hat Regisseur Michael Campus (STRASSEN ZUR HÖLLE, 1973), basierend auf einem Drehbuch von Frank De Felitta und Max Ehrlich, einen vorausschauenden Beitrag des dystopischen Sciencefiction-Kinos geschaffen. Die Themen wie Überbevölkerung, Umweltverschmutzung und die damit einhergehende Vernichtung von Flora und Fauna, die zu weltweiten Lebensmittelknappheit führt, waren damals aktuell und heute sind sie es erst recht. Klebte man sich damals Aufkleber aufs Auto, klebt man sich heute direkt auf die Straße. Und doch schaut man weg, denn so schlimm ist es ja noch nicht. Der Mensch wacht erst auf, wenn sein Haus bereits in Flammen steht, und manche bleiben selbst dann noch liegen. 

    Mit einem Partyfilm hat man es hier also nicht zu tun. Das Gegenteil ist sogar der Fall, denn ZERO POPULATION GROWTH ist bereits von der ersten Minute an düster, sperrig und hoffnungslos. Die Gesellschaft wird kontrolliert, manipuliert und mit falschen Emotionen gesteuert. Und wer könnte diesem Zustand ein besseres Gesicht verpassen als Oliver Reed? Nicht so viele, und deshalb ist der gute Mann hier auch genau richtig. An seiner Seite ist Charlie Chaplins Tochter Geraldine Chaplin. Beide geben ein sehr gutes Bild ab. Der Zuschauer darf sich auf extrem hässliche Baby- und Kinderpuppen einstellen, kann sich ein Bild von künstlichem Fisch, Fleisch und Gemüse aus Tuben machen und wird Zeuge von öffentlichen Hinrichtungen von Ehepaaren, die es gewagt haben, sich fortzupflanzen. Dabei werden die Eltern wie auch der Nachwuchs in Halbkugeln gefangen gehalten, in denen sie 12 Stunden verweilen müssen, bevor sie ersticken. 

    ZERO POPULATION GROWTH ist ein finsteres Familien-Drama in einer zerrütteten Welt. Ein Film, der sich hervorragend in eine Liste mit Filmen wie FAHRENHEIT 451 (1966), PLANET DER AFFEN (1968), THX (1971), LAUTLOS IM WELTRAUM (1972) oder SOYLENT GREEN (1973) einreihen kann. 

    (Bjoern Candidus)

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 72

    Traumstadt Gazette Ausgabe 72

    TRAUMSTADT GAZETTE 72

    Affensöhne, Spitzel, Träumereien…

    Bjoern Candidus und Marco Fritz haben in der 72. TRAUMSTADT GAZETTE folgende Filme am Start:

    -CHRISTINE (1983)

    -KING KONGS SOHN (1933)

    -BEAU IS AFRAID (2023)

    -DER DIALOG (1974)

    -DAS GEHEIMNIS DER JUNGEN WITWE (1968)

    -THE BRIDE WITH WHITE HAIR (1993)

    -NIGHTWISH (1989)

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • To All a Goodnight, 1980 – ★½

    To All a Goodnight, 1980 – ★½

    GOODNIGHT
    (TO ALL A GOODNIGHT, USA, 1980, Regie: David Hess) 

    Auf einem Mädchenpensionat lastet eine üble Vergangenheit. Vor zwei Jahren kam ein Mädchen bei einem Scherz ihrer Mitschülerinnen ums Leben. Zwei Jahre später plant eine Gruppe Mädchen eine illegale Weihnachtsparty mit dem männlichen Geschlecht in selbigem Pensionat abzuhalten. Doch auch ein Psychopath betritt das weitläufige Anwesen, um die Feierenden zu reduzieren. 

    Niemand geringeres als David Hess, den Wes Craven mit seinem Film LAST HOUSE ON THE LEFT (1972) als Krug Stillo zu Legendenstatus verhalf, feiert hier sein Regiedebüt, und nach einer ziemlich stümperhaft inszenierten Rückblick-Pre-Titel-Sequenz, geht es leider nicht viel besser weiter. Dieser für 70.000 US-Dollar in binnen von zehn Tagen heruntergekurbelte Slasher hat vor allem ein Problem: ausladende Figuren, die nur dumm oder dreist gestrickt sind und niemals meine Sympathie gewinnen konnten. Das würde ich dem Film noch schenken, aber da auch sonst nicht viel im Lot ist, fällt es schwer, gnädige Worte zu finden. Hess passt sich dem gängigen Slasher-Prinzip an: Einer nach dem anderen springt über die Klinge eines Killers. Fertig! Er versucht zwar durchaus was zu liefern, aber aufgrund mangelnder Qualität wirken die Gore-Effekte hölzern und wirkungslos. Der Killer, der sehr blass gezeichnet wird, zeigt sich mal im Weihnachtsmann-Kostüm, mal mit Ritterrüstung. Richtiger Terror wird allerdings zu keiner Zeit erzeugt. Auch wenn die weitläufige Villa, die hier als Mädchenpensionat dient, recht ansehnlich ist und gute Möglichkeiten bieten würde, schafft es Hess kaum Atmosphäre, geschweige noch Spannung aufzubauen. Alles wirkt sehr gefühllos, dabei wäre Weihnachten eine gute Grundlage, um etwas zu spielen oder für Stimmung zu sorgen; das geht in Filmen wie BLACK CHRISTMAS (1974) und SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT (1984) um Welten besser auf. Zumindest schafft Hess im letzten Drittel etwas Spannung zu erzeugen, kurz bevor man die wenig überraschenden Auflösung serviert bekommt. Die Damen und Herren, die sich durch die maue Inszenierung kämpfen, sind bis auf wenige Ausnahmen Unbekannte, die hier ihren einzigen Auftritt haben. Jennifer Runyon kennt man hingegen z.B. aus Filmen wie GHOSTBUSTERS (1984), DER FALKE UND DER SCHNEEMANN (1985) oder CARNOSAURUS (1993). 

    GOODNIGHT ist ein billiger, mit wenig Geschick inszenierter Slasher von einem Charakterkopf, der vor der Kamera einfach besser aufgehoben war.

    (Bjoern Candidus)

  • The Corpse Packs His Bags, 1972 – ★★★

    The Corpse Packs His Bags, 1972 – ★★★

    DER TODESRÄCHER VON SOHO
    (EL MUERTO HACE LAS MALETAS, Deutschland, Spanien, 1972, Regie: Jess Franco)

    London durchzieht eine Mordserie. Die Opfer werden stets mit einem Wurfmesser getötet, außerdem steht neben den Opfern ihr gepackter Koffer. Scotland Yard steht vor einem Rätsel, was Inspektor Redford (Fred Williams) zu lösen hofft. Alles deutet daraufhin, dass die Mordserie etwas mit dem Drogenmilieu zu tun hat. 

    Im Zuge des Erfolgs der EDGAR WALLACE – Reihe der Rialto Film schob Artur Brauner seine BRYAN EDGAR WALLACE – Reihe nach. DER TODESRÄCHER VON SOHO basiert auf der Vorlage „Der Tod packt seinen Koffer“ von Bryan Edgar Wallace (der Sohn von Edgar), der bereits 1962 als DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER von Werner Klinger verfilmt wurde. Bei DER TODESRÄCHER VON SOHO beauftragte Brauner Jess Franco, mit dem er bereits Erfahrungen (z.B. VAMPYROS LESBOS, 1971) sammeln konnte. 

    Dabei ist Franco ein kurzweiliger Krimi gelungen, der vor allem durch seine Schauplätze und den oft verspielten Kameraperspektiven ein Hingucker wird. Nebelige Sets, knallige Farben und schmierige Figuren befeuern die rundum gelungene Atmosphäre. Es gibt hin und wieder ein paar Impressionen bekannter Wahrzeichen in London zu sehen, aber die eigentlichen Aufnahmen fanden in Spanien statt, was an der Architektur, innen wie außen, gut zu erkennen ist. Also nichts ungewöhnliches für Franco. Ungewöhnlicher ist eher Francos Zurückhaltung, was Sex und Erotik angeht, aber da hat wohl Brauner einen Riegel vorgeschoben, weil hier ein anderes Publikum angesprochen werden sollte. Immerhin gibt es einen Nachtclub und einen Blinden der seine Ohren überall hat, wie in Francos JACK THE RIPPER (1976). 

    Aber was wäre eine Wallace-Adaption ohne große Namen vor der Kamera? Auch hier schöpft Brauner aus den Vollen und liefert mit Horst Tappert, Fred Williams, Barbara Rütting, Siegfried Schürenberg, Dan van Husen, Wolfgang Kieling und vielen anderen eine ganze Wagenladung sympathischer Gesichter, die den Charme dieser Inszenierung ungemein befeuern.  
    Gelungen ist auch der Score von Rolf Kühn, der sich beschwingt wie spannend zeigt. 

    DER TODESRÄCHER VON SOHO ist ein visuell ansprechender, gut besetzter Krimi. Auf den Humor, den er stellenweise auffährt, hätte man gut verzichten können, aber zum Ausgleich bekommt man Horst Tappert im Rage-Modus, und das gibt es nicht jeden Tag zu sehen.

    (Bjoern Candidus)

  • Rings of Fear, 1978 – ★★★½

    Rings of Fear, 1978 – ★★★½

    ORGIE DES TODES
    (ENIGMA ROSSO, Deutschland, Italien, Spanien, 1978, Regie: Alberto Negrin) 

    Als die grausam zugerichtete Leiche einer Internatsschülerin gefunden wird, ruft man Inspektor Gianni di Salvo auf den Plan. Die Spur führt ihn zu dem nach außen hin einen guten Eindruck machende Internat für Mädchen aus reichem Hause. Doch dort lernt man nicht nur, wie man rechnet, sondern auch wie man Männer sexuell bedient. Inspektor di Salvo gerät in einen Pool aus Sex und Gewalt, den er trockenlegen will. 

    ORGIE DES TODES ist der dritte Teil der (unabhängigen) Mord-an-Schulmädchen-Trilogie, die mit DAS GEHEIMNIS DER GRÜNEN STECKNADEL (1972) ihren Anfang nahm und mit DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER (1974) hervorragend fortgesetzt wurde. Zu jedem der Filme schrieb Massimo Dallamano das Drehbuch. Während Dallamano bei den Vorgängern noch Regie führte, übernimmt diesen Part hier Alberto Negrin. Das Geschick, was Dallamano bei seinen beiden Inszenierungen der „Trilogie“ an den Tag legte, fehlt Alberto Negrin, der vorher (und nachher) in erster Linie für das italienische Fernsehen gearbeitet hat. Hier ist alles etwas kleiner, schmieriger und mit weniger Gefühl inszeniert, was den Film aber keinesfalls schlecht macht. Die inhaltlichen Härten wie Vergewaltigung, Abtreibung und Prostitution unter Schülerinnen werden hier jedenfalls nicht heruntergeschraubt. 

    Der charmante Fabio Testi gibt, wie meistens, eine gute Figur ab und wirkt in seiner Rolle als Inspektor di Salvo bodenständig, klug und gefühlvoll. Zuverlässig eklig ist hingegen Jack Taylor, der aus dem Euro-Kino jener Tag nicht wegzudenken ist. Weibliche Prominenz kommt mit Christine Kaufmann, die Harald Reinl mit ROSEN-RESLI bereits 1954 zum Kinderstar machte. Und dann ist da noch die kleine Fausta Avelli als Emily, die die Schwester von Nicoletta Elmi sein könnte, nicht nur äußerlich. Dazu gesellen sich noch einige andere junge Damen, die auch gern mal nackt durchs Bild hüpfen, wenn man ihnen nicht gerade ans Leder will. Musikalisch wird man vom großen Riz Ortolani verwöhnt. 

    ORGIE DES TODES zeigt sich düster, kleidet sich mit erdigen Farbtönen und kann mit ein paar spannenden Momenten den Giallo-Fan bei Laune halten.

    (Bjoern Candidus)

  • Hands of the Ripper, 1971 – ★★★½

    Hands of the Ripper, 1971 – ★★★½

    HÄNDE VOLLER BLUT
    (HANDS OF THE RIPPER, GB, 1971, Regie: Peter Sasdy)

    Dr. Pritchard möchte der 17-jährigen Anna helfen, die die Tochter von „Jack the Ripper“ ist und nach dem Tod ihres Vaters in seine Fußstapfen tritt. Obwohl er weiß, dass Anna beim nächsten Auslöser wieder zu blutigen Tat schreitet, tut er alles dran, zu ergründen, was sie zu den Morden veranlasst. 

    Peter Sasdy hat hier einen durchaus interessanten Horrorfilm aus der Spätphase der Hammer-Studios gezaubert, der sich dem Thema „Jack the Ripper“ auf eigene Art annimmt. Sasdy schickt den Zuschauer in ein toll inszeniertes Whitechapel, was in Wirklichkeit die Kulissen der Pinewood-Studios sind. Die Sets, die Ausstattung und die Kostüme sind auf höchstem Hammer-Niveau und tragen zur dichten Atmosphäre bei, die Sasdy kontinuierlich aufrechterhält. Hier sieht alles groß aus, ist phantastisch ausgeleuchtet und fotografiert. Obwohl der Film kaum spannend ist, weil man leider zu schnell erfährt, wo der Hase langläuft, wußte mich die Inszenierung zu packen, was vor allem an den Darstellern lag. Angharad Rees bleibt als Anna ziemlich unspektakulär, aber dafür überzeugen Eric Porter als Dr. Pritchard und Derek Godfrey als Dysart umso mehr. 

    Die Idee, die Ripper-Morde auf diese Art weiterzuführen, ist schon etwas absurd, andererseits bietet der nie aufgeklärte Fall genau diesen Spielraum, der bis heute genutzt wird. Hier kombiniert Peter Sasdy, bzw. der Vater der Story, Edward Spencer Shew, den Fall mit freudscher Psychoanalyse und Okkultismus und garniert das Ganze mit ein paar wirksamen Gore-Szenen. Abgerundet wird die Inszenierung von Christopher Gunnings Score. 

    Wer vom Ripper nicht genug bekommt und durchaus offen ist für eigene Wege, dem sei HÄNDE VOLLER BLUT empfohlen, und allen Hammer-Fans sowieso. 

    (Bjoern Candidus)

  • Crime in Formula One, 1984 – ★★

    Crime in Formula One, 1984 – ★★

    FORMEL 1 UND HEISSE MÄDCHEN
    (DELITTO IN FORMULA UNO, Italien, 1984, Regie: Bruno Corbucci) 

    Inspektor Giraldi ermittelt im Fall eines Rennfahrers, der durch einen Sabotageakt sein Leben lassen musste. Nebenbei mischt sich noch Giraldis Schwager in seinen Alltag, der bei dem Diebstahl eines Autos entdeckt, dass sich eine Leiche im Kofferraum befindet, die mit den getöteten Rennfahrer in Verbindung steht. Doch weil Giraldi seinem Schwager helfen will, wird er vom Dienst suspendiert… 

    Der zehnte und vorletzte Beitrag von Bruno Corbuccis Filmreihe um Inspektor Nico Giraldi hat mir leider am wenigsten gefallen. Die Story hat mich nicht abgeholt, die Witze, die kleinen gesellschaftskritischen Spitzen und der allgemeine Spaß der Vorgänger (die ich bisher gesehen habe) ist sehr reduziert worden. Zudem treibt Tomás Milián seinen Strick-Fetisch in ganz neue Höhen, die Strick eher abgeneigte Zuschauer wie mir, ein Dorn im Auge sein könnten. Insgesamt war er mir hier zu clownesk, ohne komisch zu sein. Neben Milián ist auch Bombolo wieder an Bord, der erneut auf die Fresse bekommt. Dazu gesellt sich Dagmar Lassander, die allerdings auch etwas blass bleibt. Nicht mal Fabio Frizzi konnte mich mit seinem Score abholen. 

    Ein bisschen Action, alberne Sprüche und viel Leerlauf bietet FORMEL 1 UND HEISSE MÄDCHEN. 

    (Bjoern Candidus)