Autor: marco-fritz

  • Born for Hell, 1976 – ★★★½

    Born for Hell, 1976 – ★★★½

    DIE HINRICHTUNG 
    (BORN FOR HELL, Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada, 1976, Regie: Denis Héroux)

    Der US-Vietnamveteran Cain Adamson kommt frisch mit dem Schiff aus Shanghai am Hafen von Belfast an. Dort sucht er sich in einem Obdachlosenheim eine Bleibe, die er alsbald wieder verlässt, um in ein Schwesternwohnheim einzudringen. Dort bringt er neun junge Frauen in seine Gewalt, die er demütigt, teilweise vergewaltigt und tötet. 

    Denis Héroux (DAS UNHEIMLICHE, 1977) greift mit DIE HINRICHTUNG den Fall um den Serienmörder Richard Speck auf, der im Jahre 1966 acht Schwesternschülerinnen in Chicago umgebracht hat. Eine neunte konnte sich im Haus verstecken und überlebte. Héroux ändert die Namen und den Schauplatz, bleibt aber ansonsten sehr dicht am Fall. 

    In düsteren von Terroranschlägen und Gewalt zwischen Katholiken und Protestanten gezeichneten Bildern präsentiert Héroux Belfast, durch das er Mathieu Carrière wandern lässt. Der damals 26-jährige Carrière macht dabei erst mal einen ordentlichen Eindruck. Doch ich habe ihm zu keiner Sekunde den amerikanischen Kriegsveteran abgekauft, und da hilft auch kein Parka. Wenn er spricht und aus ihm immer mehr der Psychopath durchbricht, hat man eher das Gefühl, Mamas Liebling dreht am Rad, der mitnichten jemals in irgendeinem Krieg gewesen war. Aber egal. Mathieu Carrière dreht durch, und das macht er soweit ganz gut. Die Vergewaltigung mit einhergehender Strangulation ist ziemlich heftig, ebenso die anderen kaltblütigen Morde, die hier alle sehr schnell aufeinander folgen. Die Damen, wie Eva Mattes, Debra Berger oder Christine Boisson, die sich hier in den Klauen von Carriere befinden, sind allesamt ebenfalls keine unbekannten und überzeugen als Opfer. 

    Die Inszenierung ist sehr kalt, grob und dreckig; es gibt keine schönen Bilder, keine Liebe. Überall herrscht Gewalt in den Straßen, und der Doppeldeckerbus mit der Aufschrift „Stop Violenz“ scheint vergeblich zu fahren. 

    DIE HINRICHTUNG ist ein kleiner, schmutziger Film, der in der Tradition von Filmen wie Gerald Kargls ANGST (1983) steht. Auch wenn Carrière nicht immer jeden Ton trifft, überzeugt er als Psychopath, der allzu gerne lächelt. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Evil, 1978 – ★★★

    The Evil, 1978 – ★★★

    THE EVIL – DIE MACHT DES BÖSEN
    (THE EVIL, USA, 1978, Regie: Gus Trikonis)

    In einem alten verfluchten Haus, was auf einem erloschenem Vulkan erbaut wurde, will der Psychologe C.J. Arnold und seine Kollegin Caroline ein Drogen-Rehabilitationszentrum errichten. Als die Klienten eintreffen, dauert es nicht lange, bis Caroline eine übernatürliche Macht wahrnimmt. Dann bricht die Hölle los. 

    Gus Trikonis reagiert mit THE EVIL – DIE MACHT DES BÖSEN auf Spukhaus-Horrorfilme wie THE HAUNTING (1963) oder THE LEGEND OF HELL HOUSE (1973), gestaltet seine Inszenierung aber weitaus effektreicher und nimmt quasi einen POLTERGEIST (1982) vorweg. 

    Der Film startet spannend mit Sam, einem Hausmeister, der Geräuschen in dem weitläufigen, sehr verwahrlosten Herrenhaus nachgeht, bevor er Feuer fängt. Danach wird das Anwesen dem zukünftigen Besitzer C.J. Arnold vorgestellt, und Trikonis führt langsam die Figuren ein. Mit Richard Crenna als C.J. Arnold, Andrew Prine als Professor Guy und Joanna Pettet als Dr. Caroline Arnold hat man solide Hauptdarsteller an Bord, die die anderen verhältnismäßig blassen Darsteller ausgleichen, die ohnehin nur als Kanonenfutter dienen. 

    Trikonis hält nicht lange mit dem Spuk zurück, lässt Lichtgestalten auftauchen oder haucht Statuen leben ein. Das Tempo ist wirklich beachtlich, und wenn hier der Effektzauber einmal entfesselt wird, gibt es kein Zurück mehr. Menschen werden durch die Luft gewirbelt, Menschen verbrennen oder werden durch Strom getötet. Das Innere des Hauses verwandelt sich in eine Todesfalle, während es draußen unentwegt regnet, blitzt und donnert. Trikonis hält die Atmosphäre kontinuierlich aufrecht, vergisst aber leider etwas die Spannung. Dafür zischt und dampft es hier aus allen Rohren. Ein richtiger Hingucker ist das Haus. Als Schauplatz diente das Montezuma Castle in Las Vegas, was mit gut 8400 Quadratmetern ordentlich Platz bietet. 

    Noch ein Jahr, bevor Stuart Rosenberg mit THE AMITYVILLE HORROR (1979) ein neues Erfolgskapitel im Bereich des Spukhaus-Horrorfilms öffnete, stellt THE EVIL – DIE MACHT DES BÖSEN schon neue Weichen, besonders in der gelungenen Effektarbeit. Dennoch konnte mich Gus Trikonis Inszenierung nicht vollends überzeugen, und besonders das Ende ist nicht gerade Gold wert. 

    (Bjoern Candidus)

  • Mysterious Two, 1982 – ★½

    Mysterious Two, 1982 – ★½

    DIE UNHEIMLICHEN ZWEI
    (MYSTERIOUS TWO, USA, 1982, Regie: Gary Sherman) 

    Zwei Außerirdische in Gestalt eines alten Ehepaars kommen auf die Erde und lassen sich in einer kleinen Wüstenstadt nieder. Dort versuchen sie die Menschen von einem neuen Leben mit ewigem Frieden im Universum zu überzeugen. Dafür müssen sie ihr ganzes Hab und Gut aufgeben, sich frei machen vom unnützen Ballast und ins Licht mitkommen, was sie von der Erde befreien wird. Und die Sache findet Anklang unter den Menschen, zumindest in dem Kaff. Der Sheriff und sein bester Mann Boone hält die Sache für eine Massenpsychose, die er mit Hilfe von Ted und Tim abstellen möchte. Doch, sie unterschätzen die Macht, die hinter den Dingen steckt. 

    Was nach einem Invasions-Sci-Fi-Horrorfilm im Stil von INVASION VOM MARS (1953/86) klingt, der ganz leicht den liebevollen Irrsinn von THE VISITOR (1979) von Giulio Paradisi streift, nur dass hier definitiv Franco Nero als Jesus fehlt, ist leider ein ganz maues, kaum definierbares Etwas. Es ist zwar lobenswert, dass Regisseur Gary Sherman mal einen anderen Ansatz wählt, aber er lässt ihn in Langeweile verkommen. Das ist besonders bedauerlich, weil er mit seinen drei vorangegangenen Filmen TUNNEL DER LEBENDEN LEICHEN (1972), TOT & BEGRABEN (1981) und NACHTRATTEN (1982) drei Mal ins Schwarze getroffen hat. Im Vergleich dazu fällt er hier in einen Abgrund. Zwar schafft er ein Mittelmaß an düsterer Atmosphäre, doch die Sauerstoffarmut der Inszenierung ist allgegenwärtig. Konnte er in TOT & BEGRABEN mit vielen interessanten Figuren hervorragend einen Kleinstadt-Kosmos aufbauen, ist einem hier jeder egal, selbst Robert Englund, der wieder am Start ist. John Forsythe und Priscilla Pointer als außerirdisches Paar erwecken keinen großen Eindruck, und der bestens mit Außerirdischen vertraute Jerry Hardin (AKTE X, 1993) ist nur im Hintergrund zu sehen. Der Rest setzt sich vor allem aus TV-Serien-Darstellern zusammen, denn schließlich hat man es ja auch mit einem Fernsehfilm zu tun, was für mich einiges erklärt. 
    Aber das Schlimmste ist die furchtbare Melodie von James Stephens, der als Tim Armstrong, ständig Querflöte spielt und dafür sorgt, dass die Eintönigkeit der Inszenierung noch mehr zu spüren ist. 

    DIE UNHEIMLICHEN ZWEI sind unheimlich langweilig, nutzen den esoterischen Ansatz nicht, der hier zumindest inhaltlich noch etwas hätte reißen können, dienen aber möglicherweise Menschen mit Einschlafproblemen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Geschichten aus der Gruft – Stille Nacht – Blutige Nacht (1989)

    Geschichten aus der Gruft – Stille Nacht – Blutige Nacht (1989)

    GESCHICHTEN AUS DER GRUFT

    (TALES FROM THE CRYPT)

    USA, 1989 – 1996

    Episode: 1.2

    Bjoern Candidus und Marco Fritz steigen in die Gruft des Cryptkeepers. In unregelmäßigen Abständen wollen sie diverse Episoden der US-Horror-Serie GESCHICHTEN AUS DER GRUFT besprechen, die von meist namhaften Regisseuren inszeniert und mit bekannten Stars besetzt wurden.

    Pünktlich zu Nikolaus haben sie sich STILLE NACHT – BLUTIGE NACHT (AND ALL THROUGH THE HOUSE) herausgepickt, in der ein entflohener Irrer in einem Weihnachtsmannkostüm eine gar nicht nette Frau terrorisiert.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • The Hills Run Red, 1966 – ★★★★

    The Hills Run Red, 1966 – ★★★★

    EINE FLUT VON DOLLARS
    (UN FIUME DI DOLLARI, Italien, 1966, Regie: Carlo Lizzani)

    Die beiden Südstaatler Jerry Brewster und Seagall überfallen einen Geldtransport. Auf der Flucht wird Jerry Brewster gefangen genommen, während Seagall mit der Beute entkommen kann. Brewster kommt für fünf Jahre ins Gefängnis, in denen er hofft, dass sich Seagall, wie versprochen, um seine Familie kümmert. Als er entlassen wird ist seine Frau tot und sein Sohn irgendwo bei Seagall, der mittlerweile unter einem anderen Namen zu einem mächtigen Landbesitzer wurde, dem die Entlassung von Brewster ein Dorn im Auge ist. Brewster schmiedet einen Racheplan. 

    Produzenten-Guru Dino De Laurentiis und Regisseur Carlo Lizzani (FEUERTANZ, 1966) haben hier einen Rachewestern aufgetischt, der vor allem handwerklich zu überzeugen weiß. Die Fotografie ist ordentlich, präsentiert tolle Landschaftsaufnahmen, interessante Perspektiven (Henry Silva ist stets gut eingefangen) und schöne Nachtaufnahmen einer Westernstadt. Der Film legt ein gutes Tempo hin und bietet den ein oder spannenden Moment. Man startet actionreich und serviert in regelmäßigen Abständen Prügeleien und Schießereien, die solide umgesetzt wurden. Passend untermalt wurde die Inszenierung von Ennio Morricone. 

    Thomas Hunter, der Jerry Brewster spielt, der die Ermordung an seiner Frau und den Betrug durch einen angeblichen Freund Segall (Nando Gazzolo) rächt, macht eine gute Figur, kann aber nicht mit der Naturgewalt Henry Silva mithalten, der hier die Killermaschine Mendez verkörpert. Silva ist wie immer zum niederknien.

    EINE FLUT VON DOLLARS ist ein gut geschriebener Italowestern, der zwar inhaltlich wenig Neues erzählt, aber darstellerisch und visuell zu überzeugen weiß. 

    (Bjoern Candidus)

  • A Black Veil for Lisa, 1968 – ★★★★

    A Black Veil for Lisa, 1968 – ★★★★

    DAS GEHEIMNIS DER JUNGEN WITWE
    (LA MORTE NON HA SESSO, Italien, 1968, Regie: Massimo Dallamano)

    Inspektor Bülow glaubt, seine viel jüngere Frau würde ihn betrügen, was ihm sehr zu schaffen macht. Gleichzeitig muss er sich um eine Mordserie im Hamburger Drogenmilieu kümmern. Als er endlich ein Beweis findet, um den Mörder zu überführen, findet er auch einen Hinweis darauf, dass ihn seine Frau tatsächlich betrügt. Als er den Mörder festnimmt, unterbreitet ihm Inspektor Bülow einen Vorschlag

    Bereits sechs Jahre bevor Regisseur Massimo Dallamano mit seinem großartigen Thriller DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER um die Ecke bog, kombinierte er den Giallo mit dem Poliziottesco. Dabei kam DAS GEHEIMNIS DER JUNGEN WITWE herum, der auch ohne einen Whodunit durchaus spannend ist. Wer der Täter bei solchen Produktionen letztlich ist, ist ohnehin nicht immer das spannendste Merkmal dieser Filme. Und so lüftet Dallamano recht schnell die Identität des Killers, um die Story in eine andere Richtung zu lenken. Dabei setzt Dallamano anfänglich auf die typischen Merkmal eines Giallo-Killers, wenn er ihn mit schwarzem Regenmantel, schwarzem Hut und schwarzen Handschuhen losschickt, um zu töten. Er setzt sogar noch eins drauf und lässt den Killer sein Gesicht schwarz schminken. 

    Insgesamt ist der Film recht düster gehalten und zeigt ein tristes kaltes Deutschland, genauer: Hamburg. Die vielen alten weißen Männer passen gut ins Bild, allen voran Oscar-Gewinner John Mills (RYANS TOCHTER, 1969), der als eifersüchtiger Ehemann und Inspektor zu überzeugen weiß. Ihm gegenüber steht ein noch frischer Robert Hoffmann (SPASMO, 1974) als Max Lindt. Lisa, die Dame, um die hier gleich mehrere buhlen, wird von Luciana Paluzzi (FEUERBALL, 1965) verkörpert, die zu Recht das Interesse der Männer weckt. Auch das Tempo des Films ist ordentlich. Man hält sich kaum auf, zeigt abwechslungsreiche Schauplätze, wie eine Kirmes, die Küste, den Hafen und viele städtische Orte. Der treibende Score, der zwar nicht immer zu den Szenen passen will, aber trotzdem stets gut klingt, stammt von Giovanni Fusco und Gianfranco Reverberi.

    DAS GEHEIMNIS DER JUNGEN WITWE ist ein spannend konzipierter, gut besetzter Thriller um eine Dreiecksgeschichte, der sich absolut sehen lassen kann.

    Es sei noch anzumerken, dass sich die US-Fassung vor allem am Ende deutlich von der Originalfassung unterscheidet. 

    (Bjoern Candidus)

  • Girls Nite Out, 1982 – ★★

    Girls Nite Out, 1982 – ★★

    GIRLS NITE OUT
    (USA, 1982, Regie: Robert Deubel)

    Ein wahnsinniger Killer in einem Bärenkostüm schlachtet sich durch ein Campus-Fest, was von einem Radio-D.J. begleitet wird, der unter den kostümierten Feiernden eine Schnitzeljagd veranstaltet. Zeit für Officer Mac, dem Campuspolizist, dessen Tochter einst ebenfalls ermordet wurde, den Täter schnellstmöglich zu stellen.  

    Erst mal den Ball flach halten, dachte sich Robert Deubel scheinbar, denn es dauert gut 40 Minuten, bis aus dem Slasher endlich mal ein Slasher wird. Erst lässt man sich Zeit mit Trotteln und Trottelinnen, die Party machen, dumme Sprüchen reißen, streiten oder sich zärtlich näher kommen, bevor das übliche Geplänkel weitergeht. Erst nach dieser langatmigen Phase gewinnt GIRLS NITE OUT, der in der Hochphase des Slasher-Kinos gezimmert wurde, etwas an Fahrt. Der Killer, der als Bären-Maskottchen einer Basketballmannschaft verkleidet ist, schlitzt sich fröhlich mit einer Krallenhand, die aus Küchenmessern besteht und unweigerlich an den zwei Jahre später entstandenen A NIGHTMARE ON ELM STREET erinnert, durch die Campusbrut. Bis auf ein paar blutige Momente ist nicht viel Gore auszumachen, allerdings punktet Deubel mit einer recht düsteren Atmosphäre, die durch den Score unterstützt wird. Neben den zweit- bis drittklassigen Darstellern, verwundert es, dann doch etwas, den charismatische Hal Holbrook (und sein Sohn David) zu entdecken, die zusammen mit Rutanya Alda wenigstens für etwas Klasse sorgen. 

    GIRLS NITE OUT ist ein billiger, in wenigen Tagen heruntergekurbelter Slasher, der zumindest ab der zweiten Hälfte ein bisschen Spannung und Terror verbreitet. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Son of Kong, 1933 – ★½

    The Son of Kong, 1933 – ★½

    KING KONGS SOHN
    (SON OF KONG, USA, 1933, Regie: Ernest B. Schoedsack)

    Nachdem der Regisseur Carl Denham mit der Zurschaustellung von King Kong ein riesiges Chaos in New York City angerichtet hat, hagelt es Schadensersatzklagen. Doch diese kann Denham nicht bezahlen und flüchtet mit Kapitän Englehorn aufs Meer. Ihren ersten Landbesuch unternehmen sie auf der Insel Dakang. Dort lernen sie nicht nur die schöne Helen kennen, sondern auch Kapitän Nils Helstrom, dem Denham gut bekannt ist, da er ihm einst die Karte nach Skull Island verkaufte. Der Riesenaffe soll nicht das einzige Geheimnis von Skull Island sein, denn dort soll auch ein Schatz zu finden sein, der Denham aus seinem Ruin herausholen könnte. Die Crew steuert Skull Island an.

    Fortsetzungen, Remakes, Neuinterpretationen und nicht mal das Cinematic-Universe sind eine Erfindung der letzten Jahre. Schon in den 1930er-Jahren hat Hollywood den lukrativen Nutzen entdeckt, beliebte Figuren immer wieder auf die Leinwand zu bringen. Bereits im gleichen Jahr von der Premiere von KING KONG UND DIE WEISSE FRAU (1933) kurbelte man die Produktion für die Fortsetzung, KING KONGS SOHN, an, die noch im Dezember gleichen Jahres in die US-Kinos kam. 

    Diesmal entstand das Affentheater nur unter der Regie von Ernest B. Schoedsack. Leider konnte man die Magie des Vorgänger hier kaum bis gar nicht herüberretten. Obwohl sich der Film als direkte Fortsetzung versteht, und sogar mit Robert Armstrong (Carl Denham) und Frank Reicher (Kapitän Englehorn) gleich zwei Darsteller des Originalfilms besetzt wurde, hat mich die Story keine Sekunde gepackt, ganz im Gegenteil. Gut 40 Minuten wird man hier mit unsympathischen Figuren gequält und gelangweilt, die ihre miese Laune permanent verbreiten. Hin und wieder versucht man dem Ganzen ein bisschen Humor zuzufügen, was vorne bis hinten nicht funktioniert(, zumindest heute nicht mehr).

    Konnte man sich bis dahin wach halten, wird man dann zumindest mit Skull Island belohnt, was allerdings auch nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Die Atmosphäre des Vorgängers braucht man hier gar nicht erst erwarten. Rudimentär gibt es ein paar nette Kulissen zu bestaunen aber das war’s auch schon. Gelungener sind da hingegen die Stop-Motion-Effekte von Willis O’Brien. King Kongs Sohn hat in etwa die Größe eines Elefanten und präsentiert sich mit hellgrauem Fell. Niedlich sieht er aus, aber sein Vater stiehlt ihm zu jeder Zeit die Show, aber der ist ja Geschichte in diesem Film. Damit der Zuschauer wenigstens noch ein bisschen Monster-Action bekommt, lässt O’Brien einen riesigen Bären und ein paar Saurier auf Kong Junior los, und das sind die wenigen netten Momente von KING KONGS SOHN. 

    KING KONGS SOHN ist ein wirklich schlechtes Beispiel für eine Fortsetzung, der es fast an all dem mangelt, was den Originalfilm auszeichnet. Sehr schade.

    (Bjoern Candidus)

  • Nightwish, 1989 – ★★

    Nightwish, 1989 – ★★

    NIGHWISH – OUT OF CONTROL
    (NIGHWISH, USA, 1989, Regie: Bruce R. Cook)

    Professor Dr. Mendele, Fachgebiet: Parapsychologie, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Unterbewusstsein zu analysieren, in dem er die Träume seiner Testpersonen aufzeichnet. Um noch weiter in seine Forschungen einzudringen, organisiert er ein Haus auf dem Lande, in dass er eine Handvoll Studenten einlädt, die bereit sind, sich auf seine Experimente einzulassen. Doch sein Experiment gerät außer Kontrolle. 

    NIGHWISH – OUT OF CONTROL startet durchaus interessant und lässt schon in der Pre-Titel-Sequenz erkennen, um was es hier in etwa geht. Nach der stylischen Titel-Sequenz, die mit dem packenden Synthesizer-Score von Phil Davies und Mark Ryder viel verspricht, wird es wenig später ernüchternd. Die atmosphärischen Bilder weichen grellem Tageslicht, durch das ein Autobus mit vier jungen Leuten fährt. Drei von denen sind absolut austauschbar, der andere hingegen ist ein guter Bekannter, der aus der Art schlägt. Kein geringerer als Brian Thompson fährt nämlich den Autobus. Thompsons Rollen sind meistens zwischen Dummheit, Coolness und Brutalität angesiedelt, und hier verbindet sich alles. Auch wenn sein sonderbares Verhalten im weiteren Verlauf des Films durchaus Sinn ergibt, ist er hier als Darsteller ziemlich fehlbesetzt. Keiner der Darsteller kann wirklich überzeugen, ebensowenig die Story, wobei die an sich gar nicht das Problem ist. Durch Film wie A NIGHTMARE ON ELM STREET (1984), insbesondere NIGHTMARE ON ELM STREET – DREAM WARRIORS (1987), DREAMSCAPE (1984) und VISION DER DUNKELHEIT (1988) wurde das Traum-Thema immer wieder aufgegriffen und auf unterschiedliche Art behandelt. Träume sind ein faszinierendes Thema, und das Genre bietet sich gerade dazu an, dies zu bearbeiten. Doch Bruce R. Cook war offensichtlich nicht besonders bemüht, das Thema auf ernsthafte Art anzugehen und tischt einen hanebüchen Irrsinn auf, dem ich kaum folgen konnte. Immerhin spendiert die KNB-Schmiede ein paar eklige Schleim- und Gore-Effekte, an denen auch echte Käfer teilhaben durften. Zudem schafft es Cook hin und wieder die anfängliche Atmosphäre im späteren Verlauf noch mal aufzugreifen und mit netten Licht- und Spezial-Effekten anzureichern, die der Inszenierung zumindest optisch sehr gut tun. 

    Nichtsdestotrotz ist NIGHTWISH ein wirrer, unausgegorener Horrorbrei mit sämtlichen Zutaten, die gar nicht mal so gut abgeschmeckt wurden. 

    (Bjoern Candidus)

  • Vampire, 1979 – ★★★

    Vampire, 1979 – ★★★

    DER GROSSSTADTVAMPIR
    (VAMPIRE, USA, 1979, Regie: E. W. Swackhamer)

    Die Zeiten von Transsylvanien sind vorbei! 

    Bei der Errichtung einer neuen Kirche in San Francisco wird der Vampir Prinz Anton Voytek wiederbelebt. Dieser zeigt sich nicht nur als Gentleman, der Frauen den Kopf verdreht, sondern auch als Kunsthändler. Seine Augen fallen vor allem auf Leslie, die Frau von John Rawlins, dem Architekten der neuen Kirche. Doch als die ermordet wird, fällt John in eine Depression, die sich schnell in Rache umwandelt. Mit Hilfe von Harry Kilcoyne geht er auf Vampirjagd. 

    Vampire in der Kleinstadt, Vampire in der Großstadt, spätestens ab den 1970er-Jahren hat Graf Dracula und seine Brüder und natürlich seine Schwestern die Zivilisation erreicht. Es kamen Filme wie COUNT YORGA (1970), BLACULA (1972), DRACULA A.D. 1972 (1972), DIE HERREN DRACULA (1976), SALEM‘S LOT (1979) usw. Mit DER GROSSSTADTVAMPIR hat Regisseur E. W. Swackhamer (TERROR AT LONDON BRIDGE, 1985) einen weiteren Beitrag geliefert, welcher das Thema (im dt. Titel mehr als deutlich) auf den Punkt bringt. 

    Richard Lynch macht als Vampir eine gute Figur, da braucht man nicht meckern. Jason Miller (DER EXORZIST, 1973) als John Rawlins hat mir etwas Angst gemacht. Ich wurde das Gefühl nicht los, Pazuzu würde noch immer ihm stecken. Hinzu kommen E. G. Marshall (TOMMYKNOCKERS, 1993), Kathryn Harrold (INTO THE NIGHT, 1985) und in einer kleinen Rolle: Joe Spinell (MANIAC, 1980).

    Die Kombination aus Großstadt-Moderne und den gediegenen, muffigen Gefilde von Prinz Voytek kann sich sehen lassen. So ganz wollte man sich wohl nicht von den Schatten der Vergangenheit lösen. 
    Es sei auch zu erwähnen, dass es sich hier um einen TV-Film handelt, denen in der Regel visuelle Grenzen gesetzt sind. Insgesamt zeigt sich der Film handzahm, ist manchmal zu geschwätzig und zu Ereignislos, um spannend zu sein. Dennoch mochte ich die Story und die ruhige Stimmung. 

    DER GROSSSTADTVAMPIR ist ein etwas angestaubtes, aber durchaus sympathisches TV-Relikt, was ursprünglich als Pilotfilm einer Serie gedacht war. 

    (Bjoern Candidus)