Autor: marco-fritz

  • Sonny and Jed, 1972 – ★★★

    Sonny and Jed, 1972 – ★★★

    DIE ROTE SONNE DER RACHE
    (LA BANDA J. & S. – CRONACA CRMINALE DEL FAR WEST, Deutschland, Italien, Spanien, 1972, Regie: Sergio Corbucci)

    Jed Trigado nimmt es den Reichen und verteilt es unter den Armen. Doch dieses Verhalten hat ihn hinter Gitter gebracht. Nachdem er fliehen konnte, ist Sheriff Franciscus hinter dem Gesetzlosen her. Auf der Flucht begegnet Jet der schönen Sonny, der die Begegnung mit dem Banditen gerade recht kommt, will sie doch aus ihrem langweiligen Alltag entfliehen. Nach ein paar Reibereien begeben sich die beiden gemeinsam auf Reise, überfallen weiter Menschen und heiraten alsbald. Doch Sheriff Franciscus und Kopfgeldjäger machen es dem Gespann nicht leicht und heften sich an ihre Fersen.   

    Immer wieder schaffen es mich die Italowestern von Sergio Corbucci zu begeistern. Auch wenn sie mal etwas weniger stark sind, stehen sie handwerklich und visuell immer an vorderster Front, und so verhält es sich auch mit DIE ROTE SONNE DER RACHE. Sergio bewegt sich hier mehr im Bereich seines Bruders Bruno, denn hier hat man es mit einer Komödie zu tun, die trotzdem noch garstig genug ist. Hätte Sergio auf die komödiantischen Parts verzichtet, hätte hier spielend ein weiterer harter Italowestern von ihm entstehen können. Aber es ist, wie es ist, und handzahm ist der Film ohnehin nicht.

    Was mich an dieser Bonnie & Clyde – Variante am meisten beeindruckt hat ist die Kraft der Bilder. Vor allem die kargen, felsigen Landschaften mit Lehmböden und dem von Wolken durchzogen Himmel haben etwas endzeitliches, ähnlich wie man es aus DJANGO (1966) und Castellaris KEOMA (1976) kennt. Rein visuell ist dieser Film näher der Welt des Todes als der Welt des Spaßes. Man muss hier auch keine Angst haben, dass der Film in Slapstick zerfließt; der Witz zeichnet sich eher in den Sprüchen von Tomás Milián und Susan George ab, die ein absolut sympathisches Gespann abgeben. Sie streiten sich, sie lieben sich. Aber über beide könnte ich ohnehin kein schlechtes Wort verlieren. Und wo ich gerade bei den Schauspielern bin: Telly Savalas ist als Sheriff Franciscus dabei, ebenso José Canalejas, Herbert Fux, Werner Pochath und Dan van Husen. In dem Punkt gibt es also nichts zu klagen. 

    Corbucci legt ein ordentliches Tempo an den Tag und lässt seine Inszenierung kaum stillstehen. Das führte allerdings auch dazu, dass mich die Inszenierung irgendwann etwas ermüdet hat. Vieles wiederholt sich oder wäre in einem ernsthafteren Rahmen besser aufgehoben. Manchmal scheint es, als wäre sich Corbucci seiner Inszenierung selbst nicht sicher gewesen. Ziemlich sicher klingt Ennio Morricone, der erneut einem Italowestern zusätzliches Leben eingehaucht hat. 

    Trotz toller Schauspieler und der handwerklichen Finessen von Cobucci und seinem Team ist DIE ROTE SONNE DER RACHE zu unentschlossen, um mich vollends abzuholen. Alles sieht schön aus, alles klingt gut und das schlechte Wetter ist perfekt, aber das war es. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Monster That Challenged the World, 1957 – ★★½

    The Monster That Challenged the World, 1957 – ★★½

    ALARM FÜR SPERRZONE 7
    (THE MONSTER THAT CHALLENGED THE WORLD, USA, 1957, Regie: Arnold Laven)

    Durch ein Seebeben gelangt eine prähistorische Molluskenart in einen Salzsee, der von der US-Navy als Testgelände für Fallschirmsprünge dient. Doch beim letzten Testsprung tauchen die Soldaten nicht wieder auf, stattdessen findet man einen radioaktiven Schleim, der nichts gutes erahnen lässt, schließlich finden dort auch geheime Atomversuche statt. Auf der Suche unter Wasser stoßen Taucher auf eine riesige Molluskenart, die ein riesiges Ei bewacht. Das Ei wird geraubt und von Wissenschaftlern untersucht, während das Elterntier neue Opfer sucht, die sich in den Salzsee begeben. 

    Ob das Publikum der 50er-Jahre jemals eine Riesenmolluske herbeigesehnt hat, darf bezweifelt werden, doch 1957 hatte man die gängigen Favoriten (Saurier, Spinnen, Ameisen) der Fauna bereits auf die Leinwand gebracht und so suchte man nach Alternativen. Grundsätzlich kein schlechter Einfall, und die Monster-Modelle, die hier gezeigt werden, können sich sehen lassen. Das Mollusken-Monster, bei dem man auf Stop-Motion-Tricks verzichtet hat, macht echt was her, und wenn es mit seinen Zangen in die Hälse von Menschen kneift, wird es unangenehm. Leider sind diese Attacken sehr übersichtlich, und wie es so oft in diesem Kino der Fall ist, wird viel Spielzeit mit Darstellern ausgefüllt, die einen selten mitreißen. Langweiliges Navy-Personal, die üblichen Wissenschaftler, Presse, Polizei, die obligatorische Dame und ein Kind werden hier aufgefahren, um als Beiwerk zu fungieren. Tim Holt, Audrey Dalton, Hans Conried usw. sind durchaus solide, aber auch furchtbar eindimensional und austauschbar.  

    Neben den wirklich guten Monster-Effekten ist auch die Kameraarbeit von Lester White gelungen, der einen auch mal unter Wasser führt, wo man das neue Territorium der prähistorischen Riesenmollusken bewundern darf. 

    ALARM FÜR SPERRZONE 7 liefert tolle Monster, ein paar atmosphärische Bilder, hält sich aber zu lange mit seinen langweiligen Figuren auf, die das Gesamtbild etwas trüben. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Long Dark Trail, 2021 – ★★½

    The Long Dark Trail, 2021 – ★★½

    THE LONG DARK TRAIL
    (USA, 2021, Regie: Kevin Ignatius, Nick Psinakis)

    Die beiden Brüder Henry und Jacob leiden unter ihrem gewalttätigen Vater Duane. Eines Tages beschließen sie abzuhauen, um ihre Mutter zu suchen, die irgendwo in einem Camp in den Wäldern leben soll. Sie fesseln ihren Vater ans Bett, schnappen sich Proviant und ihre Ausrüstung und ziehen los in die Wälder von Pennsylvania. Doch die Suche nach ihrer Mutter wird zu einer unheimlichen Erfahrung. 

    Ich bin mir sicher, dass es die beiden Regisseure Kevin Ignatius und Nick Psinakis hier wirklich gut meinten, denn die Ansätze sind zu erkennen, und das ist auch der Grund, warum ich dem Independent-Film ganz gut gesonnen bin. Wenn man etwas gegen Ereignislosigkeit und Schneckentempo im Film hat, sollte man um diesen hier einen großen Bogen machen. THE LONG DARK TRAIL ist ein Kriecher, wie er im Buche steht. Zwei Jungen laufen durch den Wald, zwei Jungen sitzen im Wald, mehr passiert hier lange Zeit nicht, bis die Jungs plötzlich auf mysteriöse Holzkunst stoßen, die an den Bäumen hängt und natürlich sofort an THE BLAIR WITCH PROJECT (1999) erinnert. Ich hätte die Ästchen zwar nicht gebraucht, andererseits deuten sie dezent an, was vor den beiden Jungen liegen könnte. Ein bisschen mehr Fahrt und vor allem Horror kommt auf, wenn sich plötzlich eine unschöne Wunde am Hals von Henry auftut, die in Kombination mit dem Wald-Setting unweigerlich an CABIN FEVER (2002) erinnert. 

    Das Hauptproblem ist die Langatmigkeit der Inszenierung. Die beiden noch jungen Darstellern Carter und Brady O’Donnell, die auch im echten Leben Brüder sind, sind sympathisch, aber agieren teilweise etwas hölzern. Das kann man ihnen aber nicht verübeln, stehen doch beide hier das erste Mal vor der Kamera. Andererseits wirken sie durch ihr Verhalten auch weniger aufgesetzt als viele ihrer Kollegen. Sieht man vom hässlichen Digital-Look ab, ist die Kameraarbeit von Mitchell Kome sehr schön. Es gibt gute Kamerafahrten und Vogelperspektiven, die sich immer im Einklang mit dem düsteren Score von Kevin Ignatius bewegen. 

    THE LONG DARK TRAIL ist ein düsteres, kriechendes, manchmal sogar spannendes Folk-Horror-Drama mit einigen Problemen. Und er ist ein gutgemeinter Versuch, sich jenseits von Zombies, Slasher-Killern, Torture Porn-Psychos oder Jump-Scare-Geistern zu bewegen.

    (Bjoern Candidus)

  • Late Night Trains, 1975 – ★★★★½

    Late Night Trains, 1975 – ★★★★½

    MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN
    (L‘ULTIMO TRENO DELLA NOTTE, Italien, 1975, Regie: Aldo Lado)

    Lisa will mit ihrer Freundin Margaret über Weihnachten bei ihren Eltern in Italien verbringen. Dafür nehmen sie den Zug, der sie von München über Innsbruck zu ihrem Ziel führen soll. Doch in Österreich steigen zwei Männer in ihren Nachtzug, die nichts Gutes im Schilde führen. Sie bedrängen eine nach außen hin feine Dame, die es aber faustdick hinter den Ohren hat, denn sie animiert die beiden Männer, Lisa und Margaret sexuell zu demütigen und zu vergewaltigen. Die Situation gerät komplett außer Kontrolle. 

    Zwar bestritt Aldo Lado (THE CHILD – EINE STADT IN ANGST, 1972) sich mit seinem MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN von Wes Craven LAST HOUSE ON THE LEFT (1972) inspiriert zu haben, aber das macht nichts. Cravens Rape-and-Revenge-Film wurde schließlich von Ingmar Bergmans DIE JUNGFRAUENQUELLE (1960) inspiriert. Und sadistische Vergewaltiger und Mörder fluteten ohnehin die Kinos, und so bediente sich Lado an einem gängigem Thema. 

    Wer Aldo Lados MALASTRANA (1971) kennt, der weiß, dass der Italiener ein absolutes Gespür für Atmosphäre, Spannung und Bildgestaltung beherrscht. MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN braucht also keine innovative Story, um einen von der ersten bis zu letzten Minute zu packen. Das gelingt Lado vor allem auch durch die glänzende Besetzung. Die beiden Studentinnen Lisa und Margaret werden von Laura D‘Angelo (DER TÖDLICHE KREIS, 1978) und Irene Miracle (INFERNO, 1980) dargestellt, die beide hervorragend die Unschuld vom Lande verkörpern. Signora Perbene, die nach außen hin eine feine, hochmoralische Dame spielt, aber eigentlich ein grenzenloses Miststück ist, wird ganz phantastisch von Macha Mérli verkörpert. In PROFONDO ROSSO (1975) sieht man sie als Medium, hier als sexgeile Manipulatorin. Die beiden Verbrecher Fausto und Grasso werden von Flavio Bucci (SUSPIRIA, 1977) und Gianfranco De Grassi (FANGO BOLLENTE, 1975) verkörpert, die ebenfalls hervorragend agieren. Es braucht nur weniger Worte und noch weniger Taten, um sie zu hassen. Und dann sind da noch die Eltern. Mutter Laura wird von Marina Berti (DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER, 1974) verkörpert, ihr Mann Giulio von dem wunderbaren Enrico Maria Salerno (DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE, 1970), der schnell von seinen moralischen Ansichten bezüglich Gewalt abkommt und in den Rachemodus schaltet. Der Cast überzeugt von vorn bis hinten. 

    Die meiste Zeit spielt der Film im Zug, genauer in zwei Zügen, denn die Studentinnen steigen später in den Nachtzug, und mit ihnen ihr Verderben, was sie bereits im ersten Zug kennengelernt haben. Im Abteil des Nachtzugs kommt blaues Licht zum Einsatz, was eine unglaublich dichte Atmosphäre mitbringt. Normales Licht von außen mischt sich, und man hat zu jeder Zeit das Gefühl, der Zug sei wirklich in Bewegung. Lado baut einen äußerst brutalen Mikrokosmos im Rahmen eines Zugabteils auf, der immer durchzogen wird von der Mundharmonika von Grasso, bzw. Ennio Morricone, dessen Score sich hier einbaut und auch im späteren verlauft groß von sich hören lässt. Lado liefert ein paar sehr garstige, Szenen, meist mit sexueller Gewalt, die nicht ohne sind, aber die spätere Selbstjustiz des Vaters umso verständlicher machen. Auch die wenigen Abschnitte des Films, die nicht im Zug spielen, sind stark inszeniert. Vor allem die nebeldurchzogenen Felder am Morgen, wenn der Nachtzug einfährt, haben etwas gespenstisches. Kameramann Gábor Pogány hat hier alles unter Kontrolle und liefert sehr versierte Bilder. 

    MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN ist einer der stärksten Vertreter des Rape-and-Revenge-Terror-Kinos der 1970er-Jahre. Trotz bekannter Story, liefert Lado einen spannenden Film ab, der zu jeder Sekunde hochwertig aussieht. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Lost Continent, 1968 – ★★★½

    The Lost Continent, 1968 – ★★★½

    BESTIEN LAUERN VOR CARACAS
    (THE LOST CONTINENT, GB, 1968,
    Regie: Michael Carreras)

    Die Corita, ein altes Frachtschiff, sticht in See, um die letzte Reise anzutreten. Doch sowohl die Crew als auch die Gäste haben ihre kleinen Geheimnisse, die plötzlich zu Konflikten führen. Dann zieht ein Orkan auf, der nur der Anfang einer ungeheuerlichen Reise ist.

    Ich wundere mich ein bisschen über die oft griesgrämigen Worte, die man über Michael Carreras Regiearbeit für die Hammer-Studios verliert. Sicher hebt sich diese vom Gros der meisten Hammer-Produktionen ab und ist vielleicht am ehesten mit Filmen wie JUNG, BLOND UND TÖDLICH (1968) zu vergleichen, aber ein schlechter Film ist dieser hier nun wirklich nicht, zumindest sieht er nicht so aus.

    Von Beginn an wird eine farbenfrohe, fast traumartige Atmosphäre auf dem Meer (im Studio) heraufbeschworen, die das Herz des Fans des Phantastischen sofort erreichen sollte. Hier werden Erinnerungen an Jules Verne, William Hope Hodgson oder Edgar Rice Burroughs wach, was auf der Hand liegt, basiert dieser Film doch auf einem Roman von Dennis Wheatley (1897-1977), der vor allem in England bekannt ist. Wheatley schrieb Krimi-, Horror- und Abenteuer-Romane und kannte sich sehr gut mit Okkultismus und Satanismus aus. Da verwundert es kaum, dass auch die Hammer-Studios ein paar Mal auf seine Vorlagen zurückgriffen, wie bei DIE BRAUT DES TEUFELS(1968) und DIE BRAUT DES SATANS (1976). Die Vorlage, UNCHARTED SEAS (1938, dt. Titel: MEER DER ANGST) ist immer noch zu erkennen, jedoch werden Namen, Figuren und einige Elemente verändert oder ignoriert. Im Roman besteht die Gefahr mitunter aus Eingeborenen auf einer Insel, die die festgesetzten Schiffe mittels mit gasbefüllten Ballons erreichen und überfallen. Im Film werden daraus spanische Konquistadoren, die auf einem Schiff leben. Auch im Roman kommen Monster vor, die unter dem tödlichen Seetang lauern (Assoziationen zu Lovecraft sind hier verständlich), doch im Film bekommen sie mehr Spielraum und variieren, auch wenn es eine Ewigkeit braucht, bis sie zu sehen sind. Die Besetzung ist überraschend, haben wir doch hier Hildegard Knef als Eva Peters, eine Frau mit Problemen, die eine sehr gute Figur macht. Des Weiteren sind z.B. Tony Beckley (DAS GRAUEN KOMMT UM ZEHN, 1979), Eric Porter (HÄNDE VOLLER BLUT, 1971) als Captain, Suzanna Leigh als Unity (Der einzige Name, der 1:1 aus der Vorlage übernommen wurde) und natürlich das Hammer-Urgestein Michael Ripper an Bord. Etwas ungewöhnlich ist der Soundtrack. Man startet mit einem Vocal-Track von Roy Philips, während der Score von Gerard Schurmann manchmal so klingt, als käme er aus der Welt von Jess Franco. Das Hauptproblem ist aber die lange Anfahrtszeit, bis endlich mal die Monster auftauchen, die hier, zumindest im deutschen Titel, versprochen werden. Ein Steven Spielberg hat das mit der lauernden Gefahr ein paar Jahre später mit DER WEISSE HAI (1975) mit Bravour gemeistert, aber hier funktioniert das nicht. Hier schlägt man sich erst mal über 30 Minuten mit den Figuren und ihren Problemen herum. Aber ab der zweiten Hälfte werden die Dialoge heruntergefahren und stattdessen folgen schöne Monster- und Schiffsmodelle in phantastischen Farben und Formen, die einen wieder daran erinnern, dass man hier ein Produkt aus den Hammer-Studios vor sich hat.

    BESTIEN LAUERN VOR CARACAS ist eine faszinierende Produktion mit kleinen Mängeln, aber genügend Schauwerten, um sich nicht verstecken zu müssen.

    (Bjoern Candidus)

  • Quatermass 2, 1957 – ★★★★

    Quatermass 2, 1957 – ★★★★

    FEINDE AUS DEM NICHTS
    (QUATERMASS 2, GB, 1957, Regie: Val Guest)

    Der zweite Teil der dreiteiligen Filmreihe über Professor Quatermass, die auf einer britischen TV-Serie basiert, entstand erneut unter der Regie von Val Guest. Diesmal landen außerirdische Lebensformen in meteoritenähnlichen Raumschiffen auf der Erde und nehmen Besitz von den Menschen, die ihnen begegnen. Kann Professor Quatermass die Menschheit vor der kompletten Unterwanderung der Außerirdischen retten? 

    In sehr dichten Schwarzweißbildern präsentiert Val Guest einen komplett humorbefreiten Invasions-Scifi-Gruseler, der handwerklich überzeugen kann und mit soliden Darstellern besetzt wurde. Der Film ist rasant inszeniert, lässt keinen Spielraum für Langweile aufkommen und belohnt den Zuschauer am Ende mit drei ziemlich großen Wabbelmonster, die mein Herz höher schlagen ließen. 

    FEINDE AUS DEM NICHTS ist eine starke HAMMER-Produktion, die alles bietet, was man innerhalb des Invasionsfilms erwartet. Wer Filme wie INVASION OF THE BODY SNATCHERS (1956, 1978, 1993) oder INVADERS FROM MARS (1953, 1986) liebt, wird auch hier ganz bestimmt seine Freude haben. 

    (Bjoern Candidus)

  • Beyond the Darkness, 1979 – ★★★★½

    Beyond the Darkness, 1979 – ★★★★½

    SADO – STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF
    (BUIO OMEGA, Italien, 1979, Regie: Joe D’Amato) 

    Nach dem Tod von Franks Eltern erbt er ihr Schloss, in dem er nun mit der Hausdame Iris lebt. Iris hat seiner Mutter versprochen, für ihn zu sorgen, aber Iris ist auch in Frank verliebt. Doch dieser ist in Anna verliebt. Da kann nur noch eine Hexe helfen, die Anna mittels Voodoopuppe umbringt. Doch so einfach wird es nicht für Iris, denn Frank buddelt die tote Anna aus und macht sie mit der Kunst der Präparation haltbar. Die Beziehung zwischen Iris und Frank spitzt sich zu. 

    Es gibt nicht allzu viele Filme, die eine derart morbide Atmosphäre haben, die noch nach der x-ten Wiederholung wirkt. Joe D’Amatos Remake von Mino Guerrinis DAS 3. AUGE (1966) ist so ein Film. SADO – STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF ist ein Sammelbecken der Widerlichkeit und ein tolles Beispiel für die Grenzenlosigkeit des italienischen Horrorkinos der 1970er- und 80er-Jahre. 

    Die schöne Kulisse der Bergwelt von Südtirol wird in kurzer Zeit befleckt, und D‘Amato sieht zu, dass man sich hier nicht eine Sekunde wohl fühlt. Dafür sorgt auch der Score von Goblin, der bisweilen schwer bis melancholisch klingt. Aber man ist ja hier schließlich auch in einem Liebesfilm, und D‘Amato lässt einen nicht lange zappeln, um das ungewöhnliche Liebesleben von Protagonist Frank (Kieran Canter) zu präsentieren. Nachdem seine geliebte Anna gestorben ist, buddelt Frank die Leiche wieder aus und beweist, dass er nicht nur Tiere präparieren kann. Und im Gegensatz zu Buttgereits Liebesleichen in NEKROMANTIK (1988) bekommt man hier wirklich eine schöne Tote zu Gesicht. Diese wird verkörpert von Cinzia Monreale, die in einer Doppelrolle als Annas Schwester Elena zu sehen ist. Kein Wunder, dass Franka Stoppi als Franks Ersatz-Mutter Iris außer sich ist vor Eifersucht. Aber sie kämpft um sein Herz, z.B. wenn sie den Körper einer Anhalterin, der Frank vorher die Fingernägel mit einer Zange gezogen hat, mit einem Beil in Stücke hackt und anschließend in einem Säurebad verschwinden lässt. Das ist wahre Liebe, und doch hat Frank nur Augen für die tote Anna übrig. Trotzdem nimmt er den Brust- und Masturbations-Service von Iris an. Dass diese unheilige Beziehung in dem beachtlichen Familiensitz (gedreht wurde auf Schloss Ratzötz) auf lange Sicht nicht gut gehen kann, dürfte klar sein. 

    D’Amato nutz jede Minute, um den Zuschauer bei Laune zu halten, in dem er ihm eine Geschmacklosigkeit nach der anderen serviert und dabei auch visuell einen soliden Film fabriziert hat. Die Kamera führte er hier mal wieder selbst. Nichtsdestotrotz ist dies kein Film der schönen Bilder, sondern ein sehr brutaler, morbider, dreckiger Film, der aus jedem Winkel nach Tod stinkt und zudem gut besetzt wurde. 

    SADO – STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF ist ein absoluter Klassiker des italienischen Horrorkinos, der auf mich genauso wirkt, wie er soll. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Third Eye, 1966 – ★★★½

    The Third Eye, 1966 – ★★★½

    DAS 3. AUGE
    (IL TERZIO OCCHIO, Italien, 1966, Regie: Mino Guerrini)

    Graf Mino ist unsterblich in Laura verliebt. Kurz vor der Hochzeit entscheidet seine dominante Mutter, die Bremsen von Lauras Auto versagen zu lassen. Unterstützt wird sie dabei von Martha, der Haushälterin. Ein paar Tage vor der Hochzeit baut Laura schließlich einen tödlichen Unfall. Doch zeitgleich tötet die Haushälterin Minos Mutter, damit sie ihn für sich allein haben kann. Mino, der sowieso schon in seiner eigenen Welt lebt, verkraftet das nicht und entdeckt neben dem präparieren von toten Tieren noch ein weiteres Hobby: das Töten von Frauen. 

    Wem die Inhaltsangabe bekannt vorkommt, wird schnell an BUIO OMEGA (1979), bzw. SADO-STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF denken, und damit absolut richtig liegen, denn dieser Film hier war die Vorlage für Joe D‘Amato. 

    Ausgelöst durch PSYCHO (1960) bildete sich eine ganze Schlange von Filmen, die einen psychisch gestörten Mörder (selten Mörderin) auf den Plan riefen. Psycho-Thriller wie PEEPING TOM (1960), WAS GESCHAH WIRKLICH MIT BABY JANE? (1962), HAUS DES GRAUENS (1963) usw. invasierten die Kinos und freuten sich großer Beliebtheit. Mino Guerrinis Film reiht sich perfekt in diese Liste ein. Er stößt den Zuschauer bereits von der ersten Minute in eine Atmosphäre des Hasses. Eifersucht, Missgunst und Kälte füllt den Raum. Die kalten Schwarzweißbilder unterstützen dabei die negative Aura der Inszenierung. Auch wenn die pompöse, gut inszenierte Villa durchaus an klassische Horrorfilme erinnert, fühlt sich DAS 3. AUGE sehr viel moderner an. Frauenmorde und Nekrophilie steht auf dem Plan und dürften den Zuschauer 1966 noch gut schockiert haben, auch wenn die gezeigte Gewalt hier um Welten zurückhaltender ist als 13 Jahre später bei D‘Amatos Remake. 

    Mit Franco Nero, Gioia Pascal und Erika Blanc in einer Doppelrolle hat Guerrini ein gutes Gespann an Bord. Vor allem Nero, der im gleichen Jahr auch die Rolle von DJANGO bekleidete, überzeugt als gestörter Mino Alberti. Musikalische Unterstützung kommt von Francesco De Masi. 

    DAS 3. AUGE ist ein dicht inszenierter, gut fotografierter Psycho-Thriller. Der morbide Zauber von SADO-STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF blickt hier bereits durch.

    (Bjoern Candidus)

  • The Andromeda Strain, 1971 – ★★★★

    The Andromeda Strain, 1971 – ★★★★

    ANDROMEDA – TÖDLICHER STAUB AUS DEM ALL
    (THE ANDROMEDA STRAIN, USA, 1971, Regie: Robert Wise)

    Robert Wise, der 8 Jahre später den beeindruckenden STAR TREK – THE MOTION PICTURE drehte, hat hier ein höchst anspruchsvolles Virus-Scifi-Drama abgeliefert, was auf einem Roman von Michael Crichton basiert. Hier gelangt ein außerirdischer Oranismus auf die Erde, der Blut gerinnen und pulverisieren lässt. Ein vierköpfiges Forschungsteam wird beauftragt, eine Lösung für dieses Problem zu finden, was die ganze Menschheit auslöschen könnte.  

    In sehr realistischen, klaustrophobischen Bildern versteht es Wise ein dichtes Schreckensszenario heraufzubeschwören. Die Ausstattung und die Effekte sind  
    visuell auf höchstem Niveau. Allein die Forschungsanlage, die man im Film kaum verlässt, ist ein Traum von 70er-Jahre-Design. In ANDROMEDA gibt es keine Love-Story, keine Action, sondern nur Forschung und Wissenschaft. Besetzt wurde der Film u.a. mit Arthur Hill, James Olson, David Wayne und Kate Reid, die hier eine herrliche Kratzbürste spielt. 

    ANDROMEDA – TÖDLICHER STAUB AUS DEM ALL ist ein Film, auf dem man sich wirklich einlassen muss. Auch wenn sich die ein oder andere Länge einschleicht, hat man es mit einem packenden Film zu tun, der inhaltlich schneller an einen rückt, als man sich wünscht. 

    (Bjoern Candidus)

  • Demon Warrior, 1988 – ★½

    Demon Warrior, 1988 – ★½

    DEMON WARRIOR
    (Kanada, USA, 1988, Regie: Frank Patterson)

    Eine Handvoll Trottel fahren raus in die Natur, um Cowboy mit dem Leben von Tieren zu spielen. Dumm nur, dass sie Indianerland betreten, das von einem Indianer-Dämonen bewacht wird. Es kommt, wie es kommen muss: die Trottel werden reduziert. 

    Frank Patterson serviert hier einen Beitrag aus der überschaubaren Welt des Indianer-Horrorfilms, und zwar keinen besonders guten. Das Gute zuerst: Das Setting erweckt immer wieder Erinnerungen an TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974), und einmal kam mir EVIL DEAD (1981) in den Sinn. Dennoch fühlte ich mich mehr an Filme wie SCALPS (1983) oder BERSERKER (1987) erinnert, die auf ähnlich minderbemitteltem Niveau unterwegs sind wie DEMON WARRIOR. 

    Patterson scheint bemüht, irgendwas Nettes abzuliefern, doch meistens stolpert, bzw. stagniert die Inszenierung durch das nächste ausufernde Geschwätz, was günstig Spielzeit ausfüllt und eben furchtbar langweilt, weil man es zudem mit einer Ansammlung von unglaublich unsympathischen Darstellern zu tun hat. Bewegt man sich dann in Richtung Horror, werden erneut zwei linke Hände bewiesen. Aber Behinderungen sucht man sich nicht aus, nur einen falschen Job. Und so erlebt man hier einen minimalen Ansatz von Gore, stümperhafter Action und den leidlichen Versuch, Spannung zu erzeugen. 

    DEMON WARRIOR ist eine Katastrophe aus der Schublade der umfangreichen 80er-DTV-Produktionen, dem man gerade noch seinen Ranz-Charme zugute halten kann. 

    (Bjoern Candidus)