Autor: marco-fritz

  • A Return to Salem’s Lot, 1987 – ★★★

    A Return to Salem’s Lot, 1987 – ★★★

    SALEM 2 – DIE RÜCKKEHR
    (A RETURN TO SALEM‘S LOT, USA, 1987, Regie: Larry Cohen) 

    Joe Webber und sein Sohn Jeremy beziehen das Haus, was Joes verstorbener Tante gehörte. Wie es der Zufall will, steht dieses Haus ausgerechnet in Salem’s Lot. Dort angekommen, stellen sie schnell fest, dass der Ort von Vampiren bewohnt wird. Diese sind den beiden sehr angetan und wollen, dass der Anthropologe Joe eine Chronik über ihre vampirische Gesellschaft schreibt. Joe ist wenig angetan, während sein Sohn langsam immer mehr in den Bann der Vampire gerät. 

    Obwohl Larry Cohen, der mit Filmen wie AMERICAN MONSTER (1982) oder der IT’S ALIVE – Trilogie (1974 – 1987) überzeugen konnte, wahrlich kein Unbekannter ist, verschwindet sein Film SALEM 2 – DIE RÜCKKEHR (USA, 1987) gerne unter dem Radar. 

    Cohens Reise in das von Stephen King erfundene Städtchen Salem’s Lot, bzw. Jerusalem‘s Lot präsentiert sich als lose Weiterführung, die stilistisch weder zum Roman, noch zu Tobe Hoopers TV-Adaption passt, aber als Fortsetzung dennoch irgendwie funktioniert. Hier existiert die Stadt jedenfalls noch, die eigentlich von Ben Mears und Mark Petrie niedergebrannt wurde. Salem‘s Lot ist intakt und wird von einer ganzen Horde Vampiren bewohnt, die ihr eigenes Gesellschaftskonzept leben, was vor allem in der Nacht stattfindet. Neue Besucher, um die Gesellschaft zu erweitern, sind natürlich stets willkommen und werden sogar erstmal freundlich aufgenommen, denn den Blutdurst versuchen sie in erster Linie mit Rinderblut zu stillen. Gar nicht gern gesehen werden Fluchtversuche. Für solche Fälle haben die Vampire ihre nicht vampirisierten Menschen-Drohnen, die ihnen dienen. 

    Das Setting, eine Kleinstadt auf dem Land, wurde von Larry Cohen gut genutzt und weißt durchaus Ähnlichkeiten mit Hoopers Schauplatz auf. Cohen schafft bis zum Ende immer wieder atmosphärische Momente aufzubauen, die allerdings manchmal durch eine sonderbare Dramaturgie gestört werden. Die ironischen Ansätze, die nicht Cohen untypisch sind, stehen der Inszenierung manchmal etwas im Weg. Die Besetzung ist durchaus lobenswert. Michael Moriarty ist als Anthropologe Joe Weber an Bord. Samuel Fuller ist als Dr. Van Meer der Van Helsing des Films, der nicht nur Vampire, sondern auch Nazis jagt. Ansonsten gibt es sehr viele Figuren, die durchaus liebevoll gezeichnet wurden, auch wenn sie nur an der Oberfläche bleiben. Der Ober-Vampirs sieht nach seiner Verwandlung etwas gewöhnungsbedürftig aus, aber ansonsten gibt es hier ansehnliche Masken und eine Handvoll kurzer Gore-Effekte zu bestaunen. 

    SALEM 2 – DIE RÜCKKEHR ist eine im Grunde überflüssige Fortsetzung, die aber durch ihre kruden Ideen, der dichten Atmosphäre und den Figuren einen eigenen Charme mitbringt und sogar dem Vampir-Thema neue Ansätze gibt.

    (Bjoern Candidus)

  • Don’t Open Till Christmas, 1984 – ★★★

    Don’t Open Till Christmas, 1984 – ★★★

    FRÖHLICHE WEIHNACHT
    (DON’T OPEN ‚TIL CHRISTMAS, GB, 1984, Regie: Edmund Purdom)

    Auf Londons Straßen treibt sich mitten im Weihnachtsgeschäft ein Killer herum, der es auf Männer im Weihnachtsmannkostüm abgesehen hat. Während die Männer in roten Polyesterkostümen fleißig reduziert werden, ermittelt Inspector Harris von New Scotland Yard.

    Wenn Edmund Purdom auf den Plan gerufen wird, ist Spaß vorprogrammiert, siehe ABSURD (1981) und PIECES – STUNDE DES WAHNSINNS (1982). Wenn Edmund Purdom auch noch selbst Regie führt, kann dabei nur ein Meisterwerk entstehen, oder? Nein! Nein, so einfach ist das nicht, und die Bezeichnung Meisterwerk ist soweit von diesem Horror-Slasher entfernt wie die Freundlichkeit des Killers gegenüber Weihnachtsmännern. Und Obacht: hier gibt es auch schon eine Weihnachtsfrau. 

    FRÖHLICHE WEIHNACHT bietet düstere, dreckige Bilder mit einigen harten Gewalteinlagen. Männer in Weihnachtsmannkostümen werden verbrannt, erstochen, durchbohrt, erwürgt als gäbe es kein Morgen mehr. Während 1984 die US-Bürger mit SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT einen Killer im Weihnachtsmannkostüm spendiert bekamen, bekommt man hier einen Killer, der Männer in Weihnachtsmannkostümen tötet. Das nenne ich ausgleichende Gerechtigkeit. Das unangenehme Stöhnen des Killers, wenn er, teilweise aus der POV heraus, mordet, erinnert stark an MANIAC (1980). Dieser Eindruck wird natürlich auch durch die Großstadt verstärkt. Doch im Gegensatz zu William Lustigs Film, der den Fokus fast ausschließlich auf den Killer legt, kommt hier Auflockerung durch Inspector Harris von New Scotland Yard. Dass Edmund Purdom auch noch selbst eine Rolle neben der des Regisseurs bekleidet, ist natürlich ein Extrabonbon. 

    Nacktes Fleisch, garstige Gewaltausbrüche, ein paar Terror-Momente und ganz viele schmierige Typen sorgen für eine FRÖHLICHE WEIHNACHT. Inhaltlich darf man nichts erwarten, aber die selbstzweckhaften Weihnachtsmanntötungen können das Horror-Herz erfüllen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Night of the Dark Full Moon, 1972 – ★★★★

    Night of the Dark Full Moon, 1972 – ★★★★

    BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES
    (NIGHT OF THE DARK FULL MOON, USA, 1972, Regie: Theodore Gershuny)

    Der Anwalt John Carter wird von Jeffrey Butler beauftragt, das mit unschönen Erinnerungen belastete Haus seins Großvaters Wilfried Butler an die Stadt zu verkaufen. Er möchte das Haus, in dem sein Großvater unter mysteriösen Umständen gestorben ist, schnellstmöglich loswerden. Doch als sein Anwalt das Haus aufsucht, wird er und seine Dame, mit der er sich dort amüsieren möchte, von einem Unbekannten mit der Axt erlegt. Dann taucht Enkel Jeffrey Butler selbst vor Ort auf. Gemeinsam mit Diana Adams, die ihm ihre Hilfe anbietet, wollen sie das Geheimnis hinter dem Butler-Haus lösen. 

    Theodore Gershunys Regiearbeit präsentiert sich als düsterer Slasher-Vorläufer mit Feiertags-Stimmung. Einer der Alternativtitel lautet SILENT NIGHT, BLOODY NIGHT, der etwas passender klingt als der Originaltitel. Weihnachtsdekorationen und Weihnachtslieder wie Silent Night, Holy Night halten sich aber dezent zurück und dienen eher zur Staffage, denn inhaltlich hat das Fest hier keine große Relevanz, sorgt aber für eine heimelige Stimmung, die allerdings immer mit dem Grauen durchzogen wird, was hier schaltet und waltet. Eine ähnliche Atmosphäre erzeugte Bob Clark zwei Jahre später in seinem weihnachtlichen Früh-Slasher BLACK CHRISTMAS, der als Double Feature mit diesem hier gleich hinterher geguckt werden kann. Überhaupt besitzt der Film eine ähnliche Aura wie das Frühwerk von Bob Clark und Alan Ormsby, die für das Aufleben des kanadischen Horror-Kinos mitverantwortlich waren. 

    Gershuny gelingt es mit BLUTNACHT Spannung sowohl durch die Story als auch durch die Bildgestaltung aufzubauen. Die verschneite Landschaft mit ihren skelettartigen Bäumen unterstützt die an sich schon unheimliche Stimmung, von der man die gesamte Spielzeit nicht abweicht. Der Killer, der durch das marode Anwesen der Butlers schleicht, zeigt sich in Giallo-Mörder-Tradition: schwarzer Mantel, schwarze Handschuhe, zudem telefoniert er, ein Hobby, dem man auch in BLACK CHRISTMAS frönt. Statt mit einem Messer wird hier mit der Axt getötet, die für eine recht derbe Szene sorgt. Der bedrohliche Score von Gershon Kingsley zieht zusätzlich die Spannungsschraube an. Auch die Besetzung ist gelungen. Warhol Muse Mary Woronov (und ganz kurz: Candy Darling) ist am Start und verbreitet ihren Charme, ebenso das Urgestein David Carradine, allerdings eher am Rande. Der recht unbekannte James Patterson übernimmt den Part von Jeffrey Butler, Patrick O’Neal den von seinem Anwalt John Carter. 

    BLUTNACHT ist ein packender, ruhig inszenierter Horror-Thriller mit einer guten Story, mysteriösen Figuren und einer düsteren Atmosphäre mit winterlichem Alptraumcharakter und einem Hauch von Weihnachten.  

    (Bjoern Candidus)

  • 89. Silent Rage – Das stumme Ungeheuer (1982)

    89. Silent Rage – Das stumme Ungeheuer (1982)

    DAS STUMME UNGEHEUER

    OT: SILENT RAGE

    USA, 1982

    Regie: Michael Miller

    Zieht den Kopf ein, Chuck Norris kommt!

    Bjoern Candidus und Marco Fritz besprechen den Action-Slasher-Hybrid DAS STUMME UNGEHEUER, in dem Chuck Norris gegen eine Art Michael Myers kämpfen muss.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Deadly Dreams, 1988 – ★★★

    Deadly Dreams, 1988 – ★★★

    TRÄUME DES WAHNSINNS
    (DEADLY DREAMS, USA, 1988, Regie: Kristine Peterson)

    Als Kind musste Alex mitansehen, wie seine Eltern vom Geschäftspartner seines Vaters am Weihnachtsabend erschossen werden. Anschließend richtete sich der Täter, Norman Perkins, selbst. Zehn Jahre später hat Alex plötzlich Alpträume von einem Mann mit einer Wolfsmaske. Langsam glaubt er, Norman Perkins ist von den Toten auferstanden, um ihn aus Rache an seinem Vater zu quälen. Sein bester Freund Danny steht ihm zur Seite, was man von seinem älteren Bruder Jack nicht behaupten kann, denn der denkt nur an die Firma seines Vater, die Alex schon immer egal war. Als die Person aus seinen Alpträumen plötzlich in der Realität erscheint, glaubt er, vollends den Verstand zu verlieren. 

    Kristine Peterson (CRITTERS 3, 1991) hat hier einen durchaus ansehnlichen Horror-Thriller gezimmert, der sich zwar mit bekannten Themen schmückt, diese aber für seinen Rahmen ordentlich nutzt. Auch wenn TRÄUME DES WAHNSINNS ein wenig auf der 1988 schon ausgelutschten Slasher-Welle reitet, versucht sich Peterson an einem etwas anderen Ton. Inhaltlich geht es mehr in Richtung NIGHTMARE ON ELM STREET 2 (1985) mit einer Priese SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT (1984). Vor allem der Hauptdarsteller, quasi die männliche Screamqueen, Mitchell Anderson (JAWS 4, 1987) macht als geplagter Alex einen guten Job. Das gilt auch für Xander Berkeley (TERMINATOR 2, 1991) als Alex Bruder Jack, der im völliger Kontrast zu seinem Bruder steht, dreht sich bei ihm doch alles nur ums Geld. Maggie, die Dame in der Runde, wird von Juliette Cummins (PSYCHO 3, 1986) dargestellt, während Danny von Thom Babbes verkörpert wird, der gleichzeitig das Drehbuch zu dem Film geschrieben hat.

    Auch wenn es Petersons Inszenierung etwas an Atmosphäre mangelt, kann sie das mit der zügigen Art der Erzählung ganz gut ausgleichen. Sie hält sich nicht auf, liefert ein paar kurze Spannungsmomente, ein bisschen Blut und einen schön designten Killer im Jäger-Outfit mit Wolfsmaske. Die Auflösung am Ende ist hingegen weniger überraschend.

    TRÄUME DES WAHNSINNS ist ein kleiner, solide inszenierter Horror-Thriller aus der 80er-Videotheken-Ära. Hätte Kristine Peterson hier noch ein bisschen mehr Atmosphäre und Finsternis reingebuttert… 

    (Bjoern Candidus)

  • Caboblanco, 1980 – ★★½

    Caboblanco, 1980 – ★★½

    CABO BLANCO
    (CABOBLANCO, Mexiko, USA, 1980, Regie: J. Lee Thompson)

    Im Jahre 1948 suchen unterschiedliche Leute nach einem Schiffswrack, auf dem von Nazis geraubtes Gold versteckt sein soll. Als sich jemand dem Schatz nähert, wird der Glückliche zum Unglücklichen, da er bei einer Detonation getötet wird. Aber Barbesitzer Giff Hoyt glaubt nicht an einen Unfall… 

    Regisseur J. Lee Thompson (DIE KANONEN VON NAVARONE, 1961 / EROBERUNG VOM PLANET DER AFFEN, 1972) schickt hier Charles Bronson in ein Abenteuer-Drama, was rein visuell wirklich Zucker ist. Von Beginn an herrscht eine paradiesische Stimmung, wenn es in das Fischerdorf an der Küste von Caboblanco geht. Das Meer, die Felsen, die Palmen und die schöne Architektur erwecken Urlaubsstimmung und Abenteuerlust. Da ist Charles Bronson doch der perfekte Begleiter, könnte man meinen. Doch Bronson bleibt etwas blaß und zurückhaltend. Die Spuren der Selbstjustiz-Ein-Mann-Armee sind noch sichtbar, aber verlieren sich langsam. Statt Leuten einen Kopf kürzer zu machen, schenkt er nun in seiner einladenden Bar Getränke aus. CABO BLANCO ist ein Film mit alten Männern wie Jason Robards (SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD, 1968) und Fernando Rey (FRENCH CONNECTION, 1971), dazu im Kontrast: Dominique Sanda (STRASSE DER VERDAMMNIS, 1977) und Simon MacCorkindale (DER WEISSE HAI 3, 1983). Die Auswahl der Darsteller ist jedenfalls gelungen. Doch Spannung will bei diesem Abenteuer-Drama mit Krimi-Elementen nicht so recht aufkommen. Man verliert sich in viel zu vielen Gesprächen und wenn es dann mal etwas bewegter zugeht, friert man alsbald wieder fest und redet weiter. Die Rettung des Films kommt mit der Form und dem stimmigen Score von Jerry Goldsmith und diversen Stücken von Glenn Miller oder Nat ‚King‘ Cole. Das Küstenstädchen in Peru, Caboblanco, ist wirklich paradiesisch und löst schnell Fernweh aus. In Wirklichkeit ist man allerdings in Mexiko.

    Die anfängliche James Bond-artige Unterwasser-Szene und das abenteuerliche Setting versprechen leider mehr, als man letztlich halten kann. CABO BLANCO ist wie ein schöner Mensch, der einfach nichts spannendes zu erzählen hat, aber den man gerne anschaut. 

    (Bjoern Candidus)

  • Love Letters of a Portuguese Nun, 1977 – ★★★½

    Love Letters of a Portuguese Nun, 1977 – ★★★½

    DIE LIEBESBRIEFE EINER PORTUGIESISCHEN NONNE
    (Deutschland, Schweiz, 1977, Regie: Jess Franco)

    – Dies ist die Geschichte eines Mädchens, das einen Brief an Gott schrieb… Gott hat geantwortet. –

    Die 16-jährige Maria wird beim Zeitvertreib mit einem jungen Mann ertappt. Pater Vincente empfiehlt ihrer Mutter, das Mädchen ins Kloster zu schicken, um den Weg der Tugend zu finden. Ihre Mutter willigt ein und schickt Maria in die strengen Hände der Kirche. Doch in diesem Kloster huldigt man nur vordergründig Gott. Pater Vincente und die Oberin huldigen eigentlich dem Teufel. Nachdem sie Maria nach einer Reihe von Demütigungen und Züchtigungen in ein satanisches Ritual verwickeln, in dem der Teufel persönlich erscheint, will diese die abtrünnigen Gottes verraten und flieht. Als sie dem Bürgermeister erzählt, was sie erlebt hat, glaubt der ihr nicht und bringt sie zurück auf das Kloster, wo man sie zum Tode durch den Scheiterhaufen verurteilt. 

    DIE LIEBESBRIEFE EINER PORTUGIESISCHEN NONNE ist eine weitere Gemeinschaftsarbeit zwischen Jess Franco und dem Schweizer Produzenten Erwin C. Dietrich. Inhaltlich nimmt der Film Bezug auf die Briefe der portugiesischen Nonne Mariana Alcoforado, die sie im Jahr 1669 geschrieben haben soll. 

    Handwerklich kann sich die Produktion sehen lassen. Peter Baumgartner hat eine ordentliche Fotografie geliefert. Gedreht wurde in historischen Bauten in Portugal. Der Kloster-Schauplatz entfesselt eine dichte Atmosphäre, die das 17. Jahrhundert authentisch präsentiert. Gleiches gilt auch für die Kostüme und die Ausstattung. Für den Score zeichnete sich Walter Baumgartner verantwortlich. Die Größe von Francos Nonnen-Epos DIE NONNEN VON CLICHY (1973) wird zwar nicht erreicht, aber verstecken muss sich dieser Film auch nicht davor. Es gibt ein paar missratene Szenen und manchmal macht sich etwas Eintönigkeit breit, die aber schnell wieder verfliegt. 

    Mit der damals erst 16-jährigen Susan Hemingway liegt man hier goldrichtig. Sie sieht nicht nur aus wie die Unschuld vom Lande, sie spielt auch so. Besonders in den sadistischen Szenen, wenn es um Folter und sexuelle Demütigungen geht, ist der Kontrast zwischen ihr und dem, was ihr widerfährt, sehr krass. Man hat sich hier wirklich einiges Garstiges einfallen lassen, um Hemingway als Maria Rosalea Coutinho zu quälen und den Zuschauer zu befriedigen, in welcher Hinsicht auch immer. Etwas sonderbar ist William Berger als Pater Vincente, der permanent so wirkt, als wollte er gleich laut loslachen. Vielleicht war Berger einfach nur dicht. Und wo ein Österreicher ist, ist auch gerne ein weiterer, in diesem Fall Herbert Fux, der erneut den Teufel spielen darf, wie auch schon bei Dietrichs Film DER TEUFEL IN MISS JONAS (1974). Die Oberin, bzw. Hohe Priesterin wird von Ana Zanatti verkörpert, die ziemlich unspektakulär bleibt.  

    Okkulte Sexrituale, lesbische Spielchen, Folter, Blut, Demütigungen, Lügen, der Schrecken der Inquisition… DIE LIEBESBRIEFE EINER PORTUGIESISCHEN NONNE hält alles bereit, was man vom europäischen Exploitation-Kino der 70er-Jahre erwarten kann, und sogar ein Hauch von Tiefgang ist hier zu spüren. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Man Who Knew Too Much, 1934 – ★★★½

    The Man Who Knew Too Much, 1934 – ★★★½

    DER MANN, DER ZUVIEL WUSSTE
    (THE MAN WHO KNEW TOO MUCH, GB, 1934, Regie: Alfred Hitchcock)

    Bob, Jill und Tochter Betty Lawrence lernen in ihrem Skiurlaub in der Schweiz den Franzosen Louis Bernard kennen. Während einer abendlichen Veranstaltung wird dieser von einem Scharfschützen tödlich getroffen. Bevor er stirbt bittet er Jill Lawrence, seinen Rasiererpinsel, der mit einem wichtigen Hinweis ausgestattet wurde, aus seinem Zimmer zu holen und dem britischen Konsul zu überreichen. Jill wendet sich an ihren Mann Bob, der sich auf das Zimmer begibt, den Zettel an sich nimmt, aber schließlich von der Polizei ertappt und zum Verhör mitgenommen wird. Wenig später bekommt Bob ein Telegramm, in dem er darüber informiert wird, dass seine Tochter entführt wurde. 

    Ein Attentat mit politischem Hintergrund, eine Kindesentführung und eine Belagerung eines Hauses voller Gangster liefert Alfred Hitchcock in DER MANN, DER ZUVIEL WUSSTE, dem er 22 Jahre später ein eigenes Remake bescherte. 

    Dass hier alles noch eine Nummer kleiner ist, dürfte klar sein, dennoch zeichnet sich diese britische Produktion durch eine sehr dichte Atmosphäre aus, die auch den sehr schönen Kulissen geschuldet sind.
    Ist man 1956 in Marokko, ist man hier anfänglich in den Schweizer Alpen, bevor es nach London geht. Oben in den Bergen darf man dann einem Wettbewerb in Tontaubenschießen beiwohnen, bevor der Franzose Louis Bernard während einer Tanzveranstaltung erschossen wird, was bereits sehr gut inszeniert wurde und die Spannungsschraube direkt anzieht. Was man allerdings auch schnell merkt, ist, dass Hauptdarsteller Leslie Banks, der 1932 als Graf Zaroff in die Horrorfilmgeschichte einging, kein James Stewart ist, mit dem ich sogar mitfiebern würde, wenn er nur sein Mittagessen suchen würde. Von Nova Pilbeam als Ehefrau Jill und Edna Best als Tochter Betty ist auch nicht viel zu erwarten. Aber gut, dafür hat man den phantastischen Peter Lorre als Antagonist, der hier mit einem Narbengesicht und gefärbter Haarsträhne aufwartet und erneut sein schauspielerisches Können beweist. 

    Nahm sich Hitchcock für sein Remake gleich 120 Minuten Zeit, bewegt er sich hier im Rahmen von 75 Minuten. Alles passiert Schlag auf Schlag, was die Spannung aufrecht erhält bis zum bleihaltigen Finale, in dem sich Peter Lorre als Abbott mit seinen Schergen und der entführten Tochter Betty in einem Haus in London verschanzen. 

    DER MANN, DER ZUVIEL WUSSTE ist ein packend inszenierter Thriller, der schon deutlich zeigt, zu was Hitchcock im späteren Verlauf seiner Karriere fähig sein wird. 

    (Bjoern Candidus)

  • Crypt of the Vampire, 1964 – ★★★

    Crypt of the Vampire, 1964 – ★★★

    EIN TOTER HING AM GLOCKENSEIL
    (LA CRIPTA E L‘INCUBO, Italien, Spanien, 1964, Regie: Camillo Mastrocinque)

    Laura Karnstein wird von schrecklichen Visionen und Alpträumen gequält, die mit der finsteren Vergangenheit der Familie Karnstein in Verbindung stehen. Einst wurde Shena Karnstein der Hexerei bezichtig. Bevor man sie hinrichtete, schwor sie Rache an ihren Nachkommen zu nehmen. Lauras Vater, Graf Ludwig von Karstein, will herausfinden, ob das Bildnis von Shena dem seiner Tochter entspricht und beauftragt einen Experten, der die Gemäldesammlung des Schlosses durchsuchen soll. Aber auch Rowena, die Beschließerin des Schlosses, glaubt, dass hinter Lauras Alpträumen mehr steckt. Als Lauras Cousine Tilda getötet wird, verdichtet sich ein grausamer Verdacht. 

    Wie Roger Vadim vier Jahre zuvor mit UND VOR LUST ZU STERBEN, greift auch Camillo Mastrocinque auf Sheridan Le Fanus Erzählung „Carmilla“ (1872) zurück. Statt wie Vadim in einen Rausch aus Farben zu geraten, hält sich Mastrocinque an die Schwarzweiß-Ästhetik und schließt mit EIN TOTER HING AM GLOCKENSEIL an das italienische Gothic-Horrorkino von Bava, Freda und Marghariti an. Besonders Mario Bavas Horrorklassiker DIE STUNDE, WENN DRACULA ERWACHT (1960) ist deutlich zu erkennen. Die Vorgeschichte um Shena Karnstein erinnert mehr an Barbara Steeles Rolle der Hexe Asa. Mit dieser Vorgeschichte weicht Mastrocinque deutlich von der Vorlage ab. Das ganze Vampir-Thema liegt hier ziemlich brach. Es gibt zwar eine Bisswunde zu sehen, aber das Thema des Vampirismus wird im Grunde übergangen und stattdessen mit okkulten Symbolen und Ritualen versehen. Das ist etwas schade, denn an anderen Stellen ist die Vorlage wieder deutlich zu erkennen. 

    Nichtsdestotrotz ist EIN TOTER HING AM GLOCKENSEIL ein durchaus gelungener Gothic-Horrorfilm, der schön fotografiert wurde und eine permanent unheimliche Atmosphäre mitbringt. Der Wind heult ums Gemäuer, die Glocke schlägt, Gewitter ziehen auf und unterstreichen das Unheil, was sich hinter den Mauern von Schloss Karnstein abspielt. Abgerundet wird das Schauerstück mit einem sehr gelungen Score von Carlo Savina. 

    Sehr überzeugend sind auch die zahlreichen Darsteller. Zu Christopher Lee muss nichts gesagt werden; der Mann ist immer eine Erscheinung von höchster Klasse. Hier ist er als Graf Ludwig Karnstein zu sehen. Die von Einsamkeit und Alpträumen geplagte Laura wird von Adriana Ambesi verkörpert, die ihre Rolle wunderbar spielt, was auch für Lauras Freundin Ljuba gilt, die von Ursula Davis verkörpert wird. Die vielen anderen Figuren, die hier auftauchen, sorgen aber auch für viele Dialoge, die die Inszenierung unnötig in die Länge ziehen und manchmal auch Verwirrung stiften. Auch wenn die Horrorfilm-Atmosphäre kontinuierlich aufrecht erhalten wird, gibt es kaum Schockmomente, die den Film aus seinem gleichbleibenden Tempo herausholen. 

    EIN TOTER HING AM GLOCKENSEIL ist ein interessanter Beitrag unter den „Carmilla“-Verfilmungen, der zwar ein paar Schwächen hat, aber insgesamt für gruselige Unterhaltung sorgt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Blood and Roses, 1960 – ★★★★

    Blood and Roses, 1960 – ★★★★

    …UND VOR LUST ZU STERBEN
    (…ET MOURIR DE PLAISIR, Frankreich, Italien, 1960, Roger Vadim) 

    Leopoldo De Karnstein möchte mit seiner Verlobten Georgia Monteverdi und seiner Cousine Carmilla in seinem ländlichen Anwesen in der Nähe von Rom einen Maskenball mit Feuerwerk veranstalten. Seine Hochzeit mit Georgia steht kurz bevor, was Carmilla nur schwer erträgt, da sie auch in Leopoldo verliebt ist. Auf dem Höhepunkt des Maskenballs wird das Feuerwerk in den Ruinen der Karnsteins gezündet, wodurch es zur Freisetzung des Grabes von Millarca, einer weiteren Karnstein, kommt. Carmilla fühlt sich von dem Grab wie angezogen. 

    Roger Vadim wandelt hier auf den Spuren von Sheridan Le Fanus Roman „Carmilla“ (1872) jenem vampirischen Frühwerk, was zwischen John Polidoris „Der Vampyr“ (1816) und Bram Stokers „Dracula“ (1897) entstanden ist. Wenn auch nicht ganz so populär (außerhalb der Blase) wie Graf Dracula, ist Carmilla in der Horror-Kultur nicht wegzudenken. Zahlreiche Filme haben das Thema aufgegriffen, und die Hammer-Studios haben den Karnsteins sogar eine ganze Trilogie spendiert. Kaum verwunderlich, denn Le Fanus Geschichte ist eine faszinierende Reise in die Ursuppe der Vampire, wie wir sie kennen und lieben gelernt haben. Bram Storker hatte nun zwei große, wegweisende Geschichten zur Inspiration, um seinen „Dracula“ zu schreiben.

    Bei dem Geschick, was Roger Vadim (BARBARELLA, 1968) und sein Kameramann Claude Renoir (TREIBJAGD, 1975) hier an den Tag gelegt haben, ist es etwas bedauerlich, dass man sich hier nicht an einer adäquateren, im 18. Jahrhundert angesiedelten Verfilmung gewagt hat, doch schnell wurde ich getröstet, denn das Anwsen der Karnsteins in der italienischen Pampa in der Nähe von Rom (Österreich bei Le Fanu) mit dem verwitterten Friedhof und der Ruine, gehören zu den Highlights des Films. Die wunderschönen Technicolor-Farben und die Ausstattung sind eine Augenweide und lassen den Film märchenhaft wirken. Hier reagiert man offensichtlich auf Terence Fishers DRACULA (1958) – Adaption für die britischen Hammer-Studios. 

    Der Film startet im Cockpit eines Flugzeugs, in dem sich ein paar alte, weiße Männer unterhalten. Einer von ihnen erzählt eine mysteriöse Geschichte, deren Verlauf man ab jetzt folgen wird. Es ist sommerlich, alles wirkt friedlich. Vadim lässt es mit dem Horror langsam angehen. Er konzentriert sich auf die Figuren oder lässt einfach nur schön Bilder von Renoir liefern, besonders wenn der Maskenball im Gange ist und das Feuerwerk über der alten Ruine der Karnsteins aufsteigt. Und genau dieses Feuerwerk zündet versehentlich Minen aus dem Zweiten Weltkrieg, durch deren Detonation das Grab von Millarca freigesetzt wird. In LADY DRACULA (1982) von Rollin war es ein Erdbeben und Giftmüll, hier sind es Minen. Wie dem auch sei, die Inszenierung schreitet nun in Richtung Horror-Liebes-Drama, doch immer mit Ruhe und begleitet von den melancholischen Klängen des Scores von Jean Prodromidès, der in den wenigen spannenden Momenten nicht immer passen will. 

    Wie auch bei Le Fanu wird auch hier die homoerotische Seite von Carmilla, bzw. Millarca angeschnitten, aber eben so schnell wieder unter den Teppich gekehrt. Vertieft wird hier an sich nicht viel, obwohl man sich inhaltlich schon bemüht, einiges an Themen aufzufahren.

    …UND VOR LUST ZU STERBEN liefert Bilder wie aus Zucker mit dem metallischen Geschmack von Blut. Besonders das letzte Drittel zeigt sich plötzlich verspielt, experimentell und surreal, bevor es in ein schönes Finale geht, was auch Harry Kümel zu dem Ende von BLUT AN DEN LIPPEN (1971) inspiriert haben könnte. Zudem hat man hier mit Mel Ferrer, Elsa Martinelli und Annette Stroyberg sehr passende Schauspieler dabei, die wunderbar in die Kulissen passen.  

    …UND VOR LUST ZU STERBEN ist ein ausgesprochen schöner Vampir-Horrorfilm, der das Carmilla-Thema auf gelungene Art und Weise in die Gegenwart der 1960er-Jahre gebracht hat. 

    (Bjoern Candidus)