Autor: marco-fritz

  • Zombie Nightmare, 1987 – ★★½

    Zombie Nightmare, 1987 – ★★½

    ZOMBIE NIGHTMARE
    (Kanada, 1987, Regie: Jack Braveman) 

    Als kleiner Junge muss Tony mitansehen, wie sein Vater von einem Jugendlichen getötet wird. Jahre später wird er selbst Opfer von Halbstarken. Er wird überfahren, stirbt, aber kann mittels einer Voodoo-Priesterin, die eine Freundin seiner Mutter ist, aus dem Reich der Toten zurückkehren. Freilich um Rache an denen zu nehmen, die ihm diese Misere eingebrockt haben. 

    Der Kanadier Jack Braveman, der sich vor diesem Film vor allem auf Erotik- und Pornofilme konzentrierte, bringt hier eine Menge Spaß mit. Vorausgesetzt wird, dass man Spaß hat an Adam „Batman“ West, der hier den Polizeichef spielt, an einer höchst albernen Voodoo-Priesterin, einem sehr schlechten Rache-Zombie, der aussieht wie Boris Masurke in jung und vielen weiteren verblödeten Figuren, die sich aber in einem visuell recht atmosphärischen Film bewegen. Besonders geht hier auch der Hardrock- und Heavy Metal-Soundtrack (Motörhead eröffnen) auf, der samt der Figuren mit fürchterlichen Frisuren und der Fokussierung auf Autos eine vertraute Einheit bildet. Schmierig schön. Dazu hält sich der Film meist in der Nacht auf, die von Neonleuchtreklame durchzogen wird. Das kann sich sehen lassen, weniger hingegen die Horror-Bereiche. Sowohl Spannung als auch Gore ist kaum zu finden, das Make-up von Zombie-Tony ist noch im Rahmen, bringt aber gar nichts, wenn der Darsteller zu nichts in der Lage ist.  

    ZOMBIE NIGHTMARE setzt Charme vor Qualität, überzeugt durch Atmosphäre statt mit Inhalt und ist ein ansehnliches Beispiel für eine unterhaltsame Spät-80er-Produktion, die wie viele andere die Videotheken beseelten.

    (Bjoern Candidus)

  • Soldier Blue, 1970 – ★★½

    Soldier Blue, 1970 – ★★½

    DAS WIEGENLIED VOM TOTSCHLAG
    (SOLDIER BLUE, USA, 1970, Regie: Ralph Nelson) 

    Nachdem der Soldat Honus Grant und die schöne Cresta Lee einen Überfall von Cheyenne-Indianern auf einen Soldaten-Treck überlebt haben, müssen sie sich tagelang zu Fuß durchs Land schlagen, was weitere Gefahren birgt. Da Cresta sehr aufgeschlossen gegenüber den Cheyenne ist, kommt es zwischen den Beiden zu Diskussionen, denn Honus hat, wie die meisten Weißen, einen tiefen Hass auf alle Indigenen. Als sie einem Armee-Trupp begegnen, stellen sie fest, dass dieser einen Angriff auf die Cheyenne plant. Cresta warnt die Cheyenne, die daraufhin mit einer weißen Flagge Frieden symbolisieren wollen. Dann feuert die Armee ihre erste Kanonenkugel ab und startet ihr Massaker. 

    Ralph Nelsons Regiearbeit geht auf das Sand-Creek-Massaker zurück, was am 29. November 1864 von der Colorado National Guard unter der Führung von John M. Chivington in Colorado stattgefunden hat. Dabei wurden mehr als 130 Cheyenne- und Arapaho-Indianern auf übelste ermordet. Die meisten Opfer waren Frauen und Kinder. Was Nelson und Drehbuchautor John Gay daraus gemacht haben, ist ein fragwürdiges Unterfangen, was für mich nur in Ansätzen funktioniert hat. 

    Konnte mich der Film anfangs noch mit seinen opulenten Landschaftsaufnahmen packen, hat er mich ebenso schnell wieder losgelassen. Visuell bleibt die Inszenierung durchgehend anspruchsvoll, und grundsätzlich gäbe es auch an der Besetzung durch Candice Bergen als Cresta und Peter Strauss als Honus nichts auszusetzen. Auch wenn die unterschiedlichen Einstellungen von Cresta und Honus über Indianer thematisiert werden und immer wieder zum Konflikt führen, wirken die Figuren unpassend, manchmal fast lächerlich und treiben den Film in eine Richtung, die einfach nicht zum schmerzvollen Finale passen will. Da passt Donald Pleasence als Waffenschmuggler Isaac Q. Cumber noch am besten. Aber der gute Mann wertet ohnehin jeden Film auf.  

    Haben die beiden langweiligen Figuren dann endlich ihr Ziel erreicht, wird man Zeuge eines barbarischen Angriffs von rassistischen weißen Soldaten, die gnadenlos indigene Männer und vor allem Frauen und Kinder vergewaltigen und auf grausamste Art umbringen. Plötzlich reißt Ralph Nelson das Ruder um und fokussiert sich wieder auf den historischen Hintergrund, den er mit Gore-Szenen anreichert, die für ein Kinopublikum von 1970 sicherlich starker Tobak waren und auch heute noch wirken. Aber was bringen die grausamsten Details eines Geschichtsdramas, wenn es inhaltlich brachliegt? Andererseits bedarf es manchmal auch keiner großen Worte, um Menschen die Grausamkeit anderer Menschen beizubringen. 

    Wie dem auch sei, DAS WIEGENLIED VOM TOTSCHLAG ist weder Fisch noch Fleisch. Ein Film, der jede Menge Zeit verschwendet, die er auf sinnvolle Art hätte nutzen können, um auf das eigentliche Thema viel intensiver einzugehen.

    (Bjoern Candidus)

  • The Last Hunter, 1980 – ★★★½

    The Last Hunter, 1980 – ★★★½

    JÄGER DER APOKALYPSE
    (L’ ULTIMO CACCAIATORE, IT, 1980, Regie: Antonio Margheriti)

    Im Dschungel von Vietnam soll der US Army Captain Henry Morris einen Propagandasender des Vietcong aufspüren und vernichten. Hilfe bekommt er dabei von einer Kriegsberichterstatterin und einem Trupp Soldaten, die sich ihrem Geheimquartier gegen den Feind verteidigen müssen. 

    Antonio Margheriti hat mit seiner APOCALYPSE NOW (1979) – Variante einen zünftigen Action-Vietnamkriegsfilm zusammengeschustert, der vor allem von seinem Dschungel-Setting lebt. Schöne Naturaufnahmen werden gepaart mit explosiver Action. Besonders die Anfangs-Sequenz mit reichhaltigen Explosionen weiß zu gefallen. Die Miniatur-Modelle von Häusern und Fahrzeugen, mit denen bei den Explosionen gearbeitet wird, werden geschickt kombiniert. Auch der Gore-Freund wird gut bedient. Nicht jede Schießerei sitzt, aber einzelne Tötungen sind ziemlich saftig inszeniert und erinnern etwas an Margheritis ASPHALT-KANNIBALEN aus dem gleichen Jahr. Etwas unpassend ist der discoartige Score von Franco Micalizzi. 

    Und wie es sich bei solchen Produktionen gehört, ist auch der Sprüche-Faktor im mittleren Level der politischen Unkorrektheit angesiedelt. Hier passt eigentlich alles gut zusammen. David Warbeck, John Steiner, Luciano Pigozzi und ihre Kollegen geben ein passendes Gespann ab, während Tisa Farrow etwas nervt, aber der Trupp braucht schließlich ein Weibchen. 

    Alles in allem ist JÄGER DER APOKALYPSE eine handfester Actionfilm mit Ecken und Kanten, in dem es keine Zeit für Langeweile gibt. Die Italiener konnten auch Action.

    (Bjoern Candidus)

  • Helga: She Wolf of Stilberg, 1977 – ★½

    Helga: She Wolf of Stilberg, 1977 – ★½

    BLOODY CAMP
    (HELGA, LA LOUVE DE STILBERG, Frankreich, 1977, Regie: Alain Payet)

    Irgendwo in Südamerika (gedreht wurde in Frankreich) sorgt General Gomerz mit seinen Soldaten dafür, dass sich das Schloss Spilberg mit Frauen füllt, auf die die strenge Helga scharf ist. Doch die Geilheit wird von den Gefangenen Frauen nicht erwidert, was Helga zu tiefst frustriert und sie dazu treibt, sie zu foltern. 

    Vergesst Ilsa, vergesst Greta… nicht!
    Helga, die hier aufmarschiert darf aber gerne vergessen werden. Auch Helga ist hübsch, blond, machtgeil, sexsüchtig und frustriert, aber Malisa Longo lässt die Aura des Wahnsinns einer Dyanne Thorne vermissen. Im Grunde hätte BLOODY CAMP ein weitaus besserer WIP-Film werden können, wäre er nicht durchzogen von langweiligen (Soft-)Sex-Momenten und kaum erwähnenswerten Folter-Szenen, die sich in erster Linie auf langweiliges Auspeitschen beschränken. Sehr öde und ausladend sind die männlichen Figuren, die nur Frauen auf Dörfer einfangen oder sie langweilig ficken. Gegen die bringt Helga schon am meisten Schwung in die Bude, aber das soll nichts heißen, denn durch sie wird die Inszenierung auch nicht spannender, schon gar nicht überzeugender. Es bleibt ein billiges Sexfilmchen mit schönen Frauen, die Sex mit ekligen Männern haben oder einfach nur nackt unter kartoffelsackartigen Decken im Schlafsaal liegen und tuscheln. 

    Visuell ist das Ganze genau so wenig beeindruckend. Dass man sich inhaltlich hier in Südamerika aufhält, ist völlig daneben. Die Vegetation und Architektur spricht jedenfalls eine ganz andere Sprache. Absurd sind auch die an das Hakenkreuz angelehnten Armbinden mit Fantasysymbol. 

    Langweiliges Geficke und Folter auf Sparflamme: BLOODY CAMP ist nur als Schlafmittel wirksam. 

    (Bjoern Candidus)

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 71

    Traumstadt Gazette Ausgabe 71

    Teuflische Nonnen, brutale Jugendliche, erotische Vampire…

    In der 71. TRAUMSTADT GAZETTE haben Bjoern Candidus und Marco Fritz folgende Titel im Gepäck:

    -THE BOYS NEXT DOOR (1985)

    -…UND VOR LUST ZU STERBEN (1960)

    -CANDYMAN‘S FLUCH (1992)

    -DARIO ARGENTO – WORLD OF HORROR (1985) / PANICO (2023)

    -SAMURAI REINCARNATION (1981)

    -DIE LIEBESBRIEFE EINER PORTUGIESISCHEN NONNE (1977)

    -DIE EXPERIMENTE DES DR. S. (1981)

    -TRÄUME DES WAHNSINNS (1988)

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Hot Summer Week, 1972 – ★½

    Hot Summer Week, 1972 – ★½

    MACHO-TRIP
    (HOT SUMMER WEEK, Kanada, USA, 1973, Regie: Thomas J. Smith)

    Nach einer farbenfrohen und sommerlichen Titel-Sequenz, bei der die Namen der Beteiligten auf Zetteln oder Schildern stehen, die auf Autos oder auf Strandhandtüchern gepappt sind, lernen wir die beiden Mädels Karen und Debby kennen. Die beiden besten Freundinnen wollen ihre erweckte Sexualität befriedigen und fahren mit ihrem Auto die Küste entlang. Am Straßenrand nehmen sie einen Tramper mit, den Vietnam-Veteran Will, der aufgrund eines Kriegstraumas von der Armee entlassen wird, da er unter schweren Depressionen leidet. Das ist allerdings nicht sein einziges Problem, denn er neigt zu Überreaktionen. Die Mädels nehmen ihn mit, und die Fahrt endet in einer Hippie-Kommune, die Will bestens bekannt ist. Zur gleichen Zeit gibt es eine Mordserie an jungen Frauen.   

    Thomas J. Smith mixt zeittypische Themen wie Sex, Drogen, Mord, Hippies und Vietnamkrieg-Veteranen zusammen, was schon oft funktioniert hat, nur hier nicht. Dabei sind wenige nette Ansätze zu erkennen, doch diese werden durch ausufernde Langeweile fast gänzlich im Keim erstickt. Dabei sind die Darsteller, die von Gold weit entfernt sind, gar nicht das Problematische. Die beiden Mädels, dargestellt von Dianne Hull und Kathleen Cody, gehen klar, während Michael Ontkean als Will die Aura einer Schlaftablette besitzt. Geistig Verwirrte bekommt man dann mit der Hippie-Kommune geliefert, bei der zumindest John McMurtry als „der Macher“ noch im Ansatz zu überzeugen weiß. 

    Ewig lange Gesprächen zwischen eintönigen Figuren, ein sauerstoffarmer Inszenierungsstil ohne Schauwerte und eine Story, die eigentlich keine ist, machen MACHO-TRIP zu einem Schlafmittel. Da lobe ich mir LAST HOUSE ON THE LEFT (1972) und die vielen anderen Filme, die in eine ähnliche Kerbe schlagen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Greta, the Mad Butcher, 1977 – ★★★★

    Greta, the Mad Butcher, 1977 – ★★★★

    GRETA – HAUS OHNE MÄNNER (Schweiz, 1977, Regie: Jess Franco)

    Irgendwo im südamerikanischen Dschungel leitet die sadistische und sexhungrige Dr. Greta del Pino eine Art Klinik und Besserungsanstalt in einem für psychisch gestörte Sexualverbrecherinnen. Immer wieder kommt es zu schweren Misshandlungen, die mitunter zum Tode führen. Die Einrichtung steht in der Kritik, doch da man keine Beweise oder Zeugen für die Missstände findet, wird eine Untersuchung abgelehnt. Mithilfe eines Arztes, dem die Einrichtung ein Dorn im Auge ist, lässt sich Abbie Phillips in dieser einweisen, um herauszufinden, was mit ihrer Schwester geschehen ist, die ebenfalls dort eingewiesen wurde und von der jede Spur fehlt.

    Jess Franco ist zurück im Frauengefängnis, auch wenn es strenggenommen eine Klinik und Besserungsanstalt ist. Doch wo Dyanne Thorne das Sagen hat, haben Frauen nichts zu lachen, was sie dreimal in ihrer Rolle als Ilsa bewiesen hat. Und so weicht auch ihre Rolle als Greta kaum ab. Dass Dyanne Thorne hier überhaupt von der Partie ist, hat Produzent Erwin C. Dietrich den kanadischen Geldgebern zu verdanken, die Francos Film dort als vierten ILSA-Film vermarktet haben. Doch ob als Ilsa, Greta oder Christel, Dyanne Thorne dreht hier wieder komplett am Rad, und Franco hat hier einen seiner stärksten Filme abgeliefert. Das trifft sicherlich nicht auf die Story zu, aber die Form und die Darsteller haben mich sofort begeistert. Fotografiert wurde der Film von Ruedi Küttel, der es sehr gut verstanden hat sowohl die Gesichter als auch die Settings einzufangen. Alles ist perfekt aufeinander abgestimmt, und durch die gelblichen bis bräunlichen Farbtöne wird die unangenehme Aura der Klinik vortrefflich unterstrichen. Alles wirkt alt, miefig und dem Tode geweiht. Wenn hier nicht gerade Lesbensex stattfindet, der in francotypische sadomasochistische Bereiche abdriftet, geht es hier äußerst sadistisch zur Sache. Folter mit Stromstößen, vaginale Verletzungen durch Säure oder Erstickung mittels Plastiktüte drücken die Stimmung der Insassinnen. Die linguale Reinigung von Lina Romays After, nach dem Stuhlgang, die von Tania Busselier als Abbie ausgeführt wird, ist allerdings der wirkungsvollste Moment. Manchmal bin ich sprachlos. Aber diese Sprachlosigkeit, die bei Francos Filmen immer wieder einsetzt, macht sein Werk mitunter aus. Man weiß nie, was man als Nächstes bekommt, und dann kommen wieder drei Filme, die sich kaum voneinander unterscheiden. Und so abwechslungsreich und umfangreich, wie seine Filmographie ist, ist auch die Liste der Menschen, die schon für ihn vor der Kamera standen. Dyanne Thorne thront hier natürlich über alle. Sie braucht nur zu gucken, um den Raum mit Wahnsinn zu füllen. Francos Lebensgefährtin Lina Romay ist als Juana, Spitzel und Sexspielzeug von Greta zur Stelle, während Franco selbst in die kleine Rolle von Dr. Arcos schlüpft. Tania Busselier als eingeschleuste Abbie Phillips geht hingegen ziemlich unter. 

    GRETA – HAUS OHNE MÄNNER ist eine schöne Sexploitation-Perle, die nicht nur sadistische Schauwerte bereithält, sondern auch visuell und darstellerisch überzeugt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Cave of the Living Dead, 1964 – ★★½

    Cave of the Living Dead, 1964 – ★★½

    DER FLUCH DER GRÜNEN AUGEN
    (Deutschland, Jugoslawien, 1964, Regie: Ákos von Ráthonyi)

    In einer abgelegenen Gegend auf dem Balkan kommt es zu einer Reihe von Frauenmorden. Die Polizei ist ratlos und holt sich Hilfe von außerhalb. Frank Doren von Interpol nimmt sich der Sache an. Die ansässigen Dorfbewohner sind nicht nur sonderbar, sie sind auch tief verwurzelt im Aberglauben, der sie an Vampire glauben lässt. 

    Die deutsch-jugoslawische Koproduktion, die unter der Regie von Ákos von Ráthonyi entstand, ist eine Mischung aus Krimi und Vampirfilm. Der in schwarzweiß gedrehte Film kann als Brückenfilm zwischen klassischem und modernem Vampir-Kino sehen, was leider nur bedingt funktioniert. Man bleibt zu sehr in den althergebrachten Motiven verankert und lässt so etwas die Innovationen vermissen, wobei der Krimi-Ansatz schon gut ist. Leider orientiert sich DER FLUCH DER GRÜNEN AUGEN zu sehr an der deutschen Edgar Wallace – Filmreihe, die zur damaligen Zeit höchst erfolgreich in den Kinos lief. Mit Adrian Hoven und dem wunderbaren Wolfgang Preiss hat man zwei gute Schauspieler an Bord, doch insgesamt bleibt die Ernsthaftigkeit der Figuren auf der Strecke. Flapsige Dialoge klaffen immer wieder auf, wodurch die Spannung der Inszenierung deutlich leidet. Dabei gibt es visuell richtig gute Ansätze zu bewundern, deren Wirkung leider zu schnell verfliegen. Dennoch schafft es von Ráthonyi zumindest atmosphärisch der Linie von Anfang bis Ende treu zu bleiben und liefert passende Schauplätze, wie das Bauerndorf und eine Burg mit Höhlensystem. 

    DER FLUCH DER GRÜNEN AUGEN ist ein netter Versuch, das Vampir-Thema in die (damalige) Gegenwart zu transportieren, wie schon es schon Paul Landres mit DRACULAS BLUTNACHT (1958) versuchte. Leider ist dabei nur ein halb garer Film entstanden, der zumindest ein paar schöne Gruselmoment zu bieten hat. 

    (Bjoern Candidus)

  • Frankenstein’s Castle of Freaks, 1974 – ★★★

    Frankenstein’s Castle of Freaks, 1974 – ★★★

    DIE LEICHENFABRIK DES DR. FRANKENSTEIN
    (IL CASTELLO DELLA PAURA, Italien, 1974, Regie: Dick Randall)

    Die Bauern in einer kleinen Stadt sind besorgt, denn ein Grabschänder treibt sich herum. Schnell fällt der Verdacht auf Dr. Frankenstein, der mit seinen degenerierten Gehilfen im unweit gelegenen Schloss wohnt. Dort will Dr. Frankenstein einem Neandertaler helfen, dem die Dörfler ein Dorn im Auge ist. Als Frankensteins Helferzwerg Spuren am Grab hinterlässt, wird er vom Schloss verbannt und trifft auf einen weiteren Neandertaler, der ihm bei seiner Rache an Dr. Frankenstein helfen soll.   

    Dick Randalls beinah einzige Regiearbeit DIE LEICHENFABRIK DES DR. FRANKENSTEIN startet sofort durch. Schon in der ersten Sekunde befindet man sich in einer Schlacht zwischen Bauerntölpel und einem Neandertaler, noch bevor die Credits einsetzen. Hat man diesen Anblick erst verarbeitet, wird man in vertrautere Gefilde gehievt. Man lernt Rosanno Brazzi als Dr. Frankenstein kennen, der leider extrem gelangweilt und charakterlos bleibt, aber dafür hat der Zuschauer das Umfeld des Doktors: zwei Damen, den Gehilfen Hans (Luciano Pigozzi), Igor (Gordon Mitchell) und den Zwerg Genz (Michael Dunn). Und dann sind da ja noch gleich zwei Neandertaler Goliath (Loren Ewing) und Ook (Salvatore Baccaro), die viel Spaß und Hässlichkeit mitbringen. 

    Aber der Film bietet nicht nur lustige Figuren, sondern auch eine schöne Gruselfilm-Atmosphäre in alten Gemäuern. Dazu gibt es immer wieder Ausblicke auf eine schöne Naturkulisse. Besonders gewalttätig ist das Ganze nicht, wobei die Vergewaltigung einer Frau durch einen Neandertaler etwas eklig ist, aber in erster Linie im Off stattfindet. 

    DIE LEICHENFABRIK DES DR. FRANKENSTEIN ist ein Fest des Irrsinns aus Bella Italia.

    (Bjoern Candidus)

  • Luther the Geek, 1989 – ★★½

    Luther the Geek, 1989 – ★★½

    LUTHER – THE GEEK
    (USA, 1990, Regie: Carlton J. Albright)

    Nachdem der kleine Luther mitansehen muss, wie einem lebendigen Huhn der Kopf abgebissen wird, legt sich in seinem Kopf ein Schalter um. Viele Jahre später gackert Luther durch die Gegend, um sich von menschlichem Blut zu ernähren, was er direkt aus der Halsschlagader seiner Opfer trinkt.  

    Viel mehr passiert in Carlton J. Albright Low-Budget-Splatter-Horrorfilm nicht. Wenn es nur das Ziel war, ein paar Blutrünstigkeiten und einen ziemlich widerlichen Irren zu präsentieren, hat Albright alles richtig gemacht und sein Ziel erreicht. Die Gore-Effekte sind simpel, aber effektiv. Der Killer, der Geek, ist ein ziemlich räudiges Kerlchern, was ich nicht in meiner Nachbarschaft wohnen haben möchte. Statt zu reden gackert er wie ein Huhn, bevor er mit seinem Eisengebiss in menschliche Hälse beißt. Ein wirklich schäbiger Kandidat im Gros der Film-Wahnsinnigen. Dass hier kein großes Budget zur Verfügung stand, ist nicht zu übersehen. Leider bekommt man nicht viel Abwechslung geboten. Der Großteil spielt in einem abgelegenen Haus, in dem der Geek ein paar Menschen tyrannisiert und tötet. Sehr nervig ist dabei eine der dümmsten Film-Töchter aller Zeiten, die immerhin getötet wird. 

    Inhaltlich ist bei LUTHER – THE GEEK wenig bis gar nichts gelungen. Wenn man aber mal wieder Lust auf einen dreckigen, düsteren und blutigen Horrorfilm aus dem Untergrund hat, bietet sich dieser kleine Bastard aber durchaus an.

    (Bjoern Candidus)