Autor: marco-fritz

  • Robot Jox, 1989 – ★★★

    Robot Jox, 1989 – ★★★

    ROBOTJOX – DIE SCHLACHT DER STAHLGIGANTEN 
    (ROBOT JOX, USA, 1989, Regie: Stuart Gordon)

    Wir schreiben das 21. Jahrhundert. Nach einem Atomkrieg, der nun schon 50 Jahre zurückliegt, haben sich die Weltmächte dazu entschlossen, einen anderen Weg zu gehen, um für Rohstoffe zu kämpfen. Riesige Roboter, gesteuert von Robotjox, kämpfen in Arenen gegeneinander und zeigen, wer der Stärkere ist. Einer dieser Robotjox ist der Amerikaner Achilles, der gegen den Sowjet Alexander antreten muss. 

    RE-ANIMATOR (1985), FROM BEYOND (1986) und CASTLE FREAK (1995) sind nur ein paar Titel mit denen sich Stuart Gordon in mein Horrorfilm-Herz befördern konnte. Aber Gordons Filmografie besteht nicht nur aus monströsen, lovecraftschen Schockern, die gerne mit bizarrem Humor garniert sind, sondern auch aus Science-Fiction-Filmen mit deutlichen Action-Elementen. FORTRESS – DIE FESTUNG (1992) sei hier erwähnt. Einer der wenigen Gefängnisfilme, die ich mag. Mit ROBOTJOX – DIE SCHLACHT DER STAHLGIGANTEN hat Gordon einen visuell ganz phantastischen Film gezaubert, der etwas aus der Zeit gefallen scheint und gleichzeitig auch wieder passt. Ich musste die ganze Zeit an japanische Monsterfilme aus den 70er-Jahren denken und gleichzeitig an die Transformers, die damals viele Kinderzimmer bewohnten, meins allerdings nie. Da hatte ich Gründe. Diese Gründe führten vielleicht auch dazu, dass ich ROBOTJOX auch erst dieses Jahr zum ersten Mal gesehen habe. Ich bin kein Freund von großen Kampf-Robotern, und was anderes sieht man hier fast gar nicht, und genau da liegt die Stärke des Films. 

    Der Kalte Krieg, der 1989 in den letzten Zügen lag, liegt hier natürlich klar auf der Hand, und während andere Regisseure im oft reaktionären Action-Kino der 80er-Jahre eher Öl ins Feuer gegossen haben, schlägt Stuart Gordon etwas versöhnliche Töne an. Ein zurückliegender Atomkrieg und Rohstoffknappheit, sind zudem durchaus zeittypische Themen, die natürlich längst vorher schon Einzug in die Science-Fiction erhielten. Doch während die 70er-Jahre Dystopien eher mit Inhalten glänzten, fokussierte man sich in 80er-Jahren mehr auf Action und Effektfeuerwerke, wie bei ROBOTJOX. Trotz der problematischen Themen, die der Film am Rande anschneidet, ist hier inhaltlich nicht viel zu holen. Es gibt ein bisschen Pathos, Heldengeschwafel, das natürlich deutlich überzeichnet ist und erst gar nicht dazu einlädt, ernstgenommen zu werden. Gleiches gilt für die Darsteller Gary Graham, Paul Koslo und Anne-Marie Johnson, die allesamt alles andere als charismatisch sind. Darstellerisch geht hier leider wirklich nicht viel, was sehr schade ist, denn Gordon hatte eigentlich ein Händchen für Figuren. Immerhin gibt es ein kurzes Wiedersehen mit Jeffrey Combs. Die Stärke dieser Charles Band – Produktion liegt bei der Ausstattung, den Designs der Kleidung, Helme, Apparaturen und natürlich bei den Roboter-Modellen und den tollen Stop-Motion-Tricks, die sie zum Leben erwecken. Hier wurde aus dem Vollen geschöpft, um schicke Roboter-Designs, vernünftige Größenverhältnisse und recht gelungene Kämpfe zu präsentieren. Da Roboter in der Regel etwas Klobiges mitbringen, was hier nicht anders ist, wirken manche Moves schon etwas behäbig, aber das liegt in der Natur der Sache. Und wenn sich die Kolosse nicht bewegen und aufeinander einschlagen, beschießen sie sich. Zwischen zwei großen Schlachten liegt eine Story um den Aufstieg und Fall von Achilles und einer übermütigen Frau, die in seine Fußstapfen treten will, um Alexander zu besiegen. 

    Bis auf ein paar Ausnahmen bewegt man sich in einem ziemlich kindertauglichen Rahmen, der leider Spannung vermissen lässt. Das liegt an den öden Klischee-Figuren und der laschen Story. Aber dafür bietet ROBOTJOX – DIE SCHLACHT DER STAHLGIGANTEN schöne Roboter-Kämpfe, knallige Farben und besitzt insgesamt ein gutes Tempo. Trotz dümmlicher Akteure hat mich das Ganze nie gelangweilt. Mein Herz konnte Gordon dennoch nicht erreichen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Shadow Builder, 1998 – ★★★½

    Shadow Builder, 1998 – ★★★½

    SHADOW BUILDER
    (Kanada, USA, 1998, Regie: Jamie Dixon)

    Ein Priester muss einen kleinen Jungen vor einem Schatten-Dämonen beschützen, der die Welt in die Finsternis stürzen möchte. 

    Jamie Dixon wandelt in diesem Okkult-Dämonen-Horrorfilm auf den Pfaden einer Kurzgeschichte von Bram Stoker, die er in die Gegenwart projiziert hat. Dabei gelingt es Dixon von Beginn an, eine düstere Atmosphäre zu erzeugen und liefert immer wieder spannende Momente, die mich an Serien wie AKTE X und MILLENNIUM erinnerten, die zu der Entstehungszeit von 
    SHADOW BUILDER im TV liefen. 
    Außerdem war das Thema Okkultismus, Teufel, Gott und Weltuntergang auch im Kino recht angesagt. END OF DAYS (1999), STIGMATA (1999), DIE NEUN PFORTEN (1999) läuteten das 21. Jahrhundert mit klassischen Themen ein. 

    Was hier nicht ganz so gelungen ist sind die CGI-Effekte. Allerdings werden die durch ihren hohen Schwarzanteil gut kaschiert, so dass es nicht ganz so schlimm ist, wie bei vielen B-Produktionen jener Tage. Dennoch sind es nicht die Glanzmomente des Films.  

    In Sachen Besetzung gibt es auch nichts zu meckern. Neben Rooker als Vater Vassey ist auch Tony Todd als bekloppter Dreadlock-Hippie Evert Covey am Start, während Kevin Zegers (WRONG TURN, 2003) den jungen Chris verkörpert.  

    SHADOW BUILDER erfindet das Rad nicht neu, er ist aber unter dem Strich ein unterhaltsamer, düsterer, fast unbekannter Film, der für Okkult-Horrorfilm-Freunde durchaus ein Blick wert ist.

    (Bjoern Candidus)

  • Sudden Fury, 1975 – ★★★

    Sudden Fury, 1975 – ★★★

    DIRTY FRED
    (SUDDEN FURY, Kanada, 1975, Regie: Brian Damude) 

    Fred will seiner Frau Janet von dem Kauf eines Grundstücks im Wald überzeugen, auf dem er mit ihr eine Art Erlebnis-Motel errichten möchte. Er weiß, dass sie Geld hat, aber sie hat keine Lust auf seine Pläne. Und so kommt es zum Streit, bei der er die Kontrolle über sein Auto verliert und einen Unfall baut. Fred lässt Janet schwer verletzt im Auto zurück, damit sie stirbt und er an ihr Geld kommt. Doch Al, der bereits vorher mit Fred schlechte Erfahrung gesammelt hat, beobachtet das Geschehen…  

    Das Jahr 1975 war in Kanada ein ganz besonderes, was den meisten Kandieren wohl gar nicht bewusst war. David Cronenberg kam in diesem Jahr mit SHIVERS um die Ecke und veränderte nicht nur das Horrorkino, sondern auch die kanadische Filmindustrie. Sehr zum Missfallen kanadischer Film-Kritiker, aber was scheren die einen? Nichts. Umso interessanter ist es, dass DIRTY FRED fast zur gleichen Zeit in die Kinos kam und so zur einer Welle von Genrefilmen gehört, die in den folgenden Jahren in Kanada entstanden sind. 

    Der Kanadier Brian Damude kam als Regisseur allerdings nicht so weit wie David Cronenberg, und so blieb DIRTY FRED sein einziger Langfilm. Dabei kann man hier gute Ansätze und Ideen loben, die in Richtung Hitchcock deuten, sich aber stilistisch eher im Sumpf des 70er-Jahre Grindhouse-Kinos bewegen, wenn es auch längst nicht so schmutzig zugeht wie bei den zahlreichen US-Filmen jener Tage. Der Film sieht sogar gradezu langweilig aus und wird lediglich durch die Naturkulisse versehentlich schön. Das ist aber soweit okay, weil man einer Handlung folgen kann, ohne sich an Nebensächlichkeiten laben zu müssen. Nicht, dass die Story zum Nägelkauen wäre, aber ihr Verlauf bleibt spannend. Es mangelt manchmal an den Fähigkeiten der Darsteller. Eine gewisse Steifheit und Ausdruckslosigkeit macht sich breit, aber Dominic Hogan, Gay Rowan und Dan Hennessey waren kaum erfahren. 

    Insgesamt mangelt es DIRTY FRED etwas an Schauwerten. Nichts brennt sich fest. Aber es ist eben auch nichts wirklich schlecht. Brian Damude hat zumindest handwerklich einen soliden Thriller geliefert, der spannend, kurzweilig, gemein und schnörkellos daherkommt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Sukkubus, 1989 – ★★★★

    Sukkubus, 1989 – ★★★★

    SUKKUBUS – DER TEUFEL IM LEIB
    (Deutschland, 1989, Regie: Georg Tressler)

    In den Schweizer Alpen sind zwei Hirten und ein Junge unterwegs, um die Rinder auf die Berge zu treiben, wo sie tagelanger Isolation und Kälte ausgesetzt sind. Wohin mit der Geilheit?, denkt sich einer der Männer, der besonders tölpelhafte. Aus einem Tuch, Stroh und einer Wurzel baut er sich eine Art Sexpuppe, mit der er sich befriedigt. Doch dieser Akt und der grundsätzliche Aberglaube, der immer wieder durch merkwürdige Weisheiten, Gepflogenheiten und Ritualen zum Vorschein kommt, erweckt er einen weiblichen Dämon, einen Sukkubus oder besser: das Sennentuntschi (Sagenmotiv im deutschsprachigen Raum). 

    Regisseur Georg Tressler (und Christopher Schlingensief als Regieassistent) schickt den Zuschauer von der ersten Minute an in eine Welt aus Bergen, Schnee und Wolken. Die Fotografie ist hervorragend, die Alpen greifbar und Ehrfurcht erweckend. Dass man hier von Beginn an eine Bedrohung spürt, liegt nicht nur an der eisigen Umgebung, sondern auch an dem unheimlichen Score von Rolf A. Wilhelm. Auch durch den spärlichen Einsatz von Dialogen erzeugt Tressler ein Gefühl von Einsamkeit und Bedrückung. Geräusche sind präsenter als Worte. Tressler nimmt sich viel Zeit, die Arbeit, das Regelwerk und das Leben der Hirten zu porträtieren, was interessant und abstoßen gleichermaßen ist. Es kommt sogar zu einem sexuellen Übergriff zwischen dem ältesten und dem jüngsten Hirten, und das nur, weil keine Frau zur Hand ist. Aber das soll sich ja ändern. Doch die schöne Frau, die vorher noch eine hässliche Wurzel war, meint es mitnichten gut. Wenn der Sukkubus erst mal erwacht ist, wird der pure Wahnsinn entfacht. Tressler schafft es mit wenigen Mitteln und gut agierenden Darstellern, einen unheimlichen Terror zu verbreiten, der durch den Schauplatz zusätzlich ausweglos erscheint. Es kommt sogar zu ein paar wenigen, aber effektiven Gore-Szenen, die ich so nicht erwartet habe.

    Mit Peter Simonischek, Giovanni Früh, Andy Voss und Pamela Prati als Sukkubus hat man ein Glückliches Händchen bewiesen. Den Herren kauft man die hinterwäldlerische Tölpelhaftigkeit ab, während Pamela Prati als garstige Dämonin wunderbar funktioniert. 

    Die permanente Bedrohung, die Spannung zwischen den Figuren und die teils sehr verstörenden Einfälle machen SUKKUBUS – DER TEUFEL IM LEIB zu einem außergewöhnlichem Folk-Horrorfilm aus deutschem Lande. Ein Film, der voller Überraschungen steckt. Wie ein wilder Mix aus EVIL DEAD (1981), DER FLUCH (1988) und HAGAZUSSA – DER HEXENFLUCH (2017). 

    (Bjoern Candidus)

  • The Curse, 1988 – ★★★½

    The Curse, 1988 – ★★★½

    DER FLUCH
    (Deutschland, 1988, Regie: Ralf Huettner)

    Eine dreiköpfige Familie macht Urlaub in den Bergen. Als sie auf eine Bergtour zum Silberhorn aufbricht, verläuft sie sich. Die Drei werden gezwungen, in einer Hütte zu übernachten. Doch die unheilschwangere Nacht ist längst nicht vorbei. Als Melanie, die kleine Tochter, abhauen will, stößt die im Schnee auf eine Kinderleiche. 

    Ralf Huettner, der auch ein paar Jahre später mit dem Film BABYLON – IM BETT MIT DEM TEUFEL (1991) einen ansehnlichen Beitrag im deutschen Horror-Kino geleistet hat, hat hier einen spannenden Mystery-Geister-Horrorfilm kredenzt. Glaubt man sich anfangs noch in einer billigen TV-Produktion zu befinden, geht es qualitativ schnell nach oben, wenn der Schauplatz gewechselt wird und man sich am Silberhorn in den Berner Alpen statt in der Stadt befindet. Da die Alpen im Horror-Genre recht rar gesät sind, habe ich das Setting direkt wohlwollend aufgenommen. Huettner und Team nutzen den Schauplatz und beschwören eine sehr unheimliche Atmosphäre herauf, besonders, wenn es dunkel wird. Nicht nur Kälte und Isolation schaffen ein Gefühl der Bedrohung, sondern auch das Unheil, was auf die Familie wartet. 

    Mit Dominic Raacke, Barbara May, Barbara Valentin, Gerd Lohmeyer und Tobias Moretti haben wir es hier mit einer gelungenen Besetzung zu tun. Abzüge gibt es lediglich bei den Kinder-Darstellern, die nicht immer den Ton treffen, aber das sei ihnen verziehen. 

    DER FLUCH ist ein mysteriöser, unheimlicher Geister-Horrorfilm, der ohne plumpe Schock- oder Bluteffekte auskommt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Abraxas, Guardian of the Universe, 1990 – ★½

    Abraxas, Guardian of the Universe, 1990 – ★½

    ABRAXAS – RETTER DES UNIVERSUMS
    (ABRAXAS, GUARDIAN OF THE UNIVERSE, Kanada, USA, 1990, Regie: Damian Lee) 

    Einst waren Secundus und Abaraxas gemeinsame Herrscher des Universums. Doch Secundus strebte nach noch mehr Macht und Unsterblichkeit. Er reiste auf die Erde, um sich fortzupflanzen, was ihm auch gelang. Eine Frau wurde durch eine extraterrestrische Befruchtung mittels Handauflegen schwanger. Doch das blieb nicht folgenlos. Secundus konnte schließlich von den sogenannten Aufspürern seines Planeten verhaftet werden, während Abraxas den Auftrag hatte, dass Baby zu töten, dem er sich widersetzte. Fünf Jahre später bricht Secundus aus, um seinen Sohn auf der Erde zu suchen, dicht gefolgt von dem Aufspürer Abaraxas, der ihn aufhalten soll.

    Ich habe ein großes Herz für Quatsch, aber auch Quatsch braucht Liebreiz, sympathische oder zumindest charismatische Darsteller, Anziehung oder irgendetwas, was mich mitnimmt. Und obwohl ABRAXAS – RETTER DES UNIVERSUMS grundsätzlich Zutaten beinhaltet, die mir gefallen, ist das Ergebnis die reinste Katastrophe. Die Inszenierung sieht recht qualitativ aus. Die winterliche Kulisse von Ontario in Kanada ist sehr schön von Curtis Petersen fotografiert worden; für festliche Stimmung sorgt die Weihnachtsdekoration. Leider war es das aber auch schon mit dem Positiven. 

    Wer auch immer auf die Idee kam, Jesse Ventura als Abaraxas und Sven-Ole Thorsen als Secundus zu casten, muss entweder verrück gewesen sein oder einen sonderbaren Humor besessen haben. Ich habe lange nicht mehr in zwei solche hole Gesichter gucken müssen, die beide so komplett fehlbesetzt sind. Immer wieder kam ein Warum in mir hoch. Sicher wird es auch Leute geben, die beide extrem feiern. Ich kann und will ihre sportlichen Aktivitäten nicht beurteilen, ihre schauspielerische Qualität ist jedenfalls unterirdisch. In RUNNING MAN (1987) passten sie zumindest noch ganz gut. Völlig unverständlich ist es auch, dass beide nicht in vernünftige Kämpfe verwickelt werden, wenn man schon Darsteller hat, die sich über ihre Körper definieren. Die wenigen Momente, wo die Beiden aufeinander prallen, sind stümperhaft inszeniert und in wenigen Augenblicken abgehandelt. Da läuft man lieber Minuten lang hintereinander her, verfolgt sich und muss sich dabei noch den fürchterlichen Score von Carlos Lopes anhören, der nach einem billigen Porno klingt. Ansonsten gibt es noch eine Handvoll Explosionen und Laser-/Blitz-Effekte, wie sie zu der Zeit nun mal üblich waren. In diesen Bereichen ist der Film zumindest halbwegs solide. 

    Gegen die TERMINATOR-inspirierte Story will ich ja gar nichts sagen, Cameros Film hat viele zu Recht beeinflusst, aber sie zündet hier einfach nicht. Nichts zündet hier, auch nicht die völlig überflüssigen Witze, die an manchen Stellen eingebaut wurden. 

    Wer Lust hat, sich zwei dämliche Weltraum-Kartoffelköpfe anzugucken, die komplett spannungsarm und stümperhaft Katz-und-Maus spielen, dem sei ABRAXAS – RETTER DES UNIVERSUMS empfohlen. Alle anderen sollten ihn dringend nicht gucken. 

    (Bjoern Candidus)

  • Bad, 1977 – ★★★½

    Bad, 1977 – ★★★½

    ANDY WARHOL’S BAD
    (USA, 1977, Regie: Jed Johnson)

    Hazel Aiken betreibt in ihrer Wohnung ein Haarentfernungstudio. Doch nicht nur damit verdient sie ihr Geld, sondern auch mit der Vermittlung von Auftragsmorden. Dafür scharrt sie einen ganzen Haufen verdorbener Frauen um sich, die für sie die Morde ausführen, natürlich gegen Bezahlung. Eines Tages steht L. T. vor ihrer Haustür, dem Hazel nicht nur ein Zimmer vermietet, sondern auch einen Mordauftrag vermittelt. Er soll im Namen der Eltern einen verhaltensauffälligen Jungen töten. 

    Jed Johnson, der ehemalige Lebenspartner von Andy Warhol hat hier seine einzige Regiearbeit hingelegt und einen ziemlich garstigen Film geschaffen, der die Verdorbenheit der US-Gesellschaft der 70er-Jahre aufgreift. Wo man auch hinguckt, in BAD sind nur menschliche Totalausfälle zu erblicken, die ihre Moral verbrannt haben und für Geld alles tun. Es gibt auch Hoffnung, aber der Weg dahin ist ein räudiger. 

    Visuell ist die Inszenierung so eklig wie das Verhalten der Figuren. Alles sieht ausladend aus, ist miefig und weckt teilweise Erinnerungen an das Kino von H. G. Lewis, besonders wenn es ums Eingemachte geht. Nicht, dass hier an einer Tour getötet wird, aber es gibt ein paar wirklich derbe Momente, z. B. wenn eine Mutter ihr Baby aus dem Fenster eines Hochhauses wirft, was dann unten blutig aufschlägt. Einige Jahre später lieferte Buddy Giovinazzo in COMBAT SHOCK (1984) eine ähnlich verstörende Szene. Überhaupt passen die beiden Filme gut zueinander. 

    Auch die Besetzung in BAD kann sich sehen lassen. An vorderster Front steht hier Carroll Baker (PARANOIA, 1970) als Hazel Aiken, die wunderbar in ihrer fiesen Rolle als Vermittlerin des Todes aufgeht. Statt Joe Dallesandro ist hier Perry King als L. T. (DIE KLASSE VON 1984, 1982) zugegen, der einen ähnlichen Typus mitbringt. Den Vogel des Irrsinns schießt hier ganz klar Susan Tyrrell (FLESH & BLOOD, 1985) als hirnverbrannte Tochter von Hazel Aiken ab. Die jammert nur, erzählt Schwachsinn, stopft ihr Baby mit Essen voll oder lässt es auch mal fallen. 

    BAD ist eine giftige Satire im Schmutz des Großstadtdschungels. Wer auf Filme mit kaputten Figuren und dem schmuddeligen, ungeschminkten Look des Grindhouse-Kinos der 70er-Jahre steht, wird hier fündig. 

    (Bjoern Candidus)

  • Elves, 1989 – ★★½

    Elves, 1989 – ★★½

    ELVES – BLUTIGES FEST
    (ELVES, USA, 1989, Regie: Jeffrey Mandel)

    Drei trottelige Mädchen erwecken im Wald versehentlich einen sehr unattraktiven Elf, der einst von einer Nazi-Okkultisten-Sekte gezüchtet wurde. Dieser tyrannisiert fortan eine Familie, deren Großvater ganz genau weiß, woher dieser Elf stammt und welche Agenda dahintersteckt. 

    Regisseur Jeffrey Mandel hat hier ein ziemlich irrsinniges Machwerk gezimmert, was tatsächlich inhaltlich ein bisschen innovativ ist. Leider scheitert die Inszenierung handwerklich an allen Ecken und Enden.

    Ein garstiger Elf, der auch den ein oder anderen blutigen Kill serviert, ein paar Nazi-Deppen (in der dt. Synchronisation sind es lediglich Mitglieder einer Sekte), eine Familie auf die man gerne verzichten könnte und ein Ex-Cop, sind die Hauptakteure von ELVES – BLUTIGES FEST. Die Darsteller sind wahrlich nicht das Gelbe vom Ei. Am besten schneidet noch Dan Haggerty als Ex-Cop Mike ab, der quasi das männliche Pendant zu Deborah Rose aus THE BONEYARD (1991) ist, an den mich dieser Film auch ein wenig erinnert hat. Schön ist der weihnachtliche Anstrich, der immer wieder durchschimmert und das Großstadt-Setting. Statt auf Spannung setzt man mehr auf Action, wobei diese sehr holprig inszeniert wurde. Der Elf selbst, der etwas an die Gestallt aus Chris Cunninghams COME TO DADDY Video für Aphex Twin erinnert, ist ziemlich hässlich und stellt nicht gerade eine Sternstunde des Monsterkinos dar. Doch in dem
    Dilettantismus der Inszenierung steckt auch gleichzeitig eine gewisse Anziehungskraft. 

    ELVES – BLUTIGES FEST ist DTV-Horror der besonders kruden Art. Billig, gaga und doch irgendwie sympathisch. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Dungeonmaster, 1984 – ★★★

    The Dungeonmaster, 1984 – ★★★

    HERRSCHER DER HÖLLE
    (THE DUNGEONMASTER, USA, 1984, Regie: David Allan, Charles Band, John Carl Buechler, Michael Karp, Peter Manoogian, Ted Nicolaou, Steve Stafford, Rosemarie Turko)

    Der Computerspezialist Paul und seine Freundin Gwen werden von Mestema, dem Teufel höchstpersönlich, in die Hölle geholt. Mestema langweilt sich und erklärt Paul, was Sache ist: entweder er gewinnt die Aufgaben, die vor ihm liegen oder die Seelen der beiden Sterblichen gehen in die Hände des Herrschers der Hölle.
    Paul hat gar keine Wahl und wird auf der Stelle in sein erstes Abenteuer geschickt.

    HERRSCHER DER HÖLLE stammt aus der Anfangszeit von Charles Band Produktionsschmiede Empire International Pictures und gibt hier bereits eine Art Vorschau auf das, was in den folgenden Jahren auf die Zuschauer zukommen wird: bunte Fantasywelten, kleine und große Monster, verrückte Wissenschaftler, Zeit- und Dimensionsreisen. 

    Und so erwarten ein hier Monster, Dämonen, Zwerge, ein Serienmörder, Zombies, ein Stop-Motion Steinriese, zwei bunte Zeichentrick-Drachen, Laser-Effekte, Nebel, Kristalle, Wälder, Wiesen, Berge, Höhlen und noch viel mehr. Die Ausstattung ist rundum gelungen, die Studiokulissen machen was her und die Ausleuchtung in vielen bunten Farben verleiht dem Ganzen etwas märchenhaftes. Aber man befindet sich ja auch in einem Heldenepos. 

    Nicht nur inhaltlich ist HERRSCHER DER HÖLLE ein Sammelsurium an bekannten Motiven der uns realen (Albert Einstein und Jack the Ripper sind kurz im Bild) und fiktiven Welt, sondern auch hinter den Kulissen sind viele Bekannte anzutreffen, die teilweise auch später zu Full Moon Entertainment – Zeiten eine Rolle spielen werden. Da wären David Allen (PUPPET MASTER 2, 1990), John Carl Buechler (TROLL, 1986), Michael Karp (div. Arbeiten, z.B. ROBOCOP, 1987 / ABYSS, 1989), Peter Manoogian (DESTROYERS, 1986), Ted Nicolaou (SUBSPECIES, 1991), Steve Stafford (DOUBLE EDGE, 1992) und Rosemarie Turko (UNDERGROUND IN L.A., 1983). Die drei Hauptfiguren werden von Jeffrey Byron als Paul Bradford, 
    Leslie Wing als Gwen Rogers und 
    Richard Moll als Mestema dargestellt. Während Jeffrey Byron offensichtlich versucht, als Held alles zu geben, hängt Leslie Wing die meiste Zeit nur angekettet an einem Felsen oder ist anderweitig in Gefahr. Sehr gut gefallen hat mir Richard Moll als Herrscher der Hölle. Er hat eine intensive Ausstrahlung und wurde stark in Szene gesetzt. Die vier Bandmitglieder der Heavy Metal – Band W.A.S.P. sind ebenfalls am Start, und wer genau hinguckt, erkennt auch Phil Fondacaro. 

    Erstnehmen sollte man das Ganze natürlich nicht. Alles ist überzogen, überdreht und leider verdammt spannungsarm. Ich habe mich aufgrund der vielen bunten Attraktionen nie gelangweilt, und wenn nicht gerade in der Hölle geredet wird, steht die Inszenierung kaum still, aber mitgerissen hat mich die Story leider gar nicht. 

    HERRSCHER DER HÖLLE wirkt so, als hätte man eine Tonne mit 80er-Jahre-Actionfiguren unterschiedlichster Franchise-Linien ausgeschüttet, um irgendwas mit ihnen zu erzählen. 
    Alles ist etwas zu überladen, aber es sieht immer ansprechend aus. 

    (Bjoern Candidus)

  • Ministry of Fear, 1944 – ★★★

    Ministry of Fear, 1944 – ★★★

    MINISTERIUM DER ANGST
    (MINISTRY OF FEAR, USA, 1944, Regie: Fritz Lang) 

    Während über England immer noch der Zweite Weltkrieg wütet, wird Stephen Neale aus der Psychiatrie entlassen, in der er zwei Jahre einsaß wegen Tötung auf Verlangen seiner schwer kranken Frau. Doch schnell gerät er in die nächsten Schwierigkeiten. Bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung der „Mothers of the Free Nations“, verrät ihm eine Wahrsagerin das Gewicht eines Kuchens, den er draußen an einem Stand gewinnen kann. Er gewinnt den Kuchen, doch damit fangen die Probleme an, denn der Kuchen war mitnichten für ihn bestimmt. 

    Fritz Langs Spionage-Thriller, der auf dem gleichnamigen Roman von Graham Greene basiert, startet direkt rein in das problematische Leben von Stephen Neal, der mitten in die Spionagepläne von Nazis gerät, die sich in England in den höchsten Kreisen bewegen. Ray Milland zu besetzen ist immer eine prächtige Idee. Milland ist ein toller Darsteller, dem ich gerne folge, und hier ist er als Stephen Neale erneut perfekt besetzt. Lang hält sich nicht lange auf und liefert in den ersten 30 Minuten spannende und atmosphärische Momente, wie z.B. eine Zugfahrt bei der man die Ankunft deutscher Bomber hört, die nicht lange zappeln, um ihre Bomben abzuwerfen oder eine Séance in der High Society, in der man schöne Kobra-Skulpturen an den Wänden entdecken kann. Die Form stimmt und die Fotografie von Henry Sharp ist überzeugend, doch ab der Mitte geht Lang die Puste aus und bis auf Stephen Neal findet sich eigentlich keine weitere interessante Figur. Die Story verwässert leider zusehends, was wohl auch Langs Problem war. Der war nämlich nach dem Lesen des Drehbuchs wenig begeistert, konnte aber nicht mehr aus dem Projekt aussteigen. 

    Nichtsdestotrotz ist MINISTERIUM DER ANGST ein solider Film Noir – Spionage-Thriller, der zumindest immer schön aussieht und allein wegen Ray Milland durchaus einen Blick wert ist. Auch wenn die zweite Filmhälfte deutlich abfällt, kommt hier zumindest nie Langeweile auf. 

    (Bjoern Candidus)