Autor: marco-fritz

  • Lone Wolf, 1988 – ★

    Lone Wolf, 1988 – ★

    LONE WOLF
    (USA, 1988, Regie: John Callas)

    An einer Highschool geht die Angst um. Ein Serienmörder reduziert fleißig die Schüler. Während die Polizei in Alarmbereitschaft ist und die Ermittlungen auf Hochtouren laufen, begeben sich auch die beiden Schüler Julie und Joel auf die Suche nach dem Täter.

    LONE WOLF entstammt aus den Untiefen der 80er-Jahre-DTV-Produktionen, und das kann John Callas Werwolf-Horrorfilm auch zu keiner Sekunde verbergen. Ich habe lange nicht mehr so viele unfähige Darsteller auf einem Haufen gehen, die sich gefühlt in jeder Minute im Bild befinden und sich dusselig von A nach B bewegen. Von ihren fürchterlichen Frisuren und Klamotten möchte ich gar nicht erst anfangen. Angetrieben werden sie immer wieder von der scheußlichen im Ort ansässigen Garagen-Heavy Metal Band Tyxe, deren Konzerte sie ständig beiwohnen, obwohl sie offensichtlich eher Popmusik hören. Zwischendurch gibt es immer mal eine Werwolf-Attacke an einem verschneiten Straßenabschnitt im Wald, die sich binnen weniger Sekunden erledigt hat. Der Werwolf ist dabei nur rudimentär zu sehen. Eine Verwandlung findet erst nach gut 75 Minuten statt, bei der man versucht hat AMERICAN WEREWOLF 1:1 zu kopieren, was natürlich nach hinten losgegangen ist, aber das versteht sich ja von selbst. Sieht man den Werwolf dann gänzlich, kam mir kurz THE HOWLING in den Sinn, bevor das Zottelvieh auch schon wieder in der Ödnis der Inszenierung verschwunden ist. Auch die wenigen Gore-Szenen können hier nichts mehr retten. 

    LONE WOLF ist ein stümperhafter Horrorfilm, der im Subgenre des Werwolffilms nicht mal eine Fußnote wert ist. 

    (Bjoern Candidus)

  • Bad Moon, 1996 – ★★

    Bad Moon, 1996 – ★★

    BAD MOON
    (USA, 1996, Regie: Eric Red)

    Der Journalist Ted Harrison und seine Frau werden auf einer Expedition durch Neapel von einem Werwolf angegriffen. Bei dem Angriff stirbt Teds Frau, während er den Werwolf töten und verletzt aus dem Dschungel entkommen kann. 
    Um wieder Boden unter den Füßen zu bekommen, quartiert er sich bei seiner Schwester Janet und deren Sohn Brett ein, die zwischen Bergen und Bäumen im Nordwesten der USA wohnen. Doch Ted bringt ein haariges Geheimnis mit: nachts verwandelt er sich in einen Werwolf. 

    Als Regisseur (COEN & TATE, 1988) und Autor (HITCHER, 1986 / NEAR DARK, 1987) konnte mich Eric Red stets überzeugen, aber BAD MOON krankt vor allem an der Story und den Figuren, bzw. Darstellern. Das Drehbuch stammt von Red, die Story basiert auf dem Roman „Thor“ von Wayne Smith. 

    Der Film startet mit einer sehr atmosphärischen und recht blutigen Pre-Titel-Sequenz. Es geht in den Dschungel von Neapel, wo Ted Harrison auf einen Werwolf stößt. Hier punktet der Film vor allem mit einem tollen Werwolf-Design, was stark an das aus THE HOWLING (1981) erinnert. Auch im späteren Verlauf ist die Präsentation des Werwolfs eins der wenigen Highlights. Die billigen CGI-Verwandlungs-Effekte der Kino-, bzw. Video-Fassung wurden von Red im Rahmen eines Director‘s Cut glücklicherweise weitesgehend entfernt. Am bedauerlichsten ist es, dass sich der Werwolf überhaupt zurückverwandeln kann, denn wenn er das tut, ist Michael Paré im Bilde. Michael Parés (MOON 44, 1990) Rolle als Ted verhält sich kaum nachvollziehbar bis dumm und lädt nicht eine Sekunde zum mitfiebern ein. Die Ausdruckslosigkeit von Paré erledigt dann den Rest. Auch Mariel Hemingway als Teds Schwester Janet hat mich bereits nach fünf Minuten genervt, was sich im Verlauf der Inszenierung aber etwas gelegt hat. Immerhin nimmt sich Red nicht mal 80 Minuten Zeit für seinen Film, und so kommt es kaum zu Längen. Außerdem hat Kameramann Jan Kiesser wirklich tolle Bilder fotografiert. Die Naturkulisse von BAD MOON ist beeindruckend, was man vom Inhalt leider nicht behaupten kann. 

    Rein visuell ist BAD MOON ein schönes 90er-Jahre-Werwolf-Horror-Relikt, dem aber durch die dämlichen Figuren und der dümmlichen Story großen Schaden zugefügt wird. 

    (Bjoern Candidus)

  • Survival of the Dead, 2009 – ★★½

    Survival of the Dead, 2009 – ★★½

    SURVIVAL OF THE DEAD
    (Kanada, USA, 2009, Regie: George A. Romero)

    Zwei verfeindete Familienclans leben auf einer nordamerikanischen Insel. Zwischen den O’Flynns und den Muldoons kommt es immer wieder zum Konflikt. Als eine Zombieseuche ausbricht, verhärten sich die Fronten, da beide Seiten eine unterschiedliche Auffassung über den Umgang mit den Untoten haben. Als sich eine kleine Gruppe Soldaten auf die Insel begibt, kommt es zum Krieg zwischen den Lebenden und den Lebenden und den Untoten.

    Statt einer konsequenten Weiterführung seiner DEAD-Filme, startete George A. Romero 2007 mit DIARY OF THE DEAD eine Art Reboot, welcher hier fortgesetzt wird. Beide Filme sind aber unabhängig zu betrachten und unterscheiden sich stilistisch komplett, da Romero die Found-Footage-Geschichte über Bord wirft und stattdessen eine Art Insel-Western-Zombiefilm liefert. Ein direktes Verbindungsglied gibt es aber tatsächlich zwischen den beiden Filmen: Alan Van Sprang, der hier wieder in die Rolle des Anführers der Nationalgarde schlüpft. Eine weitere bekannte Person aus Romeros Untoten-Universum ist Devon Bostick, der bereits eine Rolle in LAND OF THE DEAD (2005) hatte. 

    Auch in SURVIVAL OF THE DEAD versucht es Romero wieder, neue Ansätze ins Spiel zu bringen. Hier kommt es, wie schon in DAY OF THE DEAD (1985), zur der Überlegung, Zombies zu zähmen und wird ergänzt mit der Idee, sie mit tierischem Fleisch vom Menschenfleisch wegzubringen. Vertieft wird das Ganze allerdings nicht. Überhaupt erscheinen die Zombies hier ziemlich nebensächlich. Mehr Wert wird auf den Konflikt zwischen den unterschiedlichen Parteien der Lebenden gelegt, der bei Romero ohnehin omnipräsent ist. Auch für ein paar politische Seitenhiebe nimmt sich Romero Zeit. Das funktioniert hier auch wieder besser als in DIARY OF THE DEAD, der vor allem an den Figuren krankt, und auch an den Darstellern, die hier ebenfalls allesamt besser sind. Kenneth Welsh, Kathleen Munroe und der Rest ist durchaus annehmbar. Sie lassen die Unsympathen aus dem Vorgänger schnell vergessen. Etwas störend fand ich hingegen den Wortwitz der Soldaten, der immer wieder durchdringt, vor allem in der ersten Hälfte. 

    Das Insel-Setting mit den vielen herbstlichen Bäumen verbreitet eine tolle Atmosphäre und wirkt ziemlich erfrischend. Kameramann Adam Swica hat schöne Bilder fotografiert, die nur dann etwas ins Wanken geraten, wenn es um die Action, bzw. Gore-Szenen geht, in denen man leider wieder nicht ganz auf CGI-Effekte verzichten konnte. Insgesamt halten die sich aber in Grenzen, dennoch sollte man hier keine blutigen Highlight erwarten. In dem Punkt ist der Film leider sehr ausdruckslos.

    Im großen Ganzen ist SURVIVAL OF THE DEAD keine Offenbarung. Er bietet überschaubare Action, viel Gerede zwischen soliden Darstellern mit einer Prise Gesellschaftskritik und einer guten Atmosphäre. Romero hat solide Arbeit abgeliefert, die mich aber dennoch kalt gelassen hat. 

    (Bjoern Candidus)

  • Satan’s Little Helper, 2004 – ★★½

    Satan’s Little Helper, 2004 – ★★½

    SATAN‘S LITTLE HELPER
    (USA, 2004, Regie: Jeff Lieberman)

    Douglas, ein kleiner Junge, der ein großer Fan des Videospiels „Satan‘s Little Helper“ ist, läuft an Halloween seinem Idol, dem Satan, über den Weg. Dieser zieht gerade mordend durch die Nachbarschaft. Douglas bietet dem Herrn der Fliegen seine Hilfe an, die er auch annimmt. Und so zieht Douglas mit dem Satan durch Gegend, ohne sich über die mörderischen Tatsachen bewusst zu sein, die er unterstützt. 

    Nach dem Tier-Horrorfilm SQUIRM (1976), dem Drogen-Horrorfilm BLUE SUNSHINE (1977) und dem Backwood-Horrorfilm JUST BEFORE DAWN (1981) dauerte es gut 23 Jahre, bis Jeff Lieberman ein letztes zum Genre zurückkehrte. 

    Was in SATAN‘S LITTLE HELPER als erstes negativ auffällt: der Digitallook, der alles vermissen lässt, was Liebermans Filme sonst ausmachen. Der Film sieht billig aus, und ja, mit 650.000$ war er auch nicht teuer, bedenkt man das Entstehungsjahr. Ich konnte mich nur schwer an den Digital-Look gewöhnen, aber zumindest hat man durch die Halloween-Dekorationen eine ganz gut Atmosphäre geschaffen. Ein bisschen Haddonfield-Vibes konnte Lieberman durchaus erzeugen. Doch letztlich steht und fällt hier alles mit der absurden Geschichte. Ein kleiner Junge, der ziemlich unangenehm von Alexander Brickel dargestellt wird, stößt auf den Satan. Dieser präsentiert sich im übrigen mit einer Gummimaske, die einen Satan darstellen soll. Dazu trägt er einen dunklen Mantel und Gummikrallenhandschuhe. Schön günstig und so simpel, dass es mir wieder gefallen hat. Sehr angenehm ist es auch, dass Satan kein Wort spricht, aber dafür hat man ja den Rotzlöffel Douglas, der mit rotem Teufelscape neben ihm herläuft. 
    Ein sonderbares Paar, ein sonderbarer Film. Ebenso sonderbar ist das Mitwirken von Amanda Plummer, die ich grundsätzlich gerne sehe, aber in dieser B-Produktion eigentlich nichts verloren hat. Aber immerhin macht sie das, was sie meistens tut: eine Durchgeknallte spielen. Hier ist sie die Mutter von Douglas, die zum Opfer des Satans wird. 

    Erstaunlich grob ist die Gewalt ausgefallen. Der Film ist zwar nicht besonders blutig, aber die Gewaltakte richten sich z.B. gegen eine Oma, gegen eine Schwangere, gegen ein Kind im Kinderwagen und gegen eine Katze. Es wird auf sehr unterschiedliche Art und Weise getötet. Langeweile kommt nicht auf, obwohl sich Lieberman Ruhe und Zeit lässt für seine Inszenierung. Hin und wieder schafft er sogar Ansätze von Spannung zu erzeugen, die aber schnell wieder in sich zusammenfällt. 

    SATAN‘S LITTLE HELPER wirkt wie ein verfilmter Comic, der irgendwie lustig sein will, es aber nicht ist. Er funktioniert am besten als grotesker Slasher, der gnädigerweise zu Halloween spielt. Ich weiß nicht mal selbst, ob ich den Film mag oder nicht.

    (Bjoern Candidus)

  • Exposé, 1976 – ★★★

    Exposé, 1976 – ★★★

    HOUSE ON STRAW HILL 
    (EXPOSÉ, GB, 1976, Regie: James Kenelm Clarke)

    Der menschenscheue Autor Paul Martin möchte auf dem Land seinen aktuellen Roman beenden. Dafür braucht er eine Sekretärin, die er in Linda findet. Linda erfüllt nicht nur den Zweck als Sekretärin, sondern hat auch eine sexuelle Anziehungskraft auf Paul. Dann beginnt die Stimmung auf dem Land zu eskalieren. 

    James Kenelm Clarkes Film startet spannend und atmosphärisch. Schnell darf man sich von Steve Grays abwechslungsreichem Score überzeugen, der mal melancholisch, mal unheimlich oder experimentell klingt. Clarkes Inszenierung ist schleichend, etwas sperrig und manchmal auch zäh. Udo Kier ist als unnahbarer, psychisch auffälliger Schriftsteller Paul Martin eine glänzende Wahl gewesen. Wunderbar besetzt ist auch Linda Hayden als seine Sekretärin Linda Hindstatt. Die Spannungen zwischen den beiden überzeugt. Und wenn noch Fiona Richmond dazu stößt, wird auch noch gevögelt. Ursprünglich hatte HOUSE ON STRAW HILL eine Länge von fast zwei Stunden, in denen es sehr viel mehr Softsex-Szenen gegeben hat, die aber Seitens des Verleihs entfernt wurden. Eine gute Idee, wie ich finde, denn der Film bietet so schon genug Sex, den er im Grunde überhaupt nicht benötigt hätte. Zum Ausgleich liefert Clarke aber auch einige blutige und harte Szenen, die schön grob ausgefallen sind, zudem eine seltsam emotionslose Vergewaltigung. 

    HOUSE ON STRAW HILL kombiniert Home Invasion- und Rape-and-Revenge-Motive und erinnert durch seinen britischen Schauplatz, seiner bedrückenden Atmosphäre und Garstigkeit etwas an das Kino von Pete Walker. Leider ist die Story nicht besonders schlau und die Auflösung am Ende wenig überzeugend. Dennoch sei Clarkes Film Freunden von Udo Kier und dem britischen Exploitation-Kino der 1970er-Jahre empfohlen.  

    (Bjoern Candidus)

  • Evil Dead Rise, 2023 – ★★★

    Evil Dead Rise, 2023 – ★★★

    EVIL DEAD RISE
    (USA, 2023, Regie: Lee Cronin)

    Die schwangere Beth besucht ihre Schwester Ellie, die mit ihren drei Kindern in einem versifften Hochhaus wohnt. Als es am Abend zu einem Erdbeben kommt, wird im Parkhaus eine geheime Kammer freigelegt, die Ellies Sohn Danny betritt. Dort stößt er auf ein geheimnisvolles Buch und Schallplatten. Er nimmt seinen Fund mit nach oben und erweckt damit eine dämonische Macht, die Besitz von seiner Mutter ergreift. 

    Hat man die überflüssige Pre-Titel-Sequenz, die nichts Gutes erahnen lässt, aber immerhin geschickt noch mal aufgegriffen wird, hinter sich gelassen, schlägt der Film einen anderen Ton an. Besonders der Ort der Handlung weiß zu überzeugen, denn man befindet sich in Los Angeles, genauer: in einem heruntergekommenen Hochhaus. Im Grunde ein simples Mittel, was eine große Wirkung erzielt, zumindest im Rahmen der Reihe, denn es sorgt für Abwechslung, zudem werden Erinnerungen an SHIVERS (1975), DEMONI 2 (1986) oder POLTERGEIST 3 (1988) geweckt. Hatte sich Fede Alvarez mit seinem EVIL DEAD (2013) noch stark an Sam Raimis Original gehalten, versucht es Regisseur Lee Cronin also mit ein bisschen Frische. Die Fotografie von Tim Philo (EVIL DEAD, 1981 / EVIL DEAD 2, 1987) ist ordentlich und geizt nicht mit verspielten Blickwinkeln und Perspektiven. Die Atmosphäre auf dem Flur ist dicht, ebenso in der Wohnung der Familie, um die es hier geht. Auch in dem Familien-Punkt weicht der Film innerhalb seines Franchise ab. Endlich mal keine Freunde, die in den Wald fahren. Außerdem macht die zeittypisch gezeichnete Familie sogar mal einen sympathischen Eindruck, was heute zur Seltenheit verkommt. Alyssa Sutherland, Lilly Sullivan, Morgan Davies, Gabrielle Echols und Nell Fisher passen gut ins Geschehen. Keiner nervt, und die Dämonen-Performance von Alyssa Sutherland kann sich wirklich sehen lassen. Mit den Gore-Szenen werden keine Grenzen erreicht, schon gar nicht überschritten, aber das sollte auch nicht zwangsläufig das Ziel sein, auch nicht in diesem Franchise. Aber Grenzen sind ohnehin bei jedem anders gesteckt. Man darf sich trotzdem auf einige sehr blutige und harte Momente freuen, die allerdings meistens viel zu schnell serviert werden, um eine richtige Wirkung zu entfalten. Auch wenn heute (gefühlt) mehr möglich ist in Sachen Gewalt, ziehe ich auch in diesem Punkt das 70er-90er-Jahre-Horrorkino vor. Gerade die groben Effekte, die sich auch hin und wieder selbst verraten, erzeugen bei mir mehr Unwohlsein als der sterile Ruckzuck-Splatter von Heute, der im schlimmsten Fall auch noch komplett am Rechner entsteht. Hier gibt es viele praktische Effekte, literweise Kunstblut oder es wird mit CGI-Effekten kombiniert. Dabei hilft auch die gute Ausleuchtung, um die Effekte etwas zu kaschieren. Wie heute nicht unüblich bei Remakes oder Reboots, wird gerne mit Zitaten oder Verweisen aus Vorgängerfilmen herumgeworfen. Es gibt dezente Verweise an den Originalfilm, aber die halten sich im Rahmen und sind längst nicht so penetrant wie z.B. in den neuen HALLOWEEN – Filmen. Was mir auf jeden Fall etwas zu kurz gekommen ist, ist der mythologische Aspekt. Unter dem Hochhaus befindet sich eine geheime, sehr schön gestaltete Kammer eines Priesters, in der das Necronomicon und seine Aufzeichnungen aufbewahrt werden. Man wird Zeuge dieses „neuen“ Necronomicons, doch irgendwie verkommt es im Verlauf des Films etwas zur Nebensache. Ebenso fehlt der Dolch, dem zumindest eine skurrile Alternative spendiert wird. Ein bisschen mehr EVIL DEAD – Mythos hätte gutgetan. Zu loben sei noch, dass sich der Film ernst nimmt, auch wenn die dämonische Besessenheit von Ellie natürlich einen garstigen Humor mitbringt, der manchmal etwas nervt. Ein Mischung aus Linda und Cheryl aus EVIL DEAD (1981) drängt sich dennoch positiv auf. Und bei all dem Irrsinn, Blut und Gekröse schafft es Lee Cronin sogar hin und wieder Spannung zu erzeugen, obwohl er sich kaum Zeit lässt, den Dämon von der Leine zu lassen. Abgerundet wird das Ganze von einem stimmungsvollen Score von Stephen McKeon. 

    EVIL DEAD RISE ist ein recht ausgewogener Dämonen-Horrorfilm, der Spannung, Atmosphäre und Gore bietet und so die kleineren Probleme weitestgehend kaschieren kann. Modern und klassisch zugleich, aber nichts Besonders. 

    (Bjoern Candidus)

  • Doomwatch, 1972 – ★★★★

    Doomwatch, 1972 – ★★★★

    DOOMWATCH
    (GB, 1972, Regie: Peter Sasdy)

    Dr. Dell Shaw, Mitglied der Umweltschutzbehörde Doomwatch, reist auf die Insel Belf bei Cornwell. Dort soll er routinemäßig Wasserproben entnehmen. Die Inselbewohner sind alles andere als herzlich, was Dr. Shaw schnell durch Ablehnung zu spüren bekommt. Dann kommt es Schlag auf Schlag: Er findet eine Kinderleiche im Wald, die wenig später spurlos verschwindet und bekommt von seinem Institut die Nachricht, dass sich im Wasser Wachstumshormone befinden. Ein Kollege reist an, der einen Tauchgang in einer Sperrzone der Royal Navy macht. Er findet Fässer, die teilweise mit radioaktiven Abfall gefüllt sind. Doch dort unten lagert scheinbar noch ein anderer Stoff, der in Kombination verheerende Auswirkungen auf Mensch und Tier hat.  

    Die britische Filmschmiede Tigon war immer wieder für Überraschungen gut. Dort entstanden Perlen wie DER HEXENJÄGER (1968), IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS (1971), IM BANNE DES DOKTOR MONSERAT (1967) oder eben DOOMWATCH. Peter Sasdy (WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA?, 1970, COMETESS DES GRAUENS (1971) hat hier einen Spin-off-Film zur gleichnamigen TV-Serie, die zwischen 1970 und 1972 auf BBC 1 lief, gedreht. Die Serie über einen Wissenschaftler der Regierungsbehörde Doomwatch, der sich um ökologische und technologische Gefahren kümmert, brachte es auf 38 Folgen. Und so startet man bereits in der Credits-Sequenz mit einer Öl-Katastrophe an einer Küste, die erst mal die Laune senkt, aber zeigt, dass man es hier möglicherweise mit einem Öko-Thriller zu tun hat. Auch wenn der Film durch sein Poster-Artwork erst mal nach einem Horrorfilm schreit, bewegt man sich eher im Rahmen eines Wissenschafts-Öko-Katastrophen-Dramas mit Horror- und Thriller-Elementen, die geschickt platziert sind. Die nasskalte Insel mit den griesgrämigen Bewohnern sorgt für eine unheimliche Atmosphäre. Abgeschieden sein vom Festland. Gefangen sein in einer Welt in einer Welt. Robin Hardy brachte das ein Jahr später mit THE WICKER MAN auf den Punkt. Nicht nur durch die Fischerdorf-Kulisse, der Küste und der ausladenden Aura des Ortes wird auch ein H. P. Lovecraft schnell auf den Plan gerufen. Denn wenn wir das Ausmaß der Veränderungen (im Film spricht man von Akromegalie) durch das Gift, um was es hier geht, sehen, bringt einen das schnell zu Lovecrafts Geschichte THE COLOR OUT OF SPACE, nur mit dem Unterschied, dass das Problem hier nicht außerirdisch ist. Der Feind ist, wie so oft, der Mensch und seine Dummheit. Wenn hier ein riesiger Fisch aus dem Wasser gezogen wird, ist man sogar David Seltzers und John Frankenheimers PROPHEZEIHUNG (1979) voraus, die sich im Grunde dem gleichen Thema annahmen. Aber DOOMWATCH macht das Rennen. Mit Ian Bannen und Judy Geeson sind zwei fähige Darsteller an Bord. Ich war sehr überrascht, dass mir Ian Bannen, im Gegensatz zu seiner Rolle in DIE FRATZE (1971), auch mal keine Angst machen kann. Für die passende musikalische Untermalung zeigte sich John Scott verantwortlich.

    DOOMWATCH ist ein spannender, gut erzählter Film, der sehr geschickt sämtliche Genres mischt und dadurch sehr facettenreich wird. 

    (Bjoern Candidus)

  • 88. The Mangler (1995)

    88. The Mangler (1995)

    THE MANGLER

    USA, 1995

    Regie: Tobe Hooper

    Stephen King ist zurück in der Traumstadt!

    Diesmal besprechen Bjoern Candidus und Patrick Müller THE MANGLER, der auf der gleichnamigen Stephen King Kurzgeschichte basiert. Regie führte Tobe Hooper, und unter den Darstellern finden sich Robert Englund und Ted Levine.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • House IV, 1992 – ★

    House IV, 1992 – ★

    HOUSE 4
    (USA, 1992, Regie: Lewis Abernathy)

    Nach dem Unfalltod ihres Mannes Robert zieht Kelly mit Tochter Laurel, die seit dem Verkehrsunfall in einem Rollstuhl sitzt, in das Haus, was ihr Mann von seinem Großvater geerbt hat. Doch Roberts Halbbruder Burke will das Haus in seine Hände bekommen, und er lässt nichts unversucht, es auch zu bekommen. Doch im Haus leben Geister, die das verhindern wollen. 

    Der Boden ist erreicht. Nach dem HOUSE und HOUSE 2 ordentliche Horror-Komödien wurden, ging es mit HOUSE 3, der eine völlig andere Richtung eingeschlagen hat, schon deutlich abwärts. Doch HOUSE 4 zerschellt förmlich, wenn er nach über 90 Minuten freiem Fall endlich den Boden erreicht hat. 

    Wieder von Sean S. Cunningham produziert, führte diesmal Lewis Abernathy Regie, der offensichtlich, samt der zahlreichen Hände, die an der Story involviert waren, mit allem überfordert war. Schon die Idee, William Katt aus dem ersten HOUSE für eine kurze Szene am Anfang (und Ende) zurückzuholen, ist purer Unfug. Er spielt nämlich wieder Robert Cobb, der diesmal ein anderes Haus erbt, eine andere Frau und plötzlich eine Tochter statt einen Sohn hat. Immerhin scheidet er schnell aus dem Leben, denn es soll schließlich um seine Frau Kelly (Terri Treas) und Laurel (Melissa Clayton) gehen, die in ein Spukhaus ziehen, in dem es nach gut 40 Minuten Spielzeit auch mal kurz spuken darf. Es gibt ein Pizzagesicht (NIGHTMARE ON ELM STREET 4 lässt grüßen), und einmal bekommt Kelly eine Blutdusche ab. Ansonsten hält sich die Inszenierung nämlich vor allem mit vielen öden, aber vor allem lächerlichen Figuren auf, die alles zu einem ungenießbaren Brei werden lassen. Es gibt einen total langweiligen Indianer (hier werden Erinnerungen an POLTERGEIST 2 wach) und den nervigen (Halb-) Bruder von Robert und seine Handlanger. Und natürlich das Mutter-/ Tochter-Duo, das an Langeweile und Ausdruckslosigkeit kaum zu übertreffen ist. Selbst die Klänge von Herry Manfredini stehen auf Ödnis. Der skurrile Humor, den zumindest die ersten beiden Teile mitbrachten, verkommt hier zu nervigem Quatsch. 

    HOUSE 4 ist das traurige Ende eines durchaus fantasievollen Franchise, was sich vor allem durch kreative Monster und Effekte auszeichnet, von denen in Abernathys Teil nicht mehr viel von zu sehen ist. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Horror Show, 1989 – ★★

    The Horror Show, 1989 – ★★

    HORROR HOUSE – HOUSE 3 
    (THE HORROR SHOW, USA, 1989, Regie: James Isaac)

    Nachdem der Serienmörder Max Jenke von Detective Lukas McCarty gestellt wurde, wartet der elektrische Stuhl auf ihn. Doch die Hinrichtung kann seine böse Seele nicht vernichten. Jenke sucht McCarty und seine Familie auf, um sich zu rächen. Doch niemand glaubt McCarty, der plötzlich selbst unter Mordverdacht gerät. 

    Es geht abwärts! Nach den beiden gelungenen Vorgängerfilmen, ändert der dritte Teil deutlich seinen Ton. Die humorvollen Zeiten sind vorbei; HORROR HOUSE – HOUSE 3 ist ein waschechter Horrorfilm geworden, und leider kein besonders guter. Die Regie übernahm diesmal James Isaac (JASON X, 2001), nachdem man David Blyth kurz nach dem Drehbeginn feuerte. 

    Ursprünglich wurde der Film als HOUSE 3 konzipiert und erneut von Sean S. Cunningham produziert, doch der neue Verleih, MGM, wollte sich von der alten Reihe lösen und einen neuen Bösewicht etablieren, was auch den Titel THE HORROR SHOW erklärt. Mit Brion James als Max Janke hat das nicht funktioniert, obwohl er das Potential gehabt hätte. Aber sein Schauspiel ist zu überzogen und lädt eher zum fremdschämen ein. Janke ist eine Mischung aus Freddy Krueger und Horace Pinker aus Wes Cravens SHOCKER, der ebenfalls aus dem Jahr 1989 stammt, aber ein paar Monate vorher ins Kino kam. Inhaltlich gibt es auffällige Parallele. In beiden Filmen gelingt dem Killer, nach seiner Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl, Rache zu nehmen. Ein ähnliches Fass hat bereits Renny Harlin 1987 mit PRISON geöffnet. Ähnliches lieferte 1990 auch Claudio Fragasso mit LA CASA 5, der hier als HORROR HOUSE 2 vermarktet wurde und Robert Resnikoff mit PENTAGRAMM – DIE MACHT DES BÖSEN. 

    Wie HOUSE und HOUSE 2 krankt auch HOUSE 3 an den Darstellern. Obwohl mir Lance Henriksen grundsätzlich immer willkommen ist, bewegt er sich hier ständig im Grenzbereich zwischen gut und schlecht. Wahrscheinlich ist all das nur dem schlechten Drehbuch von Leslie Bohem und Allyn Warner geschuldet. Letzterer hat sogar seinen Namen herausgenommen und durch das beliebte Alan Smithee – Pseudonym ersetzen lassen. Auch der Rest der Familie McCarty, die von Rita Taggert, Dedee Pfeiffer und Aron Eisenberg verkörpert wird, ist blass und austauschbar. 

    Aber HOUSE 3 hat auch ein paar positive Seiten. Die düstere Atmosphäre ist durchaus gelungen und unterstützt die wenigen spannenden Momente. Der durchaus wirksame Score stammt ein weiteres Mal von Harry Manfredini. Das Haus selbst verkommt hier zur völligen Nebensache, was sehr schade ist, aber auch nicht zur Story gepasst hätte. Die fantasievollen Kreaturen, die die ersten beiden Teile der Reihe ausgezeichnet haben, bleiben hier weitestgehend fern, abgesehen von einem fiesen Thruthahn mit Jankes Gesicht. Vielmehr konzentrierte man sich auf die recht ruppigen Gore-Effekten, mit denen der Film bereits beginnt. Visionen und Alpträume, die man in der Reihe durchaus kennt, sind auch hier anzutreffen, können aber nur selten überzeugen. 

    HOUSE 3 ist ein halbgarer Horrorfilm mit einem lächerlichen Killer und wackeligen Darstellern, der sich lediglich mit ein bisschen Blut, Atmosphäre und Spannung über Wasser halten kann. 

    (Bjoern Candidus)