EVIL DEAD RISE
(USA, 2023, Regie: Lee Cronin)
Die schwangere Beth besucht ihre Schwester Ellie, die mit ihren drei Kindern in einem versifften Hochhaus wohnt. Als es am Abend zu einem Erdbeben kommt, wird im Parkhaus eine geheime Kammer freigelegt, die Ellies Sohn Danny betritt. Dort stößt er auf ein geheimnisvolles Buch und Schallplatten. Er nimmt seinen Fund mit nach oben und erweckt damit eine dämonische Macht, die Besitz von seiner Mutter ergreift.
Hat man die überflüssige Pre-Titel-Sequenz, die nichts Gutes erahnen lässt, aber immerhin geschickt noch mal aufgegriffen wird, hinter sich gelassen, schlägt der Film einen anderen Ton an. Besonders der Ort der Handlung weiß zu überzeugen, denn man befindet sich in Los Angeles, genauer: in einem heruntergekommenen Hochhaus. Im Grunde ein simples Mittel, was eine große Wirkung erzielt, zumindest im Rahmen der Reihe, denn es sorgt für Abwechslung, zudem werden Erinnerungen an SHIVERS (1975), DEMONI 2 (1986) oder POLTERGEIST 3 (1988) geweckt. Hatte sich Fede Alvarez mit seinem EVIL DEAD (2013) noch stark an Sam Raimis Original gehalten, versucht es Regisseur Lee Cronin also mit ein bisschen Frische. Die Fotografie von Tim Philo (EVIL DEAD, 1981 / EVIL DEAD 2, 1987) ist ordentlich und geizt nicht mit verspielten Blickwinkeln und Perspektiven. Die Atmosphäre auf dem Flur ist dicht, ebenso in der Wohnung der Familie, um die es hier geht. Auch in dem Familien-Punkt weicht der Film innerhalb seines Franchise ab. Endlich mal keine Freunde, die in den Wald fahren. Außerdem macht die zeittypisch gezeichnete Familie sogar mal einen sympathischen Eindruck, was heute zur Seltenheit verkommt. Alyssa Sutherland, Lilly Sullivan, Morgan Davies, Gabrielle Echols und Nell Fisher passen gut ins Geschehen. Keiner nervt, und die Dämonen-Performance von Alyssa Sutherland kann sich wirklich sehen lassen. Mit den Gore-Szenen werden keine Grenzen erreicht, schon gar nicht überschritten, aber das sollte auch nicht zwangsläufig das Ziel sein, auch nicht in diesem Franchise. Aber Grenzen sind ohnehin bei jedem anders gesteckt. Man darf sich trotzdem auf einige sehr blutige und harte Momente freuen, die allerdings meistens viel zu schnell serviert werden, um eine richtige Wirkung zu entfalten. Auch wenn heute (gefühlt) mehr möglich ist in Sachen Gewalt, ziehe ich auch in diesem Punkt das 70er-90er-Jahre-Horrorkino vor. Gerade die groben Effekte, die sich auch hin und wieder selbst verraten, erzeugen bei mir mehr Unwohlsein als der sterile Ruckzuck-Splatter von Heute, der im schlimmsten Fall auch noch komplett am Rechner entsteht. Hier gibt es viele praktische Effekte, literweise Kunstblut oder es wird mit CGI-Effekten kombiniert. Dabei hilft auch die gute Ausleuchtung, um die Effekte etwas zu kaschieren. Wie heute nicht unüblich bei Remakes oder Reboots, wird gerne mit Zitaten oder Verweisen aus Vorgängerfilmen herumgeworfen. Es gibt dezente Verweise an den Originalfilm, aber die halten sich im Rahmen und sind längst nicht so penetrant wie z.B. in den neuen HALLOWEEN – Filmen. Was mir auf jeden Fall etwas zu kurz gekommen ist, ist der mythologische Aspekt. Unter dem Hochhaus befindet sich eine geheime, sehr schön gestaltete Kammer eines Priesters, in der das Necronomicon und seine Aufzeichnungen aufbewahrt werden. Man wird Zeuge dieses „neuen“ Necronomicons, doch irgendwie verkommt es im Verlauf des Films etwas zur Nebensache. Ebenso fehlt der Dolch, dem zumindest eine skurrile Alternative spendiert wird. Ein bisschen mehr EVIL DEAD – Mythos hätte gutgetan. Zu loben sei noch, dass sich der Film ernst nimmt, auch wenn die dämonische Besessenheit von Ellie natürlich einen garstigen Humor mitbringt, der manchmal etwas nervt. Ein Mischung aus Linda und Cheryl aus EVIL DEAD (1981) drängt sich dennoch positiv auf. Und bei all dem Irrsinn, Blut und Gekröse schafft es Lee Cronin sogar hin und wieder Spannung zu erzeugen, obwohl er sich kaum Zeit lässt, den Dämon von der Leine zu lassen. Abgerundet wird das Ganze von einem stimmungsvollen Score von Stephen McKeon.
EVIL DEAD RISE ist ein recht ausgewogener Dämonen-Horrorfilm, der Spannung, Atmosphäre und Gore bietet und so die kleineren Probleme weitestgehend kaschieren kann. Modern und klassisch zugleich, aber nichts Besonders.
(Bjoern Candidus)