Autor: marco-fritz

  • The Evil Below, 1989 – ★

    The Evil Below, 1989 – ★

    THE EVIL BELOW 
    (USA, 1989, Regie: Jean-Claude Dubois, Wayne Crawford)

    Sarah und Max haben ein gemeinsames Ziel: sie wollen das Wrack der versunkenen „El Diabolo“ finden, um das Gold zu bergen, was sich darauf befinden soll. Doch das Wrack birgt nichts Gutes. Immer wieder werden Taucher tot an der Küste angespült. Kein Grund, das Vorhaben an den Nagel zu hängen. Doch auch andere Leute sind interessiert an dem Schatz und haben die beiden auf dem Schirm.

    Wayne Crawford wollte nach BARRACUDA (1978) noch mal ins Wasser. Wie in BARRACUDA führte er nur Regie bei den Unterwasser-Szenen, während sich hier Jean-Claude Dubois als Haupt-Regisseur verantwortlich zeigte. Was sich Wayne Crawford auch nicht nehmen lassen wollte: Erneut in die Rolle des Hauptdarstellers zu schlüpfen und diesmal wie der heruntergekommene Bruder von Chuck Norris auszusehen. Und ja, er ist auch hier keinen Zentimeter sympathischer. Langweilig, hölzern und frei von Können ist auch der Rest der Bande, und auch June Chadwick (V, 1984) reißt hier nichts raus. 

    Leider schafft THE EVIL BELOW auch in anderen Bereichen keinen Ausgleich zu liefern. Die Story ist platt und die Qualität ist auf dem Niveau einer drittklassigen TV-Produktion. Atmosphäre, Spannung, Action… alles steht auf Minus. Eigentlich schade, wo man sich doch mit Themen schmückt, die auch die Welten eines William Hope Hodgson, H. P. Lovecrafts, dem Geisterschiff „Mary Celeste“ oder THE FOG (1980) streifen. 

    THE EVIL BELOW ist ein öder Abenteuer-Actionfilm mit leichtem Horror-Einschlag, der vollends baden geht. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Deep Dark, 2023 – ★★½

    The Deep Dark, 2023 – ★★½

    THE DEEP DARK
    (GUEULES NOIRES, Frankreich, 2023, Regie: Mathieu Turi)

    Im Jahre 1956 begibt sich eine Gruppe Bergarbeiter mit Begleitung eines Professors in Nordfrankreich unter Tage, um Gesteinsproben zu sammeln. Als es zu einem Erdrutsch kommt, wird der Eingang zur Grube verschüttet. Als sie nach einem Ausweg suchen, stoßen sie auf eine geheimnisvolle Schatzkammer und zahlreiche menschliche Skelette. Doch damit nicht genug: in den finsteren Höhlengängen lauert eine schreckliche Kreatur, die es auf die Bergarbeiter abgesehen hat.

    Mathieu Turi wandelt mit THE DEEP DARK auf den Spuren von Scotts ALIEN (1979), Neil Marshalls THE DECENT (2005) und liebäugelt offensichtlich mit dem Lovecraft-Universum. Kann man machen. 

    Rein visuell ist der französischen Produktion überhaupt nichts vorzuwerfen. Gedreht wurde in Nordfrankreich und in Marokko. Die finsteren Höhlengänge sind also echt und konnten bei mir auch anfänglich ein Gefühl von Klaustrophobie wecken, was allerdings nicht lange anhielt. Das Gerede der Kumpels sorgt schnell und lange dafür, dass die Atmosphäre heruntergeschraubt wird und durch Ödnis ersetzt wird. Auch wenn mich die Figuren absolut kalt gelassen haben, sind die Darsteller zumindest solide, ebenso der Score von Olivier Derivière.

    Filme wie beispielsweise DER WEISSE HAI (1975) leben (mitunter) davon, dass das Monster lange Zeit nicht zu sehen ist. Während Spielberg jede Minute nutzt, um eine packende Geschichte zu erzählen, muss man sich bei THE DEEP DARK gut 50 Minuten gedulden, bis das Monster zu sehen ist. Hier hätte man gut 20 Minuten herausblasen und immer noch alles unter einen Hut bringen können. Natürlich ist es dankeswert, sich auch auf die Figuren zu konzentrieren, aber diese wirken, wie in vielen anderen ähnlichen Konstellationen, wie Abziehbilder. Da gibt es den Aggressiven, den Intelligenten, den Starken und einen neunmalklugen Professor. Immerhin wurde ich dann mit der Kreatur befriedigt. Hier hat man weitesgehend auf CGI-Effekte verzichtet und präsentiert einen Darsteller im Kostüm oder ein animatronisches Modell, was ziemlich bizarr aussieht. In den wenigen Momenten, in denen diese Kreatur zum Einsatz kommt, hat mich Turi am meisten überzeugt. Das Mysterium um das Wesen, seine Herkunft usw. funktioniert ganz gut, und hier wird die Nähe zu H. P. Lovecraft natürlich überdeutlich. 

    Leider sind die starken Momente des Films in der Unterzahl. Alles, was man hier sieht, hat man an anderer Stelle oft schon besser gesehen, wie zum Beispiel in dem bereits erwähnten THE DECENT. Nur ist es dort fast umgekehrt, denn wenn Marshall seine Monster aus dem Hut zaubert, verliert der Film an Kraft, die er vorher mit seinen (ausschließlich) weiblichen Figuren und ihrer brenzlichen Situation aufbaut. 

    THE DEEP DARK ist ein durchschnittlicher Horrorfilm nach gängigem Muster, der ein bizarres Monster mit interessantem Hintergrund liefert, aber sonst nichts, was mich beeindrucken konnte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Cast a Deadly Spell, 1991 – ★★★★

    Cast a Deadly Spell, 1991 – ★★★★

    HEXENJAGD IN L.A.
    (CAST A DEADLY SPELL, USA, 1991, Regie: Martin Campbell)

    Der Privatdetektiv Harry Philip Lovecraft soll für den gutbetuchten Amos Hackshaw das Necronomicon finden. Doch auch der Gangsterboss Harry Bordon ist hinter dem Buch her. Lovecraft muss sich aber nicht nur gegen ihn und seine Männer zu Wehr setzen, sondern auch gegen einen dämonischen Wasserspeier. 

    Lovecraft mit Humor. Kann das funktionieren? Schwer vorzustellen, aber dennoch möglich, wie Regisseur Martin Campbell (FLUCHT AUS ABSALOM, 1994) in diesem bunten Fantasy-Horror-Noir-Krimi-Komödien-Mix beweist. Auch wenn man den Film durchaus als Parodie verstehen kann, trifft es liebevolle Hommage mit humoresker Ummantelung wohl besser. Man macht sich nicht über das HPL-Universum lustig, sondern präsentiert es auf skurrile und humorvolle Art, auch wenn man sich in der Darstellung der Monster eher freie Hand lässt. Es gibt tolle Monster-Animatronics, ein paar schöne Gore-Effekte (z.B. wenn jemand von Geldscheinen zu Tode geschnitten wird), comicartige Farben (auch an Bava musste ich denken), die sich mit dem 40er-Setting erstaunlich gut vertragen. Die Atmosphäre ist insgesamt sehr dicht, die auch der Jazz-Score zusätzlich befeuert. Es mangelt etwas an Spannung, aber das gleicht der Film mit Action und Ideenreichtum aus. Besonders gut hat mir die Idee mit der alternativen Realität der 1940er-Jahre gefallen, in der es völlig selbstverständlich ist, Zauber und Magie zu nutzen. Zu diesem Universum gehören natürlich auch gute Darsteller, und die bekommt man gleich dazu geliefert. Mit Fred Ward (als HPL), David Warner, Julianne Moore und Clancy Brown hat man alles richtig gemacht. Auch wenn Ward keine Ähnlichkeit mit Lovecraft aufweist, liefert er dennoch eine schöne Performance eines Privatdetektiven ab.

    Neben den vielen kleinen HPL-Verweisen denkt man sogar an Ray Bradbury und serviert hier einen Detektiv Bradbury. Regisseur Martin Campbell und Drehbuchautor Joseph Dougherty hatten offensichtlich viel Liebe für das Genre übrig. Es wundert mich etwas, dass der Film so unbekannt ist, was aber möglicherweise auch daran liegt, dass es sich um eine TV-Produktion handelt. Immerhin legte Paul Schrader mit MAGIC MURDER (1994) sogar eine Fortsetzung nach, in der diesmal Dennis Hopper in die Rolle von HPL schlüpfen durfte. 

    HEXENJAGD IN L.A. ist ein sehr unterhaltsamer, charmanter und qualitativer Film, in dem es viel zu entdecken gibt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Rituals, 1977 – ★★★★★

    Rituals, 1977 – ★★★★★

    RITUALS*
    (Kanada, 1977, Regie: Peter Carter) 

    Wie in jedem Jahr machen die fünf Ärzte Harry, Mitzi, Martin, Abel und D.J. Urlaub in der Abgeschiedenheit der Natur. Anfänglich läuft alles nach Plan, aber als sie morgens aus ihren Zelten kriechen, sind ihre Schuhe verschwunden. Was sie anfänglich noch für einen Scherz halten, wird bald bitterer Ernst, denn jemand fremdes provoziert einen Bienenangriff, der einen der Ärzte schwer verletzt. 

    Peter Carter hat mit RITUALS einen packenden Abenteuer-Backwood-Survival-Horror-Thriller abgeliefert, der in der Tradition von DELIVERANCE (1972) und TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) steht, ohne sie einfältig zu kopieren. 

    Bereits von Anfang an fühlte ich mich wohl bei den fünf Herren, die im Herbst ihres Lebens stehen und sich fernab vom Teenager-Sumpf jener Tage bewegen. Freundschaftliche und giftige Sprüche wechseln sich ab und schaffen ein authentisches Bild einer Männerfreundschaft. Mit Hal Holbrook, Lawrence Dane, Robin Gammell, Ken James und Gary Reineke wir hier ein tolles Ensemble geliefert, was zur Stärke der Inszenierung gehört. Bei jeder Sichtung fiebere mit ihnen mit, da die schwierige Situation, in der sich die Männer befinden, völlig nachvollziehbar ist. Auch wenn ein menschlicher Feind schnell für den Zuschauer auszumachen ist, ist Mutter Natur immer noch die größte Gefahr, die hier im Raume steht. Gedreht wurde in den Wäldern von Ontario, Kanada, die das Gefühl der völligen Abgeschiedenheit perfekt vermitteln. Ob DELIVERANCE, JUST BEFORE DAWN (1981), DON‘T GO IN THE WOODS (1981) oder alle anderen Backwoodfilme, sie haben eine Sache gemeinsam: ein wunderschönes Natur-Setting. 

    Aber RITUALS bietet auch Qualitäten, die ganz klar dem Regisseur und seinem Team zuzurechnen sind. Auch wenn die Natur so ist, wie sie ist, muss sie natürlich auch gut eingefangen werden, und da hat René Verzier (u.a. Kamera bei RABID, 1977) einen guten Job gemacht. Wenig ausdrucksstark ist hingegen der Score von Hagood Hardy, der dennoch nicht seine Wirkung verfehlt. 

    Ab dem Punkt, wo den Männern klar wird, dass sie in ernsthaften Schwierigkeiten stecken, verdichtet sich die Inszenierung von Minute zu Minute. Lange Zeit ist RITUALS eher dem Survival-Thriller-Kino zuzuordnen, bis er dann im letzten Drittel die Terror-Pfade eines Backwood-Horrorfilms a la TEXAS CHAINSAW MASSACRE betritt, ohne dadurch an Spannung einzubüßen. Letztlich hätte RITUALS einiges nicht nötig gehabt. Doch so, wie er ist, ist er nahezu perfekt. 

    RITUALS ist handfestes, sehr spannendes 70er-Jahre-Terror-Kino im Schosse von Mutter Natur mit einer tollen Besetzung, einer dichten Atmosphäre und einigen sehr harten Momenten. Ein weiteres gutes Beispiel für das kanadische Kino.

    (Bjoern Candidus) 

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Pet Sematary, 2019 – ★½

    Pet Sematary, 2019 – ★½

    FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE
    (PET SEMATARY, USA, 2019, Regie: Kevin Kölsch, Dennis Widmyer) 

    Louis Creed und seine Familie zieht von der Großstadt ins ländliche Ludlow, Maine. Unweit hinter dem Haus liegt ein Tierfriedhof. Verantwortlich für diesen ist vor allem die sehr befahrene Straße neben dem Haus, die schon vielen Tieren das Leben gekostet hat. Als Church, der Kater der Familie, überfahren wird, berichtet der Nachbar, Jud, Louis von einem Indianerfriedhof hinter dem Tierfriedhof, der angeblich Verstorbene zurück ins Leben bringt. Louis begeht einen schweren Fehler, den er alsbald auch noch wiederholt.

    Wenn Erwartungshaltungen gar nicht erst da sind, kann man manchmal überrascht werden. Hier war ich überrascht, überrascht über so viel Unvermögen, was mir die beiden Regisseure Kevin Kölsch und Dennis Widmyer präsentierten. 

    Vielleicht tu ich ihnen Unrecht. Ihr STARRY EYES (2014) war nicht so schlecht, wenn ich mich recht erinnere. Vielleicht ist der Film lediglich mal wieder Opfer eines Studios (Paramount), was keinerlei Risiken eingehen wollte. Es braucht einen möglichst geschliffenen Film, bei dem eigentlich unangenehme Themen horrorkindergeburtstsgsartig abgeliefert werden, um ja nicht wirklich in den Magen zu schlagen, um ihn an möglichst viele Augen zu verkaufen. Und wenn man sich Stephen Kings Vorlage durchliest, weiß man um den Kern der Geschichte. Schon Mary Lambert hatte mit ihrer Adaption 1989 den Fokus mehr auf den Horror gelegt als auf die Emotionen der Figuren, die einen geliebten Menschen verloren haben. Dies war damals wie heute auch den Darstellern und natürlich dem Drehbuch geschuldet. Allerdings sei anzumerken, dass das Drehbuch zur Lambert-Adaption von King selbst stammte. Und auch wenn Dale Midkiff als Louis Creed keine Bäume ausgerissen hat, konnte ich bei ihm mehr Verzweiflung spüren als 2019 bei Jason Clarke. Leider bringt auch John Lithgow als Jud Crandall kein Feuer mit. Gleiches gilt auch für Amy Seimetz als Rachel. Die ist genauso ausdruckslos wie ihre Schwester Zelda, die dieses mal von Alyssa Brooke Levine dargestellt wird. Eins der unangenehmsten Themen im Buch und ein Highlight der Lambert-Adaption wurde hier somit komplett gegen die Wand gefahren. Von den Kinderdarstellern möchte ich es gar nicht anfangen, selbst die waren 1989 wesentlich brauchbarer. Man versucht hier erst gar nicht, Raum für irgendeine Entfaltung zu schaffen, sondern serviert Szene für Szene, die man als Kenner der ersten Verfilmung in besser kennt oder man variiert oder lässt Dinge weg. Das wäre alles nicht so tragisch, hätte man es wenigstens gut gemacht. Aber nein, alles ist lustlos inszeniert, nichts hat Ausstrahlung. Wieso Atmosphäre aufbauen, wieso sich (und dem Zuschauer) ein bisschen Zeit geben, um Spannung zu erzeugen? Ach ja, weil wir im 21. Jahrhundert leben, und da muss es schnell gehen, zumindest für große Studios. Und wenn der Film dann wirklich einen eigenen Weg geht, wie im letzten Drittel, ist absolutes Fremdschämen angesagt. Jämmerlicher hätte es kaum werden können. Man versucht alles und scheitert mit allem. Und nicht mal der eigentlich fähige Christopher Young hinterlässt Spuren mit diesem faden Score. 

    FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE ist eine traurige Katastrophe. Ein aalglatter, ausdrucksloser Horrorfilm von der Stange, der auf einem der stärksten Romane von Stephen King basiert. 

    (Bjoern Candidus)

  • Call of the Blonde Goddess, 1977 – ★½

    Call of the Blonde Goddess, 1977 – ★½

    DER RUF DER BLONDEN GÖTTIN
    (Schweiz, 1977, Regie: Jess Franco)

    Bunte Farben, Buschtrommeln, Strand und Palmen, Buschtrommeln, nacktes Fleisch, Buschtrommeln, Soft-Sex, Buschtrommeln, Voodoo-Puppen und ganz viele Buschtrommeln warten in diesem Jess Franco Film auf den geneigten Zuschauer. 

    DER RUF DER BLONDEN GÖTTIN ist ein weiterer Beitrag aus dem Film-Zyklus von Jess Franco und dem Schweizer Produzenten Erwin C. Dietrich. Die wirre Story über einen Konsul, seiner Frau und diversen Damen, die vor allem Sex erwarten, wird gewürzt mit Voodoo-Klimbim und den ewigen Klängen von Buschtrommeln, die ich sogar gehört habe, wenn sie gerade mal pausierten.  

    Auf rein visueller Ebene kann ich Franco hier gar nicht so viel vorwerfen. Die Aufnahmen in Lissabon, Portugal, werden als Haiti verkauft, was meistens ganz gut funktioniert, besonders mit dem Fremdmaterial was man hin und wieder reingeschnitten hat. Dass es sich nicht um Haiti handelt, verrät die Vegetation dann doch mehr als einmal, wenn man sich auf die Hintergründe konzentriert, und dazu hat man hier durchaus Zeit, da auf Handlungsebene eigentlich nichts passiert. 

    Die mit Sex, Alkohol und Nikotin geschwängerte Atmosphäre sorgt zwar für Urlaubsstimmung, doch unter dem Strich ist DER RUF DER BLONDEN GÖTTIN nur Franco-Allessehern und Freunden von Buschtrommeln zu empfehlen.

    (Bjoern Candidus)

  • 87. Freaks (1932)

    87. Freaks (1932)

    FREAKS

    USA, 1932

    Regie: Tod Browning

    Manege frei für die Freaks!

    Bjoern Candidus und Patrick Siebold sprechen über Tod Brownings kontroverses Horror-Drama FREAKS, was bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat.

    Die Besprechung dreht sich nicht nur um den Film und die Produktion, sondern auch um die Darsteller und die literarische Vorlage von Tod Robbins.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Until Death, 1988 – ★★★

    Until Death, 1988 – ★★★

    BACK FROM HELL – EIN TOTER KEHRT ZURÜCK
    (FINO ALLA MORTE, Italien, 1987, Regie: Lamberto Bava)

    Linda hat mit Hilfe von Carlo ihren Ehemann umgebracht und im Wald verbuddelt. Ein paar Jahre später steht ein Mann im Türrahmen ihres Lokals, was sie unterhalten. Während der Fremde auf Linda eine starke Anziehungskraft hat, ist Carlo wenig beeindruckt. Als sie den Ring ihres getöteten Ehemannes am Finger des Fremden entdeckt, überschlagen sich die Ereignisse. 

    Lamberto Bava wird gerne mal im Schatten seines Vaters geschluckt. Zu Unrecht. An die hohe Qualität von Mario reicht er zwar nicht heran, dennoch hat er ein paar durchaus solide Filme gedreht, die ihre ganz eigenen Reize haben, z.B. DÄMONEN (1985). 

    PER SEMPRE, der hier mit dem reißerischen Titel BACK FROM HELL – EIN TOTER KEHRT ZURÜCK ausgestattet wurde, ist durchaus ansehnlich und hebt sich etwas vom Gros später Italo-Horror-Produktionen ab.

    Ein bisschen erinnert die Story an WENN DER POSTMANN ZWEIMAL KLINGELT (1981), zumindest anfänglich. Bavas Mischung aus Thriller, Horrorfilm und Beziehungsdrama eines Killerpärchens ist durchaus interessant. Der Film startet bereits mit finsteren Bildern. Regen in der Nacht in einem Wald und einem Pärchen, was eine Leiche entsorgt, schafft schon mal die nötige Horroratmosphäre. Im weiteren Verlauf liegt auf der gesamten Inszenierung ein Schleier von Tristes und Kälte, passend zu den unsympathischen Figuren, die von Gioia Scola, David Brandon und Urbana Barberini verkörpert werden. Auch das Setting, ein Restaurant in einem Fischerdorf, stinkt zum Himmel. In Sachen Stimmung macht Bava jedenfalls alles richtig, wenn er die Absicht hatte, auf der Zunge des Zuschauers einen Pelz zu züchten. Angereichert wird der Film mit teils surrealen Traumsequenzen, die in Sachen Darstellung sehr spätitalotypisch sind. Begleitet wird die Inszenierung von einem passenden, wenn auch nicht sonderlich ausdrucksstarken Score von Simon Boswell. 

    Unter dem Strich ist BACK FROM HELL – EIN TOTER KEHRT ZURÜCK ein kleiner, morbider Schlechte-Laune-Horrorfilm, der hervorragend zu einem regnerischen Abend passt. Manches wirkt etwas wirr, verfahren und billig, aber man muss Bava zugutehalten, dass es sich hierbei um eine TV-Produktion im Rahmen seiner für das italienische Fernsehen entstandenen Reihe BRIVIDO GIALLO (1987-1989) handelt, was in der Regel automatisch Qualitätseinbuße mit sich bringt. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Night Flier, 1997 – ★★★★

    The Night Flier, 1997 – ★★★★

    STEPHEN KING’S THE NIGHT FLIER*
    (THE NIGHT FLIER, USA, Italien, 1997, Regie: Mark Pavia)

    Richard Dees, ein Reporter des Sensations-Magazin „Inside View“, hat eine Krise. Es mangelt ihm an einer Story, die ihn zurück aufs Titelblatt bringt. Da kommt ihm eine mysteriöse Mordserie gerade recht. Immer wieder kommt es zu Tötungen von Angestellten keiner Flugplätze, und es scheint, als ob der Täter mit einer Cessna unterwegs ist. Zu Dees Leidwesen bekommt er von seinem Chef eine Mitarbeiterin auf die Nase gebunden, die ihm bei dem Fall helfen soll. 

    Mark Pavia hat mit THE NIGHT FLIER eine vorzügliche Stephen King-Adaption geschaffen, die der Vorlage gerecht wird und von ihm zusätzlich sinnvoll variiert und ergänzt wurde. Überall gibt es kleine Verweise auf das King-Universum, was verrät, dass sich Pavia mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Zu Mark Pavia als Regisseur lässt sich nicht viel sagen. Neben diesem Film hat er nur einen weiteren (FENDER BENDER, 2006) gedreht. Bekannter ist da Richard P. Rubinstein, der hier als Produzent in Erscheinung trat. Sehr viel bekannter ist hingegen der Hauptdarsteller. Miguel Ferrer als Richard Dees ist die beste Wahl, die man hätte treffen können. Ferrer verkörpert den zynischen, menschenfeindlichen Sensationsreporter Dees mit Bravour. Seine destruktive Art ist herrlich und letztlich ehrlich. Schön ist auch das Zusammenspiel mit Julie Entwisle als Kathrine Blair, die sich spinnefeind sind. Aber auch die Nebenfiguren wissen zu gefallen und tragen mit ihrer Darstellung zur wirklich gelungenen Horroratmosphäre bei. Das gilt natürlich auch für den Antagonisten des Films: der Nachtflieger. Ein Vampir, der mit einem Flugzeug unterwegs ist, erscheint natürlich erst mal etwas befremdlich, aber beim näheren betrachten gewinnt das Coolness-Argument.  

    Von den zahlreichen TV- oder DTV-Produktionen der 90er-Jahre, die auf kingische Stoffe basieren, gehört THE NIGHT FLIER zur vordersten Front. Pavia hat nicht nur verstanden, seine Darsteller bestens zu nutzen, sondern fesselt auch durch den Aufbau der Story und durch die permanent düstere Atmosphäre, die er heraufbeschwört. Hier kommt auch Brian Keane als Komponist als Verstärkung hinzu. Der Score steht im völligen Einklang zu den Bildern. 

    Zwar sieht man der Produktion das geringe Budget (1.000.000$) an, doch Pavia hat es hervorragend verteilt. Es durften sogar noch einige derbe Gore-Szenen gedreht werden, die den Film gegen Ende in ein kleines Blutbad steuern.  

    THE NIGHT FLIER ist ein durchweg spannender Vampirfilm, der glänzend besetzt wurde und mit einigen sehr gelungenen Horror-Momenten aufwartet. 

    (Bjoern Candidus)

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Campfire Tales, 1997 – ★★★

    Campfire Tales, 1997 – ★★★

    CAMPFIRE TALES
    (USA, 1997, Regie: Matt Cooper, Martin Kunert, David Semel)

    Die drei Regisseure Martin Kunert, David Semel und Matt Cooper haben hier einen kurzweiligen DTV-Episoden-Horrorfilm gefrickelt. Die Rahmenhandlung handelt von drei Jugendlichen, die einen Autounfall auf einer Landstraße haben und sich Horrorgeschichten erzählen, während sie auf Hilfe warten. 

    Die handwerkliche Qualität der Episoden ist durchgängig solide. Die Atmosphäre ist von Anfang an dicht und entfaltet eine nette Gruselatmosphäre. Die erste Episode handelt von einen Pärchen, das mit einem Wohnmobil im Wald unterwegs ist. Dort werden sie von einem Mann vor Werwölfen gewarnt. Ein recht spannender, wenn auch nicht überraschender Auftakt. Noch spannender ist dann Episode 2, die von zwei Schwestern handelt, deren Eltern ausgegangen sind, während sich ein Fremder Zugang zum Haus verschafft. Episode 3, die mir am wenigsten gefallen hat, handelt von einem Motorradfahrer, der auf eine mysteriöse Frau mit einem finsteren Geheimnis stößt. 

    Obwohl mit CAMPFIRE TALES gleich mehrere Regie-Hände im Spiel waren, wirkt der Film stimmig und wie aus einem Guss. Auch wenn die Episoden nicht sonderlich originell sind, bieten sie größtenteils Spannung, ein paar gelungene Horrormomente und ein bisschen Blut.

    (Bjoern Candidus)