Autor: marco-fritz

  • The Beasts‘ Carnival, 1980 – ★★★

    The Beasts‘ Carnival, 1980 – ★★★

    KARNEVAL DER BESTIEN
    (EL CARNAVAL DE LAS BESTIAS, Japan, Spanien, 1980, Regie: Paul Naschy)

    Eigentlich sollte der Auftragskiller Bruno Riviera für eine japanische Geheimorganisation Diamanten klauen. Der Überfall ist erfolgreich. Dann setzt in ihm ein Umdenken ein: er behält die Beute. Er erschießt die Handlanger seiner Auftraggeber, lässt aber die schöne Mieko, in die sich Bruno verliebt hat, und ihren Bruder leben. Ein folgenschwerer Fehler, denn fortan wird er gejagt. Von Japan flüchtet er nach Spanien, wo er Miekos Bruder tötet, aber selbst verletzt wird. Eine in der Nähe ansässige Schlachter-Familie nimmt den verletzten Bruno auf. Doch damit hört der Ärger nicht auf… 

    Paul Naschys fünfte Regiearbeit hebt sich vom Großteil seines Schaffens, ob als Darsteller oder Regisseur, ab. Kein Werwolf, kein Vampir ist weit und breit zu sehen; es geht eher in Richtung BLUE EYES OF BROKEN DOLL (1974). Die Mischung aus Gangsterfilm, Giallo und Horrorfilm ist an für sich gelungen. Es gibt schöne Bilder zu sehen, ob es nun die waldige und hüglige Naturkulisse ist oder das an selige Gothic-Horror-Zeiten erinnernde Anwesen der Wurstmacher. Zudem sind die Darsteller durchaus brauchbar und können den Figuren das nötige Leben einhauchen. Paul Naschy macht als Killer eine gute Figur und zeigt sein Facettenreichtum. 

    Leider braucht der Film, nach einem rasanten Auftakt, recht lange, um in die Gänge zu kommen. In dieser Trägheit kommt es zwar zu netten Momenten, aber insgesamt kommen diese zu kurz. Dadurch mangelt es etwas an Spannung. Im letzten Drittel nimmt Naschy aber wieder Fahrt auf und kommt mit einem recht harten Twist um die Ecke, den ich so nicht kommen gesehen habe. Beim Score hat sich Naschy, gefragt oder ungefragt, bei Ennio Morricones Version von Dies Irae aus dem Film ESCALATION (1968) bedient. 

    Naschy als Killer, eine hirnverbrannte Familie, eine Japanerin im Rachemodus und vertraute Horror-Motive machen KARNEVAL DER BESTIEN zu einem reichen Film, der mit kleinen Schwächen zu kämpfen hat.  

    (Bjoern Candidus)

  • The Corpse Grinders, 1971 – ★★

    The Corpse Grinders, 1971 – ★★

    DIE LEICHENMÜHLE
    (THE CORPSE GRINDERS, USA, 1972, Regie: Ted V. Mikels)

    Die Besitzer einer Katzenfutterfabrik haben eine lukrative Idee: sie produzieren Katzenfutter, was sie aus Menschenfleisch gewinnen. Die Leichen bekommen sie anfänglich von einem Totengräber, doch dann fangen sie auch noch selbst an zu töten. Den Katzen schmeckt der Fraß, doch die Sache hat einen Haken: es verwandelt sie in mörderische Bestien, die Menschen angreifen.  

    Ted V. Mikels (ASTRO-ZOMBIES, 1968) hat hier einen ranzigen Schmierlappen von Tier-Horrorfilm heruntergekurbelt, der trotz (oder gerade wegen) seiner billigen Machart eine gewisse Anziehungskraft auf mich hatte. 

    Von der ersten Sekunde an liegt der Ranz über den Bildern, und der Gestank der drittklassigen Darsteller beißt einem durchs Bild in die Nase. Fiese Menschen tummeln sich hier zuhauf, und der permanente Nebel ist nicht dicht genug, um sie zu bedecken. Da werden die aggressiven Samtpfoten fast zur Nebensächlichkeit, die auf ein paar schlecht inszenierte Angriffe reduziert wurden. Eigentlich ist hier alles wichtiger als die Katzen, besonders die unmoralischen Kapitalisten, die über Leichen gehen, die sie anschließend mittels Fleischwolf zu Katzenfutter verarbeiten. Die Story und die Atmosphäre erinnert etwas an die Filme von H.G. Lewis, auch wenn es hier im Vergleich sehr handzahm zugeht. 

    DIE LEICHENMÜHLE ist ein billiger Horrorfilm mit ekligen Menschen, die eklige Dinge tun. Der Tier-Horrorfilm, der er hätte werden können, ist er leider nicht geworden. 

    (Bjoern Candidus)

  • Play Dead, 1983 – ★★★

    Play Dead, 1983 – ★★★

    PLAY DEAD
    (USA, 1983, Regie: Peter Wittman)

    Nach dem Tod ihrer Schwester, die ihr einst ihren Liebhaber ausspannte und ihn schließlich heiratete, will Hester, die sich mit okkulten Praktiken bestens auskennt, an das Erbe kommen. Doch mindestens ihr Neffe und ihre Nichte stehen ihr im Weg. Da ihre Nichte Audrey durch den Verlust ihrer Mutter sehr leidet, kommt ihr das Geschenk von ihrer Tante Hester sehr gelegen. Das vierbeinige Geschenk heißt Greta und ist ein Dobermann, der unter dem teuflischen Bann von Hester steht.

    Mit PLAY DEAD hat Peter Wittman einen kleinen Okkult-Tier-Horrorfilm-Hybriden gezimmert, der an Filme wie DER HÖLLENHUND (1978), ZOLTAN- DRACULAS BLUTHUND (1978) oder MONGREL (1982) von Robert A. Burns erinnert. Burns fungierte hier ebenfalls als Art Direktor, wie auch schon bei TEXAS CHAINSAW MASSACRE, 1974).

    Wer einen reißerischen Horrorschocker erwartet, sollte gar nicht erst einschalten, denn es wurde mit ruhiger Hand inszeniert, und der ganze Film wirkt, als sei er ein Relikt aus den 70er-Jahren. Der Dobermann, der zu keiner Zeit wirklich böse wirkt, sorgt für Unfälle oder kleinere Attacken, die zumindest immer tödlich enden. Spannung stellt sich nicht wirklich ein, aber der Ausgleich kommt mit der sehr charmanten Yvonne De Carlo, die man bestens als Lily Munster kennt und die im späteren Verlauf ihrer Karriere immer mal wieder im Horror-Kino zugegen war (THE INTRUDER, 1975 / PSYCHOCK, 1979 / AMERICAN GOTHIC, 1987). Als Hexe, die sich an ihrer Sippschaft rächen will, macht sie einfach Spaß, und ihre Hexenküche passt hervorragend zu ihr. Die restliche Besetzung ist hingegen blass bis nervig. Besonders ihre Film-Nichte Audrey, dargestellt von Stephanie Dunnam (SILENT RAGE, 1982), ist zum weglaufen, aber immerhin entsteht so ein besser Kontrast zu Yvonne De Carlo.

    PLAY DEAD ist ein kruder Spaß in bunten Farben, den man als sympathischen Ausreißer betrachten darf.

    (Bjoern Candidus)

  • The Hands of Orlac, 1924 – ★★★★

    The Hands of Orlac, 1924 – ★★★★

    ORLAC‘S HÄNDE 
    (Österreich, 1924, Regie: Robert Wiene)

    Nachdem der berühmte Pianist Orlac bei einem Zugunglück die Funktion seiner Hände verliert, transplantiert ihm Dr. Serral zwei neue. Doch die Hände stammen von einem Serienmörder, und sie haben keinen guten Einfluss auf Orlac, dessen Karriere als Pianist wohl endgültig vorbei zu sein scheint. Sein Leben gerät vollends aus der Bahn.  

    Regisseur Robert Wiene (DAS CABINET DES DOKTOR CALIGARI, 1920) hat hier Maurice Renard Roman „Les Mains D’Orlac“ (1920) verfilmt und dabei erneut den wunderbaren Conrad Veidt besetzt, der ein weiteres Mal eine großartige Leistung abgibt. 

    In diesem Stummfilm-Psycho-Horror-Scifi-Drama geht es ziemlich verstörend, alptraumartig und psychotisch zu, was der neu komponierte Soundtrack von Donald Sosin glänzend begleitet. Auch wenn die Streicher manchmal etwas an den Nerven zerren, passen sie doch zum Gesamtbild dieses finsteren Films, der sehr konfliktreich ist. Er spricht Themen wie Verlust von Körperteilen, Transplantation, Arbeitslosigkeit und einhergehende Geldnöte, Vater-Sohn-Konflikte und Erpressung an. Hier ist erstaunlich viel drin. Aber auch visuell wird einiges aufgefahren und die expressionistische Bildsprache wird versiert eingesetzt, auch wenn er längst nicht so verspielt ist wie DAS CABINET DES DOKTOR CALIGARI. 

    Nach einem relativ hektischen Anfang drosselt der Film seine Geschwindigkeit. Stellenweise ist er dann etwas lahm, zeigt sich aber stets ausdrucksstark. Hier kommt weder Lebensfreude, noch Luft zum atmen auf. Dafür gibt es Spannung getränkt in unheilschwangeren Bildern und ein gelungenen Ende mit Wende.

    Mit ORLAC‘S HÄNDE ist Robert Wiene ein sehr dichtes, visionäres Schauerstück gelungen.

    (Bjoern Candidus)

  • The Hidden, 1987 – ★★★★

    The Hidden, 1987 – ★★★★

    THE HIDDEN – DAS UNSAGBAR BÖSE 
    (THE HIDDEN, USA, 1987, Regie: Jack Shoulder)

    Ein außerirdisches Wesen begibt sich nach LA um dort Menschen als Wirtskörper zu benutzen. Polizist Tom Beck und der FBI-Agent Gallagher sind dem Wesen auf der Spur, was fleißig die Wirte wechselt und eine Spur des Todes hinter sich herzieht. Aber auch Agent Gallagher legt ein sonderbares Verhalten an den Tag und gerät plötzlich in Verdacht, etwas mit dem Wesen zu tun zu haben. 

    Erneut hat Jack Shoulder (ZWEI STUNDEN VOR MITTERNACHT, 1982 / NIGHTMARE ON ELM STREET 2, 1985) unter Produzent Robert Shaye einen Horrorfilm für New Line Cinema gedreht und sich hier dem Thema „Wirtskörper“ angenommen, was eine gewisse Verbindung zu NIGHTMARE ON ELM STREET 2 eröffnet. Doch um den Herr der Alpträume soll es hier nicht gehen, sondern um ein schneckenartiges Wesen von einem fremden Planeten, was sich menschliche Körper aussucht, um sie zu beleben. 

    Der Film ist von Anfang bis Ende rasant inszeniert, ohne in Leerlauf zu geraten. Zwar mangelt es THE HIDDEN an Spannung, aber dafür serviert Shoulder Action und Mord ohne Ende. Die Kills, die größtenteils durch Handfeuerwaffen ausgeführt werden, sind hart und realistisch inszeniert. Das Wesen scheint im Erschießen geradezu aufzugehen. Die Monster-Effekte sind sehr überschaubar, aber höchst wirkungsvoll. Der Parasit steht einem Facehugger / Chestburster in nichts nach. Aber nicht nur das Wesen und die männlichen wie weiblichen Wirtskörper, die es belebt und steuert, sind unterhaltsam, sondern auch das Duo Michael Nouri als Detektive Tom Beck und Kyle MacLachlan als FBI-Agent Lloyd Gallagher. Hier wird der Alien-Horrorfilm zusätzlich zu einem Buddy-Movie, der nie ins Lächerliche abdriftet oder sich mit dummen Sprüchen zu Tode bringt und trotzdem humorvolle (und zynische) Züge besitzt. Vor allem glänzt hier Kyle MacLachlan als eine Art Pre-Agent Cooper. 

    THE HIDDEN mangelt es etwas an Atmosphäre. Die meiste Zeit hält man sich am Tage oder in langweiligen Gebäuden von L.A. auf. Aber das ist zu verschmerzen, da Shoulder mit anderen Zutaten überzeugt, z.B. auch mit dem Score von Michael Convertino. 

    THE HIDDEN ist ein handfester, temporeicher, ziemlich garstiger Hybrid aus Action-, Scifi- und Horrorfilm, der sich nicht aufhält. 

    Ebenfalls empfehlenswert und inhaltlich sehr ähnlich ist John McNaughtons ALIENKILLER von 1991. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Beast with a Million Eyes, 1955 – ★★★

    The Beast with a Million Eyes, 1955 – ★★★

    AUSGEBURT DER HÖLLE
    (THE BEAST WITH THE MILLION EYES, USA, 1955, Regie: David Kramarsky)

    Dass es AUSGEBURT DER HÖLLE an finanziellen Mitteln fehlte, sieht man ziemlich deutlich. Hier ist alles sehr reduziert. Da kommt eine bizarre Story gerade recht. 

    Ein Außerirdisches Wesen landet mit seinem Raumschiff in einer Wüstenlandschaft nahe einer Plantage und verschafft sich Zugang zu den Gehirnen von Tieren. Es kann nun durch die Augen von Hühnern, Amseln, Raben, Kühe und Hunde schauen, die prompt ein aggressives Verhalten an den Tag legen. Das Ziel: die menschlichen Reaktionen zu testen, wenn sie die Bewohner der Plantage angreifen. Bewohnt wird die Farm von der Familie Kelley, die von Paul Birch, Lorna Thayer und Dona Cole dargestellt wird. 

    Die Verstrickung von Alien-Invasion und Tier-Horror ist relativ selten und geht hier gut auf, auch wenn die Darstellung ziemlich billig und holprig ist. Doch Regisseur David Kramarsky und das Produzenten-Duo Roger Corman und Samuel Z. Arkoff haben alles genutzt, um mit AUSGEBURT DER HÖLLE letztlich einen atmosphärischen Invasions-Horrorfilm zu kredenzen, der mich mit wenigen Mitteln gut unterhalten konnte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Count Dracula’s Great Love, 1973 – ★★★

    Count Dracula’s Great Love, 1973 – ★★★

    DRACULAS GROSSE LIEBE
    (EL GRAN AMOR DEL DRÁCULA, Spanien, 1973, Regie: Javier Augirre)

    Nachdem eine Kutschfahrt für einen Herrn und vier Damen durch einen Unfall endet, suchen sie Hilfe in einem alten Sanatorium. Dort empfängt sie Dr. Wendell Marlow, auf dessen Agenda die Wiedereröffnung des Sanatoriums steht. Dr. Marlow lässt die Hilfesuchenden herein, und die glauben, sich nun in Sicherheit zu befinden. Eine Liebesgeschichte mit Schattenseiten bahnt sich an… 

    Javier Augirre, der kurz vorher mit Paul Naschy DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN (1973) abgedreht hat, schick Naschy hier in die Rolle von Dr. Wendell Marlow und Graf Dracula. Die Dracula-Rolle steht Naschy gut zur Gesicht, auch wenn er die Klasse eines Christopher Lees natürlich nicht erreicht. Lee ist ein gutes Stichwort, denn die Produktion glänzt vor allem durch seine Sets und Ausstattung. Die zauberhaften Wald-Aufnahmen (die Kiefern verraten den mediterranen Drehort) erinnern an Black Park in Wexham, Buckinghamshire in England, ein Ort, den man bestens aus Hammer-Produktionen kennt. Wind, Regen, Blitz und Donner sorgen für die nötige Gruselatmosphäre.  
    Bereits von Beginn an startet man in schaurige Gefilde und präsentiert ein altes Gemäuer, das zur neuen Behausung Draculas dienen soll. Das alte Sanatorium auf einem Berg, bekommt man allerdings in erster Linie von weitem zu sehen. Aber auch die Welt innerhalb der Mauern wissen zu überzeugen. Steile Treppen, enge Flure und schöne Bleiglasfenster bestimmen das Bild, das von Carmelo A. Bernaolas Score passend untermalt wird. Recht blutig geht es bei den Gore-Szenen zu, die für 1973 relativ ruppig sind. 

    Während die Dracula Filme der Hammer-Studios zu dieser Zeit breites das Blut der Moderne (DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN, 1972 / DRACULA BRAUCH FRISCHES BLUT, 1973) schmeckten, geht es hier noch klassisch zu. Und so wirkt der Film in den besten Momenten, als wäre er Teil des Hammer-Dracula-Universums. Die Memoiren des Dr. van Helsing werden gefunden, in denen die Vernichtung Draculas am Borgo Pass beschrieben wird, was diesen Film zu einer Art Fortsetzung werden lässt. 

    Am wenigsten überzeugen die Darsteller, von Paul Naschy mal abgesehen. Naschy ist wie immer: man sieht seine Liebe für das Genre, und als Dracula macht er eine gute Figur. Aber vor allem die vier Damen agieren hölzern oder wie aufgescheucht wie Hühner.  

    DRACULAS GROSSE LIEBE ist inhaltlich etwas verfahren, manchmal etwas zäh, aber in seiner Gesamtheit ein schöner, stimmiger Horrorfilm, der sich mit seiner Atmosphäre durchsetzen kann. 

    (Bjoern Candidus)

  • Horrorfilm-Sequels der 90er-Jahre (2)

    Horrorfilm-Sequels der 90er-Jahre (2)

    Horrorfilm-Sequels der 90er-Jahre
    Teil 2: 1995 – 1999

    HALLOWEEN H20, TEXAS CHAINSAW MASSACRE – DIE RÜCKKEHR, TREMORS 2, SCREAM 2…

    Bjoern Candidus und Marco Fritz setzen ihre Reise durch die Horrorfilm-Sequels der 90er-Jahre fort.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Horror Hospital, 1973 – ★★★★

    Horror Hospital, 1973 – ★★★★

    FRANKENSTEINS HORROR-KLINIK * 
    (HORROR HOSPITAL, GB, 1973, Regie: Antony Balch)

    Dr. Storm hat ein Hobby: In seiner „Kurklinik“ wühlt er Menschen im Gehirn herum, bis sie zu willenlose Sklaven werden. Dies finden Jason Jones und Judy Peters, die gerade zu Gast in der Klinik sind, wenig erbaulich. Doch bevor sie entkommen können, werden sie von Storm und seinem Anhang festgehalten, denn der benötigt Frischfleisch für neue Experimente.  

    Produzent Richard Gordon (TURM DER LEBENDEN LEICHEN, 1972 / SAMEN DES BÖSEN, 1981) und Regisseur Antony Balch (SECRETS OF SEX, 1970) liefern hier Horror-Pulp vom allerfeinsten ab, der kaum etwas vermissen lässt, was das britische Horror-Kino jener Tage ausgemacht hat. Auf ähnlich niederem Niveau wie die Lobotomie-Sklaven im Film, bewegt sich auch die Story, aber dem morbiden Charme kann man sich als Freund solcher Produktionen kaum entziehen. 

    Die Zeiten vom klassischen Frankenstein und den zahllosen Vampiren ebbte langsam aber sicher ab. Nacktes Fleisch, Gore-Effekte und der wilde Geist der 70er-Jahre fuhr in das britische Horrorkino. Balch ist weder ein Terence Fisher noch ein Pete Walker, aber immerhin arbeitete er in den 60er-Jahren mit William S. Burroughs zusammen an dessen Cut-up-Filmen. Mit FRANKENSTEINS HORROR-KLINIK hat er zumindest ein gutes Händchen in Sachen Mad Scientist-Horror mit Splatter-Einlagen und schönen Ideen (ein Auto mit ausfahrbaren Klingen) bewiesen. Michael Gough geht als irrer Dr. Storm gut auf. Gough macht immer Spaß. Ebenfalls dabei: Dennis Price, Robin Askwith, Vanessa Shaw, Ellen Pollock und Skip Martin. 

    Das anfänglich Treiben in den Pubs von London, was kurz das Feeling der 70er-Jahre in Musik und Mode präsentiert, wechselt schnell zum Klinik-Setting, was eine dichte Atmosphäre aufbaut, ebenso das weitläufige Anwesen von Dr. Storm irgendwo in der Pampa Englands, wo Menschen oft ihren Kopf verlieren. 

    FRANKENSTEINS HORROR-KLINIK ist ein bizarrer Mad-Scientist-B-Horrorfilm mit skurrilen Figuren, blutigen Effekten und einer charmanten Atmosphäre, wie man die nur im britischen Horrorkino bekommt. 

    (Bjoern Candidus) 

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Tales That Witness Madness, 1973 – ★★½

    Tales That Witness Madness, 1973 – ★★½

    GESCHICHTEN, DIE ZUM WAHNSINN FÜHREN
    (TALES THAT WITNESS MADNESS, GB, 1973, Regie: Freddie Francis)

    Der ehrenwerte Freddie Francis (DRACULAS RÜCKKEHR, 1968) hat hier für World Film Services einen Horror-Episodenfilm abgeliefert, der sich stilistisch kaum von seinen anderen unterscheidet, die er für Amicus inszeniert hat, nur waren die allesamt besser. Die Psychiatrie-Rahmenhandlung weckt Erinnerungen an den wunderbaren ASYLUM (1972) von Roy Ward Baker. Hier führt Jack Hawkins und Donald Pleasence durchs Geschehen und berichten über einen Jungen, der sich mit einem Tiger anfreundet, der Hunger auf die Eltern verspürt, über ein verfluchtes Hochrad, was einem Liebespaar Ärger macht, über einen ziemlich lebhaften Baum, der nicht nur Eifersucht in eine Beziehung bringt und über ein Voodoo-Ritual, was es in sich hat. 

    Unterstützt werden die Geschichten besonders von der weiblichen Front. Hier gibt es ein Wiedersehen mit Suzy Kendall, Joan Collins und Kim Novak. In gewisser Weise sorgen die Darsteller für den Ausgleich, denn so richtig clever und spannend sind die Episoden nicht, dafür abwechslungsreich, teils grimmig und farbenfroh. Anrechnen darf man die ordentliche Fotografie von Norman Warick, der vorher bereits einige britische Horrorfilme fotografiert hat, u.a. DAS SCHRECKENSKABINETT DES DR. PHIBES (1971). 

    Auch wenn GESCHICHTEN, DIE ZUM WAHNSINN FÜHREN wahrlich kein Fest des Horrors ist, besitzt der Film Charme und Sympathie und darf sich gerne in die Liste britischer Episodenfilme eingliedern. Freddie Francis konnte es allerdings besser. 

    (Bjoern Candidus)