Autor: marco-fritz

  • Halloween 5: The Revenge of Michael Myers, 1989 – ★★

    Halloween 5: The Revenge of Michael Myers, 1989 – ★★

    HALLOWEEN 5 – DIE RACHE DES MICHAEL MYERS
    (HALLOWEEN 5 – THE REVENGE OF MICHAEL MYERS, USA, 1989, Regie: Dominique Othenin-Girard)

    Michael Myers ist endgültig tot. Dachte man. Doch der Killer mit der Maske lebt und seine Aufgabe, seine Nichte Jamie Lloyd zu töten, ist noch nicht abgeschlossen. Erneut sucht er Haddonfield auf, wo bereits Dr. Loomis auf ihn wartet. 

    Bei Erfolg wird nach gelegt, möglichst sofort. Und so sollte HALLOWEEN 5 nur ein Jahr nach HALLOWEEN 4 folgen, diesmal unter der Regie von Dominique Othenin-Girard, dem man schon den dilettantischen OMEN IV – DAS ERWACHEN (1991) zu verdanken hat.

    Anfänglich versucht man mit einer Rückblick-Sequenz Fragen zu beantworten, die man sich am Ende des vierten Teils möglicherweise gestellt hat, was durchaus gelungen ist und zu den wenigen atmosphärischen Momenten von HALLOWEEN 5 zählt. Dort schnell geht es abwärts. Vor allem der Star des Film, Michael Myers geht hier ziemlich unter. Sein Auftreten, was im Vorgänger noch relativ bedrohlich war, wird hier auf ein Minimum reduziert. Sah die Maske schon im Vorgänger nicht toll aus, sieht sie hier noch schlechter aus. Es musste wirklich extrem schwierig gewesen sein, eine Nachbildung einer William Shatner Maske herzustellen. Aber ich befürchte, man hat es gar nicht erst versucht.

    Der ganze Film ist hektisch und nervig inszeniert, aber man hatte ja auch keine Zeit. Es flackert und wackelt hin und her, als sei der Film 20 Jahre später entstanden. Aber so kann man natürlich auch viel kaschieren. Der Stress wirkte sich wohl auch auf Komponisten Alan Howarth aus, der das bekannte Halloween-Thema unschön zu Tode peitscht. Noch viel nerviger ist aber Danielle Harris, die hier weder stillsteht noch den Rand hält. Sie ist quasi im Dauer-Heul- und Schrei-Modus, den ich noch nie ertragen konnte. Mittlerweile selbst bereit für die Psychiatrie: Dr. Loomis, erneut dargestellt von Donald Pleasence. Auf jeden Fall übernimmt er hier das Ruder von gefühlt jeder Berufsgruppe. Ein richtiger Experte in allen Bereichen. Immerhin ist er die überzeugendste Person, denn der Rest, vor allem das Partyvolk, was im Vorgänger noch reduziert war, ist hier häufiger unterwegs, um mit Kleingeistigkeit aufzuwarten. Rachel, Jamies langweilige Stiefschwester, bekommt noch weniger Spielraum, da sie recht schnell von Michael ausgeschaltet wird. In Sachen Blut und Gewalt wurden die Jungs von KNB hinzugezogen, doch die halten sich zurück, liefern dennoch mehr Gore als HALLOWEEN 4. Schauwerte gibt es in diesem Bereich dennoch nicht zu verzeichnen. Konnte Dwight H. Little noch eine relativ düstere Halloween-Atmosphäre aufbauen, schafft Dominique Othenin-Girard selbst in diesem Bereich nur wenig bis gar nichts. Immerhin versucht er im letzten Drittel das Ruder umzureißen, was sogar bedingt funktioniert. Das Auftauchen des mysteriösen Mannes mit Hut und Mantel ist eins der wenigen Spannungselemente und baut ein Geheimnis auf, dem man im nachfolgenden Teil auf die Spur kommt. 

    HALLOWEEN 5 – DIE RACHE DES MICHAEL MYERS ist ein hektischer, charakterloser Slasher, der fast in allen Bereichen abschmiert und sich gerade eben noch über Wasser halten kann. Dass es im Halloween-Franchise noch mehr nach unten gehen kann, verrät ein anderer Teil. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Giant Claw, 1957 – ★★★

    The Giant Claw, 1957 – ★★★

    ANGRIFF DER RIESENKRALLE
    (ATTACK OF THE GIANT CLAW, USA, 1957, Regie: Fred F. Sears) 

    Was anfangs noch für ein UFO gehalten wird, entpuppt sich als riesiger Vogel, der von einem Antimaterieschild geschützt wird. Dieser gigantische Vogel hat es auf Flugzeuge abgesehen, die er fleißig vom Himmel holt. Elektronikingenieur MacAfee, seine Geliebte Sally und General Van Buskirk nehmen sich der Sache an. 

    Regisseur Fred F. Sears hat hier einen haarsträubenden Monsterfilm abgefeuert, der keine Sekunde ernst zu nehmen ist, aber gerade deshalb ein hohes Unterhaltungspotential bietet. 

    Technisch gesehen ist der Film eine ziemliche Katastrophe, wobei man natürlich das schmale Budget und die Zeit der Entstehung berücksichtigen muss. Der Riesenvogel, der hier als größte Bedrohung der Menschheit dargestellt wird, ist nicht mehr als eine groteske Marionette mit Fäden. Das Vöglein, eine Mischung aus Geier und Truthahn mit einem mordsmäßigem Iro, sieht eher liebevoll verschroben als gemein und böse aus. Er allein reicht als Grund, den Film zu gucken.

    Trotz der albernen Story versucht man sich an einer ernsthaften Inszenierung, die zumindest mit Jeff Morrow und Mara Corday von recht soliden Darsteller getragen wird. Trotz finanzieller Einschränkungen versucht sich ANGRIFF DER RIESENKRALLE mit vielen Vogel-Action-Szenen. Der Vogel greift Flugzeuge und Eisenbahnen an oder reist Wolkenkratzer um.  

    Dass es hier nicht zu großer Spannung kommt, dürfte fast klar sein, aber charmante Unterhaltung auf absurde Art ist einem mit ANGRIFF DER RIESENKRALLE gewiss. Ein Film irgendwo zwischen KING KONG (1933) und der Augsburger Puppenkiste. 

    (Bjoern Candidus)

  • Halloween 4: The Return of Michael Myers, 1988 – ★★★

    Halloween 4: The Return of Michael Myers, 1988 – ★★★

    HALLOWEEN 4 – THE RETURN OF MICHAEL MYERS
    (USA, 1988, Regie: Dwight H. Little)

    Michael Myers liegt seit 10 Jahren im Koma. Als er von Richmond in das Smith Grove Senatorium in Haddonfield zurückverlegt werden soll, erfährt er durch eine Unterhaltung zwischen den Sanitätern, dass er eine Nichte hat. Er kommt zu neuen Kräften, tötet die Sanitäter und macht sich auf nach Haddonfield, um Jamie Lloyd, die Tocher der verstorbenen Laurie Strode, zu töten. Aber Michaels Nemesis, Dr. Sam Loomis, ist bereits auf seiner Spur…   

    Nachdem Tommy Lee Wallace mit HALLOWEEN 3 – DIE NACHT DER ENTSCHEIDUNG (1982) glücklicherweise alles anders machen durfte, wenn auch mit herber Kritik, sollte sich Dwight H. Little wieder um den klassischen Weg bemühen, um für Moustapha Akkad den Rubel rollen zu lassen. Der gute alte Michael Myers musste also wieder aus der Mottenkiste gezogen werden. 

    Der Film startet sehr atmosphärisch mit Aufnahmen von Feldern und Bauernhöfen, kombiniert mit geschnitzten Kürbissen und anderer Halloween-Dekoration. Dazu gesellt sich ein düsterer Score von Alan Howarth, der insgesamt gelungen ist und auch das bekannte Carpenter Main-Theme des Originals hübsch auffrischt. Es dauert nicht lange, bis man Michael Myers in Action erleben darf. Der ist hier im Übrigen kurz mit bandagiertem Kopf zu sehen, was nach 10 Jahren Koma schon verwunderlich ist. Aber geschenkt. Überhaupt muss man hier in Sachen Logik einige Augen zudrücken, aber das steht im Genre eigentlich außer Frage. Nach Michaels Auftritt lässt auch Donald Pleasence nicht lange auf sich warten, der hier gleich ein Stück wahnsinniger wirkt, als in den Vorgängerfilmen. Kurzfristig bietet sich ihm sogar noch ein verrückter Reverend als Mitfahrgelegenheit an, der von dem Bösen spricht. Zwei Bekloppte, eine Flasche Whiskey. Herrlich. Aber so beschwingt bleibt der Film nicht. Dass die wichtigste Person neben Michael und Dr. Loomis ausgerechnet ein Kind ist, erhöht die Gefahr einer Bruchlandung, schließlich ist man im Slasher-Kino. Aber alles halb so schlimm, Jamie Lloyd, dargestellt von der damals 10jährigen Danielle Harris, wird erst im nächsten Teil zu einer Belastungsprobe der Nerven. Hier ist sie für ihr Alter ziemlich gut dabei. Das Dreigestirn von HALLOWEEN 4 ist also komplett. Die restlichen Darsteller sind soweit solide; es mangelt an Charakter und Ausstrahlung, aber das war nicht selten im US-Horrorkino jener Tage. Danielle Harris bekommt hier jedenfalls eine recht spannend inszenierte Einführungs-Sequenz, in der sie einen Traum / Vision von Michael Myers hat. Immer wieder vermag es Dwight H. Little kleine Spannungsmomente zu erzeugen, die in den besten Fällen auch noch atmosphärisch geraten sind. Die düstere Aura des Originals und auch der Fortsetzung von Rick Rosenthal fehlt hier freilich, aber für 1988 darf man sich nicht beschweren. Das herbstliche Ambiente und das Halloween-Feeling ist gelungen, zeigt aber ein wesentlich ruhigeres Haddonfield als man es in späteren Teilen präsentiert bekommt. Zumindest lässt sich schnell ein Bürger-Mob zusammen trommeln, was nicht ganz so armselig herüberkommt wie in HALLOWEEN KILLS (2021). Aber das macht die Reihe auch aus, denn die meisten Teile stehen für sich und haben einen eigenen Stil, ganz abgesehen von den unterschiedlichen Timelines etc., die diese Reihe hat. Egal. Anderes Thema. In Sachen Gewalt zeigt der Film kaum mehr, als das, was man aus den vorherigen Teilen kennt. Richtige Highlights sind im Gore-Bereich nicht zu verzeichnen, was aber überhaupt nichts macht, denn man setzt mehr auf jagen und gejagt werden, was den Film zumindest immer in Bewegung hält. Wenn der Fokus nicht auf Michael, Loomis oder Jamie liegt, bekommt man den üblichen Teenie-Quark um Jamies ältere Stiefschwester Rachel (Ellie Cornell) und ihren Freunden, die immerhin aus dem Filmleben scheiden dürfen. 

    HALLOWEEN 4 krankt an seinen Figuren, ist etwas zu poliert und handzahm, aber funktioniert als Horror-Slasher ganz gut und bietet fast alles, was der Fan der Reihe erwartet. 

    (Bjoern Candidus)

  • Trapped Ashes, 2006 – ★★½

    Trapped Ashes, 2006 – ★★½

    TRAPPED ASHES
    (Japan, Kanada, USA, 2006, Regie: Sean S. Cunningham, John Gaeta, Monte Hellman, Ken Russell, Joe Dante)

    Liest man Namen wie Ken Russell, Joe Dante und Sean S. Cunningham, ist die Erwartungshaltung direkt nach oben geschraubt. Besonders Ken Russell hat mich stets fasziniert, und sein Beitrag, in diesem Episodenfilm mit Rahmenhandlung, ist auch der beste. Die US-kanadisch-japanische Koproduktion wurde für das japanische Fernsehen produziert, was teilweise auch durchdringt, wenn eine der Episoden (EVIL SPIRIT) eben dort angesiedelt ist und sogar mit Anime-Sequenzen aufwartet. Es gibt eine typische Rahmenhandlung, wie man sie zum Beispiel aus Episoden-Horrorfilmen wie DIE TODESKARTEN DES DR. SCHRECK (1965) oder GESCHICHTEN AUS DER GRUFT (1972) kennt. In TRAPPED ASHES führt ein Mitarbeiter eines stillgelegten Filmstudios eine Gruppe Touristen in ein Horrorhaus, was für den (fiktiven) Film „Hysteria“ errichtet wurde. Und wie üblich, dienen die Personen auch den jeweiligen Geschichten. 

    Ken Russell startet temporeich mit THE GIRL WITH GOLDEN BREASTS und liefert nackte Brüste mit Mündern und spitzen Zähnen (statt Augen wie in GOTHIC, 1986), Gore, knallige Farben, bizarre Designs und eine eklige Brustimplantate-OP. Atmosphärisch, erotisch und mysteriös wird es in Sean S. Cunnighams Geister-Beitrag EVIL SPIRIT, der, wie oben bereits erwähnt, in Japan angesiedelt ist. Monte Hellman Episode STANLEY‘S GIRLFRIEND bietet zwar John Saxon (der auch in der Rahmenhandlung zugegen ist), bietet aber auch den langweiligsten Beitrag, in dem es um zwei Männer und eine vampirische Dame geht. Etwas Aufwind kommt wieder rein mit MY TWIN, THE WORM von John Gaeta, in dem eine schwangere Frau nicht nur ein Kind, sondern auch einen Wurm in sich trägt. 

    Insgesamt ist TRAPPED ASHES nur wenig spannend, aber immerhin recht abwechslungsreich. Russell und Gaeta überspitzen und liefern schräge Ideen und Ekel-Effekte, Cunnigham liefert Atmosphäre und experimentiert mit Stilmitteln, während Monte Hellman zum einschlafen einlädt. Zusammengehalten wird das Ganze von Joe Dante, der die Rahmenhandlung inszeniert hat, in der auch kurz Dick Miller auftaucht. 

    TRAPPED ASHES ist etwas unausgegoren. Insgesamt mangelt es ihm an Atmosphäre, Spannung und Highlights. 

    (Bjoern Candidus)

  • Sole Survivor, 1984 – ★★★★

    Sole Survivor, 1984 – ★★★★

    NUR TOTE ÜBERLEBEN
    (SOLE SURVIVOR, USA, 1983, Regie: Thom Eberhardt)

    Wie durch ein Wunder überlebt Denise Watson unverletzt einen Flugzeugabsturz, bei dem die restlichen Passagiere alle zu Tode kommen. Und trotzdem ist nach ihrem Glück und dem Pech der Anderen Denise Leben nicht mehr wie vorher, denn ihr begegnen plötzlich Menschen, die eigentlich tot sein müssten. 

    Thom Eberhardt serviert mit NUR TOTE ÜBERLEBEN einen sehr dichten Horrorfilm, der nicht nur eine Nähe zu CARNIVAL OF SOULS (1962) aufweist, sondern auch in Richtung JACOB‘S LADDER (1990), THE SIXTH SENSE (1999), FINAL DESTINATION (2000) und IT FOLLOWS (2014) blickt, auch wenn er stilistisch einen völlig anderen Weg geht. 

    Mitten in der Slasher-Welle erblickte dieser sehr sonderbare Film das Licht der Welt und dürfte wohl deshalb ziemlich untergegangen sein. In Deutschland erschien Eberhardts Film sogar erst 1987 auf Video. Wer hier Sex, Gewalt und gute Laune sucht, ist völlig fehl am Platz. Stattdessen bekommt man ein sehr ruhig inszeniertes Mystery-Horror-Drama, was ein bisschen an das kanadische Horror-Kino der 70er-Jahre erinnert. Auch hier ist Weihnachten, aber nur am Rande, und statt Schnee fällt hin und wieder Regen. Die bedrückende Stimmung, die der Film von Anfang an hat, hält er bis zum Schluss durch, was für Eberhardt spricht. Zudem ist der Film gut ausgeleuchtet und zeigt sich in stimmungsvollen Farben. Als Kameramann fungierte Russell Carpenter, für den dieser Film sein Debüt als Kameramann war. Darauf fotografierte er Filme wie DIE PHANTASTISCHE REISE INS JENSEITS (1988) oder FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE 2 (1992). Der Score von David F. Anthony begleitet das Geschehen passend. Gelungen ist auch die fast gänzlich unbekannte Besetzung, allen voran Anita Skinner als Denise Watson, die ihre Rolle ziemlich ernst nimmt und damit gut durch den Film kommt. Neben GIRLFRIEDS (1978) blieb dieser Film ihr einziger. Bis auf Caren L. Larkey, die man aus GET OUT (2017) kennen könnte, hatten die meisten Darsteller hier ihren einzigen Auftritt. Richtige Fachkräfte sind also nicht am Werk, aber dafür ist das Spiel durchaus befriedigend. Es gibt wenig Highlights im Bereich der Effekte oder der Horror-Zutaten, die das Gros der Zuschauer 1983 vermutlich erwartet haben, zu verzeichnen. NUR TOTE ÜBERLEBEN setzt stark auf Dialog statt auf Gewalt und folgt einer Story, die einen vor Rätseln stellt. Manchmal ist die Inszenierung aber auch zu kriechend, tritt etwas auf der Stelle oder raubt einem die Luft zum atmen. Es kommt keine Auflockerung rein, was im Grunde als Stärke zu werten ist, aber den Film auch etwas sperrig macht. 

    NUR TOTE ÜBERLEBEN macht es dem Zuschauer nicht immer leicht, aber wenn man am Ball bleibt, dann darf man einen atmosphärischen, teils unheimlichen Mystery-Totenreich-Horrorfilm erleben, der sich lediglich etwas zu viel Zeit nimmt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Isle of Darkness, 1997 – ★★

    Isle of Darkness, 1997 – ★★

    INSEL DER DUNKELHEIT
    (MØRKETS ØY, Norwegen, 1997, Regie: Trygve Allister Diesen)

    Erst verliert Julie ihren Job als Lehrerin dann betrügt sie auch noch ihr Freund mit einer anderen Frau. Sie ist bereit für ein neues Leben, und das erhofft sie sich auf einer kleinen Insel in Norwegen, wo sie wieder als Lehrerin arbeiten will. Doch die Idylle auf der kleinen gottgläubigen Insel ist trügerisch.

    Hier ist er also, der gefühlt 1000. Auf-dieser-Insel-stimmt-doch-was-nicht-Film. Die norwegische Produktion, die unter der Regie von Trygve Allister Diesen entstanden ist, ist ein typisches Kind seiner Zeit. Alles fühlt sich nach 90er-Jahre an, wo solche Produktionen nicht untypisch waren. Thriller waren angesagt, und das skandinavische Kino sowieso. Ganz klar ist hier auch THE WICKER MAN (1973) von Robin Hardy zu erkennen, dessen Wirkung natürlich zu keiner Zeit erreicht wird. Überhaupt wird hier nicht viel erreicht, was mich überzeugen konnte. Das überzogene Schauspiel von Sofie Gråbøl als Julie hat mich früh genervt, legt sich aber später etwas. Viel nerviger ist Sina Langfeldt als Solveig, eine Schülerin von Julie. Sie ist das typische Mädchen mit Problemen, die man ihr von 100 Metern aus ansieht. An Klischee-Figuren, die schnell Müdigkeit in mir breit machten, mangelt es nicht.

    An sich sieht die Produktion zwar okay aus, ist solide fotografiert und hat ein schönes Insel-Setting zu bieten, aber Diesen liefert kaum spannende Momente oder irgendwelche Highlights. Alles ist irgendwie vorhersehbar und fade. Immerhin konnte mir das Ende ein leichtes Lächeln auf die Lippen zaubern. 

    INSEL DER DUNKELHEIT ist ein mäßig spannender Insel-Thriller, der vor allem an seinen Klischeefiguren krankt. Allenfalls etwas für nebenbei.

    (Bjoern Candidus)

  • The Raid, 2011 – ★★★★

    The Raid, 2011 – ★★★★

    THE RAID
    (SERBUAN MAUT, Frankreich, Indonesien, USA, 2011, Regie: Gareth Evans)

    Regisseur Gareth Evans bringt die Erde zum beben. Mit THE RAID schmettert er dem Zuschauer eine volle Wagenladung Actionfeuerwerk um die Ohren, wie ich es lang nicht mehr gesehen habe. Die Story ist schnell erzählt: Eine Spezialeinheit der Polizei soll ein achtstöckiges Hochhaus stürmen, um einen Drogenboss das Handwerk legen. Doch sie geraten in eine Falle, die zu einem Fest des Todes wird. 

    Von Anfang bis Ende wird hier geschossen, geschlitzt, zerhackt, zertreten und geprügelt bis die Luft wegbleibt. Der Grad der Brutalität schlägt gehörig aus. Hin und wieder kamen leichte Ermüdungserscheinungen in mir auf, da der Film fast nie zur Ruhe kommt, was die Situation der Geschichte natürlich auch nicht zulässt. Dennoch hat mich THE RAID auch in den Phasen der Wiederholungen stets unterhalten, und da er ungemein gut aussieht und mit Iko Uwais und Ray Sahetapy stark besetzt wurde, lasse ich ihm das gerne durchgehen. Ich habe es sehr genossen, endlich mal keine Amis zu sehen und nicht den üblichen West-Action-Brei zu fressen. 

    Die Kampf-Choreografien sind exzellent inszeniert und haben mich staunend zurückgelassen. Obwohl ich eher ein Freund von langsamer Bildsprache bin, hat mich die Geschwindigkeit in diesem Film mit großer Freude förmlich in den Sessel gepresst. Die Zeitlupen-Momente, bevor mal wieder einer durchlöchert wird, lassen einen natürlich an Sam Peckinpah und John Woo denken, haben aber eher einen bitteren MATRIX (1999) – Beigeschmack. Es sei Evans verziehen. 

    Zu der rasenden Action liefert THE RAID auch immer wieder spannende Momente, die zwar sehr schnell durch die nächste Ladung Action verpuffen, aber immer gut aufeinander abgestimmt sind. Evans hat ein Händchen für Ausgleich bewiesen. Ebenso gelungen ist das Setting. Das riesige Hochhaus, was grau und halb verrottet in den Himmel ragt, ist innen (im Studio) wie außen atmosphärisch in Szene gesetzt und passt sich den kaputten Typen an, die darin hausen. 

    THE RAID ist hammerhartes Actionkino, was alle Erwartungen an diesem Genre erfüllt.

    (Bjoern Candidus)

  • A Train for Durango, 1968 – ★★★★

    A Train for Durango, 1968 – ★★★★

    DER LETZTE ZUG NACH DURANGO
    (UN TRENO PER DURANGO, Italien, Spanien, 1968, Regie: Mario Caiano)

    Auf der ewigen Suche nach Gold begeben sich Gringo und Luca in eine Eisenbahn, die, wie soll es auch anders sein, überfallen wird, weil sie eine nicht unerhebliche Menge an Bargeld transportiert. Nicht nur der Safe wird geklaut, sondern auch die reizende Helen wird gekidnappt, die Gringo kurz vorher den Kopf verdreht hat. Für Gringo und Luca steht nur noch ein Ziel an: Das Geld und Helen zurückzuerobern. 

    Die Regie führte bei dieser Italowestern-Komödie Mario Caiano (DIE LETZTE RECHNUNG SCHREIBT DER TOD, 1976), der auch gemeinsam mit José Gutiérrez Maesso und Duccio Tessari, die für die Story verantwortlich waren, das Drehbuch schrieb. Erfahrene Menschen hinter der Kamera, erfahrene Menschen vor der Kamera. Eine ganze Wagenladung an phantastischen Darstellern wird hier abgeladen, was den Film allein in dieser Hinsicht zu Höhenflügen verhilft. Anthony Steffen als Gringo und Enrico Maria Salerno als Luca sind ein prächtiges Gespann, denen die Tölpelhaftigkeit, die sie sonst eher weniger an den Tag legen, gut zu Gesicht steht. Von den beiden geht auch der meiste Humor aus, der sich vor allem in Dialogen oder in überspitzten Situationen äußert. Sehr unterhaltsam ist auch 
    Mark Damon als Dandy und Waffennarr Brown, der mit seinem Automobil und seinem Maschinengewehr durch die Wüstenlandschaft fährt. Des Weiteren haben wir noch Dominique Boschero als die kecke Helen und als Mexikaner José Badolo und Aldo Sambrell. Da kann niemand meckern. 

    Die wunderschöne Naturkulisse von Andalusien, die als Mexiko verkauft wird, wurde von Enzo Barboni (DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS, 1970) meisterlich fotografiert. Dazu schmückt sich der Film mit tollen Farben. Etwas ungewöhnliche Klänge für einen Italowestern serviert Carlo Rustichelli mit seinem Score, der aber nie als Fremdkörper wirkt. Trotz seiner humorvollen und lockeren Art wird auch fleißig gestorben; der zynische Ton vieler Italowestern bleibt aber weitestgehend aus. Da der Film meistens nach vorne will, kommt es zu abwechslungsreichen Settings. Im Grunde kann man hier von einem Roadmovie sprechen.  

    DER LETZTE ZUG NACH DURANGO ist eine toll besetzte, actionreiche Italowestern-Buddy-Komödie, die lediglich mit kleinen Hängern in der Mitte zu kämpfen hat.    

    (Bjoern Candidus)

  • One Million B.C., 1940 – ★★½

    One Million B.C., 1940 – ★★½

    MILLIONEN JAHRE ZURÜCK
    (ONE MILLION B.C., USA, 1940, Regie: Hal Roach / Hal Roach Jr.)

    Eine Gruppe Bergsteiger sucht in einer Höhle Unterschlupf. Wie es der Zufall will, wird die Höhle von einem Wissenschaftler untersucht, der den Bergsteigern die abenteuerliche Geschichte von Tumak erzählt, der von seinem Stamm verstoßen wurde und auf einen anderen, viel friedvolleren Stamm trifft. Dort lernte er auch Loana kennen, die ihm prompt den Kopf verdreht. Doch auch in diesem Stamm kommt es zu einem Konflikt, der Tumak vertreibt. Er entschließt sich zurück zu seinem Stamm zu gehen, und Loana begleitet ihn. 

    Filmlegende Hal Roach hat hier zusammen mit seinem Sohn Hal Roach Jr. (wie einfallsreich) ein ansehnliches Urzeit-Liebes-Abenteuer gezimmert. Wie so oft leben auch in dieser Filmwelt Dinosaurier zur gleichen Zeit wie Urmensch. Egal. 

    Man darf sich an tollen Kulisse von Wäldern, Bergen, Flüssen mit dampfenden Quellen laben, die wirklich eine prähistorische Atmosphäre heraufbeschwören. 
    Wenn einem nicht gerade echte Reptilien als Dinosaurier verkauft werden, denen man zusätzliche Hörner oder Kämme aufgepappt hat, haben wir es mit recht billigen Menschen-in-Dinosaurier-Kostümen zu tun. Das hätte nicht sein müssen, da man sich in anderen Momenten auch anderen Mitteln bedient hat. So entsteht manchmal ein unschöner Kontrast. Andererseits ist der absichtlich herbeigeführte Kampf zwischen einer echten Echse und einem kleinen Krokodil auch nicht gerade erbaulich. Viel störender ist aber die alberne Darstellung von den Urmenschen. Ein Victor Mature, ein Lon Chaney Jr. und eine Carole Landis sehen nun mal nicht aus wie Urmenschen, auch wenn sie Pelz und Lederlappen tragen. Diese ganze Urmenschen-Geschichte ist wenig reizend und wird zusätzlich von dem liebesschnulzenartigen Score von Werner R. Heymann verunglimpft, aber gut, neben einem Dino-Abenteuer haben wir es ja auch mit einem Liebesfilm zu tun. Der Ausgleich kommt aber mit dem Tempo, was der Film an den Tag legt. Eine Stagnation ist kaum zu verzeichnen; ständig passiert irgendwas oder die Hintergründe laden zum beobachten ein. 

    MILLIONEN JAHRE ZURÜCK oder TUMAK, DER HERR DES URWALDS, wie er hier alternativ heißt, kann durch sein charmantes Set-Design und einigen tollen Tricks punkten, ist aber inhaltlich leider nur zum schmunzeln.

    (Bjoern Candidus)

  • The Colossus of New York, 1958 – ★★★½

    The Colossus of New York, 1958 – ★★★½

    DER KOLOSS VON NEW YORK
    (THE COLOSSUS OF NEW YORK, USA, 1958, Regie: Eugène Lourié)

    Als der geniale Wissenschaftler Dr. Jeremy Spensser, den Friedensnobelpreis gewinnt, wird er kurz drauf von einem Auto erfasst. Sein Körper stirbt, doch sein Vater, ein Chirurg, kann sein Gehirn am Leben erhalten. Seinen anderen Sohn, Henry, kann er davon überzeugen, einen künstlichen Körper zu konstruieren, damit Jeremy wieder am Leben teilhaben kann. Das Vorhaben geht auf, doch es führt zu nichts Gutem. 

    Die Regie führte Eugène Lourié (PANIK IN NEW YORK, 1953), der erneut bewiesen hat, dass er unterhaltsame Filme zaubern konnte, die dazu auch noch toll aussehen. Der Film ist ordentlich fotografiert und ausgeleuchtet. Hierfür zeigte sich John F. Warren verantwortlich, der 1966 DER ZERRISSENE VORHANG von Hitchcock fotografierte. Die Schwarzweißbilder mit ihren starken Kontrasten kommen sehr gut zur Geltung und sorgen samt dem Score von Van Cleave, der schwer wie Blei über den Bildern liegt, für eine bedrückende Atmosphäre. Auch wenn sich der Film in Sachen plakativem Horror sehr zurücknimmt, ist er doch tragisch und dramatisch genug, um Schrecken zu entfalten. 

    Nachdem man ein paar nette Einblicke in die Backwarenindustrie der bevorstehenden 60er-Jahre bekommt, geht es erst mal recht zügig zu. Kurze Freude über den Friedensnobelpreis, dann schon der Unfall. Dieses Tempo wird danach deutlich zurückgefahren, was völlig in Ordnung ist, da wir uns hier bei weniger als 70 Minuten Spielzeit bewegen. 

    Der Koloss, der aussieht wie ein wandelnder Schrank mit Kopf und Mantel und den Beinen von Frankensteins Monster, wirkt verstörend, ebenso die fremdartige Stimme (im O-Ton weniger roboterartig als in der dt. Synchronisation). Das Gehirn in einem „Golem-Körper,“ der nicht erwünscht ist. Dabei kommt natürlich auch die Frage auf, was einen Menschen ausmacht: Ist ein Mensch nur dann er selbst, wenn Gehirn, Körper und Geist zusammenliegen? Spensser beantwortet die Frage schnell und fährt in einen Wutmodus, in dem er nicht nur unter Wasser gehen kann, sondern auch Todesstrahlen aus den Augen abfeuern kann. Doch da ist auch noch Liebe in ihm, denn er hat nicht nur seine Frau zurückgelassen, sondern auch seinen kleinen Sohn, der ihn für einen Riesen hält, wenn er sich mit ihm heimlich im Garten trifft. Weniger bewegend sind die Darsteller, die doch sehr blass bleiben. Da wäre John Baragray, Mala Powers, Otto Kruger und Robert Hutton. Ross Martin ist der Koloss. 

    DER KOLOSS VON NEW YORK ist ein düsteres Mensch-Maschinen-Monster-Sciencefiction-Drama, was zwar keine wirklichen Highlights bietet, aber mich in seiner Gesamtheit überzeugen konnte. 

    (Bjoern Candidus)