Autor: marco-fritz

  • Panic in Year Zero!, 1962 – ★★★★

    Panic in Year Zero!, 1962 – ★★★★

    PANIK IM JAHRE NULL
    (PANIC IN YEAR ZERO!, USA, 1962, Regie: Ray Milland)

    Eigentlich wollte die vierköpfige Familie Baldwin nur einen kleinen Angelausflug in die Berge unternehmen. Auf ihrer Fahrt mit dem Wohnmobil sehen sie ein gleißendes Licht, was aus Richtung L.A. kommt. Kurz danach sehen Sie einen Atompilz aufsteigen. Eine Flucht beginnt, Plünderungen und Handgreiflichkeiten setzen ein. Mr. Baldwin beschließt eine Seitenstraße zu nehmen und die Chance zu nutzen, ausreichend Lebensmittel und Waffen zu organisieren, um mit seiner Familie in einer Höhle zu überleben. Schnell zeichnet sich ab, dass die Atombomben nicht die unmittelbare Gefahr für die Familie ist.   

    Der wunderbare Ray Milland spielt in diesem Atomkrieg-Survival-Drama nicht nur mit, sondern hat auch gleich Regie geführt, was in seiner Karriere nicht oft der Fall war. Milland lässt dem Zuschauer keine 5 Minuten Zeit, bis er ihn mit der totalen Katastrophe konfrontiert: einem Atomangriff auf die USA, der sich binnen kurzer Zeit zu einem globalen Atomkrieg ausbreitet. Wer diesen Krieg angezettelt hat, bleibt im Verborgenen. Ebenso verborgen bleibt große Theatralik oder das übliche Geplänkel. Auch die Meldungen, die man über Radio-Notsender hört, sind nur spärlich eingesetzt. Der Film konzentriert sich auf ganz andere Themen. Der Fokus liegt auf dem Überleben, darauf, wie man in kurzer Zeit seine Moral über Bord wirft und dass man sich nicht aufgeben sollte. 
    Dabei kommt es immer wieder zu einer gewissen Härte, die sowohl gezeigt wird als auch der Vorstellung überlassen wird.  

    Neben Milland setzt sich die Familie aus Jean Hagen, Frankie Avalon und Mary Mitchel zusammen, die soweit harmonieren. 

    PANIK IM JAHRE NULL ist spannend, erschreckend, realistisch und glücklicherweise nicht schwülstig oder moralisch überzogen. Schön. 

    (Bjoern Candidus)

  • Lemora: A Child’s Tale of the Supernatural, 1973 – ★★★★

    Lemora: A Child’s Tale of the Supernatural, 1973 – ★★★★

    LEMORA
    (LEMORA: A CHILD‘S TALE OF SUPERNATURAL, USA, 1973, Regie: Richard Blackburn)

    Lila Lee, ein Mädchen auf dem Weg zum Erwachsensein, wird von ihrem schwerkranken Vater, der einst ihre Mutter tötete, gebeten, ihn zu besuchen, um sich mit ihr zu versöhnen. Lila Lee verlässt ihr religiöses Umfeld und begibt sich auf eine finstere Reise direkt in die Arme von Lemora, einer sinistren Vampirin. 

    Richard Blackburn, der als Regisseur leider nur diesen einen Langfilm gedreht hat, hat hier ein wunderschönes, themenreiches Horror-Märchen gezaubert. Schaut man sich das Produktionsland und das Herstellungsjahr an, darf man sich schon wundern, denn das US-Horror-Kino sah damals in der Regel eher anders aus und war fokussiert auf den urbanen Schrecken. Der Gothic-Horror-Anstrich, der einen hier erwartet, weckt mehr Erinnerungen an das europäische Kino jener Tage. Hier ist man in der Nähe eines Mario Bavas oder Jean Rollin oder bei den Hammer-Studios und dem tschechischen Märchenkino. Eine der Inspirationsquellen ist aber tatsächlich eine US-Produktion, die 1970 den osteuropäischen Vampir Graf Yorga in amerikanische Gefilde brachte. Bob Kelljan hat mit COUNT YORGA, VAMPIRE eine ganz gute Brücke von den klassischen Gothic-Vampir-Horror-Pfaden in die Neuzeit geschlagen, noch bevor Stephen King es mit seinem Roman SALEM‘S LOT (1975) getan hat. Zeitlich ist die Story in LEMORA aber in den Zeiten der Prohibition (also zwischen 1920 – 1933) angesiedelt, was allerdings nur am Rande eine Rolle spielt. Vielmehr bewegt man sich in einer finsteren Alptraumwelt, die von zweierlei Vampiren beherbergt wird. Es gibt schöne Vampire, wie Lemora, aber auch zombieartige Vampire, die sich überfallartig auf ihre Opfer stürzen. Beiden Arten hat man ein gelungenes Make-up verpasst. Zudem gibt es ein paare blutige Momente, die manchmal recht ruppig sind, wie die Erschießung der Mutter und ihrem Liebhaber durch Lilas Vater. Über allem liegt der morbide Charme des Todes, der abstoßend und anziehend zugleich ist.

    LEMORA ist schön fotografiert und sieht zu jeder Zeit anständig aus. Hinter der Kamera stand Robert Caramico, der eine durchaus interessante Filmografie als Kameramann aufzuweisen hat. Wie wunderbar er Atmosphäre einfangen kann, hat er 1976 bei Hoopers EATEN ALIVE erneut unter Beweis gestellt. Okay, aber manchmal auch etwas eintönig ist der Score von Dan Neufeld. 

    Wie Regisseur Richard Blackburn unbekannt war und geblieben ist, waren und sind es auch die Darsteller. Die gespenstische Lemora wird von Lesley Taplin dargestellt, die junge Lila Lee von Cheryl Smith. Beide passen sehr gut in die düstere Welt, in die Lemora Lila wie eine Spinne hineinzieht. 

    Auch wenn LEMORA auf visueller Ebene Zucker ist und sämtliche Horror-Ansprüche abdeckt, ist Blackburns Inszenierung manchmal etwas sprunghaft, leider zulasten der Story. Nach der Premiere des Films im Jahre 1973 wurde der Film vom Studio um 40 Minuten gekürzt, die möglicherweise mehr Licht ins Dunkel gebracht hätten. Aber vielleicht ist es auch gut so wie es ist, denn LEMORA serviert zumindest ein Ende zum nachdenken. 

    LEMORA ist eine düstere, morbide Reise mit mysteriösen Figuren und märchenhaften Bildern, in denen ganz viel Liebe fürs Genre steckt. Blackburn hat ein faszinierendes Konstrukt aus Vampirfilm und Coming-of-Age-Drama geschaffen, was leider völlig unter dem Radar flattert. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Child, 1977 – ★★★½

    The Child, 1977 – ★★★½

    TOCHTER DES BÖSEN
    (THE CHILD, USA, 1977, Regie: Robert Voskanian)

    Nach dem Tod der Mutter stellt ein Vater das Kindermädchen Alicianne (Laurel Barnett) für seine Tochter ein. Der Tod der Mutter hat das Kind schwer erschüttert und krank gemacht. Doch das Kind hat auch ein Geheimnis, dem das Kindermädchen auf die Schliche kommt: Des nachts begibt sich die Kleine zum Friedhof, um mit ihren übersinnlichen Fähigkeiten Tote aus ihren Gräbern zu erwecken, die für sie Rache nehmen sollen, an all denen, die für den Tod ihrer Mutter verantwortlich sind. 

    Nur diesen einzigen Film hat Robert Voskanian abgedreht. Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Film eine kleine Offenbarung in Sachen Atmosphäre ist, die anfänglich mehr nach europäischem statt us-amerikanischem Horror-Kino aussieht. Ein bisschen Naschy, ein wenig Rollin eine Spur Italien ist zu erkennen. Wind, Nebel und ein unheimlicher Score von Rob Wallace (der irgendwann leider etwas nervt) sorgen schon bei der Eröffnungsszene auf einem alten Friedhof für wohligen Grusel. Wenn dann Alicianne, das Kindermädchen, eingeführt wird, erkennt man, dass man hier doch in einer US-Provinz ist. Das tut der Atmosphäre keinen Abbruch; Voskanian liefert bis zum Schluss stimmungsvolle Bilder. Dafür sorgen auch die Kamera-Perspektiven, die Mori Alavi nutzt, um für Abwechslung zu sorgen. Hier kam mir auch schnell EVIL DEAD (1981) in den Sinn. Das recht harte letzte Drittel, in dem die Rache-Zombies zum Blutgericht ausrufen, erinnert an NIGHT OF THE LIVING DEAD (1968) und wartet mit ordentlichem Make-up auf. Im Gegensatz zu Romeros frischen Untoten, hat man es hier mit modrigen zu tun, wie man sie wenige Jahre später im italienischen Zombie-Kino erleben durfte. Dem atmosphärischen Anfang, dem eine manchmal etwas schwerfällige Mitte folgt, spendiert man ein blutiges Ende. Ein guter Ausgleich. Wenn man bedenkt, dass von den Darstellern fast niemand davor oder danach im Filmgeschäft etwas getan hat, was auch für die meisten hinter der Kamera gilt, gibt es hier nichts groß zu monieren. 

    Sieht man von ein paar sauerstoffarmen Momenten ab, bekommt man viel Grusel geboten. Die Mischung aus Übersinnlichem und Zombie-Thematik passt gut. Die TOCHTER DES BÖSEN ist ein kleiner Hingucker aus der umfangreichen, hoch geschätzten Mottenkiste der 70er-Jahre-Horrorfilme. 

    (Bjoern Candidus)

  • Cemetery without Crosses, 1969 – ★★★★½

    Cemetery without Crosses, 1969 – ★★★★½

    FRIEDHOF OHNE KREUZE
    (UNE CORDE, UN COLT, Frankreich, Italien, 1969, Regie: Robert Hossein)

    Maria will die Ermordung ihres Mannes rächen und heuert ihre ehemalige Liebe Manuel an. Dieser soll die Tochter von Will Rogers entführen. Nachdem Manuel geschickt das Vertrauen von Rogers und seiner Bande gewinnt, kann er sich um die Entführung von Tochter Diana kümmern. Aber auch die beiden Brüder des ermordeten Ehemannes von Maria haben einen Plan. Es kommt zu einem blutigen Konflikt zwischen den Fronten. 

    Robert Hossein (DER MANN, DER PETER KÜRTEN HIESS, 1965) hat mit dieser französisch-italienischen Co-Produktion einen deprimierenden, beklemmenden und humorbefreiten Western gezimmert, der sich vor keinem Sergio verstecken muss.

    Schon die Pre-Titel-Sequenz sticht ins Auge, denn ein Italo-Western (streng genommen ein Franco-Italo-Western), der mit Schwarzweißbildern startet, ist keine Alltagskost. Viele der üblichen Genre-Konventionen werden ausgespart oder nur dezent einbaut. Statt Action mit ausufernden Schießereien, Saloon-Schlägereien oder rüpelhaften Cowboy-Proleten mit lockerer Zuge, stehen hier andere Spannungen auf dem Spiel. 
    Die spärlichen Dialoge und die eindringlichen Hintergrundgeräusche wie das Klappern von Geschirr, das Heulen des Windes oder das Ticken einer Uhr tragen zur bedrückenden Stimmung bei. Die Figuren sprechen mehr mit ihrem Ausdruck als mit Worten. Und diese Figuren werden von starken Darstellern ausgefüllt. Vor allem Robert Hossein als Manuel bringt ordentlich Charisma mit; er wirkt kernig und sanft zugleich, aber auch verzweifelt. Toll. In Trauer, Hass und Liebe gefangen erstrahlt die schöne Michèle Mercier (DIE DREI GESICHTER DER FURCHT, 1963) als Maria. Außerdem dabei Daniele Vargas (LABYRINTH DES SCHRECKENS, 1975) als Will Rogers, Michel Lemoine (NECRONOMICON – GETRÄUMTE SÜNDEN, 1968 / KÜSS MICH, MONSTER, 1969) als Eli Caine und viele andere, deren Gesichter sich dem umbarmherzigen Klima anpassen. 

    Karg und Trostlos ist es hier. Noch weniger Leben dafür umso mehr Atmosphäre, hält eine Geisterstadt parat, in der Manuel lebt. Fotografiert wurde der Film von Henri Persin. Familiärer wird es mit dem schönen Score, denn der stammt von Roberts Vater André Hossein. 

    FRIEDHOF OHNE KREUZE ist ein lebensverneinendes Edel-Western-Drama vor endzeitlicher Kulisse. Konsequent bis zum Schluss. Stark! 

    (Bjoern Candidus)

  • The Battery, 2012 – ★★★★

    The Battery, 2012 – ★★★★

    BEN & MICKEY VS. THE DEAD 
    (THE BATTERY, USA, 2012, Regie: Jeremy Gardner)

    Die Handlung ist schnell erzählt: Ben und Mickey, zwei Baseballspieler, schlagen sich durch die von Zombies verseuchten USA. Zu sagen haben sich die beiden relativ wenig. Ben wird immer dicker, rasiert sich nicht und wäscht sich nicht mehr, während der schweigsame Mickey die Situation mit Musik via Discman über Kopfhörer versucht auszublenden. In Sachen Welt-von-Untoten-reinigen ist Mickey Ben jedenfalls keine große Hilfe, ganz im Gegenteil, sein Verhalten bringt sie in ungeahnte Schwierigkeiten… 

    Im Grunde passiert in Jeremy Gardners Zombiefilm nichts Außergewöhnliches, und ich gehe stark davon aus, dass viele diesen Film zäh und langweilig finden, aber genau daraus zieht er seine Stärke. Man könnte meinen, der Film würde im Universum von Romeros-Untoten-Filme spielen. Die Zombies sind langsam und tumb. Wie auch bei Romero bleibt eine Erklärung für die Seuche im Unklaren, das Thema wird nicht mal angeschnitten. Sehr gut. Aber davon ab, Gardner interessiert sich relativ wenig für die Zombies, sein Fokus liegt auf den beiden Figuren. Und dabei übernimmt Jeremy Gardner gleich noch selbst die Rolle des Ben. Ihm gegenüber: Adam Cornheim als Mickey. Beide harmonieren, auch wenn es ihre Charaktere nicht tun. Schön sind die kleinen Details, die man entdecken kann, da hängt z.B. ein LOST BOYS (1987) Poster herum und irgendwann spricht man kurz über TREMORS (1990). Dieser Film ist von einem Fan, und das merkt man. Während man sich in der ersten Hälfte wie im Roadmovie von Ort zu Ort bewegt und gerade in diesen Momenten Romero in den Sinn kommt, verwandelt sich der Film in der zweiten in eine Art CUJO (1983) mit Zombies. Sehr gelungen sind die Aufnahmen sonnendurchfluteter Wiesen und Wälder, die die leicht meditative Wirkung des Films zusätzlich unterstützen. Entschleunigung ist hier Programm, ähnlich wie bei THE DEAD (2010) von den beiden Ford Brüdern. 

    BEN & MICKEY VS. THE DEAD ist aufregend unaufgeregt, spart an Blut und Action und serviert stattdessen Charakterkino in einer Welt der Untoten. Schön. 

    (Bjoern Candidus)

  • Lake Placid, 1999 – ★★★½

    Lake Placid, 1999 – ★★★½

    LAKE PLACID
    (Kanada, USA, 1999, Regie: Steve Miner)

    Gemeinsam mit Wildhüter Jack, Hector, einem Professor und dem stadtansässigen Sheriff, untersucht die Paläontologin Kelly Scott einen Fall am Lake Placid in Maine, bei dem ein Taucher in zwei Hälften gerissen wurde. Man findet in der Leiche einen riesigen Krokodilzahn, der Fragen aufwirft. Fragen, die alsbald beantwortet werden, denn ein riesiges Krokodil macht die Gegend unsicher, und es hat Hunger. 

    FRIDAY THE 13TH (1980) – Produzent Steve Miner, der immer wieder solide Arbeit abgeliefert hat, wirft man mal einen Blick auf HOUSE (1985) oder WARLOCK (1989), begibt sich hier in Tierhorror-Gefilde. Schon die Eröffnungsszene mit dem Taucher lässt unweigerlich an DER WEISSE HAI (1975) denken. Dass die vielseitigen Kräfte von Spielbergs Meisterstück hier nicht erreicht werden, dürfte allerdings klar sein. Aber Steve Miner hat genug eigene Luft, um sich etwas zu lösen. Neben der von Stan Winston geschaffene Hauptfigur, das riesige Krokodil, ist es die Besetzung, die sich sehen lassen kann. Bill Pullman ist fast immer gut, ohne viel zu machen und Bridget Fonda überzeugt mit bissigen Sprüchen. Daneben erhöhen Oliver Platt und Brendan Gleeson die Stimmung. Die Dialoge zwischen den Figuren sorgen jedenfalls meistens für erhellende Momente. Die Kroko-Effekte sind sowohl handgemacht als auch am Rechner entstanden und können sich meistens sehen lassen. Die Panzerechse aus DER HORROR-ALLIGATOR (1980) von Lewis Teague wirkt allerdings etwas bedrohlicher und weniger entspannt als der am Lake Placid ansässige Beißer. Egal, fressen kann er und sorgt für ein paar starke Momente, die dann sogar durchaus spannend inszeniert wurden. 

    LAKE PLACID serviert Altbekanntes, kann sich aber durch seine unterhaltsamen Charaktere und dem schönen Natur-Setting behaupten und zumindest im Bereich der 90er-Jahre-Tierhorrorfilme auf einen der vorderen Plätze fläzen. 

    (Bjoern Candidus)

  • I Don’t Want to Be Born, 1975 – ★★★½

    I Don’t Want to Be Born, 1975 – ★★★½

    DER TEUFEL IN IHR
    (I DON‘T WANT TO BE BORN, GB 1975, Regie: Peter Sasdy)

    Erst scheint es so, als wolle Lucys Kind bei der Geburt nicht zur Welt kommen, dann ist es ungewöhnlich groß. Da das nicht reicht, um Lucy und ihrem Ehemann Gino das Leben schwer zu machen, ist der kleine Hosenscheißer zudem auch noch äußerst stark, aggressiv und neigt dazu, Menschen zu verletzen. Sie suchen nach Hilfe, die möglicherweise bei Ginos Nonnen-Schwester Albana zu finden ist, denn alles deutet daraufhin, dass der Teufel mit dem Kind auf die Welt gekommen ist.

    Peter Sasdy, der vorher für die HAMMER-Studios WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? (1970), COMTESSE DES GRAUENS (1971) und HÄNDE VOLLER BLUT (1971) inszenierte, reagierte hier nicht nur auf ROSEMARY‘S BABY (1968), DER EXORZIST (1973) und seine Rip-Offs, sondern (möglicherweise) auch auf DIE WIEGE DES BÖSEN (1974) von Larry Cohen, der sich wiederum nicht mit okkulten oder übersinnlichen, sondern mit medizinischen Themen auseinandersetzt. Monströse Babys oder Kinder dürften jedenfalls einen Nerv getroffen haben. Was hier auffällt sind gewisse Parallele zu DAS OMEN (1976) von Richard Donner, dessen Story von David Seltzer stammt und ein Jahr später höchst erfolgreich ins Kino kam. Die Story zu DER TEUFEL IN IHR stammt hingegen aus der Feder von Nato de Angeles. Inwieweit die eine Story nun Einfluss auf die andere hatte, weiß ich nicht. Auch wenn es Gemeinsamkeiten in Form und Inhalt gibt, sind beide eigenständig genug, abgesehen davon wird die visuelle Kraft von Donner nicht erreicht, was nicht heißen soll, der Film sei hässlich oder langweilig inszeniert. Ein paar Schocks, ein bisschen Blut und ein paar krude Einfälle hauchen ihm Leben ein. Die herbstliche Kulisse sorgt für eine wohlige Atmosphäre, das moderne Treiben auf Londons Straßen steht im Kontrast. Kontrastreich ist auch der funkige, psychedelische Score von Ron Grainer, der sehr stark ist, doch leider oft nicht zum Film passt. Wer hingegen sehr gut zum Film passt: der wunderbare Cast.  
    Joan Collins und Ralph Bates harmonieren als Elternpaar mit teuflischen Problemen. Stets verlässlich: Donald Pleasence, hier als Arzt Dr. Finch. Als Nonne ist Eileen Atkins zur Stelle, während für die Rolle der Haushälterin Hilary Mason verantwortlich ist. Als würde das nicht schon reichen, gibt es auch ein Wiedersehen mit Caroline Munro und John Steiner. Nicht ganz so überzeugend ist die Inszenierung des Babys. An sich ist es ein normales Baby. Tritt es in Aktion, passiert dies meistens im Off oder in der POV. Ansonsten schläft es oder stiert in der Gegend herum. Schön verstörend wird es allerdings, wenn das Baby gegenüber Lucy sein Äußeres verändert, um sie zu triggern.  

    Gute Darsteller, eine dichte Atmosphäre und ein paar schräge Einfälle machen DER TEUFEL IN IHR zu einem soliden Beitrag zum Thema „Böse Kinder“. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Falling, 1986 – ★★★½

    The Falling, 1986 – ★★★½

    ALIEN PREDATOR 
    (THE FALLING, Puerto Rico, Spanien, USA, 1986, Regie: Deran Sarafian) 

    Die drei Amerikaner Damon, Michael und Samantha machen in der Bergen Spaniens Urlaub. Doch ausgerechnet in dieser Gegend ist eine kleine Forschungsstation aus dem Weltraum abgestürzt, in der sich außerirdische Sporen befanden. Diese geraten nun an die Luft und infizieren Menschen und Tiere.  

    Regisseur Deran Sarafian (MIT STÄHLERNER FAUST, 1990) hat hier einen handfesten Alien-Virus-Horrorfilm abgeworfen, der ordentlich zur Sache geht. Die Bilder sind sehr stimmig, werden beherrscht von einer düsteren Atmosphäre bei Nacht oder den sonnigen Ansichten der felsigen Landschaft von Spanien. Dazu darf man sich an der Architektur der Häuser eines Bergdorfes freuen, die für gruselige Stimmung sorgt. Für das Urlaubs-Feeling, was sich die drei Touristen im Film erhoffen, ist jedenfalls gesorgt, erst mal. Aber wenn es dann zur Sache geht, sorgen hervorragende Gore-Effekte und Latex-Masken dafür, dass die Stimmung kippt. Kontaminierte Kühe, die Erinnerungen an den Extended-Cut von ALIEN 3 (1992) erwecken, und andere Make-up-Effekte, werden Freunde von THE THING (1983) und Co. beglücken. Die Horror-Szenen werden wohl dosiert eingesetzt, was allerdings dazu führt, dass man auch immer wieder zähe oder sich wiederholende Abschnitte erdulden muss. Von den Darsteller dürfte Dennis Christopher (DIE SCHÖNEN MORDE DES ERIC BINFORD, 1980) am bekanntesten sein, der hier sonderbar aufdreht. An seiner Seite sind die beiden ziemlich blass wirkenden Martin Hewitt und Lynn-Holly Johnson. In dem Punkt bleibt der Film schwach, macht aber nichts. 

    Auch wenn ALIEN PREDATOR inhaltlich nichts Neues zu bieten hat und manchmal auf der Stelle tritt, glänzt er doch mit versierten Effekten und einer rundum gelungen 80er-Horror-Atmosphäre. 

    (Bjoern Candidus)

  • Frogs, 1972 – ★★★½

    Frogs, 1972 – ★★★½

    FRÖSCHE – KILLER AUS DEM SUMPF
    (FROGS, USA, 1972, Regie: George McCowan)

    Der Millionär Jason Crockett hat mit Chemiekeulen die Umwelt um seinen Landsitz in den Sümpfen Floridas kontaminiert. Das erhitzt die Gemüter der Fauna, die prompt zum Angriff übergeht. Der passende Moment der Rache, denn Jason Crockett will, wie jedes Jahr, gemeinsam mit seiner Sippschaft seinen Geburtstag in seiner weitläufigen Villa feiern. 

    Dass das titelgebende Tier gar nicht das mörderische Monster ist, sondern eher eine Art Anstifter, ist zwar ein Titel-Schwindel, aber ein legitimier, der vor allem durch den deutschen Titel, FRÖSCHE – KILLER AUS DEM SUMPF, verstärkt wird. Anders wäre wahrscheinlich auch nicht das schöne Filmplakat entstanden, was einen Frosch ziert, der eine menschliche Hand frisst. Die Frösche glänzen vor allem mit ihrer Anwesenheit; man hört und sieht sie. Es sind vor allem Schlangen, Echsen, Blutegel und Spinnen, die hier angreifen. Also Tiere die nur schlecht bis gar nicht hören können, auch keine Frösche, die zum Angriff quaken. Aber gut, das Horror-Kino ist kein Ort der Logik, und das ist auch gut so. Woran es auf jeden Fall krankt, sind die Angriffe. Die meisten sind nicht gerade gut inszeniert, was aber auch an den meist eher harmlosen Tieren liegt. Sehr gelungen sind hingegen die Tier-Aufnahmen an sich, die extra für den Film entstanden sind. Gerade Freunde von Reptilien und Amphibien kommen hier auf ihre Kosten. Was man George McCowans Inszenierung auch anrechnen muss: sie besitzt eine packende und beunruhigende Atmosphäre, die zusätzlich von Les Baxters Score veredelt wird. 

    Wer grundsätzlich ein Problem mit Froschquaken hat, wird sicherlich mit diesem Film nicht allzu viel Spaß haben, da dieses fast permanent zu hören ist, aber es verstärkt auch die Bedrohungslage und hat für mich als auditiver Terror funktioniert. Zudem ist das Florida-Setting schön anzusehen. Die Gewässer, Bäume mit Spanischem Moos, was gespenstig herabhängt und immer wieder von Nebel umwandert wird, bauen eine unheimliche Atmosphäre auf. Was man sicherlich etwas kritisieren kann sind die Figuren und die vielen Gespräche, die sich irgendwann wiederholen. Dabei ist die Besetzung gar nicht schlecht. Ray Milland ist mir immer willkommen und passt glänzend in die Rolle des gebrechlichen Griesgrammillionärs.  
    Ebenfalls im Sumpf: Sam Elliott. 

    FRÖSCHE – KILLER AUS DEM SUMPF ist ein atmosphärisch dichter Pre-JAWS-Tierhorrorfilm aus dem Hause A.I.P. mit (fast) obligatorischer Öko-Botschaft, die aber durch alles andere untergeht. Egal, denn der Film macht einfach Spaß, auch wenn man ein paar langweilige Abschnitte in Kauf nehmen muss. 

    (Bjoern Candidus)

  • Satan’s Blood, 1978 – ★★★½

    Satan’s Blood, 1978 – ★★★½

    ESCALOFRIO – SATANS BLUT
    (ESCALOFRIO, Spanien, 1978, Regie: Carlos Puerto, Juan Piquer Simón)

    Das Ehepaar Andres und Ana und ihr Schäferhund Blacky treffen in Madrid ein anderes Paar: Bruno und Berta. Bruno behauptet Andres aus Schulzeiten zu kennen und lädt ihn und seine Frau auf ihr abseits gelegenes Anwesen sein. Sie sagen zu, obwohl sich Andres nicht wirklich an Bruno erinnern kann. Der Abend beginnt freundlich, bis sich die Herrschaften zu einer Séance entschließen. 

    Im Zuge der großen Okkult-Horrorfilm-Welle der späten 1960 – 70er-Jahre entstand dieses spanische Filmchen, was inhaltlich eine Art Mix aus ROSEMARIES BABY (1968), DER EXORZIST (1973) und DAS PARFÜM DER DAME IN SCHWARZ (1974) darstellt. Produziert wurde der Film von Juan Piquer Simóns Almena Films, während Carlos Puerto, der vorher mit Paul Naschy EL FRANCOTIRADOR (1977) gedreht hat, die Regie übernahm, wohl aber auch mit der Unterstützung von Simón. 

    Auf dem ersten Blick sieht der Film aus, als hätte man es mit einer italienischen Produktion zu tun. Die visuellen Grenzen zwischen dem italienischen und spanischen Horrorkino können schon mal verschwimmen. Vor allem sind mir zwei Italiener in den Sinn gekommen: Andrea Bianchi (DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES, 1981) und Mario Landi (PATRICK LEBT, 1980). Das liegt auch an der Villa im Film, die einen Hauch von der Villa Parisi hat, in der die beiden oben genannten Filme gedreht wurden. Der Schmierfaktor von Bianchi / Landi wird zwar nicht ganz erreicht, es geht aber Stark in die Richtung. Allerdings ist ESCALOFRIO vorher entstanden, man müsste den Vergleich also umdrehen. Aber es soll ja hier um Carlos Puertos Film gehen, der auch für das Drehbuch verantwortlich war. Nach einer Schwarzen Messe, bei der eine Frau von Satanisten vergewaltigt wird, geht es etwas sanfter weiter. Der Einstieg mit Andres und Ana und Bruno und Berta ist interessant. Man tut so, als ob man jemanden kennt, der anfängt, das zu glauben. Eine Art Enkel-Trick ohne Enkel und Oma, die darauf hereinfällt. Ein mysteriöser Einstieg ist so jedenfalls gefunden, bevor es vorbei an einer stimmungsvollen Landschaft zur Villa geht, in der sich die beiden Pärchen treffen wollen, um das Glas zu erheben. Nachdem es erhoben wurde, lässt man es auch noch rücken, um den Teufel zu beschwören. Und da das alles nicht reicht, bekommt man es auch noch mit einer Gruppensex-Party zu tun, natürlich auch im Namen des Teufels, samt Blutritual. Nacktes Fleisch beider Geschlechter ist hier also garantiert. Aber der Film bietet auch einige spannende und atmosphärische Momente, die durchaus für Gänsehaut sorgen können. Puerto wollte hier scheinbar nichts auslassen und hat sämtliche Horrorfilm-Zutaten jener Tage in den Brei gerührt. Das ist nicht immer gelungen; manchmal gibt es auch ein paar dröge Momente, die aber schnell vergessen sind, wenn Puerto zum nächsten Mittel greift. Ein bisschen Gore wird dem Zuschauer im letzten Drittel auch geboten, aber in diesem Punkt hält man sich eher zurück. Die Darsteller sind sicher keine Aushängeschilder, aber als Ensemble funktionieren Ángel Aranda, Sandra Alberti, Mariana Karr und José Maria Guillén ganz gut. 

    ESCALOFRIO bietet Sex, Gewalt, okkultes Tamtam, schmierige Momente im Überfluss, hat aber auch ein paar zähe bis dümmliche Momente zu bieten, über die ich aber hinwegsehen kann. 

    (Bjoern Candidus)