Autor: marco-fritz

  • 86. Dead Eyes (1989)

    86. Dead Eyes (1989)

    DEAD EYES (1989)

    OT: IL GATTO NERO

    Italien, 1989

    Regie: Luigi Cozzi

    IL GATTO NERO, DE PROFUNDIS, DEMONS 6, DEAD EYES… Luigi Cozzis inoffizieller dritter Teil der „Mütter-Trilogie“, die mit Dario Argentos SUSPIRIA (1977) und INFERNO (1980) gestartet ist, hat viele Namen. Bjoern Candidus und Patrick Müller werfen einen Blick auf den bunten Horror-Trip aus dem Hause Cozzi, der seit jeher unter dem Radar läuft.

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

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  • Timebomb, 1991 – ★★★½

    Timebomb, 1991 – ★★★½

    NAMELESS – TOTAL TERMINATOR
    (TIMEBOMB, USA, 1991, Regie: Ari Nesher)

    Der Uhrmacher Eddy Kay hat eine düstere Vergangenheit, an die er sich allerdings nicht mehr erinnern kann. Doch immer wieder wird er von Flashbacks an ein Leben vor dem jetzigen erinnert. Als er das Leben einer Frau und ihrem Kind rettet, wird ihm immer mehr bewusst, dass irgendwas nicht mit ihm stimmt. Dann erkennt ihn ein CIA-Agent wieder, der ihn für tot gehalten hat. Es beginnt eine gnadenlose Jagd, denn Eddy Kay muss sterben.

    Regisseur Ari Nesher, der mich mit seinem zwei Jahre später entstandenen DOPPELGANGER (1993) mit Drew Barrymore und Dennis Christopher begeistern konnte, hat auch hier ordentliche Arbeit geleistet. Im Oktober gleichen Jahres kam auch der nicht unähnliche UNIVERSAL SOLDIER von Roland Emmerich ins Kino, während NAMELESS – TOTAL TERMINATOR bereits im Mai anlief. 

    Schießereien, Verfolgungsjagden und ein schönes Großstadt-bei-Nacht-Setting lassen noch ein wenig die 80er-Jahre durchscheinen, was dem Film guttut. Dazu spendiert Patrick Leonard, der bis heute mit Madonna arbeitet, ein coolen, wenn auch etwas unauffälligen Score.   
    Die Inszenierung ist durchweg stimmig, reich an Action, schreitet immer voran und ist mit Michael Biehn (TERMINATOR, 1984) als Eddy Kay passend besetzt. An seiner Seite steht Patsy Kensit (LETHAL WEAPON 2, 1989) als Dr. Anna Nolmar, während ihnen Richard Jordan als CIA-Agent (DER WÜSTENPLANET, 1984) an den Fersen hängt. 

    Zu großen Überraschungen oder wegweisenden Innovationen kommt es bei NAMELESS – TOTAL TERMINATOR nicht, aber wer auf handfeste Action-Thriller mit Sci-Fi-Elementen steht, zudem ein Herz für die 80er-/ 90er-Jahre-Ästhetik besitzt, der möge einen Blick riskieren. 

    (Bjoern Candidus)

  • Frame Up, 1968 – ★★★½

    Frame Up, 1968 – ★★★½

    QUELLA CARGONA DELL‘ISPETTORE STERLING
    (Italien, 1968, Regie: Emilio Miraglia)

    Selbst ist der Mann, denkt sich 
    der ehemalige Inspektor Sterling und jagt die Killer, die seinen Sohn und einen seiner Informanten getötet haben. Aufgrund seiner Methoden, musste er seinen Dienst quittieren und ermittelt nun auf eigene Faust, um den Drahtzieher der Morde zu beseitigen. 

    Mit QUELLA CARGONA DELL‘ISPETTORE STERLING hat Regisseur Emilio Miraglia (DIE GROTTE DER VERGESSENEN LEICHEN, 1971) einen frühen Vertreter des italienischen Polizeifilms geschaffen, bedenkt man, dass DAS SYNDIKAT erst 1972 aufmarschierte und eine große Welle ähnlich gelagerter Produktionen hervorbrachte, in denen sich nicht selten Henry Silva verirrte. Aber Silva drehte gerne mit den Italienern, da sie sympathisch waren und eine ganz eigene Auffassung vom Filme drehen hatten, wie er in einem Interview erzählte. Und Spaß hatte er hier sichtlich, denn seine Mimik, die sich ohnehin kaum verändert, steht auf Zorn. Also die beste Voraussetzung, um von Mr. Silva unterhalten zu werden. Und da er hier das (eigene) Gesetz vertritt, ist er sogar auf der Seite der Guten anzutreffen. Des Weiteren versammeln sich hier noch Beba Loncar, Keenan Wynn, Piere Paolo Capponi und Luciano Rossi, die dem Film allesamt guttun. Was hier sehr schnell auffällt ist die ausgesprochen schöne Fotografie von Erico Menczer (DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE, 1971). Die sonnigen Tag- und vor allem Nacht-Aufnahmen von San Francisco mit den vielen Farben und Lichtern bauen eine tolle Großstadtatmosphäre auf, die mich etwas an die Filme von William Friedkin und Michael Mann erinnert hat. Neben dem Treiben auf den Straßen zwischen Hochhäusern gibt es auch stimmungsvolle Szenen in Bars mit verdrogten Hinterzimmern, passend untermal mit einem Score von Robby Poitevin .

    Für 1968 sieht der Film sehr modern aus. Er verrät seine Zeit eher durch die Mode und Frisuren. Obwohl man er gutem Tempo vorangeht, ist er stellenweise etwas in die Länge gezogen, zudem hält sich die Spannung in Grenzen, doch sieht man über die kleinen Makel hinweg, ist QUELLA CARGONA DELL‘ISPETTORE STERLING ein ordentliches Krimi-Drama mit einem Henry Silva wie man ihn liebt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Metamorphosis, 1990 – ★★

    Metamorphosis, 1990 – ★★

    LIZARD – DIE TOTALE MUTATION 
    (METAMORPHOSIS, Italien, USA, 1990, Regie: George Eastman)

    Der Wissenschaftler Dr. Peter Houseman forscht an einem Serum, um den Alterungsprozess des Menschen aufzuhalten. Die Köpfe, die seine Forschung unterstützen, setzen ihn zusehend unter Druck, da der Erfolg noch immer ausbleibt. Als Houseman seinem Ziel näher kommt, testet er das Serum an sich selbst. Seine DNA verändert sich und er wird zu einer Gefahr für seine Umwelt. Zwar kann man ihn fangen und in eine Klinik bringen, aber damit hält man nicht die grausige Veränderung auf, die ihn zu einem Reptilien-Monster werden lässt. 

    Gleich zwei italienische Legenden vereinen sich in diesem Film: Luigi Montefiori und Aristide Massaccesi, – besser bekannt als George Eastman und Joe D‘Amato. Das Besondere dabei ist, dass George Eastman hier sein Regiedebüt abliefert. Eastman war nie nur als Darsteller im Einsatz, sondern hat auch Drehbücher oder Storys für Filme wie KEOMA (1976), HORROR-SEX IM NACHTEXPRESS (1980) oder MAN-EATER (1980) geschrieben. Und für Joe D‘Amato stand er besonders gerne vor der Kamera, wie z.B. in besagtem MAN-EATER, IN DER GEWALT DER ZOMBIES (1980), ABSURD (1981) oder ENDGAME (1983). Umso erfreulicher ist es, dass der gute George auch mal seine eigene Story als Regisseur realisieren konnte. Doch die Freude währt nicht allzu lang, denn LIZARD – DIE TOTALE MUTATION ist leider kein Glanzlicht. Die Filme aus Joe D’Amatos Produktionsschmiede Filmirage sind von unterschiedlicher Qualität geprägt, doch der Großteil schmückt sich nicht gerade mit Glanz. Dennoch sind Filme wie GHOSTHOUSE (1988) von Umberto Lenzi, WITCHCRAFT (1988) von Fabrizio Laurenti oder TROLL 2 (1990) von Claudio Fragasso durchaus unterhaltsam und haben einen ganz eigenen Charme. Eins der Highlights ist aber ganz klar
    AQUARIUS – THEATER DES TODES (1987) von Michele Soavi. 

    LIZARD – DIE TOTALE MUTATION 
    hat vor allem ein Problem: er ist lange Zeit sehr zäh und spannungsarm. Alles zieht sich in die Länge, die sehr unbekannten Darsteller sind annehmbar, reißen aber ebensowenig mit, wie die Story selbst. Filme wie DIE FLIEGE (1958/1986) oder DER HÖLLENTRIP (1980) sind zu erkennen, wie auch der Reptilien-Horror der 1980er-Jahre. Der Gore-Freund wird kaum fündig, was bei dem Produktionsteam etwas verwundert. Immerhin ist das Make-up (V-DIE AUSSERIRDISCHEN KOMMEN, ENEMY MINE lassen grüßen) des Reptiloiden ganz gut geworden, wird aber auch durch das spärliche Licht hilfreich kaschiert. Zumindest wird durch das schwummrige Licht in grün und violett eine schöne Atmosphäre ins Labor des Mad Scientist gezaubert. Wenn man die ersten 50 Minuten überstanden hat, wird man im letzten Abschnitt wenigstens noch mit kleinen Spannungsspitzen und Absurditäten belohnt. 

    Unter den hunderten von Filmen, in den ein Wissenschaftler nach der Formel für die ewige Jugend sucht, ist LIZARD – DIE TOTALE MUTATION nicht interessant. Im Rahmen der 80er-Jahre-Italo-Horror-Welle ist er als Fußnote, wegen George Eastman, immerhin erwähnenswert und für Fans ohnehin ein Muss. 

    (Bjoern Candidus)

  • A*P*E, 1976 – ★★★

    A*P*E, 1976 – ★★★

    A*P*E*
    (APE, Südkorea, USA, 1976, Regie: Paul Leder)

    Die Story dreht sich um einen riesigen Gorilla, der mit dem Schiff nach Südkorea geschafft wird, um als Attraktion im Disneyland (!) zur Schau gestellt zu werden. Kurz vor dem Festland bricht der Affe aus, reißt das Schiff in Stücke, kämpft gegen einen riesigen Hai und legt anschließend eine Stadt in Schutt und Asche. Gemeinsam mit der US-Army kämpfen die Südkoreaner gegen den Riesenaffen, der sich ausgerechnet in eine blonde Schauspielerin verliebt, die gerade vor Ort einen Film dreht. 

    Wer dachte, KING KONG LEBT (1986) sei gar nicht mal so gut, hat recht, aber A*P*E* ist halt noch viel schlechter. Aber Moment! Was ist gut, was ist schlecht? Diese Frage kann jeder nur für sich selbst beantworten. Paul Leders Regiearbeit hat mich amüsiert und letztlich gut unterhalten. Ich könnte hier zahlreiche Verfehlungen wie Größenmaßstab-Irrsinn, lächerliche Dramaturgie und dazu passende Darsteller, ulkige Plastikkühe oder mit Kunstfell beklebte Baumstämme, die Riesenaffenbeine darstellen sollen, aufzählen und an den Pranger stellen, aber nicht um sie zu hassen, sondern zu lieben und weil ich sie in dieser Art von Kino erwarte. Um einen besonders starken Kontrast zwischen Ami und Koreaner zu schaffen, war man in Deutschland wieder besonders keck und hat die Koreaner auf Bayerisch synchronisiert. Herzlichen Glückwunsch! Aber gut, für diesen Zusätzlichen Irrsinn ist ein Paul Leder nicht anzuklagen, der hat andere Taten zu verantworten. 

    A*P*E* ist gut gefüllt mit Zerstörung, Action und Spaß in allen Ecken. Man wird immer wieder neu verwundert über die Schlampigkeit mancher Effekte, die am Ende aber auch den Charme dieser Produktionen ausmacht. Auch wenn es manchmal zu Ermüdungserscheinungen kommt, überragt der Unterhaltungsfaktor.  

    (Bjoern Candidus)

  • Scalps, 1987 – ★★★½

    Scalps, 1987 – ★★★½

    SCALPS – SIE KÄMPFT WIE EIN MANN
    (SCALPS, Italien, Spanien, 1987, Regie: Bruno Mattei, Claudio Fragasso) 

    Matt Brown, ein verbitterter Rancher, der aufgrund der Ermordung seiner Frau, kein gutes Bild von Indianern hat, geht mit der jungen Indianerin Yarin auf einen Rachefeldzug gegen Colonel Connor. Der hat einst mit seinen Männern ein Massaker unter Indianern angerichtet, weil Yarins Vater die Herausgabe seiner Tochter an ihn verweigert hat. Es kommt zu einem blutigen Kampf. 

    Nach Frauengefängnisfilmen, Sex-Mondos und Horrorfilmen, konzentrierte sich Bruno Mattei (und Claudio Fragasso) in den späten 80er-Jahren vor allem auf Actionfilme. Zwei Filme aus dieser Epoche sind DER WEISSE APACHE (1987) und SCALPS (1987), zwei Italowestern, die völlig aus der Zeit gefallen zu sein scheinen. Schaut man aber genauer hin, begegnet einem 1987 auch die einzige offizielle DJANGO-Fortsetzung DJANGOS RÜCKKEHR. Ein großes Italowestern-Revival hat es jedenfalls mit keine dieser Produktion gegeben. 

    Konnte man bei DER WEISSE APACHE noch ein bisschen das Produktionsjahrzehnt erahnen, sieht SCALPS noch mehr nach einer End-60er-bis Früh-70er-Produktion aus. Der Look ist authentisch und das Italowestern-Feeling ist überzeugend für den Rahmen, in dem man sich bewegt. Das Ganze wird natürlich vor allem dadurch erzeugt, dass man sich hier wieder in Almería bewegt, wo die meisten Spaghetti-Western entstanden sind. Ein gewisses Heimatgefühl baut sich so automatisch auf. Die Kostüme sind solide, die Ausstattung etwas spärlich, die schön ausgeleuchteten Studio-Kulissen wissen zu überzeugen. Lagerfeuerromantik, staubige, felsige Landschaften und ein passender Score von Luigi Ceccarelli sorgt für Atmosphäre. Manchmal reicht das aus für einen guten Film, doch Mattei (und Action-Star Richard Harris, der die Story schrieb) bietet auch Inhalt, wenn auch keinen großen. Wie schon DER WEISSE APACHE, so macht Mattei hier auch wieder Indianer zum Inhalt und reagiert erneut auf DAS WIEGENLIED VOM TOTSCHLAG (1970). Viel erzählt wird hier nicht, und die Rache-Story ist einfach zu abgelutscht. Aber bedenkt man, was Mattei kurz vorher und vor allem nachher abgeliefert hat, ist SCALPS – SIE KÄMPFT WIE EIN MANN ein durchaus solider Film geworden, der mich rundum unterhalten hat. Interessant ist auch, dass er gleich zweimal auf Indianer zurückgreift, die in der Welt des Italowesterns ingesamt selten vorkommen und in den 80er-Jahren kaum angesagt waren, mutmaße ich. 

    Auch die Darsteller können durchaus überzeugen. Da ist zum einen Vassili Karis als Matt Brown, der bereits in einigen Italowestern der goldenen Ära aufgetreten ist und zum anderen die wirklich schöne Mapi Galán als Indianer-Frau Yarin, die hier blutig zur Tat schreiten darf. In Sachen Gewalt gibt es ein paar deftige Einlagen. Köpfe werden abgeschlagen, Häupter skalpiert und Vassili Karis bekommt riesige Brustpiercings verpasst, die von Pferden gezogen werden. Besonders amüsant ist die RAMBO 2 – Pfeil, Bogen, Dynamit – Hommage und die Fallgrube mit Spießen wie aus dem Kannibalen-Kino. 

    Auch wenn SCALPS – SIE KÄMPFT WIE EIN MANN erst ab der zweiten Hälfte richtig in Fahrt kommt, kleine inszenatorische Schwierigkeiten hat, die Indianer-Rassismus-Thematik nur vordergründig benutzt, um reines Exploitation-Kino interessant zu gestalten, ist Mattei und Fragasso ein sehr kurzweiliger, teilweise sogar spannender, actionreicher und atmosphärischer Italowestern gelungen. Man kann von dem Duo Mattei / Fragasso halten was man will, es überrascht fast immer. 

    (Bjoern Candidus)

  • Born to Fight, 1989 – ★

    Born to Fight, 1989 – ★

    BORN TO WIN – IN DER HÖLLE DES DSCHUNGELS
    (NATO PER COMBATTERE, Italien, Philippinen, 1989, Regie: Bruno Mattei)

    Bruno Mattei hat mir schon viele unterhaltsame Stunden beschert. Die meisten seiner Filme schmücken sich nicht unbedingt mit Qualität, haben es aber oft geschafft mich zumindest gut zu unterhalten, mich aufgrund ihrer billigen Machart in Staunen zu versetzen oder mich einfach nur zum Kopfschütteln gebracht.  Ob mit oder ohne seinen Kompagnon Claudio Fragasso, die Welt um Mattei ist bunt. 

    Der Sex-Mondo LIBIDOMANIA – ALLE ABARTEN DIESER WELT (1979) ist höchst amüsant und bietet tolle Einblicke, die ich eigentlich nicht haben wollte, aber dankend angenommen habe. Mit HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN (1980) hat er seinen vielleicht bekanntesten Film gezaubert. Dort reagiert er auf die damals angesagte Zombiefilm-Welle und lässt sowohl Romero als auch Fulci durchblicken. Nein, er kopiert sie förmlich. Aber er streut auch eigenen Wahnsinn mit rein und liefert einen tollen Mix. Erstaunlich düster und brutal wurde es 1981 mit dem Teufels-Nonnen-Horrorfilm THE OTHER HELL, der zu seinen stärksten Filmen zählt, wie ich finde. Endzeitlichen Ratten-Horror mit hohem Unterhaltungswert gibt es mit RIFFS 3 – DIE RATTEN VON MANHATTAN (1984). Danach ging es qualitativ leider noch steiler nach unten. Es folgten vor allem Actionfilme, wie COBRA FORCE (1987) oder DER KAMPFGIGANT (1987), in dem sich sogar Donald Pleasence verirrte. Zeitlich völlig aus dem Rahmen fallen die beiden Spät-Italowestern DER WEISSE APACHE (1987) und SCALPS – SIE KÄMPFT WIE EIN MANN (1987). Zombies folgten dann noch mal mit ZOMBI 3 (1988), bei dem er mit Fragasso für den gesundheitlich angeschlagenen Lucio Fulci eingesprungen ist. Mit ROBOMAN (1988) folgt seine Antwort auf PREDATOR (1987) und ROBOCOP (1987) und mit CONTAMINATOR (1989) folgte die Verwurstung von ALIENS – DIE RÜCKKEHR (1986) und TERMINATOR (1984). Dies sind nur ein paar Beispiele aus der Welt von Bruno Mattei, der sich allzu gern an den großen Erfolgen der anderen orientierte, sich bediente oder sie regelrecht kopierte. Völlig legitim, wenn unter dem Strich unterhaltsamen Minuten dabei herum kommen. 

    Im Falle von BORN TO WIN ist das leider nicht geglückt. Hier wandeln Mattei und Fragasso (Story und Drehbuch) auf den Spuren von Filmen wie JÄGER DER APOKALYPSE (1980), IM WENDEKREIS DES SÖLDNERS (1983), aber vor allem RAMBO 2 (1985). 

    Hatte ich in den ersten zwei Minuten noch Hoffnung, als ich mich am Set von CUT & RUN (1985) glaubte zu befinden, wurde alles eingerissen, als man fast italowesternartig Brent Huff als C-Indiana Jones Sam Wood in einem Stuhl in einer Bar sitzen sieht. Zu dieser Zeit ist sein hohler Gesichtsausdruck, den er bis zum Schluss behalten wird, noch unter seinem Hut getarnt. Folgen tut man von Anfang an Mary Stevin als Maryline Kane, die einen Job für Sam Wood hat. Die gibt nämlich an, eine Reportage über das Gefangenenlager drehen zu wollen, in dem Sam während des Vietnamkriegs gefangen gehalten wurde. Das Geld überzeugt ihn, und die Reise zurück in die Grüne Hölle kann losgehen. Und wie sehr das Feuer dort noch immer lodert, wird schnell klar, als der garstige Werner Pochath als Duan Loc auf den Plan gerufen wird, der nämlich noch immer Gefangene in seinem Lager hält, u.a. den Vater von Maryline. Pochath, im realen Leben wie auch hier im Film ein Österreicher, ist kaum zu ertragen. Wenn er neben einer Handvoll Vietnamesen steht, wünschte ich mir Klaus Kinski herbei, der Pochath austauscht. Nicht, dass mir der Wahnsinn von
    Werner Pochath nicht auch lieb wäre, aber hier schlägt er gemeinsam mit Brent Huff dem Fass den Boden aus. Der eine spielt noch schlechter als der andere, wobei ich Pochath als billig Bösewicht noch besser ertragen konnte als Brent Huff, der in allen Belangen höchst lächerlich wirkt. Action gibt es zu genüge, auch wenn die größtenteils nur aus laufen und schießen besteht. Immerhin wird getroffen und fleißig gestorben. Ganze 156 Morde sagt der Kill Count (Ein Feature der DVD/Bluray von Cinestrange Extreme). Dass hier immer die gleichen fünf Vietnamesen aus dem Leben gefeuert werden, ist eine Mutmaßungen meinerseits. Doch leider ändert das große Sterben nichts an der äußerst schlechten Darstellung der Akteure in einem ohnehin schon billigen Rahmen. In Dschungel-Actionfilmen hat man zumindest immer ein tolles Setting, was Mutter Natur bereithält und so wenigstens für ein bisschen Ansehen sorgt. Das funktioniert auch hier, hält nur nicht lange an, denn schließlich soll es ja heiß hergehen. Der Versuch ist da, aber er scheitert gnadenlos. Hatte DER KAMPFGIGANT, der sich ebenfalls im Dschungel aufhält, wenigstens noch ein bisschen Power, ist das Geballer und die Explosionen, die man hier geliefert bekommt auf unterstem Niveau. Eine gewisse Komik bringt das Ganze natürlich mit sich. Albern wird es auch mit dem Score von Al Festa, der größer ist als jedes Bild, was er hier untermalt. Gehörtes und Gezeigtes läuft teilweise so konträr nebenher, dass es eine wahre Freude ist, dem schrägen Irrsinn zu folgen. 

    Dümmliche Figuren, billige Action und Momente jenseits von Gut und Böse, sind die Zutaten von BORN TO WIN, der lediglich als Partyfilm tauglich ist. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Good Son, 1993 – ★★★

    The Good Son, 1993 – ★★★

    DAS ZWEITE GESICHT
    (THE GOOD SON, USA, 1993, Regie: Joseph Ruben) 

    Willkommen in den 90ern, war mein erster Gedanke, als ich Joseph Rubens (STEPFATHER, 1987) Evil-Culkin-Thriller nach sehr vielen Jahren der Abstinenz wieder gesehen habe. Nachdem man anfänglich die Emotionen mit der Sterbe-Szene der Mutter von Mark (Elijah Wood) hochkochen lässt und sich im Kontrast in sonnigen Gefilden von Arizona befindet, wechselt die Inszenierung ins verschneite Maine. Dort soll Mark vorübergehend bei seiner Tante und seinem Onkel wohnen, während sein Vater auf Geschäftsreise ist. Hier lernt Mark dann seinen Cousin Henry (Macaulay Culkin) kennen, der ihn schnell in seine Welt der Lausbubendummheiten hineinzieht. Und so vertreiben sie sich die Zeit, in der sie Steine schmeißen, Scheiben zerstörten, rauchen oder eine selbstgebaute Armbrust benutzen, die Schrauben abschießen kann. Soweit also nichts Neues. Doch Henrys Gangart ändert sich zunehmend, und er lässt gegenüber Mark durchblicken, dass er ihm besser folgen sollte statt sich gegen ihn zu stellen. Wie ernst es Henry meint, findet Mark raus, als ein Tier stirbt und er einen schwerwiegenden Unfall provoziert. 

    Joseph Ruben hat ein Händchen dafür, seine Figuren zu inszenieren. Mit den Kinderdarstellern Macaulay Culkin und Elijah Wood hat man eine gute Wahl getroffen; beide agieren sehr lebendig und nerven nicht. Ihnen gegenüber stehen die Erwachsenen (Daniel Hugh Kelly, Wendy Crewson, David Morse), die verhältnismäßig blass bleiben, aber auf die kommt es auch weniger an. Neben einer guten Kameraarbeit von John Lindley, der die kalte, teils verschneite Landschaft von Maine wunderschön eingefangen hat, sorgt Elmer Bernstein für einen soliden Score, der mit den Bildern Hand in Hand geht. Doch DAS ZWEITE GESICHT ist nicht nur gelungen. Vieles ist vorhersehbar, man aalt sich in typischen Klischees oder wiederholt sich. Zwar baut Ruben immer wieder Spannung auf, doch die verebbt manchmal im Sande. 

    DAS ZWEITE GESICHT ist stellenweise etwas lau, insgesamt aber ein unterhaltsamer, stimmungsvoller Beitrag in der Welt der Böse-Kinder-Filme, die über die Jahrzehnte immer wieder betreten wird. 

    (Bjoern Candidus)

  • Naked You Die, 1968 – ★★★★

    Naked You Die, 1968 – ★★★★

    SIEBEN JUNGFRAUEN FÜR DEN TEUFEL
    (NUDE… SI MUORE, Italien, 1968, Regie: Antonio Margheriti)

    Die Ferien im Mädchenpensionat St. Hilda College haben sich die wenigen Mädchen, die nicht zu ihren Eltern gereist sind anders vorgestellt, ebenso die neue Lehrerin Mrs. Clay. Die sommerliche Idylle wird von einer Mordserie gestört. Nicht nur die Polizei ermittelt, sondern auch die Mädchen. Der Mörder muss unter den Angestellten zu finden sein.  

    Antonio Margheritis Ausflug in die Welt der Gialli ist ein bildhübscher Trip, der ein bisschen wie eine aufgelockerte, fast heitere Vorab-Version der sogenannten „Schulmädchen in Angst – Trilogie“ bestehend aus DAS GEHEIMNIS DER GRÜNEN STECKNADEL (1972), DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER (1974) und ORGIE DES TODES (1978) daherkommt. Während sich für die Story der sehr fleißige Giovanni Simonelli (SIEBEN TOTE IN DEN AUGEN DEN KATZE, 1973) verantwortlich zeigt, hat man es beim Drehbuch gleich mit mehreren Herren zu tun, z.B. auch Mario Bava. Bava ist hier sowieso nicht von der Hand zu weisen, denn Antonio Margheriti hat sich offensichtlich bei seinem Giallo BLUTIGE SEIDE (1964) inspirieren lassen. So viele andere Beispiele gab es zu der Zeit noch nicht, da das Giallo-Kino noch in der Frühphase steckte, obwohl die Weichen natürlich längst gestellt wurden. Und so tauchen bereits einige Standard-Elemente auf. 

    Der Film ist sehr schön fotografiert, ausgeleuchtet in bavatypischen Farben und nutzt das Set hervorragend. Das Pensionat ist das Castello della Castelluccia in Rom. Innen wie außen macht der Kasten was her. Dazu gibt es immer wieder stimmungsvolle Aufnahmen in den Parkanlagen oder der umliegenden Natur. Kameramann Fausto Zuccoli hat gute Arbeit geleistet. Statt auf explizite Gewalt setzt man auf Spannung, Atmosphäre und Charaktere. Die Wahl der Darsteller ist gelungen. Mark Damon, Eleonora Brown, Sally Smith, Patrizia Valturri, Michael Rennie, Sally Smith,Luciano Pigozzi und Ludmila Lvova ergeben eine bunte Mischung, die durchaus auch etwas Humor zulässt.
    Garniert wird der Film mit der Musik von Don Powell und Carlo Savina.

    SIEBEN JUNGFRAUEN FÜR DEN TEUFEL ist ein kunterbunter Früh-Giallo auf sehr gutem Niveau. Hier gibt es viel Schönes zu sehen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Caught in Fear, 1985 – ★

    Caught in Fear, 1985 – ★

    IN ANGST GEFANGEN
    (ATRAPADOS EN EL MIEDO, Spanien, 1985, Regie: Carlos Aured)

    Ana, Antonio, Laura und José wollen ihren Urlaub gemeinsam in einem alten Herrenhaus in Deutschland verbringen. Soweit so gut, doch in der Nähe ist ein Psychopath unterwegs, der einen ordentlichen Hass auf Frauen verspürt. 

    In den 1970er-Jahren hat der Spanier Carlos Aured ein paar Filme mit Paul Naschy gedreht, u.a. DIE TODESKRALLE DES GRAUSAMEN WOLFES (1973) und BLUTMESSE FÜR DEN TEUFEL (1973), die heutzutage zu kleinen Klassikern avanciert sind. Diesen Status wird IN ANGST GEFANGEN, der Aureds letzter Film werden sollte, wohl niemals erreichen. Aured hat hier einen sehr stümperhaften Serienmörder-Thriller gezimmert, der vor allem extrem ausdruckslos daherkommt. Dabei hätte Aured mit dem ländlichen Setting und dem schönen Herrenhaus echt was machen können. Vergleicht man diesen Film mit seinen Arbeiten mit Paul Naschy aus den 70er-Jahren, erlebt man einen Unterschied wie Tag und Nacht. IN ANGST GEFANGEN ist geradezu hässlich und schlampig inszeniert. Dass die abgedroschene Handlung auch 1985 niemanden mehr mitgenommen haben dürfte, ist gar nicht schlimm, das Leben besteht aus Wiederholung, aber die Lieblosigkeit, mit der man hier vorgegangen ist, ist traurig. Die vier Hauptdarsteller schaffen es binnen weniger Minuten, dass man gar nichts von ihnen wissen will, außer wie sie sterben werden. (Man möge sich an dieser Stelle nicht zu früh freuen.) Zwischen dem langweiligen Geplänkel der Vier, ist der psychopathische Killer, ein dämlicher Zappelphilipp, den man fast nur von hinten sieht, auf der Jagd nach Frauen. Parallel jagt ihn die Polizei, die aber aufgrund von Personalmangel keinen Erfolg aufzuweisen hat. Die wenigen Ansätze von Spannung werden in erster Linie durch den durchaus annehmbaren Score von Código Exterior erzeugt, aber der kann den Mangel an Schauwerten auch nicht ausgleichen. 

    IN ANGST GEFANGEN hat mich ein bisschen an Sergio Martinos Giallo DIE SÄGE DES TEUFELS (1973) erinnert, der ja allgemein auch gerne als Früh-Slasher bezeichnet wird. Die Qualität von Martino bleibt Aured leider verwehrt. Wo andere mit Atmosphäre oder wenigstens blutigen Morden dienen, serviert Aured Langeweile. 

    (Bjoern Candidus)