Autor: marco-fritz

  • The Fear, 1995 – ★½

    The Fear, 1995 – ★½

    MORTY
    (THE FEAR, USA, 1995, Regie: Vincent Robert)

    Der Psychologiestudent Richard unternimmt für seine Abschlussarbeit ein Wochenende mit seinen Freunden. Mit ihnen will er eine Art Angst-Therapie durchführen. Zum Einsatz kommt dabei Morty, eine bewegliche Schaufensterpuppe aus Holz, den die jungen Leute ihre Ängste erzählen sollen. Dass die Therapie aus den Fugen gerät, versteht sich fast von selbst. 

    Aus den Fugen gerät bei Vincent Roberts Horrorfilm einiges. Erst wird man gut 50 Minuten mit ätzenden Figuren und ihren Geschichten gelangweilt, dann überschlägt sich Inszenierung mit Offenbarungen der einzelnen Charaktere und der Aktivierung Mortys, die ziemlich albern geraten ist. Das Ganze wird verknüpft mit einem Familiendrama, was so öde ist wie der Rest. Die austauschbaren Darsteller haben mir allesamt nichts gesagt, bis auf eine Gastrolle: Wes Craven. Wie auch immer es Vincent Robert geschafft hat, Craven für den Film zu gewinnen, bleibt mir ein Rätsel. Vermutlich ging es dabei um Freundschaft. 

    Auch der Score von Robert O. Ragland ist nervig. Noch schlimmer: der Einsatz von Hip Hop. Der Film stinkt aus jeder Pore nach 90er-Jahre. Leider gehört er zu den schlechten Vertretern des Videothekenprogramms dieser Ära. 

    Obwohl MORTY eine durchaus interessante Story verspricht, wird diese leider nur sehr schlecht umgesetzt. Es gibt ein paar nette Momente am Anfang und am Ende, zudem ist der Naturschauplatz, San Bernardino National Forest in Kalifornien, sehr ansehnlich, gerät aber schnell außer Sichtweite. Ich rate ab. Man schaue sich lieber PIN (1988) an. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Kindred, 1987 – ★★★★

    The Kindred, 1987 – ★★★★

    ANTHONY 
    (THE KINDRED, USA, 1987, Regie: Stephen Carpenter, Jeffrey Obrow)

    Nachdem die Wissenschaftlerin Amanda Hollins nach einem Herzinfarkt im Krankenhaus erwacht, berichtet sie ihrem Sohn John, dass er einen Bruder namens Anthony hat und fleht ihn an, die Unterlagen über ein geheimes Gen-Experiment, die in ihrem Haus lagern, zu vernichten. Der Schrecken, den sie angefangen hat, muss mit ihr enden. Verwirrt von ihren Worten, wendet er sich an Dr. Lloyd, dem Wissenschaftskollegen von Amanda, der ihm auch nicht helfen kann. Doch in Wirklichkeit weiß Lloyd ganz genau, was vorgeht und tötet Amanda im Krankenbett, um ihre Experimente fortzuführen. Als John der Bitte seiner Mutter nachkommen will, ist es zu spät: Anthony ist entfesselt und zieht eine blutige, schleimige Spur hinter sich her. 

    Nachdem etwas mauen Slasher TODESTRAUMA (1982) und dem durchaus stimmungsvollen Dämonen-Horrorfilm DIE MACHT DES BÖSEN (1984), haben die beiden Regisseure Stephen Carpenter und Jeffrey Obrow mit ANTHONY einen wirklich ausgezeichneten Monster-Horrorfilm abgeliefert. Die Story, bzw. das Drehbuch wurde gleich von mehreren Händen bearbeitet oder ergänzt, u.a. durch Joseph Stefano (Drehbuch für PSYCHO, 1960), was sich hier positiv auswirkt.

    Der Film startet bereits spannend und zeigt den Überfall auf einen Krankenwagen, was in einer Burke-und-Hare-artigen Verstrickung endet. Diese beiden Herrschaften bieten sich natürlich an, weil man es eben auch mit einem Mad Scientist-Horrorfilm zu tun hat. Schnell erkennt man auch die ordentliche Kameraarbeit von Stephen Carpenter selbst. Visuell ist das alles sehr ansehnlich. Vor allem die tollen Monster-SFX, die viele kreative Kreaturen zu Tage bringen, die besonders Fans von Lovecraft ansprechen dürften. Tentakel, Kiemen, undefinierbare Körperöffnungen usw. fallen auf einen ein und lassen das Monsterherz höher schlagen. In Kombination mit dem wahnsinnigen Wissenschaftler drängt sich natürlich RE-ANIMATOR (1985) auf, doch der schräge Humor bleibt aus. Auch der später entstandene BABY BLOOD (1990) von Alain Robak ist zu erkennen. Doch in allem nimmt sich ANTHONY viel ernster, und das bekommt ihm gut. 

    Mit Kim Hunter (PLANET DER AFFEN, 1968) und Rod Steiger (IN DER HITZE DER NACHT, 1967) hat man zwei Altstars bekommen, die den Film aufwerten. Allerdings ist Kim Hunter als Wissenschaftlerin Amanda Hollins nur am Anfang zu sehen, während sich Steiger als wahnsinniger Dr. Lloyd bis zum Ende durchschlägt. Aber auch die jüngeren Semester, David Allen Brooks, Peter Frechette, Amanda Pays und Talia Balsam, fallen positiv auf und können sich jederzeit gegen viele Damen und Herren in ähnlich gelagerten Filmen jener Tage behaupten. Den größten Schauwert haben allerdings trotzdem die Monster, die hier aufgefahren werden. Für den stimmigen Score zeigt sich David Newman (CRITTERS, 1986) verantwortlich. 

    Schleimige Kreaturen, ein wahnsinniger Wissenschaftler und eine rundum gelungene Atmosphäre machen ANTHONY zu einem kleinen Highlight des späten 80er-Jahre-Horrorkinos. 

    (Bjoern Candidus)

  • A Better Tomorrow II, 1987 – ★★★★★

    A Better Tomorrow II, 1987 – ★★★★★

    A BETTER TOMORROW 2
    (YING HONG BOON SIK 2, Hongkong, 1987, Regie: John Woo) 

    Diesmal ermitteln Sung Tse-Ho und Sung Tse-Kit gemeinsam als verdeckte Ermittler in einer Schiffswerft, die von einer Organisation geleitet wird, die Falschgeld produziert. Doch der Geschäftsführer der Werft, Lung, hat gar nichts mit den Machenschaften zu tun, sein Assistent Ko Ying Pui steckt dahinter. Als es zu einem blutigen Konflikt kommt, werden Lung zwei Morde in die Schuhe geschoben. Lung bekommt Schutz von Ho und Kit, die ihn von Hongkong nach New York begleiten, doch da geht das Übel erst richtig los. 

    Nach der Achterbahnfahrt aus emotionalen, actionreichen und blutspritzenden Momenten von A BETTER TOMORROW (1986), die mich schon staunend und gefesselt zurückgelassen haben, legt Woo noch einen drauf. Ich möchte mich gar nicht für einen Teil entscheiden; für mich stehen beide auf einer Stufe, weit oben, direkt neben HARD-BOILED (1992).

    Nach einem Rückblick aus dem Vorgänger stürzt man sich sofort in ein neues Abenteuer, bestehend aus Dean Shek, Ti Lung, Leslie Cheung und dem hoch sympathischen Chow Yun-Fat. Eine wunderbare Zusammenstellung von tollen Schauspielern. Das dreckige 80er-Großstadt-Flair ist authentisch; der Wechsel zwischen Hongkong (am Anfang und Ende) und New York (in der Mitte) ist sehr belebend und tut der Dynamik des Films zusätzlich gut. Auch hier liegt der Fokus auf den Charakteren, auf ihren Einstellungen und auf der freundschaftlichen und familiären Bindung. Keiner ist hier egal, nur die auf der anderen Seite, die es gilt auszuschalten. Die Organisation hat zwar einen ersichtlichen Kopf, doch bleibt der und seine zahlreichen Handlanger ziemlich blass. Die gewinnen erst dann Farbe, wenn es zum großen Showdown kommt, der das Herz von Freunden bleihaltiger Gewaltausbrüchen zum toben bringen dürfte. Dann sind sie plötzlich getränkt von ihrem eigenen Rot. Woo feuert aus allen Rohren. 

    A BETTER TOMORROW 2 macht da weiter, wo sein Vorgänger aufgehört hat. Woo bietet glänzende Figuren mit Coolness, Witz, Tiefe und Schlagkraft. Dazu gesellt sich Action und Gewalt auf schönste Art. Perfekt! 

    (Bjoern Candidus)

  • Ghostkeeper, 1981 – ★★★½

    Ghostkeeper, 1981 – ★★★½

    WINDIGO – DIE NACHT DES GRAUENS*
    (GHOSTKEEPER, Kanada, 1981, Regie: Jim Makichuk) 

    Ein defektes Schneemobil und ein aufziehender Sturm zwingt drei Winterurlauber, ein Mann und zwei Frauen, in einem scheinbar verlassenen Berghotel zu übernachten. Doch so verlassen, wie das Hotel scheint, ist es nicht, denn eine alte Frau lebt dort mit ihrem Sohn, und die scheinen nichts Gutes im Schilde zu führen. 

    Der Kanadier Jim Makichuk kombiniert hier Backwood-Horror-Elemente mit dem Wendigo (hier Windigo geschrieben), jenem mythischen Wesen aus der Anishinabe-Kultur, worauf inhaltlich allerdings nicht wirklich eingegangen wird. Es sei vorab gesagt, dass viele Ideen von Makichuk aufgrund finanzieller Einschränkungen nicht realisiert werden konnten. Dennoch ist ihm ein sehr atmosphärischer Horrorfilm gelungen, der schon von Beginn an ein beklemmendes Gefühl verbreitet, wenn die verschneiten Bergwelten (gedreht wurde in Alberta,Kanada) auf einen herabblicken. Hier kann nichts menschenfeindlicher sein als das eisige Klima. Doch die Urlauber werden eines Besseren belehrt. Die Nähe zu SHINING (1980) drängt sich durch das Schnee-, Berg-, Hotel-Setting auf, BURNT OFFERINGS (1976) blickt durch, und die Alte (eindringlich dargestellt von Georgie Collins), die sich in dem Hotel eingenistet hat, könnte eine Verwandte aus dem Sawyer-Clan aus THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) sein. So pompös und sauber wie bei Kubrick ist das Hotel allerdings nicht. Man hat es mit einem rustikalen Hotel zu tun. Düstere Holzmöbel, staubige Teppichböden, der Mief hängt in der Luft. Die Stimmung, die hier erzeugt wird, ist richtig unheimlich. Es gibt keinen Strom, dafür spendet ein Kamin oder Petroleumlampen Licht. Der Wind ist allgegenwärtig und bläst manchmal zusammen mit der Gruselmusik von Paul Zaza, und der ist im reichhaltigen Sumpf des Canoxploitation-Kinos kein Unbekannter. Auf sein Konto gehen Scores für PROM NIGHT (1980), BLUTIGER VALENTINSTAG (1981) oder CURTAINS (1983). 

    Da die Anzahl der Protagonisten sehr überschaubar ist, gibt es auch nicht allzu viel zu töten, aber das hat der Film auch nicht nötig, um zu packen. Auch die Figuren sind nicht lieblos dahin geklatscht, und Jim Makichuk spendiert seinen Figuren sogar noch einen Beziehungs-Konflikt und die Stimmung anzuheizen. Aber das kann passieren, wenn ein Mann mit zwei Frauen unterwegs ist. Dargestellt werden die drei von Riva Spier (RABID, 1977), Murray Ord (BLACKOUT – BESTIE IN SCHWARZ, 1987) und Sheri McFadden. Eine gute Wahl. Neben der bereits positiv erwähnten Georgie Collins, bleibt ihr Film-Sohn, dargestellt von John MacMillan, blass. 

    Auch wenn das Ergebnis von WINDIGO nur ein Kompromiss ist und dem Film in der zweiten Hälfte etwas die Spannung abhanden kommt, ist Makichuk ein dichter Horrorfilm vor einer im Genre seltenen Winterkulisse gelungen. 

    (Bjoern Candidus)

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Dragonwyck, 1946 – ★★★★

    Dragonwyck, 1946 – ★★★★

    WEISSER OLEANDER
    (DRAGONWYCK, USA, 1946, Regie: Joseph L. Mankiewicz)

    Wir schreiben das Jahr 1844: Miranda Wells, eine Farmers Tochter, wird von Nicholas Van Ryan, einem entfernten Verwandten und Großgrundbesitzer, auf sein Anwesen am Hudson River eingeladen. Seinen Reichtum bezieht er aus der Pacht, denn die Bauern aus der Umgebung bezahlen für seinen Boden. Miranda soll auf Dragonwyck Manor als Gesellschafterin für seine kleine Tochter Katrine fungieren. Ihre Eltern, besonders ihr Vater hat Bedenken, die Tochter losziehen zu lassen, doch Miranda kann sich durchsetzen. In solch einem Anwesen zu wohnen war schon immer ihr Traum. Und da ihr der charmante Nicholas Van Ryn sympathisch erscheint, fühlt sie sich gleich wohl. Doch es dauert nicht lange, bis die ersten düsteren Wolken über Dragonwyck Manor aufziehen und sich langsam ein anderes Bild von Nicholas Van Ryn abzeichnet. 

    Joseph L. Mankiewicz (CLEOPATRA, 1963) Regiearbeit, die auf einer Geschichte von Anya Seton basiert, die 1943, bzw. 1944 veröffentlicht wurde, glänzt in sämtlichen Bereichen. Die Story ist gut erzählt, baut sich langsam, fast heiter auf und wird zunehmend beklemmender. In wunderbaren Schwarzweißbildern (Ursprünglich sollte es ein Farbfilm werden) wird das Innenleben von Dragonwyck Manor zum Leben erweckt, auch wenn der Tod sehr viel näher ist. Hier sind Geheimnisse, die von Miranda gelüftet werden wollen. Dazu ist die Ausstattung sehr gelungen und repräsentiert die Zeit seiner Handlung. Auch inhaltlich erfährt man etwas über eine erzkonservative, stark vom Glauben geprägte Zeit. 

    Mit Gene Tierney ist eine sehr schöne Dame an Bord, der man ihre Freude über den Wechsel ihres bäuerlichen Daseins zur gehobenen Gesellschaft abnimmt. Doch den Thron besteigt hier Vincent Price. Auch wenn Vincent Price bereits seit 1938 Erfahrungen als Schauspieler hatte, legt er hier als Nicholas van Ryn noch mal kräftig nach. Die Strenge, Überheblichkeit und Finsternis ist in jeder Pore zu finden und erinnerte mich sofort an seine Darstellung als Roederick Usher in DIE VERFLUCHTEN (1960). Wahnsinn, Sucht, Habgier, Verzweiflung sind Themen, die Price hervorragend versteht, ob als Opfer oder Täter, wenn nicht gar beides gleichzeitig. Hier ist seine Rolle geprägt von Macht, Reichtum, Egoismus, aber auch Schmerz und Drogensucht. Seine Aura ist überwältigend, aber lässt noch nicht den Funken Humor zu, der in vielen späteren Rollen immer wieder aufblitzt. 

    WEISSER OLEANDER ist ein sehr düsteres Mystery-Melodram mit Gothic-Horror-Elementen. Ein Film der visuell und darstellerisch auf einer Höhe ist. Stark.

    (Bjoern Candidus)

  • A Better Tomorrow, 1986 – ★★★★★

    A Better Tomorrow, 1986 – ★★★★★

    A BETTER TOMORROW 
    (YING HUNG BOON SIK, HK, 1986, Regie: John Woo)

    Sung Tse-Kit und Tse-Ho sind zwei ungleiche Brüder. Sung Tse-Kit vertritt als Polizist das Gesetz, Bruder Tse-Ho arbeitet für ein Verbrechersyndikat. Nachdem Tse-Ho verraten wird, kommt er ins Gefängnis, wo er ins Grübeln gerät. Er beschließt, nach der Entlassung sein Leben zu ändern, doch das ist nicht so leicht, wie er sich das vorgestellt hat. 

    Verrat, Vertrauen, Familie, Falschgeld, Drogen, Gewalt, Action, Hongkong bei Nacht getränkt in Blut, Rotlicht, Neon… John Woo kredenzt hier einen harten Actionfilm, der in allen Belangen Punkte einfährt und begründet damit quasi ein neues Genre: Heroic Bloodshed. Im Vergleich zu HARD BOILED (1992) geht es hier insgesamt noch etwas ungeschliffener zu, außerdem ist A BETTER TOMORROW düsterer und nimmt sich mehr Tiefgang heraus. Besonders der Konflikt zwischen den zwei Brüdern ist vortrefflich. Mit Ti Lung, Chow Yun-Fat und Leslie Cheung ist hier ein tolles Gespann an Bord. Joseph Koo spendiert einen atmosphärischen Score, der mit Brian Eno und Peter Gabriel ergänzt wird. 

    A BETTER TOMORROW spendiert dem Zuschauer keine Zeit zum durchatmen. Woo stößt einen in eine kompromisslose, blutgetränkte Welt der Schweinehunde. Wunderschön. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Murder Clinic, 1966 – ★★★½

    The Murder Clinic, 1966 – ★★★½

    DIE MÖRDERKLINIK
    (LA LAMA NEL CORPO, Frankreich, Italien, 1966, Regie: Elio Scaradamaglia)

    In der von Dr. Robert Vance geleiteten Nervenheilanstalt kommt es zu einer Reihe von Morden an jungen Frauen. Besonders die junge Krankenschwester Mary, die gerade ihre neue Stelle angetreten ist, wird auf die Belastungsprobe gestellt. Ob Personal oder Patienten: alle verhalten sich sonderbar oder verdächtig. Und es dauerte nicht lange, bis die nächste Dame den Weg zur Klinik findet, um als potentielles Opfer zu dienen. Aus Angst, seinen Ruf zu verlieren, weigert sich Dr. Vance, die Polizei einzuschalten. Ist er möglicherweise selbst der Mörder? 

    Der vor allem als Produzent tätige Elio Scaradamaglia, hat hier seine einzige Regiearbeit vorgelegt und einen sehr ansehnlichen Beitrag im Bereich des Gothic-Giallo geschaffen. Sowohl Mario Bava und Antonio Margheriti als auch die Hammer-Studios sind hier mehr als ersichtlich. Von Beginn an herrscht eine dichte Atmosphäre, die sich bis zum Ende halten kann. In schönen Technicolor-Farben präsentiert sich die Villa Parisi, die Genre-Freunden aus Filmen wie ANDY WARHOL‘S DRACULA (1974), PATRICK LEBT! (1980) und DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES (1981) bekannt sein dürfte. Außen wie innen ist diese Villa ein wahrer Hingucker. Außerhalb der Villa bekommt man ein herbstliches Bild geliefert, wenn es in den Wald geht und ein Sturm aufzieht. Sogar eine Höhle wird kurz betreten. Aber der Hauptschauplatz ist die Villa, die hier zur Nervenheilanstalt gemacht wurde. Düstere Korridore, unheimliche Schritte aus der oberen Etage und ein gespenstisches Phantom, was mit einem Rasiermesser durchs Gemäuer mordet, sorgt für wohligen Grusel. Recht qualitativ, wenn auch etwas schwer klingend, ist der Score von Francesco De Masi. Die Darsteller sind durch die Bank gut, allen voran William Berger. Mit Berger ist man meistens gut bedient. Hier ist er als Dr. Robert Vance zu sehen, der perfekt in seine Rolle passt. 

    Lange Zeit weiß man nicht genau, was wirklich vorgeht, und manchmal tritt die Inszenierung etwas auf der Stelle, aber im letzten Drittel wird man dann mit Antworten bedient, und das Giallo-Konstrukt wird rund. Inhaltlich verträgt sich das Ganze gut mit Filmen wie AUGEN OHNE GESICHT (1960) von Georges Franju, seinen zahlreichen Kopien bis zu Filmen wie DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL (1971) von Fernando Di Leo oder dem ebenfalls sehr schönen Gothic-Giallo SIEBEN TOTE IN DEN AUGEN DER KATZE (1973) von Antonio Margheriti. 

    DIE MÖRDERKLINIK ist ein sehr atmosphärischer Gothic-Giallo mit ein paar kleineren Schwächen, die durch gute Darsteller, tolle Sets und der wertigen Fotografie ausgeglichen werden. 

    (Bjoern Candidus)

  • What the Peeper Saw, 1972 – ★★★★

    What the Peeper Saw, 1972 – ★★★★

    DER ZEUGE HINTER DER WAND
    (NIGHT HAIR CHILD, Deutschland, GB, Italien, Spanien, USA, 1972, Regie: James Kelley & Andrea Bianchi) 

    Der zwölfjährige Marcus besucht seinen Vater Paul und seine neue Liebe, die gerade mal 22jährige Elise. Seine Mutter ist durch einen Stromschlag in der Badewanne gestorben. Da sein Vater selbst noch nicht zu Hause ist, trifft Marcus allein auf Elise. Schon bei der ersten Begegnung wird klar, dass sich hier vermutlich keine Freundschaft entwickelt. Erst kommt es zu einem kleinen sexuellen Übergriff von Marcus an Elise, dann beginnt dieser mit Lügen und Intrigen gegen sie zu arbeiten, als sein Vater nach Hause kommt. Als sich die Situation weiter zuspitzt, beginnt Elise Nachforschungen über Marcus Verhalten in der Schule herauszubekommen. Als es heißt, er hätte eine Katze gefoltert und getötet, wird ihr immer mehr klar, was für ein Teufel hinter dem Engelsgesicht steckt.

    Regie führten hier James Kelley, der vorher den durchaus ansprechenden britischen Horrorfilm DER KELLER (1971) drehte und als Co-Regisseur Schmierspezialist Andrea Bianchi, der uns mit so netten Filmen wie DIE RACHE DES PATEN (1974), NACKT FÜR DEN KILLER (1975), MALABIMBA – KOMM MACHS MIT MIR (1979) oder DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES (1981) beschenkte. Bianchis spezieller Geschmack, Sex mit Gewalt, Unterdrückung oder Tod zu verbinden, scheint hier schon aufzuflackern, schrieb er doch auch mit am Drehbuch von Trevor Preston, was wiederum auf einer Story von Erich Kröhnke basiert. 

    Der Film startet direkt mit dem tödlichen Unfall einer Frau in einer Badewanne und wird dann sofort mit den wundersamen Klangkleidern von Stelvio Cipriani geschmückt. Sind wir denn hier in Bella Italia? Nein, zumindest nicht was den Drehort angeht, denn wir befinden uns in Spanien (und in England). Das Setting, eine abgelegene Villa in Almería, ist sehr einladend, und die Hitze ist ein guter Partner für den garstigen Inhalt. Visuell stimmt hier alles. Aber auch die Darsteller wissen zu überzeugen. Besonders loben muss man den damals 14jährigen Mark Lester (WER HAT TANTE RUTH ANGEZÜNDET?, 1972), durch dessen Nackt-Szene (er sitzt nur nackt in der Badewanne) und seine sexuellen Ausflüge, der Film durchaus von einigen geächtet wurde. Er spielt wirklich gut. Auf der Gegenseite steht die schöne Britt Ekland, die man als Willow aus THE WICKER MAN (1973) kennt. Auch sie macht sie einen guten Eindruck. Etwas blass bleibt Hardy Krüger als Schriftsteller Paul, aber der Fokus des Films liegt auch klar auf seinem Sohn Marcus und Elise. Und in einer kleinen, aber feinen Szene darf sich auch die wunderbare Lilli Palmer zeigen. 

    Der Film ist ein ganz klares Produkt der 1970er-Jahre. Man will provozieren, die Grenzen ausloten und die Konventionen abstreifen oder beschmutzen. Für damalige Verhältnisse dürfte das funktioniert haben. Für mich hat er auch heute funktioniert, vielleicht auch deshalb, weil ein Film wie dieser kaum noch möglich ist. 

    DER ZEUGE HINTER DER WAND ist ein sexuell aufgeladenes, grimmiges Psycho-Thriller-Drama, dem es zwar etwas an Spannung fehlt, aber durch die Story und die Figuren alles wieder ausgleicht. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Borrower, 1991 – ★★★★

    The Borrower, 1991 – ★★★★

    ALIENKILLER
    (THE BURROWER, USA, 1991, Regie: John McNaughton)

    Ein Außerirdischer wird bestraft: er wird auf die Erde verbannt und muss fortan in menschlicher Gestalt durch die Straßen ziehen. Dabei kann er jede menschliche Identität annehmen, insofern er ihr den Kopf abschneidet und auf seinen Hals setzt. Gegenwind bekommt er von Polizistin Diana Pierce, die den Bewohner aus dem All durch die dreckigen Straßen von L.A. jagt. 

    Nach seinem Serienmörder-Meisterstück HENRY – PORTRAIT OF A SERIAL KILLER (1986) bleibt John McNaughton zwar im Dreck der Großstadt, aber diesmal lässt er einen Außerirdischen durch die Straßen ziehen und entfacht einen Wirtskörper-Wechsel, bzw. in dem Fall Wirtskopf-Wechsel-Alien-Horrorfilm, ähnlich einem THE HIDDEN (1987) oder JASON GOES TO HELL (1993). Dabei stürzt McNaughton den Zuschauer in den Großstadt-Drogen-, Rotlicht-, Obdachlosen-Sumpf der (ausgehenden) 80er-Jahre und lässt auch kleine kritische Seitenhiebe auf die Gesellschaft durchblicken. Zwischenzeitlich meldet sich der Ober-Außerirdische immer wieder im Kopf des Verstoßenen, um sich über seine üble Situation als Mensch zu erkundigen und um zu sticheln. So ganz ernst ist die Inszenierung nämlich nicht, hält sich aber weitestgehend fern von überdrehtem Humor oder Slapstick. Ich würde hier von einer ausgewogenen Mischung sprechen. Sehr annehmbar ist auch die Besetzung. Rae Dawn Chong als Polizistin (GESCHICHTEN AUS DER SCHATTENWELT – DER FILM, 1990) bringt Feuer in die Angelegenheit, obwohl sie auf den Film angeblich überhaupt keine Lust hatte. Mehr Lust hatten Tom Towles, Mädchen Amick, Don Gordon und Antonio Fargas, aber das ist eine Mutmaßung. 

    Trotz eines Studiowechsels zu Cannon Film, da während der Produktion Atlantic Entertainment bankrott ging, musste John McNaughton Abstriche machen und konnte so seine wirkliche Vision nicht ganz umsetzten. Dennoch ist ALIENKILLER ein blutiger Alien-Horrorfilm, der mit gutem Make-up und SFX aufwarten kann und sich vor seinen zahlreichen Epigonen nicht verstecken muss. 

    (Bjoern Candidus)

  • 85.  Nightmare on Elm Street 2 (1985)

    85. Nightmare on Elm Street 2 (1985)

    NIGHTMARE ON ELM STREET 2 (1985)

    USA, 1985

    Regie: Jack Sholder

    Antenne Traumstadt präsentiert Euch NIGHTMARE ON ELM STREET 2, der sehr zwiespältig aufgenommen wurde und als quasi unabhängiger Teil im Rahmen der Reihe gesehen werden kann. Bjoern Candidus und Patrick Siebold sprechen über Jack Sholders Regiearbeit und schauen, wo die Stärken / Schwächen des Films liegen.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1