Autor: marco-fritz

  • The Last Wave, 1977 – ★★★★

    The Last Wave, 1977 – ★★★★

    DIE LETZTE FLUT 
    (THE LAST WAVE, Australien, 1977) von Peter Weir)

    Über Sydney ereignen sich immer wieder sonderbare Wetterphänomene. Hagelstürme, monsunartige Regenfälle oder gar schwarzer Regen beunruhigt das Land. Zur gleichen Zeit kümmert sich der Rechtsanwalt David Burton um einen Mord an einen Aborigines durch Aborigines. Dabei gerät er in einen mysteriösen Sog, der von Träumen und Visionen begleitet wird, die David immer mehr belasten. 

    Kleidete Peter Weir seinen vorherigen Film, den höchst mysteriösen PICKNICK AM VALENTINSTAG (1975), noch mit Tageslicht und beeindruckenden Felsformationen im australischen Outback, schlägt er mit DIE LETZTE FLUT ganz andere Töne an. Anfangs gibt es noch ein paar sonnige Abschnitte in der felsigen Natur Australiens, dann geht es nach Sydney, wo es aus heiterem Himmel anfängt stark zu regnen. Obwohl nur Regen fällt, schafft es Weir eine beängstigende Atmosphäre heraufzubeschwören. Menschen werden nervös, laufen über die Bürgersteige, der Verkehr kommt zum Stillstand. Alles wird düster bis auf die Lichter der Autos und Häuser. Noch bedrohlicher wird es, wenn David Burton (Richard Chamberlain) und seine Familie eingeführt wird. Wie schnell Wasser zu einer Gefahr werden kann, wird bereits früh gezeigt. Die schleichende Katastrophe wird durch Geräusche vom Regen, Wind, Tieren oder Undefinierbarem intensiviert. Vieles ist inszeniert wie ein Horrorfilm. Visionen, Träume, mystische Steine und ominöse Figuren reihen sich ein, und trotzdem wirkt nichts billig, aufgesetzt oder übertrieben. Zudem konzentriert sich Weir nicht nur auf die bevorstehende Naturkatastrophe, die eigentlich nur am Rande thematisiert wird, sondern in erster Linie auf den Konflikt zwischen den Aborigines, der Hilfestellung seitens Burton vor Gericht und seine erschreckende Erkenntnis, die daraus hervorgeht. Mit Richard Chamberlain hat man zudem einen sehr guten Darsteller an Bord, der allerdings im mystischen Schein von David Gulpilil (DARK AGE – CROCODILE HUNTER, 1987) fast untergeht. Gleiches gilt auch für die anderen Aborigines, die allein durch ihre Anwesenheit Zauber versprühen. Alles harmoniert, auch der Score von Groove Myers. 

    Weir, der auch die Story und das Drehbuch schrieb, reiht sich hier in eine Reihe von übersinnlichen, mysteriösen Filmen wie WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN (1973), DER SCHRECKEN DER MEDUSA (1978) oder DAS SIEBTE ZEICHEN (1988) ein, die es bis heute verstehen, Nerven zu treffen, und das auf völlig unterschiedliche Art und Weise. 

    DIE LETZTE FLUT ist ein sehr spannendes, dialogreiches, stark fotografiertes Mystery-Katastrophen-Drama mit Tiefgang. Eine wundersame Mischung. 

    (Bjoern Candidus)

  • Operation San Pietro, 1967 – ★★★

    Operation San Pietro, 1967 – ★★★

    DIE ABENTEUER DES KARDINAL BRAUN
    (OPERAZIONE SAN PIETRO, Deutschland, Frankreich, Italien, 1976, Regie: Lucio Fulci)

    Ein Mafia-Boss und seine Geliebte, eine trottelige Gaunerbande und Kardinal Braun mit einer Armee von Priestern aus dem Vatikan schlagen sich hier um Michelangelos berühmter Pietà Statue aus Carrara-Marmor, die gestohlen wurde und sich nicht eben zu Geld machen lässt. Es beginnt eine wild Verfolgungsjagd durch Rom. 

    Die Namen Heinz Rühmann und Lucio Fulci in einem Atemzug zu nennen, klingt erst mal wunderlich. Aber die Welt ist wunderlich. Und so kam es im Jahre 1967 zu einer Zusammenarbeit dieser beiden Legenden. Dabei ist eine skurrile  
    Gauner-Komödie entstanden, die erst mal als weitere Fortsetzung von Rühmanns Pater Brown Filmen PATER BROWN – DAS SCHWARZE SCHAF (1960) und PATER BROWN – ER KANN’S NICHT LASSEN (1962) vermuten lässt. Aber nein, Fulcis Film ist eigenständig, in Farbe gedreht und in Bela Italia angesiedelt. 

    Gerade optisch macht der Film einiges her. Er ist schön fotografiert von Erico Menczer (DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE, 1971 / WOLFSBLUT, 1973), schmückt sich mit knalligen Farben und zeigt Ansichten von Rom und Vatikan-Stadt. Ein sommerlicher Film. Eine Szene schlägt allerdings aus der Art und liest sich fast als Vorahnung auf Fulcis späteren Karriereweg. Es handelt sich um eine kurze Rückblick-Szene in schwarzweiß, bei der mehrere Männer einen Mann verprügeln. Zudem ist die Inszenierung ziemlich rasant und kommt kaum zum Stillstand. Das hat den Effekt, dass man die wirre Geschichte besser vertuschen kann. Der Humor geht eher in den skurrilen Figuren auf als in den Slapstick-Momenten, die aber für ihre Zeit in Ordnung sind. 

    Es sind letztlich die vielen Damen und Herren, die der Freund des Euro-Kinos kennt und hier den Spaß bringen. Neben Rühmann sind z.B. Herbert Fux, Wolfgang Kieling, Edward G. Robinson, Uta Levka und John Bartha an Bord. 

    DIE ABENTEUER DES KARDINAL BRAUN bietet Action, Klamauk, schräge Figuren und viel 60er-Jahre-Atmosphäre vor italienischer Kulisse. In erster Linie ist der Film aber eher etwas für Fans von Lucio Fulci, die eben alle Beiträge seiner sehr abwechslungsreichen Filmografie kennen möchten. 

    (Bjoern Candidus)

  • When Worlds Collide, 1951 – ★★★★

    When Worlds Collide, 1951 – ★★★★

    DER JÜNGSTE TAG
    (WHEN WORLDS COLLIDE, USA, 1951, Regie: Rudolph Maté)

    Der Astronom Bronson macht eine katastrophale Entdeckung, denn laut seiner Berechnung wird in etwa einem Jahr der Stern Bellus und sein Trabant, der Planet Zyra, die Erde zerstören. Zyra, ein erdähnlicher Planet wird die Erde zwar nicht berühren, aber er wird Erdbeben, Vulkanausbrüche und Überschwemmungen verursachen, bevor Bellus auf die Erde schlägt. Das Spiel ist aus, die Menschheit ist am Ende! Natürlich gibt es Zweifler, aber Panik bricht überall aus, als ob es einen Unterschied macht, ob man nach Westen oder Osten flüchtet, wenn alles niedergeht. Zumindest gibt es einen Plan, die Menschheit nicht vollends verschwinden zu lassen. Mit einer Rakete soll eine Gruppe zufällig erwählter Menschen auf den Planten Zyra umsiedeln, um dort eine neue Zivilisation zu gründen. 

    Kein geringerer als George Pal (DIE ZEITMASCHINE, 1960) hat diesen rasanten Katastrophen-Sciencefiction-Film produziert, bei dem Rudolph Maté Regie geführt hat. Die Story basiert auf einen Roman von Edwin Balmer und Philip Wylie aus dem Jahre 1933. 

    Nachdem der Film mit einem Zitat aus der Bibel startet, wird es schnell wissenschaftlich und sachlich. Die Berechnungen, die das Ende der Welt vorhersagen, lassen es nicht zu, Zeit zu verschwenden, und so darf man sich auf eine, für 1951, ziemlich temporeiche Inszenierung freuen. Mit Richard Derr, Barbara Rush, Peter Hansen, John Hoyt und Larry Keating sind fähige Leute am Start, die ihre Rollen gut ausfüllen. Dennoch ist der eigentliche Star das Visuelle. Knallige Farben, wunderschöne Gemälde, die das All und die Planeten zeigen und die hervorragenden Miniaturmodelle von Landschaften, Städten und Fabriken, die durch Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Flutwellen vernichtet werden, bringen Leben in den Film. Zudem kommt es auch zu den menschlichen Auswirkungen, die das Wissen einer baldigen Vernichtung mit sich bringen. Der konsequente Plan, die Erde wirklich am Ende des Films vernichten zu lassen, muss unbedingt gelobt werden, denn eine Selbstverständlichkeit ist das nicht, schon gar nicht für 1951. 

    DER JÜNGSTE TAG ist ein visuell beeindruckender Katastrophen Science-Fiction-Film aus der Meisterschmiede von George Pal. 

    (Bjoern Candidus)

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 68

    Traumstadt Gazette Ausgabe 68

    In der 68. Traumstadt Gazette präsentieren Euch Bjoern Candidus und Marco Fritz drei Veröffentlichungen aus dem Hause Cinestrange Extreme, die uns vom Label zur Verfügung gestellt wurden.

    Freut Euch auf den Horror-Slasher AXOLUTION (1988) von José Ramón Larraz und auf BORN TO WIN (1989) und SCALPS – SIE KÄMPFT WIE EIN MANN (1987), zwei Bruno Mattei Filme, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

    Link zum Label: https://cinestrange-extreme.de/

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • The Strange Door, 1951 – ★★★★

    The Strange Door, 1951 – ★★★★

    HINTER DEN MAUERN DES GRAUENS  
    (THE STRANGE DOOR, USA, 1951, Regie: Joseph Pevney)

    Der bitterböse Sire de Malètroit hat einen Plan: er will seine Nichte unter die Haube bringen, um einen gemeinen Plan zu vollenden. Er sorgt dafür, dass sich ein junger Mann, Denis de Beaulieu, auf sein Schloss flüchten muss, dem man einen Mord anhängt. Als er das finstere Anwesen erreicht, gelingt es ihm über eine schwere Eisentür ins Innere zu gelangen. Doch die Tür lässt sich von innen nicht mehr öffnen. Als er auf Malètroit stößt, macht der ihm klar, dass er die Mauern nicht mehr lebend verlassen darf, wenn er nicht seine Nichte Blanche heiratet. 

    Gut zehn Jahre vor Roger Cormans Edgar Allan Poe – Zyklus hat Joseph Pevney bereits in eine ähnliche Kerbe geschlagen, wenn auch in Schwarzweiß statt in Farbe. Zwar basiert der Stoff lose auf die Geschichte DIE TÜR DES SIRE DE MALÈTROIT von Robert Louis Stevenson, aber die Poe – Elemente, die hier eingestreut werden, sind nicht von der Hand zu weisen. Ebenso erinnern die Studio-Kulissen an Corman. Ein Folterkeller und ein See vor dem Haus sorgen für vertraute Schauermomente. Statt Vincent Price steht hier Charles Laughton als sadistischer Sire Alain de Malètroit vor der Kamera, und der brilliert. Da wird selbst Boris Karloff als gutherziger Gefängniswärter Voltan zur Nebensächlichkeit. Dazu gesellen sich Richard Stapley als Denis de Beaulieu, Michael Pate als Talon, Alan Napier als Count Grassin, Sally Forrest als Blanche de Malètroit und Paul Cavanagh als ihr Vater Edmond de Malètroit. Mit der Besetzung ist man also auf sicherem Boden. Aber auch der Rest weiß zu überzeugen. Die grimmige Geschichte voller Intrigen und Gemeinheiten, die sich in dem schaurigen Anwesen abspielt, ist packend erzählt und mündet in einem starken Finale. 

    Eine Zwangsehe, Hass in der Familie und Wahnsinn, der einen durch Macht heimsucht, machen HINTER DEN MAUERN DES GRAUENS zu einem packenden Drama mit Horror-Elementen, was heute leider etwas in Vergessenheit geraten ist.  

    (Bjoern Candidus)

  • Maniac Cop, 1988 – ★★★

    Maniac Cop, 1988 – ★★★

    MANIAC COP
    (USA, 1988, Regie: William Lustig)

    New York City wird von einer blutigen Mordserie durchzogen. Zeugen berichten davon, dass der Täter eine Polizeiuniform trägt, was die Angst unter den Bürgern noch verstärkt. Als die Ehefrau eines Polizisten mit durchschnittener Kehle in einem Hotelzimmer gefunden wird, glaubt man den Täter zu kennen. Doch die Verhaftung von Jack Forrest war ein Fehler, denn der Killer ist weiter aktiv.  

    Acht Jahre nachdem William Lustig seinen knüppelharte MANIAC (1980) auf das Publikum losgelassen hat, kehrte er zurück zum Thema. Produziert und geschrieben von Larry Cohen (IT‘S ALIVE, 1974) geht es zurück nach New York City, wo ein wahnsinniger Killer diesmal nicht nur auf den Straßen, sondern auch im Polizeimilieu sein Unwesen treibt. Lustig gelingt die Mischung aus Horror-Slasher und Polizeifilm ganz gut. Doch statt auf Spannung zu setzen, legt Lustig mehr Wert auf Action, besonders im letzten Drittel. Und im Gegensatz zu dem Versuch, Spannung zu erzeugen, der nur anfänglich glückt, funktionieren die Action-Szenen wesentlich besser, wobei es hier und da zu schlampigen Anschlussfehlern kommt. Der Slasher-Part funktioniert, aber die Story um Jack Forrest, der als verdächtiger Cop verhaftet wird, ist weniger gelungen und von Anfang an ersichtlich. 

    Baut sich Freddy Krueger während die Credits einlaufen seinen Krallenhandschuhe, zupft hier Matt Cordell seine Polizeiuniform zurecht, um die Straßen von New York City in ein Blutbad zu verwandeln. Als Slasher-Killer macht Cordell schon was her. Sein Auftreten erinnert mehr an Jason Voorhees als an Frank Zito. Cordells Figur bleibt aber leider hinter den Möglichkeiten zurück. Robert Z‘Dar wirkt letztlich etwas zu steif und uninteressant. 
    Zum Ausgleich hat man hier lange Zeit Tom Atkins als Lieutenant Frank McCrae, der allerdings auch etwas ausgebrannt wirkt. Am erstaunlichsten ist aber Bruce Campbell als Jack Forrest, der hier mal ein Arschloch spielen darf, zumindest anfänglich. Er steht jedenfalls in einem harten Kontrast zu seinem Ash-Charakter in EVIL DEAD (1981). Sam Raimi darf sich im übrigen kurz als Reporter zeigen. Der weibliche Part wird mit Lauren Landon als Undercover-Polizistin Theresa Mellory bekleidet, die etwas hohlköpfig wirkt. 

    Als Action-Polizei-Slasher-Hybrid funktioniert MANIAC COP ähnlich wie SILENT RAGE (1982) oder CITY COBRA (1986), doch leider mangelt es an packenden Momenten. Atmosphäre kommt selten auf, und selbst das Großstadt-Setting wird sich zu wenig zu Nutze gemacht, was in MANIAC nahezu meisterlich gelungen ist. Von brachialer Gewalt hält man sich hier weitestgehend fern. Es wird ein bisschen blutig geschlitzt, aber man bewegt sich stets im Rahmen. 

    Wäre man hier und da mit etwas mehr Sorgfalt an die Sache gegangen, wäre hier ein besserer Film entstanden. Unter dem Strich bleibt ein etwas zwiespältiger Film übrig, der aber insgesamt kein Ärgernis darstellt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Maniac Cop 2, 1990 – ★★★½

    Maniac Cop 2, 1990 – ★★★½

    MANIAC COP 2
    (USA, 1990, Regie: William Lustig)

    Matt Cordell lebt! Zumindest glauben das Jack und Theresa, aber nicht die Polizei von New York City. Die Polizei glaubt weiterhin, dass Cordell schon vor Jahren im Gefängnis getötet wurde. Als neue Morde geschehen, die von einem Mann in Uniform ausgeführt werden, wächst die Angst von Jack und Theresa, dass auch sie zu Opfern von Cordell werden könnten. Lieutenant Doyle befiehlt den beiden, die Polizeipsychologin Susan Riley aufzusuchen, was sie auch machen. Kurze Zeit später werden sie Opfer von Matt Cordell. Zeit für Detective Sean McKinney sich der Sache anzunehmen. Unterstützt wird er dabei von Susan Riley. 

    MANIAC COP 2 ist die direkte Fortsetzung vom Erstling aus dem Jahre 1988. Wieder führte William Lustig Regie, wieder hat Larry Cohen produziert und die Story geschrieben. Wieder sieht man Bruce Campbell als Jack Forrest, Laurene Landon als Theresa Mallory und Robert Z‘Dar als Matt Cordell. Wieder hört man einen Score von Jay Chattaway. Hier gibt es viel wieder, und alles einen ticken besser, wie ich finde. Die ganze Qualität ist gehobener. Campbell und Landon scheiden schnell aus, was ich persönlich gut finde. Das fehlende Charisma der meisten Figuren des ersten Teils, wird hier nachgeliefert. Robert Davi als Detective Sean McKinney ist super besetzt. Er bringt leichte Film Noir Wibes mit ins Geschehen. Auch Claudia Christian als Polizeipsychologin Susan Riley konnte mich überzeugen und hat Laurene Landon schnell vergessen lassen. Ebenfalls passend besetzt: Michael Lerner als Lieutenant Edward Doyle. Zudem beschert einem Lustig hier sehr viel mehr Großstadt-Atmosphäre. Schon die Titel-Sequenz auf einem Autofriedhof ist ein starker Anfang. New York City bei Nacht ist wunderbar eingefangen. Hier sind sehr viel mehr Lichter und Farben am Start, und es ist sogar weihnachtlich geschmückt. Die Action-Szenen sind viel besser inszeniert, es wird fleißig getötet, vor allem wird sehr viel geschossen und geblutet. Es gibt von allem mehr, und alles sieht besser aus. 

    Leider mangelt es auch hier an Spannung, aber die wird durch die Figuren und der besseren Qualität ausgeglichen. So ganz warm wurde ich auch hier nicht mit der Figur von Matt Cordell, aber man bekommt mehr Charakterzüge präsentiert. Wer den ersten Teil nicht gesehen hat, bekommt auch ein paar Rückblick-Szenen aus MANIAC COP (1988), um Cordells Beweggründe besser zu verstehen. Wie hanebüchen das Ganze eigentlich ist, sollte natürlich ausgeblendet werden, aber das versteht sich im Genre ja fast von selbst. Dennoch gibt es auch ein paar fragwürdige Entscheidungen im Rahmen der Story, mit denen ich nicht warm wurde. 

    MANIAC COP 2 ist der seltene Fall einer Fortsetzung, die mir besser gefällt als der Originalfilm. Hier wird nicht einfach nur kopiert, hier wird die Geschichte nahtlos weitererzählt und die Qualität nach oben geschraubt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Maniac Cop 3: Badge of Silence, 1992 – ★★½

    Maniac Cop 3: Badge of Silence, 1992 – ★★½

    MANIAC COP 3
    (MANIAC COP 3: BADGE OF SILENCE, USA, 1992, Regie: William Lustig)

    Nachdem der Polizist Matt Cordell verleumdet, inhaftiert und getötet wurde, machte er als „Maniac Cop“ die Straßen von New York City unsicher, um Rache an der Polizei zu nehmen, die sein Leben zerstört hat. Doch Detective Sean McKinney erledigte die Angelegenheit und konnte am Ende sogar Matt Cordells Namen reinwaschen, bevor der ein zweites Mal starb. 

    Doch Matt Cordell soll nicht lange ruhen. Ein Voodoo-Priester lässt Cordell wieder auferstehen. Kurz vorher kommt es in New York City zu einer Schießerei in einem Geschäft mit einigen Toten und Verletzten. Unter anderem wird auch eine Polizistin schwer verletzt, der man die Schuld für den Schusswechsel geben will. Doch da die nun im Koma liegt, muss sich Matt Cordell um die Angelegenheit kümmern und will die Wahrheit ans Licht bringen, auf seine spezielle Art. Wieder übernimmt Detective Sean McKinney den Fall, der ihn in ein Krankenhaus führt, in dem Cordell blutig wütet, um die Polizistin zu befreien. 

    Um den recht wirren MANIAC COP 3 besser zu verstehen, muss man ein Blick auf die Produktionsumstände werfen. Die Story von Larry Cohen sah nämlich einen dunkelhäutigen Hauptdarsteller vor, der den Detektive-Part von Robert Devi als Sean McKinney einnehmen sollte. Die japanischen Verleiher wollten hingegen Devi aus MANIAC COP 2 (1990) zurück. Das führte dazu, dass einige Inhalte des Drehbuchs mit einem weißen Detective in Harlem keinen Sinn mehr ergaben. Änderungen wurden vorgenommen, Füllszenen kamen hinzu, die von Produzent Joel Soisson inszeniert wurden, und die eigentliche Vision von Lustig / Cohen verpuffte. Seit der Bluray-Veröffentlichung im Jahre 2013 hat Lustig seinen Namen aus dem Vorspann gestrichen und durch Alan Smithee ersetzt. 

    MANIAC COP 3 startet ganz gut. 
    Das offene Grab von Matt Cordell ist zu sehen, während ein Voodoo-Priester ein Ritual vollzieht, was Cordell wieder auferstehen lässt. Diesen sieht man dann auch direkt, wie er den Polizeiknüppel schwingend erneut die Straßen von New York City bewandert. Rein optisch gibt es hier gar nichts zu meckern. Der Film sieht in etwa genauso qualitativ aus wie der zweite Teil. New York City bei Nacht ist auch hier wieder gut eingefangen, doch die meiste Zeit hält man sich auf den Fluren eines Krankenhauses auf. Im Grunde bedient sich der dritte Teil den gleichen Zutaten wie seine Vorgänger. Es gibt Auto-Action, Explosionen, Feuer, Schießereien und viele Tote. Dafür lässt der Film eine schlüssige Story vermissen, was auf die genannten Umstände zurückzuführen ist. Außerdem kann sich leider nur Robert Devi als Detective behaupten, denn alle anderen Figuren bleiben blass. Ich klammere mal die Gasstars, wie Robert Forster, Ted Raimi und Paul Gleason aus, die ohnehin nur kurz im Bild sind. Den weiblichen Part bekleidet Caitlin Dulany als Dr. Susan Flower, die im Grunde nur als Love Interest für Detective Sean McKinney dient. Zumindest kann sich Jackie Earle Haley als Killer-Junkie behaupten. Und dann wäre da noch Robert Z‘Dar als Matt Cordell, der jetzt plötzlich auch noch für andere Rache verübt und sich am Ende von einer ganz anderen Seite zeigt. Hätte er es mal gelassen. Konnte mich sein Charakter schon in den Vorgängern nicht gänzlich überzeugen, ertrinkt er hier beinahe. Was man der Inszenierung trotz aller Sprunghaftigkeit und Füllszenen (teilweise Rückblicke aus dem Vorgänger) zugute halten muss: die Horror-Szenen sind mehr vertreten und bauen etwas mehr Spannung auf. Dafür ist der Action-Anteil geringer und darf sich erst im letzten Drittel entfalten. 

    Auf einen Score von Jay Chattaway muss, wie auch auf das Maniac Cop-Thema verzichtet werden. Er wird diesmal von Joel Goldsmith vertreten, der zumindest solide Arbeit geleistet hat. 

    MANIAC COP und MANIAC COP 2 funktioniert sehr gut als Dilogie mit einem Anfang und einem Ende. MANIAC COP 3 ist der unnötige Kropf, der aber immerhin kurzweilig, hart und atmosphärisch ist.  

    (Bjoern Candidus)

  • In a Colt’s Shadow, 1965 – ★★½

    In a Colt’s Shadow, 1965 – ★★½

    PISTOLEROS
    (ALL’ OMBRA DI UNA COLT, Italien, Spanien, 1965, Regie: Giovanni Grimaldi)

    Steve und Duke sind befreundete Kopfgeldjäger. Doch der noch junge Steve möchte sich bereits zur Ruhe legen und zwar mit der Tochter von Duke. Doch Duke passt das nicht. Er droht sogar, Steve zu schießen, wenn er sich je an seine Tochter heranmachen sollte. Doch die Drohung kommt nicht an: Steve und Susan machen sich heimlich davon. Sie kommen in der Stadt Providence an, die in der Hand eines üblen Bankiers ist. Steve ist offensichtlich nicht willkommen, obwohl er Geld mitbringt und sich niederlassen will. Es kommt zu einem Konflikt. Und dann erreicht Duke Providence und möchte seine Drohung gegenüber Steve wahrmachen. 

    Giovanni Grimaldi (DJANGO – SCHWARZER GOTT DES TODES, 1966) hat hier einen optisch sehr schönen Italowestern gezimmert, der sämtliche Zutaten des Genres auffährt, doch dabei sehr langsam und viel zu geschwätzig unterwegs ist. Neben prächtigen Landschaftsaufnahmen, die mit sehr ruhiger Hand fotografiert wurden, erwartet einen wohl dosierte Action und Schießereien, die gut umgesetzt wurden. Man bekommt Einblicke in die Stadt Providence, in der einiges los ist. Viele Statisten beleben das Bild. Dazu gesellt sich ein passender Soundtrack, der schon während der schön gemalten Titel-Sequenz mit den typischen Klängen von Nico Fidenco kokettiert. 

    Das Hauptproblem an diesem Film ist ganz klar die blasse Besetzung. 
    Einschließlich der Hauptdarsteller Stephen Forsyth und Conrado Sanmartin, fehlen hier einfach die eindringlichen Gesichter, die gerade die großen Filme des Genres ausmachen. Stephen Forsyth mag zwar ein Schönling sein, ein cooler Pistolero ist er jedenfalls nicht. Kurz habe ich mich über Aldo Sambrell gefreut, doch sein Charakter wird kurz nach Auftreten ins Jenseits befördert. So langweilig wie die Figuren sind, ist auch leider die Story. Alles dehnt sich und wird zerredet. Das ist sehr Schade, weil die Inszenierung an sich sehr hochwertig aussieht. 

    PISTOLEROS ist leider keine Offenbarung, aber er sieht zumindest immer schön aus. 

    (Bjoern Candidus)

  • Prey of the Jaguar, 1996 – ★½

    Prey of the Jaguar, 1996 – ★½

    PREY OF THE JAGUAR
    (USA, 1996, Regie: David DeCoteau)

    Damien Bandera gelingt die Fluch aus einem Gefangenentrasporter. Er will sich an dem rächen, der ihn hinter Gitter gebracht hat: Derek Leigh, ein ehemaliges Mitglied einer Spezialeinheit. Und was ist da naheliegender als seine Frau und seinen Sohn zu töten? Nichts. Gesagt getan, Dereks Familie wird ausgelöscht. Da ist es kaum verwunderlich, dass auch Derek in den Rachemodus schaltet. Meister Xi frischt seine Kampfkünste auf. Dann hat Derek eine Idee: er bastelt sich das Kostüm eines Superhelden nach den Entwürfen seines kleinen Sohns. Jetzt ist er als Jaguar unterwegs. 

    David DeCoteau (PUPPET MASTER 3, 1991) fährt in diesem Actionfilm eine ganze Wagenladung Lächerlichkeit auf, und er lässt sich damit auch keine Zeit. Der Film startet mit dem Ausbruch aus einem Gefängnisbus, wo schon klar wird, was hier vermutlich 90 Minuten auf einen wartet: Actionquatsch der billigen Sorte. Der erste Eindruck setzt sich nach den Credits fort, aber immerhin poltert Stacy Keach in die Handlung. Das soll aber nichts heißen, denn Keach hat seine besten Zeiten hinter sich. Gleiches gilt auch für Linda Blair. Und doch glänzen hier beide automatisch, weil alle anderen so unglaublich schlecht sind. Maxwell Caulfield als Derek Leigh, bzw. Jaguar und seine Nemesis Trevor Godard als Damien Bandera, wie auch Tom Badal sind zum fremdschämen, agieren hölzern und haben so viel Charisma wie ein Regenwurm. Wenn sich Maxwell Caulfield in sein Jaguar-Superhelden-Outfit quetscht und in seine Rache-Mission startet, wird der Film in ungeahnte Höhen der Albernheit gehoben. Einfach toll, wie sich der Film von Minute zu Minute immer mehr in die Scheiße manövriert.

    Null Händchen für Dramaturgie, Action und Schnitt ist stets zu erkennen. Die Kameraführung ist noch das Charakteristischste, was einem hier begegnet, da das Bild schwankt und wabert, als wäre der Kameramann besoffen gewesen. Von einer Atmosphäre, die den Film zumindest irgendwie hätte retten können, kann auch nicht die Rede sein. Es gibt Ansätze, aber die verschwinden so plötzlich wie sie gekommen sind. Aber immerhin ist das Ganze so dämlich, dass ich mich nie gelangweilt habe. 

    PREY OF THE JAGUAR ist Action-Möchtegernsuperheldenpampe, die keinem ernsthaft schmecken dürfte. Ich war amüsiert und peinlich berührt zugleich. 

    (Bjoern Candidus)