Autor: marco-fritz

  • The Colossus of New York, 1958 – ★★★½

    The Colossus of New York, 1958 – ★★★½

    DER KOLOSS VON NEW YORK
    (THE COLOSSUS OF NEW YORK, USA, 1958, Regie: Eugène Lourié)

    Als der geniale Wissenschaftler Dr. Jeremy Spensser, den Friedensnobelpreis gewinnt, wird er kurz drauf von einem Auto erfasst. Sein Körper stirbt, doch sein Vater, ein Chirurg, kann sein Gehirn am Leben erhalten. Seinen anderen Sohn, Henry, kann er davon überzeugen, einen künstlichen Körper zu konstruieren, damit Jeremy wieder am Leben teilhaben kann. Das Vorhaben geht auf, doch es führt zu nichts Gutem. 

    Die Regie führte Eugène Lourié (PANIK IN NEW YORK, 1953), der erneut bewiesen hat, dass er unterhaltsame Filme zaubern konnte, die dazu auch noch toll aussehen. Der Film ist ordentlich fotografiert und ausgeleuchtet. Hierfür zeigte sich John F. Warren verantwortlich, der 1966 DER ZERRISSENE VORHANG von Hitchcock fotografierte. Die Schwarzweißbilder mit ihren starken Kontrasten kommen sehr gut zur Geltung und sorgen samt dem Score von Van Cleave, der schwer wie Blei über den Bildern liegt, für eine bedrückende Atmosphäre. Auch wenn sich der Film in Sachen plakativem Horror sehr zurücknimmt, ist er doch tragisch und dramatisch genug, um Schrecken zu entfalten. 

    Nachdem man ein paar nette Einblicke in die Backwarenindustrie der bevorstehenden 60er-Jahre bekommt, geht es erst mal recht zügig zu. Kurze Freude über den Friedensnobelpreis, dann schon der Unfall. Dieses Tempo wird danach deutlich zurückgefahren, was völlig in Ordnung ist, da wir uns hier bei weniger als 70 Minuten Spielzeit bewegen. 

    Der Koloss, der aussieht wie ein wandelnder Schrank mit Kopf und Mantel und den Beinen von Frankensteins Monster, wirkt verstörend, ebenso die fremdartige Stimme (im O-Ton weniger roboterartig als in der dt. Synchronisation). Das Gehirn in einem „Golem-Körper,“ der nicht erwünscht ist. Dabei kommt natürlich auch die Frage auf, was einen Menschen ausmacht: Ist ein Mensch nur dann er selbst, wenn Gehirn, Körper und Geist zusammenliegen? Spensser beantwortet die Frage schnell und fährt in einen Wutmodus, in dem er nicht nur unter Wasser gehen kann, sondern auch Todesstrahlen aus den Augen abfeuern kann. Doch da ist auch noch Liebe in ihm, denn er hat nicht nur seine Frau zurückgelassen, sondern auch seinen kleinen Sohn, der ihn für einen Riesen hält, wenn er sich mit ihm heimlich im Garten trifft. Weniger bewegend sind die Darsteller, die doch sehr blass bleiben. Da wäre John Baragray, Mala Powers, Otto Kruger und Robert Hutton. Ross Martin ist der Koloss. 

    DER KOLOSS VON NEW YORK ist ein düsteres Mensch-Maschinen-Monster-Sciencefiction-Drama, was zwar keine wirklichen Highlights bietet, aber mich in seiner Gesamtheit überzeugen konnte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Torment, 1986 – ★★★½

    Torment, 1986 – ★★★½

    DIE SPUR DER BESTIE
    (TORMENT, USA, 1986, Regie: Samson Aslanian und John Hopkins)

    Detektiv Michael Courtland jagt einen Serienmörder, der in San Francisco seit Wochen eine blutige Spur hinter sich herzieht. Seine Opfer: Frauen, die er scheinbar wahllos aussucht. Dann legt er seinen Fokus auf Courtlands Verlobte Jennifer, die vorübergehend in der Villa ihrer zukünftigen Schwiegermutter verweilt. 

    Samson Aslanian und John Hopkins haben hier gemeinsam ihren einzigen Film gedreht. Beide haben aber durchaus in anderen Produktionen hinter der Kamera gearbeitet. Auch wenn sie mit DIE SPUR DER BESTIE nichts wirklich Neues kredenzen, bieten sie dennoch grundsolides Home-Invasion-Serienmörder-Kino, was trotz ausgelatschter Story frisch wirkt. Das liegt zum einen an der guten Kameraarbeit von Stephen Carpenter und dem unheimlichen Score von Christopher Young (HELLRAISER, 1987), der hier klingt, als wollte er seinen NIGHTMARE ON ELM STREET 2 – Score fortsetzen, zum anderen an den Darstellern. Hier sei William Witt als Killer zu erwähnen, der sich nicht hinter einer Maske versteckt oder von 100 Metern Entfernung aussieht, als würde er einen fressen wollen. Nein, er sieht wie ein normaler Mann aus, der eine ungünstige Neigung hat. In der deutschen Fassung wird er im Übrigen von Norbert Gastell synchronisiert, was der Figur ein bisschen mehr Leid einhaucht. Ebenfalls gut gecastet: Serien-Gesicht Eve Brenner als Mrs. Courtland. So ungewöhnlich wie der Killer ist, ist auch der Detective. Der wird von Warren Lincoln verkörpert, der als kleiner Mann mittleren Alters mit langem, lockigen Haar, eine ungewöhnliche Figur abgibt, aber auch verhältnismäßig wenig Spielzeit eingeräumt bekommt. Taylor Gilbert bleibt als seine Geliebte Jennifer hingegen recht blass. 

    Was mir besonders positiv aufgefallen ist: Die ruhige Art der Inszenierung und die düstere Atmosphäre des Hauses. Man könnte meinen, man hätte es mit einer 70er-Produktion zu tun, die nur hin und wieder ihr wirkliches Jahrzehnt verrät. Ist man hier anfänglich noch in der Stadt, bewegt man sich im weiteren Verlauf in einer Villa, die den Film zu einer Art Kammerspiel werden lässt. In den besten Momenten kommt auch richtige Spannung auf, besonders im letzten Drittel. 

    Es gibt die ein oder andere Länge, aber die positiven Aspekte überwiegen und machen DIE SPUR DER BESTIE zu einem sauber inszenierten Psychopathen-Thriller, der immer mehr an Fahrt zulegt bis hin zu einem terrorreichen Finale. 

    (Bjoern Candidus)

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 69

    Traumstadt Gazette Ausgabe 69

    Traumstadt Gazette 69 steht im Zeichen des Labels Wicked Vision, was uns drei Filme zur Bewertung zugeschickt hat.

    Bjoern Candidus und Marco Fritz sprechen über die beiden Empire-Titel HERRSCHER DER HÖLLE (1984) und ROBOTJOXS (1989) und über ABRAXAS – RETTER DES UNIVERSUMS (1990) mit Jesse Ventura und Sven-Ole Thorsen.

    Außerdem hat Marco noch Luc Bessons neusten Film DOGMAN (2023) im Koffer.

    https://www.wicked-shop.com/de/

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Nightmares, 1983 – ★★★★

    Nightmares, 1983 – ★★★★

    ALPTRÄUME 
    (NIGHTMARES, USA, 1983, Regie: Joseph Sarge)

    Ursprünglich wurde ALPTRÄUME als Pilotfilm für eine NBC Horror-Serie konzipiert, doch nach der Fertigstellung beschloss man den Film ins Kino zu bringen und verwarf die ursprüngliche Idee. 

    Auch wenn Joseph Sarges Regiearbeit inhaltlich nicht immer überzeugt, bieten die vier Episoden allesamt Abwechslung, eine starke Atmosphäre und versprühen einen gruseligen Charme. Auf eine Rahmenhandlung, die die Episoden verbindet, wird allerdings verzichtet. 

    Die erste Episode, TERROR IN TOPANGA, startet blutig, finster und baut ordentlich Spannung auf. Hier geht es um einen wahnsinnigen Killer auf der Flucht, der gerade sein nächstes Opfer in Augenschein nimmt. Mit der bildschönen Cristina Rains (HEXENSABBAT, 1977) ist man hier zudem gut bedient. Originell ist die Story zwar nicht, aber als Opener ganz effektiv. Weiter geht es mit der Episode THE BISHOP OF BATTLE, in der ein junger Emilio Estevenz (RHEA M, 1986) das 13. Level eines Spielautomaten erreichen will. Die spannungsärmste, aber visuell beeindruckendste Episode ist mit viel 80er-Jahre-Charme ausgestattet. Sperrig und unheilschwanger wird es mit THE BENEDICTION, in der Lance Henriksen (ALIENS, 1986) als vom Glauben abgefallener Priester gegen der Teufel kämpft, der ihn mit einem Pick-Up verfolgt. Den Abschluss macht NIGHT OF THE RAT, in der eine Familie von einer riesigen Ratte terrorisiert wird. Hier zeigt sich u.a. Veronica Cartwright (ALIEN, 1979). 

    Im Grunde stellt keine Episode in ihrer Gesamtheit ein Highlight dar, wobei THE BISHOP OF BATTLE und THE BENEDICTION dicht dran sind. Aber überall ist etwas zu finden, was diesen Episodenfilm nie langweilig oder eintönig macht. Die Mischung ist geglückt, und wenn es bei der einen Folge mal an etwas mangelt, wird es bei der nächsten wieder ausgeglichen. 

    ALPTRÄUME ist ein gut fotografierter, abwechslungsreicher Episoden-Horrorfilmen, der zudem ansprechend besetzt wurde. 

    (Bjoern Candidus)

  • Krull, 1983 – ★★★½

    Krull, 1983 – ★★★½

    KRULL
    (GB, 1983, Regie: Peter Yates)

    Krull, eine fremde Welt irgendwo im Universum, hat ein Problem: Eine riesige Festung landet auf dem Planeten, bewohnt von einem Ungeheuer, dem unbeschreiblichen Ungeheuer und seiner Armee von Slayern. Für die beiden verfeindeten Königshäuser gibt es nur eine Chance den Schrecken zu bannen, der über ihre Welt hereinfällt: sie müssen zusammenhalten. In dem Fall wird aber erst mal geheiratet. Doch am Hochzeitstag greift eine Horde von Slayern das Schloss an und entführen Prinzessin Lyssa. Es kommt wie es kommen muss: Prinz Colwyn will seine Geliebte zurückerobern und das Königreich von dem außerweltlichen Ungeheuer befreien. Ein Abenteuer mit einer Handvoll Gefährten beginnt…

    BULLIT (1968) – Regisseur Peter Yates wandelt mit seinem Fantasy-Abenteuer KRULL unverkennbar auf den Spuren von STAR WARS, was schon die erste Szene verdeutlicht, wenn die Festung wie ein Sternzerstörer durchs All schwebt. Doch statt dem spacigen Look zu folgen, orientiert sich Yates an dem mittelalterlichen Fantasy-Anstrich. Fast, denn die sonderbaren Waffen, die die Slayer benutzen, haben nicht nur Klingen, sondern können auch Laserstrahlen abfeuern, was ziemlich cool aussieht. Überhaupt können sich die Slayer sehen lassen; sie könnten eine alternative Armee des Imperators sein. Zudem erinnern sie etwas an Skeletors Armee im 87er MASTERS OF THE UNIVERSE Film.

    Auch wenn die Story platt ist, sind die Darsteller im Grunde noch platter. Nicht, dass sie schlecht wären, aber ein Ken Marshall als Prinz Colwyn bietet einfach nicht viel. David Battley als Trottel Ergo ist quasi der C3-PO des Film und ist immer dann am besten, wenn er sich in ein Tier verwandelt. Ansonsten ist noch Freddie Jones, Robbie Coltrane und Liam Neeson an Bord. Den Part der Prinzessin hat Lysette Anthony abbekommen. Solide sind die alle, aber für diesen Film werden sie nicht zu einem Argument. Da gibt es andere Bereiche, in denen der Film punktet. 

    Was sofort ins Auge sticht ist die tolle Fotografie von Peter Suschitzky (DIE UNZERTRENNLICHEN, 1988 / NAKED LUNCH, 1991), der hier die felsigen Landschaften Italiens und Spaniens meisterlich eingefangen und dem Film die nötige Größe verpasst hat. Nicht minder gelungen sind die Studioaufnahmen in den Pinewood Studios. Hier hat man prächtige Kulissen gebaut, die durch den Einsatz von Licht und Farbe zusätzlich verzaubern. Höhlen, ein Lavafluss und teils surreale Bauten warten hier auf. Sowohl die visuellen als auch die praktischen Effekte sind versiert und auf der Höhe ihrer Zeit. 
    Der Actionanteil verteilt sich sehr gut über die Geschichte. Die Helden sind auf einer Reise, was den Film immer in Bewegung hält. Dafür schwächelt der Film etwas im Bereich der Spannung, aber das kann er mit anderen Dingen ausgleichen, z.B. auch mit dem schönen Score von James Horner. 

    Wer STAR WARS, HERR DER RINGE, FLASH GORDON, MASTERS OF THE UNIVERSE oder den recht unbekannten STAR KNIGHT mag, sollte auch KRULL mögen.

    (Bjoern Candidus)

  • Among the Living, 2014 – ★★

    Among the Living, 2014 – ★★

    AMONG THE LIVING – DAS BÖSE IST HIER
    (AUX YEUX DES VIVANTS, Frankreich, 2014, Alexandre Bustillo, Julien Maury)

    Victor, Tom und Dan verlassen vorzeitig den Schulunterricht, um in die Sommerferien zu starten. Sie schlagen sich durch die Felder bis hin zu einem alten Filmstudio, in dem sie Zeuge einer Entführung von einer jungen Frau werden. Zwei Männer haben sich in den verlassenen Studiokulissen eingenistet, die offensichtlich nichts Gutes im Schilde führen. Die drei Jungen werden entdeckt, aber können gerade noch entkommen. Doch der Terror beginnt erst. 

    Nach ihrem sehr harten und überzeugenden Debütfilm INSIDE (2007) konnte mich das Regie-Duo
    Alexandre Bustillo und Julien Maury mit LIVID (2011) überhaupt nicht überzeugen. Mit AMONG THE LIVING sieht es leider nicht viel besser aus. 

    Teenager, die gegen das Böse (in welcher Form auch immer) kämpfen, ist nun wirklich nichts Neues und hat im Horror-Genre oft ganz gut funktioniert. Zumindest mag ich Filme wie THE GATE (1987), MONSTER BUSTERS (1987) oder ES (1990). Doch was anfänglich noch einem ähnlichen Konzept folgt, wird wird schnell aufgelöst. Es gibt keine Clique, die gegen einen Killer kämpft. Der Fokus liegt plötzlich auf Victor und seiner Familie. Es hätte eine düstere Version von STAND BY ME (1986) oder GOONIES (1985) werden können, doch es wurde ein belangloser, teils schlecht inszenierten Home Invasion – Horrorfilm, der zumindest Gore-Freunde befriedigen könnte. Der Killer, der die drei Jungs aufsucht, nach dem sie ihn beobachtet haben, präsentiert sich nackt, was zumindest eine Seltenheit ist. Das passt deshalb auch so gut, weil er groß und schlank ist. Was noch dahinter steckt, sei an dieser Stelle nicht verraten. Verraten sei aber, dass die wunderbare Béatrice Dalle einen derben Gastauftritt hinlegen darf. Sie ist im übrigen schwanger, damit auch der Dümmste die Verbindung zur INSIDE aufbauen kann. 

    Was man dem Film zugute halten kann, sind die durchaus sympathischen Jungdarsteller Théo Fernandez, Zacharie Chasseriaud und Damien Ferdel, aber die verlieren sich ebenso in der Nichtigkeit wie der Rest der Inszenierung. Jeder gute Ansatz verpufft. Schade.

    AMONG THE LIVING bietet zwar halbwegs solide Horror-Kost, aber er ist nur ein ausdrucksloser Mix ähnlich gelagerter Filme, die damals durch HIGH TENSION (2003), TEXAS CHAINSAW MASSACRE (2003) oder THE HILLS HAVE EYES (2006) auf den Markt geschmissen wurden.  

    (Bjoern Candidus)

  • F, 2010 – ★★★

    F, 2010 – ★★★

    F
    (GB, 2010, Regie: Johannes Roberts)

    Dass Schüler ihren Lehrern gegenüber handgreiflich werden, ist längst nichts Neues mehr. Hatte man früher Angst vor dem Lehrer, hat der Lehrer heute Angst vor den Schülern (, was ich natürlich nicht verallgemeinern will). Regisseur Johannes Roberts nimmt sich diesem Problem anfänglich an. Ein Schüler schlägt einen Lehrer, weil er ihn mit der Note F bewertet hat und muss sich nun dafür rechtfertigen. Statt den Schüler der Schule zu verweisen, wird der Lehrer beurlaubt. Das lässt ihn zum Alkohol greifen und zerstört die Beziehung zu seiner Frau und Tochter. Seine Tochter steht zwischen den Stühlen, da er sie auch noch unterrichtet. Als er seinen Job wieder aufnimmt und wegen eines Zwischenfalls seine Tochter abends in der Schule nachsitzen lässt, kommt es zu einem Überfall von vermummten Jugendlichen, die die Inszenierung von einem Lehrer-Drama zu einem School Invasion Thriller werden lässt. 

    Angeführt durch Filme wie THEM (2006), INSIDE (2007) oder THE STRANGERS (2008) waren Home Invasion Filme wieder angesagt, als der Brite Johannes Roberts mit F um die Ecke bog. Und so wirklich innovativ ist sein Film nicht, sieht man von dem anfänglichen Lehrer- / Schüler – Drama ab, was als eigenständiger Film vielleicht noch besser funktioniert hätte. Aber auch als Thriller ist F durchaus schaubar. Schulen als Ort des Schreckens sind immer nett, und hier musste ich direkt an den dänischen Slasher FINAL HOUR (1995) denken. Die leeren Flure sind gut fotografiert und das spärliche Licht erzeugt eine ordentliche Atmosphäre. Große Gebäude bei Nacht entwickeln automatisch etwas Beklemmendes, fast Gespenstisches, was hier gut eingefangen wurde. Die Inszenierung ist zudem recht ruhig und hebt so die Spannung. Jede Minute wird sinnvoll genutzt, und bei einer Spielzeit von knapp 80 Minuten kommt es nie zu Langeweile, und das ohne spektakuläre Action oder überzogene Charaktere, die Mist von sich geben. Aber man ist ja auch im britischen Kino, was gerne etwas bodenständigere Töne anschlägt. 

    David Schofield (AMERICAN WEREWOLF, 1981) als Lehrer Robert Anderson ist eine richtig gute Wahl; das Leid steht ihm förmlich ins Gesicht geschrieben. Die Angreifer, schweigende Jugendliche mit Hoodies, deren Gesichter unter der Kapuze komplett verschwinden, haben offensichtlich nur einen Punkt auf ihrer Agenda: Töten! Das tun sie auch, denn schließlich sind an diesem Abend noch ein paar Leute im Schulgebäude. Die Morde passieren zwar größtenteils im Off, doch die Resultate sind recht garstig in Szene gesetzt. Der Terror funktioniert soweit ganz gut.
     
    F startet als Sozialdrama in einem ungerechten System und schlägt dann einen konventionellen Home Invasion – Weg ein, der aber zumindest solide und spannend bis zum Schluss inszeniert wurde. 

    (Bjoern Candidus)

  • Satan’s Blade, 1984 – ★

    Satan’s Blade, 1984 – ★

    SATAN’S BLADE 
    (USA, 1984, Regie: L. Scott Castillo Jr.)

    Einige junge Leute machen in den verschneiten Bergen von Kalifornien Urlaub in einer Bungalowsiedlung. Doch die Gegend wird von einem Mord überschattet, der für manche Einwohner der Gegend nur eins bedeuten kann: der böse Mann mit dem magischen Messer aus den Bergen ist zurück! 

    Nach einer blutigen Eröffnung, in der zwei Frauen eine Bank überfallen, wird eins bereits schnell klar: die Qualität dieses Horror-Slashers ist nicht die höchste. Und ja, viel mehr Steigerung in Sachen Qualität liefert Regisseur L. Scott Castillo Jr. auch im weiteren Verlauf nicht. Nicht jeder hat halt das Talent, 1,50 $ sinnvoll einzusetzen, um daraus einen guten Film zu machen. Und versucht hat es L. Scott Castillo Jr. nach SATAN’S BLADE auch nicht mehr. 

    Dass die Geschichte über einen Mann, der mit seiner Familie in die Berge flüchten musste und nun als Rache-Geist mit Messer aus dem Jenseits zurückkommt, um Touristen zu töten, nicht die größte Idee ist, ist geschenkt, aber dass man gleich so eine schlechte Inszenierung abwerfen muss, hat eigentlich niemand verdient. Die einfältigen Figuren, die im Slasherfilm ohnehin gerne anzutreffen sind, werden immerhin in unregelmäßigen Abständen blutig abgemurkst. Aber nicht mal im Sterben überzeugen die Darsteller. Der Film wirkt stets wie ein Sedativum. Langweilige Abschnitte mit hohlem Gerede oder dem typischen Gefummel dehnen sich ohne Ende. Das einzig Positive ist das Setting, denn Slasher im Schnee sind bis Heute relativ selten. Am Rande sei hier der schneereiche, sehr atmosphärische GHOSTKEEPER (1981) von Jim Makichuk empfohlen. Gerade noch im grünen Bereich ist der Synthesizer-Score von Martin Jaquish, der die Pampe zumindest ansatzweise nett ummantelt. 

    SATAN’S BLADE ist ein öder, spannungsarmer Slasher, der nicht mal Freunde des Genres befriedigen dürfte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Thriller: A Cruel Picture, 1973 – ★★★★½

    Thriller: A Cruel Picture, 1973 – ★★★★½

    THRILLER – A CRUEL PICTURE
    (THRILLER – EN GRYM FILM, Schweden, 1973, Regie: Bo Arne Vibenius) 

    Als hätte es nicht schon gereicht, dass Frigga in ihrer Kindheit vergewaltigt wurde und seit dieser Zeit stumm ist, wird sie jetzt auch noch von einem Zuhälter verschleppt, heroinabhängig gemacht, damit sie für seine Freier gefügig gemacht werden kann. Anfänglich weigert sich Frigga, was sie mit dem Verlust ihres linken Auges bezahlt. Langsam resigniert sie und wird willig. Doch dann nimmt sie Rache an ihren Peinigern…

    Willkommen in Schweden!
    Willkommen in der Hölle! 

    Von der ersten Minute an ist das nicht das Schweden, was einer Michel-aus-Lönneberga-geprägten Seele in den Sinn kommt. Zwar zeigt der Film auch sehr schöne Naturaufnahmen und fängt den Herbst zauberhaft ein, aber Vibenius Inszenierung dominiert durch das bedrückende und niederschmetternde Geschehen, in das man hier ohne Vorwarnung gestoßen wird (, wenn man sich die Inhaltsangabe gespart hat). Größtenteils hält man sich in kargen Räumen auf, die keine Wärme zulassen. Ist man vor der Tür, könnte man meinen, man befindet sich in der Endzeit. 
    Regisseur Bo Arne Vibenius gönnt niemandem einen Hoffnungsschimmer, und an Entspannung ist in diesem Rache-Thriller-Drama nicht zu denken. 
    Friggas Martyrium ist bedrückend inszeniert, dialogarm (sie ist und bleibt stumm) und realistisch, zumindest lange Zeit. Christina Lindberg ist wirklich umwerfend, sie schweigt und sagt doch so viel und wird gegen Ende mit Augenklappe, schwarzem Ledermantel und Schrotflinte zu Recht zu einer Ikone des „abseitigen Kinos“, die sich natürlich auch Dank Quentin Tarantinos KILL BILL VOL. 1/2 (2003/04) ins 21. Jahrhundert retten konnte. Richtig widerlich ist Tony, der Zuhälter, gespielt von Heinz Hopf, der es jedem leicht macht, ihn zu hassen. Gleiches gilt auch für die meisten anderen Herrschaften.  

    Über all dem Schrecken liegt eine experimentelle, gespenstische Musik von Ralph Lundsten und eine Geräusch-Kulisse, die an TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) erinnert. Aber nicht nur Hooper blitzt auf, auch Romero ist zu spüren und natürlich das Grobe eines LAST HOUSE ON THE LEFT (1972) von Wes Craven. Und dann ist da natürlich noch Sam Peckinpah. Nicht nur sein STRAW DOGS (1971) kommt einem unweigerlich in den Sinn, man bekommt es auch später mit Schießereien in Zeitlupe um die Augen geklatscht, dass Vibenius nicht abgeneigt war vom Kino Peckinpahs. Aber auch DEADLOCK (1970) von Roland Klick ist zu spüren, wenn der Film gegen Ende zu einer Art Western mutiert. Zudem wurde der Film verspielt fotografiert und nutzt effektive Kameraperspektiven, um in Schwung zu bleiben. Ein reicher, spannender und unangenehmer Film, der das nie abgenutzte Thema der Rache konsequent durchzieht.   

    THRILLER – A CRUEL PICTURE fühlt sich an wie ein böser Traum, den niemand träumen möchte und doch eine unglaubliche Anziehungskraft besitzt. Faszinierend!  

    (Bjoern Candidus)

  • Fiend Without a Face, 1958 – ★★★★

    Fiend Without a Face, 1958 – ★★★★

    UNGEHEUER OHNE GESICHT
    (FIEND WITHOUT A FACE, GB, 1958, Regie: Arthur Crabtree) 

    In der Umgebung einer Militärbasis der US Air Force nahe der kanadischen Grenze werden mehrere Leichen entdeckt, denen die Gehirne ausgesaugt wurden. Man steht vor einem Rätsel. Major Cummings wird beauftragt, sich der Sache anzunehmen. Der verfolgt eine Spur, die zu einem Professor führt, der an einer Methode arbeitet, telekinetische Kräfte zu erzeugen. Derweil gehen die Morde weiter, die scheinbar durch unsichtbare Wesen ausgeführt werden.  

    Arthur Crabtree (DAS SCHWARZE MUSEUM, 1959) hat hier einen Monsterfilm geschaffen, der mit seiner reichlich absurden Story um durch Telepathie und Atomkraft erzeugte Gehirnvampire gut zu unterhalten weiß. Zwar sind die Darsteller, allen voran Marshall Thompson als Major Cummings, etwas steif und wenig charismatisch, aber das schadet der Inszenierung nur am Rande und ist im 50er-Jahre-Monsterkino nicht selten. Der Fokus soll schließlich auf dem Monster liegen, und da bildet UNGEHEUER OHNE GESICHT keine Ausnahme. Das Spannende hierbei ist, dass die Monster, bzw. die Gehirnvampire lange Zeit unsichtbar sind und man lediglich wild um sich schlagende Darsteller sieht, wenn diese attackiert werden. Erst im letzten Drittel darf die Gefahr ihr Antlitz zeigen, und die besteht aus einem Gehirn mit Fühlern, Tentakel und einem Schwanz. Lovecraftsche Erinnerungen werden wach, gleichzeitig blitzen die Facehugger aus ALIEN (1979) und Elmer aus BRAIN DAMAGE (1988) auf. Auch die im gleichen Jahr entstandene Produktion DIE TEUFELSWOLKE VON MONTEVILLE kam mir in den Sinn, die ebenfalls das Thema der Telepathie aufgreift. Und selbst ein moderneres Videospiel wie RESIDENT EVIL – REVELATIONS 2 liefert ähnliche, teilweise nicht sichtbare Monster. 

    Die Inszenierung ist sehr kompakt und dicht. Manchmal gelingt Arthur Crabtree ein richtig gruselige Atmosphäre zu erzeugen, wenn es z.B. vom Militärstützpunkt in den Wald oder in eine Gruft geht. Das Highlight ist aber ganz klar der große Angriff der Gehirnvampire in einer klassischen Belagerungsszene. Die Stop-Motion-Bewegungen, die den Gehirnvampiren Leben einhauchen, wurden teilweise in München von Florenz von Nordhoff und Karl-Ludwig Ruppel inszeniert und können sich sehen lassen. Wenn sich die Menschen zu Wehr setzen, geht es sogar recht blutig zu, was so möglicherweise nur durch die Schwarzweißfotografie durchgegangen ist. 

    Sonderbare Monster, ein wahnsinniger Wissenschaftler, Atombomben, radioaktive Strahlung, möglicher Terror durch die Russen… UNGEHEUER OHNE GESICHT liefert das volle Themenspektrum des 50er-Jahre-Monsterkinos auf komprimierte, wirkungsvolle Art. 

    (Bjoern Candidus)