Autor: marco-fritz

  • House II: The Second Story, 1987 – ★★★½

    House II: The Second Story, 1987 – ★★★½

    HOUSE 2 – DAS UNERWARTETE
    (HOUSE 2: THE SECOND STORY, USA, 1987, Regie: Ethan Wiley) 

    Jesse erbt die alte Villa seines Ururgroßvaters. Gemeinsam mit seiner Freundin Kate und seinem besten Freund Charlie durchsuchen sie das Haus nach einem mächtigen Schatz. Im Garten stoßen sie auf das Grab von Opa Gramps, der den Schatz, ein Kristallschädel, in den Händen hält. Dann wacht Gramps auf. 

    In HOUSE 2 – DAS UNERWARTETE heißt es neues Haus, neue Story, und treu dem Motto der Fortsetzung: höher, schneller, weiter. Produzent war erneut Sean S. Cunningham. Regie führte Ethan Wiley, der sich schon für das Drehbuch zum ersten Teil verantwortlich zeigte.

    Das Haus ist sehr schön in Szene gesetzt und schmückt sich mit zahlreichen Relikten, die eine fast abenteuerliche Atmosphäre erzeugen. Wie schon im Vorgänger gibt es auch hier wieder einen Zugang zu einer anderen Dimension. In HOUSE 2 dient ein Zimmer als Zugang in eine urzeitliche Welt, die den ein oder anderen Dinosaurier zu bieten hat. Die Kulissen und Studiobauten sind richtig schön geworden und setzen sich vom Gros ähnlicher Produktionen deutlich ab. Hat man im ersten Teil schon sehr gute Effekte, Masken und Monster präsentiert bekommen, legt Wiley und sein Team in HOUSE 2 noch einiges drauf. Man bekommt z.B. einen Höhlenmenschen, ein Sauriervogelbaby, eine Raupe mit Hundegesicht, ein skelettiertes Pferd und zwei verrottete Typen, die um einen mächtigen Kristallschädel kämpfen serviert. Ziemlich auffällig ist das Design des zombieartigen Cowboys Slim (dargestellt von Dean Cleverdon), der eine frappierende Ähnlichkeit mit Tex Hex aus der Zeichentrickserie BRAVESTARR hat, die ebenfalls 1987 an den Start ging.

    Ein ähnliches Problem wie der erste Teil hat auch der zweite Teil: die Besetzung. Hier ist der Vorteil, dass es sich um mehr Figuren handelt, und da fällt es weniger ins Gewicht, wenn man keine so recht mag, abgesehen von Gramps (dargestellt von Royal Dano), Slim und den Monstern. Ayre Gross, Jonathan Stark und Lar Park Lincoln als Jesse, Charlie und Kate bleiben farblos und langweilig. Ihre aalglatten 80er-Gesichter und ihr ödes Schauspiel stehen im starken Kontrast zu den phantasievollen Figuren, den starken Kulissen und der rundum gelungenen Ausstattung. Für den Score zeichnete sich erneut Harry Manfredini verantwortlich. 

    Der Humor und die Familientauglichkeit rückt in HOUSE 2 mehr in den Fokus. Das Vietnam-Thema, was HOUSE noch eine Prise Ernsthaftigkeit erlaubte, weicht hier einer skurrilen Abenteuergeschichte um einen Kristallschädel mit unglaublichen Kräften, der nicht in falsche Hände geraten darf. Dadurch geht auch in diesem Teil die Spannung etwas verloren. Zudem kommt es auch zu einigen Hängern, wenn Gramps mal wie zu viel redet. 

    HOUSE 2 – DAS UNERWARTETE ist eine ordentliche Fortsetzung, die trotz kleiner Probleme seinem Vorgänger in nichts nachsteht, was selten genug der Fall ist.  

    (Bjoern Candidus)

  • House, 1985 – ★★★½

    House, 1985 – ★★★½

    HOUSE – DAS HORRORHAUS
    (HOUSE, USA, 1985, Regie: Steve Miner) 

    Der Schriftsteller und Vietnam-Veteran Robert Cobb erbt das Haus seiner Tante, die sich kürzlich darin das Leben nahm. Auf dem Grundstück verschwand ein Jahr vorher Roberts Sohn Jimmy auf unerklärliche Weise, was zur Trennung der Ehe führte. Robert will sich in der viktorianischen Villa ganz auf sein neues Buch konzentrieren, was von seinen Erfahrungen im Vietnamkrieg handeln soll. Doch mit seiner Anwesenheit weckt er auch die Geister der Vergangenheit, die ihm das Leben schwer machen wollen. 

    Die ursprünglich von Fred Dekker konzipierte Story von HOUSE sah noch einen ernsten Horrorfilm vor, bevor Ethan Wiley die Story umschrieb und komödiantisch Elemente ins Drehbuch einfließen ließ. Produzent des Ganzen war Sean S. Cunnigham, und als Regisseur fungierte Steve Miner. Also zwei Herren, die das FREITAG DER 13. – Franchise großgemacht haben. Da ist es kaum verwunderlich, dass Harry Manfredini als Komponist fungierte. Also gute Namen, um zumindest solide Horrorkost zu erwarten. Und mit HOUSE bekommt man eine gut produzierte Horror-Komödie geliefert, die zumindest rein visuell sehr erfrischend ist. Es gibt einige wirklich sehr kreativ gestaltete Monster, die zu den schönsten der 80er-Horrorfilmen zählen. Wobei hier mehr Wert auf Skurrilität als auf Schrecken gelegt wird. Latexmasken und Make-up wird gekonnt eingesetzt, aber nichts wirkt überladen. Ist man nicht in der viktorianischen Villa, ist man plötzlich in Vietnam im Rahmen von Robert Cobbs Erinnerungen. Miner ist immer darauf bedacht, die Inszenierung voran zu treiben, ohne in einen nervigen Heckmeck zu geraten, der (Horror-)Komödien gerne das Genick bricht. Hier zeichnet sich der Humor eher durch skurrile Figuren und die ein oder andere Situationskomik aus, die selten bis gar nicht lächerlich wirkt. Allerdings leidet darunter auch etwas die Spannung, die anfänglich noch aufgebaut wird. Man erzeugt durchaus eine gruselige Atmosphäre, aber das Geschehen mildert das Horror-Feeling deutlich ab. Aber dafür hat man ja noch die Vietnam-Thematik (ein Studio -Dschungel), die für zusätzliche Dramatik sorgt, denn eigentlich geht es ja um das Verschwinden von Roberts Sohn. Eine Brücke wird geschickt geschlagen. 

    Nicht so wirklich überzeugen konnten mich die Darsteller. Besonders William Katt, der als Robert Cobb natürlich viel Screentime bekommt, wirkt blass und langweilig. George Wendt als sein Nachbar Harold Gorton ist auch niemand, den ich herbeigesehnt hätte. Dafür bringen die anderen Figuren und Wesen, die hier auftauchen, mehr Schwung ins Geschehen. Schön sind auch die kleinen Verweise an Horror-Legenden wie Wes Craven, Stephen King und Tobe Hooper, die auf unterschiedliche Art eingestreut werden. 

    HOUSE ist eine sympathische Horror-Komödie mit guten Effekten, kreativen Monstern, skurrilen Figuren und einer schönen 80er-Jahre-Ästhetik. Leider fehlt mir hier ein sympathischer Hauptdarsteller. 

    (Bjoern Candidus)

  • Hitcher in the Dark, 1989 – ★★

    Hitcher in the Dark, 1989 – ★★

    HITCHER IN THE DARK
    (PAURA NEL BUIO, Italien, USA, 1989, Regie: Umberto Lenzi)

    Enttäuscht von seiner Mutter, die ihn einst wegen ihres Tennislehrers im Stich gelassen hat, fährt Mark mit seinem riesigen Wohnmobil durch die Weiten der USA. Auf dieser Tour greift er immer wieder junge Frauen auf, die er unliebsam behandelt, bevor er sie tötet. Dann stößt er auf Daniela, die gerade Schwierigkeiten mit ihrem Freund Kevin hat. Er entführt sie, scheidet ihr die Haare und erkennt immer mehr seine Mutter in ihr.

    Die Filme aus Joe D’Amatos Produktionsschmiede Filmirage durchlaufen Höhen und Tiefen, und so später die Produktionen entstanden sind desto schlechter wurden sie. HITCHER IN THE DARK bildet da mit Baujahr 1989 keine Ausnahme, auch nicht durch Lenzi als Regisseur. 

    Das Spätwerk von Umberto Lenzi ist alles andere als gut. Wie die meisten seiner Kollegen lag die große Phase des Schaffens längst zurück. Aus psychologisch aufgeladenen Gialli und zünftigen Polizeifilmen wurden lauwarme Action- und Horrorfilme, die sich zumindest teilweise mit ihrem Charme über Wasser halten konnten. Und so weichen auch Typen wie Tomas Milian Bübchen wie Joe Balogh (BLACK ZOMBIES, 1991), der hier einen Psychopathen spielt, der so hilflos wirkt, dass man ihm fast unter die Arme greifen möchte. Hilfreicher wird es auch nicht durch Josie Bissett (MIKEY, 1992) als das weibliche und Jason Saucier (DAS HOTEL IM TODESMOOR, 1987) als das männliche Opfer. Totalausfälle sind sie dann aber auch nicht. Das Hauptproblem ist die holprige Dramaturgie und der Mangel an Spannung, der daraus resultiert. Immerhin bleibt die Inszenierung in Bewegung und bietet sonnige Ansichten von Virginia, die eine angenehme Sommerurlaubs-Atmosphäre heraufbeschwören, und in diesem Punkt macht der Film tatsächlich Spaß. Doch das reicht natürlich nicht aus, um sich hier 90 Minuten zu vergnügen. Hätte sich Lenzi ein bisschen mehr Mühe bei der Ausarbeitung seines Psychopathen gegeben und hätte er die Gewaltschraube etwas mehr angezogen, hätte man hier unter dem Strich sicher mehr rausholen können. Untermalt wird das Ganze von einem Score von Carlo Maria Cordio (ABSURD, 1981 / ENDGAME, 1983), der auch schon besser geklungen hat. 

    Hohlköpfe in Pastellfarben, ein Möchtegern-Vergewaltiger, ein bisschen Gewalt, Wohnmobile, Campingplätze, Autokinos und der sommerliche Anstrich von Virginia bestimmen HITCHER IN THE DARK, der sich vor Filmen wie HITCHER, DER HIGHWAYKILLER (1986) definitiv verstecken muss. 

    (Bjoern Candidus)

  • Messiah of Evil, 1974 – ★★★★½

    Messiah of Evil, 1974 – ★★★★½

    MESSIAS DES BÖSEN*
    (MESSIAH OF EVIL, USA, 1973, Regie: Willard Huyck, Gloria Katz)

    Arletty ist auf der Suche nach ihrem verschwundenen Vater. Dafür begibt sie sich in eine kleine kalifornische Küstenstadt, in der die Bewohner scheinbar unter einem mysteriösen Bann stehen. 

    Mit MESSIAS DES BÖSEN haben Willard Huyck  (HOWARD THE DUCK, 1986) und Gloria Katz bewusst oder unbewusst eine Art Verbindungsglied zwischen dem italienischen Giallo und dem US-Horrorkino geschaffen. Man könnte sogar sagen, sie haben vorgegriffen, denn einige der Filme, die sich hier widerspiegeln sind 1973 noch gar nicht gedreht worden. Die großartigen Wandgemälde, die Menschen in sonderbaren Städten zeigen und die Ausleuchtung erinnert stark an SUSPIRIA (1977) und INFERNO (1980). Die Ausstattung (das Ateliers des Malers) könnte direkt aus einem Giallo stammen. Vor allem ist mir immer wieder Pupi Avatis HAUS DER LACHENDEN FENSTER (1976) und ZEDER (1983) in den Sinn gekommen. Dass ein Argento oder Avati diesen Film gesehen hat, halte ich für unwahrscheinlich, da der Film erst ein paar Jahre später europäischen Boden erreichen sollte. Das heißt natürlich nichts. Viel wahrscheinlicher halte ich es allerdings, dass Huyck und Katz das Kino von Mario Bava kannten und sich dort wohlmöglich inspirierten. Aber nicht nur das italienische Kino blickt hier durch, sondern auch das US-Kino. CARNIVAL OF SOULS (1962), DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (1968), und auch hier vorgreifend: DAWN OF THE DEAD (1978) und DEAD & BURIED (1981) zeichnen sich in MESSIAS DES BÖSEN ab. Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Film bis heute immer noch unter dem Radar flimmert. 

    Die kleine Lowbudget-Produktion besticht durch eine sehr unheimliche und beklemmende Atmosphäre, die mit surrealen, fiebertraumartigen Sequenzen aufwartet. Die Bedrohung wird zusätzlich mit dem experimentellen Electronic Score von Phillan Bishop verstärkt. Die Handlung wird mit dem Off-Kommentar der Hauptfigur Arletty (Marianna Hill) ergänzt, die von ihrem Erlebten berichtet, was die unheimliche Atmosphäre noch verstärkt. Die Dunkelheit dominiert, da der Film nur in einer einzigen Nacht spielt und lediglich gegen Ende ein bisschen Tageslicht liefert. Und so legt man hier sehr viel Wert auf künstliches Licht, was die Inszenierung ungemein aufwertet. Große Actionszenen sollte man natürlich nicht erwarten, dafür gibt es ein paar blutige wirklich verstörende Momente. 

    MESSIAS DES BÖSEN ist ein stylischer, atmosphärischer und spannender Mystery-Zombie-Horrorfilm mit solider Besetzung, bei dem das Zusammenspiel zwischen Kunst- und Exploitation-Kino nahezu perfekt ist. Eine zu unrecht vergessene Perle.

    (Bjoern Candidus)

    * Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Diary of the Dead, 2007 – ★★

    Diary of the Dead, 2007 – ★★

    DIARY OF THE DEAD
    (USA, 2007, Regie: George A. Romero)

    Eigentlich wollten Jason und eine Gruppe von Filmstudenten einen Horrorfilm in den Wäldern von Pennsylvania drehen, doch plötzlich erfahren sie übers Radio, dass es zu Zwischenfällen kommt, in denen sich tote Menschen erheben und die lebenden angreifen. Aus Angst und Sorge um ihre Eltern, brechen sie den Dreh ab, um nach Hause zu fahren. Auf dieser Fahrt werden sie Zeuge von der Katastrophe, die auf die Menschheit einbricht. Die Untoten greifen nach den Lebenden. 

    Mit LAND OF THE DEAD (2005) hat George A. Romero bewiesen, dass er auch im 21. Jahrhundert noch fähig war, einen ordentlichen Zombiefilm abzuliefern. Die dichte Atmosphäre seiner Vorgängerfilme konnte er zwar nicht erreichen, aber inhaltlich hat er seiner Zombiewelt erneut neue Aspekte und Perspektiven spendiert. Auch mit DIARY OF THE DEAD hat er den Nerv der Zeit getroffen und sich diesmal auf das Internet, Blogger und die Found-Footage-Digi-Wackel-Kamera-Ästhetik eingelassen. Alternative Medien, alternative Berichterstattung und Misstrauen den Regierungen gegenüber sind heute aktueller denn je.

    Dass ich kein großer Freund von Found-Footage-Horrorfilmen bin, kann ich DIARY OF THE DEAD nicht vorwerfen, aber durch den permanenten Digitallook werden jegliche Gefühle getilgt, die Romeros Filme sonst ausmachen. Obwohl durch die Live-Berichterstattung ein Gefühl von Realität erzeugt wird, wird das ganze wieder abgeschwächt, wenn man es mit CGI-Gore-Effekten zu tun bekommt. Die sind gnädigerweise sehr kurz gehalten, aber verraten sich dennoch sofort. Aber das ist nur ein ästhetisches Problem. Viel schlimmer sind die belanglosen, austauschbaren Figuren, die Romero hier angekarrt hat. Gerade in Charakterzeichnungen war Romero immer sehr gut und hat sich allein dadurch vom Gros der Horrorfilme abgesetzt. Hier bekommt man es lediglich mit langweiligen Figuren zu tun, deren Schicksal mir ziemlich egal war. Es tauchen auch viel zu viele Figuren auf, um sich auf irgendwen vernünftig konzentrieren zu können, zumindest versucht es Romero in Ansätzen. 

    Was mir ganz gut gefallen hat, ist der Roadmovie-Aufbau. Romero ist darauf bedacht, nach vorne zu steuern und präsentiert immer wieder kleine Abschnitte, in den das Ensemble vor neue Herausforderungen gestellt wird. Dabei begegnen sie u.a. einem hilfsbereiten Amish-Bauern oder der Nationalgarde, die sie ausraubt. Auch der Action-Anteil ist relativ hoch, konnte mich aber nicht groß überzeugen. Das ländliche Setting hat mir sehr gut gefallen, was man von Romeros Filmen ja gut kennt. Aber auch hier steht der Digitallook im Weg. 

    DIARY OF THE DEAD hätte unter anderen Voraussetzungen ein weitaus besser Film werden können. So ist es ein inhaltlich interessanter Film, der mit vielen hässlichen Äußerlichkeiten zu kämpfen hat und so aussieht, wie zahlreiche andere Zombiefilme jener Tage. Immerhin rennen die Zombies nicht. 

    (Bjoern Candidus)

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 70

    Traumstadt Gazette Ausgabe 70

    TRAUMSTADT GAZETTE 70

    Eine neugierige Katze, Terror im Naturkundemuseum, Häuser voller Monster…

    In der 70. Traumstadt Gazette präsentieren Euch Bjoern Candidus und Marco Fritz DAS RELIKT (1997), IN A VIOLENT NATURE (2024), CARNIVAL OF SOULS (1962), HOUSE (1985), HOUSE 2 (1987), SATAN’S LITTLE HELPER (2004), LONE WOLF (1989) und SCHATTEN EINER KATZE (1961)

    Korrektur-Update: Amanda Plummer wurde nie mit einem Oscar ausgezeichnet.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • The Mask of Fu Manchu, 1932 – ★★★★

    The Mask of Fu Manchu, 1932 – ★★★★

    DIE MASKE DES FU MANCHU
    (THE MASK OF FU MANCHU, USA, 1932, Regie: Charles Brabin)

    Der Superschurke Dr. Fu Manchu ist auf der Suche nach dem Grab von Dschinghis Khan, um an seine mächtigen Relikte zu kommen. Um das rechtzeitig zu verhindern, ist eine britische Expedition unterwegs, die das Grab finden und öffnen soll. Doch es kommt genauso, wie es nicht kommen soll: Fu Manchu gelangt in den Besitz von Dschinghis Khans goldenem Schwert und Maske und will mit ganz Asien die Weltherrschaft übernehmen.

    Ein Jahr nach Boris Karloffs Auftritt als Frankensteins Kreatur, schlüpfte er in die Rolle des Superschurken Dr. Fu Manchu. Die Figur basiert auf Sax Rohmers Roman-Reihe, die ab 1929 auch für das Kino aufbereitet wurde. DIE MASKE DES FU MANCHU ist bereits der vierte Teil, aber nur in diesem ist Boris Karloff als Fu Manchu zu sehen. In den 60er-Jahren übernahm dann Christopher Lee gleich fünfmal diesen Part, zweimal unter der Regie von Jess Franco. 

    Charles Brabin bewegt sich hier im Rahmen des Abenteuerkinos, dem er einige Horror-Zutaten beimengt. Karloff scheint sichtlich in der Rolle des Fu Manchus aufzugehen, wenn er seinen Machphantasien frönt und seine sadistische Ader an den Tag legt. Er lässt foltern, töten und sich wie ein Wahnsinniger von den asiatischen Völkern feiern. Da es sich noch um einen Pre-Hays-Code-Film handelt, war darstellerisch noch mehr möglich. Und so wird man auch Zeuge eines Massenmordes. Aber auch abseits der Gewalt, des Wahnsinns und dem faszinierenden Schauspiels von Boris Karloff hat Brabins Inszenierung einiges zu bieten. Vor allem die Studiokulissen, die die Ausgrabungsstätte und das Grab von Dschinghis Khan zeigen, wissen zu gefallen und zeigen deutliche Parallele zu Karl Freuds DIE MUMIE aus dem gleichen Jahr, in dem ebenfalls Boris Karloff in die Rolle des Titelmonsters schlüpfte. Sowohl die Kulissen als auch die Ausstattung und die Kameraarbeit ist zu loben. hier hinterlässt eigentlich alles einen guten Eindruck, abgesehen vom zeittypischen Rassismus, der allerdings von beiden Parteien ausgeteilt wird. 

    Abenteuerliche Kulissen, fiese Folter- und Mordinstrumente und ein glänzend aufgelegter Boris Karloff mit einem höchst bizarren Chinesen-Make-up machen DIE MASKE DES FU MANCHU zu einem sehr unterhaltsamen, kurzweiligen Abenteuer-Schurken-Horrorfilm.  

    (Bjoern Candidus)

  • Lux Æterna, 2019 – ★★★★½

    Lux Æterna, 2019 – ★★★★½

    LUX ÆTERNA
    (Frankreich, 2019, Regie: Gaspar Noé)

    Gaspar Noé hat es mal wieder geschafft, mich fertig zu machen. Nach seinen Filmen fühle ich mich immer völlig erschlagen und muss erst mal durchatmen, und bei LUX ÆTERNA war es nicht anders. 

    Nach einer Einführung über die Hexenverfolgung, anhand von Filmausschnitten aus HÄXAN (1922) und DIES IRAE (1943), bekommt man Beatrice Dalle als Beatrice Dalle und Charlotte Gainsbourg als Charlotte Gainsbourg serviert, die in einer Studiokulisse sitzen und sich über über Männer, Gott, Hexenverfolgung, Orgasmen und vorherige Rollen, die sie gespielt haben, unterhalten. Mehr hätte ich 50 Minuten eigentlich gar nicht gebraucht, aber doch folgte nach diesen anregenden Minuten ein Inferno, was ich nicht missen möchte. Es folgt eine Szene zwischen dem Produzenten und dem Kameramann, die offensichtlich ein großes Problem mit Beatrice Dalle haben, die hier als Regisseurin ihren ersten Film abdreht. In diesem geht es um Hexenverfolgung mit anschließender Verbrennung. Passend dazu bietet der Produzent dem aufgebrachten Kameramann an, Dalle von einem Spitzel permanent zu filmen, bis sie einen Fehler macht, der ihr den Kopf kostet, um sie zukünftig loszuwerden. Noé fängt die überhitze, aggressive und hektische Atmosphäre perfekt ein. Die meiste Zeit präsentiert sich der Film im Splitscreen, was die Inszenierung zusätzlich lebendig, aber auch unruhig macht. Und Unruhe ist genau das Thema. Wenn sich Beatrice Dalle kinskiartig in Rage redet und explodiert, ist das ein wahres Fest. Die Frau ist einfach toll und hier perfekt aufgehoben. Nicht minder gut aufgehoben ist Charlotte Gainsbourg, die als Darstellerin der Hexe fungieren soll. Die ist auch etwas neben der Spur und bekommt in all dem Chaos per Telefon von ihrer kleinen Tochter mitgeteilt, das zwei andere Kinder ein Kreuz in ihre Vagina ritzen wollten. Aber auch für sowas ist keine Zeit und so wird Gainsbourg weiter zum Set getrieben, auf dem sie als Hexe verbrannt werden soll. Parallel zu alldem sind auch ein paar Amerikaner anwesend. Ein aufstrebender Regisseur, der zwei Damen dabei hat, die ebenfalls als Hexen dienen. Er hat eigentlich nichts anderes im Sinn, als seine eigene Karriere voranzutreiben, möglichst mit Charlotte Gainsbourg. 
    Das hektische Treiben, in dem man kaum Zeit zum atmen hat, läuft auf eine Stroboskop-Folter für das Filmteam und den Zuschauer hinaus, vor dem bereits zu Beginn gewarnt wird. Epileptiker sollten LUX ÆTERNA bloß nicht einschalten. Aber auch für mich, als nicht Epileptiker, ist dieses Inferno eine Tortur gewesen. Noé malträtiert nicht nur den Geist, sondern auch den Körper, und kaum ein anderer Regisseur versteht es so gut, Aggressivität in Bild und Ton festzuhalten. Alles gerät außer Kontrolle, und das Thema des Films, der gedreht werden soll, wird plötzlich zu einer übergreifenden Realität. Zauberhaft.

    Was ursprünglich mal als Werbeclip für Yves Saint Laurent geplant war, wurde von Noé zu einem weiteren Monster, was sich diesmal auf die Filmindustrie selbst stürzt, um sie zu zerfleischen. Er hätte sich ruhig noch länger dafür Zeit nehmen können, aber was er hier unter einer Stunde abliefert, ist pure Energie. 

    LUX ÆTERNA ist kurz und schmerzvoll. 

    (Bjoern Candidus)

  • Earth vs. the Flying Saucers, 1956 – ★★★½

    Earth vs. the Flying Saucers, 1956 – ★★★½

    FLIEGENDE UNTERTASSEN GREIFEN AN
    (EARTH VS. THE FLYING SAUCERS, USA, 1956, Regie: Fred S. Sears)

    Als sich fliegende Untertassen der Erde nähern, sieht es nach einer Invasion aus. Doch eigentlich wollen die Aliens nur um Hilfe bitten, da ihr Planet zerstört wurde. Doch der Hilferuf kann nicht entschlüsselt werden, und so kommt es dazu, dass die Army den ersten Schuss abgibt. Ein folgenschwerer Fehler, der sich zu einem weltweiten Krieg zwischen Menschen und Aliens entwickelt. 

    Nach einer Einleitung eines Off-Sprechers über fliegende Untertassen, lässt sich Regisseur Fred S. Sears nicht lange Zeit, um seine Invasion zu starteten. Hier geht es Schlag auf Schlag zu. Darunter leiden zwar die Charakter-Zeichnungen, aber wenn man ehrlich ist, sind die im Monster- / Scifi-Kino der 50er-Jahr sowieso meistens recht dürftig. Die Zuschauer wollten Ungeheuer, Raumschiffe, Katastrophen und fremde Welten sehen, und das sollten sie hier teilweise auch bekommen. Ray Harryhausen lässt die Dinosaurier diesmal im Schrank und konzentriert sein Können auf fliegende Untertassen und Zerstörung. Es ist einfach schön, wie hier die vertraut aussehenden Ufos als Scheiben am Himmel schweben und Gebäude zerstören, u.a. das Washington Monument und das Kapitol. Harryhausens Stop-Motion-Effekte sind wieder wunderbar geworden und dominieren ganz klar die gesamte Inszenierung. Ergänzt werden die Effekte von Archivmaterial, was Planeten, die Sonne, Naturkatastrophen und Rakentenabschüsse zeigt, die dann geschickt mit einfließen. Was abfällt ist die Darstellung der Außerirdischen, die sich in ihren Gummianzügen sehr steif und schwerfällig bewegen. Zumindest darf man einmal unter ihre Helme blicken und das wahre Gesicht der Aliens sehen. 

    Auf Seiten der Menschen, die natürlich als aller erstes das Feuer eröffnen, wird fleißig versucht, eine Waffe gegen die Außerirdischen zu finden, da deren Raumschiffe mit einem Schutzfeld ausgestattet sind. In Sachen Fragen und Problembewältigung versumpft die Story dann etwas in der Belanglosigkeit. Filme wie DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILLSTAND (1951) oder KRIEG DER WELTEN (1953) sind in dem Punkt weitaus interessanter. 

    FLIEGENDE UNTERTASSEN GREIFEN AN ist kurzweiliges Invasions-Scifi-Kino mit austauschbaren Charakteren, aber mit ordentlichen Effekten und ikonischen Szenen, die durchaus prägend für die Filmlandschaft waren. 

    (Bjoern Candidus)

  • Mark of the Vampire, 1935 – ★★★½

    Mark of the Vampire, 1935 – ★★★½

    DAS ZEICHEN DES VAMPIRS
    (MARK OF THE VAMPIRE, USA, 1935, Regie: Tod Browning)

    Nachdem man Baron Karel Borotyn tot und blutleer in seinem Arbeitszimmer vorgefunden hat, glaubt Dr. Doskil und Professor Zelen, dass möglicherweise ein Vampir dafür verantwortlich war. Das deckt sich auch mit Aussagen von Anwohnern, die immer wieder dem sinistren Grafen Mora und seiner Tochter Luna begegnen, die sie für Vampire halten. Inspektor Neumann hingegen glaubt an einen menschlichen Mörder, und er hat auch schon einen Tatverdächtigen.  

    Vier Jahre nach dem Tod Browning Bela Lugosi als Dracula unsterblich machte, schickte er den gebürtigen Ungar in eine ähnliche Rolle, die erst am Ende des Films zum Umdenken des Zuschauers führen sollte. DAS ZEICHEN DES VAMPIRS ist Brownings Remake zu seinem verschollenen Stummfilm LONDON AFTER MIDNIGHT (1927) mit Lon Chaney, der zumindest auf diese Art mehr oder weniger gerettet wurde. 

    Wie schon sein außergewöhnliches Horror-Drama FREAKS (1932) stand auch DAS ZEICHEN DES VAMPIRS unter keinem guten Stern. Während FREAKS wenigstens noch für ein Testpublikum ungekürzt zu sehen war, hat das Studio bei DAS ZEICHEN DES VAMPIRS direkt eingegriffen und dem Film gut 20 Minuten geraubt. MGM wollte einen familientauglichen Film und so wurde Brownings Vision entstellt. Übrig geblieben ist dennoch ein ordentlich fotografierter, höchst charmanter Horror-Krimi mit einer sanften Gruselatmosphäre, netten Studiokulissen und einer sympathischen Besetzung. Sogar an etwas Humor wurde gedacht, der möglicherweise vom Studio so gewollt wurde, aber gar nicht stört. 

    Das Vampir-Thema wird anfänglich klassisch erzählt, wie man es von Stokers Roman kennt und wie Browning es bereits 1931 präsentierte. Das ganze wird dann mit Krimi-Elementen angereichert und endet mit einem interessanten Twist, der allerdings auch Logikbrüche mit sich bringt, die möglicherweise der Zensur geschuldet sind. Das tut dem Ganzen aber keinen Abbruch, denn der Weg bis zum Ende ist ein schöner. 

    Der van Helsing dieses Films, der sich mit Vampiren auskennt, ist Professor Zelen, der von Lionel Barrymore dargestellt wird, während Bela Lugosi die Rolle von Graf Mora bekleidet und im Grunde genauso aussieht wie als Dracula. An seiner Seite ist Carroll Borland als Luna, die in ihrer Rolle zu einer kleinen Ikone wurde. 

    Obwohl der Film mehr Krimi als Horrorfilm ist, liefert Browning dennoch die obligatorischen Zutaten, wie ein finsteres Schloss voller Spinnweben und Fledermäuse, einen modrigen Friedhof und Nebelschwaden wie aus dem Bilderbuch. 

    DAS ZEICHEN DES VAMPIRS ist ein cleverer Film, der leider etwas sprunghaft und nicht immer schlüssig ist, aber dennoch mit seinen vielen Vorzügen überzeugen kann.  

    (Bjoern Candidus)