MINISTERIUM DER ANGST
(MINISTRY OF FEAR, USA, 1944, Regie: Fritz Lang)
Während über England immer noch der Zweite Weltkrieg wütet, wird Stephen Neale aus der Psychiatrie entlassen, in der er zwei Jahre einsaß wegen Tötung auf Verlangen seiner schwer kranken Frau. Doch schnell gerät er in die nächsten Schwierigkeiten. Bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung der „Mothers of the Free Nations“, verrät ihm eine Wahrsagerin das Gewicht eines Kuchens, den er draußen an einem Stand gewinnen kann. Er gewinnt den Kuchen, doch damit fangen die Probleme an, denn der Kuchen war mitnichten für ihn bestimmt.
Fritz Langs Spionage-Thriller, der auf dem gleichnamigen Roman von Graham Greene basiert, startet direkt rein in das problematische Leben von Stephen Neal, der mitten in die Spionagepläne von Nazis gerät, die sich in England in den höchsten Kreisen bewegen. Ray Milland zu besetzen ist immer eine prächtige Idee. Milland ist ein toller Darsteller, dem ich gerne folge, und hier ist er als Stephen Neale erneut perfekt besetzt. Lang hält sich nicht lange auf und liefert in den ersten 30 Minuten spannende und atmosphärische Momente, wie z.B. eine Zugfahrt bei der man die Ankunft deutscher Bomber hört, die nicht lange zappeln, um ihre Bomben abzuwerfen oder eine Séance in der High Society, in der man schöne Kobra-Skulpturen an den Wänden entdecken kann. Die Form stimmt und die Fotografie von Henry Sharp ist überzeugend, doch ab der Mitte geht Lang die Puste aus und bis auf Stephen Neal findet sich eigentlich keine weitere interessante Figur. Die Story verwässert leider zusehends, was wohl auch Langs Problem war. Der war nämlich nach dem Lesen des Drehbuchs wenig begeistert, konnte aber nicht mehr aus dem Projekt aussteigen.
Nichtsdestotrotz ist MINISTERIUM DER ANGST ein solider Film Noir – Spionage-Thriller, der zumindest immer schön aussieht und allein wegen Ray Milland durchaus einen Blick wert ist. Auch wenn die zweite Filmhälfte deutlich abfällt, kommt hier zumindest nie Langeweile auf.
(Bjoern Candidus)









