Autor: marco-fritz

  • Ministry of Fear, 1944 – ★★★

    Ministry of Fear, 1944 – ★★★

    MINISTERIUM DER ANGST
    (MINISTRY OF FEAR, USA, 1944, Regie: Fritz Lang) 

    Während über England immer noch der Zweite Weltkrieg wütet, wird Stephen Neale aus der Psychiatrie entlassen, in der er zwei Jahre einsaß wegen Tötung auf Verlangen seiner schwer kranken Frau. Doch schnell gerät er in die nächsten Schwierigkeiten. Bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung der „Mothers of the Free Nations“, verrät ihm eine Wahrsagerin das Gewicht eines Kuchens, den er draußen an einem Stand gewinnen kann. Er gewinnt den Kuchen, doch damit fangen die Probleme an, denn der Kuchen war mitnichten für ihn bestimmt. 

    Fritz Langs Spionage-Thriller, der auf dem gleichnamigen Roman von Graham Greene basiert, startet direkt rein in das problematische Leben von Stephen Neal, der mitten in die Spionagepläne von Nazis gerät, die sich in England in den höchsten Kreisen bewegen. Ray Milland zu besetzen ist immer eine prächtige Idee. Milland ist ein toller Darsteller, dem ich gerne folge, und hier ist er als Stephen Neale erneut perfekt besetzt. Lang hält sich nicht lange auf und liefert in den ersten 30 Minuten spannende und atmosphärische Momente, wie z.B. eine Zugfahrt bei der man die Ankunft deutscher Bomber hört, die nicht lange zappeln, um ihre Bomben abzuwerfen oder eine Séance in der High Society, in der man schöne Kobra-Skulpturen an den Wänden entdecken kann. Die Form stimmt und die Fotografie von Henry Sharp ist überzeugend, doch ab der Mitte geht Lang die Puste aus und bis auf Stephen Neal findet sich eigentlich keine weitere interessante Figur. Die Story verwässert leider zusehends, was wohl auch Langs Problem war. Der war nämlich nach dem Lesen des Drehbuchs wenig begeistert, konnte aber nicht mehr aus dem Projekt aussteigen. 

    Nichtsdestotrotz ist MINISTERIUM DER ANGST ein solider Film Noir – Spionage-Thriller, der zumindest immer schön aussieht und allein wegen Ray Milland durchaus einen Blick wert ist. Auch wenn die zweite Filmhälfte deutlich abfällt, kommt hier zumindest nie Langeweile auf. 

    (Bjoern Candidus)

  • The H-Man, 1958 – ★★★½

    The H-Man, 1958 – ★★★½

    DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH TOKIO (BIJO TO EKITAI NINGEN, Japan, 1958, Regie: Ishirô Honda)

    In Tokio verschwinden immer mehr Menschen spurlos. Doch das Merkwürdige ist, dass sie ihre Kleidung zurücklassen. Die Wissenschaftler und die Polizei stoßen auf etwas Unglaubliches: Ein flüssiges Wesen schleimt durch Tokio und löst Menschen auf um sich von ihnen zu ernähren.

    GODZILLA (1954) – Regisseur Ishirô Honda setzt diesmal nicht auf eine Riesenechse, sondern nimmt sich einem Glibbermonster an, was natürlich stark an DER BLOB
    erinnert, der ebenfalls im Jahr 1958 auf das Kinopublikum zu wabbelte. Nur kommt der Schrecken hier nicht aus dem All, sondern ist das Ergebnis von Atombombentests.

    Klingt etwas altbacken, ist es auch, aber auch sympathischer und spritziger als viele ähnlich gelagerte US-Filme aus den 1950er-Jahren. DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH TOKIO lebt vor allem durch seine Atmosphäre und den Studio-Sets (die Straßen von Tokio und die Kanalisation). Außerdem ist das Monster schön anzusehen; die grünliche Glibbermasse macht was her und verbreitet ein heimeliges Gruselgefühl. Die Farbenpalette des Films ist ein weiteres Argument für Hondas Inszenierung. Auch wenn die Inszenierung manchmal ein bisschen auf der Stelle tritt und es relativ lange dauert, bis der Wackelpudding in Aktion tritt, sorgt Honda immer für Hingucker. Auch die anfängliche Krimi-Handlung um einen Drogenschmuggel wurde gut in die eigentliche Handlung eingearbeitet. Zudem machen die Darsteller alle einen ordentlichen Eindruck. 

    DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH TOKIO ist ein charmanter Monsterfilm in knalligen Farben aus den berühmten Tōhō-Studios. 

    (Bjoern Candidus)

  • Emanuelle Around the World, 1977 – ★★★★

    Emanuelle Around the World, 1977 – ★★★★

    BLACK EMANUELLE – ALLE LÜSTE DIESER WELT
    (EMANUELLE – PERCHÉ VIOLENZA ALLE DONNE?, Italien, 1977, Regie: Joe D‘Amato)

    Die erfolgreiche Journalistin und Fotoreporterin Emanuela reist wieder um die Welt, um von sexuellen Abenteuern zu berichten, die jenseits des Blümchensex zu finden sind. Von den USA geht es nach Italien, Hongkong, Indien bis in den Iran. Doch nicht nur die Sonnenseiten der Lust stehen auf dem Programm, sondern auch die finsteren, abseitigen. Und so gerät sie in einen Strudel aus Sex und Gewalt. 

    Der vierte Teil von Joe D‘Amatos BLACK EMANUELLE-Reihe steht seinem direkten Vorgänger EMANUELLE IN AMERIKA (1977) in nichts nach. Joe D‘Amato schießt einem aus allen Rohren die Kunst des Sexploitation-Kinos entgegen, und das macht er visuell erneut beeindruckend. Auch hier führte er nicht nur Regie, sondern übernahm wieder den Part des Kameramannes, denn das hat er gelernt und immer wieder bewiesen. Von Stadtbildern großer Metropolen bis hin zu indischen Tempeln, Folterzimmern oder versifften Hinterhöfen serviert uns D’Amato die Welt aus seinem Blickwinkel, und der ist anziehend und abstoßend gleichermaßen. Dazu gönnt er sich sogar noch eine kleine Rolle in Film. 

    Und so darf man sich an knalligen Farben, interessanter Architektur und wildem Treiben mit der Untermalung eines weiteren schönen Scores von Nico Fidenco laben. Aber der Film ist auch ein Wechselbad der Gefühle, denn an anderer Stelle wird ein Tor zum Sadismus, zur Vergewaltigung und Zwangs-Zoophilie aufgestoßen, was einigen Gemütern sicherlich auf den Magen schlagen dürfte. Was hier mit normaler vaginaler oder analer Penetration anfängt (man achte hier auch die Soft-, bzw. Hardcore-Version), endet mitunter in einer Massenvergewaltigung von Obdachlosen an einem jungen Mädchen, was eine Gruppe reicher Damen und Herren anfänglich noch sehr belustigend findet, da sie diesen Übergriff schließlich „gebucht“ haben. Da sind die chauvinistischen und rassistischen Kommentare geiler alte Böcke am Anfang fast noch ein Zuckerschlecken. Erheiterung kommt auf, wenn George Eastman als indischer Guru auftaucht und einem erneut vor Augen führt, wie frei und losgelöst das Kino mal war. 

    Aber wie bei vielen, ähnlich gelagerten Filmen ist auch hier eine gewisse Schizophrenie zu erkennen. Einerseits steckt der Film voller Kritik und Anklage an die Gesellschaft, andererseits hält man voll drauf, damit der Zuschauer auch alles genau sehen kann. Aber ja, wir sind im (Sex-)Exploitation-Kino der 1970er-Jahre, und das ist auch gut so. 

    BLACK EMANUELLE – ALLE LÜSTE DIESER WELT ist ein Produkt einer zügellosen Zeit, die ein Kino hervorgebracht hat, was bis heute nicht vergessen wurde. Einfach schön, dass solche Filme konserviert wurden und weiterhin zugänglich sind.

    (Bjoern Candidus)

  • Late Night with the Devil, 2023 – ★★★★½

    Late Night with the Devil, 2023 – ★★★★½

    LATE NIGHT WITH THE DEVIL
    (USA, 2023, Regie: Cameron und Colin Cairnes) 

    An Halloween im Jahre 1977 geht es in der US-TV-SHOW „Night Owls“ um übersinnliche Phänomene. Dafür hat sich der Moderator Jack Delroy ein Medium, einen Zauberkünstler und Skeptiker für Paranormales und eine Autorin mit einem 13-jährigen Mädchen, was angeblich von einem Dämon besessen ist, eingeladen. In der Show geht es diesmal um alles, da eine wichtige Quoten-Woche ansteht, die über die Zukunft der Show und Moderator Jack Delroy entscheiden soll. In dem Medium Christou glaubt der Skeptiker Carmichael Haig einen Betrüger gefunden zu haben, doch die angeblich vom einem Dämon besessene Lilly macht es ihm nicht ganz so einfach. Die Sendung gerät außer Kontrolle. 

    Im Wust von Remakes, Reboots, Sequels und Prequels, die das Horrorgenre immer wieder und wieder erfährt, schleicht sich hin und wieder auch mal ein bisschen Innovation mit ein, auch wenn ein Found-Footage-Film natürlich nichts Neues ist und schon gar nicht zu meinen Lieblingsspielarten zählt. Wichtig ist für mich dabei das Thema, das Setting und die Art, wie etwas umgesetzt wird. Und da mich die Story offensichtlich angesprochen hat, habe ich LATE NIGHT WITH THE DEVIL auch eine Chance gegeben, die ich nicht bereut habe. 

    Selten hat mich in den letzten Jahren ein neuer Horrorfilm von der ersten bis zur letzten Minute so gepackt und unterhalten, wie die Regiearbeit der beiden Brüder Cameron und Colin Cairnes. Der Film stellt eine TV-Show aus den 70er-Jahren dar, die über Jahrzehnte in den Giftschrank der Sendeanstalt gesperrt wurde und nun endlich das Licht der Welt erblicken soll, was ziemlich authentisch geworden ist. Das Design, die Ausstattung und die Charaktere, die hier aufgefahren werden, unterstreichen die Illusion hervorragend. Alles ist stimmig, und beinahe habe ich sogar den Geruch von Tabak wahrgenommen. Aber nicht nur mit dem Inhalt, der Form, dem Stil und den Effekten konnten mich Cameron und Colin Cairnes im Sturm erobern, sondern vor allem mit den Darstellern. An vorderster Front steht David Dastmalchian als Moderator Jack Delroy, dessen Frau ein paar Wochen vor der Show an Lungenkrebs gestorben ist. Seine Figur pendelt zwischen Glauben, Unglauben, Trauer und Erfolgswahn hin und her, was sich glänzend in seinem Verhalten und seiner Mimik zeigt. Wunderbar getroffen ist auch Ian Bliss als Skeptiker Carmichael Haig, der auf herrlich überhebliche Art trügerische Machenschaften aufdeckt. Inspiriert wurde diese Figur durch James Randi, einem kanadischen Zauberkünstlers, der Mitglied der Organisation „Skeptics Society“ war. Ein weiteres Highlight ist Ingrid Torelli als Lilly D’Abo, in der ein Dämon haust, den sie in der Sendung hervorholen soll. Lange hat mich keine Dämonenfratze mehr so begeistert wie die von Lilly. Manchmal ist weniger mehr, und deshalb funktioniert ihr verstörender Anblick so gut, den sie besonders durch ihre Mimik hervorzaubert. 

    LATE NIGHT WITH THE DEVIL ist ein durchgehend spannender, gut besetzter Horrorfilm, der mit Bravour versteht, dass man dem Genre auch heute noch etwas Frisches hinzufügen kann, auch wenn man sich alter Themen bedient. Richtig gut. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Shadow of the Cat, 1961 – ★★★½

    The Shadow of the Cat, 1961 – ★★★½

    SCHATTEN EINER KATZE
    (SHADOW OF THE CAT, GB, 1961, Regie: John Gilling) 

    Walter Venable lässt seine Frau Ella von seinem Bediensteten töten, nachdem sie ihr Testament zu Walters Gunsten unter Druck geändert hat. Walter und seine beiden Bediensteten Andrew und Clara lassen die Leiche von Ella verschwinden. Doch die Tat bleibt nicht unbeobachtet. Tabitha, die getigerte Hauskatze hat das Verbrechen beobachtet, und die Täter wissen davon. Während die drei fortan Jagd auf die Katze machen, wird Mrs. Venable als vermisst gemeldet. Dann trifft Walters Nichte Beth ein, die eigentliche Erbin, die in einem Testament genannt wird, was irgendwo im Haus versteckt sein muss. Aber die Familie ist groß, und so treffen noch mehr Mitglieder ein, die Walters Plan unterstützen wollen. 

    Mit SCHATTEN EINER KATZE ist ein weiterer Beitrag der Schwarzweiß-Krimi- / Thriller-Phase der britischen Hammer-Studios entstanden, der sich durchaus mit Gothic- und Horror-Motiven schmückt. Schon von Beginn an steht das Geschehen auf Atmosphäre. Ella Vernable (Catherine Lacey) liest ihrer Katze Tabitha „Der Rabe“ von Edgar Allan Poe vor, während es draußen blitzt und donnert. Dann nähert sich ihr ein Mann, der sie eiskalt erschlägt.

    Regisseur John Gilling (DAS SCHWARZE REPTIL, 1966) hat hier einen sehr dicht inszenieren Erbschafts-Krimi gezimmert, der sich von Beginn an mit tollen Schwarzweißbildern schmückt, die wunderbar ausgeleuchtet wurden. Kameramann Arthur Grant stand hinter der Kamera, was den Film gleich aufwertet. Immer wieder gelingt es ihm hier eine gruselige Atmosphäre einzufangen. Da man die Täter bereits von Anfang an kennt, stellt sich hier nicht die Frage nach dem Täter, sondern danach wie er, bzw. wie sie überführt werden können. Dass der einzige Zeuge eine Katze ist, ist eine wunderbare Idee, die auch toll umgesetzt wurde. Sehr schön sind die POV-Sequenzen, wenn man durch die Augen der Katze schaut und das Bild plötzlich gequetscht wird. Die Angstreaktionen der Täter gegenüber der Katze mögen ein bisschen übertrieben sein, aber gleichzeitig hat mich genau das unterhalten. 

    Visuell ist man auf hohem Niveau unterwegs. Die Drehorte und Kulissen sind wunderbar inszeniert, aber das vor allem die Darsteller überzeugen auf ganzer Linie. Den Part der Nichte Beth hat Barbara Shelley abbekommen, ihr Onkel Walter Venable wird von André Morell verkörpert. Alan Wheatley ist als Inspector Rowles dabei. Insgesamt tauchen hier sehr viele Figuren auf, die zwar teilweise nicht nötig gewesen wären, aber allesamt gute Arbeit erbracht haben. Das gilt auch für Komponist Mikis Theodorakis, der hier zu hören ist. 

    Auch wenn die Erbschafts-Story schon 1961 nicht mehr neu gewesen ist und irgendwo zwischen dem Bühnenstück „Die Katze und der Kanarienvogel“ und Poes „die schwarze Katze“ angesiedelt ist, hat John Gilling mit SCHATTEN EINER KATZE einen sehr unterhaltsamen, toll fotografierten und stark besetzen Krimi gedreht, der, wie so einige andere Hammer-Produktionen jener Jahre, unter dem Radar läuft. 

    (Bjoern Candidus)

  • Magic, 1978 – ★★★½

    Magic, 1978 – ★★★½

    MAGIC – DIE PUPPE DES TODES
    (MAGIC, USA, 1978, Regie: Richard Attenborough)

    Corky wird von einem Agenten als Bauchredner entdeckt. Man will ihn groß im Fernsehen herausbringen. Corky ist begeistert, doch die Begeisterung schlägt um, als er sich medizinisch untersuchen lassen soll. Gemeinsam mit seiner Puppe Fats fährt er aufs Land, um sich Klarheit über sein Leben als Künstler zu verschaffen. Unterkommen tut er bei einer alten Schulfreundin, in die er einst verliebt war…

    GANDHI (1982) – Regisseur Richard Attenborough hat hier einen düsteren Psycho-Thriller mit Horror-Elementen geschaffen, der auf William Goldmans gleichnamiger Novel basiert. Puppen im Horrorkino bringen nur selten etwas Gutes, und schon gar keine Bauchrednerpuppen, wie man schon 1945 in der britischen Produktion TRAUM OHNE ENDE (DEAD OF NIGHT) herausfinden durfte. Mit Anthony Hopkins hat Richard Attenborough ein glückliches Händchen bewiesen. Hopkins trägt den Film im Grunde allein und ist fast in jeder Szene anwesend. Damit stiehlt er hier jedem die Show, ob Ann-Margret, Burgess Meredith oder Ed Lauter. Zudem erkennt der geschulte Zuschauer recht schnell, wo hier der Hase langläuft, und so wurde ich hier insgesamt nur wenig überrascht. Leider lag mir hier auch nur eine um gut acht Minuten gekürzte Fassung vor, was eine vollumfassende Meinung über den Film erschwert. 

    MAGIC – DIE PUPPE DES TODES ist ein packender Psycho-Thriller, der gut 10 Jahre älter aussieht als er ist und auf Dialog statt auf Effekthascherei setzt. Und er ist ein weiteres gutes Beispiel für das Können von Anthony Hopkins. 

    (Bjoern Candidus)

  • Sleepaway Camp, 1983 – ★★★½

    Sleepaway Camp, 1983 – ★★★½

    BLUTIGER SOMMER – DAS CAMP DES GRAUENS 
    (SLEEPAWAY CAMP, USA, 1983, Regie: Robert Hiltzik)

    Als Kind muss Angela mitansehen, wie ihr Vater und ihr Bruder bei einem Bootsunglück ums Leben kommen. Sie wächst bei ihrer irrsinnigen Tante Martha und ihrem Cousin Ricky auf. Tantchen beschließt, die beiden in ein Feriencamp zuschicken. Da Angela von ihrer neuen Umgebung wenig begeistert ist, wird sie schnell zur Außenseiterin des Camps, was zur Folge hat, dass sie von den anderen Kindern und Jugendlichen gemobbt wird. Neben Cousin Ricky ist es nur Paul, der wirkliches Interesse an Angela zeigt. Dann kommt es zu einem absichtlich verschuldeten Unfall, bei dem der Koch des Camps schwerste Verbrennungen erleidet. Doch das ist nur der Anfang des Terrors, der auf Camp Arawak zukommt. 

    Mit BLUTIGER SOMMER – DAS CAMP DES GRAUENS hat Robert Hiltzik einen der bizarrsten Slasher der 80er-Jahre gezimmert. Er hat hier eine ganze Wagenladung von überzeichneten Figuren und schrägen Ideen abgeworfen, die man in der Form selten im Genre findet. Das Camp-Setting ist nicht neu und dem geschulten Horror-Kenner natürlich aus FREITAG DER 13. (1980) und BRENNENDE RACHE (1981) bekannt. Die Anlage hier ist riesig und mit zahlreichen Ferienhäusern bebaut. Auch die Kinder und Jugendlichen sind in kaum überschaubarer Anzahl vertreten, wobei sich die Inszenierung nur auf ein paar wenige konzentriert. Dennoch bekommt man hier wirklich das Gefühl von Leben in einem Sommercamp. Viele sportliche Aktivitäten beleben das Geschehen, und Menschen, die auf Retro-Sportklamotten stehen, werden gar nicht wissen, wo sie hingucken sollen. Aber so bunt wie die Ausstattung ist sind auch die Figuren, die hier aufgefahren werden. Den Vogel hat dabei vor allem Desiree Gould als Tante Martha abgeschossen, deren Gehirn offensichtlich irgendwann mit einem Mixer püriert wurde. Dass in ihrer Obhut Angela auch nicht mehr alle Tassen im Schrank haben kann, dürfte klar sein. Immerhin hat ihr Sohn Ricky den geringsten Schaden abbekommen. Felissa Rose verkörpert Angela, die nicht viel tun muss, außer viel zu schweigen und mit ihren riesigen Rehaugen möglichst emotionslos zu gucken. Eklig wird es mit dem Camp-Koch, der kleine Mädchen verführen will. Immerhin wird der mit heißem Wasser verbrüht. Ganz besonders scheußlich ist auch Karen Fields als Judy, die Angela auf dem Kieker hat und ihr Paul ausspannen will. Zudem ist sie sonderbar gekleidet, was ihren Körper aussehen lässt, als würde er nur aus Titten und einem Arsch mit Armen und Beinen bestehen. Einen Kopf hat sie natürlich auch noch, und der hat sehr lange Haare, was ihr Auftreten noch absonderlicher macht. 

    Was Hiltzik leider ziemlich außer Acht lässt, ist Spannung und Atmosphäre aufzubauen. Die meiste Zeit hält man sich am helllichten Tag auf oder die Figuren bewegen sich in langweiligen Räumen. Die Kills sind überschaubar, durchaus garstig, aber gehen durch den Irrsinn der Figuren etwas unter. Aber man wäre nicht im CAMP DES GRAUENS, wenn Hiltzik nicht noch ein unfaßliches Finale parat halten würde, was sich durchaus einbrennt, egal, was man davon hält. 

    BLUTIGER SOMMER – DAS CAMP DES GRAUENS ist ein kurzweiliger Camp-Slasher mit eigener Note und dem Drang, zu provozieren. Schön schräg.

    (Bjoern Candidus)

  • Spezial: Halloween – Die Party des Grauens

    Spezial: Halloween – Die Party des Grauens

    Halloween Spezial: HALLOWEEN – DIE PARTY DES GRAUENS

    Bjoern und Marco verlassen frühzeitig eine öde Halloweenparty. Während sie auf den Zug warten, der sie zurück nach Köln bringen soll, unterhalten sie sich über das HALLOWEEN – Filmfranchise, was seit 1978 ein fester Bestandteil der Horrorfilm-Kultur ist.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Shallow Grave, 1987 – ★★★½

    Shallow Grave, 1987 – ★★★½

    SHALLOW GRAVE – REISE IN DIE HÖLLE
    (SHALLOW GRAVE, USA, 1987, Regie: Richard Styles)

    Die vier Studentinnen, Sue, Patty, Rose und Cindy, sind auf dem Weg nach Florida. Wie es der Zufall will, beobachtet eins der Mädels die Ermordung einer Frau durch einen Sheriff, was sie in große Schwierigkeiten bringt.

    Willkommen in der Welt der Rednecks! Willkommen in der Welt der Hinterwäldler, die mich immer wieder in ihren Bann zieht, besonders wenn sie mal was frisches zu bieten hat. Während Regisseur Richard Styles in der ersten halben Stunde die vier Damen, dargestellt von Lisa Stahl, Carol Cadby, Donna Baltron und Just Kelly, einführt und mich aufgrund ihres sehr affektierten Verhaltens ziemlich genervt haben, plant er bereits seinen nächsten Streich. Ab dem Punkt, an der eine der Damen den Sheriff bei einem Mord beobachtet und ertappt wird, ändert der Film seinen Ton drastisch und wird zu einem spannenden, recht harten Verfolgungs-Thriller, der immer wieder einen neuen Weg einschlägt. Dabei ist vor allem der Antagonist Sheriff Dean, dargestellt von Tony March (GHOULIES 4, 1994), höchst interessant. Der erste Mord passiert nämlich mehr oder weniger im Affekt, während er zu den weiteren Morden geradezu gezwungen wird. Das Monster ist hier kein kettensägenschwingender Leatherface, kein wasserköpfiger Mutant und kein sabbernder Spinner, der nicht bis Drei zählen kann, sondern ein Cop, der die Kontrolle verloren hat. 

    Die anfänglichen Schwierigkeiten sind schnell vergessen. Auch visuell hat der Film was zu bieten. Vor allem überzeugt das waldige Südstaaten-Setting, mit dem obligatorischen Diner an der Landstraße, beseelt von verschrobenen Typen. Eine tolle Stimmung kommt hier auf, die nie billig wirkt. Bedenkt man, dass hier keine wirklich großen Namen vor oder hinter der Kamera zu finden sind, ist das Ergebnis erstaunlich gut. 

    Wer mal zu MUTTERTAG (1980) keine Lust auf TÖDLICHE FERIEN (1970) hat, begibt sich ins SHALLOW GRAVE. 

    (Bjoern Candidus)

  • Sweet Sixteen, 1983 – ★★★

    Sweet Sixteen, 1983 – ★★★

    SWEET SIXTEEN
    (SWEET 16, USA, 1983, Regie: Jim Sotos)

    Die schöne Melissa Morgan verdreht den Jungs in einem texanischen Kaff spielend den Kopf. Doch die überleben die Dates nicht. Man findet die jungen Männer erstochen vor. Ein Schuldiger ist auch schon gefunden, jedenfalls in der rassistischen Vorstellung der Möchtegern-Cowboys. Der Verdacht richtet sich gegen den Indianer Jason Longshadow.

    Jim Sotos (EXZESSE IM BLUTRAUSCH, 1976) ist hier auf den damaligen Slasher-Erfolgszug aufgesprungen und serviert nichts Außergewöhnliches. Dennoch versteht er es, den Slasher nach Schema F mit einem Whodunit-Krimi zu verknüpfen. Mit Bo Hopkins als Sheriff einer texanischen Kleinstadt, der mal nicht das obligatorische Arschloch ist, hat man eine gute Wahl getroffen. Zudem zeigen sich neben vielen unbekannten Gesichtern auch Susan Strasberg und Patrick Mcnee als die Eltern von Melissa. Der Fokus liegt in erster Linie auf Aleisa Shirley als Melissa Morgan. Sie muss nicht viel tun, den Männern verdreht sie spielend den Kopf. Die Kleinstadt in der Pampa von Texas, die umliegende steinige Natur und die erdigen und warmen Farbtöne, bauen eine schöne Atmosphäre auf. Gemordet wird selten und wenn beschränkt man sich auf Messer-Attacken, die durchaus wirksam sind. Der Gore-Freund wird dennoch nicht viel zum feiern finden. Der schwülstige Score von Tommy Vig ist ungewöhnlich für das Genre und wird bei vielen Ohren nicht gut ankommen.

    SWEET SIXTEEN ist ein solide inszenierter Slasher mit vielen Figuren und einer sauber erzählten, wenn auch simplen Story. 

    (Bjoern Candidus)