Autor: marco-fritz

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 74

    Traumstadt Gazette Ausgabe 74

    Singende Psychopathen, durstige Vampire, junge Mädchen in den Alpen…

    Bjoern Candidus und Marco Fritz präsentieren Euch die 74. TRAUMSTADT GAZETTE mit folgenden Filmen:

    – HORRORS OF MALFORMED MEN (1969)

    – THE BLOOD SPATTERED BRIDE (1972)

    – BABYLON – IM BETT MIT DEM TEUFEL (1991)

    – NOSFERATU – DER UNTOTE (2024)

    – JOKER: FOLIE À DEUX (2024)

    – CUCKOO (2024)

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • The Teenage Prostitution Racket, 1975 – ★★★★

    The Teenage Prostitution Racket, 1975 – ★★★★

    STRASSENMÄDCHEN-REPORT 
    (STORIE DI VITA E MALAVITA, Italien, 1975, Regie: Carlo Lizzani)

    Carlo Lizzani (SAN BABILA, 20 UHR: EIN SINNLOSES VERBRECHEN, 1976) nimmt einen hier mit auf eine unangenehme Reise in Welt minderjähriger Prostituierter. Dabei legt er den Fokus auf unterschiedliche Mädchen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Lediglich eine alte Frau, die mit einer 13-jährigen ihr Geld verdient, zieht sich wie ein roter Faden durch den Film, den man als Gegenentwurf zu den zahlreichen deutschen Report-Filmen betrachten kann. Glück und Freude erfahren hier in erster Linie die Zuhälter und die Freier. Man erhält Einblicke in die Strukturen und Machenschaften der Zuhälterei. Es wird zum Beispiel ein Arzt bezahlt, der eine Jungfräulichkeit diagnostiziert, da das Mädchen so im Kurs steigt. Dabei schreckt man freilich nicht vor Gewalt zurück. Aber in erster Linie ist es die geschickte Manipulation von jungen, naiven Mädchen, denen man das Glück auf Erden verspricht. Es gibt ein paar wirklich unangenehme Szenen, die auch die Freier vorführen, denen natürlich letztlich alles egal ist, so lange ihre Geilheit befriedigt wird. Die mangelhafte Sexualaufklärung in Elternhäusern führt bis heute immer wieder zu solchen Problemen, wie sie Lizzani hier anspricht. Wenn man nicht weiß, wie der Wolf aussieht, frisst er einen. 

    Lizzani widmet aber auch anderen Themen seine Aufmerksamkeit und zeichnet ein authentisches Bild von Italien in den 70er-Jahren zwischen wildem Nachtleben, Zigarettenschmuggel und Fabrikarbeit. Schön ist auch der Einblick in die Produktion von MCs (Musikkassette), die von Damen zusammengesetzt werden. Aber über allem thront natürlich die Widerwärtigkeit der Zwangsprostitution, die hier nicht mal vor Minderjährigen Halt macht. Hilfe und Unterstützung erhalten die Mädchen in dieser Welt in erster Linie untereinander, so, dass das „Frischfleisch“ direkt weiß, wie der Hase läuft. Augen zu und durch. Geld verdient. Fertig. 

    Bis auf wenige Ausnahmen, wie z.B. Fabrizio Jovine (DIE SIEBEN SCHWARZEN NOTEN, 1977), hat man es in erster Linie mit Laiendarstellern zu tun, was die Authentizität zusätzlich erhöht. Sehr viel prominenter ist hingegen der Komponist: Ennio Morricone. Der Maestro schlägt hier passenderweise etwas schwerere Töne an.

    Wer die abenteuerliche Welt der Sexualität erkunden möchte, sollte sich selbst bemühen oder mit den SCHULMÄDCHEN-REPORT-Filmen anfangen. Wer einen deprimierenden, ungeschminkten Einblick in die Welt von Zwangsprostitution haben möchte, dem sei STRASSENMÄDCHEN-REPORT empfohlen.

    (Bjoern Candidus)

  • Don’t Count On Us, 1978 – ★★★★

    Don’t Count On Us, 1978 – ★★★★

    DON‘T COUNT OF US
    (NON CONTATE SU DI NOI, Italien, 1978, Regie: Sergio Nuti)

    Sergio Nutis (auch der Hauptdarsteller des Films) erster und letzter Film als Regisseur ist ein sehr authentisches Drogen-Drama, was 1978 auf diversen Festivals lief, dann seinen offiziellen Start hatte und kurze Zeit später für gut 40 Jahre in der Versenkung verschwand. 

    Es um die Beziehung zwischen Flauto und Maria, die sich frisch über den Weg gelaufen sind und um den Alltag ihrer Freunde, einer Gruppe von heroinabhängigen Menschen, die immer auf der Suche nach dem nächsten Schuss sind. Obwohl sie eine große Familie sein wollen, geht es auch um Egoismus, der einzig der Droge und ihrer Beschaffung zu verdanken ist. Dazu gibt es immer wieder Schikanen durch die Polizei und Dealer. Das realistische Bild, was hier gezeichnet wird, ist aber vor allem den Darstellern zu verdanken, die teilweise aus dem Drogenmilieu stammten. Der Film ist schnörkellos inszeniert und bietet viele realistische Eindrücke in das Leben der 70er-Jahre in Rom, die mit italienischen Folk-Songs untermalt werden. 

    DON‘T COUNT OF US ist ein wichtiges Zeitdokument über eine hoffnungslose Jugend. Ein abschreckender Film, der aber nie zu moralisch ist. Nuti hat nicht nur ein Film über die Schädlichkeit von Heroin gedreht, sondern auch über die schädlichen Auswirkungen eines Heroin-Verbotes. 

    (Bjoern Candidus)

  • Children of the Night, 1991 – ★★

    Children of the Night, 1991 – ★★

    CHILDREN OF THE NIGHT
    (USA, 1991, Regie: Tony Randel)

    Nachdem in einer alten Krypta versehentlich der mächtige Vampir Czakyr erweckt wird, bittet Frank, ein Priester, seinen Bruder Mark um Hilfe. Czakyr scheint den Nachbarort Allburg als sein Jagdgebiet auserkoren zu haben. Doch es kommt noch schlimmer, denn die Bewohner des kleinen Städtchens sind bereits in Vampire umgewandelt worden. 

    Die zweite von drei Filmproduktionen des legendären US-Horror-Magazin Fangoria entstand unter der Regie von Tony Randel (HELLBOUND – HELLRAISER 2, 1988), der sich hier auf vampirische Pfade begibt. 

    Nach einer recht atmosphärischen Wiedererweckung des Vampirs Czakyr in einer gefluteten Krypta, wird die Inszenierung sehr schnell bunter und belebter. Man lernt die kleine Stadt Allburg und einige seiner Bewohner kennen. Hier werden einem dann auch sehr schnell die überzeichneten Figuren bewusst, die immer wieder zum Problem von CHILDREN OF THE NIGHT werden. Es scheint, als wäre sich Randel nicht ganz im Klaren gewesen, ob er nun einen düsteren Horrorfilm mit Vampiren oder eine Horror-Komödie drehen wollte. In den Horror-Momenten kann die Inszenierung durch ein paar richtig schöne Masken und Effekte der KNB FX Group überzeugen, und mit David Sawyer als Czakyr ist man soweit gut bedient. Gleiches gilt auch für Karen Black, die sich ebenfalls in einem Blutsauger verwandelt. Doch immer wieder werden die düsteren Szenen von unpassenden zerrissen, und die Anläufe von Spannung sind dahin. Ziemlich fad ist auch Peter DeLuise (21 JUMP STREET) als Lehrer, der hier mit seinen Helfern Allburg von Vampiren befreien soll. Die Story erinnert sehr an RETURN TO SALEM‘S LOT (1987) von Larry Cohen, der eine ganze Ecke besser ist. Erinnerungen werden auch durch den Score erweckt. Daniel Licht versucht hier nämlich ständig wie Christopher Young in HELLRAISER und seiner Fortsetzung zu klingen. 

    CHILDREN OF THE NIGHT ist ein Auf und Ab, und das macht Randels Film leider sehr anstrengend. Die nervigen Parts mit dämlichen Sprüchen von comicartigen Figuren überwiegen leider. 

    (Bjoern Candidus)

  • King Solomon’s Treasure, 1979 – ★½

    King Solomon’s Treasure, 1979 – ★½

    KÖNIG SALOMONS SCHATZ
    (KING SOLOMON’S TREASURE, GB, Kanada, 1979, Regie: Alvin Rakoff) 

    Ein mysteriöses Amulett führt Allan Quatermain, Captain Good und Dr. Henry Curtis in eine unbekannte Region Afrikas, in der König Salomons Schatz zu finden sein soll. Dort stoßen sie nicht nur auf eine unbekannte menschliche Kultur, sondern auch auf längst ausgestorben geglaubte Tiere.

    Alvin Rakoff (STADT IN FLAMMEN, 1979) wandelt auf H. Rider Haggards Spuren und schickt John Colicos als Quatermain auf die Suche nach Salomons Schatz, was leider nicht geglückt ist. Das fängt schon bei der unpassenden Besetzung der drei Abenteurer an. John Colicos (KAMPFSTERN GALACTICA, 1978), Patrick Macnee (DAS TIER, 1981) und David McCullum (DER UNSICHTBARE, 1975-1976) sind solide Schauspieler, aber niemand passt hier rein, keiner kann Sympathiepunkten sammeln. Colicos und Macnee sind zwei alte Griesgrame, während McCullum ein nerviges Blödel-Programm ablaufen lässt. Die Damen Britt Ekland (DER ZEUGE HINTER DER WAND, 1972) und Véronique Béliveau gehen geradezu unter. Ein bisschen Ausgleich kommt mit den wenigen Dinosaurier- und Riesenkrebs-Modellen. Nicht, dass die durch Qualität glänzen würden, aber sie besitzen immerhin einen Funken Charme. Abgerundet wird der Film mit billigen Tempelbauten und einem Vulkan. Die gesamte Inszenierung ist langweilig, frei von Atmosphäre und Spannung. Gegen Ende kommt es noch zu einer finalen Schlacht mit drittklassigen Schlacht-Szenen.

    KÖNIG SALOMONS SCHATZ ist leider in fast jeder Hinsicht ein misslungener Abenteuerfilm. Wer sich die Story in schöner angucken möchte, dem sei J. Lee Thompsons QUATERMAIN – AUF DER SUCHE NACH DEM SCHATZ DER KÖNIGE (1985) mit Richard Chamberlain empfohlen, dort muss allerdings auf Monster verzichtet werden.

    (Bjoern Candidus)

  • Nosferatu in Venice, 1988 – ★★★½

    Nosferatu in Venice, 1988 – ★★★½

    NOSFERATU IN VENEDIG
    (NOSFERATU A VENEZIA, Italien, 1988, Regie: Augusto Caminito, Luigi Cozzi)

    Professor Catalano macht sich auf nach Venedig, um der Bitte der jungen Prinzessin Helietta Canins nachzukommen. Der Spezialist auf dem Gebiet des Okkultismus soll den Sarkophage im Keller des Hauses öffnen, in dem die Gräfin Nosferatu glaubt, der dort eingesperrt ruht. Doch der Sarkophag ist mit schweren Eisenträgern versiegelt, die es Catalano nicht ermöglichen, ihn zu öffnen. Wenig später findet eine Séance im Hause Canins statt, in der Nosferatu beschworen wird. Doch der Vampir entsteigt nicht dem Sarkophag, sondern wacht in einer Kiste auf, die eine Gruppe von Tänzern transportiert. Er macht sich auf den Weg in die Lagunenstadt, wo er Helietta begegnet, in der er seine verstorbene Liebe von vor 200 Jahren sieht. 

    NOSFERATU IN VENEDIG stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Produzent Augusto Caminito brauchte drei Anläufe mit drei unterschiedlichen Regisseuren, um die Dreharbeiten endlich richtig starten zu können. Und so nahm nach den angedachten Regisseuren Maurizio Lucidi, Pasquale Squitieri und Mario Caiano, die hier mehr oder weniger alle schon Hand an legten, Augusto Caminito selbst Platz auf dem Regiestuhl und holte sich Luigi Cozzi an seine Seite. Cozzi war vor allem für die Effekt-Szenen verantwortlich. Klaus Kinski wird nicht nur als Darsteller, sondern auch als Regisseur gelistet, denn der sorgte unter seiner eigenen Regie für die morgendlichen Venedig-kurz-nach-Sonnenaufgang-Szenen. In denen sieht man Kinski als Nosferatu, wie er auf einer Gondel steht und die Kanäle durchfährt oder die Lagunenstadt zu Fuß durchquert. Das sind wirklich sehr ansehnliche Aufnahmen, die die Inszenierung aufwerten. Die Story ins 18. Jahrhundert zu verlegen, ist bei diesem fantastischen Schauplatz im Grunde ein Kinderspiel. Visuell braucht sich NOSFERATU IN VENEDIG ohnehin nicht verstecken. Egal, unter welchen Umständen der Film entstanden ist, er sieht immer schön aus und ist sehr atmosphärisch. Die kalten, düsteren, traumartigen Bilder werden untermalt von Vangelis und Luigi Ceccarelli.

    Das große Problem von NOSFERATU IN VENEDIG ist wahrlich nicht sein Äußeres, sondern die wirre Story und die sprunghaften Szenen, die durch die vielen Hände, die hier am werkeln waren, zustande gekommen sind. Die Probleme fingen bereits beim Drehbuch an, schließlich war der Film ursprünglich mal als eine direkte Fortsetzung zu NOSFERATU – PHANTOM DER NACHT (1979) geplant. Ein Plan, der schnell über Bord geworfen wurde. Aus vielen Ideen wurde schließlich eine sonderbare Story konstruiert, die zumindest irgendwie aufgeht.

    Das allgemeine Verhalten und das Erscheinungsbild Kinskis als Nosferatu weicht hier deutlich von seinem vorherigen ab. Statt mit einem kahlen Schädel präsentiert er sich hier mit (seinen) langen, aschblonden Haaren und mit Kajalstift geschwärzte Wimpern. Während die Spitzen Vampirzähne weiter mittig nebeneinander sitzen, werden seine Klauen zu Hände. Mit seinem barocken Kostüm wäre er zudem auf jeder Gothic-Party willkommen. Wie bei Stoker im Roman, aber in den wenigsten Verfilmungen berücksichtigt, kann Dracula auch am Tage wandeln, wenn auch nur geschwächt und machtlos. Hier wird das berücksichtigt, wird aber ergänzt durch die Aussage, dass Nosferatu 24 Tage wach ist, bevor er für 24 Stunden schlafen muss, um sich zu regenerieren. Neu (?) ist auch die Behauptung, Quecksilber sei das einzige Metall, was Vampir tötet kann. Aber das Schöne an all den Vampirgeschichten ist auch die Weiterentwicklung des Stoffes. 

    Neben Kinski dürfen auch zwei weitere Legenden den Schauplatz betreten: Christopher Plummer und Donald Pleasence. Plummer ist als Forscher des Okkulten, Professor Paris Catalano, im Einsatz, während Pleasence als Priester Don Alvise leider nur wenig Einsatz zeigt. Darüber hinaus finden sich noch Yorgo Voyagis, Maria Cumani Quasimodo und Barbara De Rossi im Cast. 

    NOSFERATU IN VENEDIG ist ein Film für die Augen und Ohren, der eine düstere Vampir-Romantik mitbringt, die es in den 80er-Jahre nur selten zu entdecken gab, schon gar nicht im italienischen Horrorkino. Die verfahrene Story fällt durch Kinskis Anwesenheit kaum ins Gewicht.

    (Bjoern Candidus)

  • The Leech Woman, 1960 – ★★½

    The Leech Woman, 1960 – ★★½

    DER FLUCH DER URWALDHEXE
    (THE LEECH WOMAN, USA, 1960, Regie: Edward Dein)

    Zwischen Dr. Paul Talbot und seiner Frau June läuft es nicht mehr gut. June fühlt sich alt, unattraktiv und sucht ihr Heil im Alkohol. Als eine angeblich 150 Jahre alte Frau die Praxis von Dr. Talbot aufsucht, bietet die ihm einen Deal an. Sie überreicht Talbot ein geheimnisvolles Pulver, was den Alterungsprozess aufhält und wieder jung machen soll. Im Gegenzug soll er ihr den Flug nach Afrika zu ihrer Familie zu finanzieren. Das Pulver wirkt, und Talbot glaubt, den großen wissenschaftlichen Durchbruch geschafft zu haben. Er überrascht June mit der neuen Aussicht, die auch sie aus den Depression herausholen könnte. Gemeinsam starten sie eine Expedition nach Afrika, um das Geheimnis der Zusammensetzung des Verjüngungspulver zu lüften. 

    Der Wunsch nach ewiger Jugend ist wahrlich nichts neues und immer aktuell. Und so glänzt Edward Deins (CURSE OF THE UNDEAD, 1959) Regiearbeit inhaltlich auch nicht durch Innovation. Dafür konzentriert sich die Inszenierung mehr auf die negativen Figuren und auf die Probleme, die sie untereinander haben. Schön ist das Dschungel-Setting, was vor allem aus Studio-Kulissen und Stock-Material besteht. Das bringt einen zusätzlichen Abenteuer-Anstrich mit rein, der im Horrorkino verhältnismäßig überschaubar zum Einsatz kommt. Dank Stock-Material darf man sich auch auf Krokodile, Affen, Löwen, Wasserbüffel usw. freuen. Natürlich wird man auch Zeuge des geheimnisvollen Rituals, was das eigentliche Geheimnis des Verjüngungspulvers preisgibt. 

    Besonders Spannend und atmosphärisch ist DER FLUCH DER URWALDHEXE leider nicht, dafür füllt Dein die knappe Spielzeit von 75 Minuten mit unmoralischen Figuren, ein bisschen Make-up und einer Handvoll Morden im Namen der Schönheit. Und wo ich bei Schönheit bin: June Talbot wird von Coleen Gray dargestellt, die wirklich schön ist, wenn sie nicht gerade durch ein Make-up verschrumpelt wird. Ihr Mann, Dr. Paul Talbot, wird von Phillip Terry verkörpert. 

    DER FLUCH DER URWALDHEXE ist ein durchaus interessanter Vertreter des Ewige-Jugend-Horrorfilms, der leider keine wirklichen Highlights präsentiert, aber dennoch kurzweilige Unterhaltung bietet. 

    (Bjoern Candidus)

  • Blood Delirium, 1988 – ★★★

    Blood Delirium, 1988 – ★★★

    BLOOD DELIRIUM
    (DELIRIO DI SANGUE, Italien, 1988, Regie: Sergio Bergonzelli)

    Da Christine, die Geliebte und Muse des exzentrischen Malers Saint Simon stirbt, gerät er in einen Sog aus Trauer und Wahnsinn. Das führt ihn schließlich dazu, gemeinsam mit seinem Butler Hermann die Leiche von Christine aus der Gruft zu holen, um sie fortan wieder Modell stehen zu lassen. Auf der Vernissage seiner Gemälde läuft er dann Sybille über den Weg, die eine frappierende Ähnlichkeit mit Christine hat. Er nimmt sie mit auf seine Burg und lässt sie verstehen, dass sie seine zukünftige Muse werden wird. Doch damit beginnt der Wahnsinn in Saint Simon erst richtig zu zünden. Er entdeckt das Blut von Menschen als Farbe für seine Gemälde, und Butler Hermann ist stets zu Diensten, wenn es darum geht, Frauen zu erlegen.

    Sergio Bergonzelli (IN THE FOLDS OF THE FLESH, 1970) hat hier einen bizarren Horror-Psycho-Thriller gezimmert, der vor allem visuell zu überzeugen weiß. Durch den Hauptschauplatz, eine Burg auf einem Berg und dem darin stattfindenden Wahnsinn, hält der Gothic-Horror Einzug. Der Wahnsinn, den der Maler Saint Simon und sein Butler Hermann inne haben, unterstreicht das Gefühl, sich inhaltlich eher in den 60- bis 70er-Jahren zu bewegen, statt Ende der 80er. Die Zeit der sinistren Gestalten, die in finsteren Gemäuern leben und Frauen quälen war eigentlich vorbei. Doch wer kann, der kann, und so folgt Bergonzelli einem klassischen Prinzip, aber streut ordentlich Gewalt, Blut und Grausamkeiten mit rein, die dem Jahrzehnt eher gerecht werden. Es beginnt schon damit, dass sich Butler Hermann erst mal über die Leiche von Christine hermacht, da auch er von ihr wie besessen ist. Nach kurzem Unmut seitens Saint Simon, ist man aber wieder gut Freund. Butler Hermann ist aber nicht nur ein nekrophiler Triebtäter und Mörder, sondern auch Kannibale. Bergonzelli scheut sich nicht davor, Gore im Stile von Fulci und D’Amato zu präsentieren, wenn auch überschaubar. Aber nicht nur die Gewalt beherrscht das Geschehen, sondern auch die wenigen Hauptdarsteller, und in dem Punkt tun sich auch die Probleme auf. Von beherrschen kann hier nämlich eigentlich nicht die Rede sein. Nicht, dass John Phillip Law (DIABOLIK, 1968) ein schlechter Darsteller wäre, aber seine Darstellung als Maler, der Vincent van Gogh verehrt, ist hier schon etwas überzogen und wird gegen Ende geradezu albern. Butler Hermann wird von Gordon Mitchell dargestellt, der hier so wirkt, als hätte er nur eine Zelle im Kopf, die aber wenigstens dafür sorgt, das Partystimmung aufkommt. Brigitte Christensen ist in der Doppelrolle Christine / Sybille dabei, die leider kein Hochgenuss ist, was auch für Marco Di Stefano gilt, der als Gérard (ihr Ehemann im realen Leben) in Sorge ist um Sybille. Da beide damals ganz neu im Business waren, sei es ihnen verziehen, dass sie hier keine Wunder bewirken. Aber das Geschehen in BLOOD DELIRIUM ist voller surrealer Bilder in bunten Farben, morbiden Ideen und expliziten Grausamkeiten, dass das sonderbare Schauspiel der Darsteller kaum ins Gewicht fällt. Von dem inhaltlichen Irrsinn, den die Story noch so mit sich bringt, will ich erst gar nicht anfangen. 

    Optisch darf sich BLOOD DELIRIUM zu den qualitativeren Horrorfilmen der spät 80er-Jahre zählen, nicht mal Fulcis Filme sahen zu dieser Zeit so gut aus. Kameramann Raffaele Mertes hat den Wahnsinn sehr gut eingefangen. Wenig ausdrucksstark, aber zumindest passend ist der Score von Nello Ciangherotti. 

    BLOOD DELIRIUM ist ein bizarrer Horror-Thriller irgendwo zwischen den wahnsinnigen Figuren von Edgar Allan Poe und BUIO OMEGA (1979), dem ich seine unfreiwillige Komik schnell verziehen habe. Ein Sonderling. 

    (Bjoern Candidus)

  • Nosferatu, 2024 – ★★★★½

    Nosferatu, 2024 – ★★★★½

    NOSFERATU – DER UNTOTE
    (NOSFERATU, USA, 2024, Regie: Robert Eggers)

    Dracula war die erste Figur der Horror-Kultur, die mir in meinem Leben begegnet ist. Damals, mit sieben oder acht, entdeckte ich Terence Fishers DRACULA (1958) im TV und war gebannt, als ich Christopher Lee in der Titelrolle sah. Lee war Dracula, und Lugosis Darstellung sollte ich erst weitaus später kennenlernen. Dazwischen lag Gary Oldman, der Dracula meiner Generation, den Coppola ganz zauberhaft für die 1990er-Jahre aufbereitet hat. Danach schaute ich mir sämtliche Adaptionen von Bram Stokers Stoff an, von Franco, Herzog bis Murnau. Mein Herz war für die Geschichte um Dracula immer geöffnet, und den meisten Adaptionen bin ich wohl gesonnen, egal, ob dicht oder nicht dicht an der Vorlage. Die Geschichte und die Figuren der Vorlage bieten genug Potential, um sich nicht in einem festgefahrenen Konstrukt zu verfangen, was genug Regisseure bewiesen haben, auch Robert Eggers, der sich, wie Werner Herzog 1979 mit NOSFERATU – PHANTOM DER NACHT, an Friedrich Wilhelm Murnau anlehnt. Doch weder Murnau noch Herzog werden in NOSFERATU – DER UNTOTE kopiert, sondern Eggers bedient sich gewissen Elementen oder variiert sie und gibt Neues hinzu und schafft damit seine eigene Vision. 

    Das Unheil liegt hier bereits zu Beginn an in der Luft und wird unterstützt von den entsättigten Farben, die sich durch die Inszenierung ziehen. Unterschiedliche Farben für unterschiedliche Situationen kommen hier zum Einsatz, wie 1922 bei Murnau. Die Nacht präsentiert sich in kalten Blau- und Grautönen, der Tag ist trist, grau und erscheint nicht minder hoffnungslos wie die Nacht. Und wo Herzog so naturalistisch wie möglich unterwegs war, um die Landschaft von Transsilvanien zu präsentieren, verliert sich Eggers in die romantischen Bilder eines Caspar David Friedrich. Das ist pure Romantik, Gothic-Horror-Romantik. Und wenn Orloks Kutsche in tiefer Nacht vorfährt, glaubt man sich kurz im Märchen zu befinden. Dennoch hält sich Eggers sehr zurück, was die Darstellung von Transsilvanien und dem Schloss von Orlok angeht. Nichts wirkt überzeichnet. Das Schloss ist nur ein Schloss, alt, kalt und ausladend. Wer den süßen, märchenhaften Kitsch von Coppola sucht, wird hier nicht fündig. Stattdessen geht es eiskalt weiter, denn der bereits jetzt schon von Angst gezeichnete Thomas (Nicholas Hoult) wird von Graf Orlok (Bill Skarsgård) empfangen. Ich habe wirklich lange keinen Film mehr gesehen, in dem eine Figur eine so finstere Aura besessen hat, die sofort auf mich gewirkt hat. Graf Orlok, ein gefühlter Riese, der nur schemenhaft zu erkennen ist, seinen Gesicht hinter einem dicken Schnauzbart versteckt und scheinbar langsam vor sich hin fault. Seine Laune ist seinem widerlichen Aussehen angepasst, und der Raum wird durchdrungen von seinen Atemgeräuschen. Ein schwerer, mehrlagiger Mantel bedeckt seinen Körper, und auf seinem Kopf trägt er einen Hut, wie 1922 und 1979. Insgesamt ist er, wenn er zu sehen ist, mehr nicht zu erkennen, und das macht hier sehr viel aus und ist eine Kunst, die sich heutzutage viel zu wenig Regisseure bedienen. Überhaupt hatte ich nur selten das Gefühl, einen Film von heute zu sehen. Nichts wirkt überladen, nichts zu pompös oder überzeichnet. Die Inszenierung ist nie hektisch, auch wenn manches etwas sprunghaft wirkt, was sich möglicherweise mit dem Extended Cut legen wird. Der Horror schleicht, aber er verlässt nie den Raum. 

    Graf Orlok und die pestkranken Ratten reisen nach Deutschland. In der deutschen Hafenstadt Wisborg gibt es dann sehr schöne Stadtansichten mit alten Häusern und Pflastersteingassen. Dazu fällt Schnee, und Weihnachten steht vor der Tür, was ganz dezent zu erkennen ist. In Wisborg konzentriert sich die Geschichte auf Ellen Hutter (Lily-Rose Depp), die bereits seit langer Zeit mit Orlok in geistiger Verbindung steht und nun immer mehr in eine Art Besessenheit verfällt. Grundsätzlich hat mir das Schauspiel von Lily-Rose Depp gefallen, aber die Momente des Wahnsinns haben mich dann doch zu sehr an die gängige Exorzismus-Welle erinnert. Die Verbindung selbst, die hier zwischen Orlok und Ellen aufgebaut wurde, ist hingegen sehr stark und gut durchdacht. 

    Die Mischung aus bekannten und neuen Motiven ist sehr gekonnt. Auch wenn ich die Geschichte im Grunde in und auswendig kenne, habe ich mich hier zu keiner Sekunde gelangweilt oder mich gefragt, wie viele Varianten es denn noch von dem Stoff geben soll. Es kann immer noch eine geben, wie mir scheint. Dabei ist natürlich nicht nur die Form wichtig, sondern auch die Darsteller. Da Skarsgård unter dem Make-up kaum bis gar nicht zu erkennen ist, ist er vor allem durch sein Sprechen, sein Auftreten und seiner Gestik zu beurteilen, und die ist ganz hervorragend. Eggers hat eine ganz neue Orlok/Dracula-Variante geschaffen, die sich sehr an den historischen Vlad Tepes anlehnt. Auch Nicholas Hoult als Jonathan Harker-Variante Thomas Hutter ist schön gewählt. Die Furcht steht ihm gut zu Gesicht. Immer zutiefst charismatisch ist Willem Dafoe, doch der hinterlässt hier als Professor Albin Eberhart von Franz einen auffällig unauffälligen Eindruck, der in mir kaum Nachhall hatte. Die restlichen Darsteller, wie Simon McBurney als durchgedrehter Knock, Ralph Ineson als Dr. Wilhelm Sievers, Aaron Taylor-Johnson als Friedrich Harding und Emma Corrin als Ellens Freundin Anna Harding, wurden glänzend ausgewählt. Hier spielen natürlich auch die sehr authentischen Kostüme und die gesamte Ausstattung eine Rolle. Alles wirkt wie aus einem Guss, und kleinere Schönheitsfehler, werden direkt wieder gut gemacht. Wie viel CGI-Effekte hier wirklich zum Einsatz kamen, weiß ich nicht, aber sie zeigten sich mich mir nur selten und noch seltener störend. Stattdessen liefert Eggers und sein Team praktische Effekte und ein phantastisches Make-up. 

    Die wunderbare Kraft der Bilder und der Darsteller wird ummantelt von einem schaurigen Sound-Design und einem sehr klassischen Score von Robin Carolan, der wie ein Geist im Hintergrund schwebt.

    NOSFERATU – DER UNTOTE ist ein tiefschwarzer Alptraum aus Gier nach Blut, sexuellem Verlangen und der Suche nach Liebe, Hoffnung und Erlösung. 

    (Bjoern Candidus)

  • Wild Zero, 1999 – ★★★

    Wild Zero, 1999 – ★★★

    WILD ZERO
    (Japan, 1999, Regie: Tetsuro Takeuchi)

    Ace reist seiner Lieblingsband, Guitar Wolf, quer durchs Land hinterher, um ihre Auftritte zu erleben. Bei diesem Trip landet er in einer Stadt, in der er Tobio kennenlernt, in die er sich prompt verliebt. Dumm ist nur, dass die Gegend gerade von Zombies überlaufen wird. 

    Tetsuro Takeuchi schickt die Band Guitar Wolf höchst persönlich ins Geschehen von diesem ziemlich schrägen Zombiefilm, der sich viel mehr wie ein bewegter Comic anfühlt. Dass die Inszenierung in Sachen Musik ziemlich abliefert, dürfte durch die Besetzung von Guitar Wolf, Bass Wolf und Drum Wolf klar sein, und so wird WILD ZERO immer wieder mit wildem Jet Rock ’n’ Roll (wie sie ihn selbst bezeichnen) befeuert, der hier alles zum beben bringt. Wilde Action, Gore, überzeichnete Figuren, Coolness und bizarrer Humor bestimmen das Geschehen, was nie erstarrt. Hier ist immer was los. Dass hier Außerirdische die Ursache für die Zombie-Invasion sind, ist dabei im Grunde egal. Mehr als UFOs sieht man nicht, dafür liefert Takeuchi romeroeske Untote mit einem ähnlichen Blauton, wie man ihn von DAWN OF THE DEAD (1978) kennt. Das Make-up ist billig, aber effektiv, zudem hat man es hier noch mit langsamen Zombies zu tun. Was leider ganz fürchterlich in die Hose gegangen ist, sind die üblen CGI-Splatter-Effekte. Es ist ja nett, wenn viele Zombieköpfe weggeschossen werden, aber auf die Art und Weise, wie es hier passiert, hemmt es den Spaß. Der Einsatz von schlechten Computer-Effekten zieht sich durch den Film, aber dieser ist ja nun auch schon gut 26 Jahre alt. Unter dem Strich stören sie gar nicht so sehr, da hier alles so überzogen ist und die Inszenierung eher einem Musikvideo gleichkommt.

    Rock ’n‘ Roller mit Lederjacken und Sonnenbrillen, blaue Untote mit langsamen Schritten, ein Liebespärchen und Gangster bevölkern WILD ZERO und machen ihn zu einem unterhaltsamen Zombiefilm mit heißer Musik.

    (Bjoern Candidus)