Autor: marco-fritz

  • It Happened at Lakewood Manor, 1977 – ★★

    It Happened at Lakewood Manor, 1977 – ★★

    AMEISEN – DIE RACHE DER SCHWARZEN KÖNIGIN
    (IT HAPPENED AT LAKEWOOD MANOR, USA, 1977, Regie: Robert Scheerer)

    Neben dem alten Lakewood Manor Hotel soll ein Casino entstehen, um die Umlaubsregion neu zu beleben. Doch während der Bauarbeiten kommt es zu zwei mysteriösen Todesfällen, die schließlich zu einem Bau giftiger Ameisen führt, die ihr Revier mit allen Mitteln verteidigen wollen.

    Neben Spinnen und Bienen haben auch immer wieder Ameisen Auftritte in Monster- oder Tier-Horrorfilmen. Große Arten kann man in FORMICULA (1954) oder IN DER GEWALT VON RIESENAMEISEN (1977) bewundern, kleine in PHASE IV (1974) oder in AMEISEN – DIE RACHE DER SCHWARZEN KÖNIGIN (1977). Letzter ist leider nicht allzu gut geraten und leidet vor allem unter seiner langweiligen TV-Ästhetik und den unsympathischen Figuren, allen voran Robert Foxworth als Bauleiter Mike Carr. Alles wirkt etwas fad und langweilig. Der Schauplatz, ein altes Hotel am See, ist nett, doch sorgt Regisseur Robert Scheerer nicht dafür, eine spannende Atmosphäre um das Gebäude aufzubauen. Aber gut, um unheimliche Architektur soll es hier nicht gehen, sondern um Ameisen, um giftige Ameisen, die eine Gruppe Menschen tyrannisieren, die sich in einem Hotel aufhalten. Es ist letztlich die Größe, die die Ameisen zur Gefahr werden lassen. Die kleinen Insekten treten, wie im wahren Leben, auch hier in organisierten Massen auf und kommen geschwind überall hin, im schlimmsten Fall unbemerkt, um zu töten. Mit Gore sollte man natürlich nicht rechnen. Dafür gibt es ein paar wenige spannende Momente, die den Film immerhin noch ein bisschen über Wasser halten können. 

    AMEISEN – DIE RACHE DER SCHWARZEN KÖNIGIN leidet unter seinen Figuren und unter der öden TV-Atmosphäre, die die Inszenierung ausbremst. 

    (Bjoern Candidus)

  • Violent City, 1970 – ★★★★

    Violent City, 1970 – ★★★★

    BRUTALE STADT
    (CITTÀ VIOLENTA, Italien, Frankreich, 1970, Regie: Sergio Sollima)

    Man sollte sich nie sicher sein, als Profikiller schon gar nicht, was Jeff Heston feststellen muss, als man ein Attentat auf ihn verüben will. Zwar wird er bei dem Mordversuch schwer verwundet, kann aber einen der Täter töten. Das bringt ihn allerdings erst mal hinter Gittern. Doch nachdem ihn sein Anwalt frei bekommt, begibt er sich in die USA, um den Drahtzieher für den Mordmordversuch zur Strecke zu bringen. 

    Nachdem Sergio Sollima mit DER GEHETZTE DER SIERRA MADRE (1967), VON ANGESICHT ZU ANGESICHT (1967) und LAUF UM DEIN LEBEN (1968) drei ganz hervorragende Italowestern in Folge abfeuerte, verließ er das Genre und wand sich mit BRUTALE STADT dem Gangster-Film zu. 

    Von Beginn an liefert Sollima und sein Kameramann Aldo Tonti wunderschöne Naturkulissen von Meer, Felsen und Pflanzen. Aber es dauert nicht lange, bis die Sommerurlaubstimmung von Jeff und seiner geliebten Vanessa von einer rasanten, sehr gut inszenierten Autoverfolgungsjagd unterbrochen wird, die in dem Mordversuch an Jeff endet. Die Qualität von Sollimas Italowestern wird auch hier übertragen. Alles sitzt. Zusätzlich wird Sollima erneut von Ennio Morricone unterstützt, der hier einen ganz prächtigen Score abgeliefert hat, der die Spannung auf hypnotische Art weiter vorantreibt. Die Spannung ist weniger im Rahmen von explosiven Schauwerten zu spüren. Es gibt ein bisschen Action und ein paar sehr gelungene Auftragsmorde von Jeff, die er mit einem Scharfschützengewehr ausführt, aber in erster Linie knistert es zwischen den wenigen Figuren. Charles Bronson als Auftragskiller ist nichts ungewöhnliches, doch sein Charakter ist durchzogen von Zweifeln und einem plötzlichen Gewissen, was in ihm aufflackert. Durch die Gewalt der Anderen wird er immer mehr von seiner eigenen abgestoßen. Und dann kommt ihm auch noch die Liebe dazwischen. Aber die schöne Vanessa, dargestellt von Bronsons Ehefrau Jill Ireland, hat es faustdick hinter den Ohren und ist nun auch die Geliebte von Al Weber, dem Kopf eines Verbrechersyndikats. Und der wird von einer weiteren Legende dargestellt: Telly Savalas. Der ist hier in bester Laune anzutreffen. Ich habe lange nicht mehr einen so entspannten Fiesling erlebt, der nur reden muss, um ihn zu verachten. Der macht Jeff unmissverständlich klar, wenn man sich einmal für die „Familie“ entscheidet, entscheidet man sich immer für die Familie. Eine Trennung gibt es nicht. Eine weitere Figur in der unheiligen Allianz ist der Anwalt Steve, der von Umberto Orsini verkörpert wird. Durch diese vier Figuren lernt man das Syndikat und die Strukturen kennen, was als Beiwerk funktioniert. Aber eigentlich liegt der Fokus auf der Zerrissenheit von Bronsons Figur, die er ganz wunderbar spielt. 

    Trotz einer Handvoll garstiger Szenen und vielen abwechslungsreichen, stets toll fotografierten Schauplätzen ist BRUTALE STADT ein Film der Charaktere und Worte, durch die er wunderbar funktioniert. 

    (Bjoern Candidus)

  • Doppelgänger, 1969 – ★★★½

    Doppelgänger, 1969 – ★★★½

    UNFALL IM WELTRAUM
    (DOPPELGÄNGER, GB, 1969, Regie: Robert Parrish)

    Im Jahre 2069 wird dem Rat der europäischen Raumforschung eine sensationelle Entdeckung präsentiert. Hinter der Sonne hält sich ein weiterer erdähnlicher Planet verborgen. Man beschließt eine Erkundung des Planeten durch ein Team bestehend aus Colonel Glenn Ross und John Kane. Nach einer dreiwöchigen Reise werden sie aus ihrem Raumschlaf geholt, um mit ihrem Shuttle auf dem fremden Planeten landen zu können. Doch es kommt zu Komplikationen, die das Shuttle abstürzen lässt. Ein Rettungsteam ist schnell zur Stelle, doch während Ross den Absturz fast unbeschadet übersteht, wird Kane schwer verletzt und stirbt schließlich an den Folgen seiner Verletzungen. Ross und die Weltraumbehörde sind verwirrt. Was ist passiert, warum sind die Astronauten wieder zurückgekommen? 

    Gerry und Sylvia Anderson, die mit TV-Serien wie THUNDERBIRDS (1965-1966), UFO (1970-1971) oder MONDBASIS ALPHA 1 (1975-1977) zu Legenden wurden, haben mit UNFALL IM WELTRAUM einen visuell beeindruckenden Science-Fiction-Film für das Kino produziert. Regie führte bei dieser britischen Produktion der Amerikaner Robert Parrish. 

    Der Film startet mit einer visuell beindruckenden Szene, in der sich Herbert Lom als Dr. Hassler in die Hochsicherheitsräume der Weltraumbehörde EUROSEC begibt und sein Spionage-Auge auswertet. Die Effekte, die Kostüme und die futuristischen Modell von Automobilen, Raketen und Häusern sehen absolut hochwertig aus. Dazu schmückt sich die Inszenierung immer wieder mit knalligen Farben, die den Geist der 60er-Jahre in schönster Form präsentieren. Wo das Auge hinguckt, wird es verwöhnt, vorausgesetzt, man steht auf derartiges Kino. 

    Doch nicht nur das Visuelle konnte mich hier abholen, sondern auch die Story um eine zweite Erde. Leider nimmt sich Parrish zu viel Zeit, um die beiden Astronauten auf die Reise zu schicken. Diskussionen werden geführt, Finanzierungen und Gefahren werden überlegt und Tauglichkeitstests vollzogen, was an sich nicht uninteressant ist, aber doch zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Dafür geht man dann recht zügig vor, wenn man die zweite Erde ins Visier nimmt. 

    Mit Roy Thinnes als Colonel Glenn Ross und Ian Hardy als John Kane sind zwei solide Darsteller an Bord, die zwar nur wenig sympathisch wirken, aber gut in ihre Rollen passen. Ein bisschen mehr Charisma bringt da Patrick Wymark als Wissenschaftler Jason Webb mit. Herbert Loms Auftritt ist stark, aber leider sehr kurz.  

    UNFALL IM WELTRAUM hat mit Längen zu kämpfen und arbeitet das eigentliche Thema zu schnell ab, doch optisch wird hier zu jeder Zeit feinster 60er-Jahre-Science-Fiction-Zauber in Form und Farbe versprüht. 

    (Bjoern Candidus)

  • Black Emanuelle, 1975 – ★★★

    Black Emanuelle, 1975 – ★★★

    BLACK EMANUELLE
    (EMANUELLE NERA, Italien, 1975, Regie: Bitto Albertini)

    Die schwarze Amerikanerin Emanuelle bekommt von ihrem Verleger den Auftrag, nach Schwarzafrika zu reisen, um dort eine Reportage aufzunehmen. Doch der Job wird zu einem wilden Abenteuertrip voller Sex und Erotik, der bereits am Flughafen beginnt, als sie das erste Mal dem Ehepaar Gianni und Ann Danieli begegnet, das sie bei sich zu Hause aufnimmt. Während Gianni und Ann ein Auge auf sie werfen, interessiert sich auch Richard für Emanuelle, was sie allerdings auch nicht davon abhält, sich auf Gianni einzulassen. Emanuelle lässt nichts anbrennen und startet in wilde und feuchte Abenteuer in Nairobi.

    Bitto Albertini startet mit BLACK EMANUELLE die Sexploitation-Reihe um Laura Gemser, die als Reporterin Emanuelle fremde Länder aufsucht, um über sie zu berichten und nebenher die Herzen von Mann und Frau im Sturm erobert. Mit Just Jeackins EMMANUELLE (1974), der ebenfalls zahlreiche Fortsetzungen hinter sich zog, hat BLACK EMANUELLE nicht viel zu tun. Um Sex und Erotik geht es natürlich in beiden Filmen, aber Laura Gemser als Mae Jordan aka Emanuelle geht mit mehr Erfahrungen an die Sache als Sylvia Kristel als Emmanuelle. 

    Was bei BLACK EMANUELLE sofort Einsetzt ist Urlaubsstimmung. Ein Flugzeug bringt Emanuelle nach Afrika, genauer: nach Nairobi. Man darf sich an der wunderschönen Flora und Fauna ergötzen, erlebt Emanuelle auf Safari, in Ruinen oder auf Dinner und Pool-Partys der Reichen, der weißen Reichen, wohlgemerkt. Und es dauert auch nicht lange, bis sich die Geschlechtsteile zeigen und Sex und Erotik in Albertinis Inszenierung Einzug erhalten. In der „Hardcore-Fassung“ wird Laura Gemser und ihr Gegenüber dann gedoubelt, was kaum zu übersehen ist. Im Gegensatz zu den nachfolgenden Filmen, die unter der Regie von Joe D’Amato entstanden, geht man hier nach sanftere Wege der Sexualität, jenseits von Tiersex, Zwangsprostitution und Gewalt. Andererseits ist Albertinis Film insgesamt weniger unterhaltsam, vor allem, wenn man die D’Amato-Nachfolger kennt. 

    Nichtsdestotrotz ist auch BLACK EMANUELLE ein durchaus unterhaltsamer Film mit einer guten Besetzung. Laura Gemser gelang mit diesem Film ihr Karrieredurchbruch, der sie in viele weitere, ähnlich gelagerte Filme bringen sollte. Auch ihr späterer Ehemann Gabriele Tinti ist an Bord, der Laura als Richard natürlich schöne Augen macht. Vielmehr ist allerdings Gianni in Emanuelle verknallt. Dieser wird von Angelo Infanti verkörpert, der etwas fad wirkt. Etwas ausladend ist Karin Schubert als Ann, die hier eine unvorteilhafte Kurzhaarfrisur trägt. 
    Die kleineren Schönheitsfehler der Produktion werden immer wieder mit Nico Fidencos schönen Score ausgeglichen.  

    BLACK EMANUELLE ist ein schöner Startschuss einer spritzigen Sexploitation-Reihe mit der wunderbaren Laura Gemser. 

    (Bjoern Candidus)

  • The She Beast, 1966 – ★★★

    The She Beast, 1966 – ★★★

    SHE BEAST – DIE RÜCKKEHR DES GRAUENS
    (LA SORELLA DI SATANA, GB, Italien, 1966, Regie: Michael Reeves)

    Auf ihrer Hochzeitsreise durch Transsilvanien haben Philip und Veronica einen Autounfall. Während Philip mit dem Schrecken davon kommt, nistet sich in Veronica die böse Seele der Hexe Vardella ein, die 200 Jahre zuvor in einem See ertränkt wurde. Fortan tyrannisiert das Hexenweib die Nachfahren derer, die ihr einst das Leben nahmen. 

    Michael Reeves, der mit nur 25 Jahren an einer Überdosis Barbiturate in Kombination mit Alkohol das Leben verließ, legte hier seinen Debüt-Langfilm hin, der noch nicht das meisterliche Können verrät, was er mit DER HEXENJÄGER (1968) an den Tag legte; hier ist allerdings auch noch kein Vincent Price im Boot. Aber dafür ist Barbara Steele (DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT, 1960) am Start, und wenn die auftaucht, ist zumindest die Welt der Augen im Einklang. Als Veronica macht sie ordentlich was her, und nicht weniger attraktive ist ihr Ehemann Philip, dargestellt von Ian Oglivy (IM BANNE DES DR. MONSERRAT, 1967). Ein bildhübsches 60er-Jahre-Pärchen, was im deutlichen Kontrast zu der bäuerlichen Welt steht, die sie hier besuchen. Für Kopfschütteln sorgt hingegen John Karlsen (DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL, 1971) als schrulliger Graf van Helsing, ein Nachfahre von unserem hoch geschätzten Abraham. Der sorgt allerdings auch für die komödiantischen Züge, die den Film zu einer Art Vorschau auf TANZ DER VAMPIRE (1967) werden lässt. Dass dieser Film in keiner Hinsicht die Klasse von Polanski erreicht, muss ich hier nicht erwähnen, mache ich aber trotzdem. Die humorvolle Seite von SHE BEAST – DIE RÜCKKEHR DES GRAUENS passt eigentlich gar nicht zum Großteil des Films, fällt aber auch nicht stark ins Gewicht, da der Film von Anfang an ziemlich gaga wirkt. Bereits die anfängliche Rückblicksequenz, in der Vardella ertränkt wird, sorgt für Schmunzeln, was vor allem an dem Aussehen der Hexe liegt, die genau so auch in Claudio Fragassos ZOMBIE 4 – AFTER DEATH (1989) als Zombie hätte mitmischen können. Zudem ist die Inszenierung für 1966 teilweise ziemlich blutig geraten, was in Kombination mit dem Humor sonderbar, fast aus der Zeit gefallen wirkt. Was viele Regisseure und Studios der 60er-Jahre bei Horrorfilmen oft spielend beherrschten, war ein Gespür für Atmosphäre, doch SHE BEAST bleibt in diesem Bereich ziemlich trist. Statt einem finsteren Gothic-Horror-Schloss und einer menschenfeindlichen Grusellandschaft, gibt es ländliche Abschnitte mit Bauernhöfen. Der Film ist sehr hell, was den Vorteil hat, dass man die schöne Natur gut betrachten kann, andererseits wird so kaum Atmosphäre aufgebaut. Gedreht wurde in Italien und im ehemaligen Jugoslawien, was als Transsilvanien verkauft wird. 

    SHE BEAST – DIE RÜCKKEHR DES GRAUENS ist weder Fisch noch Fleisch; mal wird er eklig, mal verkommt er in Albernheit. Was Reeves aber definitiv gelungen ist: mich knapp 80 Minuten zu unterhalten, und nur das zählt unter dem Strich.

    (Bjoern Candidus)

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 75

    Traumstadt Gazette Ausgabe 75

    Geräusche des Grauens, eine giftige Schlange, ein charmanter Auftragskiller…

    Bjoern Candidus und Marco Fritz sprechen in der 75. TRAUMSTADT GAZETTE über folgende Filme:

    -UNFALL IM WELTRAUM (1969)

    -BRUTALE STADT (1970)

    -THE LEGEND OF HILLBILLY JOHN (1972)

    -DIE SCHWARZE MAMBA (1981)

    -UNDECLARED WAR (1990)

    -BERBERIAN SOUND STUDIO (2012)

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • House of Mortal Sin, 1976 – ★★★★

    House of Mortal Sin, 1976 – ★★★★

    HAUS DER TODSÜNDEN
    (HOUSE OF MORTAL SIN, GB, 1976, Regie: Pete Walker)

    Pete Walker schickt hier einen grantigen Priester auf einen blutigen Feldzug gegen beschwingte Sünder und zeigt erneut, dass seine Filme mehr sind als pure Unterhaltung. Wie schon im garstigen Vorgänger DAS HAUS DER PEITSCHEN (1974) greift Walker auch hier wieder das Thema Verfall von moralischen Werten auf, legt aber den Fokus auf die Enthaltsamkeit katholischer Priester und wozu diese führen kann. 

    Der Film ist sehr gut inszeniert, ordentlich fotografiert und kleidet sich mit einer düsteren 70er-Jahre Atmosphäre im Dunstkreis von erzkatholischem Kirchenmief. Regen und Gewitter sorgen zusätzlich für eine dichte britische Schauerstimmung, wie man sie von Walker kennt. Außerdem liefert Walker wieder ein paar blutige Morde, die richtig sitzen. 

    Walker legt immer viel Wert auf seine Figuren und Abgründe. Ganz wunderbar ist Anthony Sharp als Priester, den man nicht zum Nachbarn haben möchte. Ebensowenig möchte ich neben
    Sheila Keith wohnen, die schon im besagten DAS HAUS DER PEITSCHEN für größtes Unwohlsein sorgte. Neben den beiden höchst unangenehmen Figuren kommt das Licht mit Susan Penhaligon.

    Das HAUS DER TODSÜNDEN ist ein düsterer, spannender und sehr ansprechender Psycho-Thriller, der, sich einem höchst kontroversen Thema annimmt und in Walkers Filmografie weit oben anzusiedeln ist. 

    (Bjoern Candidus)

  • Confessions of a Police Captain, 1971 – ★★★★

    Confessions of a Police Captain, 1971 – ★★★★

    DER CLAN, DER SEINE FEINDE LEBENDIG EINMAUERT 
    (CONFESSIONE DI UN COMMISSARIO DI POLIZIA AL PROCURATORE DELLA REPUBBLICA, Italien, 1971, Regie: Damiano Damiani)

    Was Kommissar Bonavia seit Jahren nicht schafft, erhofft er sich nun von dem jungen Staatsanwalt Traini: den Mafiaboss Lommuno endlich zu überführen und hinter Gittern zu setzen. Doch das Netz aus Korruption, Machtmissbrauch und Mord bringen sein Weltbild ordentlich ins Wanken. Derweil verliert sich Bonavia immer mehr in seinen Hass gegen Lommuno.

    Der linksorientierte und höchst versierte Damiano Damiani (TÖTE AMIGO, 1967) hat hier einen großartigen Poliziottesco abgeliefert, der deutlich aus seinem Genre hervorsticht. Mord, Erpressung, Korruption, Verstrickungen bis in die höchsten Ämter stehen auf der Tagesordnung, was den Film zeitlos macht. Damiani verzichtet weitestgehend auf Action und auf grobe Gewalt, die man von vielen seine Regie-Kollegen im gleichen Genre kennt. Er setzt vor allem auf die Story und seine Charaktere Franco Nero als Staatsanwalt Traini und Martin Balsam als Kommissar Bonavia. Das Spiel zwischen den beiden ist hervorragend. Dazu gesellt sich der stets fies wirkende Luciano Catenacci als Lommuno. Die Gehörgänge werden von einem Score von Riz Ortolani verwöhnt.

    DER CLAN, DER SEINE FEINDE LEBENDIG EINMAUERT ist ein anspruchsvoller, glänzt inszenierter Polit-Polizeifilm, der durch seine Story und seine Darsteller überzeugt und mit einem starken Finale abschließt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Beyond the Door III, 1989 – ★★★

    Beyond the Door III, 1989 – ★★★

    AMOK TRAIN – FAHRT INS NICHTS 
    (IL TRENO, Italien, Jugoslawien, Niederlande, USA, 1989, Regie: Jeff Kwitny)

    Eine Gruppe Studenten unternimmt eine Klassenfahrt nach Jugoslawien. Doch in der ländlichen Gegend geraten sie schnell in Probleme, die sie zwingen, einen Zug als Fluchtmittel zu nutzen. Doch die Mächte der Finsternis fahren mit, und sie haben einen Plan. 

    Wenn der Name Ovidio G. Assonitis irgendwo auftaucht, ist meistens gute Unterhaltung garantiert. Als Produzent war er für Perlen, wie MONDO CANNIBALE (1972), THE VISITOR (1979) oder SONNY BOY (1989) verantwortlich, während er bei DER POLYP (1977) oder PARTY DES SCHRECKENS (1981) selbst die Regie übernahm. Bei AMOK TRAIN fungierte er als ausführender Produzent und überließ Jeff Kwitny die Regie, der vorher den Schnee-Slasher ICED (1989) drehte. 

    Was in AMOK TRAIN bereits schnell ersichtlich wird ist die gute Kameraarbeit von Adolfo Bartoli, der sich vielen Perspektiven bedient, um die Inszenierung lebendig wirken zu lassen. Ob im Zug oder auf den nebeldurchzogenen Feldern, des ehemaligen Jugoslawiens, wo die Dreharbeiten stattgefunden haben, herrscht eine dicht Grusel-Atmosphäre. Immer wieder lässt Kwitny auch ein paar alte Leute zwischen den Bäumen auftauchen, die ohne großes Dazutun unheimlich wirken. Auch im Zug kommt es immer wieder zu teils verstörenden Momenten, die nicht selten mit einer kräftigen Portion Blut einhergehen. Die Gore-Effekte sind sehr gut gemacht und effektiv. Abstriche muss man bei den Darstellern machen. Der bekannteste ist hier Bo Svenson, den ich als Professor Andromolek mit Bart erst überhaupt nicht erkannt habe. Svenson ist wahrlich kein Liebling von mir, aber hier macht er eine ganz gute Figur. STAR TREK – TNG – Fans erleben hier ein Wiedersehen mit Mary Konert, die als Beverly Putnic die Hauptrolle übernimmt und von der gesamten Besetzung am überzeugendsten ist. Aber bei den ganzen mysteriösen und teils kruden Dingen, die passieren, sind die Darsteller ohnehin nebensächlich. Manches ist sehr wirr, und alles wirkt mehr wie ein Alptraum, was im italienischen Horrorkino natürlich auch nichts Ungewöhnliches ist. Relativ unspektakulär klingt der Score von Carlo Maria Cordio.

    Jeff Kwitnys Okkult-Horror-Variante von RUNAWAY TRAIN (1985) erinnert auch ein bisschen an NIGHT TRAIN TO TERROR (1985) in dem Gott und Satan mit dem Zug fahren.

    AMOK TRAIN ist ein größtenteils gut gemachter Horrorfilm mit ordentlichen Effekten und einer dichten Atmosphäre, die das seltene Jugoslawien zu einem unheimlichen Ort werden lässt. Abstriche sind klar bei den Darstellern zu machen, und die Story ist im Grunde auch nichts Neues.

    (Bjoern Candidus)

  • Graveyard Shift, 1987 – ★★★

    Graveyard Shift, 1987 – ★★★

    NACHTSCHICHT
    (GRAVEYARD SHIFT, Kanada, 1987, Regie: Jerry Ciccoritti)

    Stephen Tsepes (Silvio Oliviero) ist nicht nur ein Taxifahrer, sondern auch ein Vampir. Während seiner Nachtschichten lernt er seine Opfer kennen, die in der Regel nur dann tötet, wenn sie den Geruch des Sterbens mitbringen. Als er auf die todkranke Michelle (Helene Papas) trifft, verliebt er sich in sie. 

    Jerry Ciccoritti hat hier einen recht stylischen Vampirfilm über einen Taxifahrer-Vampir gedreht, der vor allem durch sein düsteres Großstadt-Setting gewinnt. Allein die Idee um einen Vampir, der nur Todkranke aussaugt und tötet und als Taxifahrer arbeitet, um so an Nahrung zu kommen, gehört schon belohnt. Das Ganze wird noch mit einer Liebesgeschichte verknüpft, die ziemlich viele Figuren mitbringt. Auch wenn die Darsteller (ein mir gänzlich unbekannter Cast) manchmal etwas grenzwertig sind und die Dramaturgie etwas holprig ist, hat Ciccoritti ein paar atmosphärische Blutsauger-Momente mit Sex, Gewalt und Blut geschaffen, die manchmal etwas an eine B-Version von THE HUNGER (1983) erinnern. Auch der Score und die Songs von Nicolas Pike unterstreicht die feine 80er-Jahre-Atmosphäre, die sich von der ersten bis zur letzten Minute durchzieht.  

    NACHTSCHICHT hat ein paar inszenatorische Schwierigkeiten, verrät stets sein schmales Budget, aus dem Ciccorittis aber das Beste herausholt geholt hat, um zumindest einen schicken Großstadt-Taxi-Vampirfilm mit ein guten Story zu zaubern. 

    (Bjoern Candidus)