Autor: marco-fritz

  • The New York Ripper, 1982 – ★★★★

    The New York Ripper, 1982 – ★★★★

    DER NEW YORK RIPPER
    (LO SQUARTATORE DI NEW YORK, Italien, 1982, Regie: Lucio Fulci)

    In New York City geht ein wahnsinniger Serienmörder um, der es auf junge Frauen abgesehen hat. Diese werden von dem Killer verstümmelt und anschließend umgebracht. Lt. Fred Williams wird auf den Fall angesetzt, aber dem fehlt noch eine heiße Spur. Als man dem Täter weitere Morde zuordnen kann, sucht er Hilfe bei dem Psychologen Dr. Paul Davis, damit dieser eine Täterprofil erstellt. Nach einem weiteren Mord finden sie endlich eine Spur.

    Willkommen in der Welt der Körperzerstörung, die kaum einer besser beherrschte als Lucio Fulci, und DER NEW YORK RIPPER ist eins der besten Beispiele dafür. 

    Fulci stößt einen in ein von Sex, Drogen und Gewalt gezeichnetes New York City der frühen 80er-Jahre und präsentiert Bars, Clubs, Sexkinos und viele schäbige Männer und viele schöne Frauen. Doch die Frauen haben hier wahrlich kein leichtes Spiel, denn ein Killer mit Donald-Duck-Stimme und dem heftigen Drang, Frauen zu verstümmeln und anschließend zu töten, treibt sein Unwesen. 

    Hatte Fulci schon mit WOODOO-SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES (1979) und EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (1980) die Messlatte im Gore-Bereich hochgesetzt, haut er hier kräftig nach. Die Gewalt in DER NEW YORK RIPPER ist alleine deshalb schon grausamer, weil sie hier von Menschen gegen Menschen gerichtet ist, nicht gegen Zombies. Und so werden hier mehr Erinnerungen an Mario Landis GIALLO A VENEZIA (1979) wach, dem leider aber die Qualitäten fehlen, die Fulci hier aufbringt. Egal, wie bestialisch die Morde sind, sie sind auch immer sehr spannend und sauber inszeniert. Überhaupt lässt sich hier alles sehen. Luigi Kuveiller hat ordentliche Bilder fotografiert, um eine sehr authentische New York City-Atmosphäre festzuhalten, ob am Tag oder in der Nacht. Viele unterschiedliche Schauplätze machen den Film zusätzlich interessant, und das Großstadtgefühl wird zusätzlich von Francesco De Masis Score angetrieben. 

    Auch die Besetzung ist ein wichtiger Faktor von DER NEW YORK RIPPER, und da muss man sich bei Fulci in der Regel auch keine Sorgen machen. Das Gesetz wird vertreten von Jack Hedley als Lt. Fred Williams, der so anziehend ist wie ein Aschenbecher. Die Psyche wird vertreten von Paolo Malco als Dr. Paul Davis. Beide gehen sie hier auf die Jagd nach dem Killer. Des Weiteren gibt es ein Wiedersehen mit Cinzia de Ponti, Cosmio Cinieri, Howard Ross, Alexandra Delli Colli und Fulci selbst. 

    DER NEW YORK RIPPER ist Fulcis saftiger 80er-Giallo-Reboot, der kompromisslos um sich sticht und nicht mal am Ende Hoffnung bereithält.  

    (Bjoern Candidus)

  • Giallo in Venice, 1979 – ★★★

    Giallo in Venice, 1979 – ★★★

    GIALLO A VENEZIA 
    (Italien, 1979, Regie: Mario Landi)

    Fabio ist dauergeil, sehr zum Leidwesen seiner Freundin Flavia. Wenn er will, muss sie hinhalten, und besonders geil findet er es, wenn andere sie dabei beobachten. Und so vögelt sich der Architekt mit seiner Liebsten durch Venedig. Doch die Lagunenstadt wird von einer brutalen Mordserie überschattet. Das ruft den eiersüchtigen Inspektor Angelo De Pol auf den Plan, dem allerdings die nötigen Anhaltspunkte fehlen. 

    In den 60er-70er-Jahren konnte Mario Landi vor allem mit seinen TV-Arbeiten und dem Kinofilm MAIGRET UND DER WÜRGER VON MONMATRE (1966) Erfolge feiern. Ein Jahr bevor er mit PATRICK LEBT! (1980) einen kleinen Klassiker des „Schundkinos“ schuf, übte er bereits mit GIALLO A VENEZIA, der insgesamt sogar noch räudiger ist. 
    Landis Inszenierung kann sich nicht mal mit schönen Bildern retten, obwohl man in Venedig ist. Alles wirkt lieblos, na ja, das Meiste. Manchmal kommt auch hier ein bisschen Atmosphäre auf, und die wenigen Morde sind effektiv umgesetzt, allen voran der Mord an Mariangela Giordano, der minutiös die Beine abgesägt werden. Schön ist auch das Spiel in den Gläsern der Sonnenbrille des Killers während der Sägearbeit. Insgesamt sind die Morde in GIALLO A VENEZIA überschaubar, aber äußerst drastisch dargestellt. Mehr Aufmerksamkeit bekommt der Sex im Film, und hier wird es zusätzlich fragwürdig. Die Beziehung zwischen Fabio und Flavia ist alles andere als ein gutes Beispiel einer gesunden Beziehung, denn Flavia scheint wenig angetan zu sein, wenn Fabio sie auspeitscht, fickt oder sie mal eben von zwei Maurern vergewaltigen lässt. Da darf man zurecht erstaunt sein. Aber aus dem Staunen kommt man hier ohnehin schwer raus. Neben den grausigen Morden des unbekannten Killers und den Sexabenteuern von Fabio (Gianni Dei) und Flavia (Leonora Fani) gibt es ja noch das Gesetz, was von Inspektor Angelo De Pol vertreten wird. Wer auch immer auf die Idee gekommen ist, Jeff Blynn hier ständig gekochte Eier essen zu lassen, er hat ihn damit verewigt. Mich würde es allerdings auch nicht wundern, wenn Jeff selbst die Idee hatte.

    GIALLO A VENEZIA ist ein brutaler, sehr schmieriger Sex-Giallo mit vielen äußerst widerlichen Figuren. Ein Film, der sich für nichts zu fein ist.  

    (Bjoern Candidus)

  • Dracula Has Risen from the Grave, 1968 – ★★★½

    Dracula Has Risen from the Grave, 1968 – ★★★½

    DRACULAS RÜCKKEHR 
    (DRACULA HAS RISEN FROM THE GRAVE, GB, 1968, Regie: Freddie Francis)

    Graf Dracula ist tot, doch die Bewohner des kleinen Dorfes unterhalb des Schlosses haben weiter Angst vor seinem bösen Geist. Da kommt der Bischof Monsignore Ernst Müller aus Keinenberg gerade recht. Er will das Tor zum Schloss mit seinem golden Kreuz versiegeln und segnen, damit das Böse keinen Zugang mehr hat. Doch während der Bischof sein Werk vollzieht, hat der Priester, der ihn begleitet, einen Unfall, verletzt sich und erweckt mit seinem Blut versehentlich den im Eis eingefrorenen Graf Dracula. Dieser ist gar nicht davon angetan, dass sein Schloss mit Gottes Segen befleckt wurde und schwört Rache am Monsignore, der bereits seine Rückkehr nach Keinenberg angetreten ist. 

    Die erfolgreiche Serie um Graf Dracula geht in die vierte Runde, und diesmal durfte Freddie Francis die Regie übernehmen, und der ist wahrlich kein schlechter Ersatz für Terence Fisher gewesen. 

    Inhaltlich setzt DRACULAS RÜCKKEHR ein Jahr nach dem Ertrinkungstod des Grafen in BLUT FÜR DRACULA (1966) an, was den Seriencharakter der Reihe unterstreicht. Man muss allerdings sagen, dass die Kulissen aus den Vorgängerfilmen keine Verwendung mehr fanden, und viel mehr als das Tor zu Draculas Schloss gibt es auch hier nicht zu sehen. Das macht aber nichts, denn die Handlung verlagert sich schnell nach Keinenberg, eine fiktive Stadt, die neu ist in der Reihe. In erst Linie hält man sich dann in einem Wirtshaus auf, dessen Keller die neue Behausung Draculas wird. 
    Auch wenn in den drei Fisher-Filmen weitaus mehr Abwechslung in den Sets war und allesamt pompöser aussahen, braucht sich Francis Inszenierung nicht verstecken. Besonders schön sind die Über-den-Dächern-von-Keinenberg-Szenen auf denen sich Dracula präsentiert. Francis arbeitet hier immer wieder mit Farbfiltern, um die Energie des Bösen zu symbolisieren. Böse ist vor allem Christopher Lee als Dracula, der in diesem Teil so richtig wütend sein darf. Hat er im Vorgänger noch geschwiegen, weil ihm der Text nicht gepasst hat, ändert sich das hier wieder. Und auch wenn Lee die Rolle schon lange am Hals heraushing, hatte er immer genug Platz in seinem Portmonee, um doch noch mal zuzusagen. Eine Lustlosigkeit erkennt man hier jedenfalls nicht, ganz im Gegenteil. Lee liefert eine teuflisch gute Vampir-Performance. Sein Gegenspieler ist auch nicht gerade sympathisch. Rupert Davies als Bischof Monsignore Ernst Müller mag zwar was von Gott verstehen, Toleranz ist ihm aber fern. Ganz anders: seine Tochter Maria, die von Veronica Carlson verkörpert wird. Ihr Herzblatt Paul wird von Barry Andrews gespielt. Zusammen sorgen sie für die Liebe im Rahmen der Rache-Geschichte, die hier erzählt wird. Auch Michael Ripper gibt sich wieder die Ehre und darf als Wirt seinen Charme spielen lassen. 

    DRACULAS RÜCKKEHR ist ein weiterer gut aussehender Beitrag aus den Hammer-Studios. Inhaltlich gibt es nicht viel zu erleben, aber die Form und die vertrauten Klänge von James Bernard täuschen darüber hinweg.

    (Bjoern Candidus)

  • Sssssss, 1973 – ★★★

    Sssssss, 1973 – ★★★

    SSSSSNAKE KOBRA
    (SSSSSSS, USA, 1973, Regie: Bernard L. Kowalski) 

    Doktor Carl Stoner ist wahrlich kein Freund des Menschen. Er schätzt die Anwesenheit von Tieren, besonders die von Schlangen. Er schmiedet einen Plan: das perfekte Lebewesen schaffen. Für diesen Plan missbraucht er seinen neuen Assistenten, David. Ihm gegenüber behauptet er, dass er ihn mit Schlangengift immunisieren muss, damit er in seinem Labor arbeiten kann, doch in Wirklichkeit erfüllt die Spritzentherapie einen ganz anderen Zweck. 

    Im Bereich der Familie der Reptilien dürfte wohl kein Mitglied häufiger eine Rolle im Horrorfilm spielen wie die Schlange. Spätestens seit DAS SCHWARZE REPTIL (1965) von John Gilling dürfte die Anziehungskraft der schuppigen Würger oder Giftschleudern bekannt sein. William Grefe ließ es 1972 mit STANLEY zischen, bevor SSSSNAKE KOBRA auf den Plan gerufen wurde, der dennoch früh dran war, denn die große Welle sollte erst noch mit Filmen wie KILLERSCHLANGEN (1976), DIE SCHWARZE MAMBA (1981), KING KOBRA (1981), AVANAIDA (1983), DER BISS DER SCHLANGENFRAU (1988), DAS SCHLANGENMONSTER (1988) und MAMBA (1988) kommen. 

    Gut 14 Jahre nach seinem letzten Monsterfilm, THE GIANT LEECHES (1959), kehrte Bernard L. Kowalski zurück, um die nächste Stufe der Fauna des Schreckens zu präsentieren. Im Fall von SSSSSNAKE KOBRA wird die Fauna bewusst manipuliert, bzw. auf absonderliche Art mit der menschlichen Spezies kombiniert, damit etwas gänzlich Neues entsteht. Ein weiterer Beitrag in der Welt der Mad Scientists ist geboren. In diesem Fall könnte man von einem Dr. Moreau auf Schuppenbasis sprechen, denn es geht ja schließlich um Schlagen. Hier liegt auch die Stärke des Films: Die echten Schlangen sind gnädige Darsteller. Der obligatorische Python darf Menschen würgen und verschlingen, die Schwarze Mamba darf ihr Gift injizieren und die imposant große Königskobra darf jedem die Show stehlen. Wahnsinn, was die für eine Ausstrahlung hat. Der Film hält sich fast ausschließlich in einem ländlichen Rahmen auf, der für eine angenehme Atmosphäre sorgt. Da ist die Schlangenfarm und das Labor von Dr. Stone, ein Abnormitäten-Zirkus und ein kleiner Ort, wie man ihn davor und danach schon oft erlebt hat. Das typische Kleinstadt-Feeling mit schönen Frauen, Ärzten, Proleten und einem Sheriff ist hier also anzutreffen, aber gerät durch das eigentlichen Thema immer in den Hintergrund. Dr. Stone, seine Tochter Kristina und sein menschliches Versuchskaninchen David bestimmen die Handlung, und die tritt manchmal etwas auf der Stelle. Besonders die erste Hälfte des Films ist manchmal etwas zäh. Zumindest sorgt das sommerliche Natur-Ambiente und die schön ausgeleuchteten Aufnahmen in den Abendstunden immer dazu hinzugucken. Was von Beginn an gut funktioniert, ist der Score von Patrick Williams (CRY-BABY, 1990), der unheimlich im Hintergrund klimpert. Überhaupt liefert SSSSSNAKE KOBRA einiges für die Ohren, denn das Sounddesign der Tiergeräusche ist sehr dominant und teilweise unangenehm wirksam, besonders die Atemgeräusche der Königskobra sorgen für Gänsehaut. Etwas angestaubt wirken die Verwandlungseffekte und das Make-up, wenn es um den Schlangen-Mensch-Hybriden geht. Aber gut, man befindet sich hier im Jahre 1973, und da war man noch nicht ganz so verwöhnt. Bizarr ist die Kreatur auf jeden Fall. Gnädig ist auch die Wahl der Darsteller. Unser wahnsinniger Doktor, der eben nicht den typischen Bösewicht verkörpert, wird von Strother Martin (BROTHERHOOD OF SATAN, 1971) dargestellt, Kristina, seine Tochter, von Heather Menzies-Urich (PIRANHAS, 1978). Am bekanntesten dürfte allerdings Dirk Benedict (KAMPSTERN GALACTICA, 1978) sein, der hier grün wird. 

    SSSSSNAKE KOBRA bietet eine schräge Story, eine charmante 70er-Atmosphäre mit schönen Farben, wilden Sounds und diabolischen Schlagen. Auch wenn es hier und da etwas an Spannung mangelt, wird das Auge dennoch immer gut bedient.

    (Bjoern Candidus)

  • Kiss Daddy Goodbye, 1981 – ★½

    Kiss Daddy Goodbye, 1981 – ★½

    KISS DADDY GOODBYE
    (USA, 1981, Regie: Patrick Regan)

    Zwei Kinder, die telekinetische (in der dt. Synchronisation hört man sie sogar zusätzlich telepathisch sprechen) Fähigkeiten besitzen, rächen den Mord an ihrem Vater. Und das machen sie auf recht unkonventionelle Art, denn sie lassen einfach den toten Körper von Daddy auferstehen und steuern diesen. 

    Was sich gar nicht uninteressant anhört, ist leider nicht ganz so prickelnd von Regisseur Patrick Regan umgesetzt worden. 
    Der Film punktet mit seinem Kleinstadt-Küsten-Schauplatz und dem ein oder anderen atmosphärischen Moment, aber ist insgesamt sehr langweilig und spannungsarm inszeniert. Erschwerend ist noch der sehr nervige Score von David Spear. Die Kinderdarsteller sind steif und untalentiert, nerven aber dafür kaum, sieht man von der dt. Synchronisation ab. Immerhin gibt es ein Wiedersehen mit Marilyn Burns aus TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974), was schon etwas entschädigt. 

    Trotz einem interessanten Ansatz ist
    KISS DADDY GOODBYE nur ein öder Psi-Rache-Horrorfilm im Fahrwasser großer Namen, wie Stephen King, David Cronenberg und Brian De Palma, die die 70er- und 80er-Jahre mit Kindern und Erwachsenen mit übersinnlichen Fähigkeiten geprägt haben. 

    (Bjoern Candidus)

  • Dracula: Prince of Darkness, 1966 – ★★★½

    Dracula: Prince of Darkness, 1966 – ★★★½

    BLUT FÜR DRACULA
    (DRACULA, PRINCE OF DAKNESS, GB, 1966, Regie: Terence Fisher)

    Eine englische Reisegruppe gerät in Transsilvanien die Hände von Klove, dem Schloss-Verwalter des verstorbenen Grafen Draculas. Klove heißt die verirrte Reisegruppe erst herzlich willkommen, doch er plant mit ihrem Blut die Rückkehr seines Meisters. In der Nacht überwältigt er den Ehemann von Helen, tötet ihn und lässt mit seinem Blut Dracula wieder auferstehen. Doch wo die Mächte des Bösen schalten, sind auch die Mächte des Guten nicht weit. Der Abt Sandor steht bereit, dem Vampir zu vernichten. 

    Im Gegensatz zu DRACULA UND SEINE BRÄUTE (1960), der nur im Titel auf den Grafen verweist, ist BLUT FÜR DRACULA die direkte Fortsetzung um Christopher Lee als Dracula. Zum dritten Mal saß Terence Fisher auf dem Regiestuhl, um ein weiteres Vampir-Kapitel für die Hammer-Studios zu inszenieren. 

    Nach einem Rückblick auf das Ende von DRACULA (1958), in dem Van Helsing Dracula mithilfe des Sonnenlichts vernichten konnte, geht es in den gut bekannten Blackpark (Wexham, Buckinghamshire, England), wo eine Gruppe von Bauern, eine tote Frau, im Glauben sie sei von einem Vampir gebissen worden, pfählen wollen. Hier lernt man dann Abt Sandor kennen, der den Bauern klarmacht, dass sie falsch liegen und er ein christliches Begräbnis anordnet. Ein schöner Auftakt mit einem glänzenden Andrew Keir als Gotteskrieger. Ab dem Punkt wird die Inszenierung schleichend unheimlicher. Dass die Hauptattraktion, Dracula, erst ab der Hälfte seinen ersten Auftritt hat, fällt nicht groß ins Gewicht. Die unheimliche Atmosphäre, die Fisher erzeugt, steht für sich alleine und mit Klove wird der Graf gut vertreten. Philip Latham spielt den sinistren Verwalter sehr eindringlich. Auch die Schlossbauten führen wieder zurück zum Erstling von 1958. Der Kreis schließt sich ganz gut. Löblich ist auch das Aufgreifen des Renfield-Charakters, der im ersten Teil ausgelassen wurde. Hier heißt die Figur schlicht Ludwig und wurde vor zwölf Jahren vom Abt Sandor in seinem Kloster aufgenommen, nachdem er schreckliches in Carlsbad auf Schloss Dracula erlebt hat. Ludwig wird von Thorley Walters verkörpert, der leider eine sehr langweilige Performance abgibt. Mehr Profil bekommen Barbara Shelley, Suzan Farmer, Francis Matthews und Charles ‚Bud‘ Tingwell als Reisegruppe, die die schlimmste Nacht ihres Lebens erlebt. Und warum? Wegen ihm: Christopher Lee als Graf Dracula. Der sieht erst mal schön gruselig aus und verbreitet sofort schlechte Laune. Das liegt aber auch daran, dass er hier kein Wort spricht. Die Legende besagt, dass Lee der Text, den entsprechen sollte, zu dumm gewesen sei und deshalb auf diesen verzichtet hat. Wie auch immer es am Ende war, es stört überhaupt nicht, zumal er hier auch nichts zum reden hat, sondern aktiv zuschlagen kann. Man spendiert ihm sogar das aus Stokers Roman bekannte Brustblut-Vampir-Ritual. Insgesamt ist seine Spielzeit hier sehr knapp bemessen, aber wenn er sich zeigt, macht er stets einen guten Eindruck. 

    Aber BLUT FÜR DRACULA hat auch ein paar Schwächen. Die Spannung lässt tatsächlich etwas nach, nachdem Dracula erweckt wurde und sich die Inszenierung in das Kloster von Abt Sandor verlagert. Auch wenn der Film insgesamt hochwertig ausschaut, ist er von den ersten drei Filmen der Reihe, der visuell schlichteste. Ihm fehlt ein stückweit das märchenhafte seiner Vorgänger. 

    BLUT FÜR DRACULA startet als schleichender, atmosphärischer Gothic-Horrorfilm, dem ab der Mitte leicht die Wirkung verloren geht, aber immerhin den Prinz der Dunkelheit zurückbringt, der ziemlich griesgrämig aufgelegt ist. Für die prickelnden Klänge sorgt erneut James Bernard.

    (Bjoern Candidus)

  • The Brides of Dracula, 1960 – ★★★★

    The Brides of Dracula, 1960 – ★★★★

    DRACULA UND SEINE BRÄUTE
    (THE BRIDES OF DRACULA, GB, 1960, Regie: Terence Fisher)

    Marianne Danielle reist nach Transsilvanien, um ihre Stelle als Lehrerin in einem Mädchen-Pensionat anzutreten. Doch das Land ist geprägt von Aberglaube, was dazu führt, dass der Kutscher seine Fahrt in der Dunkelheit nicht fortsetzt. Marianne wird gezwungen, die Reise zu unterbrechen und in einem Wirtshaus einzukehren. Kurz darauf fährt eine weitere Kutsche vor, aus der die Baronin Meinster steigt. Als die Baronin Marianne begegnet, bietet sie der jungen Frau an, auf ihrem Schloss zu nächtigen. Trotz der Warnung der Wirtin, nicht mit der Baronin zu fahren, lässt sich Marianne nicht abhalten. Auf dem Schloss trifft Marianne dann auf Baron Meinster, der mit Ketten an den Füßen von seiner Mutter gefangen gehalten wird. Als ihn Marianne zur Flucht verhilft, ahnt sie nicht, welchen Schaden sie damit anrichtet. 

    Nach einer Einführung mittels Off-Kommentar über die unheimliche Gegend von Transsilvanien, dem Tod von Dracula und das Weiterleben seine Nachfolger, startet DRACULA UND SEINE BRÄUTE, der als zweiter Teil um Christopher Lee als Graf Dracula geplant war. Im Grunde ist es auch der zweite Teil, doch Lee taucht hier überhaupt nicht auf. In früheren Drehbuchfassungen sollte er als eine Art Geist am Ende einen Auftritt haben. Doch Lee hatte (angeblich) keine Lust auf die Rolle und so bleibt es hier lediglich bei zwei Erwähnungen des Namen Draculas. Dafür kehrt jemand anderes zurück in die Rolle, die er auch im Vorgängerfilm bekleidete: Peter Cushing als Professor Van Helsing. 

    Aber auch Terence Fisher kehrte zurück auf den Regiestuhl und setzte die inszenatorische Stärke seines Vorgängers fort. DRACULA UND SEINE BRÄUTE zeigt sich ab der ersten Minute an mit schaurig schönen Gothic-Horrorbildern. Düstere Gemäuer, bunte Bleiglasfenster und die unheimliche Landschaft Transsilvaniens dürften das Herz eines jeden Vampir-Fans in die Höhe schnellen lassen. Phantastische Studiokulissen in märchenhaften Farben und Matte Paintings bestimmen das Bild und halten die gruselige Atmosphäre hoch. Visuell kann man der Inszenierung wahrlich nichts vorwerfen und sie darf sich zu einer der schönsten Hammer-Produktionen zählen. Dafür scheint es inhaltlich manchmal ein bisschen zu haken. Die Story ist dabei weniger überzeugend und tritt manchmal etwas auf der Stelle. Der Ausgleich kommt aber mit den Figuren. David Peel tritt als Baron Meinster das Erbe von Christopher Lee an und gibt als blonder Vampir eine gute Performance ab. Die beiden alten Frauenzimmer, die ihn behüten, wirken allerdings noch unheilvoller. Baronin Meinster wird von Martita Hunt verkörpert, die eine höchst unangenehme Ausstrahlung mitbringt. Auch Freda Jackson tut als Handlangerin ihr Bestes, um hexenhaft zu wirken. Dynamisch und überzeugend wie eh und je ist Peter Cushing als Van Helsing, der gegen Ende erneut in den Action-Modus schaltet, wenn es um die Vernichtung des Vampirs geht. Eher beiläufig und irgendwie austauschbar, erscheint Yvonne Monlaur als Marianne Danielle. Und wer genau hinschaut, erkennt auch das Hammer-Urgestein Michael Ripper auf dem Kutschbock sitzen. 

    Ein unheilvolles Schloss,
    Fledermäuse mit leuchtenden Augen, heulende Wölfe, aggressive Vampire, sinistre Frauen und ganz viel Gruselatmosphäre bietet DRACULA UND SEINE BRÄUTE. 

    (Bjoern Candidus)

  • 93. Das Gesicht auf der Wand (1983)

    93. Das Gesicht auf der Wand (1983)

    DAS GESICHT AUF DER WAND

    Deutschland, 1983

    Regie: Dieter Finnern

    Bjoern Candidus und Patrick Siebold brechen wieder auf in die staubigen Gefilde deutscher TV-Produktionen.

    Diesmal sprechen sie über DAS GESICHT AUF DER WAND, in dem das Leben eines Mannes aus den Fugen gerät, an dessen Wand sich ein Fleck abzeichnet, der immer mehr die Form eines Gesichtes annimmt.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Vampyros Lesbos, 1971 – ★★★★½

    Vampyros Lesbos, 1971 – ★★★★½

    VAMPYROS LESBOS
    (Deutschland, Spanien, 1970, Regie: Jess Franco)

    Die Rechtsanwältin Linda Westinghouse soll für die ungarische Gräfin Nadine Carody nach Anatolien reisen, um sich um ihren Nachlass zu kümmern. Doch als Linda der schönen Gräfin begegnet, kommt sie ihr gleich bekannt vor, und zwar aus ihren sonderbaren Träumen, die sie seit einiger Zeit hat. Nachdem Gräfin Carody Linda betäuben kann, vollzieht sie an ihr das Blutritual, um sie in die Welt der Untoten mitzunehmen. Kurz nachdem Franco für Harry Alan Towers Stokers „Dracula“-Adaption NACHTS, WENN DRACULA ERWACHT drehte, hatte der Spanier für Artur Brauner und Karl Heinz Mannchen die Möglichkeit, die berühmte Geschichte in experimentellerer Form erneut zu erzählen. Dabei ist zufälligerweise einer seiner schönsten Filme entstanden.

    Der Film startet mit einer langen, aber sehr schönen Performance von Soledad Miranda und ihrer Gespielin, die sich ihrem homoerotischen Treiben hingeben und die Inszenierung knistern lassen. Hier werden bereits alle Sinne angeregt. Die experimentelle Bildsprache mit der Franco ans Werk geht verwandelt fast jeden Moment in einen traumartigen. VAMPYROS LESBOS ist wie ein Film aus einer Parallelwelt über eine Parallelwelt. Manfred Hübler und Siegfried Schwab kredenzen dazu ein tollen Score zwischen Easy Listening, Psychedelic-Jazz, Swing und orientalischen Klängen. Die musikalische Untermalung ist wirklich großartig und unterstreicht zu jeder Zeit die surreale Atmosphäre.

    Interessant ist Francos Herangehensweise in Bezug auf Stokers Roman, der rudimentär zu erkennen ist. Statt Jonathan Harker hat man hier Linda Westinghouse (Ewa Strömberg), die als Anwältin den Nachlass von Gräfin Nadine Carody verwalten soll. Auch der Renfield-Part ist diesmal weiblich und heißt Agra (Heidrun Kussin), während bei Dr. Seward (Dennis Price) lediglich der Vorname John in Alwin geändert wurde. In Dr. Seward fließt aber gleichzeitig auch die Figur des Professor Van Helsing mit ein. Dafür ist mit Dr. Steiner (Paul Muller) die Figur eines Analytikers dabei. Und weil es immer wieder schön ist, ihn zu sehen, gibt sich auch Jess Franco selbst die Ehre und übernimmt den Part von Memmet, dem Mann von Agra. Über all denen thront natürlich die schöne Soledad Miranda als ungarische Vampirgräfin Nadine Carody. 

    Dass Vampire mitnichten im Sonnenlicht oder beim ersten Hahnenschrei zu Staub zerfallen, was von Stoker in „Dracula“ auch nicht behauptet wurde, wird auch hier nicht berücksichtigt. Die Inszenierung findet fast nur im Tageslicht oder zumindest in sehr hell ausgeleuchteten Sets statt, wenn es nicht gerade wieder zum Einsatz von Rotlicht kommt. Die Schauplätze sind abwechslungsreich und führen einen nach Istanbul und Alicante, wo schöne Architekturen auf einen warten. 

    VAMPYROS LESBOS ist wie ein Urlaub am Meer, der mit einem gewaltigen Fiebertraum aus Sex, Erotik, Blut und schönen Frauen einhergeht. Prächtig. 

    (Bjoern Candidus)

  • Venom, 1981 – ★★★½

    Venom, 1981 – ★★★½

    DIE SCHWARZE MAMBA
    (VENOM, GB, 1981, Regie: Piers Haggad)

    Der kleine Philip Hopkins holt seine Schlange ab. Bei dieser Art soll es sich um eine harmlose Schlange handeln, die er in seinem Terrarium halten kann. Zur gleichen Zeit planen zwei Kriminelle die Entführung des Jungen im Haus seiner wohlhabenden Familie. Eine dritte Person ist in diesem Plan involviert: das Hausmädchen Louise. Zwar geht der Plan auf, ins Haus zu kommen, den Jungen und zwangsläufig seinen Großvater festzusetzen, aber dann macht ihnen die Schlange einen Strich durch die Rechnung. Die angeblich harmlose Schlange stellt sich nämlich als eine schwarze Mamba heraus, eine der giftigsten Schlangen der Welt. Als Louise von der Mamba gebissen wird, entkommt das Tier und versteckt sich im Haus.

    Ursprünglich saß Tobe Hooper auf dem Regiestuhl von DIE SCHWARZE MAMBA, doch nach einigen Drehtagen kam es zu kreativen Differenzen und Hooper packte die Koffer. Kurzfristig übernahm dann Piers Haggad (IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS, 1971) die Regie. 

    Mit Klaus Kinski und Oliver Reed konnte man gleich zwei sehr gute Schauspieler gewinnen, die den Dreh allerdings nicht gerade vereinfachten. Beide kamen miteinander wohl nicht wirklich zu recht, was zumindest auch zu den Rollen passt, die sie hier verkörpern. Aber auch die restlichen Darsteller, wie Susan George, Sarah Miles, Sterling Hayden und Nicol Williamson können sich sehen lassen. 

    Aber DIE SCHWARZE MAMBA wird nicht nur durch die Besetzung und durch die geschickte Kombination aus Entführungs-Thriller- und Tier-Horrorfilm-Elementen zu einem sehenswerten Film. Bereits von Beginn an, wo die Inszenierung durch Außendrehs noch etwas weitläufiger ist, bevor sie zu einem beklemmenden Kammerspiel wird, zeichnet sich die ordentliche Fotografie von Gilbert Taylor ab, die auch im späteren Verlauf noch an Wirkung zulegt. Die Mamba wurde sehr wirkungsvoll eingefangen, bekommt ein paar richtig gute Biss-Attacken spendiert und lässt den Zuschauer immer wieder durch ihre Ego-Perspektive blicken. Das sorgt für einige spannende Momente. Die Gefahrenlage ist hier überall zu spüren. Draußen ist das Haus umstellt von der Polizei, drinnen ist die Mamba los und eine Geiselnahme findet statt, ausgeführt von zwei Kriminellen, die die Kontrolle über die Situation verlieren. Haggad gelingt es, all das gut zu verarbeiten und lässt bei der Fülle von Problemen keine Langeweile aufkommen. Abgerundet wird das Ganze mit einem Score von Michael Kamen, der die düsteren Bilder passend untermalt.

    DIE SCHWARZE MAMBA ist ein spannendes Thriller-Kammerspiel mit guten Darstellern und einem hochgiftigen Tier, was glänzend inszeniert wurde. Die fragwürdigen, teils unlogischen Momente, fallen kaum ins Gewicht, da der Unterhaltungsfaktor ohnehin gewichtiger ist.

    (Bjoern Candidus)