Autor: marco-fritz

  • Faceless, 1988 – ★★★★

    Faceless, 1988 – ★★★★

    FACELESS
    (Spanien, Frankreich, 1988, Regie: Jess Franco) 

    Als sich eine Frau für ihre misslungene Gesichts-OP bei dem Arzt Dr. Flamand mit einem Säureattentat rächen will, bekommt die ätzende Lösung seine Schwester ins Gesicht. Diese ist fortan verzweifelt, was ihr Bruder mit allen Mitteln ändern will. Er entführt Frauen, um mit ihren Gesichtern das Gesicht seiner Schwester wiederherzustellen. Dafür benötigt er aber die Hilfe eines ehemaligen KZ-Arztes. Zur gleichen Zeit ermittelt ein Privatdetektiv im Fall einer verschwundenen Frau.

    FACELESS ist ein weiterer Film von Jess Franco, den ich Leuten empfehlen würde, die mit dem Gros seines Werks nichts anfangen können, aber dennoch aufgeschlossen sind. Der Film hebt sich visuell deutlich von seinem Gesamtwerk ab, was natürlich auch daran liegt, dass man sich hier Ende der 80er-Jahre bewegt und gewisse Strömungen einfach verebbt waren. Außerdem ist bei Franco meist der Produzent ausschlaggebend. Francos Filmografie kann man sehr gut in Produzenten einteilen, um schnell zu wissen, was einen in etwa erwartet. Hier war es (einmalig) René Chateau, der auch die Story schrieb, die an Jean Redons „Les Yeux sans visage“ angelehnt wurde, die Franco bereits mit SCHREI IN DER NACHT (1962) verfilmte. Sehr viel populärer ist natürlich Georges Franju Adaption AUGEN OHNE GESICHT (1960).

    FACELESS ist quasi die moderne, die 80er-Jahre-Schickimicki-Version mit Schönheitsops reicher Damen mit Föhnwellen, Make-up-Bergen und bunten Blusen, durchgeführt von schnöseligen Männern in Anzügen und Trenchcoats. Und nicht zu vergessen: einem Naziarzt, der Mengele zum Kollegen hatte und hier sein Können in Gesichtschirurgie unter Beweis stellt. Richtig hart und blutig, wenn auch nicht immer überzeugend umgesetzt, sind die Gore-Effekte. In Sachen graphischer Gewalt war Franco nie expliziter unterwegs und übertrumpft sogar seinen Slasher DIE SÄGE DES TODES (1981). Ein Säure-Attentat, eine Nadel, die ins Auge gerammt wird, Gesichtshautentfernungen, eine Enthauptung mit anschließender Liebkosung des Kopfes, sexuelle Übergriffe usw. finden hier statt, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Manches wirkt zu krude, um zu überzeugen, dennoch wird der Gore-Freund gut bedient. 

    Was in FACELESS aber am auffälligsten ist und den größten Spaß bringt, ist die Besetzung. Abgesehen von Howard Vernon, der kurz als Dr. Orloff zu sehen ist und im Franco-Universum quasi zum guten Ton gehört, geben sich Helmut Berger, Telly Savalas und Anton Diffring die Ehre. Helmut Berger ist als Schönheitschirurg Dr. Flamand natürlich ganz prächtig besetzt. Telly Savalas befindet sich in seiner Rolle als Vater in Sorge leider nur in seinem Büro und telefoniert, während sich Anton Diffring als Nazi-Arzt Dr. Karl Hans Moser als darstellerisches Highlight des FIlms entpuppt. Unangenehm wird es auch mit Gérard Zalcberg als Gordon, der hier die Leichen entsorgt und/oder schändet. Christopher Mitchum geht hingegen als Privatdetektiv Sam Morgan fast unter. Und dann ist da noch die Damenwelt, die bei Franco natürlich besonders wichtig ist. Gleich drei Euro-Grazien dürfen mit Schönheit und Charme aufwarten: Brigitte Lahaie, Caroline Munro und Stéphane Audran. Leider nur ganz kurz im Bilde: Francos Ehefrau Lina Romay. Und wo viele Frauen sind, gibt es natürlich auch reichlich Erotik, vor allem von Brigitte Lahaie, die hier nichts anbrennen lässt.

    FACELESS bietet nicht nur glänzende Darsteller und harten Gore, sondern hat auch ein paar sehr atmosphärische Momente zu bieten. Schön ist Paris am Abend, wenn die Weihnachtsbeleuchtung das nahende Fest der Liebe verrät oder man Berger mit seinen Damen beim Shopping sieht. Über diese Szenen wird dann entsprechende Musik gelegt, wie der ständig ertönende Popsong „Faceless“.

    Auch wenn FACELESS nicht immer rund läuft, ist er doch ein sehr unterhaltsamer Horror-Thriller mit vielen blutigen Schauwerten und einer sehr sehenswerten Besetzung. Definitiv ein besonderer Franco. 

    (Bjoern Candidus)

  • Satan’s Slave, 1976 – ★★★½

    Satan’s Slave, 1976 – ★★★½

    SKLAVIN DES SATANS
    (SATAN‘S SLAVE, GB, 1976, Regie: Norman J. Warren) 

    Auf der Fahrt zu ihrem Onkel haben Catherine und ihre Eltern einen Autounfall. Ihre Eltern sterben. Catherine kommt bei ihrem Onkel Alexander und ihrem Cousin Stephen unter, die sie beide noch nicht richtig kennt. Sie findet Vertrauen bei ihrer Verwandtschaft. Doch ein düsteres Geheimnis lastet auf der Familie York. Catherine findet heraus, dass sie sich nicht zufällig im Schoße ihres Onkels und Cousins befindet. 

    Norman J. Warren legt mit SKLAVIN DES SATANS seinen ersten Horrorfilm vor. Er springt auf der damals sehr angesagten Okkult-Horror-Welle auf und serviert sämtliche Klischees, die man erwarten darf. Warren hat ein Händchen für Pulp-Horror, den er hier adäquat in Szene setzt. Zudem ist der Drehbuch-Autor niemand geringeres als David McGillivray, der für Pete Walker z.b. an DAS HAUS DER PEITSCHEN (1974) und DAS HAUS DER TODSÜNDEN (1976) in die Tasten schlug. An Teufelshorror mangelte es dem britischen Horror-Kino nicht. Die Hammer-Studios servierten DIE BRAUT DES TEUFELS (1968) und DIE BRAUT DES SATANS (1976). Filme wie VIRGIN WITCH (1972), DER TEUFEL IN IHR (1975), DAS HAUS DES SATANS (1978) und HORRORBABY (1980) reihten sich ein, um den Teufel und sein höllisches Gesindel tanzen zu lassen. 

    Sex, Gewalt und Schwarze Messen bestimmen das Geschehen in SKLAVIN DES SATANS, außerdem geht es teilweise äußerst sadistisch und blutrünstig zu. Ein Körper platzt auf, ein Auge wird eingestochen… Der Gore-Freund darf sich freuen, ebenso der Freund des Kutten-Horrors. Die herbstliche Kulisse des englischen Landstrichs, in dem Alexander York und sein Sohn Stephen in einem geräumigen Haus auf dem Land mit riesigem Park residieren, ist nichts Neues im britischen Kino, bereitet mir aber immer großes Vergnügen. Es ist eine eigene Welt, ob bei Hammer, Tigon oder Amicus. 

    Auf den Freund des Okkulten wartet eine Ziegenkopfmaske, Rituale, nacktes Fleisch und Wahnsinn unter Kutten, untermalt von einem stimmigen Score von John Scott. Gut tut dem Film auch seine Besetzung. Michael Gough als Alexander York ist richtig fit und erweckt mit Schnauzer einen ganz neuen Eindruck. Auch Martin Potter (JUSTINE – GRAUSAME LEIDENSCHAFT, 1977) als Stephen York, ein sadistischer, egozentrischer, machtgeiler Dandy, ist bestens gewählt. Seine bösen Augen machen was her. Die weibliche Front wird von Candace Glendenning (TURM DER LEBENDEN LEICHEN, 1972) und Barbara Kellerman (MONSTER CLUB, 1981) bekleidet, die ebenfalls eine sehr gute Wahl sind. 

    Auch wenn Warren mit SKLAVIN DES SATANS keine Innovationen oder Überraschungen bietet und die Story manchmal etwas auf der Stelle tritt, kann er mit seinem Mix aus vertrauten Zutaten genug Punkte sammeln, um zu unterhalten. 

    (Bjoern Candidus)

  • Surf Nazis Must Die, 1987 – ★★★

    Surf Nazis Must Die, 1987 – ★★★

    SURF NAZIS MUST DIE
    (USA, 1987, Regie: Peter George)

    Nachdem ein starkes Erdbeben im Großraum von Los Angeles gewütet hat, brechen dort neue Zeiten an. Die Ordnung gerät außer Kontrolle und gerät immer mehr in die Hände von Gangs, die das heruntergekommene L.A. beherrschen. Eine dieser Gangs sind die Surf Nazis, die sich als die neue Ordnung aufspielen. Aber da sind auch die Pipeliners, die Samurai Surfers, die Designer Waves oder die Skate Rats, die die Strände unsicher machen und immer mehr in einen Ort der Gewalt verwandeln. Als die Surf Nazis einen Schwarzen töten, schwört die Mutter des Jungen Rache. 

    Manche Filme brauchen nichts weiter als eine coole Ausstattung, räudige Figuren mit abgefahrenen Klamotten, die wie eine Reise durch die Subkultur der 80er-Jahre aussehen, blutige Gewalt und einen perfekt passenden Score. All das bekommt man mit SURF NAZIS MUST DIE. 

    Regie hat hier Peter George geführt, der auch als ausführender Produzent fungierte. Vertrieben wurde der Film schließlich von Troma, was ziemlich passend ist. SURF NAZIS MUST DIE ist unglaublich inhaltsleer und doch konnte ich mich zu jeder Zeit an den Bildern laben, die einem so hart die 80er-Jahre ins Gesicht pfeffern, dass es mir eine wahre Freude war. Die Ausstattung und Garderobe der jeweiligen Gangs ist vorzüglich. Alles ist bunt gemixt, vom Punk zum Nazi bis hin zum Skater. Das Make-up ist schick, die Frisuren sind durchgestylt. Besonders viel Aufmerksamkeit bekommen natürlich die Surf Nazis. Mit Skinheads hat man es nicht zu tun, dafür haben sie Namen wie Adolf, Eva, Goering und Mengele. Auch hier wird der Klamotten-Kodex wild gemischt, und Adolf sieht aus wie ein Deluxe-Hipster heutiger Tage. Als Erkennungszeichen gibt es ganz einfach das Hakenkreuz (in leicht abgeänderter Form). Stumpfsinniges Gelaber wechselt sich ab mit garstigen Verhalten, was ab der Mitte immer brutaler bis tödlich wird. Und so ist SURF NAZIS MUST DIE auch immer in Bewegung, manchmal allerdings auch in Zeitlupe, wenn zum x-ten Mal jemand mit dem Surfbrett über die Wellen reitet. Hin und wieder schleicht sich schon ein bisschen Langeweile ein, aber auch in diesem Momenten ist man immer gut bedient mit dem Synthesizer-Score von Jon McCallum. Viel überflüssiger ist die Eine-Mutter-rächt-sich-für-den-Mord-an-ihrem-Sohn-Angelegenheit, die in einer albernen Rache-Nummer endet. Aber da hier alles albern ist, fällt auch das nicht weiter ins Gewicht.

    Auch das Strand-Setting macht was her, erweckt Erinnerungen an den Sommer und passt perfekt zum 80er-Jahre-Feeling, was jeder Zeit aufkommt. Ansonsten bewegt man sich in heruntergekommenen Fabrikgeländen oder Lagerhallen, ist aber weit entfernt von irgendeinem Katastrophengebiet, was das Erdbeben hinterlassen hat. Aber das dürfte natürlich dem schmalen Budget geschuldet sein. Die Action-Szenen sind billiger Machart, aber auf ihre simple Art dennoch effektiv, und manchmal gibt es sogar ein bisschen Gore. 

    SURF NAZIS MUST DIE ist völlig sinnbefreites Exploitation-Kino mit comicartigen Figuren in coolen Klamotten und einem richtig guten Score. Hirn aus, Film ab! 

    (Bjoern Candidus)

  • The Hooked Generation, 1968 – ★★★½

    The Hooked Generation, 1968 – ★★★½

    DIE GIERIGEN
    (THE HOOKED GENERATION, USA, 1968, Regie: William Grefé)

    Eine Gruppe von Drogenschmugglern bringt im Drogenrausch kubanische Dealer auf ihrem Boot um. Sie schaffen die Leichen auf das andere Boot, was sie anschließend anzünden. Am anderen Tag werden sie von der Küstenwache überprüft. Die Situation gerät außer Kontrolle und es kommt zu einer Schießerei.

    Wenn es im Werk von William Grefé einen gemeinsamen Nenner gibt, dann ist es das Setting: die Everglades. Und so startet auch DIE GIERIGEN in den Sümpfen Floridas. Doch statt eines abenteuerlichen Horrorfilms im Stile von STING OF DEATH (1965) oder DEATH CURSE OF TARTU (1966) erwartet einen hier ein ziemlich dreckiges Drogen-Schmuggel-Exploitation-Drama. 

    Drogenkonsum, Vergewaltigung und Mord ziehen sich durch einen ziemlich handlungsarmen Film, der vor allem darauf bedacht ist, drei Arschlöchern zu folgen, die Menschen Übles antun. Nicht nur einmal werden hier Erinnerungen an Filme wie LAST HOUSE ON THE LEFET (1972) wach. Hier sind es die Drogenschmuggler Daisy, Acid und Dum Dum, die eine blutige Spur durch die Everglades ziehen und ihre Geiseln, ein Touristenpärchen, foltern und demütigen, nachdem sie eine Drogenbande und die Küstenwache massakriert haben. Ab der Mitte, wenn das FBI eingeschaltet ist, schlägt man sich zu Fuß durchs Gestrüpp, wo es zu weiteren Konflikten kommt , die zu einem nadelspitzen Finale führen. 

    Grefé liefert hier wirklich üble Figuren, die man nur hassen kann. Die Gewalt ist für 1968 verdammt grob. Ein Harpunen-Schuss und Messerstiche in den Magen, Schießereien und sexuelle Übergriffe stehen auf dem Plan, dazu Drogenkonsum soweit das Auge reicht. 

    Bei Grefé kann man sich nie sicher sein, was man bekommt, und so hat mich DIE GIERIGEN wieder überrascht, denn so ein fieses, dreckiges Filmchen hatte ich nicht erwartet. 

    (Bjoern Candidus)

  • Frightmare, 1983 – ★★

    Frightmare, 1983 – ★★

    THE HORROR STAR
    (FRIGHTMARE, USA, 1983, Regie: Norman Thaddeus Vane)

    Die Filmwelt trauert, denn der große Horrorstar Conrad Radzoff ist gestorben. Das ruft eine Gruppe Filmstudenten auf dem Plan, die die Leiche des Filmstars, aus der Gruft entwenden und mit ins Stundenwohnheim nehmen. Dort beschließen sie mit der Leiche eine Party zu feiern. Als am anderen Tag der Diebstahl der Leiche auffliegt, ermittelt die Polizei, doch die stellt sich als kleinstes Problem heraus, denn wer die Totenruhe stört, muss dran glauben. Conrad Radzoff kommt als Vampir zurück in die Welt der lebenden, um Rache an den Studenten zu nehmen. 

    Immer wieder gibt es im Horrorkino Filme, in denen das Genre oder der Star selbst zum Inhalt wird. In BEWEGLICHE ZIELE (1968) ist es Boris Karloff, der sich zu alt für das neue Horrorkino fühlt, in DAS SCHRECKENSHAUS DES DR. DEATH (1974) versucht es Vincent Price als Paul Toombes noch mal im Genre Fuß zu fassen. In THE HORROR STAR ist es Ferdy Mayne, der zwar schauspielern möchte, doch plötzlich stirbt. Verewigt hat sich Ferdy Mayne natürlich mit seiner Rolle als Graf Krolok in Roman Polanskis TANZ DER VAMPIRE (1967), und so verwundert es kaum, dass er hier ebenfalls als Vampir verkleidet auftaucht. Erneut macht er in dieser Rolle auch einen ordentlichen Eindruck, wenn auch mit Augenzwinkern.

    Allzu viel Gutes lässt sich über THE HORROR STAR leider nicht sagen, allzu viel Schlechtes aber auch nicht. Regie führte Norman Thaddeus Vane, der es nur zu einer kleinen Handvoll Filmen brachte. Man erkennt durchaus den guten Willen für Atmosphäre und Set-Design. Besonders die Gruft hat ein paar skurrile Features zu bieten. Im Studentenwohnheim versucht man es dann mit Nebel und einem sonderbar verrauscht und unterdrückt klingenden Score, um die Geisterbahn anzuleiern. Die Studenten sind die üblichen Dummköpfe, von denen ich allerdings schon schlimmere ertragen musste, und immerhin ist ein junger Jeffrey Combs an Bord. Sie alle sind letztlich nur Austauschware, die ohnehin nur dazu dient, blutig aus dem Leben zu treten. Es gibt ein paar nette Kills. Conrad Radzoff verbrennt jemanden bei lebendigem Leibe im Ofen des Krematoriums, reißt einem anderen die Zunge heraus oder führt eine Enthauptung durch. Der Vampir wird quasi zum zeittypischen Slasher-Killer, allerdings ohne auch nur im Ansatz die Wirkung eines Michael Myers oder Jason Voorhees zu erzielen. Nebenbei gibt es noch ein Medium, das Kontakt zu der Seele des verstorbenen Radzoff aufnimmt, um den Bestimmungsort der Leiche zu ermitteln. Außerdem sind die zahlreichen Horrorfilmplakate von TANZ DER VAMPIRE bis WOODOO – SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES nettes Beiwerk, was den Fan erfreuen kann. Und selbst Christopher Lee gibt sich die Ehre, wenn auch nur auf einem Fernseher, auf dem SCHLECHTE ZEITEN FÜR VAMPIRE (1959) läuft. Lee war angeblich erst für die Rolle des Radzoff im Gespräch. 

    Das Hauptproblem von THE HORROR STAR ist Spannungsarmut, nervige Figuren und der misslungene Ansatz von Ironie. Andererseits tut der Film auch nicht weh und bietet spaßige, hirnlose Horror-Unterhaltungen mit einer netten 80er-Jahre-Patina. 

    (Bjoern Candidus)

  • 94. My Bloody Valentine (1981/2009)

    94. My Bloody Valentine (1981/2009)

    In unserem kleinen Valentinstag-Spezial ist Marco Fritz alleine unterwegs, um George Mihalkas Horror-Slasher MY BLOODY VALENTINE (1981) und dessen Remake aus dem Jahr 2009 zu besprechen. Mit wie vielen Herzen er aus dieser Besprechung heraus geht, könnt ihr ab Freitag, den 14.2.2025 herausfinden.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Under the Bed, 2012 – ★★★

    Under the Bed, 2012 – ★★★

    UNDER THE BED – ES LAUERT IM DUNKELN 
    (UNDER THE BED, USA, 2012, Regie: Steven C. Miller)

    Nach dem Unfalltod seiner Mutter hat Neal einige Zeit bei seiner Tante verbracht. Als er zu seinem Vater zurückzieht, der nun mit seiner Stiefmutter zusammenlebt, muss er gemeinsam mit seinem kleineren Bruder Paulie gegen eine Kreatur kämpfen, die unter ihrem Bett haust und in der Dunkelheit herauskommt.

    Noch bevor die STRANGER THINGS-Gören die Mattscheibe betraten, um die 1980er-Jahre nachzuzeichnen, hatte Steven C. Miller einen ähnlichen Plan. In den 80er-Jahren bewegt man sich in dieser Independent-Produktion zwar nicht, aber Filme wie POLTERGEIST (1982), THE GATE (1987) oder MONSTER BUSTERS (1987) standen für UNDER THE BED offensichtlich Pate. Doch bei Millers Film gibt es einen eklatanten Unterschied: das Fehlen jeglichen Humors. Stattdessen hat man es mit einem depressiven Jugendlichen zu tun, der in erster Linie in Sorge um seinen kleinen Bruder ist. Zwei Jungen, die versuchen, den Tod ihrer Mutter zu verarbeiten und einen von Wutausbrüchen gezeichneten Vater zu ertragen und nebenbei gegen ein Monster unter dem Bett kämpfen, ruft mehr Stephen King auf den Plan. Die Ernsthaftigkeit tut UNDER THE BED gut, und mit Jonny Weston als Neal und Gattlin Griffith als Paulie hat man zwei annehmbare Jungdarsteller gecastet, die ziemlich natürlich geraten sind. 

    Das schmale Budget (1 Millionen US-Dollar) wurde gut verteilt. Man spart an Schauplätzen, hat spärlich eingerichtete Räume, liefert aber zum Ausgleich meist praktische Effekte und einen Mann im Monsterkostüm für den Retrocharme. Der Film ist insgesamt recht düster gehalten, wovon vor allem die Horror-Szenen profitieren, in denen man nie zu viel sieht. Miller hält die Atmosphäre aufrecht, liefert sehr dosiert den ein oder anderen Schock-Effekt, aber fokussiert sich in erster Linie auf Neal und Paulie. 

    Es gibt kleinere Hänger in der Mitte und die Darstellung des Vaters ist etwa überzogen, aber unter dem Strich ist Miller mit UNDER THE BED ein ordentlicher Teenager-vs.-Monster-Horrorfilm gelungen, der bekannte Zutaten nutzt, ohne sie auszureizen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Jack the Ripper, 1988 – ★★★★

    Jack the Ripper, 1988 – ★★★★

    JACK THE RIPPER – DAS UNGEHEUER VON LONDON 
    (JACK THE RIPPER, GB, 1988, Regie: David Wickes)

    In London geht die Angst um: ein geheimnisvoller Killer hat es auf Prostituierte abgesehen, die er auf grausame Art tötet. Inspector Frederick Abberline steht unter Druck, denn die Bürger der Stadt fühlen sich nicht mehr sicher und lassen es die Polizei wissen. Ein Klima aus Verdächtigungen und Misstrauen entsteht. 

    Nach zahlreichen Jack the Ripper – Adaptionen, mit schwankender Qualität oder freien Ansätzen ist mit JACK THE RIPPER – DAS UNGEHEUER VON LONDON eine ziemlich adäquate Umsetzung entstanden. Regie führte David Wickes, der den Stoff bereits 1973 als Mehrteiler adaptierte. Nach 1988 folgten zwei klassische Horrorstoffe: JEKYLL UND HYDE (1990) mit Michael Caine und DR. FRANKENSTEIN (1992) mit Randy Quaid als das Monster. 

    JACK THE RIPPER – DAS UNGEHEUER VON LONDON zeichnet sich vor allem durch hervorragende Schauspielern aus. Michael Caine als Inspector Frederick Abberline ist ganz zauberhaft getroffen. Caine ist die Figur regelrecht auf den Leib gebügelt. Hilfe kommt von Lewis Collins als Sergeant George Godley. Ganz faszinierend ist das Spiel von Armand Assante als Richard Mansfield, der sich während des Bühnenstücks „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ in eben diesen verwandelt. Da war nicht nur das Publikum im Film sprachlos, sondern auch ich als Zuschauer. Ken Bones verstrahlt seine Aura und schwebt fast über den Boden als Wahrsager und Medium Robert James Lees. Die weibliche Seite wird mit Susan George und Jane Seymour bekleidet. Aber nicht nur die Besetzung ist eine Augenweide, sondern auch das Erscheinungsbild der Inszenierung. Für eine TV Produktion hat dieser Zweiteiler fast Kino-Qualität, vor allem wenn man das Entstehungsjahr 1988 bedenkt. Die Ausstattungen, die Kostüme, die Kulissen und das ganze Drumherum ist authentisch, nie übertrieben oder lächerlich. Dazu liegt eine spürbare Spannung in der Luft, die vor allem in den Mord-Szenen richtig zur Geltung kommt. Man hat sogar an kleine Gewaltspitzen gedacht, die aber fernsehtauglich kurzgehalten wurden.

    JACK THE RIPPER – DAS UNGEHEUER VON LONDON ist vielleicht die stimmigste Adaption einer der faszinierendsten Mordserien überhaupt. Drei Stunden Mörderjagd ohne Langeweile mit einem sehr befriedigenden Ende. Sehr gut. 

    (Bjoern Candidus)

  • Sartana in the Valley of Death, 1970 – ★★

    Sartana in the Valley of Death, 1970 – ★★

    DER GEFÜRCHTETE
    (SARTANA NELLA VALLE DEGLI AVVOLTOI, Italien, 1970, Regie: Roberto Mauri)

    Der gesuchte Lee Calloway, auf dem ein Kopfgeld von 10.000 Dollar ausgeschrieben wurde, befreit die Brüder Craig aus dem Gefängnis, um als Gegenleistung von ihrer Beute zu profitieren, die sich versteckt hält. Anfänglich scheint der Plan aufzugehen, doch die Gebrüder Craig haben gar keine Lust zu teilen.

    Roberto Mauri (NACKT UNTER AFFEN, 1968) schickt den wunderbaren William Berger in den Staub, dessen Charisma hier das einzige Mittel ist, um die Inszenierung nicht ganz in der Eintönigkeit versumpfen zu lassen. Berger macht eine gute Figur, ist cool, grinst verschmitzt, aber er ist kein Hill, Nero oder Tomás Milián, die die Erde mit ihrer reinen Anwesenheit zum beben bringen. Berger als Lee Calloway ist speziell, ein Schelm, dem man nicht trauen darf. Ziemlich austauschbar und wenig charakterstark sind die Gebrüder Craig, die nicht gerade dafür sorgen, dass man sich an sie erinnert. Immerhin ist noch Luciano Pigozzi an Bord, den ich immer gerne sehe. 
    Überhaupt sorgt hier nichts dafür, dass man sich an DER GEFÜRCHTETE erinnert. Visuell ist die Inszenierung wenig beeindruckend. Alles sieht fade und unspektakulär aus. Immerhin macht das recht grüne Setting etwas her, und wenn kurz ein Sturm aufzieht, zeichnet sich sowas wie Atmosphäre ab. Schießereien, Faustkämpfe und das übliche Sprücheklopfen sind kaum der Rede wert, ebenso der Score von Augusto Martelli, der sogar ins Mikro singt. 

    DER GEFÜRCHTETE ist ein belangloser Italowestern aus der zweiten Klasse, der lediglich mit William Berger ein bisschen Spaß bringt.

    (Bjoern Candidus)

  • Taste the Blood of Dracula, 1970 – ★★½

    Taste the Blood of Dracula, 1970 – ★★½

    WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA?
    (TASTE THE BLOOD OF DRACULA, GB, 1970, Regie: Peter Sasdy)

    Nachdem Freddie Francis den vierten Teil der Hammer-Studios inszenierte, wanderte das Regiezepter für den fünften Beitrag an Peter Sasdy (COMTESSE DES GRAUENS, 1971), der hier seinen ersten Film für das Studio inszenierte. 

    Auch hier lässt sich kaum etwas Negatives über die Form sagen. Die Fotografie ist gut, die Ausstattung stimmt, die Sets, wie der Friedhof, die verwahrloste Kirche und das Bordell sorgen für Atmosphäre. Der Style von DRACULAS RÜCKKEHR (1968) wird anfänglich gut herübergerettet und dann leicht modernisiert. Auch James Bernard lässt seine vertrauten Klänge aufschreien. Schon die Eröffnungsszene, die direkt zum Ende des Vorgängers führt und so beide Teile verbindet, ist spannend inszeniert. Anfänglich ist man hier noch in Carlsberg, doch nach dem Tod von Dracula gerät sein getrocknetes Blut nach England, wo es in die Hände eines jungen Lords gerät. Dieser animiert drei feine Herren zu einer Schwarzen Messe, um Graf Dracula wieder auferstehen zu lassen. Doch bei der Aktion kommt es zu Schwierigkeiten und der Lord wird im Affekt von den Männern getötet. Während die Männer das Weite suchen, befindet sich Dracula auf den Weg zurück in die Welt der Lebenden. Und wenn Christopher Lee mit schwarzrotem Cape wieder aufersteht, scheint die Welt des Fans kurz in Ordnung zu sein. Kurz. War schon Draculas Rache-Geschichte in DRACULAS RÜCKKEHR etwas fragwürdig, ist sie hier komplett absurd. Dracula will sich für den Tod seines Dieners Lord Courtley rächen, dem er nie begegnet ist (Mutmaßung). Dracula sucht also drei Männer auf, um sich an ihnen zu rächen. Aber der Weg geht natürlich über ihre Töchter. Das bringt eine neue Liebesgeschichte mit, die sich diesmal zwischen Paul (Anthony Higgins) und Alice (Linda Hayden) abspielt. Die drei Biedermänner, die stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf den Putz hauen, werden von Geoffrey Keen, Peter Sallis und John Carson dargestellt, während Ralph Bates in die Rolle von Lord Courtley schlüpft. Die Besetzung stimmt, doch die Story will einfach nicht zünden. Stattdessen braucht man erst mal 45 Minuten, um Dracula zu zeigen, was in BLUT FÜR DRACULA noch funktioniert hat. Dann erlebt man einen ziemlich gelangweilt Christopher Lee als Dracula, der überall mal auftaucht, den ein oder anderen Tropfen Blut zu sich nimmt und seinem Racheplan folgt. Das Ganze gipfelt dann in einem Finale, in dem sich Dracula nicht gerade mit Ruhm bekleckert. 

    WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? bietet mehr Erotik und mehr Gewalt als seine Vorgänger, schwächelt aber nach einer starken Eröffnungsszene und lässt Lee als Dracula fast verkommen. Visuell kann sich die Inszenierung dennoch sehen lassen. 

    (Bjoern Candidus)