Autor: marco-fritz

  • Scalps, 1983 – ★★★

    Scalps, 1983 – ★★★

    DER FLUCH DES BLUTIGEN SCHATZES
    (SCAPLS, USA, 1983, Regie: Fred Olen Ray)

    Der Archäologieprofessor Machen ist ganz wild auf einen Indianerfriedhof aus dem 19. Jahrhundert. Er schickt eine Gruppe Studenten vor, die gleich bei Ankunft in der Wüste von einem Indigenen davor gewarnt werden, die Gegend umzugraben. Doch trotz aller Warnungen begeben sich die Studenten in das alte Indianerland, was sie bald bitter bereuen werden. 

    Fred Olen Rays (HOLLYWOOD CHAINSAW HOOKERS, 1988) dritter Film ist ein billiger Rachegeister-Horrorfilm, in dem sechs Studenten in einer kargen, sonnendurchstrahlten Einöde unterwegs sind, was durchaus eine gewisse Spannung mitbringt. 

    Gedreht wurde in Agua Dulce in Kalifornien, einem Gebiet, was früher von Tataviam-Indianern bewohnt wurde. Der auf 16mm gedrehte Film hat einen groben Look, der vor allem auch durch die Landschaft immer wieder an THE HILLS HAVE EYES (1977) erinnert. Der hypnotische Score von Drew Neumann und Eric Rasmussen erinnerte mich hingegen an den der Gebrüder De Angelis zu ALIEN – DIE SAAT DES GRAUENS KEHRT ZURÜCK (1980). 

    Die Darsteller sind natürlich alles andere als gut, aber weitaus besser, als man sie in vielen ähnlich gelagerten Produktionen bekommt. Oder sagen wir so: sie nerven nicht. Bekannt war mir hier niemand, bis auf Forrest J. Ackerman, der eine kleine Gastrolle hat. Am gelungensten ist der Film immer dann, wenn er durch Geräusche, dem Score und der Landschaft für Spannung und Atmosphäre sorgt. Nachdem gleich zu Beginn jemandem der Kopf abgerissen wird, dauert es recht lange, bis es mit Horror-Szenen weitergeht. Währenddessen muss man sich gut 45 Minuten mit einem Wesen mit Löwenkopf und griesgrämigen Indianermonsterköpfen, die immer wieder eingeblendet werden, zufriedengeben. Das sind natürlich die Indianer, die einst in der Gegend getötet wurden, bevor sie eins wurden mit dem Land. Diese werden immer wieder wütend, wenn man sie stört, indem man ihr Land betritt, um es umzugraben. Die Effekte und Masken sehen sehr billig aus, aber man ist ja auch im Kino von Fred Olen Ray, und da muss man in Sachen Qualität Abstriche machen. Kommt es dann mal zur Gewalt, gibt es gleich eine Vergewaltigung, der ein Kehlenschnitt und dem Skalpieren der Frau folgt. Die zweite Filmhälfte gleicht die erste in Sachen Gore-Szenen zumindest wieder aus. 

    DER FLUCH DES BLUTIGEN SCHATZES ist ein billiger, manchmal zu lahmer Horrorfilm, der sich aber durch sein Setting und durch das seltene Thema des Indigenen-Horrors aus dem Sumpf der B-Filme ein klein wenig abhebt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Massacre at Central High, 1976 – ★★½

    Massacre at Central High, 1976 – ★★½

    MASSAKER IN KLASSE 13
    (MASSACRE AT CENTRAL HIGH, USA, 1976, Regie: Rene Daalder)

    David (Derrel Maury) ist neu an der Central High, auf der alles ganz normal scheint. Doch der 13. Jahrgang wird von einer Schulgang unterdrückt und tyrannisiert. David hat Glück, denn in der Gang ist sein Freund Mark (Andrew Stevens). Sie versuchen, den Neuling auf ihre Seite zu ziehen, um ihn an ihrem hässlichen Treiben den schwächeren Schülern gegenüber beiwohnen zu lassen. Doch David ist wenig beeindruckt von dem armseligen Verhalten, was zu Konflikten zwischen den Schülern führt, die immer mehr ausarten, bis David schwer am Bein verletzt wird.

    Rene Daalder hat mit MASSAKER IN KLASSE 13 einen etwas sonderbaren Rache-Thriller geschaffen, der vor allem durch das fast völlige Aussparen von Erwachsenen auffällt. Weder Lehrer noch Eltern spielen eine Rolle, und die Polizei, die mehr als einmal Grund hätte, sich den Unfällen/Morden anzunehmen, zeigt sich lediglich kurz bevor der Abspann einrollt. Aber der Reihe nach. Grundsätzlich hat Daalder hier eine handwerklich solide Inszenierung abgeliefert, die sowohl als Pre-Slasher wie auch als Rache-Film funktioniert und wie ein Vorspiel zu DIE KLASSE VON 1984 (1982), aber auch wie eine Antwort auf CARRIE (1976) daherkommt. Natürlich ist der Film angereichert mit den üblichen Klischeefiguren. Rüpelhafte Adonistypen mit 70er-Jahre-Helmfrisuren und nur einer Zelle im Kopf, ein Verständnisvoller, ein Idiot, ein Neunmalkluger, ein Außenseiter… alle sind sie dabei, um hier teilweise recht garstig aus dem Leben zu scheiden. Doch vorher dürfen sich alle gemein, dümmlich oder völlig übertrieben verhalten. 
    Das übliche Rangordnungsspiel wird gespielt. Der Stärkere (und Reichere) zeigt es dem Schwächeren (und Ärmeren). Doch hier werden auch die Opfer zu Täter, deren Moral plötzlich genau so verkommt. Vor allem der Selbstjustiz-Modus, in den David verfällt, ist wenig glaubwürdig. Die Tötungen, die vor allem durch Unfälle herbeigeführt werden, sind das Sehenswerteste, was MASSAKER IN KLASSE 13 zu bieten hat. Dass trotz der zahlreichen Opfer, die hier zu beklagen sind, im Grunde niemand einschreitet, und es offensichtlich keine Ermittlungen gibt, macht die Story extrem unglaubwürdig und gleichzeitig fast einzigartig. Die Schüler sind sich selbst überlassen und machen das schlechteste daraus, zumindest die meisten. Die Darsteller selbst sind gar nicht so übel, und keiner gleicht dem anderen. Ihre Rollen kauf man ihnen durchaus ab. Dennoch ist hier fast jeder unsympathisch. 

    Wenn man bei MASSAKER IN KLASSE 13 ein Auge zudrückt und das Fehlen von Logik schluckt und sich einfach den teils derben Ideen hingibt, kann man hier durchaus gut unterhalten werden.

    (Bjoern Candidus)

  • Sonatine, 1993 – ★★★★

    Sonatine, 1993 – ★★★★

    SONATINE
    (SONACHINE, Japan, 1993, Regie: Takeshi Kitano)

    Murakawa (Kitano spielt mal wieder ausgezeichnet) langweilt sich als Yakuza, der erfolgreich ist und eigentlich alles hat. Dennoch fühlt er sich leer, traurig und möchte aussteigen. Auch sein Boss möchte, dass er aussteigt, und zwar aus dem Leben. 

    Regisseur und Schauspieler Takeshi Kitano serviert hier ein sehr entschleunigtes Yakuza-Drama mit teils sehr schrägen Momenten und Figuren, die mich manchmal etwas ratlos zurückließen. Aber genau das ist es auch, was den Film sehr faszinierend macht. Die Handschrift des Regisseurs, die Art wie er inszeniert und mit den Gefühlen der Figuren und des Zuschauers spielt, ist außergewöhnlich. Kitano erzeugt eine Sogwirkung, die einen mit in seine Traumwelt zieht. Die Fotografie ist toll, der Score von Joe Hisaishi lädt zum schweben ein. 

    SONATINE pendelt zwischen absurden und harten Momenten hin und her, präsentiert kompromisslose, aber auch zweifelnde Figuren in einer räudigen Welt. Sehr gut. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Sicilian Connection, 1972 – ★★★

    The Sicilian Connection, 1972 – ★★★

    THE OPIUM CONNECTION
    (AFYON OPPIO, Frankreich, Italien, 1972, Regie: Ferdinando Baldi)

    Ferdinando Baldi (HORROR-SEX IM NACHTEXPRESS, 1980) konzentriert sich in diesem Drogen-Thriller auf die Mafia in Italien, der Türkei und den USA, denen er den Agent der US-Anti-Drogenbehörde, Joseph Coppola, entgegensetzt. Er gibt Einblicke in die türkischen Schlafmohn-Felder, in die Verarbeitung und über die Schmuggelwege. Schön garstig ist z.B. eine Szene in der ein zu neugieriger Ordnungshüter lebendig begraben wird, was wie geschaffen ist für eine Pre-Titel-Sequenz. 

    Die Inszenierung steht nie still, ist abwechslungsreich, konzentriert sich stark auf die Figuren und stellt Dialoge vor Action. Schön sind auch die unterschiedlichen Drehorte (Italien, Türkei, USA), die die Produktion größer aussehen lassen als sie eigentlich ist. Gewohnt qualitativ ist auch der Soundtrack von den Brüdern De Angelis. Besetzt wurde der Spaß u.a. mit Ben Gazzara, Fausto Tozzi, Jess Hahn, Luciano Catenacci, Luciano Rossi und John Bartha. 

    THE OPIUM CONNECTION ist ein handfester Italo-Thriller, der stellenweise etwas holprig ist, aber immer abwechslungsreich daherkommt. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Night of the Hunter, 1955 – ★★★★½

    The Night of the Hunter, 1955 – ★★★★½

    DIE NACHT DES JÄGERS
    (THE NIGHT OF THE HUNTER, USA, 1955, Regie: Charles Laughton)

    Der Wanderprediger Harry Powell sitzt wegen Autodiebstahls für 30 Tage im Gefängnis. Er teilt sich die Zelle mit Ben Harper, einem wegen Mordes und Bankraub zum Tode Verurteilten. Als Ben im Traum davon spricht, dass er die Beute, 10.000 $, vor seiner Verhaftung versteckt hat, wird Harry hellhörig, doch leider kann er das Versteck nicht herausfinden. Nach Harrys Entlassung macht er sich auf, um Bens Frau aufzusuchen, die mit ihren beiden Kindern am Ohio River wohnt. Schnell kann er das Herz von Willa Harper erobern, und auch die kleine Pearl fasst schnell Vertrauen. Anders sieht es bei Bens Sohn John aus, denn der misstraut Harry. Als Harry herausfindet, dass John und Pearl wissen, wo das Versteck der 10.000 $ ist, versucht er mit aller Macht auf die Kinder einzuwirken. Und da ist noch etwas: Harry Powell ist nebenbei ein psychopathischer Frauenmörder. 

    Für gewöhnlich erwartet man Charles Laughton (HINTER DEN MAUERN DES GRAUENS, 1951) vor der Kamera, doch für DIE NACHT DES JÄGERS sollte er einmal selbst Regie führen. Basieren tut der Film auf Davis Grubbs Roman „The Night of the Hunter“ (1953), der sowohl familiäre Elemente als auch die des Serienmörders Harry F. Powers aufgreift. James Agee schrieb schließlich das Drehbuch. 

    Von der ersten Minute an zieht einen DIE NACHT DES JÄGERS in seinen Bann. Die brillante Schwarzweißfotografie von Stanley Cortez besticht in jedem Frame und im weiteren Verlauf erwarteten einen Bilder ungeahnter Schönheit. Von Beginn an erfährt man, dass Harry Powell ein Frauenmörder ist, der als Wanderprediger singend mit seinen prägnanten Love & Hate – Handtattoos durch das Land zieht. Robert Mitchums höchst unangenehme Ausstrahlung in der Rolle von Harry Powell sorgt schnell dafür, dass man ihn hasst, unabhängig von seinen Taten, die er begeht. An ihm haftet die Aura des Bösen, auch wenn er seine religiösen Lieder singt. Erinnerung an Reverend Kane aus POLTERGEIST 2 (1986) werden wach. Wie eine Spinne nistet er sich in der kleinen Stadt ein, um das Herz der Menschen, insbesondere von Willa Harper und ihren Kindern John und Pearl zu erobern. Das gelingt Harry soweit ganz gut, und nur John stellt sich als Problem heraus. Problem und Lösung gleichermaßen, da John (und Pearl) weiß, wo die 10.000 $ versteckt sind. Und so kommt es immer wieder zu spannenden Szenen zwischen Harry und John, der von Billy Chapin dargestellt wird. Für einen Kinder Darsteller hat Chapin wirklich ein tolles Schauspiel abgeliefert. Recht wenig Spielraum bekommt die wunderbare Shelley Winters als Willa, aber die scheidet nun mal ab der Mitte aus, wenn die Inszenierung immer traumartiger wird. Plötzlich zeigt einem Laughton eine Unterwasser-Szene mit einer Leiche, die in einem Auto sitzt, was mich direkt an Argentos INFERNO (1980) denken lassen hat. Es kommt zu Szenen, in der die Schwärze dominiert und das Geschehen fast schattenspielartig wirkt und sich immer mehr in eine (Alp-)Traumwelt verwandelt. Die Studiokulissen sind ausgezeichnet und unterstreichen das Gefühl, plötzlich Einblicke in eine andere Welt zu bekommen. Der Thriller um einen Frauenmörder wird immer mehr zu einem düsteren Märchen über zwei Kinder, die auf der Flucht vor dem Wolf im Schafspelz sind. Aber es ist auch Hoffnung in Sicht: Lillian Gish als Rachel Cooper, die verwaiste und obdachlose Kinder bei sich aufnimmt. 

    Doch bis etwas Licht am Horizont dieses finsteren Film Noir-Thriller-Dramas erscheint, was zur Zeit der Großen Depression (1929–1941) spielt, liefert Laughton einige harte Momente. Bereits am Anfang, wenn die Polizei Ben Harper vor den Augen seines Sohnes John verhaftet, ist übel. Das wird noch überboten, von dem Hinrichtungslied, was die die Kinder auf dem Schulhof singen und John damit zutiefst treffen. 

    DIE NACHT DES JÄGERS ist ein beeindruckender, spannender Film, der sich durch seine Figurenzeichnungen, seiner geschickten Ideen und seiner experimentellen Herangehensweise zu Recht einen wichtigen Platz in der Filmgeschichte gesichert hat. 

    (Bjoern Candidus)

  • Goké, Body Snatcher from Hell, 1968 – ★★★★

    Goké, Body Snatcher from Hell, 1968 – ★★★★

    GOKÉ – VAMPIR AUS DEM ALL
    (KYÛKETSUKI GOKEMIDORO, Japan, 1968, Regie: Hajime Sato)

    Auf einem Flug eines Passagierflugzeugs von Tokio nach Italien kommt eine Meldung über eine Zeitbombe an Bord über Funk rein. Es kommt zur Gepäckkontrolle, bei dem der Copilot zwar keine Bombe, aber ein Gewehr findet. Zur gleichen Zeit starten Vögel Selbstmordaktionen, in dem sie gegen das Flugzeug fliegen. Der Besitzer der Waffe meldet sich und bedroht die Crew und Passagiere. Er fordert vom Piloten, in Okinawa (in der dt. Fassung in Nordkorea) zu landen. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Noch mehr Vögel fliegen auf die Maschine zu, und über ein Radio erfahren sie, dass über dem Luftraum von Japan unbekannte Flugobjekte gesichtet wurden. Eins dieser Flugobjekte fliegt genau auf das Flugzeug zu, was den Piloten zu einer Notlandung zwingt. Der Pilot kann die Maschine herunterbringen, doch der Schrecken beginnt erst. 

    Hajime Sato hat mit GOKÉ – VAMPIR AUS DEM ALL eine faszinierende Mischung aus Vampir- und Alien-Invasionsfilm geschaffen, die vor allem auf visueller Ebene wahres Gold liefert. Schon zu Beginn, wenn das Flugzeug durch einen orangeroten Himmel fliegt, wird man gepackt von der kraft der Farben. Diese ziehen sich durch den Film und erwecken immer wieder Erinnerungen an Mario Bavas PLANET DER VAMPIRE (1965), der sich auch inhaltlich bemerkbar macht, denn schließlich geht es ja hier auch um etwas vampirartiges. Eine Art Wurm dringt in eine vaginaähnliche Öffnung ein, die sich auf der Stirn eines Mannes auftut, der dann fleißig an Hälsen saugt. Das sind starke Bilder in knalligen Farben. Auch auf der Soundebene gibt es ein paar wirksame Momente, wenn es z.B. zu hypnotischen Signalen kommt oder die Außerirdischen durch ihre Wirtskörper sprechen, deren Lippen sich nicht bewegen. Immer wieder gibt es in GOKÉ verstörende Momente, die für das Baujahr 1968 schon gewagt sind, aber man ist hier ja schließlich auch im japanischen Kino unterwegs. 

    Aber nicht nur die vielen atmosphärischen Farben, Lichter und Spezial-Effekte überzeugen in GOKÉ, sondern auch die Darsteller und ihre unterschiedlichen Charaktere, die sie verkörpern. Neben der Bordcrew gibt es z.B. einen Psychiater, einen Politiker, einen Attentäter und eine Amerikanerin, die die Leiche ihres Mannes abholen will, der im Vietnamkrieg gefallen ist. Immer wieder setzt Sato auf politische Seitenhieben und konzentriert sich besonders auf die unschönen Eigenschaften der menschlichen Spezies. Aber man ist ja auch in einer Notsituation, in der auch Wassermangel eine Rolle spielt. Und so entsteht die Gefahr nicht nur durch das extraterrestrische Unheil, sondern auch durch die Menschen. 

    GOKÉ – VAMPIR AUS DEM ALL ist ein phantastischer Film aus Japan, der inhaltlich wie äußerlich ein wahrer Genuss ist. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Night of the Devils, 1972 – ★★★★

    The Night of the Devils, 1972 – ★★★★

    LA NOTTE DEI DIAVOLI*
    (Italien, Spanien, 1972, Regie: Giorgio Ferroni)

    Nachdem ein verwirrter Mann in ein Krankenhaus eingeliefert wird, berichtet er, was ihm nach einem Autounfall im Wald passiert ist. Doch sein Bericht vom vampirischem Treiben stößt nicht gerade auf offene Ohren. 

    Der (zumindest inhaltlich) im ehemaligen Jugoslawien angesiedelte Film, der aber in Italien gedreht wurde, adaptiert die von Tolstoi geschriebene Geschichte „Die Familie des Wurdalak“ (1840), die bereits 1963 eindringlich von Mario Bava in seinem Episodenfilm DIE DREI GESICHTER DER FUCHT verfilmt wurde. Hier ist die Geschichte leicht abgeändert und in den 1970er-Jahren angesiedelt, was nur selten durchscheint, da der Film fast nur im Wald oder ländlichen Gebieten spielt. Das Wald-Setting ist toll eingefangen und trägt ungemein zur sowieso schon atmosphärischen Dichte bei. Regisseur Giorgio Ferroni (DIE MÜHLE DER VERSTEINERTEN FRAUEN, 1960) serviert direkt zu Beginn verstörende und blutige Bilder. Effektkünstler Carlo Rambaldi durfte sich hier teilweise richtig austoben, vor allem wenn man das Entstehungsjahr bedenkt. Auch der Score von Giorgio Gaslini unterstreicht das unheimliche Treiben. In der Hauptrolle ist Gianni Garko, den ich hier mit Schnauzbart kaum erkannt habe. Außerdem gibt es ein kurzes Wiedersehen mit Umberto Raho und John Bartha. 

    LA NOTTE DEI DIAVOLI ist ein kleines Meisterstück des Vampirfilms, was sich durch gespenstische und morbide Momenten auszeichnet. 

    (Bjoern Candidus)

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Across the River, 2013 – ★★½

    Across the River, 2013 – ★★½

    ACROSS THE RIVER
    (OLTRE IL GUARDO, Italien, 2013, Regie: Lorenzo Bianchini)

    Ein Biologe begibt sich in die Wälder, um dort das Verhalten und den Bestand von Tieren zu beobachten. Mittels versteckter Kameras kann er das Treiben der Fauna bestens studieren. Dann stößt er auf ein verlassenes Bergdorf und macht eine mysteriöse Entdeckung, die Fragen aufwirft… 

    Dass man kein Spektakel braucht, um Spannung zu erzeugen, ist hinlänglich bekannt, und wenn man ein kleines Budget hat, muss man die Dinge nutzen, die sich einem bieten. Regisseur Lorenzo Bianchini nutzt hier die wunderbare Natur nordöstlicher Wälder Italiens und ein verlassenes Bergdorf. Daraus zieht er zwar die meiste Stärke, schwächt diese aber mit einem furchtbaren Color Grading, was irgendwann einsetzt und dann permanent über den Bildern liegt und damit die natürlichen Farben der Natur zerstört. Aber das blendet man irgendwann aus. 

    Über weite Strecken kommt ACROSS THE RIVER mit nur einem Darsteller aus, dem Biologen, und von dem folgen nicht mehr als 20 Sätze, die er auf sein Diktiergerät spricht. Erst im späteren Verlauf mischen sich die ein oder anderen Figuren mit in die Handlung, die allerdings schnell wieder verschwinden. Das, was der Biologe an unheimlichen Dingen erlebt, sieht er in erster Linie über seine Monitore, die die Inszenierung in die Nähe vom Found-Footage-Kino bringen. Allerdings sind die Bilder, die der Biologe hier sieht, Live-Übertragungen der Dinge, die gerade im Wald passieren. Auf diese Weise erzeugt Lorenzo Bianchini spannende bis unheimliche Momente. Schön sind die nächtlichen Aktivitäten von Füchsen, Wildschweinen, Rehen und Hirschen. Dass auf diesen Übertragungen dann auch noch andere Dinge erscheinen, ist fast klar. 

    Das Hauptproblem von Bianchinis Inszenierung ist ihre Länge. Renzo Gariup spielt den Biologen soweit ganz gut, aber irgendwann quälten mich die Momente, in denen er einfach nur herumsitzt und sich die Kamera im Schneckentempo von A nach B durch den Raum bewegt. Die Ruhe trägt zwar zur Atmosphäre bei, versetzte mich aber auch in Schläfrigkeit. Immerhin legt sich das im letzten Drittel. 

    ACROSS THE RIVER kombiniert Elemente von BLAIR WITCH PROJECT (1999) mit einer Spur Lovecraft und dem modernen Geister-Horrorfilm. Auch wenn die Ruhe letztlich seine Stärke ist, fehlt Bianchinis Film ein bisschen der Schwung. 

    (Bjoern Candidus)

  • Class of Nuke ‚Em High, 1986 – ★★★

    Class of Nuke ‚Em High, 1986 – ★★★

    CLASS OF NUKE ‘EM HIGH
    (USA, 1986, Regie: Richard W. Haines, Lloyd Kaufman)

    Die Tromaville High School steht Kopf. Das nahegelegene Atomkraftwerk hatte ein Leck und eine radioaktive Wolke ist über die Schule hinweggezogen und hat deutliche Spuren im Verhalten mancher Schüler hinterlassen. Sex, Gewalt und gute Laune stehen ab sofort auf dem Lernplan, angeführt von durchgeknallten Punks. 

    Die Filme aus dem Hause Troma sind speziell. Der überzogene, bizarre Humor ist manchmal grenzwertig bis lächerlich, trotzdem funktioniert er im Troma-Universum, weil man den Spaß der Macher deutlich erkennen kann. Die Figuren, ihre Klamotten, die kreativen Gore- und Monster-Effekte haben einen eigenen Stil, der stark an Comics erinnert. Und so macht CLASS OF NUKE ‘EM HIGH dort weiter, wo Lloyd Kaufman und Michael Herz mit THE TOXIC AVENGER (1985) gestartet haben.

    Regie führten diesmal Richard W. Haines und Lloyd Kaufman, die es zurück nach Tromaville verschlägt, und die drücken kräftig aufs Gaspedal. CLASS OF NUKE ‘EM HIGH steht nicht eine Minute still und liefert hysterische, überdrehte und alberne Figuren und reichlich farbenfrohe Body-Horror-Matsch-Effekte, die es teilweise richtig in sich haben. Der Ekelfaktor ist recht hoch, es blubbert aus sämtlichen Körperöffnungen grüner Schleim. 

    Faszinierend ist auch die Ausstattung und die Klamotten, die die 80er-Jahre auf glänzende Art repräsentieren. Brave Jungs mit Collegejacken und nette Mädchen mit Föhnwellen stehen auf der einen Seite, schräge Punks mit Lederjacken, Nietengürtel, Ketten, wilden Frisuren und bizarrem Make-up auf der anderen. Und über allen thront der radioaktive Schrecken, der sich hier vor allem auch auf das Sexualverhalten auswirkt. 

    Der ganze Wahnsinn von CLASS OF NUKE ‘EM HIGH funktioniert soweit, dennoch machen sich irgendwann auch Ermüdungserscheinungen breit. Manchmal ist weniger mehr, und genau dieses Prinzip hätte man hier vielleicht anwenden sollen. Der nicht minder verstrahlte THE TOXIC AVENGER ist dahingehend einen Ticken besser kalibriert.  

    (Bjoern Candidus)

  • Buried Alive, 1990 – ★★½

    Buried Alive, 1990 – ★★½

    BURIED ALIVE – LEBENDIG BEGRABEN
    (BURIED ALIVE, USA, 1990, Regie: Frank Darabont)

    Joanna Goodman ist ihren Ehemann Clint leid. Sie betrügt ihn bereits seit längerem mit Dr. Cortland Van Owen. Der legt ihr nahe, Clint einfach zu vergiften, um so an sein Erbe zu kommen. Anfangs hat sie noch Zweifel, aber schließlich entscheidet sie sich, ihren Ehemann, mit dem Gift umzubringen, was sie von Cortland bekommen hat. Doch der diagnostiziert Herzstillstand erweist sich als Fehler. Das Gift hat seine tödliche Wirkung verfehlt, und so steht Clint aus dem Grabe auf, um sich an seiner Frau und ihrem Liebhaber zu rächen.

    Frank Darabonts erster Langfilm ist ein TV-Thriller, der mit einer ganz netten Story aufwartet, die allerdings inhaltlich manchmal etwas an der Logik kratzt. Menschen im späten 20. Jahrhundert für tot zu erklären, obwohl sie es gar nicht sind, lässt sich nur schwer nachvollziehen. Und ein längerer Aufenthalt in einem Leichensack müsste jedem den Atem rauben, und von dem Sarg, in dem Clint beerdigt wird, möchte ich erst gar nicht anfangen. Hat man diese Ungereimtheiten geschluckt, wartet ein halbwegs solider Thriller auf einen, der mit Jennifer Jason Leigh als Joanna, Tim Matheson als Clint, William Atherton als Cortland und Hoyt Axton als Sheriff Eberly grundsätzlich gut besetzt wurde. Dennoch sind es gerade die Figuren von Leigh und Atherton, die kein Klischee auslassen, um das typische 90er-Jahre Bösewicht-Pärchen zu verkörpern. Der Racheplan von Clint, das Haus zu einem Gefängnis zu konstruieren, ist kein schlechter Einfall, dennoch wäre die ganze Inszenierung im Rahmen einer Folge von GESCHICHTEN AUS DER GRUFT besser aufgehoben gewesen, die zu dieser Zeit sehr erfolgreich im Fernsehen lief. 

    Für einen TV-Rahmen sieht BURIED ALIVE im Grunde ganz gut aus und es gibt durchaus ein paar spannende und garstige Momente. 
    Dennoch bleibt ein unschöner Beigeschmack, der vor allem durch die Darsteller und Logiklöcher zustande kommt. 

    (Bjoern Candidus)