Autor: marco-fritz

  • Blood Rage, 1987 – ★★★½

    Blood Rage, 1987 – ★★★½

    BLOOD RAGE
    (USA, 1987, Regie: John Grissmer) 

    Die Zwillingsbrüder Todd und Terry schleichen sich ins Autokino, um Pärchen zu beobachten. Terry packt plötzlich ein Beil aus und tötet den jungen Mann im Auto und schiebt den Mord anschließend seinem geschockten Bruder Todd in die Schuhe, der darauf hin in eine psychiatrische Anstalt kommt. 10 Jahre später kann Todd entkommen, was Terry zum Anlass nimmt, erneut zu töten, um seinen Bruder zu belasten. 

    Nur zwei Filme hat Regisseur John Grissmer gedreht: BLOOD RAGE und einige Jahre vorher SKALPELL – BLUTIGES SPIEGELBILD. In seinem 76er-Psycho-Thriller wird eine Frau zum Ebenbild einer anderen gemacht, hier gibt es direkt Zwillingsbrüder. In BLOOD RAGE übernimmt Mark Soper den Part der Doppelrolle und verkörpert die Brüder Todd und Terry. Auch wenn Soper ziemlich steif und blass wirkt, nimmt man ihm den Psychopathen bzw. das unschuldige Opfer durchaus ab. Auch Louise Lasser überzeugt als hirnverbrannte Mutter Maddy. Dafür bleibt der Rest der Besetzung einfältig und austauschbar, aber die meisten Figuren dienen ohnehin nur dafür, möglichst blutig zu sterben. Und in diesem Punkt holt BLOOD RAGE richtig aus und liefert harte Gore-Effekte. Gesichter werden mit einer Machete eingeschlagen, Körper werden durchbohrt und zerstückelt, was sehr grafisch dargestellt wird. 
    Gore- und Slasher-Fans werden hier ihre wahre Freud haben. Leider mangelt es Grissmers Inszenierung an Atmosphäre, und alles ist viel zu hell ausgeleuchtet. Zum Ausgleich liefert Richard Einhorn einen richtig coolen Score, der sich unüberhörbar an John Carpenter orientiert. 

    Das Hauptproblem von BLOOD RAGE ist Spannungsarmut, und Grissmer hat leider nicht versucht, ein Täter-Twist einzubauen, denn man weiß ja als Zuschauer bereits von Beginn an, wer der eigentliche Killer ist. Dafür hat Grissmer aber einen sehr blutigen, kurzweiligen Slasher gezimmert, der Film wie DRIVE-IN KILLER (1976), HALLOWEEN (1978) und THE MUTILATOR (1984) in Erinnerung bringt. 

    (Bjoern Candidus)

  • His Name Was Holy Ghost, 1972 – ★★★½

    His Name Was Holy Ghost, 1972 – ★★★½

    EIN HALLELUJA FÜR SPIRITO SANTO
    (UOMO AVVISATO MEZZO AMMAZZATO… PAROLA DI SPIRITO SANTO, Italien, Spanien, 1972, Regie: Giuliano Carnimeo)

    General Ubarte will das Amt der mexikanischen Präsidentschaft antreten, doch dafür muss Don Firminio Mendoza aus dem Weg geräumt werden, der den gleichen Anspruch auf das Amt hat. Kurz bevor Ubarte seinen mörderischen Überfall auf mexikanische Bauern mit der Hinrichtung von Don Firminio Mendoza abschließen will, taucht ein mysteriöser Fremder auf. Es ist Spirito Santo mit seiner weißen Taube, der sofort in den Maschinengewehr-Modus schaltet und die Soldaten von General Ubarte ins Jenseits schickt. Für die Bauern wird er zum Heiligen, den sie als Schutzpatron gewinnen wollen, doch Spirito Santo ist nur an einem Goldschatz interessiert, zu dem er eine unvollständige Schatzkarte besitzt, und diese verrät, dass das Gold im Fort des Generals zu finden ist. 

    Der Italowestern erfahrene Giuliano Carnimeo (SARTANA – NOCH WARM UND SCHON SAND DRAUF, 1970 / SARTANA KOMMT, 1970) schickt erneute Gianni Garko in den Staub des Westens. Doch diesmal hat er ein bisschen mehr Spaß im Gepäck, wenn er als lässiger Spirito Santo mit seiner Taube namens Adler auftaucht und Blei verteilt. Dabei geht er recht einfallsreich vor, wenn er z.B. seine Gegner mit seinem reflektierenden Mantel blendet, bevor er sie zersiebt. Überhaupt ist man sehr erfrischend unterwegs. Die Inszenierung hält nicht still. Schießereien, Prügeleien wohin man blickt, stets schön eingefangen von Kameramann Miguel Fernández Mila, der auch die ein oder andere POV-Sequenzen einbaut, um für Schwung zu sorgen. Im Einklang mit den Bildern ist auch der Score von Bruno Nicolai. Die Ausstattung und Kulissen sind hochwertig. Auch mit Gianni Garko als Spirito Santo liegt man Gold richtig. Perfekt in der Rolle des ekligen General Ubarte gepresst: Poldo Bendandi (DIE TODESMELODIE, 1970). An bekannten Gesichtern, die überall immer wieder im Italowestern auftauchen, wie z.B. Nello Pazafini, Salvatore Baccaro oder Victor Israel, mangelt es ebenfalls nicht. 

    Wilde Action, flotte Sprüche, lebhafte Figuren… EIN HALLELUJA FÜR SPIRITO SANTO ist ein Italowestern wie auf Speed. 

    Und wer noch mehr Spirito Santo will: die Figur tauchte danach noch in drei weiteren Filmen auf, in denen Vassili Karis die Titel-Rolle übernahm, während Robert Mauri auf dem Regiestuhl Platz nahm. 

    (Bjoern Candidus)

  • Geschichten aus der Gruft: Spielerehre (1990)

    Geschichten aus der Gruft: Spielerehre (1990)

    GESCHICHTEN AUS DER GRUFT: SPIELEREHRE (2.3)

    Diesmal besprechen Bjoern und Marco Walter Hills Regiebeitrag, in der zwei Männer um ihre Ehre kämpfen und dabei langsam alles verlieren, vor allem die Mobilität.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Anthropophagous, 1980 – ★★★½

    Anthropophagous, 1980 – ★★★½

    MAN-EATER
    (ANTHROPOPHAGUS, Italien, 1980, Regie: Joe D‘Amato)

    Eine Gruppe junger Leute will Urlaub auf einer griechischen Insel machen. Als die Urlauber ankommen, stellen sie fest, dass die Insel scheinbar unbewohnt ist. Doch dann stoßen sie auf eine verängstigte Frau, die sich vor etwas versteckt. Genauer vor ihm, dem Menschenfresser Nikos Karamanlis (bzw. in der Originalfassung Klaus Wortmann).

    Wie SADO – STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF (1979), EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (1980), CANNIBAL HOLOCAUST (1980) oder DER NEW YORK RIPPER (1982), gehört auch MAN-EATER zu den berühmt berüchtigten Horrorfilmen aus Italien, die es in Deutschland besonders schwer hatten, nachdem der Beschlagnahmungs-Kreuzzug der Sittenwächter Einzug erhielt. Das ist lange her und diesbezüglich hat heutzutage ein Umdenken stattgefunden. George Eastman darf jetzt ganz legal den Fötus aus einer Frau herausreißen und genüßlich zubeißen, bevor er sich am Ende (ACHTUNG SPOILER!!!) selbst verzehrt. Neben ein paar weniger eindringlichen Gore-Effekten, sind dies auch die einzigen Highlights, die der Film in Sachen Gewalt zu bieten hat.

    Regisseur Aristide Massaccesi alias Joe D‘Amato hat (zusammen mit Donatella Donati) für diesen Film seine eigene Produktionsfirma, Filmirage, gegründet. Diese produzierte in den folgenden Jahren einige mehr oder weniger gute Filme von D‘Amato selbst oder anderen Regisseuren. Und so war MAN-EATER als Startschuss gleich ein Schlag in die Fresse des Publikums. Das Hauptproblem von D‘Amatos Kannibalenfilm sind die quälend langweiligen, schlecht inszenierten ersten 30 Minuten. Die Fotografie von Enrico Biribicchi lässt zu wünschen übrig. Als Kameramann, der D‘Amato schließlich auch war, hätte er hier besser selbst einspringen sollen. Man muss der Produktion natürlich das schmale Budget und die geringen Mittel zu gute heißen. Immerhin wird es handwerklich mit betreten der Insel in allen Bereichen besser, und spätestens, wenn die alte Villa untersucht wird, die von außen schon eine unheimliche Ausstrahlung hat, wird MAN-EATER zu einem beklemmenden Insel-Horrorfilm, der auf ganz eigene Art auf der Kannibalenfilm-Welle reitet. 

    Neben den überschaubaren, aber drastischen Gore-Szenen, kann D‘Amatos Inszenierung durch eine sehr dichte Atmosphäre überzeugen. Die heruntergekommene Villa, in der sich der Menschenfresser eingenistet hat, ist wirklich eindringlich in Szene gesetzt. Staub liegt in der Luft, ein schummriges Licht zieht sich durch die vergammelten Räume, und wenn George Eastman als Nikos Karamanlis aufmarschiert, ist Terror vorprogrammiert. Während alle anderen Darsteller, samt Tisa Farrow, ziemlich fade bleiben und kaum zum mitfiebern anregen, gleicht sich das durch Eastman wieder aus. Luigi Montefiori alias George Eastman, der auch das Drehbuch schrieb und mit produzierte, überzeugt mit seinem widerlichem Make-up und seiner imposanten Körpergröße (2,06 m). 
    Etwas zwiespältig ist der Score von Marcello Giombini, der anfänglich sehr nervt, aber ebenfalls mit Betreten der Insel an Klasse gewinnt. 

    Hat man das langweilige Geplänkel der öden Figuren hinter sich gelassen, darf man sich bei MAN-EATER auf einen atmosphärischen, blutigen Horrorfilm freuen, der vor allem durch seinen Antagonist und sein Setting überzeugt.

    (Bjoern Candidus)

  • Last Cannibal World, 1977 – ★★★½

    Last Cannibal World, 1977 – ★★★½

    MONDO CANNIBALE 2 – DER VOGELMENSCH
    (ULTIMO MONDO CANNIBALE, Italien, 1977, Regie: Ruggero Deodato) 

    Die Ölsucher Robert und Ralph, der Pilot Charlie und seine Begleiterin Swan legen mit ihrem Flugzeug einen Zwischenstop beim Basislager im Dschungel von Manila ein. Doch das Lager ist verlassen und scheint überfallen worden zu sein. Da bei der Landung ein Rad zu Schaden kommt und die Reparatur bis in die Nacht dauert, müssen sie im Flugzeug übernachten. Während dieser Nacht wird Swan von Eingeborenen entführt und anschließend getötet. Für die Männer bricht ein Alptraum los, in dem Robert in die Hände eines Kannibalen-Stammes gerät. 

    Ruggero Deodato, der drei Jahre später mit CANNIBAL HOLOCAUST auf wunderschöne und gleichzeitig abstoßende Art und Weise dem Kannibalenfilm auf ein neues Level hob, lässt hier schon sein Geschick für diese Art von Kino durchblicken. Während spätere Filme wie LEBENDIG GEFRESSEN (1980) oder DIE RACHE DER KANNIBALEN (1981) von Umberto Lenzi vor allem auf Grausamkeiten setzten, scheint hier noch der Charakter des Abenteuer-Kinos durch, den man in Lenzis MONDO CANNIBALE (1972) erkennen konnte, der mit diesem Film den Grundstein des (europäischen) Kannibalenfilms legte. Aber hier sind wir bei Ruggero Deodato, der mit fähigen Leuten einen packenden Kannibalen-Abenteuerfilm gezimmert hat, der alles auffährt, was man in dieser Zunft erwartet, das Positive wie das Negative. 

    Direkt sticht einem die schöne Natur ins Auge, die von Marcello Masciocchi beeindruckend fotografiert wurde. Ob in der Luft, im Wald oder in Höhlen: die Kamera serviert mitreißende Bilder. In einigen Momenten baut Deodato regelrecht Spannung auf, die mit dem Score von Ubaldo Continiello passend unterstützt wird. Es gibt einige richtig packende Momente, wie z.B. die Erkundung von Roberts Penis durch eine Horde neugieriger Kannibalen. Massimo Foschi kann man hier in der Rolle von Robert nicht gerade beneiden, denn die Hälfte des Film läuft er nackt herum und verliert immer mehr den Verstand. Das macht Foschi allerdings sehr eindrücklich. Immer gerne gesehen ist auch Ivan Rassimov, den man hier mit Bart, Brille und Lockenkopf fast übersehen kann. Er übernimmt den Part von Ralph, der etwas kürzer geraten ist. Um das leidige Thema „Tiersnuff“ macht auch dieser Film keinen Bogen. Auch in dem Punkt liefern spätere Beiträge des Kannibalenfilms heftigere Momente, aber jede Sekunde einer unnötigen Tötung ist eine zu viel.
    Aber Deodato denkt auch an gestellte Grausamkeiten und überzeugt z.B. mit einer Kannibalen-Mutter, die gerade entbunden hat und die Nabelschnur zu ihrem Kind persönlich durchbeißt. Enthauptungen und Fress-Szenen gehören ebenfalls zum Programm. 

    MONDO CANNIBALE 2 – DER VOGELMENSCH ist ein atmosphärisches, spannend inszeniertes Dschungel-Kannibalen-Abenteuer mit allen nötigen und unnötigen Zutaten. 

    (Bjoern Candidus)

  • Invisible Ghost, 1941 – ★★★½

    Invisible Ghost, 1941 – ★★★½

    PHANTOM DES SCHRECKENS
    (INVISIBLE GHOST, USA, 1941, Regie: Joseph H. Lewis)

    Dr. Kessler hat Probleme.
    Seine Frau hat sich vor Jahren aus dem Staub gemacht und irgendjemand bringt gerne seine Dienstboten um. Das er selbst der Mörder ist, entzieht sich ihm. Immerhin in einem Punkt hat er Glück, denn der Verdacht fällt auf Ralph, den Freund von Kesslers Tochter Virginia. 

    Joseph H. Lewis hat hier einen skurrilen Horror-Krimi gezimmert, in dem niemand Geringeres als Bela Lugosi in die Rolle eines Mörders schlüpfen darf, der von seinen Taten nichts mehr weiß. Der Zuschauer weiß natürlich direkt wo der Hase lang läuft. Mit einer Howdunit-Story hat man es hier also nicht zu tun, aber das macht nichts, denn so darf man Lugosi auch bei seiner mörderischen Arbeit beobachten. Zugegeben, da passiert eigentlich nicht viel, dennoch macht es immer wieder Spaß, Lugosi spielen zu sehen. 

    Auch wenn sich der Film mit horrortypischen Elementen schmückt, Themen wie psychische Störungen und Beziehungsprobleme anschneidet, liegt hier auch immer ein bisschen Humor in der Luft, was vor allem an der ein oder anderen Nebenfigur liegt. 
     
    Charme, Grusel, Humor und Bela Lugosi machen PHANTOM DES SCHRECKENS zu einer Empfehlung für Fans der Schwarzweiß-Horror-Ära. 

    (Bjoern Candidus)

  • Plot of Fear, 1976 – ★★★½

    Plot of Fear, 1976 – ★★★½

    MAGNUM 45 
    (E TANTA PAURA, Italien, 1976, Regie: Paolo Cavara)

    Bei einer Reihe von Morden hinterlässt der Mörder immer ein Bild aus dem Buch „Der Struwwelpeter“. Für Inspektor Lomenzo ist dies zumindest ein kleiner Hinweis, der zum Täter führen könnte. Ein Fotomodell und der zwielichtigen Privatdetektiv Riccio führen ihn schließlich zu einem Club, dem der Täter möglicherweise angehört.

    Paolo Cavaras zweiter Giallo nach DER SCHWARZE LEIB DER TARANTEL (1971) ist erneut eine spannende Angelegenheit. Die Inszenierung ist von Beginn an düster und startet direkt mit einer Prostituierten, die ihren Freier erwürgt, bevor diese wiederum auf dem Heimweg in einem Bus mit einem Schraubenschlüssel erschlagen wird. Immer wieder gibt es Gewaltspitzen, wie die Verbrennung einer Frau bei lebendigem Leibe oder die Erschießung einer Person während einer TV-Live-Übertragung, die einen daran erinnern, dass man sich im Giallo-Kino befindet. Aber Cavara fokussiert sich auch auf die Polizeiarbeit, liefert Elemente des Poliziottesco und schickt, wie in DER SCHWARZE LEIB DER TARANTEL, einen Inspektor ins Rennen. Dieser wird von Michele Placido dargestellt, der zwar etwas reserviert wirkt, aber durchaus überzeugt. John Steiner, Jaques Herlin, Tom Skerritt und Corinne Cléry sind ebenfalls dabei, aber das Highlight ist ganz klar Eli Wallach als überheblicher Privatdetektiv. 

    Garstige Morde, ominöse Figuren und viele, atmosphärische Schauplätze, wie eine nebelige Landstraße, schmücken die recht spannende Story, die eine gute Auflösung findet. Kleinere Längen durch viel Geschwätzigkeit müssen allerdings auch hingenommen werden. Zum Ausgleich bekommt man einen Ausschnitt aus einem Fantasy-Zeichentrick-Porno, den sich die feinen Damen und Herren des Clubs anschauen. Abgerundet wird Cavaras Inszenierung von Daniele Patucchis Score.

    MAGNUM 45 ist ein ausgewogener Hybrid aus Giallo und Poliziottesco, dem hin und wieder etwas die Luft ausgeht.

    (Bjoern Candidus)

  • Demon Witch Child, 1975 – ★★½

    Demon Witch Child, 1975 – ★★½

    DER EXORZIST UND DIE KINDHEXE
    (LA ENDEMONIADA, Spanien, 1975, Regie: Amando de Ossorio)

    Die junge Susan wird von dem Geist einer alten Hexe besessen, die den heißen Draht zum Teufel hat. Susan ist die Tochter des Polizisten, der die alte Hexe in den Selbstmord treibt. Und so rächt sich die Hexe und ihre Anhängerinnen, in dem sie den Körper des Mädchens steuern und zu einer tödlichen Bedrohung werden lassen. 

    Zwischen Amando de Ossorios Voodoo-Zombie-Beitrag WOODOO – INFERNO DES GRAUENS (1974) und seinen letzten beiden Templer-Filmen DAS GEISTERSCHIFF DER SCHWIMMENDEN LEICHEN (1974) und DAS BLUTGERICHT DER REITENDEN LEICHEN (1975) entstand dieses EXORZIST-Ripoff. Auch wenn de Ossorios Filme kaum großes handwerkliches Geschick aufweisen, erkennt man dennoch meistens den Willen, einen atmosphärischen Horrorfilm abzuliefern. Auch DER EXORZIST UND DIE KINDHEXE kann sich kaum mit Qualität schmücken, und einige seiner Tricks sind so billig, dass man schon die Zähne zusammenbeißen muss. Auch Susan kann schwebend die Matratze ihres Bettes verlassen oder ihren Torso (nicht den Kopf) um die eigene Achse drehen, ohne die Beine zu bewegen. Dennoch sieht alles wie die C-Version von Friedkin aus. Richtig billig wird es, wenn sich Susan optisch verändert. Sie trägt dann eine Halbglatzenperücke mit grauem Zottelhaar, um wie die alte Hexe auszusehen, die man vorher effektvoll in ihrem Grab verbrannt hat. Das Gesichts-Make-up sieht dann allerdings so aus, als hätte man ihr ins Gesicht gerotzt. Susan wird von Marián Salgado dargestellt, die auch in EIN KIND ZU TÖTEN… (1976) griesgrämig gucken und handeln darf. Kaum weniger widerlich ist die Aura von Tota Alba als alte Hexe Mutter Gautètre, die fast durchs Bild stinkt. Richtig prominent wird es mit Fernando Sancho als Polizeichef, der hier so eine Art Lee J. Cobb als Lt. Kinderman spielt. Von ihm sollte man allerdings nicht viel erwarten. Auch Lone Fleming (DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN, 1972) und Julián Mateos (DIE GRAUSAMEN, 1967) geben sich die Ehre, mit denen wenigstens ein bisschen Schönheit in den Film kommt. 

    Handwerklich kann man DER EXORZIST UND DIE KINDHEXE viel vorwerfen, aber Ossorio gelingt es, wahrscheinlich mehr unabsichtlich, eine abstoßende Atmosphäre zu erzeugen, die sich durch die komplette Inszenierung zieht. Der Film ist rundum hässlich, und könnten Filme stinken, würde er es (auch ohne Tota Alba). Loben muss ich aber die Story, die zwar nicht besonders originell ist, sich aber durch die Hexen-Kult-Rache-Themen von DER EXORZIST (1973) wegbewegt, um was eigenes zu erzählen, aber sich trotzdem bekannten Zutaten bedient.

    Unter den zahlreichen Filmen, die auf dem Erfolg von DER EXORZIST entstanden sind, gehört DER EXORZIST UND DIE KINDHEXE zu einem der minderwertigsten. Dennoch wird de Ossorios Film, trotz der vielen Unzulänglichkeiten, nie langweilig. 

    (Bjoern Candidus)

  • Man of the East, 1972 – ★★★

    Man of the East, 1972 – ★★★

    VERFLUCHT, VERDAMMT UND HALLELUJA
    (E POI LO CHIAMARONO IL MAGNIFICO, Frankreich, Italien, Jugoslawien, 1972, Regie: Enzo Barboni)

    Der mit Spencer/Hill-erfahrene Enzo Barboni (VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA, 1971) schickt diesmal nur Terence Hill ins Rennen. Dieser spielt einen Briten, der sich auf Wunsch seines verstorbenen Vaters im Wilden Westen als richtiger Mann (was auch immer das heißen mag) etablieren soll. Wie das abläuft, darf sich der Hill-Kenner vorstellen. Wobei hier auf übertriebe Flapsigkeit weitestgehend verzichtet wird, bleibt es eine Italowestern-Komödie. Visuell wird richtig was aufgefahren; die Fotografie von Aldo Giordani überzeugt. Man sieht, dass erfahrene Leute am Werk waren. Die Stunts und Schlägereien sind gut choreografiert und Guido und Maurizio De Angelis spendieren erneut einen tollen Score, um das lebhafte Treiben zu begleiten. Auch die Darsteller sind passend und füllen ihre Figuren gut aus. Neben einigen mir unbekannten Gesichtern gibt es auch ein Wiedersehen mit Riccardo Pizzuti und John Bartha, die beide nicht aus dem Spencer/Hill – Universum wegzudenken sind. All das konnte mich allerdings nicht uneingeschränkt knapp 2 Stunden gut unterhalten, denn einige zähe und sich wiederholende Momente, bremsen die Inszenierung etwas aus.

    Nichtsdestotrotz ist VERFLUCHT, VERDAMMT UND HALLELUJA eine versiert inszenierte Italowestern-Komödie, die einen gut aufgelegten Terence Hill präsentiert. 

    (Bjoern Candidus)

  • Class of Nuke ‚Em High 2: Subhumanoid Meltdown, 1991 – ★★★½

    Class of Nuke ‚Em High 2: Subhumanoid Meltdown, 1991 – ★★★½

    WAHNSINNS-TRIP – CLASS OF NUKE ‚EM HIGH 2
    (CLASS OF NUKE ‚EM HIGH PART 2: SUBHUMANOID MELTDOWN, USA, 1991, Regie: Eric Louzil)

    Die Tromaville Highschool ist längst keine Schule mehr im herkömmlichen Sinne. Vielmehr ist es eine Mischung aus Schule und Atomkraftwerk der Nukemama Corporation. Lesen, schreiben und rechnen weichen Sex, Drogen, Musik und natürlich Gewalt. Der Wahnsinn wird von Tromaville Collage Reporter Roger begleitet, der in den Kellerräumen der Schule auf die Experimente von Professorin Holt stößt, die an einer Armee von Subhumanoiden arbeitet, die ihr als Sex-, Arbeiter- oder Soldaten-Sklaven dienen. Als dann noch ein Eichhörnchen den radioaktiven Abfall frisst, wird es so groß wie King Kong und bereitet den Bürgern von Tromaville neue Sorgen. 

    Wer schon mit CLASS OF NUKE ‚EM HIGH (1986) nichts anfangen konnte, der braucht bei WAHNSINNS-TRIP – CLASS OF NUKE ‚EM HIGH 2 natürlich gar nicht erst einschalten. War der erste Teil schon völlig drüber, sprengt die Fortsetzung jeglichen Rahmen. 
    Die Produzenten Lloyd Kaufman und Michael Herz und Regisseur Eric Louzil legen noch einen drauf. Hier ist noch mal alles bunter, schräger, übertriebener, aber auch kreativer. Die verstrahlten Schüler sind optisch wieder gut auseinanderzuhalten. Da gibt es die Rosa-Föhnwellen-Fraktion und die Punker, die hier wild gegeneinander kämpfen, sich oder andere zum Spaß verletzten oder sich anderen sonderbaren Dingen hingeben. Eric Louzils Inszenierung lässt alles zu, was möglich war, und so bekommt man zu dem ganzen Irrsinn, den die Figuren verbreiten, auch viele krude SFX geboten. Vor allen sind die Monster sehr nett, die im Keller gehalten werden. Man bekommt z.B. eine Kreuzung zwischen einem Salamander und einem Frisör präsentiert oder darf einer Kreuzung aus untersetzter Studentin und Delfin mit Verdauungsstörungen beim kotzen zuschauen. Als Highlight gibt es dann das Rieseneichhörnchen, für das man teilweise auch die guten alten Stop Motion-Effekte zum Einsatz kommen ließ. Ziemlich bizarr sind auch die Subhumanoiden, die statt einen Bauchnabel einen zweiten Mund aufweisen. Leider kranken Professorin Holts Mutationen am Zellschmelzsyndrom, was für sie schlecht, aber für den Zuschauer gut ist, denn der darf sich auf viel Schleim und Sekrete freuen. 

    Es ist schon bewundernswert, wie viel man hier an Figuren, Ausstattung und absurden Ideen geliefert bekommt. Alles scheint gelöst zu sein. Man pinkelt in die Ecken, kotzt anderen in den Mund oder Furzt den Lehrer an. Wie schon im Vorgänger sind auch hier die Klamotten wieder ein wilder Mix aus 80er-Jahre-Jugendkultur, diesmal ergänzt durch die ständige Anwesenheit von Soldaten und Dekontaminationsteams mit Schutzanzügen. Gasmasken, Frauen unter Plastikfolien, Ketten, Nietengürtel, Lederjacken, sonderbare Gerätschaften… WAHNSINNS-TRIP – CLASS OF NUKE ‚EM HIGH 2 hat auch ein Herz für Fetischisten. Wie schon im Vorgänger sind auch hier die Darsteller so überzeichnet, dass sie mich überhaupt nicht gestört haben. Wo keine Story ist, können auch Idioten den Takt angeben, schließlich ist man in Tromaville. 

    War ich bei CLASS OF NUKE ‚EM HIGH irgendwann etwas genervt von dem Wahnsinn, der permanent auf einen einprasselt, hat mich das in WAHNSINNS-TRIP – CLASS OF NUKE ‚EM HIGH 2 weniger gestört. Ein bunter Irrsinn. 

    (Bjoern Candidus)