Autor: marco-fritz

  • A Better Tomorrow III: Love and Death in Saigon, 1989 – ★★½

    A Better Tomorrow III: Love and Death in Saigon, 1989 – ★★½

    HEXENKESSEL SAIGON
    (YING HUNG BOON SIK III: JIK YEUNG JI GOR, Hongkong, 1989, Regie: Tsui Hark)

    Im Jahre 1974 reist Mark in seine Heimat, Vietnam, um seinen Onkel und seinen Cousin Michael nach Hongkong zu bringen. Kurz vor Ende des Krieges ist die Situation durch den Vietcong weiter gefährlich. Immer wieder kommt es zu Kämpfen und Aufständen in Saigon. Schon bei der Einreise am Flughafen gerät er bereits in Schwierigkeiten mit dem Gesetz, doch Hilfe ist nicht weit. Die schöne Kitty Chow lässt ihren Einfluß spielen und bekommt ihn frei. Um an Geld für die Rückreise zu kommen, lassen sich Mark und sein Cousin Michael auf einen Auftrag von Kitty ein, den sie erfolgreich ausführen, bevor sie zurück nach Hongkong fliegen. Als Kitty auch in Hongkong auftaucht, um Mark zu besuchen, bahnt sich eine komplizierte Beziehung an, die schnell Opfer mit sich bringt. 

    Mit A BETTER TOMORROW (1986) und A BETTER TOMORROW II (1987) wurde die Messlatte von John Woo für einen 3. Teil extrem hochgelegt. Obwohl er für diesen ein Drehbuch schrieb, kam es am Ende doch ganz anders. Es kam zu Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen bezüglich der Weiterführung der Charaktere. Woo war raus als Regisseur, Tsui Hark war drin, der bereits die Story zu Teil 2 schrieb. Doch statt A BETTER TOMORROW II fortzusetzen, hat man mit HEXENKESSEL SAIGON eine Art Prequel gedreht, in dem erneut Chow Yun-fat als Mark zu sehen ist, dessen Vorgeschichte hier erzählt wird. An seiner Seite steht Tony Leung Ka-fai als sein Cousin Michael und Saburō Tokitō als sein Onkel. Neben Chow Yun-fat darf sich aber vor allem Anita Mui als Kitty Chow behaupten, die nicht nur einflussreich, sondern auch tödlich sein kann. Ihr unterkühltes Spiel gefiel mir. Doch insgesamt haben mich die Figuren ziemlich kalt gelassen und von der Coolness der beiden Vorgängerfilme ist auch nichts mehr übrig. Stattdessen bekommt man einen über zweistündigen Film geliefert, der zwischen Hongkong und Saigon hin und her pendelt und sich sehr in langweiligem Gerede verirrt und hin und wieder ein paar Action-Szenen liefert, die aber die Magie von John Woo vermissen lassen. Tsui Harks Inszenierungsstil in Sachen Action wirkt sehr viel grober, fast unbeholfen und vor allem langweiliger. Abgesehen von ein paar Schießereien bei Demonstrationen, bekommt man erst im Finale Blut zu sehen, wenn geschossen wird oder man ein Krankenhaus voller verletzter Kinder aufsucht. Eine nette Mark vs. Panzer – Szene entschädigt die vielen eher mauen vorausgegangenen Minuten, in denen mal einer erschossen wird oder etwas explodiert.

    Auch wenn Hark nicht die Illusion eines Filmes erwecken kann, der 1974 spielt, hat mir die Atmosphäre teilweise gut gefallen. Besonders die Szenen, die am Abend spielen, sind sehr schön ausgeleuchtet und entsprechen sehr viel mehr der Zeit, in der sie entstanden sind als der Zeit, in der sie spielen sollen. Doch das kann leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass mich die Story einfach nicht packen konnte und sich alles viel zu lang gedehnt hat. Immerhin wurde man fast durchweg mit einem guten Score von Lowell Lo und David Wu berieselt. 

    Fade Action, Drama, Liebe, politische Konflikte, Gangster und viel Geschwätzigkeit sind die Zutaten von HEXENKESSEL SAIGON, der als eigenständiger Film okay ist, aber als Vorgeschichte zu Mark eher überflüssig erscheint. 

    (Bjoern Candidus)

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 77

    Traumstadt Gazette Ausgabe 77

    Vampire in einer Kleinstadt, ein Alien, was im Wald landet, eine Frau, die spurlos verschwindet…

    In der 77. TRAUMSTADT GAZETTE sprechen Bjoern Candidus und Marco Fritz über

    -DES TEUFELS LOHN (1957)

    -NIGHTBEAST – TERROR AUS DEM WELTALL (1982)

    -DEATH WISH 3 (1985)

    -SPURLOS VERSCHWUNDEN (1988)

    -KATALIN VARGA (2009)

    -SALEM‘S LOT (2024)

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Beyond Terror, 1980 – ★★★

    Beyond Terror, 1980 – ★★★

    TERRORGANG
    (MAS ALLA DEL TERROR, Spanien, 1980, Regie: Tomás Aznar)

    Eine üble Bande, bestehend aus zwei Männern und einer Frau, nehmen nach einem Blutbad, was sie in einer Kneipe angerichtet haben, ein Pärchen als Geissel und verstecken sich im Haus einer alten Frau und ihrem kleinen Enkel. Als sie das Haus schließlich in Brand setzen, verflucht die alte Frau die Bande, bevor sie in den Flammen umkommt. Der Fluch lässt nicht lange auf sich warten. In einer alten Kirche kommt es zum Konflikt mit übersinnlichen Mächten auf dem Rachefeldzug. 

    Klingt gar nicht schlecht, was einen hier erwarten soll. Man hält zwar die Versprechen ein, nur bewegt sich Regisseur Tomás Aznar im Rahmen von einer Handvoll Peseten, was den Film entsprechend aussehen lässt. Aber das soll nichts heißen, denn die Ranzigkeit und die geballte Ladung ätzender Charaktere (auf allen Seiten) kann auch eine Wohltat sein, wenn man sich gerne mal „Dreck“ antut. Anfänglich blitzt Wes Cravens LAST HOUSE ON THE LEFT (1972) auf, während im späteren Verlauf das Hexenfluch-Thema und die damals angesagte Zombiewelle aufgegriffen wird. In den Kirchen-/ Gruft-Szenen ist eine ähnliche Patina auszumachen wie in Andrea Bianchis einem Jahr später entstandenen DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES (1980). Brustwarzen werden hier zwar nicht abgebissen, aber immerhin explodiert ein Kopf. Sex, Gewalt bis hin zu Mord bestimmt das Geschehen. Da man es durch die Bank mit moralisch verwerflichen Charakteren zu tun hat, wird es knapp mit Identifikationsfiguren, und so freut man sich über jedes Ableben der Damen und Herren. Die Darsteller sind keine Offenbarungen, und für einige blieb dieser Film der einzige, dennoch passen sie perfekt in das räudige Gesamtpaket, was Tomás Aznar hier geschnürt hat. 

    TERRORGANG ist eine krude, brutale Mischung aus Banden- und Horrorfilm, der nichts auslässt, um den Zuschauer anzuspucken. Wahrlich kein Meisterwerk, aber ein gutes Beispiel für spanisches Exploitation-Kino, was immer etwas untergeht. 

    (Bjoern Candidus)

  • Return from Death: Frankenstein 2000, 1991 – ★★★

    Return from Death: Frankenstein 2000, 1991 – ★★★

    FRANKENSTEIN 2000
    (FRANKENSTEIN 2000 – RITORNO DALLA MORTE, Italien, 1991, Regie: Joe D‘Amato)

    Georgia, die mit telepathischen und telekinetischen Kräften ausgestattet ist, wird von drei jungen Männern in ihrem Haus überfallen. Als ihr einer der Täter mit einem Gegenstand auf den Kopf schlägt, fällt sie in ein Koma. Man beschuldigt schließlich den Falschen: den alten Ric, einen Freund von Georgia. Als man diesen später in seiner Zelle aufhängt und es wie ein Selbstmord aussehen lässt, scheint er als der Täter festzustehen. Doch Georgia, die immer noch im Koma liegt, kennt ihre Täter und aktiviert Rics toten Körper mit ihren übersinnlichen Kräften, um sich an ihren Peinigern zu rächen.

    Joe D‘Amatos letzter Horrorfilm ist eine unglaubliche Mischung aus bekannten Zutaten, die in einem Paralleluniversum angesiedelt zu sein scheinen. Während man in der Titel-Sequenz direkt an SADO – STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF (1979) denken muss, wo man die Landschaft Südtirols präsentiert bekommt, ist es hier die Steiermark in Österreich. Doch irgendwas stimmt dort nicht. Die Namen der Figuren werden alle amerikanisiert, aber auf den zahlreichen Werbetafeln kann man ganz klar die deutsche Sprache erkennen. Egal. Der sonderbare Ort hat auch keine Polizei, sondern zwei Wachleute, die sich „Schutzengel“ nennen, aber offensichtlich die gleichen Funktionen übernehmen. Die beiden werden von dem einflussreichen Hoffner bezahlt und gesteuert, denn der will die Touristik in dem beschaulichen Ort nicht gefährden. Gegen eine Nazi-Themen-Party, die mit dem Wort „Heil“ am Eingang des Clubs die Leute begrüßt, hat man offensichtlich nichts. Als Nazis sind die Gäste, die zu 80er-Musik tanzen, allerdings auch nicht verkleidet, aber ein riesiges Hakenkreuz und ein Porträt von Hitler soll schon ausreichen, um sich hier an den Kopf zu packen. Aber man ist ja in Österreich… 

    Immer wieder kommt es zu unfasslichen Momenten, die meistens schlecht inszeniert sind, aber zumindest auf ihre Art unterhalten. So irrsinnig wie das Ganze auch ist, langweilig wird es selten. D‘Amato kombiniert Elemente von PATRICKS HÖLLENTRIP (1978), bzw. PATRICK LEBT! (1980) mit dem Rape & Revenge-Thema, lässt den Frankenstein-Mythos allerdings nur im Titel oder im Namen des Arztes auftauchen oder ab dem Moment, wo Donald O‘ Brien (Ric) als wandelnder Toter mit zugetackerter Stirn durch die Gegend wankt. O‘ Brien, der zu dieser Zeit gesundheitlich schon angeschlagen war und seit den 80er-Jahren durch einen Unfall gehbehindert wurde, passt richtig gut in den Film, und manchmal kann D‘Amato in den Horror-Momenten um Ric eine ganz gute Atmosphäre erzeugen. Manches ist wirklich schön ausgeleuchtet, bevor es dann direkt wieder hässlich wird. Neben O‘ Brien sind mit Cinzia Monreale und Maurice Poli weitere gute Bekannte an Bord. Verkrampft wird die Inszenierung vor allem durch die vielen unbekannten Darsteller, die teilweise nur in diesem Film auftauchen. 

    Auch der Gore-Fan darf sich über den ein oder anderen Effekt freuen. Sehr schön ist die Szene, in der Ric einem Arzt den Kopf eindrückt. Der beste Moment ist allerdings ein unblutiger, in dem Ric einen Stormmast aus dem Boden reist, damit wegmarschiert, als würde er ein Kreuz zu seiner eigenen Kreuzigung schleppen und schließlich auf das Auto der „Schutzengel“ schleudert. Auch vor Kindern wird kein Halt gemacht, denn ständig wird der kleine Sohn von Georgia in ihren Visionen getötet. 

    FRANKENSTEIN 2000 ist eine ziemliche Katastrophe in fast allen Bereichen, gleichzeitig ist er aber auch unglaublich unterhaltsam und gespickt mit D‘Amato-Selbstzitaten (z.B. ein Kopf, der er in einen Kamin gedrückt wird), die ich als Fan-Service annehmen kann. 

    (Bjoern Candidus)

  • 11 Days, 11 Nights Part 3, 1989 – ★

    11 Days, 11 Nights Part 3, 1989 – ★

    ELF TAGE, ELF NÄCHTE – AFTERNOON 3
    (POMERIGGIO CALDO, Italien, 1989, Regie: Joe D’Amato)

    Der Zeitungsreporter Courtney bekommt den Auftrag, nach New Orleans zu reisen, um einen Artikel über eine Voodoo-Sekte zu schreiben. Begleiten tut ihn dabei seine Ehefrau Connie, der Courtney gerne zuschaut, wenn sie von anderen Männern gevögelt wird. In New Orleans lernt Courtney Norma Highway kennen, deren Mann von einer Sekte getötet wurde, während seine Frau Connie in den Bann des Voodoo-Priesters Budro gerät, der in erster Linie mit seinem Penis denkt.

    Gut 200 Filme hat Joe D’Amato gedreht, und sich neben seinen zahlreichen Sex- und Erotikfilmen auch immer wieder im Horrorgenre blicken lassen. Nicht selten hat er das eine Genre mit dem andren verbunden, und wenn es um die Grenzsprengung von grafischer Gewalt ging, war er in den 70er- bis 80er-Jahren eine verlässliche Quelle, die allerdings selten für Qualität stand. ELF TAGE, ELF NÄCHTE – AFTERNOON 3, der nur durch den deutschen Titel eine Fortsetzung der Reihe suggeriert, ist so ein Film, bei dem das Qualitätssiegel leider ausbleibt. 

    Als Produktions-Haus zeigte sich hier wieder D’Amatos Filmklitsche Filmirage verantwortlich, die bis 1994 aktiv war. Die Aufs und Abs von D’Amato sind bekannt, aber selten ist einer seiner Filme so langweilig wie ELF TAGE, ELF NÄCHTE – AFTERNOON 3. Von Anbeginn herrscht eine Sauerstoffarmut, die sich durch alle Bereiche zieht. Die ersten (ich hoffe, unfreiwilligen) Einschläfernungsversuche verübt bereits Piero Montanari mit seinem Score, der nach Homeshopping-TV-Kanälen und Billigpornos klingt. Letzteres passt ja auch, macht die Klänge aber nicht erträglicher. Und weil es so schön ist, erlebt man auch zahlreiche Szenen, in denen gesprochen wird, man aber nichts hört außer die Musik. Aber vielleicht sollte ich dankbar sein, dass man an den Stellen nichts hört, denn an den Stellen, an denen man etwas hört, hört man nur langweiliges Palaver. Man isst, fickt, labert, fickt, telefoniert, fickt, und nach knapp 70 Minuten verwandelt sich der öde Soft-Sexfilm mit dezentem Voodoo-Anstrich in einen Thriller. Immerhin schafft es Montanari sich musikalisch anzupassen. Alles, was man in den ersten 70 Minuten hätte gebrauchen können, um wenigstens ein bisschen Spannung aufzubauen, verbrennt D’Amato in den letzten 20 Minuten und hinterlässt trotzdem keinen Eindruck. Die meisten Zuschauer werden vermutlich längst eingeschlafen sein, wenn endlich mal Blut über einen weiblichen Körper fließen darf. Aber es ist nicht nur die langweilige Art, wie hier inszeniert wurde, sondern auch das schlechte Spiel der Darsteller. Diese erwecken nicht mal bei den Sex-Szenen einen Eindruck. Zumindest passt die nicht vorhandene darstellerische Qualität von Cort McCown, Valentine Demy und Carey Salley zum Rest des Films. 

    ELF TAGE, ELF NÄCHTE – AFTERNOON 3 ist ein extrem langweiliger, hässlich inszenierter Versuch, einen Sexfilm mit Filmen wie ANGEL HEART (1987), DAS RITUAL (1987) oder DIE SCHLANGE IM REGENBOGEN (1988) zu kombinieren, die zu dieser Zeit im Genre mehr oder weniger erfolgreich waren.

    (Bjoern Candidus)

  • Jack’s Back, 1988 – ★★★

    Jack’s Back, 1988 – ★★★

    THE RIPPER
    (JACK’S BACK, USA, 1988, Regie: Rowdy Herrington)

    100 Jahre nach den Morden des berühmt berüchtigten Jack the Ripper in London ereignet sich in L.A. eine Reihe von Morden, die klar vom Ripper inspiriert wurden. Dabei gerät der junge Arzt John unter Verdacht, der bereits auf einer heißen Spur ist. 

    Rowdy Herrington (ROAD HOUSE, 1989) stößt den Zuschauer schon von Beginn an in ein düsteres L.A. der 80er-Jahre. Ein kaltes Blau dominiert die ersten Eindrücke, in denen schon die erste Dame ihr Leben lassen muss. Dann setzt sich der Film erst mal. 

    Mit James Spader, der hier etwas an Christopher Walken erinnert, hat Rowdy Herrington ein gutes Händchen bewiesen. Spader passt sehr gut in seine Rolle. Außerdem dabei: Robert Picardo (STAR TREK – VOYAGER) und Cynthia Gibb (SALVADOR, 1986). 

    Die düstere Stimmung vom Anfang kann der Film leider nicht durchgehend halten, auch gibt es immer wieder zähe Momente, die das Geschehen etwas ausbremsen. Der sympathischer Spader, der 80er-Style, etwas Spannung, der ein oder andere Twist und ein wenig Blut sorgen unter dem Strich dafür, dass THE RIPPER als kleiner Ripper-Thriller mit Jekyll / Hyde-Elementen funktioniert, wenn auch nicht uneingeschränkt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Dracula A.D. 1972, 1972 – ★★★

    Dracula A.D. 1972, 1972 – ★★★

    DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN
    (DRACULA A.D. 1972, GB, 1972, Regie: Alan Gibson)

    Nach Draculas Vernichtung im Jahre 1872 durch Dr. Lawrence Van Helsing im Londoner Hyde Park, wird er 100 Jahre später bei einer Schwarzen Messe zu neuem Leben erweckt. Und wie es der Zufall will ist Jessica, eine der Hobby-Satansjünger, die Nachfahrin von Van Helsing. Dracula bereitet sich auf seine Rache vor.

    Nachdem man mit DRACULA – NÄCHTE DES ENTSETZENS (1970) mehr Härte lieferte, aber an der Kinokasse weniger Erfolg hatte, versuchte man sich bei Hammer an einer neuen Idee und verlegte die Handlung um Draculas Rückkehr in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts. So wirklich neu war die Idee nicht, denn Bob Kelljan versetzte seinen Graf Yorga bereits 1970 in die 1970er-Jahre und schlug eine gelungene Brücke zwischen dem klassischen und dem modernen Vampirfilm. 

    Regie führte diesmal Alan Gibson (CRESSENDO, 1970), und das Drehbuch schrieb Don Houghton, der die Handlung nach London verlegte. So wie DRACULA – NÄCHTE DES ENTSETZENS nicht an seinen direkten Vorgänger anknüpft, knüpft auch DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN nicht an DRACULA – NÄCHTE DES ENTSETZENS an. Die Pre-Titel-Sequenz, die die obligatorische Rückblick-Szene zeigt, spielt 1972 in England, genauer im Hyde Park, wo Dr. Lawrence Van Helsing mit Dracula auf einer Kutsche kämpft. Als die Kutsche gegen einen Baum kracht, wird Dracula von den Speichen der Wagenräder aufgespießt und zerfällt zu Staub, dem sich ein Fremder samt seinem Siegelring annimmt. Ein rasanter und gelungener Einstieg mit dem man sich aber auch direkt vom klassischen Anstrich verabschiedet und mit den Credits in ein modernes London startet. James Bernards klassische Klänge weichen den funky Beats von Michael Vickers. Das bringt schon mal frischen Wind in die Reihe, der kurze Zeit später noch intensiver bläst, wenn es ein Hippie-Konzert auf einer Party gibt, die durch den Dandy Johnny Alucard (!) eskaliert. Man lernt die Clique rund um Alucard kennen, der auch Jessica Van Helsing angehört. Alucard, der durch seine Familie an die Asche und den Siegelring von Dracula gekommen ist, überredet seine Freunde zu einer Schwarzen Messe in einer halb zerstörten Kirche, um Dracula zu erwecken. In diesen Momenten wird die Inszenierung wieder klassisch und erinnert an WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA (1970). Das Ritual, die Kirchen-Kulisse und der Moment, in der Caroline Munro als Laura Blut über den Körper gegossen wird, gehören zu den stärksten Momenten des Films. Dann taucht auch endlich Christopher Lee als Dracula auf, der hier sehr wortkarg ist und lieber knurrt. Sein neuer Handlanger, Johnny Alucard, wird von Christopher Neame verkörpert, während Jessica Van Helsing von Stephanie Beacham gespielt wird. Nachdem Peter Cushing in vier Teilen der Reihe aussetzte, ist er hier wieder am Start und gibt sich als Professor Lorrimer Van Helsing die Ehre. Insgesamt bekommt man mehr Cushing als Lee, doch beide können nicht wirklich auftrumpfen, da Gibons Inszenierung etwas sprunghaft und verwässert erscheint oder sich an Belanglosem festhält. Handwerklich ist man wieder auf gutem Niveau unterwegs, aber es mangelt eindeutig an Atmosphäre und die Inszenierung ist insgesamt viel zu hell geraten. 

    Trotz einiger Schwächen ist DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN ein unterhaltsamer Film, der sich im Rahmen der Reihe nicht verstecken muss. 

    (Bjoern Candidus)

  • Gate II, 1990 – ★★★

    Gate II, 1990 – ★★★

    GATE 2 – DAS TOR ZUR HÖLLE
    (THE GATE II: TRESPASSERS, Kanada, 1990, Regie: Tibor Takács)

    Während Glen mit seinen Eltern weggezogen ist, wohnt Terry noch immer gegenüber des Hauses seines Freundes, in dem er gemeinsam mit ihm gegen die Mächte der Finsternis gekämpft hat. Die Erlebnisse haben Terry sehr geprägt, der mittlerweile zu einer Art Okkult-Nerd geworden ist und die Mächte des Bösen beschwört, um sich ihrer habhaft zu machen. Spontane Hilfe bekommt er dabei von drei Jugendlichen. Sie öffnen das Tor zur Hölle, durch das ein dämonischer Minion entkommt, bevor das Tor wieder geschlossen werden kann. Einer der Teenager erschießt die kleine Kreatur, die Terry daraufhin in einem Glas aufbewahrt. Doch so tot wie der Minion scheint, ist er nicht, und neues Unheil bahnt sich an. 

    Tibor Takács Fortsetzung zu GATE – DIE UNTERIRDISCHEN (1987) startet vielversprechend. Das tragische Leben von Terry, der erneut von Louis Tripp verkörpert wird, wird weitererzählt. Wie man im 1. Teil erfahren hat, ist seine Mutter gestorben, was sich im 2. Teil zu einem Alkoholproblem des Vaters entwickelt, was Terry dazu antreibt, zu flüchten und sich dem Dämonischen hinzugeben. Keine schlechte Prämisse für einen Horrorfilm, aber auch keine untypische. 

    In der ersten halben Stunde geht das Konzept ganz gut auf, und auch wenn auch wenn die Magie des Vorgängers ein wenig verflogen ist, kann Takács eine ähnliche Atmosphäre aufbauen, doch die bröckelt leider immer mehr weg. Auch GATE 2 bietet ein paar skurrile Momente und kann durchaus ein paar ansehnliche Effekte aufweisen, doch bedenkt man das verdreifache Budget gegenüber des Vorgängers, darf man sich schon fragen, wo das Geld hin geflossen ist. Aus vielen Minions wird zum Beispiel nur einer und von einem großen Monster, wie man es 1987 noch bekommen hat, kann man hier nur träumen. Gegen Ende wird zwar ein Monster geliefert, doch das hinterlässt leider keinen guten Eindruck. Ganz nett ist der Übergang in die andere Dimension, die sich als karge Wüstenlandschaft mit Felsformationen präsentiert. Überhaupt ist die GATE 2 etwas mehr in Bewegung was die Schauplätze angeht. Mal ist man im Haus von Terry und seinem Vater, mal im verlassen Haus von Glen; mal geht man essen oder ist mit Auto unterwegs oder wechselt die Dimension. 

    Die sympathischen Figuren, die GATE so liebenswert machte, sind hier nur noch in Terry und seiner Freundin Liz (Pamela Adlon) zu finden, dafür sind mit John (James Villemaire) und Moe (Simon Reynolds) zwei ätzende Idioten an Bord, die mit ein Grund sind, warum GATE 2 schnell nachlässt, gut zu unterhalten. 

    GATE 2 – DAS TOR ZUR HÖLLE kann die Stärken seines Vorgängers leider nicht ganz aufbringen. Der Film ist spannungsarm, die Effekte solide, aber auch grober und sehr viel weniger phantasievoll. Kurzweilig ist das Ganze dennoch. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Gate, 1987 – ★★★★★

    The Gate, 1987 – ★★★★★

    GATE – DIE UNTERIRDISCHEN
    (THE GATE, Kanada, 1987, Regie: Tibor Takács)

    In einer typischen us-amerikanischen Vorstandssiedlung: Die beiden Freunde Glen und Terry finden eine Amethyst-Geode im Erdboden des Gartens. Als sie die Geode aufschlagen, hinterlässt diese den Abdruck einer Beschwörungsformel, die die beiden Jungs vorlesen. Hinzu kommt, dass sie eine ihrer Heavy Metal Platten rückwärts abspielen und so das Tor zur Hölle in Glens Garten öffnen. Kleine Monster krabbeln an die Oberfläche und machen den beiden Jungen und Glens Schwester Al das Leben schwer. 

    Wenn man mich nach einem Wohlfühl-Horrorfilm aus den 80er-Jahren fragt, wird mir sehr schnell die kanadische Produktion GATE – DIE UNTERIRDISCHEN von Tibor Takács einfallen. Als Horror- und Monster- Fan, der ich damals bereits war, konnte mich Takács natürlich abholen. Filme wie POLTERGEIST (1982), GREMLINS (1984) und GHOSTBUSTERS (1984) sind hier zu erkennen und natürlich der ebenfalls 1987 erschienene MONSTER BUSTERS von Fred Dekker. Familientaugliche Horrorfilme voller Spezialeffekte und Monster waren angesagt, und besonders kleine Monster wie die GREMLINS und die CRITTERS (1986) fraßen sich erfolgreich durch die Kinoleinwände und den heimischen Fernsehern. 

    In GATE mischt Takács die Größe seiner Kreaturen. Es gibt die griesgrämigen Minions, kleine Monster, die aus der Tiefe des Erdreiches nach oben dringen und von Darstellern in Latexkostümen verkörpert werden, und es gibt ein riesiges Monster, was mittels Stop-Motion-Effekten zum Leben erweckt wird. Die visuellen Tricks, um hier Kleines groß und Großes klein darzustellen, sind vorzüglich. Die Qualität im Bereich Masken, Make-up, Monster-SFX und Design ist rundum gelungen und stellt viele ähnlich gelagerte Produktionen jener Tage in den Schatten. Takács und sein Team hat ganz viel Liebe und Geschick aufgebracht, was man jeder Zeit erkennen kann. 

    Aber die Magie von GATE kommt nicht nur durch die Tricks und Effekte, sondern auch durch die sehr sympathischen Kinder-Darsteller. Der gerade mal 14jähtige Stephen Dorff spielt Glen, und sein bester Freund Terry, dessen Mutter gerade erst verstorben ist, wird von Louis Tripp dargestellt, die beide gerne Heavy Metal hören, absolut authentisch wirken und nie nerven. Glens Schwester Al wird von Christa Denton verkörpert, die lediglich ein paar dümmliche Freundinnen mit in die Handlung bringt. Da Glens Eltern über das Wochenende verreist sind, sind die Kinder auf sich allein gestellt, und so müssen sie sich das erste mal im Leben richtig behaupten. 

    GATE – DIE UNTERIRDISCHEN ist ein phantasievoller Horrorfilm mit großen und kleinen Monstern, sympathischen Figuren, einer Prise Humor und Spannung, einer gruseligen Atmosphäre und starken Spezialeffekten. Für mich gibt es hier nichts dran auszusetzen.

    (Bjoern Candidus)

  • False Face, 1977 – ★★★

    False Face, 1977 – ★★★

    SKALPELL – BLUTIGES SPIEGELBILD
    (FALSE FACE, USA, 1976, Regie: John Grissmer)

    Der Schönheitschirurg Dr. Reynolds hat einen Plan. Er rettet einer jungen Frau das Gesicht und formt es nach seiner geliebten Tochter Heather, die seit einem Jahr verschwunden ist. Doch sein Plan ist kein altruistischer, denn gemeinsam mit „Jane Doe“, wie man die junge Frau nennt, die an Gedächtnisverlust leidet, will er an das Erbe seines Großvaters kommen, der Heather alles vererbt hat. Der Plan geht auf, Reynolds Verwandte glauben, dass „Jane Doe“ Heather ist, und dem Erbe steht nichts mehr im Wege. Doch dann taucht die echte Heather wieder auf.

    John Grissmer (BLOOD RAGE, 1987) hat hier einen durchaus interessanten Erbschaft-Psycho-Thriller mit leicht inzestuösem Einschlag abgeliefert. Anfänglich erinnert die Story etwas an AUGEN OHNE GESICHT (1960), doch schnell wird klar, dass es sich bei SKALPELL – BLUTIGES SPIEGELBILD um einen Erbschafts-Thriller samt Psychopathen handelt. 

    Die Inszenierung sieht insgesamt ordentlich aus, ist solide fotografiert und liefert neben einer geräumigen Villa ein paar schöne Wald- und Garten-Szenen, die eine gewisse Lebendigkeit mitbringen. Leider mangelt es an Spannungsmomenten und die sehr konstruierte Story verabschiedet sich manchmal etwas von der Logik und wirft Fragen auf, die nie beantwortet werden. Von Schauwerten in Sachen Gewalt kann auch nicht groß berichtet werden; der härteste Moment findet in den ersten 5 Minuten statt.

    Mit Robert Lansing als Dr. Phillip Reynolds hat man einen sonderbaren Typen an Land gezogen, dem man die Psychopathen-Rolle gut abnimmt. Lansings optische Nähe zu Gerhard Schröder ist allerdings am erschreckendsten. Judith Chapman macht in ihrer Doppelrolle als Heather und Jane durchaus Spaß. Man sorgt dafür, dass man sie in leichten Nuancen immer auseinanderhalten kann, wenn sie gerade in einem Raum sind. Hier hat man durchaus gut getrickst. 

    SKALPELL – BLUTIGES SPIEGELBILD ist ein solider Psycho-Thriller, der mit kleinen Längen und inhaltlichen Schwächen zu kämpfen hat, aber dennoch unterhält. 

    (Bjoern Candidus)