Autor: marco-fritz

  • Class of Nuke ‚Em High 3: The Good, the Bad and the Subhumanoid, 1994 – ★½

    Class of Nuke ‚Em High 3: The Good, the Bad and the Subhumanoid, 1994 – ★½

    CLASS OF NUKE ‚EM HIGH 3 – ZWEI VERSTRAHLTE HALUNKEN
    (CLASS OF NUKE ‚EM HIGH 3: THE GOOD, THE BAD AND SUBHUMANOID, USA, 1994, Regie: Eric Louzil)

    Das riesige Eichhörnchen Tromie ist besiegt worden, nachdem es halb Tromaville zerstören konnte. Doch ein neues Atomkraftwerk lässt nicht lange auf sich warten. Wer auch nicht mehr warten kann, ist das Baby, was Roger Smith mit einer Subhumanoiden gezeugt hat. Doch als der kleine Adlai gesund zur Welt kommt, stirbt die Mutter. Was Roger allerdings nicht weiß: es kamen Zwillinge zur Welt, und sein anderer Sohn, Dick, wächst bei dem wahnsinnigen Dr. Slag, PhD auf, der die Kontrolle über Tromaville mit seiner Armee von Subhumanoiden erreichen will. 

    Konnten mich die beiden Vorgängerfilme noch sehr gut unterhalten, hatte ich arge Probleme mit CLASS OF NUKE ‚EM HIGH 3 – ZWEI VERSTRAHLTE HALUNKEN, der wieder unter der Regie von Eric Louzil entstanden ist.

    Nach einigen Rückblicken aus WAHNSINNS-TRIP – CLASS OF NUKE ‚EM HIGH 2 (1991) geht der Irrsinn weiter. Doch schnell merkt man der Produktion ein Mangel an Kreativität an. Die Masken, Kostüme und die Accessoires der Figuren, sind zwar erneut Hingucker, doch es gibt kaum neue Aspekte, noch schafft man es, den schrägen Ton der Vorgänger aufrecht zu erhalten. In CLASS OF NUKE ‚EM HIGH 3 verkommt alles zu einer lächerlichen Kirmes auf Sparflamme. Dem Höher-schneller-weiter-Prinzip der Fortsetzung hat man sich hier nicht bedient, stattdessen gibt es minderwertige Tricks (verglichen mit Teil 1 und 2), sehr viel weniger Figuren, Action und Gore. Dafür bekommt man lächerliche Figuren (gleich 3x Brick Bronsky, und der reicht schon einmal), die ständig dummes Zeug quatschen und mich über 100 Minuten nur genervt haben. Vielen wird das auch mit den Vorgängern so gegangen sein, aber die habe ich sehr viel unterhaltsamer empfunden. 

    Mit CLASS OF NUKE ‚EM HIGH 3 – ZWEI VERSTRAHLTE HALUNKEN ist das Thema auf einen Schlag erledigt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Slaughterhouse, 1987 – ★★½

    Slaughterhouse, 1987 – ★★½

    SLAUGHTERHOUSE
    USA, 1987, Regie: Rick Roessler)

    Gierige Geschäftsmänner und die Stadtverwaltung von Lakeside 
    wollen den Schlachthof von Lester und seinem degenerierten, ständig grunzenden Sohn Buddy schließen. Das passt den beiden Schmierköpfen so gar nicht in den Kram. Nach und nach werden die Beteiligten aus dem Weg geräumt. Als noch eine Gruppe von Jugendlichen ins Geschehen stolpert, heißt es: noch mehr Fleisch zum verwursten!

    Regisseur Rick Roessler, der davor und danach keinen anderen Film mehr gedreht hat, hat hier einen typischen 80er-Jahre-Slasher mit Backwood-Anstrich gezimmert. Das Set-Design orientiert sich mit der Farm und den zahlreichen Tierkadavern und Schädeltrophäen stark an TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974), aber auch der weniger bekannter PIGS (1973) flimmert auf. So ernst ist SLAUGHTERHOUSE aber längst nicht, was schon der schlimme Big Band-Song des Vorspanns verrät. Immerhin bleibt die Inszenierung kontinuierlich dreckig und stellenweise blutig. Trotz einiger Spitzen hält man sich mit grafischer Gewalt zurück. Dafür beweist Roessler ein Händchen für düstere Atmosphäre, die er besonders im letzten Drittel entfaltet. 

    Weniger überzeugend sind die Antagonisten. Der Schlachter mit seinem korpulenten, ständig grunzenden Sohn mit nur einer Gehirnzelle, sind weder innovativ noch besonders furchteinflößend. Dennoch passen sie gut zur ranzigen Schweinefarm. Nicht weniger dumm ist Jungvolk, was sich zur Farm verirrt und nach und nach dezimiert wird.  

    SLAUGHTERHOUSE ist ein Horror-Slasher mit stumpfsinnigen Figuren, die auf gewohnte Art ableben müssen. In erster Linie kann die dichte Atmosphäre und das dreckige Farm-Set Roesslers Inszenierung über Wasser halten. 

    (Bjoern Candidus)

  • Citizen X, 1995 – ★★★★

    Citizen X, 1995 – ★★★★

    CITIZEN X
    (USA, 1995, Regie: Chris Gerolmo)

    Chris Gerolmo hat hier den Fall des russischen Seriemörders Andrei Romanowitsch Tschikatilo für den US-Sender HBO aufgearbeitet. Als Grundlage dient Robert Cullens Buch über den russischen Serienmörder, was 1993 unter dem Titel „The Killer Department“ erschienen ist. Zwischen 1978 – 1990 hat Tschikatilo mindestens 52 Kinder, junge Männer und Frauen ermordet. 

    Der Fokus von CITIZEN X liegt auf der Ermittlungsarbeit des Gerichtsmediziners Viktor Burakow, der plötzlich als Ermittler eingesetzt wird, da man in der damaligen Sowjetunion keinerlei Erfahrungen mit Serienmördern hatte. Man hatte sie sich förmlich vom Leib geredet und als Phänomen des dekadenten Westens zugeschrieben. Man bekommt viele Einblicke in die politische Gesinnung, in die Machtstrukturen und Vertuschungsmechanismen, die die Inszenierung zusätzlich bedrückend und sehr spannend macht. 

    Aber Gerolmos Inszenierung lässt einen auch an Tschikatilos Leben und Taten teilhaben. Es gibt einige Szenen, in denen er seine Opfer anlockt und im Wald grausam tötet und verstümmelt. Grafische Gewalt gibt es immer nur ganz kurz zu sehen, die aber vollkommen ausreicht, um einen kleinen Einblick in das brachiale Verhalten Tschikatilos zu bekommen. Besonders unangenehm sind die Aufnahmen der verrotteten Leichen in der Pathologie, die überall Stichwunden aufweisen. Das sind kurze, aber harte Momente, die auch die empfindsame Seite von Viktor Burakow heraufbeschwören, der immer mal wieder anfangen muss zu weinen, was ihm sogar einmal zum Verhängnis wird, denn „echte Männer“ tun so was ja nicht. Burakow wird sehr eindrücklich von Stephen Rea dargestellt, der sich mit Donald Sutherland als Oberst Michail Fetisow herumschlagen muss, der sich letztlich aber noch als angenehmster Genosse herausstellt, währe da nicht noch Max von Sydow als Psychiater Dr. Alexander Buchanowski. Aber auch Jeffrey DeMunn macht sich als Andrei Romanowitsch Tschikatilo außerordentlich gut. Die Besetzung ist samt zahlreicher Nebenfiguren sehr stark. 

    In kalten, fast dokumentarischen Bildern nimmt einen Gerolmo mit CITIZEN X auf eine Reise in den Abgrund einer menschlichen Seele mit und zeigt gleichzeitig die Schrecken eines kernvergifteten Systems auf.

    (Bjoern Candidus)

  • The Changeling, 1980 – ★★★½

    The Changeling, 1980 – ★★★½

    DAS GRAUEN
    (THE CHANGELING, Kanada, 1980, Regie: Peter Medak)

    Nach einem tragischen Autounfall, bei dem die Frau und die Tochter von John Russell ums Leben kommen, will sich der Musiklehrer in einem abgelegenen Herrenhaus zurückziehen. Doch die anfängliche Ruhe wird schnell beendet. Er hört merkwürdige Geräusche im Haus, und dann hat John eine unheimliche Vision, die ihn zu einem schrecklichen Geheimnis führt. 

    Für das Baujahr 1980 verhält sich Peter Medaks Regiearbeit sehr klassisch und orientiert sich deutlich an BIS DAS BLUT GEFRIERT (1963) von Robert Wise, der es mit Bravour verstanden hat, den Schrecken durch Geräusche oder Bewegungen zu erzeugen. Statt einer Harfe erklingt hier ein Klavier und eine Türe öffnet sich statt sich zu schließen. Auch das Hämmern aus Wise Film wird hier quasi kopiert, aber auch aufgelöst.

    Die Auflösung von Geheimnissen steht meistens im Vordergrund von Geisterfilmen, und DAS GRAUEN bildet da keine Ausnahme. Und so steht hier der charismatische George C. Scott als Musiklehrer John Russell im Mittelpunkt eines Spukes, der ihn in seinem neuen Haus heimsucht. Die angenehme Ruhe, die Scott ausstrahlt, passt zur schleichenden Art der Inszenierung. Auch Melvyn Douglas, Trish Van Devere, Ruth Springford und John Colicos werten den Film ungemein auf und rettet ihn da, wo er manchmal etwas versagt. Obwohl DAS GRAUEN insgesamt eine unheimliche Atmosphäre liefert, die vor allem von dem riesigen Herrenhaus ausgeht, ist durchaus ein leichter Mangel an Spannung zu verzeichnen. Es gibt kaum Überraschungen noch Innovationen, und nichts will sich wirklich festbrennen. DAS GRAUEN funktioniert in seiner Gesamtheit, zeichnet sich durch eine sehr starke Fotografie von John Coquillon aus, die von einem passenden Score von Rick Wilkins begleitet wird.

    Wer auf klassische, konventionelle Geister-Horrorfilme steht, die sich durch Atmosphäre und schleichenden Schrecken auszeichnen, wird mit DAS GRAUEN gut unterhalten. Das gewisse Etwas hat Medak leider vergessen. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Great Alligator, 1979 – ★★½

    The Great Alligator, 1979 – ★★½

    DER FLUSS DER MÖRDERKROKODILE
    (IL FIUME DEL GRANDE CAIMANO, Italien, 1979, Regie: Sergio Martino)

    Eigentlich sollte der Pressefotograf Daniel mit seiner Begleitung, dem Fotomodel Sheena, nur Fotos für den Hotelmanager Mr. Joshua machen. Doch kurz vor der Eröffnung des Luxushotels mitten im Dschungel verschwindet Sheena spurlos. Gemeinsam mit der Hotelangestellten, Alice, begibt sich Daniel auf die Suche nach Sheena, die sie in die Welt der Kumas führt, die in den Wäldern beheimatet sind und durch den Tourismus ihr Land gefährdet sehen. Doch ein riesiger Kaimane, den die Kumas für den Zorn ihres Gottes halten, freut sich über das Frischfleisch. 

    Nach DIE WEISSE GÖTTIN DER KANNIBALEN (1978) und INSEL DER NEUEN MONSTER (1979) legt Sergio Martino (TORSO, 1973) mit DER FLUSS DER MÖRDERKROKODILE den dritten Teil seiner Abenteuer-Trilogie vor. Nach Kannibalen im Dschungel und Fischmenschen auf einer Insel, geht es hier um ein Riesenkrokodil (genauer: um einen Kaimane). Das einzige Verbindungsstück ist Claudio Cassinelli, der in allen drei Filmen dabei ist. 

    Das Schöne im Gesamtwerk von Sergio Martino ist, dass seine Filme fast durchweg gut aussehen. Die Fotografie passt, die Schauplätze stimmen und die Wahl der Darsteller ist meisten gelungen. Auch DER FLUSS DER MÖRDERKROKODILE sieht wirklich wunderschön aus. Man bekommt im Grunde die ganze Zeit die Naturkulisse von Sri Lanka geliefert, die im Einklang mit Stelvio Ciprianis Score fast wie ein Urlaubsvideo daherkommt. Das passt natürlich, da Claudio Cassinelli als Fotoreporter Daniel Werbefotos von der Hotelanlage samt sexy Ladies machen soll, um Urlauber anzulocken. Leider dehnt Martino diese Szenen ziemlich aus und kümmert sich auch im weiteren Verlauf mehr um das Treiben in der Hotelanlage als um seinen Kaimane. Das ist langweilig, sieht aber immer nett aus. Zumindest bekommt man zwischendurch einige Einblicke in das Leben der anfänglich noch friedlichen Kumas, die im letzten Drittel die Schnauze voll haben von den Touristen und den Zerstörern ihres Lebensraums, die die Rache ihres Gottes heraufbeschworen haben. Bei der Rache hätte Martino punkten können, aber sein Kaimane ist leider eher ein Häufchen Elend als ein gepanzertes Riesenreptil. Es gibt ein paar gute Momente, wenn die Schnauze aus dem Wasser fährt und Menschen angreift, aber wenn man es unter Wasser im Ganzen sieht, ist es so bewegungsfähig wie ein Brett. 

    Neben Bäumen, Flüssen und Tieren sind es dann die guten Bekannten, die hier für Stimmung sorgen. Barbara Bach, Claudio Cassinelli und Richard Johnson sind wie in INSEL DER NEUEN MONSTER (1979) am Start. Johnson ist nur kurz im Bild, aber die Figuren von Bach und Cassinelli bekommen hier eindeutig mehr Leben eingehaucht. Und der gute alte Mel Ferrer darf als skrupelloser Manager des Luxushotels auffahren.

    Trotz viel langweiligem Geschwätz bleibt die Atmosphäre, am Tag wie in der Nacht, immer dicht und die Fotografie von Giancarlo Ferrando ordentlich, doch es mangelt Martinos Inszenierung an Spannung, Action und Tierhorror-Momenten. Und so sei DER FLUSS DER MÖRDERKROKODILE lediglich Fans von Martino- und italienischen Abenteuerfilmen empfohlen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Deadly Games, 1982 – ★★★

    Deadly Games, 1982 – ★★★

    DEADLY GAMES
    (USA, 1982, Regie: Scott Mansfield)

    In einer US-Kleinstadt stürzt eine Frau zu Tode. War der Sturz aus dem Fenster ein Unfall oder ein Mord? Ihre Schwester Keegan, eine Journalistin, will herausfinden, was mit Linda passiert ist und reist zurück in ihre Heimatstadt. Dort trifft sie auf ihre alten Freundinnen, die über den Tod von Linda schockiert sind. Der ermittelnde Polizist Roger ist ganz fasziniert von der überdrehten Keegan. Aber auch Rogers bester Freund Billy ist angetan. Gemeinsam verabreden sich die Drei, um einen Film im Kino zu gucken, in dem Billy arbeitet. Doch die Idylle der Kleinstadt hält nicht lange, denn es kommt zu einem weiteren Mord. 

    Scott Mansfield hat hier einen interessanten Hybriden aus Slasher- und Psycho-Thriller geschaffen, der sich vor allem visuell sehen lassen kann. Spannung und Terror verbreitet der Film bereits in den ersten 5 Minuten, und dabei sieht er sehr stylisch aus. Immer wieder kommt es zu sehr prickelnden Szenen in der Dunkelheit (manchmal entpuppen sie sich als Day-for-Night-Shot), in denen der Killer Frauen auflauert, sie verfolgt oder attackiert. Durch sein Outfit: schwarze Hose, schwarzer Pullover, schwarze Sturmhaube, bei der man nur die stechenden Augen sehen kann, bekommt man ein realistisches Bild von einem Täter. Das Outfit gab es bereits 1980 bei PROM NIGHT. 

    Die ordentliche Fotografie wird von einem ebenfalls spannungsgeladenen Score von Robert O. Ragland wirksam unterstützt. Die Kleinstadt Atmosphäre, in der jeder jeden kennt, in dem man sich die Zeit mit Sport oder Kneipenbesuchen vertreibt, wird intensiv gelebt, manchmal auch zu Ungunsten des Zuschauers. Der Film ist reich an Figuren, besonders an weiblichen, dazu gibt es viel Dialog. Leider ist das Hauptproblem die Hauptdarstellerin. Jo Ann Harris (CITY MONSTER, 1974) ist als Keegan leider völlig nervig und überdreht gezeichnet, während die meisten anderen Damen viel angenehmer daherkommen. Das Hauptaugenmerk liegt dann aber doch auf zwei Männern: Sam Groom (NIGHT EYES, 1982) als ermittelnder Polizist Roger Lane und Steve Railsback (ED GEIN, 2000) als sein Vietnamkrieg-Kumpel Billy Ownes. Beide sind gut gecastet, doch ihre Charaktere verbergen zu keiner Zeit, dass sie einen ordentlichen Schaden haben. Dass sich der Film dann in der Mitte zu einer sonderbaren Dreiecksbeziehung entwickelt, nimmt ihm etwas die Fahrt, zumal er sich auch wiederholt. Dennoch merkt man Scott Mansfields Inszenierung Spaß und Freude am Genre an, wofür z.B. auch einige Horrorfilm-Verweise sprechen. 

    Auch wenn die Story von DEADLY GAMES etwas sonderbare Auswüchse hat, wird man visuell gut bedient. Sieht man von ein paar langweiligen Momenten ab, darf man sich auf viel Spannung und Terror freuen.

    (Bjoern Candidus)

  • Body Count, 1986 – ★★★

    Body Count, 1986 – ★★★

    BODY COUNT – MATHEMATIK DES SCHRECKENS
    (CAMPING DEL TERRORE, Italien, 1986, Regie: Ruggero Deodato)

    Eine Gruppe Jugendlicher fahren raus ins Grün, um in einem geschlossenen Campingplatz ihren Urlaub zu verbringen. Doch die Anwohner sind wenig begeistert von den Besuchern, denn einst haben Morde das Camp überschattet, und so wurde es seit dieser Zeit geschlossen. Auch die Legende um einen verfluchen Medizinmann hält die Jugendlichen nicht fern von dem Ort, und das werden sie schnell bereuen. 

    Ruggero Deodato hat mit BODY COUNT – MATHEMATIK DES SCHRECKENS einen waschechten Horror-Slasher gedreht, der in der Tradition von FREITAG DER 13. (1980) und VOR MORGENGRAUEN (1981) steht. Auch hier geht es in die Wälder, in den Schoß von Mutternatur. 

    Und so karrt Deodato gleich eine ganze Ladung klischeedurchtränkter Jugendlicher an, die immerhin nicht ganz so ätzend inszeniert wurden wie in vielen US-Produktion. An Hirn mangelt es ihnen trotzdem, aber nichts anderes erwartet man ja auch bei solchen Filmen. Interessanter ist eher die Wahl die für die älteren Damen und Herren getroffen wurde. Mimsy Farmer (VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT, 1971) und Luisa Maneri (JUNGE MÄDCHEN ZUR LIEBE GEZWUNGEN, 1978) verstärken den weiblichen Cast, David Hess (LAST HOUSE ON THE LEFT, 1972), Ivan Rassimov (DIE FARBEN DER NACHT, 1972), Charles Napier (RAMBO 2, 1985) und John Steiner (CUT AND RUN, 1984) den männlichen. Also für einen bunten Strauß an guten Bekannten wurde gesorgt, und das macht die Inszenierung durchaus unterhaltsam. Damit kann Deodato auch ein bisschen über das ansonsten ausgelutsche Slasher-Thema hinwegtäuschen. Wobei er das gar nicht muss, denn auch als Slasher ist BODY COUNT durchaus brauchbar. Man bekommt einige harte Kills geliefert, die durchweg gut inszeniert wurden. Mit Komponist Claudio Simonetti gibt es einen weiteren guten Bekannten, der hier zwar nicht durchgängig überzeugt, aber dennoch stimmige Arbeit abliefert. 

    Ein richtiger Hingucker ist vor allem der Schauplatz. Gedreht wurde in den Abruzzen, in Italien, und Deodato und Kameramann Emilio Loffredo verstehen es, die Illusion zu erwecken, dass BODY COUNT in den USA spielt. Die herbstliche Wald-, Wiesen- und Berg-Kulisse macht wirklich was her und ist im Slasher-Kino selten schöner anzutreffen. Weniger gelungen ist der Antagonist, der Killer hinter einer Latexmaske, die einen verschrumpelten Mann darstellt. Hier musste ich an DER FLUCH DES BLUTIGEN SCHATZES (1983) denken, am Ende hingegen an MUTTERTAG (1980). Existiert der Indianer-Fluch um den Medizinmann wirklich oder ist der Killer irdischer Natur? Schaut selbst. 

    BODY COUNT – MATHEMATIK DES SCHRECKENS ist ein solider Slasher, der liefert, was man von dieser Gattung Film erwartet. 

    (Bjoern Candidus)

  • Sightseers, 2012 – ★★★★

    Sightseers, 2012 – ★★★★

    SIGHTSEERS
    (GB, Frankreich, 2012, Regie: Ben Wheatley)

    Das frisch verliebte Pärchen Chris und Tina machen mit ihrem Wohnmobil Urlaub in Nordengland. Dabei entdeckt Chris, der eigentlich sein erstes Buch schreiben will, dass man Menschen, die in seinen Augen unwert sind, am besten umbringt. Tina muss er nicht groß überzeugen; sie hält Mord sogar für ökologisch. Gemeinsam gehen sie auf eine mörderische Tour. 

    Ben Wheatley, der mit KILL LIST (2011) sofort mein Herzen erreichen konnte, liefert mit SIGHTSEERS eine schwarze Komödie im Rahmen eines Roadmovies mit teils sehr brutalen Szenen. Dialoge und Situationskomik der feinsten Sorte stehen auf dem Programm. Viele der Situationen und Charaktere sind aus dem Leben gegriffen, wirken authentisch und nachvollziehbar, und genau dadurch gewinnt Wheatleys Film. Die Wenigsten können sich vermutlich davon freisprechen, gedanklich nicht mal den ein oder anderen zu vermöbeln, wenn er es verdient hat. Chris und Tina setzen genau das um, und zwar ohne Grenzen. Menschen werden überfahren, aus großer Höhe in den Tod gestoßen oder es werden ihnen einfach die Köpfe eingeschlagen. Und wenn sie keinen Grund haben, erfinden sie einen. Das ein oder andere Mal musste ich an John Dall aus COCKTAIL FÜR EINE LEICHE (1948) denken, der sich auch alles schön zurecht legen konnte. Noch mehr drängt sich aber eine Art NATURAL BORN KILLERS (1994) auf Komödien-Basis auf. Auch hier gibt es am Rande eine mediale Berichterstattung, denn schließlich stapeln sich irgendwann die Leichen auf der Route von Chris und Tina. Polizeiarbeit gibt es hier nicht, denn die Morde werden ja schließlich als Unfälle getarnt. In erster Linie konzentriert sich die Inszenierung auf das Pärchen und ihren Begegnungen mit ihren Opfern, die sie bei ihren Stationen kennenlernen und schließlich umbringen.

    Was mir hier direkt positiv aufgefallen ist: die authentischen Darsteller, die erst mal wie aus dem Leben gegriffen wirken. Das hat Wheatley schon in KILL LIST verstanden, der sich auch sehr lange Zeit sehr realistisch gibt. Steve Oram ist als Chris eine wahre Offenbarung in Soziopathentum, der schließlich alle Grenzen einreißt. Nicht weniger überzeugend ist Alice Lowe als Tina, die sich schnell von Chris anstecken lässt und ihm in Sachen Mordlust in nichts nachsteht. Musikalisch gewürzt wird die blutige Reise u.a. mit Songs von Soft Cell, Neu!, Popol Vuh und Frankie Goes to Hollywood

    Ben Wheatley kann es hart, schräg und lustig, und SIGHTSEERS ist das beste Beispiel dafür. Gute Charaktere, schwarzer Humor und harte Gewalt kann nicht jeder unter einen Hut bringen. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Fishmen and Their Queen, 1995 – ★½

    The Fishmen and Their Queen, 1995 – ★½

    INSEL DER NEUEN MONSTER 2
    (LA REGINA DEGLI UOMINI PESCE, Italien, 1995, Regie: Sergio Martino)

    In der Zukunft: New York liegt in Trümmern und wird bewohnt von Aussätzigen, die in den Abwasserkanälen im Elend hausen und von den Cleanern eines totalitären Systems gejagt werden. Die beiden Jugendlichen Tom und Sam wagen sich an die Oberfläche, um die Flucht aus der Stadt anzutreten. Der Plan geht auf, und als sie die Trümmer von New York hinter sich lassen stoßen sie auf Sokrates. Der alte Mann hält die beiden für die Auserwählten und schickt sie auf eine geheimnisvolle Insel, wo eine bösartige Königin mit einer Armee von Fischenmenschen ihr Unwesen treibt. Ein wildes Abenteuer beginnt.

    Wiederverwertungen oder die Nutzung von Fremdmaterial war früher in der Filmindustrie immer wieder anzutreffen. Hier bedient sich Sergio Martino bei sich selbst, und zwar bei seinem Endzeit-Actionfilm FIREFLASH – DER TAG NACH DEM ENDE (1983). Und so gibt es zahlreiche Szenen eines zerstörten New Yorks mit den Cleanern auf ihren Pferden und einem MAD MAXartigen Autorennen. Die Szenen mit den beiden Jungs wurden sehr geschickt mit dem Material aus FIREFLASH montiert, ohne einen großen Qualitätsunterschied auszumachen, schließlich liegen 12 Jahre zwischen den Produktionen. Später gibt es auch noch Szenen aus INSEL DER NEUEN MONSTER aus dem Jahre 1979, in denen es erneut unter Wasser geht, um das Atlantis-Modell noch mal präsentieren zu können. 

    Im Grunde fällt die Inszenierung nach 25 Minuten ab dem Moment, wo die eigentliche Story startet. Tom und Sam sind zwei dümmliche Teenies, die optisch auf 90er-Jahre-Ghetto-Kids getrimmt wurden und klar auf ein junges Publikum zugeschnitten sind. Die beiden erleben auf der Insel langweilige Abenteuer und müssen gegen eine böse Königin vorgehen, die optisch stark an die Priesterin Uxia Combarro aus DAGON (2001) erinnert, was ihre Fischmenschen, die unter ihrer Kontrolle stehen, noch mehr unterstreichen.

    Obwohl die Inszenierung rein visuell solide aussieht, ändert das leider nichts an der Langeweile, die hier immer wieder aufzieht. Auch die Fischmenschen, die viel vom Charme des Originalfilms ausmachen, verkommen hier zur öden Nebensache. Immerhin ist man dem Design treu geblieben. Es könnte allerdings auch gut sein, dass die Kostüme die Zeit überdauert haben und für INSEL DER NEUEN MONSTER 2 erneut genutzt wurden.
    Ganz schlimm wird es mit dem Score von Luigi Ceccarelli, der sich permanent wiederholt.  

    INSEL DER NEUEN MONSTER 2 startet Dank der Szenen aus FIREFLASH – DER TAG NACH DEM ENDE vielversprechend, doch nach gut 30 Minuten wandelt sich der Eindruck. Es folgt ein spannungsarmer Abenteuerfilm für Kinder, der sich mit nichts groß schmücken kann. Fans des Originalfilms sollten hier nicht einschalten. 

    (Bjoern Candidus)

  • 95. Nightmare on Elm Street 3 (1987)

    95. Nightmare on Elm Street 3 (1987)

    NIGHTMARE ON ELM STREET 3 (1987)

    A NIGHTMARE ON ELM STREET: DREAM WARRIORS

    USA, 1987

    Regie: Chuck Russell

    Bjoern Candidus und Marco Fritz sprechen über den dritten Teil der NIGHTMARE ON ELM STREET-Reihe, der nicht selten als beste Fortsetzung des Franchise gehandelt wird.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1