Autor: marco-fritz

  • After Death, 1989 – ★½

    After Death, 1989 – ★½

    ZOMBIE 4 – AFTER DEATH
    (AFTER DEATH, Italien, 1989, Regie: Claudio Fragasso)

    Eine Gruppe Wissenschaftler forscht auf einer Insel nach einem Mittel gegen Krebs, basierend auf Voodoo-Medizin. Dabei stirbt die leukämiekranke Tochter eines Voodoo-Priesters, der daraufhin einen Zombie-Fluch aus der Hölle beschwört. 20 Jahre später hält ein Boot auf der Insel, in dem sich neben ein paar Söldnern, auch ein paar junge Leute befinden, unter anderem Jenny. Jenny ist die Tochter einer Wissenschaftlerin, die einst von Zombies gefressen wurde. Doch vorher konnte sie ihrer Tochter ein Amulett überreichen, dessen Bedeutung Jenny plötzlich bewusst wird. 

    Wer sich mal wieder vom Sterben der italienischen Filmindustrie der späten 80er-Jahre überzeugen möchte, sollte mal einen Blick in ZOMBIE 4 – AFTER DEATH von Bruno Matteis Buddy Claudio Fragasso werfen. Ein guter Film sei hier definitiv nicht versprochen. Den werbewirksamen ZOMBIE 4-Titel trägt er in diversen Ländern, die ihn zu einer Fortsetzung von ZOMBI 3 (1988) machen, der unter kurzer Regie von Lucio Fulci von Bruno Mattei und Claudio Fragasso fertiggestellt wurde. Eine inhaltliche Verbindung gibt es hier natürlich nicht, dafür eine eigene bescheuerte Story, die mal wieder aus der Feder von Fragassos Ehefrau Rossella Drudi stammt.

    Nach der schön kitschigen Voodoo-Fluch-Eröffnung, die die Vorgeschichte der Wissenschaftler erzählt und direkt ein bisschen Gore mit in den Film bringt, feuert Al Festa seinen Heavy Metal – Song „Living After Death“ heraus, der von Maurizio Cerantola gesungen wurde und die Titel-Credits begleitet. Dann bekommt man ein sehr schönes Dschungel-Setting geliefert, was kurz Erinnerungen an das Kannibalen-Kino vergangener Tage erweckt. Die Philippinen bleiben der einzige wirkliche Star des Films, was einem unmittelbar bewusst wird, wenn die Idioten mit ihrem Boot vorfahren. Die drei Assi-Söldner geben zumindest noch ein gutes Bild ab, aber Jenny und ihre Freunde sind die Definition von Talentlosigkeit. Und es kommen noch mehr talentlose Darsteller hinzu, plus sonderbare Zombies, die schnell agieren, springen können und teilweise in der Lage sind zu sprechen. Doch bis es soweit ist verstreicht einige Zeit, die man zumindest mit Al Festas Synthesizer-Score ausgefüllt hat, der gar nicht schlecht ist und manchmal deutlich nach John Carpenter klingt. 

    Kommt es dann endlich zu Action und Gore, wird AFTER DEATH auch nicht besser. Hier holten mich dann Erinnerungen an den ein Jahr vorher entstandenen ROBO VAMPIRE von Godfrey Ho ein, in dem es hüpfende Vampire gibt, die wie Zombies aussehen. Claudio Fragasso gelingt zwar ein Ansatz von Horror-Atmosphäre zu erzeugen, aber die Figuren und ihr Handeln ersticken alles im Keim. 

    ZOMBIE 4 – AFTER DEATH ist ein kümmerlicher Zombiefilm, der zumindest noch das Potential hat, partytauglich zu sein. 

    (Bjoern Candidus)

  • Horror Castle, 1963 – ★★★★

    Horror Castle, 1963 – ★★★★

    DAS SCHLOSS DES GRAUENS
    (LA VERGINE DI NORIMBERGA, Italien, 1963, Regie: Antonio Margheriti)

    Das Ehepaar Hunter lebt in London, doch Max möchte seiner Frau Mary sein Schloss in Nürnberg zeigen. Schon die erste Nacht bringt bereits Unheil mit. Ein Schrei reißt Mary aus dem Schlaf, und in der Folterkammer des Schlosses entdeckt sie eine „Eiserne Jungfrau“, in der sich ein weibliches Opfer befindet. Doch nach dem Schreck ist die Leiche weg. Als Mary aus der Ohnmacht erwacht und der Doktor das Schloss verlassen hat, berichtet sie Max von einen Mann mit einer Kapuze, den sie gesehen haben will, doch der glaubt nur an eine Einbildung. Sie lässt nicht locker, um das Geheimnis des Schlosses zu lüften. 

    Antonio Margheriti hat mit DAS SCHLOSS DES GRAUENS seinen ersten Horrorfilm abgeliefert und damit einen weiteren Beitrag im italienischen Gothic-Horror-Kino geliefert, das durch Riccardo Fredas und Mario Bavas DER VAMPIR VON NOTRE DAME (1957) aus dem Boden geschossen kam. 

    Margheritis Horrorfilm-Debüt präsentiert sich in Farbe und wurde von Kameramann Riccardo Pallottini ganz wunderbar fotografiert. In erster Linie konzentriert man sich auf das Innere des Schlosses und auf den zauberhaften Schlosspark, der tagsüber wie nachts wirklich toll eingefangen wurde. Das Innere des Schlosses zeigt sich sehr ausladend. Der Farbstrich der Wände und die gesamte Ausstattung ist bräunlich gehalten und es scheint ein Hauch des Moders durch die Flure zu ziehen. Die Ausstattung ist sehr gelungen und schließt einige Waffen und Folterinstrumente mit ein, die auch eingesetzt werden. Gerade im Bereich der grafischen Gewalt legt Margheriti hier ganz schön vor. Es gibt eine sehr unangenehme Operationsszene unter der Hand von Nazi-Ärzten und eine Szene in der eine Ratte einer Frau Teile des Nase wegfrisst. Margheriti liefert zudem auch spannende Momente mit Wasserfluten und Feuer und baut sogar ein Miniaturmodell eines Berges ein. Die Spezial-Effekte und Modelle wurden nicht selten von ihm selbst gemacht, was ihn von den meisten Regisseuren absetzt. 

    DAS SCHLOSS DES GRAUENS glänzt durch atmosphärische Bilder, der spannenden Entdeckungsreise von Mary ins Herz der Finsternis, dem unheimlicher Score von Riz Ortolani und durch die Besetzung.
    Das bekannteste Gesicht ist hier Christopher Lee, der sich mit Narben zeigt und eine sehr schlechte Laune verbreitet, aber verhältnismäßig wenig Spielzeit bekommt. Sehr viel mehr Aufmerksamkeit bekommt hingen Rossana Podestà als Mary Hunter. Ihr Ehemann, Max Hunter, wird von Georges Rivière verkörpert. 

    DAS SCHLOSS DES GRAUENS ist ein hochwertiger Gothic-Horrorfilm mit einer sehr morbiden Ausstrahlung. Vielleicht der schönste Film von Antonio Margheriti. 

    (Bjoern Candidus)

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 78

    Traumstadt Gazette Ausgabe 78

    Ein Monster von der Venus, Glaubensfragen, brennende Nonnen, Vampirmädchen…

    In der 78. TRAUMSTADT GAZETTE berichten Euch Bjoern Candidus und Marco Fritz über folgende Filme:

    -DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM (1957)

    -ALUCARDA – TOCHTER DER FINSTERNIS (1977)

    -BREAKDOWN (1997)

    -TRAP: NO WAY OUT (2024)

    -HERETIC (2024)

    -ABIGAIL (2024)

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Paranoia, 1969 – ★★★½

    Paranoia, 1969 – ★★★½

    PARANOIA
    (Frankreich, Italien, Spanien, 1970, Regie: Umberto Lenzi)

    Helen erhält einen Brief, in dem sie ihr Ex-Mann Maurice bittet, ihn auf Mallorca besuchen zu kommen. Als Helen in dem Urlaubsparadies ankommt, staunt sie nicht schlecht, denn Maurice ist inzwischen mit Constance verheiraten. Aber auch Maurice ist verwundert, denn er hat seine Ex-Frau gar nicht eingeladen, sondern Constance, und die lässt Helen schnell wissen, was sie im Schilde führt. Sie möchte sich von Maurice lösen und ihn mit Hilfe von Helen ins Jenseits befördern. Natürlich nicht, ohne Helen dafür zu bezahlen, denn schließlich hat Constance, im Gegensatz zu Maurice, Geld. Bei einem Segeltörn will Constance ihren Plan umsetzen, doch dann kommt alles ganz anders.

    Umberto Lenzi war ein fleißiger Regisseur und wie Sergio Martino oder Lucio Fulci hat er sämtliche Strömungen des italienischen Genre-Kinos bedient. Western, Sandalen-, Polizei-, Gangster- oder Horrorfilme sind in seiner Filmografie zu finden. Aber auch eine ganze Reihe von Gialli hat er gedreht, in denen nicht selten Carroll Baker mitspielt. PARANOIA ist einer dieser Filme, der dicht gefolgt nach seinen Gialli ORGASMO (1969) und KILL ME, KILL ME! (1969) folgte. 

    Mit einem waschechten Giallo mit den üblichen Merkmalen, wie dem unbekannten Killer mit Messer und Handschuhen, einer großen Anzahl von Tatverdächtigen oder ausgedehnten Morden, hat man es hier nicht zu tun. Aber die Bezeichnung „Giallo“ ist ja sehr dehnbar und PARANOIA darf gerne als solcher bezeichnet werden. 

    Obwohl das Meiste auf der Hand liegt und sich für den Zuschauer keine Frage nach der Identität des Killers stellt, liefert Lenzi durchaus Spannung, die sich zwischen den Figuren und ihrem Handeln auftut. PARANOIA funktioniert als Dreiecksbeziehungs-Thriller ganz wunderbar. Neben der schönen Carroll Baker als Helen ist Anna Proclemer als Constance an Bord. Ihre Tochter Susan wird von Marina Coffa gespielt, die eine Ähnlichkeit mit Margot Kidder hat. Und der Hahn im Korb, der nichts anbrennen lässt, wird von Jean Sorel verkörpert, mit dem man eigentlich nie was falsch gemacht hat. 

    Lenzi verzichtet auf düstere Bilder, weitestgehend auf grafische Gewalt und liefert stattdessen einen Thriller vor der sommerlichen Kulisse von Mallorca mit schönen Buchten, Schiffen, Fincas und Berglandschaften. Etwas langweilig kommt der Soundtrack von Nino Rota daher, und der Song „You“ läuft mindestens einmal zu oft. 

    PARANOIA ist ein sehr spannender Beziehungs-Thriller vor schöner Kulisse, der lediglich ein bisschen zu lang geraten ist, aber von den Darstellern stets getragen wird.

    (Bjoern Candidus)

  • Human Animals, 1983 – ★★★

    Human Animals, 1983 – ★★★

    DIE LETZTE STUNDE
    (ANIMALES RACIONALES, Spanien, 1983, Regie: Eligio Herrero)

    Endlich ist es passiert: der Atomkrieg ist ausgebrochen und hat alles vernichtet. Fast! Drei zufällig ausgewählte Personen, eine Frau und zwei Männer, erwachen irgendwo in einer felsigen Wüste nahe dem Meer. Was auch immer wie und warum genau passiert ist, weiß niemand, aber es hat den Herrschaften offensichtlich die Sprache verschlagen. Nachdem sie fleißig durch die Ödnis irren, stoßen sie auf einen Schäferhund, der sie geradewegs zu einer Oase mit Bäumen und Tieren führt. Dort lassen sich die Drei nieder und folgen fortan ihren niederen Instinkten, die immer mehr die Oberhand gewinnen. Sex, Gewalt und gute Laune in Neu-Neandertal bestimmen den Alltag. Doch die Laune kippt irgendwann… 

    Also Humorlosigkeit und Ideenarmut kann man Eligio Herrero, der auch die Story zu diesem endzeitlichen Wahnsinn schrieb, nicht vorwerfen. Für den Gagaismus, der hier serviert wird, hätte er einen Sonderpreis verdient. Anfangs könnte man noch den Eindruck gewinnen, es mit einem Endzeitfilm zu tun zu haben, der gleich Antworten auf eventuelle Fragen liefert. Doch schnell wird man feststellen, dass hier gar nichts beantwortet wird; es wird nicht mal gefragt, da keiner der Drei sprechen kann. Wenn man sich die Blondine mit dem rosa Kleid, den Dieter Bohlen-Typ mit dem Verstand eines Dreijährigen und den Kerl, der vielleicht einem Heavy Metal-Porno entsprungen ist, anguckt, darf man froh sein, dass hier jeder den Rand hält. Nachdem sie am Strand von Krebsen, die kleine Bläschen machen können, verunsichert werden, bevor sie herausfinden, dass man sie essen kann, begegnen sie einem Schäferhund, der sie zu einer Oase führt, in der Adam, Adam und Eva einer neuen Zukunft entgegenblicken können. Dass diese Zukunft vor allem aus Sex besteht, wird nicht nur für die Beteiligten zum Highlight, sondern im besten Fall auch für den Zuschauer. Und so fickt hier alles wild durcheinander, und selbst der Hund darf seine Geilheit an Eva erproben, was die beiden Adame eifersüchtig macht, aber die können sich ja auch gegenseitig beglücken. Die gewisse Nähe zu PLANET DER AFFEN (1968), die ganz kurz durchblickt, wird also schnell im Keim erstickt. Eigentlich wird hier jeder vernünftige Ansatz im Keim erstickt, was DIE LETZTE STUNDE zu einem filmischen Sonderling der Extraklasse werden lässt. Im letzten Drittel mischt sich zwischen Sex auch Gewalt mit ins Geschehen oder geht unmittelbar einher. 

    DIE LETZTE STUNDE ist ein unglaublich ranziger Endzeit-Sexfilm aus Spanien, der jeglicher Norm ins Gesicht spuckt. Herrlich. 

    (Bjoern Candidus)

  • Blood and Black Lace, 1964 – ★★★★½

    Blood and Black Lace, 1964 – ★★★★½

    BLUTIGE SEIDE
    (SEI DONNE PER L‘ASSASSINO, Italien, Frankreich, Deutschland, 1964, Regie: Mario Bava)

    Inspektor Silvestri untersucht den Mord an dem Model Isabell. Eine erste Spur erhofft er sich in der Modelagentur von Gräfin Cristina Como und Max Morlacchi zu finden, leider vergeblich. Auch ihr Freund Franco scheint kein Motiv zu haben. Schließlich wird auch Nicole, ein weiteres Model, getötet, die vorher das Tagebuch von Isabell gefunden hat. Doch bevor Nicole damit zu Polizei gehen kann, entwendet ihr Peggy das Tagebuch und begibt sich damit in höchste Lebensgefahr.

    Auch wenn Mario Bava bereits mit dem Schwarzweiß-Thriller LA RAGAZZA CHE SAPEVA TROPPO (1963) den Grundstein für das Giallo-Kino legte, kann man BLUTIGE SEIDE als DEN Prototypen sehen. 

    Von der ersten Sekunde an etabliert Bava Bilder und Klänge, die man später immer wieder im Giallo finden wird. Ein hypnotischer Track von Carlo Rustichelli eröffnet die Titel-Sequenz, in der man in rotem Licht getränkt schöne Frauen und sinistre Herren zu sehen bekommt, die man im weiteren Verlauf des Films näher kennen lernen wird. Bereits in den ersten Minuten zieht einen Bava in eine düstere Welt, die stets begleitet wird von dem hervorragenden Score von Rustichelli. Vom schönen Schein der Modewelt, in dem BLUTIGE SEIDE spielt, sind nur die Frauen übrig, und die werden hier weniger. Die Männer, die allesamt unsympathisch und ausladend sind, stehen im starken Kontrast zu den vielen schönen Grazien, die hier aufmarschieren. Wer der Täter und sein Motiv ist, wird, wie üblich im Giallo, erst gegen Ende verraten. An Verdächtigen mangelt es jedenfalls nicht. Im Cast befinden sich u.a. Cameron Mitchell als Max Morlacchi, Eva Bartok als Gräfin Cristina Como, Thomas Reiner als Inspektor Silvestri und Luciano Pigozzi als Cesar Lasarre, der Modezeichner. Die Besetzung ist durchweg gelungen, und die Figuren passen sich hervorragend der mysteriösen Welt an, die Bava hier errichtet hat. 

    Nicht zu übersehen ist auch die Nähe zur deutschen Edgar Wallace-Reihe. Besonders der vermummte Killer mit seinem schwarzen Hut und passendem Trenchcoat, der hier durch die Nacht schleicht, ist bei Wallace nichts ungewöhnliches, wird aber im Giallo-Kino fast zu einem Markenzeichen. Auffällig sind hier auch die groben Gewaltdarstellungen, die später mit Argento, Martino, Fulci und Co im Giallo weiter ausgebaut wurden. 

    Ganz geschickt kombiniert Bava seine Ursprünge im Gothic-Horror mit einer modernen Art, Thriller zu erzählen und ihnen eine neue Form zu verpassen. So wie SUSPIRIA (1977) ein Horrorfilm mit Giallo-Elementen ist, ist BLUTIGE SEIDE (1977) ein Giallo mit Horrorfilm-Elementen, der bereits einen Ausblick auf das Slasher-Kino gibt.

    Die Story an sich ist gar nicht das Aufregende und schon gar nicht neu. Es sind vor allem die Formen, Farben und Sets, die eine unglaublich dichte Atmosphäre erzeugen. Wenn die reich verzierte Villa mit ihrem geheimnisvollen Garten und dem Springbrunnen mit Skulpturen in der Nacht zu sehen ist und mit farbigem Licht nuanciert wird, ist das Mörder-Märchen perfekt. 

    Spannung in labyrinthartigen Räumen in phantastischen Farben, schöne Frauen, die getötet werden und ein Inspektor, der im Nebel voller Verdächtiger stochert, machen BLUTIGE SEIDE zu einem zauberhaften Giallo. Ein wunderschöner und einflussreicher Film. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Mummy, 1959 – ★★★★★

    The Mummy, 1959 – ★★★★★

    DIE RACHE DER PHARAONEN 
    (THE MUMMY, GB, 1959, Regie: Terence Fisher)

    Im Jahre 1895 stößt eine Gruppe von Archäologen in Ägypten auf das Grabmal der Prinzessin Ananka. Trotz der Warnung eines Ägypters namens Mehemet Bey, betreten Stephen Bannings und sein Bruder Joseph Whemple das Grabmal. Als Joseph seinen Neffen, John (Peter Cushing), der mit einem gebrochenen Bein im Zelt vor dem Grab wartet, über den Erfolg berichten will, findet sein Vater derweil die Schriftrolle des ewigen Lebens. Er liest aus ihr vor und erweckt damit den Fluch der Prinzessin Ananka. Als man Stephen findet, scheint er den Verstand verloren zu haben und berichtet über eine Mumie, die ihn angegriffen haben soll. Zurück in London wird Stephen Bannings in eine Nervenheilanstalt gebracht. Doch die Rache der Pharaonen ist nicht weit.

    Nachdem die Hammer-Studios mit FRANKENSTEINS FLUCH (1957) und DRACULA (1958) zwei riesige Erfolge feierten, ließ ein weiteres weltberühmtes Monster nicht lange auf sich warten. Und so kümmerte sich Regisseur Terence Fisher um das Mumien-Thema, in dem erneut das Erfolgs-Duo Peter Cushing und Christopher Lee aufeinandertreffen.

    Von Beginn an erkennt man die Detailfreude, mit der man hier vorgeht, um dem Zuschauer das geheimnisvolle Ägypten zu präsentieren, so wie es im Rahmen der Hammer-Studiokulissen möglich war. Das Grabmal ist gelungen und erstrahlt in geheimnisvollen Farben, die die Atmosphäre direkt hochschrauben. Jack Asher hat hier erneut eine erstklassige Fotografie hingelegt, die den gesamten Film zu einem kleinen Kunstwerk macht. Wenn die Handlung sich nach London verlagert sorgen düstere Bilder für die nötige Horror-Atmosphäre, wie sie auch in DRACULA entfacht wurde. Kräftige Farben, tolle Kostüme und eine hochwertige Ausstattung sorgen dafür, dass man sich rundum wohlfühlen kann. Immer wieder gibt es auch Rückblicke, die einen wieder nach Ägypten führen. Und so wird man Zeuge der Bestattungszeremonie von Prinzessin Ananka und der Mumifizierung von Wächter Kharis. All das ist sehr schön inszeniert, weil alle Hände vor wie hinter der Kamera wunderbar zusammenspielen. Zusätzlichen Zauber liefert Franz Reizenstein mit seinem schönen Score, der Ägypten über das Gehör sichtbar macht. 

    Dass Peter Cushing und Christopher Lee die meisten ihrer Filme allein durch ihre Anwesenheit aufwerten, ist nichts Neues, aber hier hängen sie sich mal wieder richtig rein. Cushing liefert meistens ohnehin Action und die Pure Freude am Schauspiel, und das sieht man hier wieder sehr deutlich. Er hat immer Stil, er sieht immer gut aus, er hängt sich immer rein. Aber auch Christopher Lee liefert als Mumie eine starke Performance, die mich schon als Kind begeistert hat, als mir dieser Film im Fernsehen begegnete. Seine Körpergröße von über 1,95m kommt hier richtig gut zur Geltung. Besonders in den Moor-Szenen kann Lee überzeugen, obwohl er jeglicher Mimik beraubt wurde, ausgenommen der Augen. Aber Lee bekommt auch in der Rückblick-Szene die Chance, sein wahres, wenn auch geschminktes Gesicht zu präsentieren. Als Befehlshaber der Mumie fungiert George Pastell als Mehemet Bey, und Michael Ripper darf natürlich auch nicht fehlen, der die Mumie sieht, doch glauben will ihm niemand. Dabei sagt man doch immer, Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit. Die sehr schöne Yvonne Furneaux hat hier gleich eine Doppelrolle als Isobel Banning und Prinzessin Ananka. 

    DIE RACHE DER PHARAONEN ist ein spannender, sehr atmosphärischer, stark besetzter Mumien-Horrorfilm, der für mich zu den schönsten Produktionen der Hammer-Studios zählt.

    (Bjoern Candidus)

  • The Satanic Rites of Dracula, 1973 – ★★

    The Satanic Rites of Dracula, 1973 – ★★

    DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT
    (THE SATANIC RITES OF DRACULA, GB, 1972, Regie: Alan Gibson)

    Eine geheime Organisation, bestehend aus wichtigen Männern aus Politik, Wissenschaft, Industrie und Militär, erweckt während eines Opferrituals Graf Dracula zum Leben. Dieser plant die Vernichtung der Menschheit durch einen Pest-Virus, was die Herrschaften der Organisation allerdings gar nicht wissen. Doch wie so oft hat Dracula die Rechnung ohne Van Helsing gemacht, der erneut den Sturz des Vampirs plant, und diesmal ist auch Scotland Yard im Bunde.

    Wie schon im Vorgänger, DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN, befindet man sich auch bei DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Dracula, der mal wieder vernichtet wurde, wird hier erneut zurück in die Welt der Lebenden gebracht. Ein letztes Mal wird dieser von Christopher Lee verkörpert, der eigentlich schon lange keine Lust mehr auf die Rolle hatte. Aber das Geld überzeugt die Meisten, und nur so kann ich mir erklären, dass er hier erneut zugegen ist. Aber vielleicht war es am Ende doch nur Freundschaft. Wie schon in den letzten Teilen ist seine Präsenz allerdings zeitlich sehr limitiert, was gar nicht so schlimm wäre, würde man hier zum Ausgleich etwas anderes bekommen, was einen packt. Die Wirkung Lees als Dracula ist nur noch ein Schatten von dem, was er in den Anfängen der Reihe geliefert hat. Peter Cushing ist erneut als Van Helsing an Bord, und der bringt wenigstens die gewohnte Energie ins Spiel, auch wenn er die Inszenierung am Ende nicht retten kann. Immerhin hat Freddie Jones als Professor Julian Keeley einen kurzen, aber feinen Auftritt.

    Die Figuren sind eine Sache, die dumme Story eine andere, und damit schadet sich die Inszenierung am allermeisten. Nicht, dass Horrorfilme von Logik durchzogen wären, aber Dracula als Vollidioten darzustellen, der seine eigenen Pläne offensichtlich nicht wirklich durchdacht hat, ist schon etwas frech. Hat er sich in den anderen Teilen meistens speziell an jemandem rächen wollen, möchte er hier die gesamte Menschheit auslöschen, was letztlich dazu führen würde, dass er verhungert. Soweit hat hier offensichtlich niemand gedacht, vor allem nicht Don Houghton, der das Drehbuch geschrieben hat. Nicht mehr Intelligenz ist auch der Organisation zu attestieren, die mit dem Pest-Virus eigentlich nur die Menschheit erpressen will. Aber Dracula will drei der Herren der Organisation als apokalyptische Reiter benutzen und Van Helsings Enkelin, Jessica Van Helsing, zu seiner Braut machen. Und all das soll am 23. November, in der Nacht der toten Seelen, passieren. 

    Konnte Alan Gibson mit DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN noch etwas Charme und Zeitgefühl der anfänglichen 70er-Jahre einfangen, in dem auch immer noch leichte Gothic-Horror-Elemente zu erkennen sind, geht ihm hier alles flöten, womit er die Story hätte kaschieren können. Die schwarze Messe mit der obligatorischen Opferung einer Frau gehört noch zu den wenigen netten Momenten, in denen ein bisschen Atmosphäre aufgebaut wird. Aber solche Szenen sind im Rahmen der Reihe auch nichts Neues. Immerhin wird die Zeremonie diesmal von einer Chinesin durchgeführt, was zumindest für ein bisschen Abwechslung sorgt. Das abgelegene Herrenhaus und die darin operierende Gesellschaft erinnert ein wenig an DIE BRAUT DES TEUFELS (1968), während im letzten Drittel kurz Erinnerungen an FRANKENSTEIN MUSS STERBEN (1969) wach werden. Immerhin bringt dieser schlechte Film sehr gute in Erinnerung.

    DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT ist handwerklich solide gemacht, kann einen zumindest mit Cushing und Jones beglücken, aber verkommt durch seine Story und durch seinen wirkungslosen „Titelhelden“. 

    (Bjoern Candidus)

  • The House by the Lake, 1976 – ★★★

    The House by the Lake, 1976 – ★★★

    PARTY DES GRAUENS
    (DEATH WEEKEND, Kanada, 1976, Regie: William Fruet)

    Vier ranzige Kerle tyrannisieren einen Snob und seine (Möchtegern-) Flamme in einer ländlich gelegenen Villa. Die Situation, die im deutschen Titel fast treffend zu einer PARTY DES GRAUENS wird, spitzt sich immer mehr zu.

    Auch wenn William Fruet (AVANAIDA, 1983) mit seiner Mischung aus Home Invasion und Rape-and-Revenge-Thriller kein Fest der Innovationen abliefert hat, kann PARTY DES GRAUENS dennoch gut unterhalten. Produziert wurde der Film von Ivan Reitman, der bereits 1973 mit CANNIBAL GIRLS begann, das kanadische Horrorkino zu etablieren. 

    Vor allem hat mir hier die trübe Atmosphäre und die Abgeschiedenheit gefallen. Das Setting, die ländliche Kulisse mit Wiesen, Feldern, Bäumen und Seen, erinnert an frühe Filme von David Cronenberg und George Romero. Inhaltlich standen hier aber vor allem Filme wie Sam Peckinpahs STRAW DOGS (1971) und Wes Cravens LAST HOUSE ON THE LEFT (1972) Pate. 

    Diane, das weibliche Opfer, das später zur gnadenlosen Rache ansetzt, wird von Brenda Vaccaro gespielt, die ihre Sache soweit ganz gut vollzieht. Der Rest, einschließlich dem Zahnarzt Harry, besteht aus widerlichen Figuren, die von Don Stroud als Lep angeführt werden.
    Immerhin werden sie für ihre widerlichen Taten konsequent und ohne Rücksicht von Diane bestraft. Hier nimmt Fruet keine Gefangenen. Doch vorher dürfen die Kerle ihre niederen Instinkte ausleben, was auch zu einem sexuellen Übergriff auf Diane führt. 

    PARTY DES GRAUENS ist ein handfester Rache-Thriller mit schöner Landkulisse, der zwar keine Überraschungen bereithält, aber durchweg solide inszeniert wurde und keine Längen aufweist. 

    (Bjoern Candidus)

  • Ruby, 1977 – ★★★

    Ruby, 1977 – ★★★

    BLUTIGE RUBY
    (RUBY, USA, 1977, Regie: Curtis Harrington) 

    Am Tag der Geburt ihrer Tochter Leslie wird Rubys Liebhaber Nicky von der Gangsterbande erschossen, der auch sie angehört. 16 Jahre später leitet sie zusammen mit den Mördern ein Autokino. Doch plötzlich werden die Täter selbst zu Opfern von der Rache aus dem Jenseits, die die stumme Tochter Leslie als Medium benutz. 

    Curtis Harrington wandelt mit BLUTIGE RUBY auf den Spuren von DER EXORZIST (1973) und CARRIE (1976), in dem er die Themen der Besessenheit und der PSI-Fähigkeiten kombiniert. Als Handlungsschauplatz nutzt er ein Autokino und das angeschlossene Haus nahe den Sümpfen Floridas (, die vermutlich im Studio entstanden sind). Die Atmosphäre ist schön schwummrig, düster und bedrückend. Und gerade Piper Laurie verbreitet als erfolglose Schauspielerin und Sängerin Ruby richtig schlechte Laune. Die Besetzung ist soweit okay, dennoch ist Laurie die Einzige, die hier Eindruck erweckt, wenn sie z.B. gerade wieder im Alkoholrausch versumpft. Besonders ihre Tochter Leslie als Pseudo-Regan ist weniger gut besetzt. Hin und wieder taucht der Geist von Nicky auf, der sich mit ein paar Einschusslöchern im Gesicht präsentiert, aber mehr Wirkung erzielt, wenn er nur mit seiner Stimme über die Lautsprecher des Autokinos Ruby quält. 

    Was grafische Gewalt angeht verhält sich BLUTIGE RUBY ziemlich handzahm. Die Tötungen, die wie von Geisterhand vonstattengehen, bestehen aus Strangulationen oder Pfählung auf einer Kinoleinwand (sehr schön), die mit ein wenig Blut angereichert sind. Im letzten Drittel gibt es ein paar billige Effekte, die das Tempo des Films unnötig erhöhen, denn gerade das ruhige Vorgehen Harringtons ist eine Stärke von BLUTIGE RUBY. Neben dem ständig erklingenden Ruby-Song bewegt sich Don Ellis Score zwischen Jazz, Klassik und experimentellen Klängen, die gut zu den 50er-Jahren passen, in denen die Story spielt. 

    BLUTIGE RUBY ist ein atmosphärischer Geister-Horrorfilm, der immer dann ins Wanken gerät, wenn sich Harrington zu sehr an Friedkin orientiert. 

    (Bjoern Candidus)