Autor: marco-fritz

  • Shiver, 2008 – ★★½

    Shiver, 2008 – ★★½

    SHIVER – DIE DÜSTEREN SCHATTEN DER ANGST
    (ESKALOFRIO, Spanien, 2008, Regie: Isidro Ortiz)

    Santi, ein Jugendlicher, der unter Photophobie leidet, zieht mit seiner Mutter in ein abgelegenes Nest in Nordspanien, da ihn die Lichtempfindlichkeit zu schaffen macht. In dem kleinen Dorf, was von hohen Bergen umgeben ist, lebt es sich anders als in der Stadt. Und auch in seiner neuen Schule muss er sich erst mal behaupten, da er mit seiner Sonnenbrille und seiner Kapuze direkt auffällt. Als Santi im Wald über die Leiche eines jungen stolpert, fällt der Verdacht anfänglich auf ihn, doch der kann schnell entkräftet werden. Doch die Dorfbewohner sind der Mutter mit ihrem Sohn nicht gut gesonnen und geben ihnen die Schuld an dem Vorfall und an den Vorfällen, die noch folgen.

    Seit den 90er-Jahren kommen immer wieder Thriller und Horrorfilme aus Spanien, die sich durchaus sehen lassen können. Mit SHIVER von Isidro Ortiz liegt ein, zumindest handwerklich, ganz passabler Horrorfilm vor, der leider das Problem hat, ab der Mitte etwas an Spannung zu verlieren und mir am Ende sogar noch ein Augenrollen bescherte. 

    Die düstere Stimmung, die der Film von Anfang an besitzt, wird auch im weiteren Verlauf nicht fallen gelassen, was schon mal ein Pluspunkt ist. Von Barcelona geht es in die Pampa von Nordspanien, die einem einen schönen bergischen Schauplatz beschert. Ganz abseits von Palmen und Meer glaubt man sich eher in Österreich zu befinden. Das Setting ist durchaus gelungen, während die grimmigen Dorfbewohner nichts Neues im Horrorfilm darstellen. Die Idee mit der Lichtempfindlichkeit ist an sich gar nicht schlecht, wird nur leider überhaupt nicht dafür benutzt, dass man als Zuschauer möglicherweise selbst auf eine falsche Fährte gelockt wird, da man direkt weiß, dass Santi nichts mit den Morden zu tun hat. Es stellt sich also gar nicht die Frage, ob Santi möglicherweise ein Vampir ist oder glaubt einer zu sein. Zudem hat Santi eine Begegnung mit dem eigentlichen Täter, der hier zu Werke schreitet, und ab dem Punkt gerät auch die Inszenierung ins Schwanken. 

    Die Darsteller sind durchaus solide, ob jung oder alt, und sie passen gut zur finsteren Atmosphäre. Weniger schön sind zeittypische Stilmittel wie Color Grading oder Ruckelbilder, die SHIVER rein visuell im Gros ähnlicher Produktionen verschwinden lassen. Zudem kommen ein paar kurze Gore-Effekte zum Einsatz, die aber durch den düsteren Look kaum erkenntlich sind, was allerdings auch nicht das Schlechteste ist. 

    SHIVER ist nicht mehr als mittelmäßige Horrorkost, aber auch nicht weniger. 

    (Bjoern Candidus)

  • Nachtfahrt (2)

    Nachtfahrt (2)

    NACHTFAHRT (2)

    Wenn Ihr Eure Eiersuche noch unterhaltsamer gestalten wollt, dann lauscht Bjoern und Marco, wie sie von Gelsenkirchen zurück nach Köln fahren und über Gott, die Welt und Filme quatschen.

  • The Hearse, 1980 – ★★½

    The Hearse, 1980 – ★★½

    DER LEICHENWAGEN
    (THE HEARSE, USA, 1980, Regie: George Bowers)

    Nach ihrer Scheidung beschließt Jane Hardy in das Haus ihrer Tante auf dem Land zu ziehen, was sie kürzlich geerbt hat. Doch sowohl der Nachlassverwalter als auch viele andere Bewohner des kleinen Städtchens Blackford verhalten sich wenig freundlich gegenüber Jane, denn ihre Tante hat alles andere als positive Spuren hinterlassen. 

    Einen essentiellen Klassiker des Horrorfilms hat George Bowers hier sicherlich nicht geschaffen, aber dennoch einen kleinen charmanten Film, der die Bereiche des Okkulten mit Elemente des Geisterfilms kombiniert. Gerade das ländliche Setting gefällt mir, und samt der Ausstattung und der ruhigen Hand, mit der inszeniert wurde, wirkt die Inszenierung gleich zehn Jahre älter. Auch die Besetzung ist durchaus gelungen. Neben Trish Van Devere, die man z.B. aus THE CHANGELING (1980) kennt, ist natürlich Joseph Cotton zu erwähnen, der mal wieder eine negative Laune verbreitet.

    Auch wenn ich grundsätzlich subtilen, schleichenden Horror mag und die Story durchaus okay ist, ist die Inszenierung teilweise zu lahm oder tritt mit ständigen Wiederholungen auf der Stelle. Der teils schwermütige Score von Webster Lewis unterstreicht die Sauerstoffarmut. Die Atmosphäre ist zwar konstant unheimlich und wird durch Regen und Gewitter unterstützt, aber es mangelt einfach an Schauwerten. Es bringt nichts, mit POV-Sequenzen, die ganz klar als Hommage an HALLOWEEN (1978) zu verstehen sind, ein nahendes Unheil immer wieder anzukündigen, wenn dann doch nichts passiert. Immerhin kann das Auftauchen des Leichenwagens samt Chauffeur für ein bisschen Grusel sorgen. Neben LANDHAUS DER TOTEN SEELEN (1976) und PHANTASM (1979) ist Bowers Film der dritte Horrorfilm in Folge, in dem ein Leichenwagen ein wichtiges Motiv darstellt. 

    Wer es ruhig und gediegen mag, wird mit DER LEICHENWAGEN sicherlich etwas anfangen können. Wer Horror und Effekte sucht, sollte erst gar nicht einschalten. 

    (Bjoern Candidus)

  • Frankenstein ’80, 1972 – ★★★

    Frankenstein ’80, 1972 – ★★★

    FRANKENSTEIN ’80
    (Italien, 1972, Regie: Mario Mancini)

    Professor Schwarz ist im Besitz des einzigen Glases mit einem Serum, was transplantierte Organe in fremden Körpern davon abhält, abgestoßen zu werden. Und genau dieses Serum braucht Doktor Frankenstein für seinen künstlich erschaffenen Menschen, dessen Organe immer wieder abgestoßen werden. Sein geschaffener Mensch, den er liebevoll Mosaik getauft hat, macht zudem Probleme, denn er neigt zum vergewaltigen und töten, was die Polizei auf den Plan ruft.

    Mario Mancini entführt einen in seiner einzigen Regiearbeit in die Welt der zahlreichen Frankenstein-Filme, in denen der weltberühmte Doktor nicht mal immer zugegen ist. Hier ist er allerdings zugegen, und sein Vorname lautet Otto. Dr. Otto Frankenstein wird von Gordon Mitchell verkörpert, der mit seinen 1,90 m und seiner ekelhaften Frisur auch gut selbst sein Monster hätte spielen können. Das Monster wird von Xiro Papas gespielt, der mit seinem vernarbten Gesicht und seinem Ledermantel und Hut ziemlich verstörend daherkommt. Mosaik, der aus unterschiedlichen Leichenteilen zusammengeflickt wurde und ständig auf neue Transplantationen lebenswichtiger Organe angewiesen ist, geht ganz schön ruppig vor. Mal erschlägt er eine hilflose Fleischfachverkäuferin mit einem riesigen Tierknochen, dann vergewaltigt er eine Prostituierte oder lässt seine schlechte Laune anderweitig aus. An Blut und Innereien mangelt es wahrlich nicht, und Mancini gelingt es, seine morbide Atmosphäre kontinuierlich aufrecht zu erhalten. Zudem gibt es auch immer wieder gelungene Horror-Szenen, die gut ausgeleuchtet wurden und sich mit einer schönen Farbgebung schmücken. Manch finstere Gasse lässt sogar das Giallo-Kino aufblitzen, aber man ist ja auch in Italien, auch wenn im Film behauptet wird, man sei in Deutschland. 

    Aber FRANKENSTEIN ’80 hat auch Schattenseiten, und die Schmerzen der Inszenierung immerzu. Trotz Gordon Mitchell, John Richardson, Renato Romano und Dalila Di Lazzaro sind die Figuren ein absoluter Graus. Besonders die Polizei, die hier fleißig vertreten ist, wird wie ein Trupp Vollidioten dargestellt, was die Inszenierung immer wieder Richtung Komödie lenkt, bevor der nächste blutige Moment kommt. Das Hin und Her macht den Film etwas anstrengend. Hätte Mancini in den ständigen Ermittlungs-Szenen, die sich vor allem im Büro des Oberinspektors abspielen, einen ernsteren Ton angelegt, wäre das Gesamtbild besser ausgefallen. Stattdessen bekommt man an einer Tour dumme Dialoge und noch dümmere Gesichtsausdrücke geliefert. Entschädigung kommt dann wieder durch den facettenreichen Score von Daniele Patucchi.

    FRANKENSTEIN ’80 ist eine zwiespältige Angelegenheit, die sich aber durch ihre düstere Atmosphäre und einigen ziemlich blutigen und unangenehmen Szenen retten kann. Die dümmlichen Figuren kann man sich allerdings trotzdem nicht wegdenken.

    (Bjoern Candidus)

  • Knightriders, 1981 – ★★★½

    Knightriders, 1981 – ★★★½

    KNIGHTRIDERS – RITTER AUF HEISSEN ÖFEN
    (KNIGHTRIDERS, USA, 1981, Regie: George A. Romero)

    Billy, der selbsternannte König einer Motorradgang, sorgt mit seinen Leuten für eine mittelalterliche Show, mit der sie durch die USA touren. Sie präsentieren Turniere, doch statt auf Pferden zu sitzen, sitzen sie auf Motorrädern, um vor Publikum in die Schlacht zu ziehen. Doch in der eingeschworenen Gemeinschaft kommt es immer wieder zu Konflikten und unterschiedlichen Ansichten über die Philosophie ihrer Show, und am Ende steht die Frage: Ruhm und Geld oder Freundschaft.

    George Romero hat hier vielleicht den unkonventionellsten Film seiner Karriere abgeliefert. Hippiartige Ritter auf Motorrädern klingt erst mal etwas grotesk, aber beim näheren betrachten ist es das gar nicht. KNIGHTRIDERS ist kein Actionfilm im herkömmlichen Sinne, auch wenn es kürzere Fassungen des Films suggerieren wollten, sondern ein Drama über Außenseiter, die sich bewusst von der Gesellschaft abkapseln, um ihren eigenen Weg zu gehen. Ein Film über Identitätsfindung und ein Lebensgefühl der 70er-Jahre, was immer mehr von dem der 80er-Jahre gefressen wird. Und wie es bei Zusammenschlüssen von Menschen meistens üblich ist, kommt es auch hier plötzlich zu Spannungen und Spaltungen. Die Einen Leben einen Traum von Unabhängigkeit, die Anderen wollen plötzlich Geld mit ihrer Show machen und stehen kurz davor, ihre Seele zu verkaufen. 
    Dass es sich hier um einen Romero-Film handelt, wird sehr schnell klar. Der reale Anstrich, die vielen Dialoge, die immer wieder durchschimmernde Gesellschaftskritik, unterschiedliche Auffassungen über das Leben und das ländliche Setting sind nur ein paar Indizien dafür. Es mangelt dem Film auch nicht an Humor, und nicht nur einmal musste ich an DAWN OF THE DEAD (1978) denken. Auch die Stunts bei den Motorrad-Turnieren erinnern an diverse Kaufhaus-Biker-Szenen aus seinem Zombie-Klassiker. Sehr schick sind die unterschiedlichen Ritterrüstungen und die stilistisch angepassten Motorräder. Da steckt sehr viel Liebe im Detail drin. 
    Und dann ist da natürlich noch die glänzende Besetzung, und die ist wirklich umfangreich. Neben Ed Harris als König Billy tummeln sich viele gute Bekannte unter das Volk. Tom Savini, John Amplas, Ken Foree, Christine Forrest, das Ehepaar Stephen und Tabitha King und einige andere Gesichter bringen Freude in die Inszenierung. 

    KNIGHTRIDERS ist sicher nichts für die breite Masse und ist damals im Schatten von DAWN OF THE DEAD verschluckt worden, und das völlig zu Unrecht. Er ist allerdings auch etwas anstrengend, denn mit fast 150 Minuten ist die Spielzeit schon sehr überzogen. Hier hätte Romero häufiger Punkte setzen können. Andererseits nutzt er auch jede Minute, um die Charaktere zu vertiefen.

    (Bjoern Candidus)

  • The Night of the Sorcerers, 1974 – ★★

    The Night of the Sorcerers, 1974 – ★★

    WOODOO – INFERNO DES GRAUENS
    (LA NOCHE DE LOS BRUJOS, Spanien, 1974, Regie: Amando de Ossorio)

    Irgendwo im Dschungel von Bumbasa geht ein Forscherteam auf eine Expedition und stößt dabei auf einen geheimnisvollen Voodoo-Kult, der schnell zur Gefahr für die Entdecker wird. 

    Zwischen seinem GEISTERSCHIFF DER SCHWIMMENDEN LEICHEN (1974) und seinem EXORZIST-Rip-off DER EXORZIST UND DIE KINDHEXE (1975) verschlug es Amando de Ossorio in die Welt des Voodoo-Zaubers. 

    Der Film startet mit einem trommellastigen Voodooritual im Dschungel bei dem eine weiße Frau erst blutig gepeitscht und anschließend geköpft wird. Die Bestrafung für die grausame Tat folgt zugleich, denn ein Trupp britischer Soldaten bläst dem Kult das Licht aus. Nach dem Titelvorspann springt die Haupthandlung einige Jahrzehnte in die Zukunft, wo man alsbald das Expeditionsteam vorgestellt bekommt. Darunter sind zwei recht bekannte Herren: Simón Andreu und Jack Taylor. 

    Der Aufbau von WOODOO – INFERNO DES GRAUENS gleicht sehr stark dem von DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN (1972) und seinen Fortsetzungen. Ein Kult, Opfer-Rituale, Tote, die aus den Gräbern steigen und Rache nehmen sind auch hier anzutreffen, nur die Gefahr und das Setting wurde geändert. Hier lässt man nicht nur Zombies, sondern auch Vampire in Tigerfellen auftauchen, was zumindest ganz nett aussieht. Die morbide Atmosphäre seiner Templerfilmer schafft der Spanier leider nicht zu erzeugen, dafür hat die Inszenierung mehr von einem Abenteuerfilm. Die Kombination Abenteuerfilm und Horrorfilm ist relativ selten und von dieser Warte aus ist WOODOO – INFERNO DES GRAUENS gar nicht uninteressant. Doch Ossorio gelingt es nicht, die nötige Spannung zu erzeugen, was mitunter auch an den teils hölzernen Figuren liegt. Die Frauen werden natürlich in erster Linie auf ihren nackten Körper reduziert, bevor man sie tötet. Aber das versteht sich in diesem Kino fast von alleine.

    WOODOO – INFERNO DES GRAUENS liefert zwar nackte Brüste, eine Handvoll blutrünstiger Szenen vor portugiesischer Kulisse, die als Afrika verkauft wird, aber viele langweilige Momente und die öden Figuren bremsen den Spaß immer wieder aus. 

    (Bjoern Candidus)

  • Demon Seed, 1977 – ★★★★

    Demon Seed, 1977 – ★★★★

    DES TEUFELS SAAT
    (DEMON SEED, USA, 1977, Regie: Donald Gammell)

    Proteus ist eine von Wissenschaftler Alex Harris erschaffene KI, ein riesiger Computer, der permanent mit Wissen gefüllt wird und immer mehr einen eigenen Wissensdrang entwickelt. Das geht soweit, dass Proteus immer mehr ein eigenes Bewusstsein schafft, was sich schließlich fortpflanzen möchte. Dafür benötigt er eine Frau, die er in Susan, der Ehefrau von Alex findet. Als Alex mal wieder nicht zu Hause ist, übernimmt Proteus die Funktionen des mit Hightech ausgestatteten Haus der Harris und hält Susan gefangen, um seinen Fortpflanzungsplan auszuführen. 

    Donald Gammell (PERFORMANCE, 1970) hat hier den Roman „Demon Seed“ (1973) von Dean R. Koontz adaptiert. Koontz Roman stammt aus seinem Frühwerk und wurde in den 90er-Jahren von ihm bearbeitet und auf neustem technologischen Stand gebracht. In Zeiten, in denen der Begriff KI zum normalen Tagesgeschehen gehört, gewinnt DES TEUFELS SAAT eine ganz neue Bedeutung. War der Film 1977 noch viel mehr Science-Fiction, haben sich gewisse Dinge heute schon bei vielen im Alltag etabliert. Fensterläden und Heizungen, die sich per Smartphone bedienen lassen, Licht, was sich nach Programmierung ein- und ausschaltet, Kameraüberwachungen, die man von überall einsehen kann sind nichts Ungewöhnliches mehr. Der von Alex Harris und seinem Team geschaffene Computer, Proteus, ist quasi die große Ur-Version von ChatGPT, die KI, die heute viele selbst zum Kacken mit auf‘s Klo nehmen. Hier präsentiert sich Proteus als riesiger Computer, der in einem Labor steht und nicht genug Wissen bekommen kann. Das Einzige, was er nicht erfahren kann, sind menschliche Gefühle und Emotionen, und dafür braucht er ein Kind. Ein weiteres Thema, was sich heutzutage auftut, wenn es um die kreative Schaffenskraft von KIs geht. Dass es dann noch zu einer maschinellen Vergewaltigung zwischen Proteus und Susan kommt, ist schon recht gewagt für 1977, schließlich handelt es sich hierbei um eine Produktion eines großen Studios (MGM). 

    Inhaltlich ist DES TEUFELS SAAT definitiv sehr interessant. Aber auch die wenigen Darsteller lassen die Produktion wertig erscheinen. Julie Christie (WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN, 1973) ist als Susan Harris an Bord, während Fritz Weaver (DER MARATHON-MANN, 1976) Alex Harris spielt. Proteus selbst ist ständig zu hören oder zeigt sich durch Konstruktionen, die er selbst oder Alex geschaffen hat. 
    Die Atmosphäre ist durchgehend düster und beklemmend und die Mischung aus Sciece-Fiction- und Horrorfilm ist sehr ausgeglichen. Zudem seien die Spezialeffekte und Modelle zu loben. Hier werden ein paar richtig bizarre Ideen aufgefahren, auch wenn einiges an Spielzeit vergeht, bevor sie sich präsentieren. Das soll allerdings nicht heißen, dass davor nichts passiert. Ganz im Gegenteil, doch basiert das Geschehen weniger auf Action und Blut als auf Dialoge und Auseinandersetzungen mit dem eigentlichen Thema, was mit Bekanntgabe der geplanten Vaterschaft seitens Proteus natürlich reichlich absurd wird. Nichtsdestotrotz hat mir die Idee sehr gut gefallen und sie wurde auch ordentlich umgesetzt. 

    DES TEUFELS SAAT ist ein packender Science-Fiction-High-Tech-Thriller, gedreht durch die Brille der dystopischen 70er-Jahre, der gerade heute sehr aktuell wird, wenn es um die Gefahren von KIs geht. 

    (Bjoern Candidus)

  • Rana: The Legend of Shadow Lake, 1980 – ★★

    Rana: The Legend of Shadow Lake, 1980 – ★★

    RANA – HÜTER DES BLUTIGEN SCHATZES
    (RANA: THE LEGEND OF THE SHADOW LAKE, USA, 1975, Regie: Bill Rebane)

    Kelly macht mit seiner Freundin Chris Urlaub auf einer Insel. Er erzählt ihr, was dort in seiner Kindheit schreckliches passiert ist. Sein Vater hat einst das Amphibienwesen Rana zur Strecke gebracht. Doch Rana lebt und bewacht immer noch einen Schatz, auf den viele spekulieren und ihr Leben lassen. 

    Eins muss man Bill Rebanes (ANGRIFF DER RIESENSPIENNE, 1975) Monsterfilm lassen: er besitzt eine charmante 70er-Jahre Atmosphäre mit einem coolen Score von Bruce Malm und hat eine wunderschöne Naturkulisse zu bieten. Gedreht wurde in Wisconsin, was sich mit urigen Wäldern, Seen, Sümpfen und Moos bedeckten Böden präsentiert. Die Story um ein Froschmonster, was einen Schatz bewacht, klingt natürlich brisanter als sie letztlich umgesetzt wurde. Es dauert gut eine Stunde, bis man Rana (Spanisch für Frosch) endlich zu Gesicht bekommt, und der darf dann erst mal ein Gesicht an einem Baum zerquetschen. Ganz klassisch steckt hier ein Darsteller in einem Gummikostüm. Die Qualitäten von DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS (1954) werden hier natürlich zu keiner Sekunde erreicht; RANA spielt eher in einer Liga mit OCTAMAN (1971), und genau den könnte ich mir gut als Double Feature Film vorstellen. 

    Rebane verbringt zu viel Zeit mit Gerede über Rana und konzentriert sich zu sehr auf die Figuren, die leider nicht wirklich interessant sind. Das Quaken der Frösche in der Nacht und die dichte Atmosphäre, die durch die Bäume erzeugt wird, können etwas über die Langeweile hinwegtrösten, die hier schon mal aufkommt. 

    RANA ist sicherlich kein guter Film, aber wer diese Art von Low Budget-Monsterfilmen mit Abenteuer-Einschlag mag, sollte hier vermutlich ein bisschen Liebe finden. Oder man findet seinen Schlaf. 

    (Bjoern Candidus)

  • Fair Game, 1988 – ★★★★

    Fair Game, 1988 – ★★★★

    MAMBA*
    (Italien, 1988, Regie: Mario Orfini)

    Ende der 80er-Jahre kamen aus Italien nur noch selten anständige Horrorfilm-Produktionen. MAMBA von Mario Orfini ist eins der seltenen Highlights, was heutzutage fast völlig in Vergessenheit geraten ist. 

    Wie der Titel schon verrät, geht es um eine Schlange, was einen unweigerlich zum Tier-Horrorkino führt. Damit liegt man bei MAMBA auch richtig. Aber Orfinis Film ist auch genug Thriller, und ihm gelingt eine wunderbare Melange aus beiden Genres. Bereits zu Beginn, wenn Gregg Henry als Gene auf Bill Moseley trifft, der den Schlangenzüchter Frank spielt, liefert Orfini Spannung, Atmosphäre und etabliert die Schwarze Mamba, die mit einem zusätzlichen Sexualhormon ausgestattet wurde, um noch aggressiver zu werden, denn schließlich will Gregg die Schlange als tödliche Waffe gegen seine Frau einsetzen. Die Mojave-Wüste in Kalifornien, wo diese Szene gedreht wurde, ist auch die letzte, in der man Tageslicht sieht, denn danach wandelt sich die Inszenierung in ein beklemmendes Kammerspiel. Dafür hat man dann in den Studios in Rom ein sehr cooles Haus errichtet, was mit vielen verspielten Räumen für Aufsehen sorgt. Das weitläufige Haus besteht aus nur einer Etage und hat, vermutlich um eine Flucht unmöglich zu machen, keine Fenster. Dort lernt man dann auch Eva kennen, die von Trudie Styler verkörpert wird. Mit ihr hat man ein glückliches Händchen bewiesen. Styler schlägt sich fast komplett allein durch den Film, abgesehen von der Mamba und Gene. Auch mit Gregg Henry ist man gut bedient, denn der kann einfach wunderbar ein Arschloch spielen. Während Eva im Haus um ihr Leben kämpft, sitzt er im Auto vor dem Haus und kann mittels Sender sehen, wo sich die Schlange befindet. 

    Orfini liefert einige spannende Momente und hat mit Dante Spinotti einen versierten Kameramann an Bord, der die Inszenierung durch viele Blickwinkel und Perspektiven abwechslungsreich gestaltet; dazu gehören auch Ego-Perspektiven der Mamba. Untermalt wird der Schlangen-Thriller von einem starken Score von Giorgio Moroder und dem schmalzigen Pop-Song „Listen To Your Heart“ von Koreana. Der Film hat viel 80er-Jahre-Zauber zu bieten, obwohl sein Handlungsort so beschränkt ist. 

    MAMBA ist ein spannendes Tier-Thriller-Kammerspiel mit einer guten Besetzung und schönen Bildern. 

    (Bjoern Candidus)

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Breakdown, 1997 – ★★

    Breakdown, 1997 – ★★

    BREAKDOWN
    (USA, 1997, Regie: Jonathan Mostow)

    Jeff und Amy Taylor wollen ein neues Leben in einer anderen Stadt starten. Mit ihrem neuen Auto geht es quer über eine Wüstenstraße in Richtung San Diego. Doch als das Auto stehenbleibt, hängen die beiden in der Wüste fest, bis ein Truck hält. Der Trucker stellt sich als Red vor und bietet seine Hilfe an. Er nimmt Amy mit zum nächsten Diner, während Jeff auf das Auto aufpasst und wartet, dass der überhitze Motor abkühlt. Als Jeff später den Diner erreicht, fehlt von Amy jede Spur. 

    Jonathan Mostow (TERMINATOR 3, 2003) wandelt in diesem Road-Thriller auf den Spuren von Filmen wie TRUCK DRIVER (1981), HITCHER (1986) und SPURLOS VERSCHWUNDEN (1988).
    Anfänglich gelingt es Mostow auch noch, ein gutes Maß an Spannung aufzubauen, doch die lässt spätestens nach den ersten 30 Minuten rapide nach. Es bleibt ein Film voller Klischees übrig, der die Frage nach dem Verbleib seiner Frau schnell beantwortet und kein Geheimnis daraus macht, mit wem es Jeff zu tun hat. Dass dieses Wissen nicht zwangsläufig die Spannung rauben muss, hat George Sluizer eindrücklich mit SPURLOS VERSCHWUNDEN bewiesen, aber hier ist rein gar nichts von der Kraft zu spüren. 

    Auch mit Kurt Russells Charakter Jeff Taylor hatte ich Probleme. Jeff, ein Snob, der vorher noch als vorsichtiger, fast ängstlicher Mann gezeichnet wird, hängt plötzlich unter einem fahrenden Truck und entdeckt gegen Ende eine ganz neue Ausdauer. Der plötzliche Wandel von Figuren ist in Filmen natürlich nichts Neues und oft stört es mich auch gar nicht, aber hier ist es mir sauer aufgestoßen. Mostow lässt seinen Road-Thriller zu einem Actionfilm mit einem konstruierten Plot verkommen, in dem nicht mal J.T. Walsh als Argument zählt. Zu Kathleen Quinlan als Amy gibt es nicht viel zu sagen, da sie die meiste Zeit irgendwo gefangen gehalten wird. Schön ist der Wüsten-Schauplatz (gedreht wurde in Kalifornien und Arizona) mit den gigantischen Felsen und der schier unendlichen Weite. Doch auch daran habe ich mich schnell sattgesehen. 

    BREAKDOWN ist handwerklich ein solide gemachter Film, der grundsätzlich auch gut besetzt wurde, doch mit den Figuren und der Story wurde ich nicht warm. 

    (Bjoern Candidus)