Autor: marco-fritz

  • Urban Legend, 1998 – ★½

    Urban Legend, 1998 – ★½

    DÜSTERE LEGENDEN
    (URBAN LEGEND, Kanada, USA, 1998, Regie: Jamie Blanks)

    Auf dem Campus der Pendleton Universität kommt es zu einer Reihe von Morden. Eine Studentin erkennt die Verbindung zu urbanen Legenden und glaubt nicht an einen Zufall, denn schließlich ist das das Thema im Folkorekurs von Dr. Wexler. 

    Der Erfolg von SCREAM (1996) löste eine ganze Wellen von Slashern aus, die ein Großteil des Spät-90er-Horrorkinos ausmachten. Die meisten dieser Produktionen sind leider mehr schlecht als recht. DÜSTERE LEGENDEN von Regisseur Jamie Blanks (STORM WARNING, 2007) ist leider eins dieser schlechten Beispiele. 

    In erster Linie krankt die Inszenierung an den unglaublich ätzenden Figuren, was mitunter auch an den schlechten Darstellerinnen wie Alicia Witt und Rebecca Gayheart liegt, und auch ein Jared Leto ist hier wahrlich kein Gold, nervt aber weniger als sein Anhang. Immerhin bekommt Danielle Harris als Klischee-Goth nur wenig Spielraum. Gaststars wie Robert Englund als Uni-Professor und Brad Dourif als Tankwart sind die wenigen darstellerischen Lichtblicke. 

    Blanks schafft es auch nicht im Gore-Bereich zu punkten. DÜSTERE LEGENDEN ist ziemlich handzahm und die wenigen spannenden Momente ertrinken in der Ödnis der Figuren. Das Einzige, was hier noch halbwegs funktioniert, ist die Fotografie und der insgesamt erdige Ton der Bilder. Unterlegt wird das Ganze mit einem generischen Score von Christopher Young, der es wirklich mal schöner konnte. 

    DÜSTERE LEGENDEN ist ein langweiliger Slasher aus einer zwiespältigen Horrorfilm-Epoche.

    (Bjoern Candidus)

  • Beast in Space, 1980 – ★★

    Beast in Space, 1980 – ★★

    DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM
    (LA BESTIA NELLO SPAZIO, Italien, 1980, Regie: Alfonso Brescia)

    Captain Madison und seine Crew bekommen den Auftrag, das seltene Metall Autalium auf einem Planeten zu finden. Auf dem Planeten angekommen, stoßen sie auf Onaf, den Herrscher des Planeten, der sie anfänglich noch freundlich in seinen Gemächern aufnimmt. Doch dann kippt die gute Laune, denn ein außer Kontrolle geratener Super-Computer sorgt für Ärger.

    Das Tolle am italienischen Genre Kino ist nicht nur die Variation bekannter Stoffe, sondern auch die Kombination. In DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM ist es die durch KRIEG DER STERNE (1977) inspirierte Space-Opera, die hier, im Falle der Hardcore-Fassung, mit reichlich Sex angereichert wurde. Besonders Freunde von Riesenpenissen kommen auf ihre Kosten, denn der außerirdische Herrscher namens Onaf, hat neben zwei Pferdebeinen einen solchen, den er gerne in weibliche Erdlinge schiebt. Im Falle von DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM serviert er seinen Fleischsäbel der griesgrämigen Sirpa Lane (PAPAYA – DIE LIEBESGÖTTIN DER KANNIBALEN, 1978), die ihn oral wie vaginal zu spüren bekommt. Der faunartige Onaf wird von Robert Hundar dargestellt, den viele als aschblonden Anführer der Außerirdischen aus BUDDY HAUT DEN LUKAS (1980) kennen dürften. 
    Wenn Porno-Szenen das Highlight eines Nicht-Pornos sind, dann läuft etwas schief, und genau so ist es hier. 

    Die wenigen Raumschiff-Modelle und Sets, die wie aus den 60er-Jahren aussehen, stammen aus Brescias vorherigen Space-Operas. Diese Art der Wiederverwertung kennt man nur allzu gut, und wäre auch nicht schlimm, würde man nicht permanent an den anderen Dingen scheitern. Brescia scheitert hier aber an allem, und mit ihm die Leute vor und hinter der Kamera. Statt Spannung bekommt man öde Dialoge zwischen dummen Figuren, langweilige Sex-Szenen (die mit Onaf ausgenommen) und ein unfassbar armseliges Finale mit einer Handvoll Androiden, die alle wie Otto Waalkes aussehen. Der Birkenwald durch den Nebelschwaden ziehen und die grünen und orangen Latexanzüge des Außenteams sind noch am überzeugendsten. Musikalisch wird man von Marcello Giombini berieselt. 

    DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM ist unfassbar schlecht, und doch kann ich diesem Machwerk einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Escape from Galaxy 3, 1981 – ★★

    Escape from Galaxy 3, 1981 – ★★

    FLUCHT VON GALAXY 3
    (GIOCHI EROTICI NELLA 3A GALASSIA, Italien, 1981, Regie: Bitto Albertini)

    Kurz bevor der finstere Weltraumherrscher Oraclon mit seinem riesigen Raumkreuzer die Raumstation von König Zador und seinen Heimatplaneten Exolon zerstört, kann des Königs Tochter, Belle Star, mit Lithan flüchten. Auf der Suche nach Hilfe bei befreundeten Völkern stoßen sie auf einen Planeten namens Erde. Es ist die Erde nach einem Atomkrieg, auf der man mit griechischen Gewändern herumläuft und in Holzhütten wohnt. Als wäre der Culture Clash nicht schon groß genug, nimmt auch noch Oraclon die Spur zur Erde auf. Dumm ist nur, dass es ihm an einer weiteren Planetenbombe fehlt… 

    Während Luigi Cozzi mit STAR CRASH (1978) versucht hat, in die Fußstapfen von George Lucas Space-Opera KRIEG DER STERNE (1977) zu treten, tritt Bitto Albertini in die von Cozzi. In manchen Ländern wurde Albertinis Film sogar als STAR CRASH 2 vermarktet. Man bediente sich nicht nur an dem gleichen bunten Sternenhimmel, sondern nutzte die gleichen Raumschiff-Modelle und Studiokulissen. Die Raumschiff-Kampf-Szenen stammen sogar 1:1 aus STAR CRASH. Und so darf man hier noch mal das faszinierende Raumschiff in Form einer Hand sehen, was schon Joe Spinell als Count Zarth Arn sein Eigen nannte. Auf die lustige Besetzung von Cozzis Sternenabenteuer muss zwar verzichten werden, aber Bitto Albertini kann es noch schräger. Oraclon, der Bösewicht dieses Films, der von Don Powell verkörpert wird, trägt ein derart lächerliches Kostüm, dass es zu eins der Highlight von FLUCHT VON GALAXY 3 wird. Die auffälligen Kostüme ziehen sich durch den Film und machen auch die Helden Belle Star (Sherry Buchanan) und Lithan (Fausto Di Bella) zu echten Wegguckern. 

    Bunte Sterne, die zur Weltraumdisco einladen, wiederverwertete Raumschiffmodelle aus einem besseren Film, schrille Kostüme, Spacemusik, Softsex, Tanzeinlagen und eine hauchdünne Story mit dümmlichen Figuren machen FLUCHT VON GALAXY 3 zu einem lustigen, aber auch quälenden Spacequatsch. 

    (Bjoern Candidus)

  • Starcrash, 1978 – ★★★

    Starcrash, 1978 – ★★★

    STAR CRASH – STERNE IM DUELL
    (STARCRASH – SCONTRI STELLARI OLTRE LA TERZA DIMENSIONE, Italien, USA, 1978, Regie: Luigi Cozzi)

    Count Zarth Arn, Unterdrücker des Universums, hat eine neue Waffe mit grenzenloser Reichweite und einer unglaublichen Zerstörungskraft, dass sie sogar einen ganzen Planeten vernichten kann. Als das Aufklärungsraumschiff von Simon, dem Sohn des Imperators, nicht zurückkehrt, bittet er den Schmuggler Acton und seine Komplizin Stella Star, seinen Sohn zu finden und nebenbei Count Zarth Arn auszuschalten. Ein gefährliches Abenteuer bricht an.

    Nach dem weltweit riesigen Erfolg von KRIEG DER STERNE (1977) dauerte es nicht lange, bis die ersten Rip-Offs die Kinos eroberten. Eine sehr frühe Antwort auf George Lucas Space-Opera lieferte Luigi Cozzi mit STAR CRASH, einer amerikanisch-italienischen Co-Produktion von Net und Patrick Wachsberger. 

    Schon die Eröffnungszene mit dem Raumschiff, was von oben herab herunter ins Bild schwebt, lässt einen unweigerlich an KRIEG DER STERNE denken. Schnell wird einem der Darth Vader von STAR CRASH präsentiert, der von niemand geringerem als Joe Spinell verkörpert wird. Als böser Count Zarth Arn trägt er zwar keinen Helm und hat auch kein Luftproblem, aber dafür hat er eine lustige Frisur und schmückt sich mit einem roten Umhang. Eine völlig groteske Version von Han Solo findet man in dem Schmuggler Acton, der von Marjoe Gorter verkörpert wird. Der geht vielleicht als Sexsklave von Harald Glööckler durch, aber sicherlich nicht als Schmuggler. Aber Acton hat ja seine Dame fürs Grobe an seiner Seite: Caroline Munro als Stella Star. Eine der wenigen Lichtblicke unter den Darstellern, denn die steht wenigstens nicht nur dumm herum, sondern kämpft mit Körper und Waffen. Nicht, dass das irgendwie überzeugend wäre, aber immerhin zeigt sie Einsatz. Und wo wir beim Herumstehen sind: Christopher Plummer als Imperator steht hier auch extrem gelangweilt als Hologramm herum, aber nur kurz. Sein Sohn, Prinz Simon, sei auch noch erwähnt, aber nur, weil er von David Hasselhoff verkörpert wird. Auch der ist nur kurz dabei. Immerhin. Am besten kommt noch der C3-PO-Abklatsch Elle weg. Der Polizeiroboter sieht wenigstens ansprechend aus, was hier sonst nur Frau Munro gelungen ist. Aber wegen der Darsteller sollte man STAR CRASH ohnehin nicht gucken; den meisten Spaß liefert Cozzi mit seinen Modellen, Stop-Motion-Effekten, Kostümen, Set-Designs und den tollen Lichtern in allen Farben, die der Regenbogen hergibt. 

    Dass die Produktion bei weitem nicht die Qualität von KRIEG DER STERNE liefert, dürfte inzwischen klar sein, dennoch sind gerade die Raumschiffmodelle sehr schön und verspielt. Count Zarth Arns Raumschiff hat die Form einer Hand, während andere Raumschiffe an Fische erinnern. Auch die farbigen Sterne, die zwar die Definition von Kitsch sind, sorgen für die besondere Space-Atmosphäre von STAR CRASH. Ein weiteres Bonbon ist der Score von John Barry. 

    Das Tempo der Inszenierung ist hoch, was STAR CRASH nie langweilig macht. Dennoch ist Cozzis Film etwas sprunghaft, was aber auch an der jeweiligen Fassung liegt (kürze US-Fassung). Mal ist man am Meer, mal im Schnee, dann wieder in der Wüste. An unterschiedlichen Orten mangelt es hier wahrlich nicht, dafür an einer spannenden Gesichte. 

    Trotz vieler inszenatorischen Schwächen ist STAR CRASH ein buntes Vergnügen, was nie langweilig ist und die Liebe Cozzis für das Genre zeigt. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Church, 1989 – ★★★½

    The Church, 1989 – ★★★½

    THE CHURCH
    (LA CHIESA, Italien, 1989, Regie: Michele Soavi)

    Im Mittelalter haben Teutonenritter ein ganzes Dorf der Hexerei und Ketzerei bezichtigt und alle Bewohner niedergemetzelt anschließend wurde eine Kirche auf dem Massengrab errichtet, um eine dämonische Wiederkehr zu verhindern. Im 20. Jahrhundert wird die in Deutschland stehende Kirche restauriert. Dabei stößt die Restauratorin Lisa auf ein mysteriöses Schriftstück, mit dem sich sich an den neuen Bibliothekar Ewald wendet. Sie stehen vor einem Geheimnis, was nicht gelüftet werden sollte, denn die dämonischen Kräfte sind bereit, ihre Rückkehr anzutreten. 

    Nachdem Michele Soavi mit seinem Debütfilm AQUARIUS – THEATER DES TODES (1987) einen ordentlichen Italo-Slasher hinlegte, richte er mit THE CHURCH seinen Fokus auf den Dämonen-Horrorfilm.

    Schon zu Beginn darf man sich über eine gut Inszenierte Mittelalter-Szene freuen, in der Soavi und Kameramann Renato Tafuri direkt zeigen, was sie visuell drauf haben. Zum Beispiel filmt die Kamera während des Massakers immer wieder durch das ausgeschnittene Kreuz des Teutonenhelms. Aber auch im späteren Verlauf bekommt man beeindruckende Kamerafahrten und Perspektiven geliefert, die deutlich zeigen, wen Soavi zum Vorbild hatte: Dario Argento. Argento selbst fungierte hier nicht nur als Produzent, sondern schrieb auch die Story und zusammen mit Soavi das Drehbuch. Wie gut Argento Okkultismus und Hexerei im Kino beherrscht, wird auch hier wieder deutlich. THE CHURCH wirkt wie aus einem Guss, einem mystischen, geheimnisvollen Guss. Das Mittelalter weicht schnell den späten 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts, wo man sich in Deutschland befindet. Die Außenaufnahmen wurden in Hamburg gedreht, während man für die intakte Kirche, innen wie außen, auf eine in Budapest zurückgriff. In dieser Kirche findet die Inszenierung in erster Linie statt, und später ist auch ein Entkommen nicht mehr möglich, da die Kirche selbst zur Falle wird. DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT (1987) lassen nicht nur in diesem Punkt grüßen. Neben Ewald, der dem Geheimnis der Kirche auf der Spur ist und schließlich selbst zu einem Diener des Teufels wird, spielt auch Asia Argento als Lotte, die Tochter des Küsters, eine Rolle. Ewald wird von Tomas Arana dargestellt, der noch Barbara Cupisti als Lisa zur Seite gestellt bekommt. Die Geistlichen werden vertreten von Hugh Quarshie, Feodor Chaliapin Jr. und Giovanni Lombardo Radice. Zudem tummeln sich noch zahlreiche weitere Figuren in der Kirche, z.B. eine Horde nerviger Kinder. 

    In THE CHURCH ist immer was los und zu jeder Zeit schmückt Soavi seine Inszenierung mit Details oder setzt die Kraft der Farben, Formen und Perspektiven ein, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Hin und wieder wird auch mal einer auf ruppige Art getötet oder es tauchen plötzlich dämonische Kreaturen auf, die ebenso schnell wieder verschwinden, aber durchaus Eindruck hinterlassen. 
    Garniert wird das Ganze mit der Musik von Keith Emerson, Goblin und Philip Glass. 

    THE CHURCH krankt etwas an seinen oberflächlichen Figuren, die nicht gerade zum mitfiebern anregen. Aber der große Rest ist ein sehr atmosphärischer Horrorfilm mit kraftvollen Bildern und beeindruckenden Sets, der zu den stärksten Beiträgen Italiens Ende der 80er-Jahre gehört. 

    (Bjoern Candidus)

  • Spacehunter: Adventures in the Forbidden Zone, 1983 – ★★★★

    Spacehunter: Adventures in the Forbidden Zone, 1983 – ★★★★

    SPACEHUNTER – JÄGER IM ALL
    (SPACEHUNTER: ADVENTURES IN THE FORBIDDEN ZONE, USA, Kanada, 1983, Regie: Lamont Johnson)

    Dieser von Ivan Reitman (GHOSTBUSTERS, 1984) produzierte und unter der Regie von Lamont Johnson entstandene Scifi-Action-Abenteuerfilm gehört zu den qualitativsten Filmen, die im Fahrwasser von KRIEG DER STERNE (1977) und MAD MAX 2 (1981) entstanden sind. 

    Inhaltlich gibt es nicht viel zu berichten, außer dass Wolff, ein abenteuerlustiger Raumschiffpilot, gemeinsam mit einer verwahrlosten jungen Frau und einem alten Kollegen auf einem Wüstenplaneten gegen einen garstigen Irren und seine Schergen kämpfen muss, um drei Frauen aus ihren Händen zu befreien. 

    Auf eine tiefsinnige Geschichte legt man also keinen Wert, was völlig in Ordnung ist, da man gefühlt alles aus dem Hut zaubert, was man im Genre zu dieser Zeit für gewöhnlich erwarten konnte, nur selten in so einer guten Qualität bekommen hat. Die Ausstattung und das Set-Design ist richtig stark. Am Anfang gibt es atmosphärische Weltraumszenen mit spacigen Farben und Raumschiffen mit eigenwilligen Designs, die leider etwas zu kurz kommen, denn hauptsächlich hält man sich auf einem Wüstenplaneten auf. Und der erweckt vor allem Erinnerungen an Tatooine aus der STAR WARS – Saga und an Bartertown aus MAD MAX 3 (1985), den George Miller erst noch drehen sollte. Coole Figuren, Action in sandigen Gefilden, in Steinbrüchen und endzeitlichen Industrieanlagen, sonderbare Fahrzeuge auf Schienenverkehr, Matte Paintings, viele kleine Details und rundum gelungene Monster- und Raumschiff-Designs geben hier den Takt an. Mit Peter Strauss, Molly Ringwald, Ernie Hudson und Michael Ironside hat man ebenfalls ein gutes Gespür bewiesen. Die Herrschaften passen sehr gut in diese Welt. Nicht weniger passend ist der stimmungsvolle Score von Elmer Bernstein. 

    SPACEHUNTER – JÄGER IM ALL ist ein phantasievoller Trip, der jede Minute nutzt, um den geneigten Zuschauer zu unterhalten, auch wenn er sich eine packende Story spart. 

    (Bjoern Candidus)

  • Nachtgeschichten (2) – Shirley Jackson – Die Lotterie (1948)

    Nachtgeschichten (2) – Shirley Jackson – Die Lotterie (1948)

    TRAUMSTADT – NACHTGESCHICHTEN (2)

    Shirley Jackson – Die Lotterie

    Diesmal wandeln Bjoern Candidus und Patrick Siebold auf den Spuren der US-Schriftstellerin Shirley Jackson und besprechen ihre kontroverse Geschichte „Die Lotterie“ (1948), die immer aktuell ist.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Enter the Devil, 1974 – ★★★

    Enter the Devil, 1974 – ★★★

    L’OSSESSA – DAS OMEN DES BÖSEN
    (L’OSSESSA, Italien, 1974, Regie: Mario Gariazzo) 

    Danila bekommt von ihrem Vater eine Jesusfigur zur Restauration geschenkt. Als sie des nachts in ihrem Atelier arbeitet, wird die Figur plötzlich lebendig und entpuppt sich als der Teufel, der in Danila sein nächstes Opfer sieht. Als Besessene macht sie sich und ihrem Umfeld den Alltag schwer. 

    L’OSSESSA – DAS OMEN DES BÖSEN ist ein weiterer Teufels-Horrorfilm aus den 70er-Jahren, der durch die Erfolgswelle von DER EXORZIST (1973) entstanden ist. Regie führte hier Mario Gariazzo (PLAY MOTEL, 1979), der offensichtlich großes Vergnügen an der Provokation hatte. Ivan Rassimov spielt den Teufel, der als getarnter Holzjesus plötzlich fleischlich wird und sich vom Kreuz löst, bevor er sich sexuell über Danila hermacht. Ein durchaus wirkungsvoller Effekt und eins der klaren Highlights in L’OSSESSA. Mehr Sex folgt mit Gabriele Tinti, denn der darf als Liebhaber von Danilas Mutter ebenjene mit Rosen blutig schlagen, was sie sichtlich erregt. Stella Carnacina spielt Danila, die als Besessene das typische destruktive Verhalten gegen sich selbst und andere an den Tag legt, was ihr darstellerisch ganz gut gelungen ist. Sie räkelt sich auf dem Boden, sie kotzt, sie schreit und ist sexuell erregt. Hier kommt es zu ein paar unangenehmen und visuell ganz gut umgesetzte Szenen, die sich dem räudigen Gesamtbild anpassen. Hoffnung kommt einzig durch den wunderbaren Luigi Pistilli als Pater Xeno auf, der Umberto Raho als Psychiater ablöst, der keinen Rat mehr hat. 

    Neben Sex und Ekel liefert Gariazzo durchaus atmosphärische und unheimliche Momente, die in erster Linie durch die Schauplätze erzeugt werden. Ummantelt werden die unheilschwangeren Impressionen von Marcello Giombinis Score. 

    L’OSSESSA – DAS OMEN DES BÖSEN reicht nicht an die Qualität von DER ANTICHRIST (1974), ist weniger unterhaltsam als WER BIST DU? (1974), aber kann sich durch seine sexlastige Art durchaus ein eigenes Plätzchen in der Filmhölle sichern. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Iguana with the Tongue of Fire, 1971 – ★★★½

    The Iguana with the Tongue of Fire, 1971 – ★★★½

    DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM
    (L‘IGUANA DALLA LINGUA DI FUOCO, Deutschland, Frankreich, Italien, 1971, Regie: Riccardo Freda)

    Die ehemalige Geliebte des Schweizer Botschafters Sobiesky wird ermordet aufgefunden. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Als ein weiterer Mord geschieht, nimmt sich Detektive John Norton dem Fall an. Der glaubt, dass der Mörder im Umfeld Sobiesky zu finden ist, möglicherweise sogar in seiner Familie. 

    Freda, der (zusammen mit Mario Bava) mit DER VAMPIR VON NOTRE DAME (1957) mal eben das italienische Gothic-Horrorkino aus dem Ärmel schüttelte, serviert hier einen waschechten Giallo mit dem er allerdings auch eine lange Pause seines Filmschaffens einläutete. Besonders am Anfang, in dem pompösen Landsitz, erkennt man noch den Gothic-Horror-Anstrich, den Freda mit typischen Giallo-Elementen (schwarze Handschuhe, Rasiermesser) kombiniert. Dann holt Freda aber direkt zum Schlag in die Magengrube aus und schickt hinter einer Säure-Attacke einen sehr blutigen Kehlenschnitt mittels Rasiermesser hinterher und verdeutlicht den Zeitgeist der 1970er-Jahre. Freda dient hier fast als Brücke zwischen Mario Bavas IM BLUTRAUSCH DES SATANS (1971) und Dario Argentos ROSSO – DIE FARBE DES TODES (1975). Leider kann Freda, der mit seinem Film selbst nicht ganz zufrieden war, nicht die gleiche Qualität in Sachen Gewalt und Spannung liefern, hat aber dennoch genug zu bieten, was den geneigten Giallo-Fan begeistern dürfte. An Blut mangelt es dem Film jedenfalls nicht. Vor allem kann Freda Punkte sammeln mit den Leuten, die er vor der Kamera versammelt hat. Roger Moore, der angeblich als Detektive vorgesehen war, bekam Freda nicht, dafür ist der wunderbare Luigi Pistilli (DER SCHWANZ DES SKORPIONS, 1971) eingesprungen, der immer etwas grundsympathisches hat, ganz im Gegensatz zu den anderen Herrschaften, wie Anton Diffring (FAHRENHEIT 451, 1966), Werner Pochath (MOSQUITO – DER SCHÄNDER, 1977) und Niall Toibin (RAWHEAD REX, 1986). Die meisten Figuren, die hier auftauchen, sind unangenehmer Natur, was natürlich keine Seltenheit im Giallo-Kino ist, denn jeder soll ja schließlich als Täter infrage kommen. Unter den Damen befindet sich Dagmar Lassander (FEMINA RIDENS, 1969) und Dominique Boschero (SCHREIE IN DER NACHT, 1969). Was bei DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM sofort auffällt, ist der Ort, bzw. das Land des Geschehens: Irland. Anfänglich ist man an der Küste, später in Dublin, wo durchaus atmosphärische Aufnahmen entstanden sind. Regen, Gewitter und Nebel steigern zusätzlich die düstere Stimmung. Und wem diese Wetterverhältnisse nicht reichen, darf sich auch noch auf Schnee freuen, denn für wenige Minuten ist man auch in den Alpen unterwegs. Freda sorgt also durchaus für Abwechslung. Abgerundet wird das Ganze mit einem Score von Stelvio Cipriani, der diesmal nicht ganz so eingängig ist. 

    Zwielichtige und schmierige Figuren, blutige Morde und seltene Schauplätze sind die Vorzüge von DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM. Dass die Story nicht besonders mitreißt und ein gewisser Qualitätsschwund an einigen Ecken zu erkennen ist, ist zu verschmerzen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Black Cobra, 1976 – ★★★

    Black Cobra, 1976 – ★★★

    NACKTE EVA
    (EVA NERA, Italien, 1976, Regie: Joe D’Amato)

    Der gutbetuchte Judas Carmichael ist ein Schlangen-Liebhaber. Da kommt ihm die sexy Schlangentänzerin Eva gerade recht, die sein jüngerer Bruder Jules am Flughafen kennengelernt hat. Judas bietet der sehr viel jüngeren Eva an, bei sich in Hongkong zu wohnen. Es dauert nicht lange, bis sich Jules in Eva verliebt, doch die ist eigentlich lesbisch und vernarrt in Gerri, eine Europäerin. Als er die beiden beim Sex beobachtet, schmiedet er einen tödlichen Plan.

    Im gleichen Jahr, in dem Joe D’Amato mit BLACK EMANUELLE 2 seinen ersten Teil um Laura Gemsers globale Sexabenteurer in die Kinos brachte, stand die Schöne Indonesierin bereits ein weiteres Mal für den Italiener vor der Kamera. Diesmal präsentiert sie sich vor der Stadtkulisse Hongkongs, wo sie erotische Schlangentänze aufführt. Die sind sehr schön inszeniert, wie eigentlich alles in NACKTE EVA. D’Amato stand hier wieder selbst hinter der Kamera und hat erneut sein Können als Kameramann und Regisseur in einem bewiesen. Mit Gemser liegt man immer richtig, ebenso mit Gabriele Tinti, der im selben Jahr Gemsers Ehemann wurde. Tinti spielt Jules Carmichael, eine Rolle die ihm förmlich auf den Leib gebügelt wurde. Und dann ist da noch Jack Palance als Judas Carmichael, zu dem das Schlangen-Hobby natürlich hervorragend passt. Ein wunderbares Duo hat D’Amato hier zusammengestellt, um eine sleazige Unterhaltung zu garantieren. Von erotischen Szenen mit Palance bleibt man jedoch verschont, aber dafür darf hier sonst ständig jemand irgendwen befummeln oder fummelt an sich selbst herum. 

    Richtig schön melodisch ist der Score von Piero Umiliani, der die vielen Erotik-Szenen und Schauplätze Hongkongs wundersam untermalt und eine gute Alternative zu Nico Fidenco darstellt. Um Tiersnuff kommt man hier leider nicht ganz herum. Auf einem Markt wird man Zeuge, wie eine Schlange bei lebendigem Leibe gehäutet und zum essen zubereitet wird.

    NACKTE EVA ist ein ansehnliches Erotik-Drama mit vertrautem D’Amato-Feeling, dem allerdings ein paar Kürzungen gutgetan hätten.

    (Bjoern Candidus)