Autor: marco-fritz

  • The Bermuda Triangle, 1978 – ★★½

    The Bermuda Triangle, 1978 – ★★½

    SOS – BERMUDA-DREIECK
    IL TRIANGELO DELLE BERMUDE, Italien, Mexiko, 1978, Regie: René Cardone Jr.) 

    Marvin Edward möchte auf die Suche nach dem versunkenen Atlantis gehen und nimmt seine Familie mit, die die Reise als Kreuzfahrt ansieht. Als sie in Richtung Bermuda-Dreieck steuern,  
    verschwindet das Schiff vom Radar. 
    Sie entdecken eine Spielzeugpuppe auf der Wasseroberfläche treiben und nehmen sie diese an Bord, und das Unheil nimmt seinen Lauf.

    Schiffe wurden im Horrorkino immer etwas vernachlässigt, obwohl der begrenzte Raum und die Abgeschiedenheit auf dem Meer einen guten Schauplatz bietet. Der Mexikaner René Cardone Jr. (DIE RACH DER 1000 KATZEN, 1972) hat sich diesem Schauplatz an genommen und mit SOS – BERMUDA-DREIECK einen Horrorfilm auf hoher See abgeliefert, der mit einigen durchaus unterschiedlichen Charakteren geschmückt wurde. Mit John Husten, Hugo Stiglitz und Claudine Auger sind sogar ein paar gute Bekannte an Bord. Cardone räumt den Figuren viel Spielraum für Dialoge ein, manchmal auch zum Leidwesen des Zuschauers, denn die sind nicht selten etwas ermüdend. Cardone Jr. schafft es aber die Atmosphäre zu halten. Das runzelige Schiff, der Wind und der Nebel, der aufzieht, sorgt für gruselige Momente. Schön sind auch die Unterwasseraufnahmen, in den der abenteuerlustige Marvin Edward seine erhofften Ruinen entdeckt, bevor sie einstürzen. Davor wird man allerdings Zeuge einer unschönen (echten) Hai-Tötung. 

    Richtige Schauwerte besitzt SOS – BERMUDA-DREIECK leider nicht. Es gibt ein paar Horror-Szenen, ein paar schöne atmosphärische Momente, einen soliden Score von Stelvio Cipriani, aber leider auch viel Geschwätz und unnötig in die Länge gezogene Szenen, die das Gesamtbild trüben. 

    (Bjoern Candidus)

  • $1,000 on the Black, 1966 – ★★★★

    $1,000 on the Black, 1966 – ★★★★

    SARTANA
    (MILLE DOLLARI SUL NERO, Deutschland, Italien, 1966, Regie: Alberto Cardone)

    Johnny wird nach 10 Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Als er in seine Heimatstadt zurückkehrt, stellt er fest, dass sein Bruder Sartana diese mit seiner Bande fest im Griff hat. Als selbsternannter General erpresst Sartana die Bewohner der Stadt, beutet sie aus oder bringt sie einfach um. Johnny ist erschüttert über die Entwicklung seines Bruders, die von ihrer alkoholkranken Mutter offensichtlich einfach so hingenommen wird. Dann muss er feststellen, dass sein Bruder auch noch seine einstige Geliebte geheiratet hat, die er aber wie Dreck behandelt. Johnny wird klar, dass er seinen Bruder und seine Bande ausschalten muss, doch die Bewohner der Stadt halten ihn ebenfalls für einen Mörder, denn schließlich wurde er einst als solcher verurteilt.

    Alberto Cardone hat mit der deutsch-italienischen Koproduktion SARTANA einen sehr harten Italowestern gezimmert, der im Grunde alle Zutaten besitzt, die das Genres ausmacht. Die Story ist dabei zwar nicht das Aushängeschild, aber dafür alles andere. In den ersten Minuten wird bereits Anthony Steffen als Johnny eingeführt, der einen knallharten Eindruck hinterlässt. Sein eiskalter Gesichtsausdruck ist ihm förmlich ins Gesicht gemeißelt. Auch wenn ich Anthony Steffen grundsätzlich als Revolverheld mag, hat er mir noch nie so gut gefallen wie hier. Und wer dachte, Steffen könnte hier nicht mehr getoppt werden, sollte Gianni Garkos Auftritt als Sartana abwarten. Dem steht dermaßen der Wahnsinn im Gesicht, dass es eine pure Freunde ist, ihn in seiner ersten Western-Rolle zusehen. Als Sartana ist er sadistisch, brutal und zügellos und macht auch nicht davor Halt, seine Frau zu schlagen und zu treten. SARTANA läuft über von Gewalt, und der Body Count ist ausgesprochen hoch. Es sei zwar anzumerken, dass die vielen Schießereien unblutig inszeniert wurden, wie meistens im Italowestern, aber es gibt auch andere Gewaltspitzen, mit denen die Produktion damals schon Probleme hatte, zumindest in Deutschland. 

    Doch Cardones Inszenierung, die auf einer Story und Drehbuch von Ernesto Gastaldi basiert, ist nicht nur dreckig und brutal, sondern auch visuell ein Augenschmaus. Die Fotografie ist zauberhaft, und wenn man hin und wieder Wolken sieht, die sich vor die Sonne schieben und das Bild fast goldig färben, wird SARTANA fast mystisch. Licht und Schatten verwandeln die Gesichter fast in dämonische Fratzen. Passend untermalt wird der Film von einem Score von Michele Lacerenza.

    SARTANA liefert viele Schießereien, Prügeleien, tolle Schauplätze in der Wüste von Almería mit der obligatorischen Westernstadt und dazu zwei ganz große Helden des Italowesterns, die für Spannungen untereinander sorgen. 

    Mit der späteren Sartana-Filmreihe, in dem Garko ebenfalls auftaucht, hat dieser Film nichts zu tun.

    (Bjoern Candidus)

  • The Curse, 1987 – ★★★½

    The Curse, 1987 – ★★★½

    THE CURSE
    (Italien, USA, 1987, Regie: David Keith)

    Auf dem Grundstück eines Farmers in Tennessee stürzt ein sonderbarer Meteorit ab. Ein Wissenschaftler untersucht die Kugel, die sich kurze Zeit später in eine Art Schlamm auflöst. Plötzlich verändert sich das Gemüse von Farmer Nathan, und auch seine Tiere legen ein merkwürdiges Verhalten an den Tag. Es dauert nicht lange, bis sich auch Veränderungen bei Nathan und seiner Frau Frances zeigen, sehr zum Leid der Adoptivkinder Zack und seiner Schwester Alice. 

    Keine andere Story von H. P. Lovecraft wurde wohl bis heute häufiger verfilmt als „Die Farbe aus dem All“ (1939). THE CURSE, die 80er-Jahre-Version, entstand unter der Regie von David Keith, der sich neben seiner Schauspielerei auch mal als Regisseur versuchen wollte. Ursprünglich war Lucio Fulci vom italienischen Produzenten Ovidio G. Assonitis vorgesehen, doch letztlich fungierte Fulci nur als Second Unit Regisseur für die Studioaufnahmen in Rom. Für ein Debütfilm hat Keith auf jeden Fall einen soliden Horrorfilm gezaubert, der Lovecrafts Story zwar nicht ganz adäquat umsetzt, aber gut variiert und definitiv nicht verhunzt. 

    Der Film wurde ordentlich fotografiert und fängt das ländliche Tennessee schön ein. Doch das sommerliche Ambiente zeigt schnell die Schattenseiten, denn Nathan, der mit seiner Frau und seinen drei Adoptivkindern einen Farmbetrieb führt, ist ein äußerst unangenehmer Zeitgenosse. Seine schlechte Laune lässt er stets an seinen Adoptivkindern aus. Zack, der neben Dr. Forbes (Cooper Huckabee) die Hauptfigur verkörpert, wird von Wil Wheaton (STAND BY ME, 1986) dargestellt, der leider zu dieser Zeit nicht nur im Film, sondern auch im Privaten gelitten hat. Wheaton spielt seine Rolle ganz gut. Er muss hier die kleine Alice beschützen, die auch im echten Leben seine Schwester, Amy Wheaton, ist. Insgesamt sind die Darsteller sicherlich nicht das Aushängeschild, aber sie passen gut in den Rahmen des Ländlichen. 

    Die Atmosphäre ist größtenteils sehr gelungen und verdichtet sich mit zunehmender Spielzeit, um auf ein großes Spektakel zuzusteuern, was im Rahmen einer kleinen Produktion durchaus gelungen ist. Dazu kommen einige äußerst eklige Effekte, zu denen auch das Zerfließen von Menschen gehört. Im Bereich der Horror-Effekte und Masken hat man wirklich gute Arbeit geleistet, die auch der Vorlage halbwegs gerecht wird.

    THE CURSE ist ein ordentlich inszenierter Horrorfilm mit schleimigen Effekten, der zu den besseren Lovecarft-Adaptionen gehört. 

    (Bjoern Candidus)

  • Galaxy of Terror, 1981 – ★★★★

    Galaxy of Terror, 1981 – ★★★★

    PLANET DES SCHRECKENS
    (GALAXY OF TERROR, USA, 1981, Regie: Bruce D. Clark)

    Die Crew der „Quest“ bekommt den Auftrag, ein verschollenes Raumschiff samt Besatzung auf dem Planeten Morganthus zu bergen. Doch die Mission stellt die Crew vor ungeahnte Herausforderungen. Als sie auf dem Planeten ankommen, stoßen sie auf eine mysteriöse Pyramide, die von gefährlichen Monstern bewohnt wird. 

    Mit dem Beginn der 80er-Jahre sprang Roger Corman auf die Erfolgswelle von KREIG DER STERNE (1977) und ALIEN (1979) auf und lieferte einen ganzen Zyklus von Filmen über seine Firma New World Pictures ab, die nicht selten Science-Fiction-Themen mit Horror-Elementen verknüpften. PLANET DES SCHRECKENS, der unter der Regie von Bruce D. Clark entstanden ist, erinnert visuell erst mal deutlich an ALIEN. Die düstere Eröffnungs-Szene auf Morganthus lässt einen an den aus ALIEN bekannten Planeten LV-426 denken. Ein wüster, lebensfeindlicher Planet wird hier präsentiert, auf dem sich eine Pyramide befindet, die deutlich an die Designs von HR Giger, aber auch unweigerlich an den Kosmos von H. P. Lovecraft erinnern. Inhaltlich hat der Film nur wenig mit ALIEN gemein, was auch gut ist. Clarks Story dreht sich um die individuellen Ängste der Figuren von denen sie der Reihe nach Opfer werden, wenn sie sich manifestieren. Und so wird die Crew, ähnlich wie im Slasher-Kino, nach und nach reduziert. Die größte Stärke liegt hier aber in der Kraft der Bilder, der Farben und Formen. 

    Das gesamte Produktionsdesign in PLANET DES SCHRECKENS ist Zucker und verrät in keiner Weise das schmale Budget von 700.000 US-Dollar. Dass Corman stets aus wenig viel gemacht und gerne wiederverwertet hat, ist kein Geheimnis, aber mit James Cameron hat er auch noch einen Fachmann an Bord gehabt, der ein paar Jahre später mit TERMINATOR (1984) und ALIENS (1986) die Messlatte in Sachen Scifi-Design extrem hochgelegt hat. Die Inszenierung überzeugt durch Modelle, Matte Paintings, Bildcollagen, Studiokulissen und der Ausstattung der Crew. Das Design hat noch den Charme der 70er-Jahre, den man auch noch in Cormans Produktion MUTANT – DAS GRAUEN AUS DEM ALL (1982) erkennen kann. Außerdem geht es hier recht blutig zur Sache, und neben grafischer Gewalt, in der auch mal Gesichter weggerissen werden, gibt es eine fiese Vergewaltigung einer Frau durch eine riesige Monstermade. Gerade die bekannten Darsteller wie Robert Englund, Sid Haig oder Grace Zabriskie bringen zusätzlichen Spaß mit rein. Englund kämpft z.B. in einer Szene gegen seinen Doppelgänger, während sich Sid Haigs Kristall-Wurfsterne plötzlich gegen ihn selbst richten. Es vergeht kaum ein Moment, in dem man hier nicht irgendwas Cooles entdecken kann, und das macht PLANET DES SCHRECKENS nie langweilig. Die düstere Atmosphäre wird kontinuierlich gehalten, es gibt einige spannende Szenen und immer wieder Angriffe von Monstern mit Tentakel. 

    PLANET DES SCHRECKENS ist ein düsteres Scifi-Horror-Spektakel mit tollen Effekten, guten Charakteren und einer durchaus interessanten Story, die aber noch ausbaufähiger gewesen wäre. 

    (Bjoern Candidus)

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 79

    Traumstadt Gazette Ausgabe 79

    In der TRAUMSTADT GAZETTE 79 wird geschossen, gestochen, gezapft…

    -SARTANA (1966)

    -L’OSSESSA – DAS OMEN DES BÖSEN (1974)

    -ASSAULT! JACK THE RIPPER (1976)

    -NACKTE EVA (1976)

    -THE WORLD OF KANAKO (2014)

    -SINNERS & BLOOD (2025)

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Dawn of the Mummy, 1981 – ★★½

    Dawn of the Mummy, 1981 – ★★½

    DIE RACHE DES PHARAO
    (DAWN OF THE MUMMY, USA, 1981, Regie: Frank Agrama)

    Grabräuber öffnen in der Wüste Ägyptens die Grabkammer des Pharao Safiraman, der 3000 v. Chr. beigesetzt wurde. Damit stören sie die Totenruhe und entfachen seinen Fluch, in den ausgerechnet ein Fototeam aus New York hereingerät. 

    Mitten in der Zombiefilm-Welle griff der Ägypter Frank Agrama auf das Mumien-Thema zurück und kombinierte beide Spielarten des Horrorfilms miteinander. Leider fehlte ihm das Talent, mit dem kleinen Budget einen vernünftigen Film zu drehen. Doch in seiner Schlechtigkeit steckt immerhin etwas Unterhaltungswert. Allein der Schauplatz (Ägypten), das Settting in der Wüste und die billigen Studio-Tempel-Kulissen bringen einen gewissen Charme mit sich. Es ist auch die Seltenheit, die das Ganze interessant macht. Sandig wurde es im gleichen Jahr mit MANHATTAN BABY (1982) von Lucio Fulci und im Folgejahr mit der OASE DER ZOMBIES von Jess Franco. Das Mumien-Thema sparen sie sich allerdings beide. Neben den großen, bekannten Filmmonstern wie Dracula oder Frankensteins Monster hatte es die Mumie immer etwas schwerer und so erfreut es mich immer, wenn sie mal wieder irgendwo auftaucht, außerhalb eines Blockbusters wie in DIE MUMIE (1999). Leider dauert es in DIE RACHE DES PHARAO gut 45 Minuten, bis sie ihren Auftritt hat und mit ihrer Armee von Untoten über ihre Opfer herfällt und ihre Rache nimmt. Davor muss man sich mit grenzdebilen Grabräubern und einer Handvoll ätzenden Männchen und Weibchen aus der Werbefotografie herumschlagen. Die dummen Figuren machen es einem nicht leicht, dran zu bleiben. Der Ausgleich kommt mit ein paar Gore-Effekten, die eher an italienische Produktionen erinnern. Diese kommen allerdings bis zum Finale nur spärlich zum Einsatz. Das Design der Mumie ist sogar recht gelungen, und auch die Zombies machen was her, und diese sind erstaunlich agil. 

    DIE RACHE DES PHARAO ist ein teils sehr langweiliger Horrorfilm mit dämlichen Figuren, aber einer netten Atmosphäre und ein paar blutigen Momenten, die insgesamt leider zu kurz kommen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Thief, 1981 – ★★★★½

    Thief, 1981 – ★★★★½

    DER EINZELGÄNGER
    (THIEF, USA, 1981, Regie: Michael Mann)

    Nach elf Jahren Gefängnis hat der Diamantendieb Frank eigentlich genug von seinem Geschäft. Er hält sich zwar weiterhin nicht fern von Einbrüchen, aber er plant seinen Ausstieg. Er verliebt sich in Jill, die er schließlich heiratet. Doch er begibt sich auch in die Hand von Gangsterboss Leo, der Frank verspricht, ihn nach wenigen Einbrüchen, die er für ihn tätigen soll, zum Millionär zu machen. 

    Mit seinem Frühwerk DER EINZELGÄNGER hat Michael Mann einen extrem stylischen Heist-Gangsterfilm abgeliefert, der ganz klar von den Darstellern und seiner umwerfenden 80er-Jahre-Ästhetik lebt. Die eingefangenen Bilder einer Großstadt bei Nacht, die durch ihre Lichter erstrahlt wie ein Vergnügungspark in der Unterwelt, entfachen eine packende Atmosphäre. Hier herrschen die harten Kerle der Unterwelt mit der sich James Caan als Diamantendieb Frank einlässt, der das Geschäft langsam verlassen möchte, um sich zur Ruhe zu setzen, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Caan brilliert von der ersten bis zur letzten Sekunde als Perfektionist in Sachen Einbruch und Diebstahl von Diamanten hinter dicken Safetüren. Mann schafft es, das Aufschweißen eines Safes wie ein Feuerwerk erscheinen zu lassen, was sich tief ins Filmhirn des Zuschauers einbrennt. Caans Auftraggeber, Leo, wird von Robert Prosky gespielt, der ebenfalls einen bleibenden Eindruck als Widerling hinterlässt. Jim Belushi ist als Franks Freund Barry an Bord, während Tuesday Weld als Franks Herzblatt Jessie am Start ist. Mann konzentriert sich sehr auf seine Figuren und schafft ein perfektes Gleichgewicht zwischen Form und Inhalt. Gleichzeitig hält er permanent die Spannung und Atmosphäre hoch, die immer wieder von dem fantastischen Score von Tangerine Dream befeuert wird.

    Wer Tiefe, Spannung, Action, Atmosphäre und starke Charaktere im neonlichtdurchfluteten Großstadtdschungel der 80er-Jahre sucht, der sollte sich DER EINZELGÄNGER zu Gemüte führen. Sehr, sehr schön.

    (Bjoern Candidus)

  • When a Stranger Calls, 2006 – ★½

    When a Stranger Calls, 2006 – ★½

    UNBEKANNTER ANRUFER
    (WHEN A STRANGER CALLS, USA, 2006, Regie: Simon West)

    Die Schülerin Jill Johnson soll auf die Kinder der Familie Mandrakis aufpassen. Während die Kinder schlafen wird sie von einem Fremden mittels Anrufen terrorisiert, die sie immer mehr in Panik versetzten. Dann ist sie sich sicher, dass der Mann ganz in ihrer Nähe ist.

    Willkommen in der Welt der Remakes, die nicht zwangsläufig eine schlechte sein muss. Im Falle von UNBEKANNTER ANRUFER, bei dem Simon West Regie führte, kann ich allerdings nichts gutes berichten. 

    Während des Vorspanns bekommt man vor allem auf audiovisuelle Art einen Kindermord mit, der von einem Telefongespräch begleitet wird. Dabei sieht man allerdings nur das Haus von außen. Nach einem Polizeiaufgebot gibt es einen Handlungssprung und die Protagonistin wird vorstellt, und ab dem Punkt war ich fast schon raus, zumindest emotional. Camilla Belle ist als Jill Johnson derart unsympathisch, dass ich ihr den sofortigen Filmtod gewünscht habe. Auch Carol Kane hatte 1979 nicht die sympathischste Ausstrahlung, aber sie konnte mich zum mitleiden anregen, was bei Belle nicht der Fall war. Sympathischer wird es auch nicht mit dem Rest der Besetzung. 

    Hin und wieder gelingen West ein paar spannende Momente, doch die wiederholen sich bis sie nur noch langweilig werden. Während die Babysitter-in-Angst-Szene in Fred Waltons Original in den ersten 20 Minuten abgehandelt wird, zieht sich dieser Part hier durch den gesamten Film. Nichts ist überraschend, nichts originell. Der Eindringling, der während seiner zahlreichen Anrufe noch ein redseliger Psychopath ist, wird mit seinem körperlichen Auftreten wie ein Michael Myers dargestellt, der stumm, fast wie fremdgesteuert durch das Haus schreitet und zu plötzlichen Angriffen einsetzt. Das hochmoderne Designerhaus am Waldrand direkt an einem See ist der Star des Films. Hier hat der Locationscout ein gutes Auge gehabt, ebenso der Kameramann, der das Haus gut eingefangen hat. 

    Der generischer Score von Jim Dooley unterstreicht das öde Gesamtbild, was UNBEKANNTER ANRUFER hinterlässt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Troma’s War, 1988 – ★★★

    Troma’s War, 1988 – ★★★

    CLUB WAR
    (TROMA‘S WAR, USA, 1988, Regie: Michael Herz, Lloyd Kaufman)

    Ein Passagierflugzeug der Tromaville Airline stürzt auf einer Insel vor Amerika ab. Dabei überleben einige der bunt gemischten Reisenden. Doch eine weitere Gefahr bahnt sich an, denn die Insel wird von Terroristen beseelt, die sich aus sämtlichen Gruppierungen (RAF, PLO usw.) für ein gemeinsames Ziel zusammengeschlossen haben: sie wollen die USA mit dem HI-Virus vernichten. 

    An irrwitzigen Ideen und geschmacklosen Umsetzungen hat es den Filmen von Troma Entertainment nie gemangelt, und CLUB WAR ist ein weiterer Beweis dafür. Regie führte der Troma-Boss Lloyd Kaufman und Michael Herz, und die sorgen dafür, dass es hier keine ruhige Minute gibt. 

    Nachdem man sich den eigentlichen Flugzeugabsturz gespart hat, bekommt man gleich das Resultat zu sehen: ein Flugzeugwrack am Strand auf einer Insel. Schön dekorativ liegen neben den Wrackteilen zerfetzte Körper, während sich die noch lebenden Passagiere über ihre Situation bewusst werden. Was einem selbst auch schnell bewusst wird, ist die Tatsache, dass es sich hier mitnichten um einen ernsthaften Film handelt, sondern um den gleichen Wahnsinn, den man bereits zu vorher aus dem Studio bekommen hat. Ganz so durchgeknallt und überzogen wie die Figuren in CLASS OF NUKE ‚EM HIGH (1986) sind die Idioten, die hier angekarrt wurden, nicht, aber sie sind auch nicht weit entfernt davon. In erster Linie ist es das Setting, was sich deutlich von den Geschichten, die in Tromaville stattfinden, abhebt. In CLUB WAR ist man im Dschungel auf einer Insel voller Terroristen in Kampfanzügen, die nur darauf warten, dass Sylvester Stallone und Chuck Norris auftauchen. Doch stattdessen taucht eine bunt gemischte Gruppe US-Bürger von jung bis alt auf, die sich plötzlich mit aller Gewalt und Patriotismus zur Wehr setzen muss. Hier wird aus allen Rohren gefeuert, gewürgt, geschlagen, gehackt, gebissen, getreten, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Wie auch bei anderen Troma-Produktionen ist auch hier die Spielzeit zu lang. Der wilde Mix aus dämlichen Figuren, bizarren Ideen und blutigen Effekten ist gut und schön, aber irgendwann geht dem Irrsinn die Puste aus. 

    CLUB WAR bietet eine gute Kriegs-Ausstattung, einen schönen Dschungel-Schauplatz, einen sehr hohen Body Count, aber auch zu viele dämliche Figuren, die einem irgendwann den letzten Nerv rauben. 

    (Bjoern Candidus)

  • Delirium, 1979 – ★½

    Delirium, 1979 – ★½

    DELIRIUM
    (USA, 1979, Regie: Peter Maris)

    Detective Larry Mead und Paul Dollinger sind auf der Suche nach dem Mörder einer jungen Frau. Doch Charly, ein Vietnam-Veteran mit einem gewaltigen psychischen Problem, fängt gerade erst an, eine blutige Spur hinter sich zu ziehen. Aber nicht nur die Polizei ist hinter ihm her, sondern auch eine geheime Organisation, die auf eigene Art Verbrecher jagt und ihre Hinrichtungen wie Selbstmorde aussehen lässt. 

    Der Film startet in einer Großstadt bei Nacht, in der man Zeuge wird, wie zwei Männer eine Leiche in einen Fluss schmeißen. Der grobe Look gefällt und wird sich im weiteren Verlauf des Films nicht verändern. Inhaltlich und visuell ist DELIRIUM reines 70er-Jahre-Grindhouse-Kino mit ekligen Figuren und ein paar harten Gewaltspitzen. Mal kommt eine Mistgabel zum Einsatz mal ein Speer oder ein Beil, um Menschen ins Jenseits zu befördern. In den Tötungen verhält sich der Film wie ein Slasher und kann in diesen Momenten auch überzeugen. Auch Charlie macht als Killer einen authentischen Eindruck. Optisch ist er ein Typ wie jeder andere, der sich nicht hinter einer Maske verstecken muss, wie viele seiner Kollegen. Und so steht DELIRIUM mehr in der Tradition von Filmen, wie BLUTBAD DES SCHRECKENS (1973), DAS HAUS DER LEBENDEN LEICHEN (1979) oder MANIAC (1980). Hätte es Regisseur Peter Maris doch nur dabei belassen, dem Killer bei seinen Taten zu folgen, wäre zwar auch kein geistreicher Film entstanden, aber man wäre von einigen schlechten Darstellern verschont geblieben. Die zwei Detectives, die so aufregend sind wie ein Glas Wasser, bringen die Inszenierung schon ins Schwanken, aber das Oberhaupt der Organisation bringt DELIRIUM fast komplett zum Einsturz. Das Schauspiel von Barron Winchester als Eric Stem ist so übel, dass man es eigentlich mal gesehen haben muss. So eine Figur ist mir lange nicht mehr begegnet. Da fallen die Vollpfosten schon gar nicht mehr groß ins Gewicht, die neben ihm am Tisch in seinem geheimen Kellerversteck sitzen. Die Idee mit der Organisation ist sogar ein innovative Ansatz, aber die Umsetzung ist komplett daneben. Besser ist da der Score von David Williams. 

    DELIRIUM ist ein gutgemeinter Serienmörder-Thriller, der sich mit dreckigen Bildern schmückt, ein paar garstige Szenen liefert, aber durch seine schlechten Darsteller und seine langatmigen Momenten verkommt. 

    (Bjoern Candidus)