Autor: marco-fritz

  • 96. Messias des Bösen (1973)

    96. Messias des Bösen (1973)

    MESSIAS DES BÖSEN

    OT: MESSIAH OF EVIL

    USA, 1973

    Regie: Willard Huyck

    Bjoern Candidus und Marco Fritz begeben sich in die 70er-Jahre und sprechen über den außergewöhnlichen Horrorfilm MESSIAS DES BÖSEN, der erst in den letzten Jahren wieder etwas an Aufmerksamkeit gewonnen hat.

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

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  • The Mangler, 1995 – ★★★½

    The Mangler, 1995 – ★★★½

    THE MANGLER*
    (USA, 1995, Regie: Tobe Hooper)

    In der Blue Ribbon Wäscherei kommt es immer wieder zu Unfällen. Als eine Mitarbeiterin durch die alte Wäschemangel ums Leben kommt, ermittelt Detektive John Huston in dem Fall. Hilfe bekommt er von seinem Freund Mark Jackson, der vermutet, dass die Mangel von einem Dämon besessen ist, und Mr. Gartley, der Besitzer der Wäscherei, bekräftigt diesen Verdacht durch sein widerliches Verhalten, was er an seinem Personal auslebt. 

    Das Werk von Stephen King quillt über von bösen Energien oder Wesen, die alltägliche Gegenstände beseelen, die dann mordend durch die Gegend ziehen. In THE MANGLER, der unter der Regie von Tobe Hooper entstanden ist, ist es nicht nur eine riesige Wäschemangel, die Menschen in ihre Walzen zieht, sondern nebenbei auch ein Kühlschrank, der für Ärger sorgt. Für menschlichen Ärger sorgt hingegen Robert Englund als Wäschereibesitzer Bill Gartley. Englund liefert mal wieder eine schräge Performance ab, die manchmal etwas zu viel des Guten ist. Zudem ist sein Make-up zu drastisch und lässt die Figur unnötig künstlich erscheinen. Andererseits ist hier alles ziemlich drüber, was man bei einem Film über eine gefräßige Wäschemangel auch erwarten sollte. Insgesamt ist Hoopers Inszenierung sehr düster und spielt hauptsächlich in der Nacht. Mit Ted Levine als Detektive John Huston und Daniel Matmor als sein Freund Mark Jackson darf man einem sympathischen Duo folgen. Neben den polizeilichen Ermittlungen und dem Okkultismusgerede zwischen den beiden, entstehen ein paar starke Momente, die dem Film sogar eine gewisse Tiefe geben. Auch der vom Krebs gezeichnete Fotograf, dargestellt von Jeremy Crutchley, ergänzt die Liste interessanter Figuren. Weniger überzeugend ist da Vanessa Pike als Gartleys Nichte Sherry. 

    Auch mit Blut hält man sich nicht zurück. Es gibt ein paar recht drastische Gore-Effekten, die z.B. gebügelte und gefaltete Körper zeigen, was wirklich mal was anderes ist. Auch das Set-Design der Blue Ribbon Wäscherei ist sehr gelungen. Der dreckige, industrielle Look war damals in Filmen und Musikvideos recht angesagt und wurde hier gut genutzt, um die ohnehin schon düstere Atmosphäre zu unterstreichen. Abgesehen von ein paar kleinen Abweichungen und Ergänzungen zu Kings Kurzgeschichte aus dem Jahr 1972, ist Hoopers Adaption dicht an dieser dran. 

    THE MANGLER bietet mit dem titelgebenden Wäschemangler eins der schrägsten Monster der 90er-Jahre, was die Horrorfilm-Gemüter stets gespaltet hat. Mir gefällt Hoopers Film bis heute. 

    (Bjoern Candidus)

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • 20 Million Miles to Earth, 1957 – ★★★

    20 Million Miles to Earth, 1957 – ★★★

    DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM
    (20 MILLION MILES TO EARTH, USA, 1957, Regie: Nathan Juran)

    An der Küste von Sizilien stürzt eine Weltraumrakete ins Meer. Schnell nähern sich Fischer, um mögliche Überlebende zu retten. Der kleine Pepe findet kurz drauf einen Zylinder mit einem sonderbaren Glibberei, was er Dr. Leonard verkauft. Die Amis sind derweil auf dem Weg nach Italien, um sich um den Absturz ihrer Rakete zu kümmern, denn sie wissen, dass ein Lebewesen von der Venus an Bord war. Und dieses Lebewesen wird binnen weniger Tage zu einer großen Gefahr für die italienische Bevölkerung.

    Im gleichen Jahr, in dem Nathan Juran mit DAS TODBRINGENDE UNGEHEUER eine riesige Gottesanbieterin auf die Menschheit losgelassen hat, lässt er hier ein humanoides Reptil von der Venus los, was vom einzigartigen Ray Harryhausen zum Leben erweckt und ursprünglich auf den Namen Ymir getauft wurde. Die Stop-Motion-Effekte von Harryhausen sind wieder erste Sahne. Das Bildmaterial wurde sehr geschickt mit den nachträglich produzierten Stop-Motion-Szenen montiert, damit ein möglichst fließender Übergang stattfindet. Und so sieht man den Reptiloid durch die Natur Siziliens stampfen, bis man ihn schließlich betäubt und nach Rom bringt, was natürlich eine dumme Idee ist. Dort wird man Zeuge, wie sich Ymir durchs Kolosseum schlägt oder gegen einen Elefanten kämpft. Derweil wird er natürlich mit aller Feuerkraft von der Armee bekämpft.

    Tricktechnisch ist DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM auf einem guten Niveau unterwegs, zudem gibt es einen kontinuierlichen Anstieg von Action, die die Inszenierung immer vorantreibt. Leider krankt auch dieser Monsterfilm an menschlichen Figuren, die einen mitnehmen können. Besonders William Hopper ist als Colonel Robert Calder höchst unangenehm. Aber das ist nichts Neues, denn im Monsterkino der 50er-Jahre steht nun mal das Monster im Vordergrund, und mit Ymir hatte ich durchaus mein Vergnügen. 

    Die anfängliche Spannung weicht guten Monster-Effekten vor einer ungewöhnlichen Kulisse, bedenkt man, dass es sich um eine US-Produktion handelt. Der Schauplatz ist, neben dem Monster, der Star von DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM. 

    (Bjoern Candidus)

  • Fögi Is a Bastard, 1998 – ★★★★

    Fögi Is a Bastard, 1998 – ★★★★

    DER TRAUM VOM SCHLAFENDEN HUND
    (F. EST UN SALAUD, 
    Frankreich, Schweiz, 1998, Regie: Marcel Gisler)

    Marcel Gisler hat hier Martin Franks Roman TER FÖGI ISCHE SOUHUNG adaptiert. Wie sehr das gelungen ist, kann ich nicht beurteilen, da ich den Roman nicht kenne. Die Verfilmung hat mir jedenfalls außerordentlich gut gefallen. 

    In DER TRAUM VOM SCHLAFENDEN HUND verliebt sich der 16jährige Beni in den zehn Jahre älteren Fögi, der Sänger einer Rockband aus Zürich. Anfangs läuft die Beziehung noch gut, aber Fögi verliert immer mehr die Kontrolle über sein Leben, was dazu führt, dass er Beni immer mehr wie Dreck behandelt. Er unterdrückt ihn, nutzt ihn aus und schickt ihn auf den Strich. Doch Beni hält an Fögi fest. 

    Das Liebes-Drama mit sadomasochistischen Zügen ist wirklich toll inszeniert und hat mein Herz berührt. Alles fühlt sich real und nicht gekünstelt an. Frédéric Andrau als Fögi und Vincent Branchet als wirken authentisch und machen einen ordentlichen Job. Fühlt sich die erste halbe Stunde noch wie ein Musikerfilm an (passend untermalt von Patti Smith, Velvet Underground, Iggy Pop), verdichtet sich plötzlich in der zweiten alles und Fögis Abstieg und Benis Unterwerfung führen immer mehr in einen Abgrund.  

    DER TRAUM VOM SCHLAFENDEN HUND ist ein ehrlicher Film, ein ungeschminkter, trauriger Blick in eine menschliche Seele. 

    (Bjoern Candidus)

  • Stryker, 1983 – ★★½

    Stryker, 1983 – ★★½

    STRYKER
    (Philippinen, USA, 1983, Regie: Cirio H. Santiago)

    Eine nukleare Katastrophe hat den Großteil der Menschheit ausgelöscht und dafür gesorgt, dass sich das Klima verändert hat. Regen fällt keiner mehr, um die Nachfrage nach Wasser zu decken. Die Wasserreserven, die noch übrig sind, sind verseucht oder gehen zur Neige. 
    Und so heißt es in dieser hoffnungslosen Welt: Wasser bedeutet Macht, und wer es kontrolliert, dem gehört die Welt. Als sich eine neue Wasserquelle auftut, kommt es zu einer großen Schlacht in den Ruinen der vergangenen Zivilisation.   

    Wer einfach nicht genug bekommen kann von wilden Kerlen in coolen Lederklamotten, die durch die Ödnis fahren, um um Wasser (oder alternativ: Öl) zu kämpfen, dem sei auch STRYKER empfohlen. Regie führte hier Cirio H. Santiago (EIN MANN WIRD ZUM KILLER, 1978), der diese philippinische-US Koproduktion komplett in seinem Heimatland abdrehte. Nicht nur die Italiener nutzen Steinbrüche, um ein endzeitliches Setting aufzubauen, sondern auch der Herr von den Philippinen. Rein visuell sieht der Film kaum anders aus als jene, die alle im Jahr 1983 in Italien, bzw. Spanien produziert wurden. ENDGAME, METROPOLIS 2000, 2020 – TEXAS GLADIATORS, FIREFLASH und THE EXECUTOR sind klare Reaktionen auf MAX MAX 2 (1981) und alle bieten sie Steinbrüche, Kiesgruben, Wüstenabschnitte oder Fabrikruinen. Äußerst günstige, aber auch sehr effektive Schauplätze, die es erst mal einfach machen, um sich George Millers Feuerwerk zu nähern. Die Kraft von MAD MAX 2 zu erreichen ist weder Castellari, Carnimeo noch Santiago oder irgendwem gelungen, aber die Figuren, die Klamotten und die ganzen Vehikel in etwa zu kopieren, kann als geglückt bezeichnet werden. All diese Filme vereint auf jeden Fall eine Sache: sie sind allesamt unterhaltsam, der eine mehr der andere weniger. 

    STRYKER liefert viel Action durch Verfolgungsjagden mit Autos, Trucks, Motorrädern, Schießereien und Explosion. Was man in diesem Kino erwartet, bekommt man auch. Doch leider liefert Santiago keine charismatischen oder hervorstechenden Darsteller. Steve Sandor als Stryker ist nun mal kein Mel Gibbson. Aber auch alle anderen Figuren sind wenig bis gar nicht beeindruckend. Am ehesten bleiben noch die Jawa-ähnlichen Kleinwüchsigen mit ihren Kutten hängen, die sonderbare Geräusche von sich geben. Im direkten Vergleich hat das Giuliano Carnimeo mit den Figuren in seinem sehr ähnlichen THE EXECUTOR besser hinbekommen. 

    STRYKER ist ein durchaus solide inszenierter Endzeit-Actionfilm, dem es aber an Ausdruck fehlt. Langeweile kommt hier dennoch nicht auf.

    (Bjoern Candidus)

  • Playground, 2016 – ★★★½

    Playground, 2016 – ★★★½

    PLAYGROUND
    (PLAC ZABAW, Polen, 2016, Regie: Bartosz M. Kowalski)

    PLAYGROUND wurde durch den Mord an dem dreijährigen James Bulger durch zwei Zehnjährige in Liverpool im Jahre 1993 inspiriert. Der polnische Regisseur Bartosz M. Kowalski, der hier sein Debütfilm abgeliefert hat, bewegt sich von Anfang bis Ende auf einem fast dokumentarischen Weg, der der Inszenierung eine unheimliche Authentizität verpasst. Die sommerlichen Tageslichtaufnahmen bauen eine trügerische Atmosphäre auf. Einen gemütlichen Filmabend kann man sich mit diesem Werk wahrlich nicht machen. Auch wenn die Tötung erst in den letzten fünf Minuten zu sehen ist und der Zuschauer die Tat glücklicherweise nur aus der Ferne beobachten kann, zieht sich hier permanent die Schlinge immer fester um den Hals des Betrachters. Man wird zum Voyeur einer verabscheuungswürdigen Tat, und man darf sich zu Recht fragen, warum man sich das überhaupt anguckt. Dieser Umstand ist vermutlich auch das Hauptproblem, was die meisten Menschen mit dem Film haben werden. Verständlich.

    Die beiden Jungen, die hier ein paar Jahre älter sind als die damals erst zehnjährigen Mörder Jon Venables und Robert Thompson aus England, bekommen viel Sceentime. Man erlebt ihren Tagesablauf, der eigentlich nichts besonderes zeigt, obwohl schnell klar wird, dass sie nicht unbedingt die freundlichsten Kinder sind. Dennoch verweigert sich der Film glücklicherweise jeglicher Erklärung. Es wird kein Versuch unternommen, zu ergründen, warum zwei Kinder ein anderes Kind entführen und auf grausame Art misshandeln und schließlich töten. Ebensowenig gibt es ein Nachspiel für die beiden. Nach dem Mord ist der Film zu Ende und hat mich mit einem unangenehmen Gefühl zurückgelassen.

    PLAYGROUND ist gut besetzt, äußerst authentisch und kommt eiskalt und ohne Schnörkel daher. Ein Schlag ins Gesicht, der keinen kalt lassen sollte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Exterminators of the Year 3000, 1983 – ★★★½

    Exterminators of the Year 3000, 1983 – ★★★½

    THE EXECUTOR – DER VOLLSTRECKER*
    (GLI STERMINATORI DELL‘ANNO 3000, Italien, Spanien, 1983, Regie: Giuliano Carnimeo)

    Wie zu erwarten, kam es zum 3. Weltkrieg, der mit Atombomben ausgefochten wurde. Millionen von Menschen kamen dabei ums Leben, und die Überlebenden kämpfen seit dem Ende des Kriegs mit Wasserknappheit, da die Katastrophe die Wetterbedingungen verändert und es seit Jahren nicht mehr geregnet hat. Wasser ist das neue Öl, was für neuen Ärger unter den Menschen sorgt. Verschanzt in einer geheimen Anlage kämpft eine Gruppe von Menschen um ihr Gemüse, was sie bisher durch das Grundwasser erhalten konnten. Als kein Wasser mehr fließt, brechen John und Terry mit ihrem Truck auf, um eine Wasserquelle zu finden. Nichtsahnend hält sich auch der kleine Tommy im Truck versteckt, der rechtzeitig fliehen kann, als eine Rockergang das Fahrzeug überfallen und John und Terry töten. Auf seiner Reise durch die Ödnis trifft Tommy auf der Kämpfer Tiger, den der Junge erst mal aus einer misslichen Lage befreien muss, bevor sie gemeinsam einen Weg gehen.

    Mit THE EXECUTOR – DER VOLLSTRECKER hat Regisseur Giuliano Carnimeo (DAS GEHEIMNIS DER BLUTIGEN LILIE, 1972) einen weiteren Endzeit-Actionfilm abgefeuert, der sich an MAD MAX 2 (1981) orientiert. Gerade die Italiener hatten großen Spaß daran, George Millers Film im kleinen nachzuspielen und gewinnbringend zu verkaufen. Das obligatorische Setting, ein Steinbruch und die darum herumliegende Ödnis, ist auch hier der Schauplatz. Gedreht wurde in Almería, der spanischen Heimat der meisten Italowestern. Da kann ich erst mal nicht meckern, denn an felsiger Kulisse kann ich mich kaum sattsehen. 

    Während MAD MAX 2 mit einer großen Fahrzeugschlacht mit Trucks, Buggys, Motorrädern und sonstigen Vehikels endet, wird dieses Finale hier schon in den ersten 25 Minuten kopiert. Die kurze Schlacht, die nicht nur mit ähnlichen Gefährten, sondern auch mit ähnlichen Figuren ausgestattet wurde, ist kurz, aber durchaus gut inszeniert. Die Rockerbande, angeführt von Crazy Bull (Fernando Bilbao), ist sehr gut ausgestattet. Lederklamotten, Nieten, Helme und diverse Accessoires sorgen für lebendige Figuren. Aber auch auf der Seite der Helden sieht es gut aus. Nicht, dass Robert Iannucci als Tiger nennenswertes Talent mitbringt, aber er passt optisch ganz gut in die „Mad Max“-Rolle. Mit Luciano Pigozzi als Tüftler Papillon ist sogar ein richtig guter Bekannter an Bord, dem Almería bestens vertraut gewesen sein dürfte. Venantino Venantini ist als John dabei, während sein echter Sohn, Luca Venantini, Tommy spielt. Alicia Moro repräsentiert als Trash die weibliche Kraft. Insgesamt macht die Besetzung Spaß wie eigentlich alles in THE EXECUTOR – DER VOLLSTRECKER. 

    Sieht man über gewisse Logiklöcher und der Tatsache hinweg, dass das filmische Vorbild zu dieser Produktion insgesamt wesentlich besser ist, braucht sich Carnimeo zumindest nicht vor D’Amatos ENDGAME (1983) oder Castellaris METROPOLIS 2000 (1983) verstecken, die man gucken sollten, wenn man auf diese Art von Unterhaltung steht.

    Coole Figuren, Explosionen, Verfolgungsjagden durch staubige Landschaften und ein schwungvoller Synthesizer-Score von Detto Mariano machen THE EXECUTOR – DER VOLLSTRECKER zu einem durchweg unterhaltsamen Film, bei dem man nur auf eine spannende Story verzichten muss. 

    (Bjoern Candidus)

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Killing Birds, 1988 – ★½

    Killing Birds, 1988 – ★½

    KILLING BIRDS
    (KILLING BIRDS: UCCELLI ASSASSINI, Italien, 1987, Regie: Claudio Lattanzi, Joe D‘Amato)

    Eine Gruppe Studenten macht eine Forschungsreise in die Sümpfe von Louisiana, um den seltenen Elfenbeinspecht aufzuspüren. Dabei stoßen sie auf ein altes Haus mit einer schrecklichen Vergangenheit, die die Studenten plötzlich einholt. 

    Mit KILLING BIRDS hat Joe D‘Amatos Filmklitsche Filmirage ein zähes Filmchen rausgehauen, bei dem sich nicht mal genau sagen lässt, wer hier was inszeniert hat. Als Regisseur wird Claudio Lattanzi aufgeführt, aber auch D‘Amato selbst. Wer auch immer was gedreht hat, lässt sich heute nicht mehr sagen. Fest steht aber, dass der Film halbwegs spannend anfängt, bevor er mich nur noch mit Langeweile gequält hat.

    Der Schauplatz, die Sümpfe von Louisiana, sorgt zwar für eine gewisse Atmosphäre, die mit Nebel und Weichzeichnern ergänzt wurde, aber die Darsteller sind so ausdruckslos und talentfrei, dass alles nach Abschalten schreit. Selbst Lara Wendel (TENEBRAE, 1982) wirkt wie weggetreten, und Robert Vaughn (BULLITT, 1968) hat auch nicht viel zu bieten. Das Einzige, was hier geboten wird, sind ein paar wenige nette Gore-Szenen, wenn es z.B. zu einer Strangulation mittels Halskette durch einen Stromgenerator kommt. Gegen Ende liefert man dann noch eine MAN-EATER-Hommage, damit auch klar wird, wer hier der Mann hinter der Produktion ist. Das aggressive Verhalten der Raubvögeln, die am Anfang herzhaft zupicken dürfen, bleibt ebenso rätselhaft wie das der Zombies. Egal. Was nicht egal ist, ist der ganz schlimme Score von Carlo Maria Cordio, den man perfekt für eine Liebes-Soap hätte verwenden können, aber nicht für einen Horrorfilm.

    KILLING BIRDS hat durchaus ein paar kurze atmosphärische und blutige Momente zu bieten, doch die können die Folter nicht wieder gutmachen, die durch die öden Figuren, der Spannungsarmut und dem quälenden Score ausgelöst wurde. 

    (Bjoern Candidus)

  • Alucarda, 1977 – ★★★★½

    Alucarda, 1977 – ★★★★½

    ALUCARDA – TOCHTER DER FINSTERNIS
    (ALUCARDA, LA HIJA DE LAS TINIEBLAS, Mexiko, 1977, Regie: Juan López Moctezuma) 

    Nachdem Lucy Westenra, die Mutter von Alucarda, kurz nach der Geburt ihrer Tochter stirbt, wächst das Mädchen in einem Kloster auf. Die Angst der Mutter, der Teufel könnte sie holen, wird vorerst gebannt. Doch als sie 15 ist, kommt Justine, eine weitere Waise, mit der sie sich ihr Zimmer in dem strengen Kloster teilen muss. Alucarda ist begeistert von ihrer neuen Freundin. Als sie ihr den Wald zeigt, stoßen die beiden auf einen Buckligen mit Ziegenbart und seiner Gefolgschaft, die im Wald kampiert. Er will ihnen Schutzamulette verkaufen und warnt sie vor finsteren Kreaturen, die auf sie warten. Doch die beiden Mädchen laufen davon und landen in einem mysteriösen Haus mit dämonischen Fresken, was Alucarda bekannt vorkommt. Als sie einen Sarg mit der Inschrift „Lucy Westenra“ entdecken, springt das Böse auf Alucarda über.

    Wer die eigensinnige Poe-Adaption DIE VILLA DES WAHNSINNS (1973) von Juan López Moctezuma kennt, kann sich in etwa vorstellen, was passiert, wenn sich der Mexikaner auf den Teufel ein lässt. Es bricht ein Inferno aus wahnsinnigen Bildern los. 

    ALUCARDA greift gleich mehrere Themenbereiche auf. Okkult-Horror mit Besessenheit, (Aber-)Glaube, Hex- und Nunploitation und Elemente von Le Fanus „Carmilla“ (1872) und Stokers „Dracula“ (1897) knallen hier aufeinander und vereinen sich zu einem wahren Schocker der 70er-Jahre, der sehr in Vergessenheit geraten ist, was völlig unverständlich ist. Obwohl die Themen bekannt sind, werden sie auf drastische Art neu arrangiert und interpretiert. Die Freundschaft zu Alejandro Jodorowsky wird hier mehr als deutlich. 

    ALUCARDA kommt wie ein finsteres Märchen daher, in dem die Gefahren an allen Ecken lauern. Das dreckige Kloster ist ein Ort der Qual, in der sich die Geistlichen für Gott bis aufs Blut auspeitschen lassen und ihren Wahnsinn in die Mädchen impfen, die sie vor dem Übel des Lebens bewahren wollen. Der umliegende Wald wird von Hexen und sinistren Gestalten bewohnt, die sich als direkte Handlanger des Teufels herausstellen. Und auch der Herr der Fliegen darf in einer seiner Formen persönlich aufmarschieren. Die Intensität mit der Moctezuma hier vorgeht, ist unglaublich und explodiert förmlich in Schmerz, Blut und Feuer. Ab der Mitte des Films bekommt man fleißig Blut und Gewalt geliefert. Es kommt zu einer heftigen Enthauptung, zu blutigen Peitschenhiebe, zur Nadel-Folter im Rahmen eines Exorzismus und zu Menschen die zu lebenden Fackeln werden. 

    Mit Tina Romero als Alucarda und Susana Kamini als Justine sind zwei schöne Frauen am Start, die gerade dazu geschaffen sind, dem Teufel zu verfallen. Aber auch untereinander ist ,zumindest seitens Alucarda, mehr als nur Freundschaft, sondern Liebe, die den Kreis zu „Carmilla“ schließt, die ja ein homosexueller Charakter ist. Und so würzt Moctezuma ALUCARDA noch mit Nacktheit und Sex-Ritualen. Aber hier ist ja auch der Teufel am Werk, und der lässt jede Spielart zu, die Spaß macht.

    ALUCRADA ist ein bizarrer, teils höchst unangenehmer Horrorfilm, der sich von keiner Norm gefangen hält und wahrhaft satanische Momente bietet, die man so nur selten zu sehen bekommt. 

    (Bjoern Candidus)

  • After Death, 1989 – ★½

    After Death, 1989 – ★½

    ZOMBIE 4 – AFTER DEATH
    (AFTER DEATH, Italien, 1989, Regie: Claudio Fragasso)

    Eine Gruppe Wissenschaftler forscht auf einer Insel nach einem Mittel gegen Krebs, basierend auf Voodoo-Medizin. Dabei stirbt die leukämiekranke Tochter eines Voodoo-Priesters, der daraufhin einen Zombie-Fluch aus der Hölle beschwört. 20 Jahre später hält ein Boot auf der Insel, in dem sich neben ein paar Söldnern, auch ein paar junge Leute befinden, unter anderem Jenny. Jenny ist die Tochter einer Wissenschaftlerin, die einst von Zombies gefressen wurde. Doch vorher konnte sie ihrer Tochter ein Amulett überreichen, dessen Bedeutung Jenny plötzlich bewusst wird. 

    Wer sich mal wieder vom Sterben der italienischen Filmindustrie der späten 80er-Jahre überzeugen möchte, sollte mal einen Blick in ZOMBIE 4 – AFTER DEATH von Bruno Matteis Buddy Claudio Fragasso werfen. Ein guter Film sei hier definitiv nicht versprochen. Den werbewirksamen ZOMBIE 4-Titel trägt er in diversen Ländern, die ihn zu einer Fortsetzung von ZOMBI 3 (1988) machen, der unter kurzer Regie von Lucio Fulci von Bruno Mattei und Claudio Fragasso fertiggestellt wurde. Eine inhaltliche Verbindung gibt es hier natürlich nicht, dafür eine eigene bescheuerte Story, die mal wieder aus der Feder von Fragassos Ehefrau Rossella Drudi stammt.

    Nach der schön kitschigen Voodoo-Fluch-Eröffnung, die die Vorgeschichte der Wissenschaftler erzählt und direkt ein bisschen Gore mit in den Film bringt, feuert Al Festa seinen Heavy Metal – Song „Living After Death“ heraus, der von Maurizio Cerantola gesungen wurde und die Titel-Credits begleitet. Dann bekommt man ein sehr schönes Dschungel-Setting geliefert, was kurz Erinnerungen an das Kannibalen-Kino vergangener Tage erweckt. Die Philippinen bleiben der einzige wirkliche Star des Films, was einem unmittelbar bewusst wird, wenn die Idioten mit ihrem Boot vorfahren. Die drei Assi-Söldner geben zumindest noch ein gutes Bild ab, aber Jenny und ihre Freunde sind die Definition von Talentlosigkeit. Und es kommen noch mehr talentlose Darsteller hinzu, plus sonderbare Zombies, die schnell agieren, springen können und teilweise in der Lage sind zu sprechen. Doch bis es soweit ist verstreicht einige Zeit, die man zumindest mit Al Festas Synthesizer-Score ausgefüllt hat, der gar nicht schlecht ist und manchmal deutlich nach John Carpenter klingt. 

    Kommt es dann endlich zu Action und Gore, wird AFTER DEATH auch nicht besser. Hier holten mich dann Erinnerungen an den ein Jahr vorher entstandenen ROBO VAMPIRE von Godfrey Ho ein, in dem es hüpfende Vampire gibt, die wie Zombies aussehen. Claudio Fragasso gelingt zwar ein Ansatz von Horror-Atmosphäre zu erzeugen, aber die Figuren und ihr Handeln ersticken alles im Keim. 

    ZOMBIE 4 – AFTER DEATH ist ein kümmerlicher Zombiefilm, der zumindest noch das Potential hat, partytauglich zu sein. 

    (Bjoern Candidus)