Autor: marco-fritz

  • Man in the Shadow, 1957 – ★★★★

    Man in the Shadow, 1957 – ★★★★

    DES TEUFELS LOHN
    (MAN IN THE SHADOWS, USA, 1957, Regie: Jack Arnold)

    Sheriff Ben Sadler wird von dem mexikanischen Saisonarbeiter Jesus Cisneros aufgesucht, da der Zeuge davon wurde, wie sein Kollege Juan Martin von zwei Arbeitern des mächtigen Rinderbaron Virgil Renchler getötet wurde. Anfänglich hat man Zweifel bezüglich der Anklage, und vor allem Sadlers Kollege glaubt dem Mexikaner nicht. Doch der Sheriff will der Sache nachgehen und stattet Renchler auf seiner Ranch, The Golden Empire, einen Besuch ab. Renchler weiß nichts von einer Auseinandersetzung und macht dem Sheriff klar, dass sein Job als Ordnungshüter auf dem Spiel steht, falls er seine Verdächtigungen nicht einstellt. Einen Tag später taucht ein Mitarbeiter von Renchler auf, der behauptet, Juan Martin sei ihm betrunken vor sein Auto gelaufen. Bens Zweifel werden größer und er bewirkt einen Durchsuchungsbefehl für Renchlers Farm, womit er sich selbst in Gefahr bringt. 

    DES TEUFELS LOHN wirft seine Schlinge bereits in den ersten Minuten aus und zeigt das grausame Verbrechen von zwei weißen US-Amerikanern an einem Mexikaner. Das sind Szenen, die man nicht unbedingt in einem Jack Arnold – Film erwarten würde. Die Schwarzweißbilder und das Cinemascope-Format verstärken diesen derben Auftakt zusätzlich. Es dauert auch nicht lange, um die Strukturen der kleinen Stadt kennenzulernen, die in der festen Hand vom Rinderbaron Renchler zu sein scheint. Er gibt vielen Menschen in der Stadt Arbeit, und die widersprechen natürlich nicht und schauen gerne weg. Hinter den Gattern der Golden Empire Ranch herrschen eigene Gesetze, und die sprechen nicht unbedingt für die mexikanischen Gastarbeiter. Und so kommt es in DES TEUFELS LOHN zum Konflikt zwischen einem gesetzestreuen Sheriff, der sich für jeden Menschen einsetzt, der Hilfe braucht und den machtbesessenen, rassistischen und erpresserischen Machenschaften eines Rinderbarons, der glaubt, mit Geld alles bewirken zu können. 

    Mit dem großen Orson Wells ist natürlich der Richtige an Bord, um einen moralisch verkommenen Rinderbaron zu bekommen. Die Mission ist absolut geglückt, man hasst ihn zu jeder Sekunde. Nicht weniger gelungen ist das Schauspiel von Jeff Chandler (DER GEBROCHENE PFEIL, 1950) als Sheriff Ben Sadler. Er verkörpert sehr überzeugend den guten Sheriff, den die Welt braucht. Die Anzahl von unangenehmen Figuren ist recht hoch, und man bekommt für 1957 einiges an Härte geboten. 

    Was an der Inszenierung ganz besonders interessant ist, ist ihr Erscheinungsbild. DES TEUFELS LOHN präsentiert sich nämlich zu jeder Zeit als moderner Western, der in den 1950er-Jahren angesiedelt ist, in dem statt Pferde Autos als Fortbewegungsmittel genutzt werden. Die meisten Herren in dem Film tragen Cowboyhüte und die Stadt, in der sie leben, sieht aus wie eine typische Stadt aus einem Western. Die Themen wie Machtbesessenheit, Erpressung und Rassismus sind leider so zeitlos, dass sie überall Platz finden. 

    DES TEUFELS LOHN ist ein sehr spannendes, stark besetztes Krimi-Drama im Western-Gewand, was inhaltlich wie visuell absolut überzeugt.  

    (Bjoern Candidus)

  • Dollman, 1991 – ★★★½

    Dollman, 1991 – ★★★½

    DOLL MAN – DER SPACE-COP!
    (DOLLMAN, USA, 1991, Regie: Regisseur Albert Pyun)

    Als der Cop Rick Bardo vom Planeten Arturus auf die Erde geschleudert wird, muss der feststellen, dass er dort nur ein Winzling ist. Doch wie man weiß, ist die Körpergröße nicht entscheidend, um große Dinge zu verrichten. Mitten in Brooklyn darf er einer kriminellen Bande das Leben schwer machen. 

    Mit DOLL MAN hat Regisseur Albert Pyun (NEMESIS, 1992) für Charles Bands Full Moon ein feines Sci-Fi-Action-Spektakel gezaubert, was mit tollen Effekten, Tricks und Sets aufwartet. Dass Tim Thomerson (TRANCERS, 1984) als Brick Bardo gerade mal die Größe von 30 Zentimeter erreicht, wenn er auf die Erde gelangt, ist natürlich ein reichlich skurriles Unterfangen. Auch wenn das Thema mit der Größe im Phantastischen Film nicht neu ist, kann man es immer wieder einsetzen, variieren oder kombinieren. Das Potenzial für Gefahren, für humorvolle Situationen oder kreative Ideen ist damit vorhanden und wird hier auch genutzt. 

    DOLL MAN startet direkt mit Einblicke in eine futuristische Stadt auf dem Planeten Arturus, die sowohl an STAR WARS als auch an BLADE RUNNER (1982) erinnern. Mit Lob muss man sich hier allerdings zurückhalten, da die Szenen mit der Stadt aus der Serie BUCK ROGERS (1979) entnommen wurden. Schnell machen sich dann aber auch eigene Effekte und Modelle bemerkbar, die sehr gelungen sind. Auch die Verkleinerungen sind gut getrickst, bringen aber auch etwas grundkomisches mit. 

    Für eine Full Moon-Produktion geht es hier teilweise ungewöhnlich düster, dreckig und brutal zu. Wenn Bardo South-Brooklyn betritt, zeichnet sich ein Bild von Sex, Drogen, Raub und Mord ab. Hier wird dann auch kein Klischee ausgelassen, und mit der besorgten Mutter Debi (Kamala Lopez) und ihrem kleinen Sohn hat man dem Zuschauer nicht den größten Gefallen getan. Die Antagonisten machen hingegen was her. Zum einen ist da Sprug, (Frank Collison), ein schwebender Kopf, und auf der Erde bekommt es Rick Bardo mit dem kriminellen Braxton Red zu tun, der von Jackie Earle Haley gespielt wird, den ich durchaus mag, wenn er nicht Freddy Krueger spielt. Der kaputte Freak, den er hier verkörpert, ist ihm auf den Leib gebügelt.

    In Sachen grafischer Gewalt gibt es ein paar blutig Momente zu verzeichnen, die der Inszenierung guttun und den Comiccharakter unterstreichen. Ansonsten gibt es viel Action mit Schießereien und den üblichen Kampf zwischen Gut gegen Böse. Untermalt wird das Ganze von einem coolen Synthesizer-Score von Anthony Riparetti und Richard Band. 

    Wenn man Filmen aus der Full Moon-Schmiede etwas abgewinnen kann, wird man um DOLL MAN nicht herumkommen. Ein unterhaltsamer Film, der aus seinem schmalen Budget alles herausholt. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Vanishing, 1988 – ★★★★★

    The Vanishing, 1988 – ★★★★★

    SPURLOS VERSCHWUNDEN
    (SPOORLOOS, Frankreich, Niederlande, 1988, Regie: George Sluizer)

    Ein Pärchen aus Amsterdam möchte in Frankreich Urlaub machen. Auf der Hinfahrt nach Frankreich gibt es bereits ein erstes Problem, wenn ihr Auto streikt und sie in einem Tunnel stecken bleiben. Es kommt zu einem Streit, der sich schnell auflöst, als sie eine Tankstelle erreichen, wo sie ihren Benzinkanister auffüllen wollen. Als Saskia noch Getränke kaufen möchte, trennen sich ihre Wege. Saskia kommt nicht wieder und für Rex beginnt der Alptraum seines Lebens. Wie ein Besessener begibt sich Rex auf die Suche nach Saskia, bis sich plötzlich ein Mann meldet, der behauptet zu wissen, was mit Saskia passiert ist.

    Es gibt Filme, die man nie wieder vergisst. Szenen, die sich festbrennen. Geschichten, die etwas mit einem machen. SPURLOS VERSCHWUNDEN von George Sluizer ist einer dieser Filme, und ich werde meine Erstsichtung in meiner Jugend Mitte der 90er-Jahre nie vergessen. Selbst die garstigsten Horrorfilme, die ich zu diesem Zeitpunkt bereits gesehen hatte, konnten nicht die Wirkung erzielen, wie es dieses Psycho-Thriller-Drama getan hat.

    Basieren tut SPURLOS VERSCHWUNDEN auf dem Roman „Das goldene Ei“ („Het Gouden Ei“, 1984) des niederländischen Schriftsteller und Schachmeister Tim Krabbé. Und was vielen nicht gelingt, ist George Sluizer gelungen: eine sehr adäquate Umsetzung einer literarischen Vorlage auf Film zu bannen. 

    In den ersten 25 Minuten lernt man Rex und Saskia kennen. Dann verschwindet Saskia und während Rex seine obsessive Suche nach ihr startet, lernt man den Täter, Raymond Lemorne, kennen, den man bereits vorher kurz gesehen hat. Er lebt mit seiner Familie in einem Haus in Frankreich. Für das Wochenende hat Familie Lemorne noch ein weiteres Haus in der Abgeschiedenheit der Natur, und das ist auch unter der Woche der Ort von Raymonds Schattenseite. Dort führt er Äther-Experimente durch und übt, wie er Frauen entführen kann. Außerdem bringt er dort seine Familie spielerisch zum schreien, um herauszufinden, ob die Nachbarn die Schrei hören. Selten wird ein Psychopath so realistisch und „normal“ dargestellt. Raymond ist einerseits ein aufrichtiger Familienvater, der seine Frau und seine beiden Töchter liebt, anderseits ein Psychopath, der sich eine wahnsinnige Idee in den Kopf gesetzt hat. Dargestellt wird Raymond von Bernard-Pierre Donnadieu, den er wirklich erschreckend realistisch verkörpert.

    Aber auch Gene Bervoets macht als Rex eine gute Figur. Das Leid ist ihm sichtlich ins Gesicht gebügelt. Drei Jahre lang startet er immer wieder Suchplakataktionen, tritt in Fernsehsendungen auf oder lässt sich von Raymond zu Orten bestellen, an denen sich Raymond dann nicht zu erkennen gibt. Und so wechselt Sluizers Inszenierung zwischen dem Leben von Raymond und Rex hin und her, bis sie sich endlich treffen. 

    Jemanden einfach zu verlieren, nicht zu wissen, was aus ihm geworden ist, ist eine der schlimmsten Vorstellungen. Das ist der wahre Horror, und mit diesem wird man hier permanent konfrontiert. Rex ist nachvollziehbar, authentisch und lädt zum mitleiden ein. Sluizer schafft es mit seiner dokumentarischen, realistischen Art, das Geschehen spannend zu gestalten, ohne auf billige Effekte oder plumpe Tricks zurückgreifen zu müssen. Der trübsinnige Score von Henny Vrienten erledigt den Rest, um sich bei SPURLOS VERSCHWUNDEN unwohl zu fühlen. Bis zum bitteren Ende hält Sluizer die Antwort auf die Frage, was mit Saskia passiert ist, zurück, und er beantwortet sie mit einem Schlag ins Gesicht. 

    SPURLOS VERSCHWUNDEN ist das Paradebeispiel für einen Psycho-Thriller. Ein Film, der mich bis in Mark erschüttern konnte und bis heute nichts von seiner Faszination und seinem Schrecken verloren hat. 

    (Bjoern Candidus)

  • Cruel Jaws, 1995 – ★★½

    Cruel Jaws, 1995 – ★★½

    THE BEAST – UNHEIMLICHE TIEFE
    (CRUEL JAWS, Italien, USA, 1995, Regie: Bruno Mattei)

    Ein geldgieriger Grundstücksspekulant, die Mafia, die ihm im Nacken sitzt, ein lebenfroher Besitzer eines Sea Resorts, der das Weite suchen soll, eine Horde junger Leute, die an einer Regatta teilnehmen und ein hungriger Riesenhai sind die Zutaten von THE BEAST – UNHEIMLICHE TIEFE. 

    Was Steven Spielberg kann, kann ich auch, dachte sich Regisseur Bruno Mattei, doch die Idee kam reichlich spät. Fast 20 Jahre liegen zwischen Spielbergs Hai-Horror-Meisterwerk DER WEISSE HAI (1975) und diesem Machwerk. Der gute Bruno hat auch hier gemacht, was er am besten konnte: Gutes möglichst billig kopieren. Doch es wurde nicht nur kopiert, sondern regelrecht geklaut. Sämtliche Hai-Szenen wurden aus anderen Hai-Horrorfilmen oder Dokumentationen entnommen und in THE BEAST geschnitten. Und so begegnet man z.B. erneut Enzo G. Castellaris Hai aus DER WEISSE KILLER (1981), bevor er dann wieder sein Erscheinungsbild ändert und ändert. Mattei hat einen Hai-Horrorfilm ohne Hai-Modell gedreht, das ist fast schon genial. Fast. 

    THE BEAST ist im Grunde eine komplette Katastrophe, und zwar in allen Bereichen. Die Inszenierung ist ein hässlicher Flickenteppich aus schlecht aneinander geschnittener Szenen unterschiedlichster Qualität, was ja klar ist, wenn man sich Fremdmaterial bedient. Das bringt eine unglaubliche Unruhe mit sich, allerdings trägt es auch dazu bei, dass es nie langweilig wird. Neben einigen Hai-Momenten, die aufgrund ihrer schnellen Schnitte manchmal sogar recht gelungen sind, sorgen vor allem die schlechten Darsteller für das größte Vergnügen. Hier hat man einen unglaublichen Haufen von Dilettanten angekarrt, die sich durch eine zusammengeklaute Story bewegen. Angeführt werden die Trottel von Richard Dew als Dag Soerensen, der wie Hulk Hogan von Temu aussieht. Seine überzeugendste Leistung im Film ist dumm zu gucken, und zwar die ganze Zeit, aber schließlich ist er ja auch der Hauptdarsteller von THE BEAST. Die Trottelhaftigkeit trifft hier wirklich auf jeden zu, aber man muss den Leuten auch zugute halten, dass sie unerfahren waren, und die meisten blieben es auch. Ein Bild des Elends ist im Grunde die Stärke von THE BEAST. 

    Der Diebstahl setzt sich im übrigen auch im Score von Michael Morahan fort. Plötzlich ertönt John Williams STAR WARS Hyme, die man in einen anderen Track gemogelt hat, aber nur für ein paar Sekunden. Die Helden des Films stehen auf einem Boot und dazu muss man an STAR WARS denken. Wahnsinn. 

    THE BEAST ist ein unfassbar schlechter Film, aber er ist von Anfang bis Ende auf seine unterirdische Art unterhaltsam. 

    (Bjoern Candidus)

  • Nightbeast, 1982 – ★★★½

    Nightbeast, 1982 – ★★★½

    NIGHTBEAST – TERROR AUS DEM WELTALL 
    (USA, 1982, Regie: Don Dohler)

    Durch einen Asteroid muss ein Alien mit seinem Raumschiff auf der Erde notlanden. Das Raumschiff geht in einem Waldgebiet runter, wo es gleich die Aufmerksamkeit von Camper auf sich zieht. Zwei Cops nehmen sich der Sache an und ziehen in den Kampf gegen das Monster von den Sternen. 

    Dass Don Dohler nicht mehr als eine Handvoll Dollars für NIGHTBEAST zur Verfügung standen, erkennt man sofort, gleichzeitig aber auch die Liebe, die in dieses kleine Projekt geflossen ist. Die kurzen Weltraumaufnahmen mit dem Asteroid, der das Raumschiff des Aliens zum landen zwingt und die Notlandung selbst, können sich sehen lassen. Das Raumschiff-Miniaturmodell und die im Maßstab passenden Bäume sind durchaus charmant, unterstreichen aber auch den Eindruck, es mit einem Film aus den 70er-Jahren zu tun zu haben. Dieser Eindruck zieht sich durch den gesamten Film und passt natürlich auch zum Inhalt. Der Alien selbst präsentiert sich als humanoide Lebensform. Ganz klassisch: Ein Darsteller im Monsterkostüm mit Riesenmaul und langen Reißzähnen. Dazu trägt er einen silbernen Raumanzug und ist mit einer Laserkanone ausgestattet, die rote Laserstrahlen abschießt und Getroffenes in ein Feuerwerk aus Farben verwandelt und schließlich auflöst. Die Farben sind toll und unterstreichen die comicartige Atmosphäre, die Dohler hier mit kleinen Mittel erzeugt. Wenn nicht mit Laserstrahlen getötet wird, tötet der Alien auch gerne mal alternativ. Dann sieht man allerdings in der Regel eher die blutigen Ergebnisse. Komplett daneben sind die Darsteller, die sich allesamt wie Trottel verhalten. Auch das Cop-Duo (Mann und Frau) bildet da keine Ausnahme. Auch ein schmieriger Biker taucht ständig auf, der nichts besseres zu tun hat, als dumm und aggressiv zu sein. Die meiste Zeit befindet man sich im Wald oder auf Wiesen oder spricht von einer Stadt, die es zu schützen gilt, von der man allerdings immer nur rudimentär ein Haus von außen oder innen sehen kann. 

    Vermutlich auch um die Billigkeit zu kaschieren, ist NIGHTBEAST sehr dunkel geworden, aber das wird ihm zum Vorteil. Dohlers Inszenierung gewinnt durch den finsteren Wald, durch den sich Nebel zieht oder durch die Geräusche von Zikaden im Gestrüpp. Und noch was ist zu loben: der Synthesizer Score von Robert J. Walsh und J.J. Abrams (genau der), der enorm zur Atmosphäre beiträgt.

    Dohler hat sein schmales Budget gut genutzt und mit NIGHTBEAST – TERROR AUS DEM WELTALL einen unterhaltsamen, atmosphärischen Alien-Horrorfilm gezimmert. Nicht mal die dümmlichen Figuren konnten mir den Spaß verderben. 

    (Bjoern Candidus)

  • Island of the Fishmen, 1979 – ★★★½

    Island of the Fishmen, 1979 – ★★★½

    INSEL DER NEUEN MONSTER
    (L‘ISOLA DEGLI UOMINI PESCE, Italien, 1979, Regie: Sergio Martino) 

    Ein Schiffsunglück zwingt Lt. Claude de Ross in ein Rettungsboot in Begleitung einiger Straftäter, die auf dem Schiff transportiert wurden. Sie treiben auf dem Meer herum und finden Zuflucht auf einer Insel, die anfänglich unbewohnt scheint. Doch die Insel ist alles andere als unbewohnt. Edmond Rackham herrscht über das Inselparadies, auf dem der Biologe Professor Marvin für ihn Fischmenschen gezüchtet hat, die ihm Reichtum bringen, denn nebenbei hat er die versunkene Stadt Atlantis entdeckt.

    Sergio Martinos Abenteuer-Monsterfilm INSEL DER NEUEN MONSTER ist ein schönes Relikt aus der Zeit des italienischen Kannibalenfilms. Auf Kannibalen wird hier verzichtet, die hat der Italiener bereits ein Jahr vorher mit DIE WEISSE GÖTTIN DER KANNIBALEN geliefert. Abenteuerlich sind hingegen beide Filme. Den Grausamkeiten des Kannibalenfilms verschließt sich Martino hier weitestgehend und versucht sich eher an H.G. Wells, Jules Verne, W.H. Hodgson und H.P. Lovecraft zu orientieren. Die Mischung ist ziemlich bekömmlich. 

    Martino ist ein guter Handwerker und hat in sämtlichen Genre-Bereichen Qualität abgeliefert, und hier ist es nicht anders. Mit dem Insel-Setting (gedreht wurde u.a. auf Sadrinien) hat man die halbe Miete drin. Ein wunderschönes Fleckchen Natur mit einer saftigen Flora sorgt für Urlaubsstimmung. Es gibt eine Tropfsteinhöhle zu bewundern und man sieht die versunkene Stadt Atlantis als schönes Miniaturmodell, was man unter Wasser aufgenommen hat. Aber auch die Fauna ist beachtlich, und die präsentiert sich vor allem monströs. Die humanoiden Amphibien-Monster, die hier für Terror sorgen, sind durchaus gut gemacht. Man hat ordentliche Fischmenschenkostüme hergestellt, die mit Schuppen, Seetang, Schleim, Krallen mit Schwimmhäuten und roten Fischaugen ausgestattet sind. Das Design mag ich sehr.

    Neben soliden Effekten, gelungenen Kostümen, einer guten Fotografie und einer tollen Abenteuerfilm-Atmosphäre mit Voodoo-Ritualen und allem Pipapo, hapert es etwas an den Darstellern. Nicht, dass es Claudio Cassinelli grundsätzlich an Charisma gefehlt hätte, aber in der Rolle als Lt. Claude de Ross wirkt er von vorn bis hinten unsympathisch und lädt nicht nicht zum mitfiebern um seine Figur ein. Eigentlich bezieht sich das auf jede Figur, aber Richard Johnson kann als gieriger Antagonist, Edmond Rackham, zumindest ein bisschen Schwung in den Cast bringen. Auch Barbara Bach wirkt etwas gelähmt, kann sich aber mit ihrer Anmut über Wasser halten. Von Joseph Cotten als besessener Professor der Biologie bekommt man leider nur sehr wenig zu sehen. In der alternativen US-Fassung, die unter dem Titel SOMETHING WAITIS IN THE DARK bei Cormans New World Pictures herauskam, gibt es außerdem Mel Ferrer und Cameron Mitchell zu sehen. Diese müssen dann gleich in der nachträglich (von Miller Drake) gedrehten Eröffnungsszene des Films ihr Leben lassen. Neben dieser nicht nur sehr atmosphärischen, sondern auch mit einigen Monster-Effekten angereicherten Sequenz, folgen auch noch weitere kleine Eingriffe in Martinos Originalfassung, aus der zusätzlich Material entfernt wurde. 

    Martino hat mit INSEL DER NEUEN MONSTER einen unterhaltsamen Abenteuerfilm geschaffen, der in seiner Gesamtheit funktioniert, in der die Figuren nicht gewichtiger sind als die Naturkulisse, in der sie sich aufhalten. 

    (Bjoern Candidus)

  • Humanoids from the Deep, 1980 – ★★★★

    Humanoids from the Deep, 1980 – ★★★★

    DAS GRAUEN AUS DER TIEFE
    (HUMANOIDS FROM THE DEEPS, USA, 1980, Regie: Barbara Peeters, Jimmy T. Murakami)

    Ein kleines amerikanisches Fischerdorf wird von humanoiden Fischmonstern attackiert, die sich auch auf dem Land bewegen können. Neben dem Verzehr von Hunde- und Menschenfleisch, konzentrieren sich die Monster auch auf die Fortpflanzung mit Menschen. Das lassen sich die Bewohner nicht gefallen. Beim jährlichen Lachs-Fest kommt es zur großen Schlacht. 

    Die Roger Corman Produktion entstand unter der Regie der Regisseurin Barbara Peeters, aber da man mit dem Endresultat wenig zufrieden war, drehte Jimmy T. Murakami zusätzliche Szenen, die den Film mit Sex und Gewalt aufpeppten, und das nicht zu knapp. Selten begegnet einem im Monsterkino so viel Blut wie in DAS GRAUEN AUS DER TIEFE. Selbst vor Vergewaltigung schrecken die fischartigen Kreaturen nicht zurück, aber sie haben ja auch ein Ziel: Fortpflanzung. 

    Mit seinen 80 Minuten ist dieser herrliche Monsterfilm recht knapp geraten, bleibt dadurch aber auch sehr kurzweilig und immer in Fahrt. Im Grunde gibt es nicht wirklich viel Neues zu sehen, aber die Art, wie hier inszeniert wurde, wirkt frisch und auf den Punkt gebracht. Die Zutaten aus typischem Kleinstadt-Kosmos mit mit netten und weniger netten Bewohnern, Sex, Gewalt, wirkungsvollen Monsterkostümen und Küsten-Atmosphäre sind nahezu perfekt gemischt. Dazu gesellen sich noch Randthemen wie z.B. Öko-Probleme und Rassismus von weißen Seemännern, der sich gegen Indigene richtet. Die Darsteller passen perfekt ins Bild des kleinen Küstenstädtchens. Wo Doug McClure (CAPRONA – DAS VERGESSENE LAND, 1974) und Vic Morrow (DER WEISSE KILLER, 1981) sind, ist monströser Spaß meist nicht weit entfernt. Den weiblichen Part hat Ann Turkel (BLUTZOLL, 1979) übernommen. Sehr schön und deutlich zur Atmosphäre beitragend ist auch der Score von James Horner. 

    DAS GRAUEN AUS DER TIEFE ist ein bluttriefendes Monster-Spektakel mit Lovecraft-Vibes, was spannende Momente und ein atmosphärisches Setting bietet. In gewisser Weise könnte der Film auch eine Fortsetzung zu Sergio Martinos INSEL DER NEUEN MONSTER (1979) sein, der tatsächlich in einer alternativen US-Fassung über Roger Cormans Firma New World Pictures vertrieben wurde. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Endless, 2017 – ★★★★

    The Endless, 2017 – ★★★★

    THE ENDLESS
    (USA, 2017, Regie: Justin Benson, Aaron Moorhead)

    „Das älteste und stärkste Gefühl ist Angst, die älteste und stärkste Form der Angst, ist die Angst vor dem Unbekannten“. 

    Wenn ein Film mit einem Zitat von H. P. Lovecraft beginnt, ist die Erwartung meistens recht hoch und wird selten erfüllt.
    Die Regisseure Justin Benson und Aaron Moorhead, die auch gleichzeitig die beiden Hauptdarsteller sind, haben hier zwar keine Geschichte von Lovecraft adaptiert, wandeln aber auf seinen Spuren, wenn auch auf sehr eigene Art. THE ENDLESS ist quasi die Fortsetzung zu ihrem Debütfilm RESOLUTION (2012), der am gleichen Ort spielt und teilweise die gleichen Figuren zurückbringt. 

    Hier stehen die beiden Brüder Justin und Aaron im Mittelpunkt, die den bekannten Ort im Herzen der kalifornischen Natur aufsuchen, der von einer Sekte beheimatet wird, in der sie als Kind aufwuchsen, bevor sie geflüchtet sind. Man empfängt sie freundlich und ist bereit, sie wieder aufzunehmen. Und während Aaron schnell Gefallen an dem gemeinsamen stressfreien Leben in der Gemeinschaft findet, kommen Justin schnell Zweifel. Außerdem wird er Zeuge von ein paar ungewöhnlichen Ereignissen, die ihn schnell glauben lassen, dass hier etwas nicht stimmt. 

    THE ENDLESS macht im Grunde da weiter, wo RESOLUTION aufgehört hat, nicht inhaltlich, sondern von der Art und Weise, wie hier Bedrohung ausgedrückt wird. Die Entität, die über den sonnigen Landstrich wirkt, bekommt zwar mehr Raum, dennoch bleibt sie im Verborgenen, abgesehen von einer Zeichnung, auf die allerdings nicht näher eingegangen wird. Im Gegensatz zu RESOLUTION gibt es in THE ENDLESS zwar nicht weniger Mysterien, aber man bekommt mehr Greifbares geliefert, ohne das Rätselhafte zu zerstören; Benson und Moorhead erweitern lediglich das Universum, und das sehr eindrucksvoll. 

    THE ENDLESS bietet aber auch viel mehr Figuren, die für Spannungen und Konflikte sorgen, ohne dass sich die Inszenierung überschlagen würde. Auch hier steht alles auf Entschleunigung, schleichendem Schrecken oder wirklich unangenehmen Ideen. Wie auch in RESOLUTION passiert auch hier viel auf der Basis von Dialogen, und nebenbei wird auch das Sekten-Thema gut behandelt. Sehr gelungen sind auch die kleinen Verbindungen zu dem Vorgängerfilm, die auch Mike (Peter Cilella) und Chris (Vinny Curran) kurz zurückbringen. 

    THE ENDLESS ist ein spannendes, unheimliches Mystery-Cosmic-Horror-Sekten-Drama über den Schrecken der Wiederholung und die Suche nach Befreiung. Der frische Wind von Justin Benson und Aaron Moorhead bläst weiter durchs Horrorkino, auch wenn ihn nicht jeder wahrnimmt.

    (Bjoern Candidus)

  • Resolution, 2012 – ★★★★

    Resolution, 2012 – ★★★★

    RESOLUTION – CABIN OF DEATH
    (RESOLUTION, USA, 2012, Regie: Justin Benson, Aaron Moorhead)

    Mike versucht seinem drogenabhängigen Freund Chris in einer heruntergekommenen Hütte in der Pampa bei seinem Entzug zu unterstützen. Während Chris mit Handschellen auf einer Matratze verbringt, erkundet Mike die Gegend, in der er Dias, DVDs und Filmrollen findet, die teilweise zukünftige Ereignisse beherbergen. Auch die drei UFOlogen, die die Gegend rund um einen Indianerreservate untersuchen, erwecken den Eindruck, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt.

    Die beiden Regisseure Justin Benson und Aaron Moorhead haben hier einen sehr mysteriösen, spannenden Debütfilm gezaubert, der viele Fragen aufwirft, aber keine beantwortet, was mir besonders gut gefallen hat. Von Anfang an herrscht hier eine sonderbare Atmosphäre. Trotz der sonnendurchfluteten Bilder von schönen Bäumen, Wiesen und Felsen liegt eine undefinierbare Bedrohung in der Luft. Greifbarer werden die Gefahren durch zwei Typen, die ihr Geld von Chris einfordern. Dann tauchen noch ein paar Indigene unter der Führung von Charles auf, die Miete für die Hütte wollen, weil sie auf ihrem Land steht. Doch das Land scheint längst in die Hände einer Entität geraten zu sein, die man aber nicht zu Gesicht bekommt, aber dafür umso mehr spürt. Denn jeder, der sich auf dem Fleck Natur aufhält, offensichtlich früher oder später den Verstand verliert oder in unschöne Situationen gerät. 

    Zu viel sollte man über diesen außergewöhnlichen Mystery-Horror-Trip nicht verraten, denn es ist vor allem ein Film, der gesehen und gefühlt werden will. Doch Benson und Moorhead, die auch kleine Rollen als UFOlogen haben, liefern auch gute Dialoge zwischen Michael und Chris, sowohl zynischer als auch humorvoller Natur, ohne in irgendwelchen Buddy-Quatsch zu verkommen. Mit Peter Cilella (Michael) und Vinny Curran (Chris) sind zwei solide Darsteller an Bord, die ihren Rollen gerecht werden. Schön ist auch der Auftritt von Zahn McClarnon, den man aus der 2. Staffel von FARGO kennt. 

    RESOLUTION bietet viele interessante Ansätze, schleicht von der ersten bis zur letzten Minute und hat mich absolut in seinen Bann gezogen. Hier gibt es keine (sichtbaren) Monster, keine Jumpscares, keine billige Effekthascherei, dafür gute Figuren, eine unheilschwangere Atmosphäre und eine Story voller Fragen ohne Antworten. Ein bisschen Lynch, ein bisschen Lovecraft und viel Eigenes liefert RESOLUTION.

    (Bjoern Candidus)

  • A Better Tomorrow III: Love and Death in Saigon, 1989 – ★★½

    A Better Tomorrow III: Love and Death in Saigon, 1989 – ★★½

    HEXENKESSEL SAIGON
    (YING HUNG BOON SIK III: JIK YEUNG JI GOR, Hongkong, 1989, Regie: Tsui Hark)

    Im Jahre 1974 reist Mark in seine Heimat, Vietnam, um seinen Onkel und seinen Cousin Michael nach Hongkong zu bringen. Kurz vor Ende des Krieges ist die Situation durch den Vietcong weiter gefährlich. Immer wieder kommt es zu Kämpfen und Aufständen in Saigon. Schon bei der Einreise am Flughafen gerät er bereits in Schwierigkeiten mit dem Gesetz, doch Hilfe ist nicht weit. Die schöne Kitty Chow lässt ihren Einfluß spielen und bekommt ihn frei. Um an Geld für die Rückreise zu kommen, lassen sich Mark und sein Cousin Michael auf einen Auftrag von Kitty ein, den sie erfolgreich ausführen, bevor sie zurück nach Hongkong fliegen. Als Kitty auch in Hongkong auftaucht, um Mark zu besuchen, bahnt sich eine komplizierte Beziehung an, die schnell Opfer mit sich bringt. 

    Mit A BETTER TOMORROW (1986) und A BETTER TOMORROW II (1987) wurde die Messlatte von John Woo für einen 3. Teil extrem hochgelegt. Obwohl er für diesen ein Drehbuch schrieb, kam es am Ende doch ganz anders. Es kam zu Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen bezüglich der Weiterführung der Charaktere. Woo war raus als Regisseur, Tsui Hark war drin, der bereits die Story zu Teil 2 schrieb. Doch statt A BETTER TOMORROW II fortzusetzen, hat man mit HEXENKESSEL SAIGON eine Art Prequel gedreht, in dem erneut Chow Yun-fat als Mark zu sehen ist, dessen Vorgeschichte hier erzählt wird. An seiner Seite steht Tony Leung Ka-fai als sein Cousin Michael und Saburō Tokitō als sein Onkel. Neben Chow Yun-fat darf sich aber vor allem Anita Mui als Kitty Chow behaupten, die nicht nur einflussreich, sondern auch tödlich sein kann. Ihr unterkühltes Spiel gefiel mir. Doch insgesamt haben mich die Figuren ziemlich kalt gelassen und von der Coolness der beiden Vorgängerfilme ist auch nichts mehr übrig. Stattdessen bekommt man einen über zweistündigen Film geliefert, der zwischen Hongkong und Saigon hin und her pendelt und sich sehr in langweiligem Gerede verirrt und hin und wieder ein paar Action-Szenen liefert, die aber die Magie von John Woo vermissen lassen. Tsui Harks Inszenierungsstil in Sachen Action wirkt sehr viel grober, fast unbeholfen und vor allem langweiliger. Abgesehen von ein paar Schießereien bei Demonstrationen, bekommt man erst im Finale Blut zu sehen, wenn geschossen wird oder man ein Krankenhaus voller verletzter Kinder aufsucht. Eine nette Mark vs. Panzer – Szene entschädigt die vielen eher mauen vorausgegangenen Minuten, in denen mal einer erschossen wird oder etwas explodiert.

    Auch wenn Hark nicht die Illusion eines Filmes erwecken kann, der 1974 spielt, hat mir die Atmosphäre teilweise gut gefallen. Besonders die Szenen, die am Abend spielen, sind sehr schön ausgeleuchtet und entsprechen sehr viel mehr der Zeit, in der sie entstanden sind als der Zeit, in der sie spielen sollen. Doch das kann leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass mich die Story einfach nicht packen konnte und sich alles viel zu lang gedehnt hat. Immerhin wurde man fast durchweg mit einem guten Score von Lowell Lo und David Wu berieselt. 

    Fade Action, Drama, Liebe, politische Konflikte, Gangster und viel Geschwätzigkeit sind die Zutaten von HEXENKESSEL SAIGON, der als eigenständiger Film okay ist, aber als Vorgeschichte zu Mark eher überflüssig erscheint. 

    (Bjoern Candidus)