Autor: marco-fritz

  • The House in Nightmare Park, 1973 – ★★½

    The House in Nightmare Park, 1973 – ★★½

    DIE NACHT DER LACHENDEN LEICHEN
    (THE HOUSE IN NIGHTMARE PARK, GB, 1973, Regie: Peter Sykes)

    Foster Twelvetrees ist ein nur wenig talentierter Shakespeare-Schauspieler mit Solo-Programm. Er bekommt ein Angebot für einen Auftritt in einem abgelegen Herrenhaus, den er dankend annimmt. Doch hinter den Fassaden der Henderson braut sich etwas zusammen. Stewart und seine Schwester Jessica Henderson wissen nämlich, wer Foster Twelvetrees genau ist: der uneheliche Sohn und Erbe ihres verstorbenen Vaters, was Foster Twelvetrees nicht mal selbst weiß. Genauso weiß er nicht, wo die Diamanten versteckt sind, auf die es Stewart, Jessica und die anderen Brüder abgesehen haben. 

    Von den lachenden Leichen, die der deutsche Titel spricht, ist in Peter Sykes (DIE BRAUT DES SATANS, 1976) Grusel-Thriller-Komödie leider nichts zu sehen. Sykes Erbschaftsfilm zeigt sich visuell und vom Setting stets wie ein britischer Horrorfilm der 60er- und 70er-Jahre. Es gibt eine Kutsche in der Dunkelheit und den Kutscher, der nicht weiterfahren möchte, einen finsteren, nebeldurchzogenen Park und ein finsteres, viktorianisches Herrenhaus. Für die Innenaufnahmen dienten die berühmten Pinewood Studios, die der Inszenierung zu jederzeit zugute kommen. Die Studio Kulissen sind wirklich bezaubernd. Dunkelgrüne Korridore, farbige Fensterscheiben und eine hochwertige Ausstattung sorgen für die nötige Gruselatmosphäre. Besonders schön ist auch ein ausgefallenes Schlangenterrarium. Zudem ist die Fotografie von Ian Wilson sehr gelungen. Interessante Perspektiven und schräge Blickwinkel beleben das Geschehen. 

    Was bei DIE NACHT DER LACHENDEN LEICHEN leider nur wenig bis gar nicht funktioniert, ist der Humor und die Situationskomik, die sich recht penetrant durchzieht. Die meisten Sprüche und die krampfhaft inszenierten komischen Momente zünden nicht, und wenn, sind sie eher dem sonderbaren Schauspiel von Frankie Howerd als Foster Twelvetrees geschuldet. Auch wenn die Erbschaftsgeschichte abgedroschen ist und die Humorebene wackelt, sind es immerhin noch die Darsteller, die die Inszenierung retten können. Neben Frankie Howerd ist der wunderbare Ray Milland als Stewart Henderson an Bord. Schön ist auch ein Wiedersehen mit Rosalie Crutchley als Jessica Henderson, die hier ähnlich griesgrämig daherkommt wie in THE HAUNTING (1962). Die verschrobenen Figuren machen im Grunde schon Spaß, aber das Drehbuch ist ihnen dazwischengekommen. 

    DIE NACHT DER LACHENDEN LEICHEN ist eine maue Komödie mit Horror-Elementen, die aber sehr gut aussieht und mit charmanten Darstellern aufwartet.   

    (Bjoern Candidus)

  • Fruits of Passion, 1981 – ★★★

    Fruits of Passion, 1981 – ★★★

    DIE FRÜCHTE DER LEIDENSCHAFT
    (LES FRUITS DE LA PASSION, Frankreich, Japan, 1981, Regie: Shûji Terayama)

    Der adelige Sir Stephen (Klaus Kinski) schickt seine junge Geliebte „O“ in ein Bordell nach Shanghai, damit sie zu einer willigen Stute erzogen wird und dort, vor den Augen von Stephen, mit Freiern vögeln muss. Mit völliger Hingabe unterzieht sie sich sadomasochistischen Praktiken und lässt sich in die Welt der Sexualität entführen. Für Sir Stephen läuft alles nach Plan, bis ein junger Mann auftaucht, der sich in „O“ verliebt. 

    Inhaltlich geht der Film auf den Roman „Rückkehr nach Roissy“ (1969) von Anne Cécile Desclos ein, der eine Fortsetzung von „Geschichte der O“ darstellt. 
    Regisseur Shûji Terayama versteht es, den Zuschauer in eine wundersame Welt der Erotik zu entführen. Die märchenhafte Kulisse von Shanghai (gedreht wurde in den Shōchiku-Studios in Ofuna) wurde prächtig eingefangen. Pures Atmosphären-Kino in surrealen Bildern, die durch die psychedelischen Farbfilter noch mehr vertieft werden. Die Impressionen wurden zusätzlich von einem melancholischen Score von J. A. Seazer veredelt. Klaus Kinski gibt mal wieder einen starken Charakter ab, der sich auch im Bett austoben und seinen recht muskulösen Körper präsentiert darf. An seiner Seite ist Isabelle Illiers als „O“.

    DIE FRÜCHTE DER LEIDENSCHAFT ist ein ruhiges Erotik-Sex-Drama in traumhaften Bildern.

    (Bjoern Candidus)

  • The Last Voyage of the Demeter, 2023 – ★★

    The Last Voyage of the Demeter, 2023 – ★★

    DIE LETZTE FAHRT DER DEMETER
    (THE LAST VOYAGE OF THE DEMETER, GB, USA, Deutschland, Kanada, Indien, 2023, Regie: André Øvredal)

    Bei der Überfahrt der Demeter von Varna nach Whitby kommt es zu einem vampirischen Überfall durch den Grafen Dracula, der sich samt seiner Kisten voller Heimaterde auf dem Schiff befindet.

    Ein winziges Kapitel eines umfangreichen Romas einen ganzen Spielfilm zu widmen klingt erst mal sonderbar, aber es geht schließlich um „Dracula“ (1897) von Bram Stoker. Genauer geht es um das Kapitel „Logbuch der Demeter“. In einigen Dracula-Adaptionen wird die Schifffahrt von Varna nach Whitby durchaus aufgegriffen, aber ähnlich kurz abgehandelt wie im Roman selbst.  

    Die Idee, eben genau dieses Kapitel zu verfilmen, kursierte seit einigen Jahren, und grundsätzlich stand ich dieser auch immer recht aufgeschlossen gegenüber. Auch Regisseur André Øvredal erweckte eine gewisse Hoffnung, da mir sein Horrorfilm THE AUTOPSY OF JANE DOE (2016) gut gefallen hat. Und während der vermochte mich zu gruseln, hat es DIE LETZTE FAHRT DER DEMETER geschafft, mich zu langweilen, gar zu nerven. 

    Rein visuell ist der Film okay. Die anfänglichen Hafen-Szenen wirken recht aufwändig und lassen die Inszenierung groß wirken, was durch den Meeresblick zusätzlich verstärkt wird. Was hier echt ist und was am Rechner entstanden ist, lässt sich tatsächlich schwer nachvollziehen, was eigentlich ein gutes Zeichen ist. Auch im späteren Verlauf mischen sich immer wieder CGI-Momente rein, die aber größtenteils sehr dezent sind und gut kaschiert wurden, da sich der Film nach der Abfahrt der Demeter ohnehin sehr düster zeigt. In dieser Finsternis verweilt die Inszenierung dann auch größtenteils, was auch gut ist und zumindest für etwas Atmosphäre sorgt. Doch das rettet DIE LETZTE FAHRT DER DEMETER auch nicht vor dem Zusammenbruch. Abgesehen von Liam Cunningham als Captain Eliot, der noch ein bisschen Charme reinbringt, krankt Øvredals Film an seinen Klischeefiguren, die langweilig und austauschbar sind. Diese werden angeführt von Corey Hawkins als Clemens und Aisling Franciosi als Anna. Und nicht mal David Dastmalchian, der mich in LAST NIGHT WITH THE DEVIL (2023) ziemlich überzeugen konnte, kann hier Eindruck machen. Zur völligen Nebenfigur verkommt Dracula selbst. Dracula zeigt sich permanent in seiner Fledermausmonsterform, wie man sie in etwa in Coppolas 92er-Adaption gesehen hat, dazu mischt sich etwas Nosferatu und Kurt Barlow (Hooper-Version). Das ist soweit nicht verwerflich, doch es mangelt hier an Präsenz, Wirkung und Einblicke. Selten wurde ein Dracula so lieblos, fade und nebensächlich in Szene gesetzt. Ein armseliges Monster, was die Besatzung eines Schiffes dezimiert, mehr nicht. Auch auf dem Gore-Sektor wird kaum etwas Nennenswertes geliefert. Ein bisschen Blut hier, ein paar Verbrennungen dort. Große Gewaltmomente braucht so ein Film natürlich sowieso nicht, hätte aber hier vielleicht ein bisschen was retten können. Es mangelt einfach komplett an Schauwerten. 

    DIE LETZTE FAHRT DER DEMETER ist ein hohler, spannungsarmer, mal wieder viel zu langer (fast 2h) Horrorfilm, der aber immerhin ganz nett aussieht. Leider lässt das überflüssige Ende Böses in Sachen Fortsetzung erahnen, aber die muss ich mir ja erst gar nicht antun. 

    (Bjoern Candidus)

  • Ride the High Country, 1962 – ★★★★

    Ride the High Country, 1962 – ★★★★

    SACRAMENTO
    (RIDE THE HIGH COUNTRY, USA, 1962, Regie: Sam Peckinpah)

    Der in die Jahre gekommene Steve Judd bekommt den Auftrag, Gold aus den Bergen runter in die Stadt zu transportieren. Hilfe bekommt er von seinem alten Freund Gil Westrum und dem Jungspund Heck Longtree. Auf dem Weg in die Berge lernen sie Elsa kennen, die mit ihrem streng religiösen Vater auf einer Farm lebt. Da sie einen Mann in den Bergen heiraten will, nutzt sie die Gelegenheit, sicher in die Berge zu flüchten und folgt den drei Cowboys in die Goldgräberstadt. Als Elsa ihren zukünftigen Ehemann Billy mit seinen drei Brüdern im Lager der Goldgräber entdeckt, wird rasch geheiratet. Doch schon in der Hochzeitsnacht stellt sich Billy als brutaler, versoffener Rüpel heraus, der Elsa schlägt und vergewaltigen will.  

    Sam Peckinpahs zweiter Spielfilm serviert einem bereits zur Begrüßung die wunderschöne, sonnendurchflutete Natur von Kalifornien mit ihrem Bergketten und den Mischwäldern. Der Herbst scheint langsam aufzuziehen, aber es hängen noch genug goldgelbe Blätter in den Bäumen, um tolle Kontraste zu den immer grünen Nadelbäumen zu schaffen. Bereits im Spätherbst mit Blick auf den Winter des Lebens befinden sich die beiden Cowboys 
    Steve Judd (Joel McCrea) und 
    Gil Westrum (Randolph Scott). Die glorreichen Zeiten sind vorbei, und Ermüdungserscheinungen machen sich breit, aber die will keiner von den beiden so richtig wahrhaben. Steve Judd, ein ehemaliger Marshall, ist ein gesetzestreuer Mann mit Moral und Anstand. Seine Freundschaft zu Gil Westrum ist ihm wichtig. Doch Gil stellt sich als Problem heraus, denn ihn treibt, gemeinsam mit dem jungen Cowboy Heck Longtree (Ron Starr), eine eigene Agenda an. Doch bis sich die Verhältnisse ändern vergeht viel Spielzeit, die Peckinpah mit guten Dialogen füllt, die neben den Weisheiten alter Männer auch Platz für Humor bietet, der sich dezent zeigt. Aber für Kontrast wird schnell gesorgt. R.G. Armstrong darf als brutaler Vater seine Tochter Elsa (Mariette Hartley) im Namen Gottes vermöbeln, bevor ihr noch Schlimmeres mit Billy (James Drury) droht. Was das widerliche Verhalten von Billy und seinen Brüdern angeht, zeichnet sich bereits STARW DOGS (1971) ab, auch wenn es hier glücklicherweise nicht zu einer Vergewaltigung kommt. An die obligatorischen Schießereien wird natürlich auch gedacht, doch die bleiben verhältnismäßig zurückhaltend, und an seiner prägenden Zeitlupe hat er sich hier noch nicht bedient.

    SACRAMENTO besticht nicht durch eine große Geschichte mit komplexen Verstrickungen, sondern ist eine gute Mischung aus einem Film über Moral, Freundschaft, Liebe, Vertrauen, aber auch Vertrauensbruch, Gier und der Erkenntnis, einfach langsam im Leben ausgedient zu haben und mit Würde abzutreten. Zudem liefert Kameramann Lucien Ballard eine hervorragende Fotografie, die die Inszenierung zu jeder Zeit edel erscheinen lässt. Die Kulissen der Goldgräberstadt in den Bergen sind gelungen, wie auch die gesamte Garderobe und Ausstattung. Und Peckinpah baut tolle Details ein, wie z.B. einen Raben, der auf der Schulter von Billys Bruder Henry (Warren Oates) sitzt. Die Figuren und die Story sind gut ausgearbeitet und keine Minute wird mit langweiligem Geplänkel gefüllt. Passend, wenn auch wenig prägnant habe ich den Score von George Bassman empfunden.  

    SACRAMENTO ist ein starker Western mit tollen Darstellern, guten Themen und einer versierten Fotografie. 

    (Bjoern Candidus)

  • Sternzeit (Folge 12) Star Trek – Falsche Paradiese (TOS, 1.24)

    Sternzeit (Folge 12) Star Trek – Falsche Paradiese (TOS, 1.24)

    TRAUMSTADT – STERNZEIT (Folge 12)

    STAR TREK – TOS – FALSCHE PARADIESE (1.24)

    Bjoern und Patrick sind zurück im 23. Jahrhundert!

    Diesmal landet die Crew der Enterprise auf dem Planeten Omicron Ceti III, der aufgrund seiner Strahlung unbewohnbar sein müsste. Doch die ehemaligen Kolonisten der Erde sind wohlauf, zumindest glauben sie das.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • The Stuff, 1985 – ★★★★

    The Stuff, 1985 – ★★★★

    STUFF – EIN TÖDLICHER LECKERBISSEN
    (THE STUFF, USA, 1985, Regie: Larry Cohen)

    Ein Bauer entdeckt auf einem Feld eine äußerst wohlschmeckende weiße Pampe, die binnen weniger Tage zum Verkaufsschlager der USA mutiert und von der Industrie The Stuff genannt wird. Die Bevölkerung ist wie süchtig von The Stuff, dessen Ursprung und Zusammensetzung völlig unbekannt ist. Das ruft den Industriespion David auf den Plan, doch bevor der ans Ziel seiner Nachforschungen kommt, zeigen sich erste Nebeneffekte von The Stuff auf die Konsumenten. 

    Larry Cohen stand schon immer für bizarre Horror-Unterhaltung gepaart mit Ironie, Witz, Kritik und guten Figuren. Von allem findet man auch etwas in THE STUFF. Hier zielt Cohen auf den 80er-Jahre-Fast-Food-Wahn. Inhaltsstoffe? Egal, Hauptsache es schmeckt. Und so ist auch hier den meisten Menschen egal, woher The Stuff kommt und was es zum Inhalt hat. 

    Die weiße Pampe, die sich The Stuff nennt, erweckt zwangsläufig Erinnerungen an DER BLOB (1958/1988) und verhält sich auch ähnlich. Aber The Stuff tritt in kleinen Mengen auf, denn die Pampe wird schließlich kommerziell vermarktet und tonnenweise von Menschen jeder Altersklasse gegessen. Der Schrecken ist schleichend, denn The Stuff wirkt erst nach einiger Zeit auf den menschlichen Organismus. Die Dosis macht das Gift, aber von Kontrolle kann hier nicht die Rede sein, denn die Konsumenten werden von The Stuff geradezu süchtig und verändern sich auf aggressive Art. Auch Filme wie DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN (1978) und INVASION VOM MARS (1986) drängen sich auf, was auch an den Figuren liegt. Der immer gern gesehene und im Cohen-Universum nicht wegzudenkende Michael Moriarty (AMERICAN MONSTER, 1982) bekommt hier den Auftrag, herauszufinden, woher The Stuff stammt und woraus es besteht. Parallel dazu gibt es einen Handlungsstrang um einen Jungen, der sich weigert, The Stuff zu essen, weil er weiß, dass die Pampe lebt und gefährlich ist. Beide Handlungsfäden verbinden sich im späteren verlauf, wenn man den Urquell von The Stuff entdeckt.

    Bis dahin drückt Cohen ordentlich aufs Gaspedal, liefert ein paar blutige Effekte und überzeichnet die Welt der The Stuff-Junkies, die sich sogar nachts ihre Portion von der Stuff-Bude abholen. 

    STUFF – EIN TÖDLICHER LECKERBISSEN ist ein bizarrer Horrorfilm mit einem bestens aufgelegten Michael Moriarty, coolen Monster-Pampe-Effekten und einer kitschigen 80er-Jahre-Atmosphäre.   

    (Bjoern Candidus)

  • French Connection II, 1975 – ★★★★½

    French Connection II, 1975 – ★★★★½

    FRENCH CONNECTION II
    (USA, 1975, Regie: John Frankenheimer)

    Von New York geht es diesmal direkt nach Südfrankreich, genau nach Marseille, wo Detektive Doyle seinen französischen Kollegen helfen soll, endlich den Drogenboss Alain Charnier (erneut Fernando Rey) dingfest zu machen. 

    Auch wenn Friedkin mit dem ersten Teil die Messlatte sehr hochgehängt hat, schafft es John Frankenheimer fast diese zu erreichen. Durch den Wechsel von New York nach Marseille wird schonmal das Setting auf den Kopf gestellt, wofür es den ersten Punkt gibt. Die dreckigen Häuser und Gassen sogen für eine herrlich düstere Atmosphäre, wie man sie besonders aus italienischen Polizeifilmen kennt. Insgesamt ist der Film etwas schneller und actionreicher geraten, was ihm aber gut zu Gesicht steht. Kleine Längen sind durchaus vorhanden, aber diese werden durch Hackmans glänzender Performance ausgeglichen. Der Mann war eine Naturgewalt. Statt Roy Scheider haben wir hier Bernard Fresson an Hackmans Seite, der mir bestens aus Polanskis DER MIETER (1976) bekannt ist. Ein toller Schauspieler. Ebenfalls erneut gelungen: Don Ellis Score, der das Geschehen versiert untermalt. 

    Und so hat mich auch FRENCH CONNECTION 2 aufs Höchste beeindruckt und unterhalten. Wieder so ein Film, der mir bewusst macht, wie mies heutige Filme oft inszeniert werden. 50 Jahre auf dem Buckel und kein bisschen eingerostet.

    (Bjoern Candidus)

  • The French Connection, 1971 – ★★★★★

    The French Connection, 1971 – ★★★★★

    BRENNPUNKT BROOKLYN
    (THE FRENCH CONNECTION USA, 1971, Regie: William Friedkin)

    Regie-König William Friedkin hat mich ein weiteres Mal förmlich in den Sessel gepresst. In diesem Krimi-Thriller schickt er die beiden Detektives Jimmy Doyle (Hackman) und Buddy Russo (Roy Scheider) auf die Jagd nach Drogenbossen in New York City.

    Gene Hackman und Roy Scheider fungieren hervorragend als Duo. Besonders Hackman, der wie ein Raubtier durch die Straßen wütet, ist ein Feuerwerk der Unterhaltung. 
    Friedkin versteht es, seinen Figuren die nötige Tiefe zu verpassen und den Zuschauer mitzunehmen. Aber auch in allen anderen Bereichen zeigt Friedkin sein Können. Der Film ist hochspannend, bietet gut dosierte Action, ist hart und realistisch, nahezu dokumentarisch. Der großartiger Soundtrack von Don Ellis, der nicht nur einmal an den zwei Jahre später erschienen DER EXORZIST (1973) erinnert, unterstreicht den fesselnden Charakter dieses Klassikers. 

    Kurz und knapp: FRENCH CONNECTION ist einfach meisterlich. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Cat in Heat, 1972 – ★★★★

    The Cat in Heat, 1972 – ★★★★

    LA GATTA IN CALORE
    (Italien, 1972, Regie: Nello Rossati)

    Anna fühlt sich von ihrem Ehemann im Stich gelassen, da der nur für seine Arbeit lebt und ständig auf Geschäftsreisen unterwegs ist. Der neue Nachbar gegenüber im Haus weckt ihr Interesse, und es entsteht eine Liebesbeziehung zwischen Anna und Massimo. Als Antonio eines Tages von einer seiner Reisen zurückkommt, findet er die Leiche von Massimo im Garten liegen. Er eilt zu seiner Frau, die er am Küchentisch sitzend vorfindet. Vor ihr liegt eine geladene Pistole. Es ist Zeit für ein klärendes Gespräch.

    Es brauchte nicht lange, um mich in Nello Rossatis Beziehungs-Erotik-Thriller-Drama LA GATTA IN CALORE wohl zu fühlen. Dabei ist die Inszenierung alles andere als lebensbejahend. Eine düstere Atmosphäre tut sich auf und die Laune der Figuren fällt direkt auf den Nullpunkt. Nachdem Antonio seiner Frau in der Küche begegnet, macht die Story ein Sprung in die Zeit zurück. Anna erzählt Antonio von Massimo. Dieser ist ein drogensüchtiger Künstler, der das Haus gegenüber gemietet hat, in dem er nicht nur malt, sondern auch wilde Orgien veranstaltet. Er lebt für den Moment, und in ihm kann sie die Verzweiflung über ihre eigene Beziehung lindern. Zumindest hofft sie das, aber die Liebe, die sie ihm gibt, kann er ihr nicht zurückgeben, da Massimo noch nie Liebe für jemanden empfunden hat. Bis sie all das endlich begreift, eskaliert die Situation und es kommt zum einer folgenschweren Tat. Rossatis würzt hier einige zeittypische Zutaten rein. Sex, Drogen und Gewalt bestimmen Massimos Leben, was sich vor allem in seinem Haus abspielt. Gähnende Leere und Depression findet sich gegenüber im Haus, was in der Regel von Anna allein behütet wird, da Antonio selten vor Ort ist. Und so reduziert Rossati LA GATTA IN CALORE vor allem auf diese beiden Schauplätze, die durch einen sehr schön fotografierten herbstlichen Garten verbunden sind. Aber die Inszenierung sieht nicht nur gut aus, sondern klingt auch phantastisch. Dafür sorgt der melancholische bis düstere Score von Gianfranco Plenizio. Die Musik ist wirklich 1A. 

    So übersichtlich wie die Schauplätze ist auch die Anzahl der gut gewählten Hauptdarsteller. Anna wird von Eva Czemerys verkörpert, ihr Ehemann Antonio von Silvano Tranquilli. Massimo wird von Anthony Fontane dargestellt, für den dieser Auftritt der letzte blieb. 

    LA GATTA IN CALORE ist ein durch und durch spannender Erotik-Thriller mit Giallo-Vibes und gleichzeitig ein trauriges Beziehungsdrama mit einem überraschenden Ende. 
    Sehr gut.

    (Bjoern Candidus)

  • Scars of Dracula, 1970 – ★★★

    Scars of Dracula, 1970 – ★★★

    DRACULA – NÄCHTE DES ENTSETZENS
    (SCARS OF DRACULA, GB, 1970, Regie: Roy Ward Baker)

    Die Bevölkerung atmet auf, denn Dracula ist vernichtet. Von dem Vampir ist lediglich seine Asche übrig. Doch die Mächte der Finsternis schicken eine Fledermaus, die mit einer Blutspende die Asche von Dracula benetzt, der dadurch wieder zurückkehrt, um nach Blut zu gieren. 

    Gleich drei Vampirfilme hat Roy Ward Baker 1970 für die Hammer-Studios inszeniert: GRUFT DER VAMPIRE, der erste Teil der Karnstein-Trilogie, DRACULA – NÄCHTE DES ENTSETZENS und DIE 7 GOLDENEN VAMPIRE (1974). Im Gegensatz zu den Vorgängerfilmen, die immer aneinander anknüpfen, ist DRACULA – NÄCHTE DES ENTSETZENS losgelöst. Zwar zerfiel Dracula auch im Vorgänger zu Asche, doch spielte dieser nach seiner Eröffnung in Transsilvanien in London, wo Dracula sein Ende in einer verlassenen Kirche fand. Hier ist man von Anfang an wieder in Transsilvanien. Zwar wird Karlsbad, was man aus DRACULA (1958) kennt, nicht erwähnt, aber Keinenberg (hier Kleinenberg), was in DRACULAS RÜCKKEHR (1968) im Zentrum stand. Wo auch immer die Geschichte angesiedelt ist, es sieht stilistisch gut aus und geht ein wenig zurück zu den Anfängen der Reihe und ist gleichzeitig eine Art Neustart. Lee versucht sich wieder mehr an seinen 58er-Dracula zu orientieren, der sowohl gastfreundlich und charmant sein kann, aber auch sadistisch und brutal. Gerade in Sachen Brutalität wird hier einiges geliefert, und der Film zählt zu den brutalsten Filmen des Studios. Man bekommt vor allem die Ergebnisse von Gewalt zu sehen, wie eine Kirche voller grausig zugerichteter Frauenleichen oder der durch glühende Eisen geschundene Rücken von Klove. Die Figur von Klove, dem Diener, die man bereits in DRACULAS RÜCKKEHR etablierte, wird hier von Patrick Troughton (DAS OMEN, 1976) verkörpert. Sein Auftauchen ist ein weiteres Indiz dafür, dass der Film unabhängig ist, denn die Figur ist bereits in BLUT FÜR DRACULA (damals dargestellt von Philip Latham) getötet worden. Ein schönes Detail ist auch der Moment, in dem Dracula seine Schlossmauer nach oben läuft. Ein Moment aus dem Roman, der sehr gelungen inszeniert wurde. Überhaupt kann sich der Film visuell sehen lassen. Draculas Schloss ist ebenfalls neu und sieht schön finster aus, besonders nachdem ein Mob von Dorfbewohnern, die dem Grafen den Garaus machen wollen, das Schloss in Brand setzen. 

    So hanebüchen wie die Story des Vorgängers ist die von DRACULA – NÄCHTE DES ENTSETZENS nicht. Dracula reagiert hier weitaus nachvollziehbarer. Eher mangelt es an charismatischen Nebenfiguren. Die jungen Leute, die das übliche Liebesgeplänkel mitbringen, werden von Dennis Waterman, Jenny Hanley und Christopher Matthews verkörpert, die die düstere Inszenierung zwar etwas beleben, aber ihr gleichzeitig auch etwas schaden. Cushing fehlt. Aber immerhin können Patrick Troughton, Michael Gwynn und Michael Ripper etwas Charme mit reinbringen. Zum guten Ton der Reihe gehört James Bernard, der auch hier wieder für den Score verantwortlich war. 

    DRACULA – NÄCHTE DES ENTSETZENS wirkt manchmal etwas sprunghaft, ist insgesamt spannungsarm, aber liefert blutige Momente, eine dichte Atmosphäre, schöne Kulissen und Lee als Dracula, der hier wieder mehr Form hat. 

    (Bjoern Candidus)