Autor: marco-fritz

  • Killer Adios, 1968 – ★★★★

    Killer Adios, 1968 – ★★★★

    KILLER, ADIOS
    (WINCHESTER, UNO ENTRE MIL, Italien, Spanien, 1968, Regie: Primo Zeglio)

    Nachdem Jess Bryan den Berüchtigten Banditen Gaspar erschossen hat, legt ihm Sheriff Simpson nahe, für eine Weile die Stadt zu verlassen, da er in Gefahr lebt. Er folgt dem Befehl und arbeitet für ein paar Jahre als Hilfssheriff. Dann kommt Jess Bryan zurück in seine Heimatstadt, wo es Sheriff Simpson mit einer Mordserie zu tun hat, deren Tatwaffe stets eine Winchester ist. Man ernennt Bryan zum Hilfssheriff. Das schmeckt dem Killer gar nicht und verübt promt eine Attentat auf Bryan, was der gewiefte Revolverheld natürlich überlebt. Zwei Tatverdächtige stehen zur Auswahl, doch es mangelt an Beweisen. Dann geschieht ein weiterer Mord. 

    Wie schon Alfonso Brescia Peter Lee Lawrence mit TÖTE ODER STIRB (1967) in einen Italowestern-Krimi geschickt hat, so folgt auch Primo Zeglio (PERRY RHODAN SOS AUS DEM WELTALL, 1967) dieser Genre-Kombination und schickt ebenfalls Lawrence ins Rennen. Und selbst Nello Pazzafini ist in beiden Filmen dabei und hat hier sogar eine größere Rolle als Jack Bradshaw, einem der Verdächtigen. Mit dem äußerst smarten Peter Lee Lawrence liegt auch Zeglio goldrichtig. Lawrence sieht gut aus (abgesehen vom Make-up), kleidet sich stilvoll und fungiert nicht nur als schneller Schütze, sondern auch als Profiler, wenn er den Tatvorgang und die Tatwaffe analysiert. Des weiteren sind noch zahlreiche gute Bekannte aus dem italienischen und spanischen Kino an Bord, wie Victor Israel, Rosalba Neri, Armando Calvo, Luis Induni, José Canalejas und Luis Barboo. 
    Die Besetzung stimmt also schon mal. Aber auch die Kulissen, die Ausstattung und Kostüme können überzeugen und ergeben einen durch und durch wertigen Film. Hinter der Kamera stand Julio Ortas, der ansprechende Bilder fotografiert hat. Besonders die Naturkulisse kann überzeugen und wechselt sich ab zwischen waldigen, staubigen und felsigen Abschnitten. Etwas unterdrückt scheint der Score von Claudio Tallino, der zwar qualitativ klingt, aber bei mir keine große Wirkung erzielen konnte. 

    Die Kombination aus Whodunit-Krimi und Western funktioniert bei KILLER, ADIOS sehr gut. Zeglio liefert fähige Darsteller in einer durchaus spannenden Geschichte, die mit einem tollen Finale gekrönt wird. 

    (Bjoern Candidus)

  • Phantom Town, 1999 – ★★

    Phantom Town, 1999 – ★★

    PHANTOM TOWN
    (Kanada, Rumänien, USA, 1999, Regie: Jeff Burr)

    Jeff Burr (STEPHFATHER 2, 1989) richtet sich mit PHANTOM TOWN an ein jüngeres Publikum und setzt zwei Kinder und ihren älterer Bruder ins Zentrum der Story. Die befinden sich auf der Suche nach ihren Eltern, die sich in eine Westernstadt im Jahre 1882 verirrt haben. Hier stoßen sie nicht nur auf grantige Cowboys, sondern auch auf Zombies, auf Monster mit Fangarmen und Schleim, der aus sämtlichen Poren quillt. Die Inszenierung ist dabei relativ atmosphärisch in Szene gesetzt. Die Studiokulissen sind farbenfroh beleuchtet, einfallsreich
    und kreativ ausgestattet. Über das Niveau einer DTV-Produktion geht das Ganze allerdings nicht hinaus. Die Westernstadt, die irgendwo in Rumänien gezimmert wurde, braucht sich nicht verstecken. Es gibt ein paar nette Effekte, aber die meisten sind hässliche, am Rechner entstandene, die das schmale Budget zu jeder Sekunde verraten. Die drei Hauptdarsteller, John Patrick White, Taylor Locke, und Lauren Summers sind noch annehmbar, wenn man bedenkt, dass Summers gerade mal 10 und Locke 15 Jahre alt waren. Von einem Talent ist hier allerdings jeder befreit, auch die Erwachsenen. 

    PHANTOM TOWN ist ein schriller Horror-Fantasy-Western für Kinder und Jugendliche. Wer auf Filme wie GHOST TOWN (1988) oder DIE GRUFT (1987) steht, kann durchaus einen Blick riskieren, sollte aber seine Erwartungen, trotz Jeff Burr, sehr gering halten. Kinder wird man mit diesem Film sicherlich eher erreichen als Erwachsene. 

    (Bjoern Candidus)

  • A Dragonfly for Each Corpse, 1975 – ★★½

    A Dragonfly for Each Corpse, 1975 – ★★½

    TODESKREIS LIBELLE
    (UNA LIBÉLULA PARA CADA MUERTO, Spanien, 1975, Regie: León Klimovsky)

    In Mailand kommt es zu einer Reihe brutaler Morde. Die Opfer sind Drogensüchtige, Prostituierte oder Kleinkriminelle. Am Tatort hinterlässt der Mörder immer die Figur einer Libelle. Inspektor Scaporella nimmt sich dem Fall an, in dem sich auch seine Frau Silvana verstrickt. 

    León Klimovsky schickt sein Wunderkind Paul Naschy in einen spanischen Giallo, der im Grunde alle Zutaten seiner italienischen Vorbilder besitzt. Naschy lässt also seinen Werwolfpelz im Schrank und taucht hier als Inspektor Scaporella mit Schnäuzer und Zigarre auf. Die Rolle steht ihm, besonders, wenn er eine Horde Hakenkreuz-Wichte verprügelt. An seiner Seite: die schöne Erika Blanc. 

    Dass hier nicht alles rund und 1A inszeniert wurde, sollte klar sein. Auch wenn TODESKREIS LIBELLE in Italien, bzw. Mailand spielt, wo er auch teilweise gedreht wurde, kommt hier mehr die Qualität der Spanier durch, die im Schnitt weniger hoch war als die der Italiener. Irgendwie fühlte ich mich bei den Gore-Szenen etwas an den Stil von H. G. Lewis erinnert, auch wenn der wesentlich mehr gezeigt hätte. Der Täter ist wiederum typisch Giallo: Trenchcoat, Hut, Handschuhe. Die Wahl der Mordwaffen variiert. Mal ist es eine Axt, ein Säbel oder ein umfunktionierter Regenschirm. Schön sind die Mailand-bei-Nacht-Szenen, die aber im Gegensatz zu den (Studio-) Innenaufnahmen, selten sind. Sperrig und etwas miefig wird es in den in Spanien entstanden Studioaufnahmen, wenn Inspektor Scaporella mit seiner Frau über die Morde grübelt. In den Momenten kommt auch am meisten Klimovskys Handschrift durch, in der Naschy eine wichtige Rolle spielt. Klimovsky hatte mit Naschy bereits eine Handvoll Filme gedreht, und Naschy war auch hier wieder Vater der Story. 

    Auch wenn der Film durchaus atmosphärisch geraten ist, tut man sich schwer, Spannung aufzubauen. Vieles wirkt fad, manches ist unfreiwillig komisch, was ihn letztlich aber auch charmant macht. Da man es in Spanien mit dem Urheberrecht nicht ganz so genau nimmt, bediente man sich für den Score einfach bei Filmen wie BLUTIGE SEIDE (1964) und IM BLUTRAUSCH DES SATANS (1971), um zumindest im Genre zu bleiben. 

    TODESKREIS LIBELLE ist sicher kein Vorzeigefilm des Duos Klimovsky / Naschy, aber er setzt sich angenehm vom sonstigen Oeuvre der beiden ab. 

    (Bjoern Candidus)

  • Vampire at Midnight, 1988 – ★★★

    Vampire at Midnight, 1988 – ★★★

    L.A. MIDNIGHT
    (VAMPIRE AT MIDNIGHT, USA, 1988, Regie: Gregory McClatchy)

    Eine Mordserie zieht sich durch L.A.
    Der Killer beißt den Opfern in den Hals und lässt sie ausbluten. Der Cop Roger Sutter nimmt sich der Jagd nach dem „Vampir-Killer“ an, während er sich parallel für seine Nachbarin Jenny interessiert, die wiederum einem Hypnotiseur verfallen ist, der an einer ganz speziellen Therapie arbeitet.  

    Aus der schier endlosen Welt der 
    DTV-Produktionen der 1980er-Jahre sticht Gregory McClatchys Mischmasch aus Krimi, Hypnose-Thriller und Vampirfilm ein klein wenig hervor. Der Film ist manchmal etwas holprig inszeniert, aber er gewinnt mit seinem dreckigen 80er-Großstadt-Flair und den stylischen Momenten wenn es in die Villa des Hypnotiseurs geht, wo eine schummrigen Atmosphäre herrscht. Gewürzt wird das Ganze mit ein bisschen Sex und Erotik, mit einem jazzigen Soundtrack und ein paar blutigen Einlagen, die zwar im Rahmen sind, aber vor allem durch die ausfahrbare Armklinge des Killers nicht an Wirkung verlieren.  

    Nicht ganz so überzeugend ist sind die Darsteller. Jason Williams erweckt mehr den Eindruck eines dauerpotenten Sportlers als eines Cops, und Lesley Milne als Jenny Carleton ist komplett austauschbar, aber sie dient ja letztlich nur als Opfer für Hypnotiseur Victor Radikoff, der etwas Ähnlichkeit mit Tom Noonan hat, was ihm hier deutlich hilft. 

    Verglichen mit vielen anderen Vampir-Horrorfilmen aus dieser Epoche, hat L.A. MIDNIGHT eine durchaus interessante Story zu bieten, die zwar nicht astrein umgesetzt wurde, aber auch nie gelangweilt hat.  

    (Bjoern Candidus)

  • Yeti: The Giant of the 20th Century, 1977 – ★★★½

    Yeti: The Giant of the 20th Century, 1977 – ★★★½

    YETI – DER SCHNEEMENSCH KOMMT
    (YETI – IL GIGANTE DEL 20 ° SECOLO, Italien, 1977, Regie: Gianfranco Parolini)

    In Grönland wird ein in einem Eisblock eingefrorener Yeti mit King Kong – Ausmaße entdeckt. Nach dem man ihn aufgetaut hat, erkundet der Yeti seine neue Umwelt und freundet sich mit zwei Kindern an. Gierig und dumm wie Menschen sind, soll der Yeti fortan als Werbeträge für eine Firma dienen und wird der Öffentlichkeit präsentiert. Dass das nicht gut gehen kann, versteht sich fast von selbst. 

    Regisseur Gianfranco Parolini (SABATA, 1969) hat hier einem Wesen einen Rahmen geboten, was verhältnismäßig selten auf der Leinwand anzutreffen ist. Ad hoc fallen mir noch THE ABOMINABLE SNOWMAN (1957) aus den HAMMER-Studios und der spanische LA MALDICIÓN DE LA BESTIA von 1975 ein. 

    Bei dieser teilweise in Kanada gedrehten Produktion darf man große Augen machen, denn das Geschehen ist schon ziemlich bizarr. Wenn man das Aussehen vom Yeti geschluckt hat, der sich als eine Art Reinhold Messner-Bill Kaulitz-Mix präsentiert, hat man das Schlimmste überstanden. Danach kann man sich zurücklegen und entspannt einem charmanten Film folgen, der viel Action bietet. Die Effekte und die Rückprojektionen sind größtenteils recht gut gemacht. Auch bei den Größenverhältnissen hat man meistens ein sicheres Händchen bewiesen. Die Modellhäuser, die der Yeti einreißen darf, wissen zu überzeugen und lassen die Gedanken immer wieder in Richtung Tōhō-Studios gleiten. Ohne Frage ist das Ganze sehr liebevoll gestaltet worden, funktioniert aber natürlich nur, wenn man ein Herz für solche Filme hat. 

    Auffällig ist auch der großzügige Auftritt des Yetis, denn der bekommt hier sehr viel Spielzeit eingeräumt, in der er sich austoben darf und auch ein Herz für Kinder beweist. Unter den Darstellern findet sich Mimmo Craig als Yeti, und es gibt ein Wiedersehen mit Tony Kendall und Donald O‘Brien. Letzterer ist leider nur kurz dabei. Abgerundet wird das ganze von einem Score von Sante Maria Romitelli.

    YETI – DER SCHNEEMENSCH KOMMT dürfte das Herz jedes Monsterfilm-Fans in die Höhe schnellen lassen. Es mangelt zwar an Spannung und hin und wieder stellen sich zähe Momente ein, aber die werden durch viele andere Schauwerte ausgeglichen.

    (Bjoern Candidus)

  • Death Is Sweet From the Soldier Of God, 1972 – ★

    Death Is Sweet From the Soldier Of God, 1972 – ★

    DJANGO – ER SÄTE DEN TOD
    (SEMINÒ MORTE… LO CHIAMAVANO IL CASTIGO DI DIO!, Italien, 1972, Regie: Roberto Mauri)

    Django, ein ehemaliger Sheriff, wird bezichtigt, Geld für den Bau einer Schule gestohlen zu haben. Als er verhaftet wird, lernt er in seiner Zelle den Mexikaner Spirito Santo kennen. Durch die Hilfe von Scott Miller, dem Kopf einer Bande, sollen beide befreit werden. Doch dieser Scott Miller ist Django ein Dorn im Auge, denn der soll die Familie seines Bruders getötet haben.

    Ich habe selten einen so öden, inhaltlich verfahrenen und visuell hässlichen Italowestern gesehen wie DJANGO – ER SÄTE DEN TOD. Als hätte Regisseur Roberto Mauri sämtliche Zutaten vergessen oder die unbekömmlichen Alternativen gewählt, um einem mit diesem Brei den Magen zu verderben. Es fängt schon an mit Brad Harris als Django (natürlich nur in der dt. Version). Dieser Mann ist in dieser Rolle so ausdrucksstark wie ein Glas Wasser, von der ersten bis zur letzten Filmminute. Etwas mehr Schwung, aber nicht viel, kommt mit José Torres als Spirto Santo rein, eine Art billige Kopie eines Tomás Milián als Mexikaner. Mehr Regung stellt sich auch mit Vassili Karis als Scott Miller nicht ein, aber immerhin definiert er Überschminken ganz neu. Die lieblose, teils billige Ausstattung passt sich den Figuren gut an. Die Fotografie ist ernüchternd und die vielen Dialoge langweilig. Eigentlich ist hier alles langweilig. Die obligatorischen Schießereien und Verfolgungen auf Pferden sind vertreten, aber selbst hier hatte ich das Gefühl, dass die Macher nicht so recht wussten, was sie taten. Aber die Erklärung für diese Katastrophe ist einfach und fast ungeheuerlich: DJANGO – ER SÄTE DEN TOD besteht nämlich zu großen Teilen aus zwei anderen Western – ARRIVA DURANGO… PAGA O MUORI (1971) von Roberto Bianchi Montero und SABATA VIVO OU MORTO (1970), der ebenfalls von Mauri inszeniert wurde. Um dann noch halbwegs eine Story zu konstruieren, drehte man noch neues Filmmaterial, mixte die drei Produktionen zusammen, und fertig war DJANGO – ER SÄTE DEN TOD. 

    Und wer sich wenigstens noch den staubigen Charme der Wüste von Tabernas in Almería erhofft, muss ebenfalls enttäuscht werden. Hier gibt es Mischwald, grüne Wiesen und Erde, was mir mehr das Gefühl vermittelt hat, man wäre in Bad Segeberg oder Elspe bei den Karl-May-Spielen, nur ohne Winnetou, aber mit Brad Harris. 

    Kurz und knapp: DJANGO – ER SÄTE DEN TOD ist absolut nicht zu empfehlen.  

    (Bjoern Candidus)

  • Slugs, 1988 – ★★★½

    Slugs, 1988 – ★★★½

    SLUGS
    (SLUGS, MUERTE VISCOSA, Spanien, USA, 1988, Regie: Juan Piquer Simón)

    In einer amerikanischen Kleinstadt macht sich Panik breit, als sie von einer Invasion todbringender Nacktschnecken heimgesucht wird. Gemeinsam nehmen die Bewohner den Kampf gegen die Schnecken auf, für die ein Chemiekonzern verantwortlich ist, der jahrelang seine Chemieabfälle in die Kanalisation gelassen hat. 

    Der spanische Regisseur und Produzent Juan Piquer Simón hat mit SLUGS einen sehr unterhaltsamen Tierhorrorfilm gezimmert, der sich endlich mal auf den Feind von Gärtnern und Blumenfreunden konzentriert – die Schnecke. Wer also mal eine kriechende Abwechslung zu SQUIRM (1976) braucht, bekommt hier statt Würmer Schnecken, schwarze Nacktschnecken. 

    Inhaltlich gibt es hier, welch Wunder, nichts Neues zu entdecken, die filmische Seltenheit der schleimigen Stars muss reichen. Wie die Inhaltsleere in der Roman-Vorlage von Shaun Hutson ist, weiß ich nicht, aber er war mit der Adaption sehr unzufrieden. 

    Die Bewohner und das Kleinstadt-Treiben verhält sich wie in zahlreichen anderen Filmen dieser Art. Wissenschaftler und Experten versuchen, Polizei und Bürgermeister von den Gefahren der Schnecken zu warnen, doch man schenkt ihnen kein Glauben, dazu gibt es unsympathische Teens und ihr altersgerechtes Verhalten, von denen wenigstens manche nackt gefressen werden. Die erwachsenen Darsteller, wie Michael Garfield, Kim Terry und Philip MacHale gehen soweit klar, dennoch verkümmern sie durch die Schnecken und ihre Schandtaten, und die haben es in sich. In Sachen Gore gibt es nämlich reichlich zu sehen. Körper platzen auf, Schädel werden blank gefressen, das Blut fließt literweise. Auch wenn die Szenen in der Regel kurz gehalten sind, sind sie klar die Highlights der Produktion. Es gibt kaum Tierhorrorfilme, die blutiger sind als dieser hier. 
     
    Unter dem Strich ist SLUGS ein sauber fotografierter Horrorfilm mit einer düsteren Atmosphäre, ein bisschen Spannung und ganz viel Blut. Die durchgekaute Story und die langweiligen Figuren schaden dem hohen Unterhaltungsfaktor überhaupt nicht. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Man Who Haunted Himself, 1970 – ★★★★

    The Man Who Haunted Himself, 1970 – ★★★★

    EIN MANN JAGT SICH SELBST
    (THE MAN WHO HAUNTED HIMSELF, GB, 1970, Regie: Basil Dearden)

    Nach einem Autounfall hat Harold Pelham, der Manager eines Industriekonzerns, ein Problem: offensichtlich gibt es einen Doppelgänger von ihm, der immer in Erscheinung tritt, wenn der echte Harold Pelham nicht in der Nähe ist. Ein Freund rät ihm, einen Arzt aufzusuchen, was Pelham auch tut. Der glaubt, den Grund für sein Problem in seiner Psyche zu finden, doch das hält Pelhams Doppelgänger nicht auf. 

    Das Faszinierendste an EIN MANN JAGT SICH SELBST, der unter der Regie von Basil Dearden gedreht wurde, ist, dass man als Zuschauer lange Zeit selbst nicht weiß, was vorgeht und man immer so schlau ist wie Pelham selbst. Gibt es diesen Doppelgänger wirklich oder ist er ein Konstrukt von Pelhams Psyche oder steckt gar etwas ganz anderes dahinter? Dass der Film in den Kreisen eines Industriekonzerns spielt, bietet schließlich genügend Möglichkeiten. Eine Antwort bekommt man geliefert, allerdings nicht in diesem Text. 

    Startet der Film noch beschwingt mit einem Score von Michael J. Lewis und Roger Moore, der mit Hut und Anzug in einen Auto steigt und durch London fährt, wandelt er sich schnell in einen spannenden, beklemmenden und unheimlichen Psycho-Thriller. Man hält sich viel in Räumlichkeiten auf, was die Bedrückung noch intensiviert. Luft zum Atmen ist hier kaum. Manches wirkt verschachtelt, immer wieder gibt es verspielte bis schwindelerregende und hypnotische Kameraperspektiven. Gegen Ende hin fühlte ich mich sogar an LOST HIGHWAY und das Kino von Mario Bava erinnert. Der Film hat eine wirklich tolle Fotografie von Tony Spratling, der jede Szene veredelt. 

    Ganz überraschend, und jenseits seiner James Bond – Darstellungen, ist Roger Moore. Moore spielt recht überzeugend einen Mann, der immer mehr paranoide Züge annimmt und glaubt, den Verstand zu verlieren. Die Rolle hätte auch ganz prima mit Franco Nero besetzt werden können, aber ich bin froh, dass es in diesem Fall Moore war, damit ich ihn mal von einer anderen Seite erleben konnte. Da sich der Fokus hauptsächlich auf Moores Figur konzentriert, bleiben nicht viele Darsteller übrig, die ihr Können zeigen, doch Freddie Jones als Psychiater mit Sonnenbrille muss umbedingt erwähnt werden. Einer muss ja Themen wie unterdrückte Sexualität oder gesellschaftliche Zwänge ansprechen, um Pelhams Problem zu ergründen. 

    Das Motiv des Doppelgängers hat die Menschheit seit jeher fasziniert, erschreckt oder sich  zunutze gemacht. Dass das Thema 1970 nicht mehr das Neuste im Kino war und noch sehr viel stärke Filme zum Thema folgen sollten, hatte für mich keinen Einfluss. Dearden, der hier eine Story von Anthony Armstrong adaptiert hat, die bereits für die Serie ALFRED HITCHCOCK PRÄSENTIERT… verfilmt wurde, hat mit EIN MANN JAGT SICH SELBST einen packenden Doppelgänger-Psycho-Thriller geliefert. Es gibt ein paar Längen, aber die werden immer wieder durch Moore oder den tollen Bildern gutgemacht. 

    (Bjoern Candidus)

  • May God Forgive You… But I Won’t, 1968 – ★★★½

    May God Forgive You… But I Won’t, 1968 – ★★★½

    DJANGO – DEN COLT AN DER KEHLE
    (CHIEDI PERDONO A DIO… NON A ME, Italien, 1968, Regie: Vincenzo Musolino)

    Nachdem Cjamangos Familie ermordet wurde, schwört er sich Rache. Von dem Gauner Barrica erhält Cjamangos die Info, wer hinter der Bluttat steckt. Cjamango ist nicht zu stoppen. 

    Der Regisseur Vincenzo Musolino, der ein Jahr nach dieser Produktion mit 39 Jahren verstarb, hat hier einen sehr guten Italowestern abgeliefert, der unter dem Strich zwar nichts Neues liefert, aber auf handwerklicher Ebene sehr überzeugt. 

    Der Film hat einige spannende und actionreiche Momente, ist insgesamt kurzweilig inszeniert und hat einen hohen Bodycount, wenn auch kaum Blut zu sehen ist. Große Bilder von der Prärie, verspielte Kameraperspektiven, eine schöne Westernstadt und ein versierter Score von Felice Di Stefano sorgen ebenso für Atmosphäre, wie die zahlreichen grummeligen Gesichter, die hier aufwarten. George Ardisson als konsequenter Cjamango ist nicht der sympathischste in seiner Rolle, aber dafür hat sich Ignazio Spalla als mexikanischer Lump Barrica in mein Herz gespielt, der immer die Leichen derer einsammelt, auf denen ein Kopfgeld ausgesetzt ist. 
    Peter Martell ist kurz im Bilde, noch kürzer ist Riccardo Pizzuti zu sehen, der sich gefühlt in jedem zweiten Bud Spencer und / oder Terence Hill Film das Gesicht verformen lässt.  

    DJANGO – DEN COLT AN DER KEHLE ist sicher nicht der Größte seiner Zunft, aber er ist stimmig und nie langweilig. 

    (Bjoern Candidus)

  • A Candle for the Devil, 1973 – ★★★½

    A Candle for the Devil, 1973 – ★★★½

    DIE SAAT DER ANGST
    (UNA VELA PARA EL DIABOLO, Spanien, 1973, Regie: Eugenio Martin) 

    Die beiden Schwestern Marta und Veronica, die in einem spanischen Bergdorf ein Hotel führen, fühlen sich dazu berufen leichtbekleidete, triebgesteuerte und unmoralische Frauen im Namen des Herrn zu bestrafen bzw. ihnen das Licht auszublasen. Ihre Mordserie, die mit einem Unfall begann, den Marta als Zeichen Gottes deutete, wird zur Lebensaufgabe und kompromisslos ausgearbeitet. Dann taucht plötzlich Laura auf, die sich mit ihre Schwester in dem Hotel treffen will. Als diese von den beiden Schwestern erfährt, dass sie bereits abgereist sei, stellt sie Nachforschungen an. 

    Erzkatholische Einstellungen und Franco Regime (1938-1975, ab 1978 ein demokratischer Rechtsstaat) vs. Freizügigkeit in Spanien der 1970er-Jahre. Regisseur Eugenio Martin (HORROR EXPRESS, 1972) kredenzt hier einen kräftigen, gut besetzten Thriller und ein passendes Zeitdokument in einem. Wer Dunkelheit, wehende Vorhänge, Gewitter und Friedhofstimmung erwartet, der wird enttäuscht, denn der Schrecken wird von Sonnenstrahlen und Urlaubsstimmung getarnt, was stark an Narciso Ibáñez Serradors EIN KIND ZU TÖTEN (1976) erinnert. Aber auch CANNIBAL MAN (1972) von Eloy de la Iglesia, in dem es ebenfalls um Morde und Zerstückelungen geht. Im Gegensatz zum Kino von Paul Naschy und Amando de Ossorio, welches zur gleichen Zeit aktiv war, bieten die Herren Martin, Serrador und de la Iglesia mehr Realismus, gesellschaftskritische Töne und einen direkteren Umgang mit Gewalt. Und so tauchten neben Werwölfen, Vampiren und reitenden Leichen auch Psychopathen, religiös verblendete Frauen und mörderische Kinder auf der Leinwand auf. 

    Das Unverständnis und die Abneigung der alten Generation gegenüber der jüngeren ist nichts Neues und erlebt jede Generation aufs Neue. Die sexuelle Freizügigkeit der 70er-Jahre war da natürlich ein gewaltiger Dorn im Auge der Konservativen und Rechten. Der Brite Pete Walker bringt das Thema in HAUS DER PEITSCHEN (1974) hervorragend auf den Punkt. Ganz so alt wie die Herrschaften dort, sind die beiden Damen hier allerdings nicht. Marta wird sehr gut von Aurora Bautista (DER SATAN OHNE GESICHT, 1969) dargestellt, Esperanza Roy, die ihre jüngere Schwester Veronica spielt, hinterlässt einen besseren Eindruck als in DIE RÜCKKEHR DER REITENDEN LEICHEN (1973). Das Gespann funktioniert und sorgt auch untereinander für Spannungen. In Sachen Gewalt nimmt sich Martin nicht zurück. Er ufert nicht aus, aber es gibt ein paar blutige Axthiebe und einen zerstückelten Leichnam in einem Fass, dessen einer Augapfel auf dem Teller einer Frau landet. 

    Man kann über den sehr konstruierten Auslöser für das mörderische Handeln der beiden Damen streiten, was sie untereinander sogar selber tun. Er dient als Mittel zum Zweck, um das einerseits horroraffine Publikum zu befriedigen und andererseits eine Kritik loszuwerden. 

    Mit DIE SAAT DER ANGST hat Eugenio Martin ein garstigen, gut besetzten und kurzweiligen Horror-Thriller geschaffen, der zeigt, wie facettenreichen das spanische Genre-Kino jener Tag war. 

    (Bjoern Candidus)