Autor: marco-fritz

  • Teens in the Universe, 1975 – ★★★★

    Teens in the Universe, 1975 – ★★★★

    START ZUR KASSIOPEIA
    (MOSKAVA-KASSIOPEYA, Sowjetunion, 1973, Richard Viktorov) /
    ROBOTER IM STERNBILD KASSIOPEIA
    (OTROKI VO VSELENNOY, Sowjetunion, 1974, Richard Viktorov)

    Ein neunmalkluger Schüler präsentiert in der Schule ein wissenschaftliches Experiment, was ermöglicht, in das Sternbild der Kassiopeia vorzudringen, von dem ein mysteriöses Funksignal ausgeht. Witja, der Schüler, schlägt vor, die Mission von sechs Kindern im Alter von 14 Jahren durchführen zu lassen, da der Weg zum Ziel gut 27 Jahre dauern wird. Die sowjetische Regierung ist begeistert und stimmt zu. Witja und seine fünf Astronautenfreunde starten zum Sternbild der Kassiopeia. Dort angekommen stoßen sie auf ein paar außerirdische Humanoide, deren Spezies von ihren eigenen Robotern versklavt, manipuliert oder vernichtet wurde. Ein buntes Abenteuer beginnt, in dem sich die Kinder nicht nur mit kosmischen Phänomen, sondern auch mit Robotern herumschlagen müssen.

    Richard Viktorov hat hier zwei sehr schöne, ausgesprochen phantasievolle Sciencefiction-Filme gedreht, die ein sehr gutes Gleichgewicht zwischen Geschichte, Charaktere und visuellen Effekten aufweisen. Für 1973 sind die Sets, die Ausstattung und die schönen Licht- und Farb-Effekte erstaunlich gut. Hier steckt unheimlich viel Liebe drin, was man vor allem beim zweiten Teil sieht. 

    Die Filme sind reich an skurrilen Ideen; es gibt sogar schon eine Art Holodeck. Die Außenaufnahmen des Raumschiffs sind am wenigsten gelungen, dafür hat man aber ein wirklich tolles Innere errichtet, in dem es viel zu entdecken gibt.

    Auch die Jungdarsteller geben alles, und das ist ausreichend. Der Kinder-Nervpegel schlug bei mir so gut wie gar nicht aus. Man muss sich aber mit dem teilweise bizarren Humor zurechtfinden. Aber man hat es hier auch mit sowjetischem Kino zu tun, und da gibt es eine andere Mentalität, eine andere Handschrift und ein großes Verständnis für Kreativität und Wissenschaft. 

    START ZUR KASSIOPEIA und ROBOTER IM STERNBILD KASSIOPEIA sind zwei intelligente, einfallsreiche Sciencefiction-Filme, die sich zwar an ein jüngeres Publikum orientieren, aber auch jedem aufgeschlossenem, erwachsenen Freund des Genres zu empfehlen sind. 

    (Bjoern Candidus)

  • Moscow-Cassiopeia, 1974 – ★★★★

    Moscow-Cassiopeia, 1974 – ★★★★

    START ZUR KASSIOPEIA
    (MOSKAVA-KASSIOPEYA, Sowjetunion, 1973, Richard Viktorov) /
    ROBOTER IM STERNBILD KASSIOPEIA
    (OTROKI VO VSELENNOY, Sowjetunion, 1974, Richard Viktorov)

    Ein neunmalkluger Schüler präsentiert in der Schule ein wissenschaftliches Experiment, was ermöglicht, in das Sternbild der Kassiopeia vorzudringen, von dem ein mysteriöses Funksignal ausgeht. Witja, der Schüler, schlägt vor, die Mission von sechs Kindern im Alter von 14 Jahren durchführen zu lassen, da der Weg zum Ziel gut 27 Jahre dauern wird. Die sowjetische Regierung ist begeistert und stimmt zu. Witja und seine fünf Astronautenfreunde starten zum Sternbild der Kassiopeia. Dort angekommen stoßen sie auf ein paar außerirdische Humanoide, deren Spezies von ihren eigenen Robotern versklavt, manipuliert oder vernichtet wurde. Ein buntes Abenteuer beginnt, in dem sich die Kinder nicht nur mit kosmischen Phänomen, sondern auch mit Robotern herumschlagen müssen.

    Richard Viktorov hat hier zwei sehr schöne, ausgesprochen phantasievolle Sciencefiction-Filme gedreht, die ein sehr gutes Gleichgewicht zwischen Geschichte, Charaktere und visuellen Effekten aufweisen. Für 1973 sind die Sets, die Ausstattung und die schönen Licht- und Farb-Effekte erstaunlich gut. Hier steckt unheimlich viel Liebe drin, was man vor allem beim zweiten Teil sieht. 

    Die Filme sind reich an skurrilen Ideen; es gibt sogar schon eine Art Holodeck. Die Außenaufnahmen des Raumschiffs sind am wenigsten gelungen, dafür hat man aber ein wirklich tolles Innere errichtet, in dem es viel zu entdecken gibt.

    Auch die Jungdarsteller geben alles, und das ist ausreichend. Der Kinder-Nervpegel schlug bei mir so gut wie gar nicht aus. Man muss sich aber mit dem teilweise bizarren Humor zurechtfinden. Aber man hat es hier auch mit sowjetischem Kino zu tun, und da gibt es eine andere Mentalität, eine andere Handschrift und ein großes Verständnis für Kreativität und Wissenschaft. 

    START ZUR KASSIOPEIA und ROBOTER IM STERNBILD KASSIOPEIA sind zwei intelligente, einfallsreiche Sciencefiction-Filme, die sich zwar an ein jüngeres Publikum orientieren, aber auch jedem aufgeschlossenem, erwachsenen Freund des Genres zu empfehlen sind. 

    (Bjoern Candidus)

  • A Candle for the Devil, 1973 – ★★★½

    A Candle for the Devil, 1973 – ★★★½

    DIE SAAT DER ANGST
    (UNA VELA PARA EL DIABOLO, Spanien, 1973, Regie: Eugenio Martin) 

    Die beiden Schwestern Marta und Veronica, die in einem spanischen Bergdorf ein Hotel führen, fühlen sich dazu berufen leichtbekleidete, triebgesteuerte und unmoralische Frauen im Namen des Herrn zu bestrafen bzw. ihnen das Licht auszublasen. Ihre Mordserie, die mit einem Unfall begann, den Marta als Zeichen Gottes deutete, wird zur Lebensaufgabe und kompromisslos ausgearbeitet. Dann taucht plötzlich Laura auf, die sich mit ihre Schwester in dem Hotel treffen will. Als diese von den beiden Schwestern erfährt, dass sie bereits abgereist sei, stellt sie Nachforschungen an. 

    Erzkatholische Einstellungen und Franco Regime (1938-1975, ab 1978 ein demokratischer Rechtsstaat) vs. Freizügigkeit in Spanien der 1970er-Jahre. Regisseur Eugenio Martin (HORROR EXPRESS, 1972) kredenzt hier einen kräftigen, gut besetzten Thriller und ein passendes Zeitdokument in einem. Wer Dunkelheit, wehende Vorhänge, Gewitter und Friedhofstimmung erwartet, der wird enttäuscht, denn der Schrecken wird von Sonnenstrahlen und Urlaubsstimmung getarnt, was stark an Narciso Ibáñez Serradors EIN KIND ZU TÖTEN (1976) erinnert. Aber auch CANNIBAL MAN (1972) von Eloy de la Iglesia, in dem es ebenfalls um Morde und Zerstückelungen geht. Im Gegensatz zum Kino von Paul Naschy und Amando de Ossorio, welches zur gleichen Zeit aktiv war, bieten die Herren Martin, Serrador und de la Iglesia mehr Realismus, gesellschaftskritische Töne und einen direkteren Umgang mit Gewalt. Und so tauchten neben Werwölfen, Vampiren und reitenden Leichen auch Psychopathen, religiös verblendete Frauen und mörderische Kinder auf der Leinwand auf. 

    Das Unverständnis und die Abneigung der alten Generation gegenüber der jüngeren ist nichts Neues und erlebt jede Generation aufs Neue. Die sexuelle Freizügigkeit der 70er-Jahre war da natürlich ein gewaltiger Dorn im Auge der Konservativen und Rechten. Der Brite Pete Walker bringt das Thema in HAUS DER PEITSCHEN (1974) hervorragend auf den Punkt. Ganz so alt wie die Herrschaften dort, sind die beiden Damen hier allerdings nicht. Marta wird sehr gut von Aurora Bautista (DER SATAN OHNE GESICHT, 1969) dargestellt, Esperanza Roy, die ihre jüngere Schwester Veronica spielt, hinterlässt einen besseren Eindruck als in DIE RÜCKKEHR DER REITENDEN LEICHEN (1973). Das Gespann funktioniert und sorgt auch untereinander für Spannungen. In Sachen Gewalt nimmt sich Martin nicht zurück. Er ufert nicht aus, aber es gibt ein paar blutige Axthiebe und einen zerstückelten Leichnam in einem Fass, dessen einer Augapfel auf dem Teller einer Frau landet. 

    Man kann über den sehr konstruierten Auslöser für das mörderische Handeln der beiden Damen streiten, was sie untereinander sogar selber tun. Er dient als Mittel zum Zweck, um das einerseits horroraffine Publikum zu befriedigen und andererseits eine Kritik loszuwerden. 

    Mit DIE SAAT DER ANGST hat Eugenio Martin ein garstigen, gut besetzten und kurzweiligen Horror-Thriller geschaffen, der zeigt, wie facettenreichen das spanische Genre-Kino jener Tag war. 

    (Bjoern Candidus)

  • Maigret at the Pigalle, 1966 – ★★★

    Maigret at the Pigalle, 1966 – ★★★

    MAIGRET UND DER WÜRGER VON MONTMARTRE
    (MAIGRET À PIGALLE, Frankreich, Italien, 1966, Regie: Mario Landi)

    Eine Nachtclub-Tänzerin berichtet auf dem Polizeirevier von einem geplanten Mord an einer Gräfin. da die Dame besoffen ist, sollte sie ihren Rausch auf dem Revier ausschlafen. Am anderen Morgen widerruft sie ihre Aussage und wird vor die Tür gesetzt. Kurze Zeit später wird sie ermordet aufgefunden. Inspektor Lognon bittet seinen Kollegen Maigret in diesem rätselhaften Fall um Hilfe.

    Mario Landi (PATRICK LEBT, 1980) hat hier einen soliden Kriminalfilm geschaffen, der auf einem Roman von Autor Georges Simenon basiert. Gino Cervi übernimmt die Rolle des berühmten Kommissar Maigret. Für Landi hat Cervi auch in der TV-Serie LE INCHIESTE DEL COMMISSARIO MAIGRET fungiert. 

    Nach einer wunderschönen Titel-Sequenz, die das Pariser Nachtleben mit einem tollen Score von Armando Trovajoli zeigt, gleitet der Film in typische Krimigefilde mit einem charismatischen, etwas grummeligen Kommissar Maigret. 

    Handwerklich ist hier alles im grünen Bereich. Es mangelt zwar etwas an Spannung, aber der Ausgleich kommt durch die sympathische 60er-Jahre-Atmosphäre, den netten Ansichten von Paris und den charmanten Figuren, die durchaus annehmbaren Humor mitbringen. Neben Gino Cervi haben wir noch Raymond Pellegrin (DIE NACKTE UND DER KARDINAL, 1969) und 
    Lila Kedrova (DER MIETER, 1976), über die ich mich am meisten gefreut habe. 

    Inhaltlich bietet MAIGRET UND DER WÜRGER VON MONTMARTRE solide Krimi-Kost in schönem Gewand, was auch Giallo-Freunden gefallen dürfte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Stateline Motel, 1973 – ★★★★

    Stateline Motel, 1973 – ★★★★

    DIE DIAMANTENPUPPE 
    (L’ULTIMA CHANCE, Italien, 1973, Regie: Maurizio Lucidi)

    Floyd wird aus einem kanadischen Gefängnis entlassen. Nach seiner Entlassung hat er 48 Stunden Zeit, Kanada zu verlassen. Das hat er auch vor, aber nicht ohne mit seinem Kollegen Joe vorher einen Juwelier zu überfallen. Bei dem Überfall tötet Joe einen Zeugen. Vorübergehend trennen sich die beiden. Ihr Plan steht: in zwei Tagen soll es über die Grenze gehen. Dann hat Floyd ein Problem mit seinem Auto. Er checkt in einem Motel ein, was von Fred und Michelle Nolton geführt wird. Als von dem Überfall im Fernsehen berichtet wird, ahnt Fred langsam, wen er da aufgenommen hat, während sich seine Frau Hals über Kopf in Floyd verguckt und die Chance wittert endlich Kanada zu verlassen. Nachdem Floyd mit Michelle in der Kiste gelandet ist, sind die Diamanten verschwunden, und dann kündigt sich Killer Joe an…

    Regisseur Maurizio Lucidi (DER TODESENGEL, 1971) hat hier ein packendes Italo-Krimi-Drama gezimmert, was sich vor allem durch das Kanada-Setting deutlich abhebt. Auch die beliebte Schmierigkeit vieler italienischer Produktionen mit ähnlichen Inhalten ist hier kaum zu finden. In dem Punkt ist der Film schon mal eine erfrischende Abwechslung. Ein weiteres Argument sind die Darsteller. Etwas zu kurz geraten ist leider der große Eli Wallach als Joe, der am Anfang und am Ende seine Ausstrahlung zeigen darf. Aber dafür bekommt man sehr viel Fabio Testi als Floyd mit Problemen. Carlo De Mejo ist ebenfalls an Bord, aber ohne Bart und Lockenkopf kaum zu identifizieren. Die weiblichen Parts werden gleich mit zwei Bond-Schönheiten beseelt: Ursula Andress und Barbara Bach. Andress macht sich wirklich gut als verzweifelte Michelle, die zwischen den Stühlen steht, während Barbara Bach als Nichte von Michelle eher in den Hintergrund rückt. Aber auch die kommt zum Zug in der Geschichte. Und so konzentriert sich der Film auch in erster Linie auf die Figuren und setzt nicht auf Schauwerte wie Action oder explizite Gewaltdarstellungen. Sowohl die Fotografie von Gábor Pogány als auch der Score von Luis Enriquez Bacalov veredeln die Inszenierung. Die kanadische Landschaft, die teilweise mit Schnee bedeckt ist, verbreitet ein zusätzliches Gefühl von Schwere. 

    Verdorbene und verzweifelte Figuren, das ewige Spiel mit der Gier nach Reichtum und ein deprimierender Blick auf Kanada machen DIE DIAMANTENPUPPE zu einem wahren Italo-Ausreißer, der nicht zu verachten ist. 

    (Bjoern Candidus)

  • Assassination on the Tiber, 1979 – ★★★½

    Assassination on the Tiber, 1979 – ★★★½

    DER SUPERBULLE JAGT DEN RIPPER (ASSASSINIO SUL TEVERE, Italien, 1979, Regie: Bruno Corbucci)

    Während eines Treffens korrupter Geschäftsleute, fällt kurz der Strom aus. Zeit genug, um einen der Anwesenden zu töten. Doch wer von den Herrschaften hat diesen Mord verübt, oder hat sich jemand fremdes hereingeschlichen? Die Antwort soll Superbulle Giraldi liefern, der sich dafür in ein weiteres Abenteuer stürzt. 

    Der fünfte Beitrag der spritzigen Filmreihe von Bruno Corbucci, der Tomás Milián erneut als Nico Giraldi auf Verbrecherjagd schickt, gehört zu den ausgeglichensten Teilen der Serie, wie ich finde. Alle Zutaten der bisherigen (und kommenden) Filme sind hier zu finden. Verfolgungsjagden, Prügeleien, trottelige Polizisten, schmierige Gangster und Sprüche jenseits von Gut und Böse reihen sich ein, werden aber nur selten bis zur Lächerlichkeit getrieben, wie es der ein oder andere Beitrag der Reihe eher geschafft hat. Der Rhythmus ist gut, und bis auf die groteske Musikfestival-Disco-Playback-Nummer von Milián im roten Pailletten-Anzug, hält man sich kaum irgendwo lange auf. Die vielen unterschiedlichen Sets machen Spaß und sorgen dafür, dass man auch abseits der Handlung etwas zu sehen bekommt. Gleiches gilt für die Besetzung. Neben dem einzigartigen Tomás Milián ist auch wieder der Volltrottel Bombolo am Start, der wieder einige Backpfeifen einstecken muss, Nello Pazzafini darf seine Nase kurz ins Bild schieben, und der weibliche Part wird vor allem von Roberta Manfredi ausgefüllt. 

    Schräge Figuren, eigenwillige Verhöre, fliegende Fäuste… DER SUPERBULLE JAGT DEN RIPPER ist eine temporeiche Action-Krimi-Komödie, bei der schlechte Laune keine Zeit hat. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Mutilator, 1984 – ★★★

    The Mutilator, 1984 – ★★★

    THE MUTILATOR*
    (USA, 1984, Regie: Buddy Cooper)

    Um seinem Vater eine Freude zu machen, reinigt der kleine Ed sein Gewehr. Dabei löst sich ein Schuss, der die Mutter in die ewigen Jagdgründe befördert. 
    Zehn Jahre später. Ed wird von seinem Vater gebeten, das Haus am Meer auf Vordermann zu bringen. Er beschließt, seine Freunde mitzunehmen, um die Herbstferien in guter Gesellschaft zu verbringen. Doch schnell wird aus dem Spaß blutiger Ernst, denn ein Killer hat sich in dem Strandhaus eingeschlichen.

    Willkommen in der kleinen Welt von Buddy Cooper. Coopers Filmografie besteht im Grunde nur aus diesem Film, den er selbst produziert und bei dem er selbst Regie geführt hat und aus der Fortsetzung MUTILATOR 2, die 39 Jahre später entstanden ist, zu der ich allerdings noch nichts sagen kann. 

    Die Story ist unglaublich simpel und wurde 1984 schon zur genüge vorgesetzt, schließlich verebbte die Slasher-Welle langsam oder wurde mit A NIGHTMARE ON ELM STREET (1984) zu neuen Höhen gebracht. Die Darsteller, von denen zumindest Matt Mitler (BASKET CASE 2, 1990) noch im späteren Genregeschehen zu sehen war, sind austauschbar, einfältig und frei von Charisma, also wie in gefühlt jedem zweiten Slasher. Aber das ist erwartbar und völlig okay, denn schließlich dienen sie als Schlachtvieh, und diesen Punkt erfüllen sie sehr konsequent. In Sachen grafischer Gewalt kann ein Jason Voorhees die Koffer packen, wenn der Killer dieses Films an die Arbeit geht. Cooper schöpft aus dem Vollen. Eine Schiffsschraube, eine Machete, eine Mistgabel, eine Axt und vieles weitere kommt zum Einsatz, um Körper blutig zu schänden. Handwerklich kann sich das wirklich sehen lassen. Auf diesem Weg vergisst man auch schnell die eintönige Geschichte mit den eintönigen Figuren, die ja ohnehin im Laufe der Spielzeit weniger werden. Lobenswert ist auch das Strand-Setting und die Atmosphäre, die dadurch entsteht. Das Strandhaus ist schön eingefangen, und die Nähe zum Meer ist eine Seltenheit im Slasher-Kino. Für eine 450.000-Dollar-Produktion sieht Coopers Film solide genug aus, um zumindest visuell nicht ganz so baden zu gehen wie inhaltlich. 

    Wirkliche Reize, bis auf die sehr harten Gore-Szenen, hat THE MUTILATOR eigentlich nicht zu bieten. Inhaltlich ist diese Independent-Produktion nicht simpler gestrickt als viele ihrer großen Vorbilder, hinter den nicht selten große Studios steckten. Dennoch ist der Film unterhaltsam und kann dem Freund des Slasher-Kinos empfohlen werden. 

    (Bjoern Candidus)

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Humongous, 1982 – ★★★

    Humongous, 1982 – ★★★

    HUMONGOUS
    (Kanada, 1982, Regie: Paul Lynch)

    Am Labor Day im Jahre 1946 wird eine junge Frau von einem Fremden vergewaltigt, der daraufhin von Hunden attackiert wird. Die Frau erledigten Rest und tötet den Mann. 36 Jahre später: Vier junge Leute haben mit ihrer Yacht einen Unfall und retten sich auf eine Insel namens Dog Island. Doch statt Hunde wartet ein monströses Etwas auf der Insel. 

    Paul Lynch, der mich mit seinem Slasher PROM NIGHT (1980) nie so richtig überzeugen konnte, erweckte hier mehr Interesse bei mir. Obwohl der Film sehr langatmig inszeniert wurde, ist er durchweg düster und atmosphärisch. Die verlasse, reich bewaldete Insel erweckt Erinnerungen an Backwood-Filme wie RITUALS (1977) und VOR MORGENGRAUEN (1981). Nach der Vergewaltigungsszene, direkt zu Beginn des Films, die sehr hart und ausführlich inszeniert wurde, lässt sich Lynch viel Zeit, um den Gore-Freund zu bedienen. In dem Bereich sollte man allerdings nicht viel erwarten. Wenn es mal zur Sache geht, geht es recht schnell, und leider gehen die Kills etwas in der Dunkelheit der Bilder unter. Dennoch ist HUMONGOUS sehr grob, was auch zu seinem Monster passt. Der Killer ist ein degenerierter Koloss der Gattung Jason Voorhees, Madman Marz, dem Man-Eater oder Victor Crowley, der nicht bis drei zählen kann, aber stark ist. 

    Mit den mir unbekannten Darstellern bekommt man das übliche Kanonenfutter serviert. Aber diese Damen und Herren sind sympathischer als viele ihre Kollegen und Kolleginnen im US-Slasher. Überhaupt zeichnet sich hier mal wieder sehr gut das kanadische Horror-Kino ab, was oft etwas düsterer und gröber daherkommt. 

    Dass der Film letztlich mit keiner großen Innovationen aufwartet, dürfte fast klar sein, aber im Rahmen dessen, was HUMONGOUS ist, braucht er sich nicht verstecken. Ein bisschen mehr Schwung und ein Quäntchen mehr Blut und Gekröse hätte der Inszenierung allerdings gutgetan. 

    (Bjoern Candidus)

  • Bell from Hell, 1973 – ★★★★

    Bell from Hell, 1973 – ★★★★

    EIN TOTER LACHT ALS LETZTER
    (LA CAMPANA DEL INFIERNO, Frankreich, Spanien, 1973, Regie: Claudio Guerin Hill, Juan Antonio Bardem)

    Nachdem Juan wegen guter Führung auf Probe aus einer psychiatrischen Einrichtung entlassen wird, startet er seinen Racheplan. Als seine wohlhabende Mutter verstarb, wuchs er bei seiner Tante und Cousinen auf, die ihn für unzurechnungsfähigkeit erklärten, nachdem er sein Wohl bei Prostituierten und im Drogenkonsum fand. Sie ließen ihn einweisen. Das hatte zur Folge, dass seine Tante über das Vermögen von Juan verfügte, bis er für gesund erklärt wird. Und das will Juan nicht auf sich sitzen lassen. 

    Mit EIN TOTER LACHT ALS LETZTER hat der nur 34-jährige Spanier Claudio Guerin Hill seinen letzten Film abgeliefert. Am letzten Drehtag fiel er vom Glockenturm, der am Ende des Films eine wichtige Rolle spielt, und starb an seinen Verletzungen. Ob es ein tragischer Unfall oder ein Selbstmord war, konnte nie herausgefunden werden, aber das tragische Ereignis hängt wie eine schwarze Wolke über der Inszenierung, die in der Postproduktion von Juan Antonio Bardem fertiggestellt wurde. Der Originaltitel, der wörtlich im Deutschen „Die Glocke der Hölle“ heißen würde, erscheint fast wie eine bittere Vorahnung. 

    EIN TOTER LACHT ALS LETZTER ist ein durch und durch garstiger Erbschafts-Psycho-Thriller, der mit tollen Schauspielern, einer packenden, beklemmenden Atmosphäre und einigen derben und schwarzhumorigen Einlagen daherkommt. Auch wenn es sich um eine französisch-spanische Koproduktion handelt, dominiert das Spanische, wobei man es stilistisch auch mit einem italienischen Giallo zu tun haben könnte. Gedreht wurde an der Küste von Galicien, während die Innenaufnahmen in den Estudios Roma in Madrid stattgefunden haben. Es gibt nicht nur imposante Aufnahmen des wilden Meeres, sondern auch sehr atmosphärische Momente in einem herbstlichen Wald, der die unheimliche Stimmung verstärkt. Erdige Farben bestimmen die oft verspielten Bilder, die wunderbar von Manuel Rojas fotografiert wurden. Das Familienanwesen an den Klippen erweckt Erinnerungen an das Gothic-Horrorkino, das Erbschafts-Thema bedient das klassische Krimi-Muster, während sich der Rest sehr modern anfühlt. Bekommt man gerade noch einen von Juans bösartigen Späßen zu sehen, sieht man ihn im nächsten Augenblick in einem Schlachthaus arbeiten. Wer echte Schlachthaus-Szenen nicht erträgt, sollte hier auf jeden Fall vorgewarnt sein. Dabei handelt es sich nicht um Archivmaterial, sondern um extra mit dem Darsteller gedrehte Szenen. Im späteren Verlauf gibt es ähnliche Momente, aber mit Menschen statt mit Rindern, die ein bisschen ein TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) vorwegnehmen.    

    Während die Erbschaft und das damit verbundene Vermögen eher nebensächlich ist, konzentriert sich das Geschehen auf Juans Hass auf seine Tante und seine drei Cousinen, die ihn in die Psychiatrie gebracht haben. Renaud Verley (DIE VERDAMMTEN, 1969) als Juan ist eine hervorragende Wahl gewesen. Er spielt den psychopathischen Schönling mit Hang zum schwarzen Humor und Sadismus sehr überzeugend. Seine Tante Marta wird von Viveca Lindfors dargestellt, die sich als Tante Bedelia in CREEPSHOW (1982) verewigt hat. 

    EIN TOTER LACHT ALS LETZTER ist ein kleiner Edelstein mit vielen Facetten, der leider immer übersehen wird. Freunde von Psycho-Thrillern sei dieser Film wärmstens empfohlen.

    (Bjoern Candidus)

  • 84. Die Rückkehr der reitenden Leichen (1973)

    84. Die Rückkehr der reitenden Leichen (1973)

    DIE RÜCKKEHR DER REITENDEN LEICHEN

    (EL ATAQUE DE LOS MUERTOS SIN OJOS)

    Italien, 1973

    Regie: Amando de Ossorio

    Bjoern Candidus und Patrick Siebold sprechen über Amando de Ossorios DIE RÜCKKEHR DER REITENDEN LEICHEN, dem zweiten Teil der Saga, in dem diesmal ein ganzes Dorf terrorisiert wird.

    Außerdem machen die Beiden einen Abstecher in die Welt der „Gespenster Geschichten“ aus dem Bastei-Verlag, wo die reitenden Leichen in Oberbayern anzutreffen sind.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1