Autor: marco-fritz

  • They Nest, 2000 – ★★★

    They Nest, 2000 – ★★★

    THEY NEST 
    (USA, 2000, Regie: Ellory Elkayem)

    Als der Chirurg Benjamin Cahill die kleine Insel Casco Bay, Maine, besucht, um sich dort um sein Haus und sein Alkoholproblem zu kümmern, gerät er in ganz andere Schwierigkeiten, die bald zum Problem der ganzen Insel werden. Gefräßige Kakerlaken haben sich dort angesiedelt, die vor allem ein Lebewesen besonders gerne auf dem Speiseplan haben: Menschen. Und so beginnt ein Kampf ums überleben, bei dem Cahill tatkräftige Unterstützung von der schönen Nell bekommt. 

    Dass hier unter dem Strich kein Fest der Innovationen gefeiert wird, kann sich der Genrekenner vermutlich schon denken. Regisseur Ellory Elkayem (ARAC ATTACK, 2002) ist aber dennoch ein solider Tier-Horrorfilm gelungen, der stark in der Tradition von MÖRDERSPINNEN (1977) steht, aber auch ein bisschen AKTE X – Feeling schwingt mit, was vermutlich am Jahrgang und dem TV-Seriencharakter liegt, der hier deutlich durchschimmert, aber es ist ja auch eine Fernsehproduktion. Für TV-Verhältnisse geht es hier teilweise gar nicht zimperlich zu; der Blut- und vor allem Ekel-Sektor wird gut bedient. Das passiert gnädigerweise vor allem mittels praktischer Effekte und mit Hilfe von echten Schaben. Von CGI-Verschmutzungen bleibt man hier zwar nicht ganz verschon, aber die sind selten und nur kurz. Überzeugen konnte mich vor allem die Atmosphäre, die durch das waldige und verregnete Insel-Setting mit ihren drahtbürstigen Bewohnern heraufbeschworen wird. Das Gefühl einer Serie wird nochmals verstärkt, wirft man einen Blick auf die Darsteller. Thomas Calabro (als Dr. Ben Cahill) kennt man vor allem aus der Serie MELROSE PLACE. An seiner Seite steht Kristen Dalton, (als Nell) die z.B. eine längere Rolle in der DEAD ZONE – Serie hat. Am bekanntesten dürfte hier aber Dean Stockwell (als Sheriff Hobbs) sein. 

    THEY NEST ist ein angenehmer Tier-Horrorfilm mit bekannten Zutaten. Der langsame Aufbau bringt ein gutes Maß an Spannung mit, auch wenn es hier keine großen Überraschungen gibt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Barn of the Naked Dead, 1974 – ★★½

    Barn of the Naked Dead, 1974 – ★★½

    CAGED WOMEN II – GEPEINIGT UND GEQUÄLT
    (THE BARN OF THE NAKED DEAD, USA, 1973, Regie: Alan Rudolph)

    Der wahnsinnige Andre hält sich in seiner Farm entführte Frauen, die er für einen Menschenzirkus abrichten will. Also drei Showgirls entführt, begibt sich ihr Manager auf die Suche nach ihnen. Doch die Zeit wird knapp, die groß Zirkusnummer steht kurz vor ihrer Premiere. 

    Wenn einem im Rahmen von Horrorfilmen karge, sonnige, abgeschiedene Landstriche mit Farmen, Ranchen und heruntergekommen Tankstellen begegnen, lässt einen das meistens an TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) erinnern. Doch vorher gab es Filme wie PIGS (1973) oder eben CAGED WOMEN II von Alan Rudolph, die sich bereits in diesen Gefilden gesuhlt haben. Und so startet der Film mit einer Szene auf einem Highway, der vor Hitze flimmert. Dort stehen zwei Tramperinnen, die von einem Mann in einem Jeep mit ins Verderben genommen werden. Als nächstes bekommt man eine heruntergekommene Tankstelle präsentiert. Aber keine Angst, man ist hier nicht in Texas, sondern in Kalifornien. Auch spätere Schauplätze, wie die Farm und die Räume, die der wahnsinnige Andre bewohnt, deuten bereits den Schrecken an, den Hooper kurz darauf perfektionierte und alle ähnlich gelagerten Filme unter sich begrub. 

    CAGED WOMEN II, der nur in Deutschland diesen irreführenden Titel bekommen hat, zeichnet sich durch eine ordentliche Fotografie aus, bedenkt man, dass es es sich hier um einen günstigen Exploitation-Film handelt. Besonders am Anfang gibt es sehr schöne Bilder vom Highway im Dämmerlicht. Insgesamt ist der Look schön dreckig und versprüht zu jeder Sekunde den Charme des Grindhouse-Kinos. 

    Rulophs Inszenierung startet vielversprechend, und die Idee von einem Menschenzirkus bestehend aus gefolterten und abgerichteten Frauen, kann verlocken. Gerade Frauengefängnisfilme (WIP) waren ein großes Thema zu dieser Zeit, besonders im europäischen Exploitation-Kino. Hier werden die Themen mit dem üblichen Psychopathen mit Mutter-Komplex, Kidnapping, Folter und Zirkus verknüpft, was auf dem Papier leider besser funktioniert. Die vielen Damen, die sich hier versammeln, dienen lediglich als Dekoration, damit was da ist, was man foltern und erniedrigen kann. Die meiste Aufmerksamkeit bekommt Andrew Prine als Andre, der sich immer zwischen annehmbar und lächerlich bewegt. Ursprünglich war Henry Silva für die Rolle im Gespräch, und es ist bedauerlich, dass daraus nichts wurde. Ansonsten gibt es noch den Manager der drei Damen, die hier vermisst werden und einen Polizisten, der als helfende Hand zur Seite steht. Da die Erwartungshaltung in solchen Produktionen ansprechende Schauspieler zu bekommen, ohnehin sehr gering ist, fällt die Besetzung nicht weiter ins Gewicht, da man ja andere Schauwerte hat. Von Schauwerten möchte ich allerdings auch nicht sprechen, dennoch hat mich der Film größtenteils unterhalten. Die ein oder anderen Hänger werden mit einem saftigen Finale wieder gutgemacht. Am meisten funktioniert allerdings die Atmosphäre, die schmierige und schwitzige Patina, die über den Bildern liegt und zusätzlich mit einem dissonanten Score von Tommy Vig verstört wird. 

    CAGED WOMEN II – GEPEINIGT UND GEQUÄLT ist alles andere als ein packender Terrorfilm, obwohl die Anlagen vorhanden sind. Als kurzweiliger Horrorfilm mit geschundenen Frauen kann er aber durchaus unterhalten. 

    (Bjoern Candidus)

  • Next of Kin, 1982 – ★★★★

    Next of Kin, 1982 – ★★★★

    MONTCLARE – ERBE DES GRAUENS
    (NEXT OF KIN, Australien, Neuseeland, 1982, Regie: Tony Williams)

    Nach dem Tod ihrer Mutter übernimmt Tochter Linda die Seniorenresidenz Montclare. Ihre anfängliche Skepsis verschwindet, bis sie sich von einer unheimlichen Gestalt verfolgt fühlt. Ihr Ängste nehmen zu, und die Schatten, die über Montclare liegen verdichten sich. 

    Die australisch-neuseeländische Koproduktion, die unter der Regie des Neuseeländers Tony Williams hat hier einen spannenden Horror-Thriller abgeliefert, der vor allem durch seine visuelle Seite und seiner schleichenden Inszenierung punkten kann. Über den Inhalt und den Verlauf des Films werfe ich den Mantel des Schweigens, denn ich möchte nicht zu viel verraten. Wer aber Gefallen an Filme wie LANDHAUS DER TOTEN SEELEN (1976), SUSPIRIA (1976), DIE NACHT DES TODES! (1980) oder SHINING (1980) findet, ist hier richtig. 

    Nachdem einen der Film mit lichtdurchfluteten Bildern der australischen Natur begrüßt, bekommt man kurze Zeit später eher einen britischen Vibe zu spüren. Der wird vor allem durch das Setting, eine alte Villa, die als Altersresidenz fungiert, ausgelöst. Außerdem weicht das schöne Wetter einem Unwetter. Es herrscht Gruselstimmung. Hier kann man sich von einer tollen Fotografie (tolle Kamerafahren und Perspektiven) von Gary Hansen überzeugen lassen, an die sich der hervorragende Electro-Score von Klaus Schulze (TANGERINE DREAM) haftet, der die Inszenierung fast zum schweben bringt. Aber nicht nur eine sehr dichte Atmosphäre wird hier erzeugt, sondern auch ein paar wirklich verstörende und Harte Momente, die ich so nicht erwartet hätte. Besonders im letzten Drittel dreht die Inszenierung richtig auf. Auch die Besetzung kann sich sehen lassen. Die mir unbekannte Jacki Kerin macht spielt sehr gut und bringt die nötige Sympathie mit. John Jarratt (WOLF CREEK, 2005) bleibt hingegen etwas auf der Strecke, doch der Ausgleich kommt mit den schrulligen Herrschaften, die auf Montclare residieren. 

    MONTCLARE – ERBE DES GRAUENS ist ein starker Horror-Thriller, der zu unrecht unter dem Radar läuft. Ein weiteres Argument für das Ozploitation-Kino. 

    (Bjoern Candidus)

  • Tremors, 1990 – ★★★★

    Tremors, 1990 – ★★★★

    IM LAND DER RAKETENWÜRMER
    (TREMORS, 1990, Regie: Ron Underwood)

    Die Umgebung des Wüstenstädtchens Perfection Valley, in dem nur eine Handvoll Menschen leben, wird von riesigen Würmern terrorisiert, die sich unterirdisch ihren Opfern nähern. Eine Gruppe Menschen stellt sich der Gefahr und rüstet sich zum Kampf gegen die Raketenwürmer. 

    Gut 34 Jahre hat Ron Underwoods Monsterfilm nun schon auf dem Buckel, und ich erinnere mich noch gut an die RTL-TV-Premiere (vermutlich 1993), die brav aufgenommen wurde, damit ich den Film immer wieder gucken konnte, besonders gern im Sommer. 

    Gewürm in der Wüste war in den 80er-Jahren durch DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER (1983) und DER WÜSTENPLANET (1984) durchaus im Kino vertreten, aber um 1990 war das Riesenmonster-Thema nicht mehr unbedingt populär, und so verstehe ich den Film mehr als eine Hommage an das 50er-Jahre-Monsterkino mit den Gepflogenheiten der 80er-Jahre. 
    Durch das Wüsten-Western-Setting entsteht ohnehin eine gewisse zeitliche Neutralität, die ein genaues Jahrzehnt erst mal kaschiert. Es sind dann mehr die Figuren und ihr Verhalten, was das Jahrzehnt verrät. Mit Kevin Bacon als Valentine McKee im Cowboylook mit Hut und ganz in Jeans gekleidet und Fred Ward als sein Kollege Earl Bassett hat man voll ins Schwarze getroffen. Gleiches gilt für Michael Gross als Waffennarr Burt Gummer und Reba McEntire als seine Frau Heather Gummer. Finn Carter ist als Seismologin Rhonda LeBeck am Start und Victor Wong als Ladenbesitzer Walter Chang. Die Besetzung ist rundum sympathisch und die Figuren machen Spaß. Auch wenn mir der Wortwitz stellenweise etwas zu viel war, ist die humorvolle Seite des Films im großen Ganzen durchaus gelungen. Die tollen Monster-Effekte und die teils blutigen Momente mit Fun-Splatter-Anleihen sind aber die wahren Highlights der Produktion. Hier hat man es mit sehr ansehnlichen Creature-Effects zutun, die für das Genre jener Tage beachtlich sind.
    Es gibt einige wirkungsvolle Attacken, und die Tatsache, dass die Gefahr lange Zeit nicht sichtbar ist, ähnlich wie bei DER WEISSE HAI, erhöht die Spannung. Was das Meer für den Hai ist, ist der Sand für den Wurm. Die Gefahr, die sich hier nähert, ist allerdings spürbar, da der Boden bebt, wenn sich ein Wurm nähert. 

    Neben der tollen Landschaft von Lone Pine im sonnigen Kalifornien mit den Bergen der Sierra Nevada im Hintergrund, hält man sich entweder im Bunker von den Gummers auf oder ist in dem winzigen Nest Perfection und sitzt im Gemischtwarenladen von Chang herum, wo es später auch zu einer bekannten Belagerungsszene kommt. In erster Linie ist man aber hier unter freiem Himmel, was dem Film gut tut und zusätzlich Erinnerungen an FORMICULA (1954) und TARANTULA (1955) aufkommen lässt. 

    Da die Produzenten wenig begeistert von dem Score von Ernest Troost waren, was ich in diesem Fall gut verstehen kann, musste Robert Folk einspringen, der aber nur wenig Zeit hatte. Das führte dazu, dass die erste Hälfte immer noch den Score von Troost und die zweite den von Folk hat, was kaum zu überhören ist. 

    IM LAND DER RAKETENWÜRMER ist ein energiegeladener Monsterfilm mit sehr starken Effekten und einer passenden Besetzung, der bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat. 

    Nach den ersten beiden Fortsetzungen, die mir beide überhaupt nicht gefallen haben, war ich raus aus dem Franchise, was bis heute aktiv ist.

    (Bjoern Candidus)

  • Riot in a Women’s Prison, 1974 – ★★★★

    Riot in a Women’s Prison, 1974 – ★★★★

    FRAUEN IM ZUCHTHAUS 
    (PRIGIONE DI DONNE, Italien, 1974, Regie: Brunello Rondi) 

    Martine, eine Archäologiestudentin aus Frankreich, wird während ihres Urlaubs in Norditalien verhaftet. Während einer Razzia unter Hippies steckt ihr jemand ein Briefchen mit Heroin zu. Da die Polizei und der Untersuchungsrichter davon ausgehen, dass das Heroin ihr gehört, wird sie verurteilt und kommt unschuldig hinter Gitter. Der Alltag in dem Frauengefängnis ist schwer und lastet auf Martine, doch sie wird schnell von ihren Zellengenossinen aufgenommen, die gerne die Gesetze der Wärterinnen und Nonnen brechen. Dann planen sie eine Meuterei. 

    Trotz seiner prekären Ausgangssituation und dem niederschmetternden Justizapparat, der es auf einfache Art zulässt, dass unschuldige Menschen von Gerichten verurteilt werden, entwickelt sich Brunello Rondis Frauengefängnis-Film zu einem eher leichtfüßigen Exploitation-Drama mit ein bisschen Sex, Gewalt, schönen und weniger schönen Frauen. Martine Brochard (LABYRINTH DES SCHRECKENS, 1975) ist als unschuldige Martine dabei. Sie wirkt etwas sonderbar, leicht abwesend, aber das erkläre ich mir mit der Situation ihrer Rolle. Mehr Power kommt von ihren Zellenfreundinnen. Besonders Marilù Tolo (DIE HALUNKEN, 1973) als Susan bringt hier ziemlich Feuer rein. Für die widerliche Mutter Oberin konnte man Maria Cumani Quasimodo (NOSFERATU IN VENEDIG, 1988) gewinnen. 

    Neben der ein oder anderen Bestrafung und den unangenehmen Einblicken in ein italienisches Frauengefängnis in den 1970er-Jahren unter der Leitung von Nonnen, liegt Rondis Fokus auf den Damen und ihren Gefühlen. Obwohl reichlich zuschauerwirksame Momente vorhanden sind, wie die grausame Tötung eines Hundes (Keine Angst, kein Tiersnuff), hält Rondi dennoch genug Kritik parat. Schon das Verhör von Martine durch ihren vom Staat gestellten Anwalt vor dem Untersuchungsrichter, bei der ihr nahegelegt wird, ihre Schuld zu gestehen und den Namen des Heroin-Dealers zu nennen, den sie gar nicht kennen kann, ist zutiefst unangenehm, ähnlich wie die besonders schlechte Behandlung politisch aktiver Gefangener. Hier ist man als Mensch nichts wert, gibt Susan Martine gleich mit auf den Weg. 

    FRAUEN IM ZUCHTHAUS ist rein visuell nur wenig einladend, was vor allem am Schauplatz liegt, denn ein Gefängnis ist nunmal nicht schön. Eine beklemmende Atmosphäre wird so schon von alleine aufgebaut, doch die kann Rondi mit der Energie der Darstellerinnen immer wieder abwehren, so dass der Film nie in Schwermut und Verzweiflung ertrinkt. 

    FRAUEN IM ZUCHTHAUS ist ein reich gefüllter und kurzweiliger WIP-Film mit einer starken Besetzung. 

    (Bjoern Candidus)

  • Dracula vs. Frankenstein, 1971 – ★★★

    Dracula vs. Frankenstein, 1971 – ★★★

    DRACULAS BLUTHOCHZEIT MIT FRANKENSTEIN
    (DRACULA VS. FRANKENSTEIN, USA, 1971, Regie: Al Adamson)

    Dr. Durea, ein Nachfahre von Dr. Frankenstein, experimentiert, versteckt in einem Gruselkabinett eines Vergnügungsparks, an jungen Damen. Er sucht nach einer Möglichkeit, seine Lähmung, die ihn an einen Rollstuhl fesselt, rückgängig zu machen. 
    Als eine junge Dame verschwindet, machen sich ihre Schwester und ihre Freunde auf die Suche nach ihr, die sie zu Dr. Durea führt. Doch nicht nur das junge Volk steht auf der Matte, sondern auch Graf Dracula, der ebenfalls ein Anliegen hat. 

    Biker, Gangster, Vampire, Außerirdische, Revolverhelden… Al Adamsons Filmografie hat einiges zu bieten, um Abwechslung ins Leben zu bringen. Dabei mangelt es stets am Budget, aber das macht bekanntlich nur erfinderisch. Und so wirkt dieser Film wie ein zusammengekehrter Haufen von geistigen Ergüssen, deren Umsetzungen mehr schlecht als recht geraten sind. Macht aber nichts, denn anspruchsvolles Horrorkino würde hier wohl ohnehin niemand erwarten. Wer auf billige, aber charmante Geisterbahnkulissen und absurde Ideen steht, darf sich hier wohlfühlen. Dr. Durea / Frankenstein, dargestellt von J. Carrol Naish, geht in seiner Rolle etwas unter, aber dafür ist Zandor Vorkov als Graf Dracula umso auffälliger, sieht er doch aus wie ein schmieriger Autoverkäufer mit Blutarmut, der immerhin einen magischen Ring hat, der Energiestrahlen abfeuern kann. Passend dazu gesellt sich John Bloom als Frankenstein-Monster mit Pappmachékopfwasserkopf. Neben einem obligatorischen Kleinwüchsigen und einer Handvoll flacher Figuren, bietet sich einem auch eine echte Horrorfilm-Legende: Lon Chaney Jr., der hier als stummer Hilfstrottel des Doktors durch die Kulissen stampft. Für Lon Chaney Jr. war dies der vorletzte Auftritt, bevor er in die ewigen Jagdgründe verschwand. Zu den schrägen Figuren, serviert Adamson noch ein paar blutige, aber kaum Eindruck hinterlassende Axtmorde und einen Score von William Lava, der mit fortschreitender Spielzeit leider immer nerviger wird, aber dem bizarren Kampf der beiden Monster gegen Ende letztlich doch gerecht wird. 

    DRACULAS BLUTHOCHZEIT MIT FRANKENSTEIN ist ein Fest des Irrsinns, was man nicht alleine feiern sollte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Spanische Gazette – Horrorfilme von spanischen Regisseuren

    Spanische Gazette – Horrorfilme von spanischen Regisseuren

    SPANISCHE GAZETTE

    Bjoern Candidus und Marco Fritz präsentieren Euch in dieser Gazette nur spanische, bzw. nur Filme von spanischen Regisseuren.

    Im Gepäck sind folgende Produktionen:

    -REC (2007)

    -EIN TOTER LACHT ALS LETZTES (1973)

    -SONICMAN (1979)

    -SAAT DER ANGST (1973)

    -TODESKREIS LIBELLE (1975)

    -TIMECRIMES (2007)

    -SLUGS (1988)

    -LA MADRE MUERTA (1993)

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Timerider: The Adventure of Lyle Swann, 1982 – ★★½

    Timerider: The Adventure of Lyle Swann, 1982 – ★★½

    TIMERIDER – DAS ABENTEUER DES LYLE SWANN
    (TIMERIDER – THE ADVENTURE OF LYLE SWANN, USA, 1982, Regie: William Dear)

    Während einer Rallye gerät der gefeierte Motorradfahrer Lyle Swann in ein Zeitreiseexperiment und wird nach Mexiko ins Jahr 1877 befördert. Dort lernt er Claire kennen, die ihm helfen will, wieder in seine Zeit zurückzukehren. Doch Swann sorgt mit seinem Motorrad für Aufsehen, und eine Bande von Gangstern will ihm sein Gefährt rauben.

    Drei Jahre bevor ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT (1985) zum wohl erfolgreichsten Zeitreisefilm der 1980er-Jahre wurde, trat der TIMERIDER auf den Plan. William Dear hat hier ein ziemlich einfach gestricktes Science-Fiction-Western-Abenteuer gezimmert, was aber zumindest sehr kurzweilig daherkommt. Gedreht wurde in der sandigen und felsigen Natur von Arizona und New Mexico, die immer was hermacht, wie ich finde. Das Western-Setting samt Kostüme und Ausstattung ist ordentlich. Lyle Swann sticht mit seinem coolen roten Motorradanzug heraus aus dem gelungenen Western-Ambiente. Optisch kann sich der Film sehen lassen, inhaltlich regt er allerdings eher zum Kopfschütteln ein. Die abgekaute Zeitreise-Prämisse ist eine Sache, die Umsetzung eine andere. Dass der Film durchaus nicht nur ernst gemeint sein soll, wird schnell durch die überzogenen und oft trotteligen Figuren deutlich, wovon sich Fred Ward als Lyle Swann nicht ausnimmt. An für sich steht Ward (IM LAND DER RAKETENWÜRMER, 1990) aber die Rolle des Timeriders gut zu Gesicht. Seine helfende Hand Claire Cygne wird von Belinda Bauer (ROBOCOP 2, 1990) dargestellt, während Ed Lauter (CUJO, 1983) einen Priester spielen darf. Dazu gibt es eine ganze Wagenladung von Desperados, die Swann das Leben schwer machen wollen. Zahlreiche Auseinandersetzungen bestimmen das Geschehen, von denen einige recht ruppig sind und aus dem sonstigen Rahmen fallen.

    TIMERIDER ist ein simples, aber actionreiches Scifi-Western-Abenteuer, was sich aber nicht so recht entscheiden kann, in welche Richtung es will. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Killer Is Still Among Us, 1986 – ★★

    The Killer Is Still Among Us, 1986 – ★★

    THE KILLER IS STILL AMONG US
    (L‘ASSASSINO È ANCORA TRA NOI, Italien, 1986, Regie: Camillo Teti)

    Über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten erstreckt sich eine Reihe von Doppelmorden im ländlichen Umland von Florenz. Der Täter hat es auf Liebespärchen abgesehen, die sich im Auto vergnügen. Als es zu einem weiteren Doppelmord kommt, wird die Kriminologie Studentin Christina wie besessen von dem Fall und begibt sich selbst auf die Tätersuche. 

    Die Mordserie von Florenz, die zwischen 1968 und 1985 für acht Doppelmorde gesorgt hat und nie ganz aufgeklärt wurde, wurde im Jahre 1986 gleich zweimal auf filmische Art verarbeitet. Cesare Ferrario verarbeitete den Fall in seinem NIGHT RIPPER – DAS MONSTER VON FLORENZ, in dem sich ein Buchautor in die Seele des Täters vertiefen will. Camillo Teti schickt in L‘ASSASSINO È ANCORA TRA NOI die Kriminologie Studentin Christina ins Rennen. Doch beide Filme eint nicht nur ein Thema, sondern beide Produktionen sind keine Sternstunden der Unterhaltung; sie haben sogar eine ähnlich trübe Atmosphäre mit wenig Liebe für Bildgestaltung. Zudem enden beide höchst unzufrieden, was allerdings auch dem wahren Fall geschuldet ist, denn es konnte nie 100 % bewiesen werden, wer der Täter, bzw. die Täter waren. 

    Aber es soll ja hier nur um L‘ASSASSINO È ANCORA TRA NOI gehen, der leider nie den Weg in deutsche Gefilde gefunden hat, abgesehen von seinem schlechten Ruf, der über die Grenzen hinaus an ihm haftet. Und eigentlich tut er das nur wegen einer Szene, für die man gut 70 Minuten auf seinem Allerwertesten sitzen oder liegen muss, wenn man nicht im Stehen oder Hängen Filme guckt. Da auch der Täter im realen Fall mit äußerster Brutalität vorgegangen ist, serviert Teti gegen Ende eine sehr heftige Szene in der Tradition von GIALLO A VENEZIA (1979) und DER NEW YORK RIPPER (1982), in der der Killer einer toten Frau mit aller Ruhe eine Brustwarze und eine Schamlippe mit einem Messer entfernt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Film recht handzahm, sieht man von der Eröffnungsszene ab, die bereits einen kleinen Ausblick auf die Härte am Ende liefert.  

    Auch wenn Camillo Teti und sein Kameramann Giuseppe Bernardini nicht viel unternommen haben, um rein visuell im Gedächtnis des Zuschauers zu bleiben, hat mir die düstere, leicht siffige Atmosphäre gefallen, die allerdings kaum über das Niveau eines TV-Films hinausgeht. Der Fokus liegt auf Mariangela D’Abbraccio als Studentin Christiana Marelli, die sich immer mehr in dem Fall verliert, bis sie sich verfolgt fühlt. Ihre Figur erinnert ein klein wenig an Ana Torrents Figur aus TESIS (1995).

    Die Inszenierung hält sich nie lange an einem Ort auf. Es geht zügig von einem langweiligen Schauplatz zum nächsten, an dem dann auch nicht viel passiert. Ganz ohne Spannung ist der Film aber auch nicht, doch diese hält nie lange an. 
    Begleitet wird das Geschehen von einem durchaus eindringlichen Score von Detto Mariano, der allerdings kaum Abwechslung bietet. 

    Trotz Giuliano Carnimeo und Ernesto Gastaldi, die für die Story und das Drehbuch verantwortlich waren, ist L‘ASSASSINO È ANCORA TRA NOI ein zäher Versuch, sich einer faszinierenden Mordserie anzunehmen. Von einem Totalausfall würde ich hier allerdings nicht sprechen, ebensowenig bei NIGHT RIPPER – DAS MONSTER VON FLORENZ. 

    (Bjoern Candidus)

  • Amuck!, 1972 – ★★★★

    Amuck!, 1972 – ★★★★

    HAUS DER TÖDLICHEN SÜNDEN
    (ALLA RICERCA DEL PIACERE, Italien , 1972, Regie: Silvio Amadio)

    Greta (Barbara Bouchet) reist nach Italien um für den Autor Richard Stuart (Farley Granger) als Sekretärin zu arbeiten. Doch Greta verfolgt eigentlich ein anderes Ziel: eine Spur von ihrer spurlos verschwundenen Freundin Sally zu finden, die ebenfalls für den Autor gearbeitet hat. Wie auch Richard, wirft auch seine Frau Eleanora (Rosalba Neri) ein Auge auf Greta. Was haben die Beiden mit ihr vor und was ist mit Sally passiert?
    Gemeinsam mit Kommissar Antonelli begibt sich Greta auf Spurensuche. 

    Regisseur Silvio Amadio (IL SORRISO DELLA IENA, 1972) schießt hier optisch aus allen Rohren. Bereits zu Beginn, während die Credits einlaufen und Barbara Bouchet mit einem Boot durch Venedig gefahren wird, um ans Festland gebracht zu werden, wo sie dann in einer Villa auf Rosalba Neri stößt, ist das Italo-Herz erfüllt mit Liebe. Seine Mischung aus Erotik-Thriller und Giallo wird mit vielen schönen Bildern langsam aufgebaut, die von Aldo Giordani meisterlich fotografiert wurden. Auch hier wurde mal wieder auf Venedig zurückgegriffen. Allerdings ist das Zentrum der Inszenierung die Villa von Richard und seiner Frau, in der sich eine prickelnde Dreiecks-Beziehung anbahnt. Die Handlung bietet immer wieder kleine Twists, die die Spannung hochhalten. Wer aber die üblichen Zutaten eines herkömmlichen Giallo sucht, wird enttäuscht. Der obligatorische Killer mit Messer, Hut und Mantel bleibt aus, aber der ist hier auch nicht von Nöten. 

    Auch die Erotik kommt nicht zu kurz, wenn sich Barbara Bouchet und Rosalba Neri näher kommen und in Zeitlupe Sex haben. Aber wenn die beiden Grazien an Bord sind, kann sowieso nicht viel schiefgehen. Richard Stuart wird von Farley Granger dargestellt, der sonderbar steif wirkt und zwischen den Damen einfach nur untergeht. Immer gern gesehen von mir: Umberto Raho, der hier den Butler spielt. 

    HAUS DER TÖDLICHEN SÜNDEN ist ein spannender Erotik-Thriller, dessen schönen Bilder zusätzlich mit einem Score von Teo Usuelli gezuckert werden. Freunde des italienischen Thrillers sollten unbedingt einen Blick riskieren. 

    (Bjoern Candidus)