Autor: marco-fritz

  • Heartbeat, 1983 – ★★★

    Heartbeat, 1983 – ★★★

    HEART BEAT
    (LATIDOS DE PÁNICO, Spanien, 1983, Regie: Paul Naschy)

    Eine nackte Frau (die Ehefrau) rennt des Nachts durch den Wald. Ein Ritter, Graf Alaric (Paul Naschy als ihr Ehemann), auf einem Pferd verfolgt sie, um sie schließlich mit einem Morgenstern ins Jenseits zu befördern. Ein stimmungsvoller Anfang, der allerdings deutlich die 80er-Jahre verrät. Dann macht die Geschichte einen Sprung von 500 Jahren nach vorn. Paul Naschy als Paul (sehr originell ^^), der Nachfahre von Graf Alaric, zieht mit seiner Ehefrau Geneviève in das Schloss seiner Vorfahren. Doch schon bald zieht ein Unheil auf, was vor allem Geneviève verunsichert. Es heißt: alle 100 Jahre zeigt sich der Geist von Graf Alaric, der immer noch im Rachemodus steckt. 

    Nach dem 80er-Jahre musikvideoclipartigen Anfang macht Paul Naschys Regie-Arbeit schnell den Eindruck, als wäre sie bereits 10 Jahre vorher entstanden. Die Klamotten, die Sets, die Story… alles wirkt für 1983 aus der Zeit gefallen, und genau das hat mir gut gefallen. Naschy versucht den herkömmlichen Horror-Zirkus aufzufahren, lässt aber sein Werwolfkostüm weg und schlüpft in die Doppelrolle Graf Alaric / Paul. Zerfetzte Leiber, Schädelmasken und zombieartige Figuren werden hier aufgefahren. Die recht blutigen Effekte sind als solide bis etwas holprig, was in einem gewissen Sinne später sogar erklärt wird. Es gibt nämlich eine Veränderung im laufe der Geschichte, die das ein oder andere im Nachhinein ausbügelt. 

    Hier wird nichts unversucht gelassen, um den Zauber des Gothic-Horrors in die 1980er-Jahre zu übertragen, was ein löblicher Versuch ist. Das alte Gemäuer, Gewitter und der ständige Einsatz von Nebelmaschinen sorgen für eine gruselige Atmosphäre. 

    HEART BEAT ist purer Horror-Kitsch aus Spanien, der sämtliche Klischees auffährt und somit recht einfach meine Aufmerksamkeit gewinnen konnte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Prey, 1977 – ★★½

    Prey, 1977 – ★★½

    THE DESTRUCTOR
    (PREY, GB, 1978, Regie: Norman J. Warren)

    Ein junger Mann verirrt sich auf dem abgelegenen Grundstück des lesbischen Pärchens Josephine und Jessica. Sie nehmen den Mann in ihrem Haus auf, da sie glauben, dass er Hilfe braucht. Doch der Mann sucht keine Hilfe, sondern Nahrung, menschliche Nahrung, denn er kommt von den Sternen, und er hat Hunger. 

    Nach seinem ordentlichen Okkult-Horrorfilm SKLAVIN DES SATANS (1976) betritt Normen J. Warren hier den Bereich des Invasionsfilms. Er kombiniert Alien-Elemente mit Horror und Sex, vernachlässigt aber leider etwas Spannung und Atmosphäre. Zumindest rettet die ländliche Kulisse den ansonsten visuell eher ausdruckslosen Film. Die eigentliche Story gibt auch nicht viel her, wartet aber mit sonderbaren Einfällen auf, die den Film etwas abheben. Die Figuren sind durchaus interessant und fast ihrer Zeit voraus. Es sind nicht nur Lesben, um den Hetero-Mann mit Fummelsex nebenbei zu befriedigen, sondern zwei Frauen, die eine Beziehung führen und zusammen leben, zudem sind sie Vegetarierinnen. Sally Faulkner (VAMPYRES, 1974) als Josephine und Glory Annen (FELICITY – SÜNDIGE VERSUCHUNG, 1978) als Jessica sind speziell, aber THE DESTRUCTOR ist auch ein spezieller Film. Der Mann von den Sternen wird dargestellt von Barry Stokes (ENEMY MINE, 1985), der in seiner menschlichen Form nicht viel zu tun hat; seine wahre Identität sieht man selten. Hier ist auch eine weitere Schwäche zu verzeichnen, denn man hätte einfach mehr aus der Figur machen können. Neben einigen kruden Ideen und ein paar blutigen Effekten kommt es leider auch immer wieder zu langatmigen Abschnitten, die den an sich schon ruhig inszenierten Film ausbremsen. 

    THE DESTRUCTOR ist ein sonderbarer Alien-Horrorfilm mit interessanten Ansätzen, aber wenig Schauwerten und viel Leerlauf. 

    (Bjoern Candidus)

  • Body Snatchers, 1993 – ★★★½

    Body Snatchers, 1993 – ★★★½

    BODY SNATCHERS
    (USA, 1993, Regie: Abel Ferrara) 

    Biologe Steve Malone wird zu einem Militärstützpunkt gerufen, um das Ökosystem der Umgebung auf mögliche Schädigungen durch die Army zu überprüfen. Mit seiner Familie im Schlepptau richtet er sich in der angeschlossenen Wohnsiedlung der Basis ein. Schon am Tag der Ankunft hat seine Tochter Marti eine unheimliche Begegnung mit einem Soldaten. Doch schnell kann sie sich mit dem Piloten Tim hinwegtrösten. Dann berichtet Major Collins Steve Malone über das irrsinnige Verhalten, was einige seiner Soldaten plötzlich an den Tag legen. 

    BODY SNATCHERS ist die dritte Adaption von Jack Finneys Roman aus dem Jahre 1964, die ursprünglich unter der Regie von Stuart Gordon entstehen sollte, bevor Abel Ferrara eingesprungen ist. Das hat wohl auch dafür gesorgt, dass gleich mehrere Hände an der Story und dem Drehbuch herumgefuchtelt haben, u.a. auch Larry Cohen (IT‘S ALIVE, 1974).

    Das Positive vorweg: der Film versucht nicht direkt die beiden vorherigen Adaptionen zu kopieren, sondern geht einen eigenen Weg, zumindest teilweise. Schon das Setting, ein in den Wäldern gelegener Militärstützpunkt, sorgt für frischen Wind im Rahmen der bekannten Geschichte. Der Militärstützpunkt samt Personal bringt also schon mal negative Stimmung mit. Für mehr negative Stimmung sorgt die Familie Malone. Terry Kinney als Vater Steve Malone, Meg Tilly als Mutter und Gabrielle Anwar und Reilly Murphy als ihre Kinder Marti und Andy sind ziemlich unsympathisch geraten und haben mich nicht gerade zum Mitfiebern um sie eingeladen. Es wird auch nicht besser, wenn der Pilot Tim, dargestellt von Billy Wirth, auftaucht, um Töchterchen Marti den Pfeil des Amor ins Herz zu schießen, der hier zu jeder Zeit mit einer aufgesetzten Griesgrammimik herumläuft, um irgendwie verdächtig zu wirken. R. Lee Ermey (FULL METAL JACKET, 1987) sorgt als General Platt für Zucht und Ordnung; eine Rolle, die ihm wohl in die Wiege gelegt wurde. Richtig gut gefallen hat mir eigentlich nur Forest Whitaker, der hier das Übel aufsteigen sieht und Rat bei Steve Malone sucht. Die Angst steht ihm ins Gesicht geschrieben. Was in BODY SNATCHERS aber vor allem gut funktioniert ist eine bedrückende, paranoide Stimmung heraufzubeschwören, die durch die ordentliche Fotografie von Bojan Bazelli gut zur Geltung kommt und sich über den ganzen Film erstreckt. Visuell muss sich BODY SNATCHERS nicht verstecken, was in seinem Metier in den 90er-Jahren nicht immer selbstverständlich war. Auch die Effekte, die allerdings rar gesät sind, schmücken sich mit Qualität. Aber Ferrara konzentriert sich mehr auf die Figuren statt auf Ekel oder explizite Gewalt, aber das hatte auch ein Siegel oder Kaufman nicht nötig; die Thematik ist schließlich unangenehm genug. Kalte, emotionslose Außerirdische im Körper menschlicher Abbilder stehen nicht auf meiner Liste der Wunschträume, zumindest noch nicht. 

    Wenn man sich im Werk von Abel Ferrara umguckt, wird schnell klar, dass wir hier keinen Film mit einer Frau mit einer 45er Magnum oder einen Film mit einem vollgekoksten Lieutenant vorfinden werden. In seiner Filmographie wirkt der Film wie ein Fremdkörper, was er auch irgendwie ist. Auch wenn die Erwartungshaltungen beim Namen Abel Ferrara ganz andere sind, muss er sich für seinen ersten Film für ein großes Studio (Warner Brothers) nicht verstecken. 

    BODY SNATCHERS ist ein grundsolider Invasions-Scifi-Horrorfilm, der lediglich etwas fehlbesetzt wirkt, aber das ist natürlich nur meine bescheidene Meinung. 

    (Bjoern Candidus)

  • Journey to the Beginning of Time, 1955 – ★★★★½

    Journey to the Beginning of Time, 1955 – ★★★★½

    REISE IN DIE URZEIT
    (CESTA DO PRAVEKU, Tschechoslowakei, 1955, Regie: Karel Zeman)  

    Der Fund eines versteinerten Trilobiten führt vier Kinder zu einer Höhle an einem See. Als sie mit ihrem Ruderboot durch den langen Höhlengang fahren, gelangen sie am anderen Ende in die Eiszeit. Sie folgen dem Fluss, der sie immer weiter zurück in die Zeit führt, bis sie das Silur-Zeitalter erreichen. 

    Der tschechische Film-Regisseur Karel Zeman, der durch seine hervorragenden Trick- und Animations-Effekte weltberühmt wurde und neben Ray Harryhausen zu den Meistern seines Faches gehört, wandelt hier auf Spuren von Jules Verne, Edgar Rice Burroughs und Co und liefert die mitunter schönsten Dinosaurier- und Säugetier-Modelle ab, die ich bisher gesehen habe. Die fließenden Bewegungen sind erstaunlich und das Aussehen so realistisch wie möglich gehalten. Besonders schön ist die Vielfalt der Tiere, die Zeman zum Leben erweckt. In jedem Winkel ist die Liebe zu spüren, mit der Zeman und seine Crew die Urzeit auferstehen lässt. 

    Ein Mammut, ein Säbelzahntiger und Wollnashörner sind ebenso zu bestaunen wie ein Stegosaurus, ein Styracosaurus, Pterosaurier, ein Brontosaurus und viele weitere. Aber nicht nur die Fauna überzeugt, sondern auch die Flora, die sich mit ihrer urzeitlichen Pracht zeigt. Zeman versucht auch hier, trotz der abenteuerlichen Geschichte, so realistisch wie möglich zu sein, ohne jemals dröge oder langweilig zu wirken. Die urzeitliche Kulisse, die eine Kombination aus Modellen, Gemälden und echter Natur darstellt, schafft eine wundersame Atmosphäre, die mich teilweise an Kevin Connors CAPRONA – DAS VERGESSENE LAND (1974) erinnert hat. 

    Die vier Kinder, die von Vladimír Bejval, Josef Lukás, Zdenek Hustak und Petr Herrmann verkörpert werden, sind alle samt gut besetzt, nerven nicht und runden das Bild eines nahezu perfekten Kinderfilms (der ebenso für Erwachsene empfohlen ist) ab. 

    REISE IN DIE URZEIT ist ein ganz phantastischer Film, der voller Liebe für Details steckt und auf kindgerechte Art die Evolution von Flora und Fauna präsentiert. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Unborn, 1991 – ★★★½

    The Unborn, 1991 – ★★★½

    UNBORN – DAS KIND DES SATANS
    (THE UNBORN, USA, 1991, Regie: Rodman Flender)

    Virginia, eine Kinderbuch-Autorin und ihr Ehemann Brad wünschen sich ein Kind. Doch der Wunsch soll nicht so einfach in Erfüllung gehen. Laut Aussagen der Ärzte ist eine Schwangerschaft aufgrund schlechter organischer Voraussetzungen nicht möglich. Dann bekommt das Paar einen Tipp: Dr. Meyerling, der an ganz anderen Wegen arbeitet, das Kinderglück zu erreichen.

    Rodman Flender (LEPRECHAUN 2, 1994), der bei dieser Corman-Produktion Regie führte, hat hier einen soliden Beitrag im Bereich Werdende-Mütter-Baby-Horror geschaffen. Eine Art ROSEMARIES BABY auf Mad-Scientist- statt auf Teufels- Basis erwartet einen, was als Kombination durchaus stimmig ist. Statt Samen aus der Hölle hat man es hier mit Genmanipulation zu tun, die dafür sorgen soll, dass ganz besondere Racker schnell heranwachsen.

    Mit Brooke Adams hat man eine gute Darstellerin an Bord, deren Charakter auch viel Zeit eingeräumt wird. Als Antagonist ist James Karen (RETURN OF THE LIVING DEAD, 1985) zur Stelle. Zwar mangelt es ein wenig an Spannung, aber dafür ist die Story anständig erzählt. Etwas langweilig erscheint der glatte 90er-Anstrich, dennoch wurde hier gut ausgeleuchtet und solide fotografiert, so, dass man durchaus von einer dichten Atmosphäre sprechen kann. Gore-Freunde sollten nicht zu viel erwarten, dennoch ist die ein oder andere Härte an Bord, die einen etwas schlucken lassen könnte. Aber es kommt auch mal zu heiteren Momenten, wenn z.B. bei einer Schwangerschaftsvorbereitungsgruppe Energiekristalle vorgestellt werden, die sich Frauen vaginal einführen können, damit die Energie das Innere des Körpers durchfluten kann. Sollte man vielleicht häufiger mal als Tipp ausgeben. 

    Neben Filmen wie ROSEMARIES BABY (1968), Larry Cohens IT‘S ALIVE – Trilogie (1974-1987) und dem garstigen BABY BLOOD(1990) darf sich THE UNBORN und seine Fortsetzung THE UNBORN 2 – BORN AGAIN (1994) gerne einreihen. Der Film reißt keine Bäume aus, kann aber durchweg unterhalten.

    (Bjoern Candidus)

  • The Unborn II, 1994 – ★★★

    The Unborn II, 1994 – ★★★

    BABY BLOOD 2
    (UNBORN 2 – BORN AGAIN, USA, 1994 Regie: Rick Jacobson) 

    Für den einen ist es das größte Glück auf Erden, für den anderen der größte Schrecken: ein Baby! Besonders dann, wenn sich der Nachwuchs als genmanipuliertes Monster entpuppt. Doch die Kinderbuchautorin Catherine liebt ihren monströsen Joey über alles. Dann taucht Linda auf, die selbst Mutter eines dieser Babys war. Sie macht Jagd auf die noch lebenden Babys, für die Dr. Richard Meyerling (siehe UNBORN – KIND DES SATANS, 1991) und seine Gen-Experimente verantwortlich waren, um Schlimmeres zu verhindern. 

    Wie schon der Vorgänger UNBORN – KIND DES SATANS (1991), stammt auch die Fortsetzung aus der schier unendlichen Produktionswelt von Roger Corman. Bei UNBORN führte Rod Flender (LEPRECHAUN 2, 1994) Regie, bei UNBORN 2 Rick Jacobson (BLOODHUNTER, 1996). Dass der deutsche Titel, BABY BLOOD 2, mal wieder einem Kundenbetrug gleichkommt, soll hier nur kurz erwähnt werden. 

    UNBORN 2 steigt direkt garstig ein und präsentiert die Erschießung (im Off) eines kleinen Jungen im Sandkasten durch eine Frau, die danach ganz schnell das Weite sucht. Später steht noch der Besuch auf einer Säuglingsstation an. Aber auch Joey, das sehr scheußlich Monsterbaby, kann sich zur Wehr setzen. In Sachen Gewalt legt Jacobson gegenüber dem Vorgänger noch eine Schippe drauf. Was hier aber vor allem auffällt, ist die rasante, actionbetonte Art der Inszenierung, was wohl daran liegt, dass Jacobson und der Autor Rob Kercher vor allem aus dem Actionfilm-Fach stammen. Die kurzweilige Art tut dem Film gut, der inhaltlich kaum was zu bieten hat. Am meisten mangelt es dem Film aber an Atmosphäre. Im Gegensatz zu dem eher düsteren Vorgänger, ist UNBORN 2 sehr hell. Ausgeglichen wird das durch die Darsteller. Michele Greene als liebevolle Mutter Catherine und Robin Curtis als Killerin Linda machen solide Arbeit. Etwas unpassend sind hingegen Carole White und Darryl Henriques als schrille Nachbarn von Catherine. 

    UNBORN 2 ist ein inhaltsleerer, spannungsarmer, aber kurzweiliger, blutiger Monsterbaby-Horrorfilm, der mich gut unterhalten hat. 

    (Bjoern Candidus)

  • Munchies, 1987 – ★★

    Munchies, 1987 – ★★

    DIE MUNCHIES
    (MUNCHIES, USA, 1987, Regie: Tina Hirsch)

    Simon Watterman und sein Sohn Paul sind in Peru unterwegs, um Spuren von außerirdischen Leben zu finden. In einer alten Tempelanlage finden sie ein kleines echsenartiges Wesen, bekleidet mit einer Mönchskutte. Sie fangen das Wesen und bringen es mit in die USA. Zunächst lebt Arnold, wie sie das Wesen getauft haben, bei Paul und seinem Vater. Arnold beobachtet neugierig das Leben der Menschen und passt sich immer mehr an. Als Simons Zwillingsbruder Cecil Watterman Wind von dem außerirdischen Besucher bekommt, kidnappt er ihn mit Hilfe seines Stiefsohns Eddie, um aus Arnold Profit zu schlagen. Als es zu einem Konflikt zwischen Eddie und Arnold kommt, wird der Außerirdische in Stücke gehackt, was zur Folge hat, dass gleich vier neue Wesen entstehen, und die haben nichts Besseres vor, als die Gegend zu tyrannisieren. 

    Kleine Monster haben eine Tradition im 80er-Jahre-US-Horrorkino, und MUNCHIES ist nur einer von vielen Filmen, die auf dem Erfolg von GREMLINS (1984) aufgesprungen sind. Es folgten Filme wie GHOULIES (1985), CRITTERS (1986), die allesamt einige Fortsetzungen mit sich brachten. Und Regisseurin Tina Hirsch und Produzent Roger Corman kamen mit MUNCHIES um die Ecke, der eine durchaus kurzweilige Horror-Komödie wurde. 

    Die Neubausiedlung, irgendwo im sonnigen Kalifornien, erinnert etwas an Cuesta Verde aus POLTERGEIST (1982), allerdings sind hier die Bewohner etwas irrsinniger unterwegs, und genau in diesem Punkt könnte der Film bei vielen scheitern. Harvey Korman, der hier in einer Doppelrolle als Simon und Cecil Watterman auftaucht, Charlie Stratton, Charlie Phillips, Nadine Van der Velde und der wunderbare Robert Picardo wirken nämlich mehr, als seien sie einem Comic entsprungen. Das viele Rosa und Türkis, was das Bild bestimmt, unterstreicht die 80er-Jahre-Ästhetik, die fast zum Aufstoßen einlädt. Gleichzeitig profitiert MUNCHIES aber auch durch die zahlreichen Geschmacklosigkeiten, die aufgeführt werden. Die Monster selbst verhalten sich ziemlich idiotisch, sind tricktechnisch wenig überzeugende Puppen, die nur ein Schatten der reizenden Gremlins darstellen. Ich würde ihnen dennoch einen Platz auf meiner Terrasse zugestehen. Da die ganze Inszenierung irgendwo in den Wolken schwebt, fallen die Makel kaum ins Gewicht, bzw. stören gar nicht. 

    Statt Spannung, guter Monster-Effekte und düsterer Atmosphäre bestimmen alberne Witze, überzogene Figuren und Geschmacklosigkeiten das Bild von MUNCHIES, der mich unter dem Strich aber kaum gelangweilt hat. Von einem guten Film kann bei dieser Corman-Produktion allerdings nicht die Rede sein. 

    (Bjoern Candidus)

  • Ticks, 1993 – ★★★

    Ticks, 1993 – ★★★

    C2 – KILLERINSECT
    (TICKS, USA, 1993, Regie: Tony Randel) 

    Eine Gruppe Jugendlicher nimmt an einer Art Therapiesitzungen in der Natur Kaliforniens teil. In diesem Gebiet ist es auch sehr beliebt, Cannabis anzubauen. Damit dieses schnell gedeiht, wird es von seinen Bauern mit einem chemischen Wachstumsbooster behandelt. Die Chemiekeule lässt nicht nur die Pflanzen wachsen, sondern auch Zecken, die mit der Substanz kontaminiert wurden. Das große Blutabsaugen beginnt! 

    Tony Randel (HELLBOUND – HELLRAISER 2, 1988) und Brian Yuzna als Executive Producer haben mit C2 – KILLERINSECT einen ziemlich saftigen Tier-Monster-Horrorfilm abgeliefert, der sich vor allem durch seine wirkungsvollen Effekte auszeichnet. Die Gore- und Monster-SFX sind hervorragend und können es locker mit ähnlichen Produktionen jener Tage aufnehmen. Hier kann man noch schöne Handarbeit bewundern, die danach immer weniger wurde. Ein weiteres gutes Beispiel aus der Zeit ist MOSQUITO (1994), der ein ähnliches Problem hat wie dieser hier: seine Figuren. Mit Seth Green und Alfonso Ribeiro bekommt man zwei typische 90er-Jahre-Teenager-Kontrahenten serviert, die mich von der ersten Minute an genervt haben. Gleiches gilt für die anderen Teenager-Darsteller, während Peter Scolari als Gruppenleiter an Langeweile kaum zu überbieten ist. Nur Clint Howard konnte mich mit seiner stets bizarren Darstellung beglücken. Dass bei solchen Filmen die Darsteller in der Regel nicht das Salz in der Suppe sind, dürfte klar sein, und so kann sich C2 auch mit seinen austauschbaren Figuren durchsetzen. Die Inszenierung wurde gut fotografiert, und durch das Natur-Setting, vor allem in Verbindung mit den Jugendlichen, werden immer wieder Erinnerungen an die FREITAG DER 13. – Filmreihe wach, die teilweise mit noch flacheren Figuren aufwartet. Wälder sind immer schön und können manchmal selbst den schlechtesten Film retten. 

    Schlecht ist C2 – KILLERINSECT auf keinen Fall. Er gleicht seine Probleme mit seinen Stärken aus und hält unter dem Strich, was er verspricht zu sein: ein ekliger Zecken-Horrorfilm. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Passage, 1986 – ★★★½

    The Passage, 1986 – ★★★½

    REISE IN DIE UNENDLICHKEIT
    (LE PASSAGE, Frankreich, 1986, Renè Manzor)

    Jean Diaz, ein Autor und Zeichentrick-Regisseur fährt mit seinem kleinen Sohn David in den Urlaub. Dumm ist nur, dass der Sensenmann in seinem Zwischenreich einen neuen Kompagnon sucht. Die Computerdatenbank des Todes bietet ihm fünf der berühmtesten lebenden Künstler an. Jean Diaz ist einer davon. Und da sich der Tod von Nichts und Niemandem abhalten lässt, manipuliert er Diaz Auto und lässt ihn mit seinem Sohn verunglücken. David überlebt den Unfall, aber sein Vater stirbt (mehr oder weniger) und findet sich im Zwischenreich wieder. Dort angekommen wird er schnell von Gevatter Tod begrüßt, der ihm einen Vorschlag unterbreitet: seine Kreativität gegen das Leben seines Sohnes. Fortan muss Diaz seinen geplanten Film über Gewalt und Krieg unter Menschen im Arbeitsraum des Todes realisieren. 
    Währenddessen leidet David, der nun bei seiner Mutter wohnt, die sich einst von Jean trennte. Immer mehr wird David klar, dass sein Vater noch gar nicht tot ist, sondern irgendwo gefangen gehalten wird. 

    Ein Mangel an Kreativität kann man dieser Produktion, die unter der Regie von Renè Manzor inszeniert wurde, nicht vorwerfen. Schon zu Beginn, wenn man die Schaltzentrale des Todes sieht, wird es grotesk. Auf einer Wand voller Bildschirme kann er die Gräueltaten, Katastrophen und Schicksale der Menschen erblicken, für die er mitunter verantwortlich ist. Der Tod als Erscheinung ist schön klassisch gehalten. Eine schwarze Kutte mit riesiger Kapuze, die sein Gesicht komplett verbirgt, gräuliche, aufgeschwemmte Hände mit spitz zulaufenden Fingern und der dazugehörigen Sense hinterlassen einen maladen Eindruck, der mir sehr gefallen halt. 

    Insgesamt ist der Film sehr düster gehalten, pendelt zwischen Zwischenreich und der Welt der Lebenden hin und her und wird immer wieder mit gelungenen Zeichentrick-Sequenzen garniert, die die Arbeit von Diaz zeigen. Dabei vergisst Manzor leider etwas die Spannung und scheint sich manchmal nicht ganz im klaren zu sein, in welche Richtung er eigentlich will. Viel störender ist allerdings Alain Delon, der ziemlich hölzern und manchmal geradezu gelangweilt agiert. Weitaus besser hat mir der andere Alain gefallen. Alain Lalanne, der Kinderdarsteller fährt hier mehr Können auf als der alte Alain. Und dass das kein Einzelfall war, hat Alain Lalanne drei Jahre später in DEADLY GAMES bewiesen, der auch unter der Regie von Renè Manzor entstand. Dort darf Lalanne einen Irren im Weihnachtsmann-Kostüm fertigmachen. 

    REISE IN DIE UNENDLICHKEIT ist ein durchaus interessanter, skurriler Fantasyfilm mit Horror-Elementen, der sich aber die Chancen entgehen lässt, seine Themen geschickter auszuarbeiten. 

    (Bjoern Candidus)

  • Star Pilot, 1966 – ★★★

    Star Pilot, 1966 – ★★★

    RAUMKREUZER HYDRA – DUELL IM ALL
    (2+5: MISSIONE HYDRA, Italien, 1966, Regie: Pietro Francisci)

    Ein Team aus Wissenschaftlern 
    untersucht die angebliche Absturzstelle eines Raumschiffs in einem abgelegenen Landstrich auf Sardinien. Mit ihren Messgeräten stoßen sie auf ein Raumschiff, was sich unterhalb der Erde versteckt hält. An Bord: Außerirdische vom Planeten Gamma, die einen Maschinenschaden haben und Hilfe brauchen, um zurück zu ihrem Planeten zu kommen. Nachdem sie Hilfe erfahren haben, entführen sie die Wissenschaftler zum Undank und nehmen sie mit auf eine interstellare Reise.  

    Da die Italiener im Kino fast kein Thema ausließen, kam es auch zu einer Reihe von Science-Fiction-Filmen und Space-Operas, die in den 60er bis 80er-Jahren produziert wurden. Eine dieser Produktionen ist RAUMKREUZER HYDRA – DUELL IM ALL, der für seine damalige VHS-Auswertung in RAUMSCHIFF TERRA ZUM PLANET DER AFFEN umbenannt wurde. Immerhin gibt dieser Titel einen kleinen Ausblick auf das, was man hier auch erleben darf: Menschen in albernen Affenkostümen. Zwei Jahre später haben 2001 – ODYSSEE IM WELTRAUM und PLANET DER AFFEN das Thema auf ein sehr viel höheres Niveau gehoben. Aber die Affen stellen hier nur ein kleines Kapitel in einer kunterbunten Space Opera dar, die mit einer atmosphärischen Raumschifflandung auf Sardinien beginnt. Ab dem Moment wäre auch eine Invasion von schleimigen Außerirdischen denkbar gewesen, aber stattdessen hat man es mit Humanoiden zu tun, die zumindest eine bessere Kleiderwahl haben. Die Kostüme, die hier aufgefahren werden, sind ganz zauberhaft. Glitzernde Stoffe, schrille Farben und Formen bis in den Fetisch-Bereich bringen Leben in die Inszenierung, was man nicht von allen Darstellern behaupten kann. Vor allem die Herren wirken sehr steif und wenig charismatisch. Neben Roland Lesaffre und Kirk Morris ist auch Gordon Mitchell am Start, der aber nicht viel liefert. Mehr Aufmerksamkeit bekommen die Damen Leontine Snell und Leonora Ruffo, deren Körper in ihren schicken Kostümen besonders zur Geltung kommen. Der Film verbreitet einen unglaublich schönen 60er-Jahre-Charme und braucht keine charakterstarken Figuren, schon gar nicht, wenn die Story so unterhaltsam ist. 

    Die Inszenierung ist etwas sprunghaft. Anfänglich wechseln die Schauplätze der Forschungsstation in einer Blockhütte und dem Raumschiff unter der Erde hin und her. Später, wenn das Raumschiff zu den Sternen fliegt, entfaltet sich der Film etwas mehr. Untermalt wird das Weltraum-Abenteuer von einem Score von Nico Fidenco. 

    RAUMKREUZER HYDRA – DUELL IM ALL ist eine charmante 60er-Jahre-Space Opera, die durch ihre Ausstattung in bunten Farben und bizarren Formen zu einem Hingucker wird und somit die halbgaren Charaktere übertüncht.  

    (Bjoern Candidus)