Autor: marco-fritz

  • Manhattan Baby, 1982 – ★★★

    Manhattan Baby, 1982 – ★★★

    AMULETT DES BÖSEN*
    (MANHATTAN BABY, Italien, 1982, Regie: Lucio Fulci) 

    Der Archäologie-Professor George Hacker betritt in Ägypten eine Pyramide mit der Grabkammer des Pharaos Habnubenor. Promt trifft ihn der Fluch des Pharaos, der ihn erblinden lässt. Währenddessen bekommt seine kleine Tochter Susie von einer mysteriösen alten Frau ein Amulett überreicht, dessen Bann sie sich nicht mehr entziehen kann. Als sie in New York City ankommen, nimmt der Schrecken seinen Lauf.

    Mit AMULETT DES BÖSEN wandelt Lucio Fulci auf dem recht übersichtlichen Pfad des Ägypten- / Mumien-Horrorfilm. Eine Mumie kommt hier zwar nicht vor, aber ein Fluch wird nach dem betreten der Grabkammer des Pharaos Habnubenor in einer Pyramide losgelöst. Die Story erinnert etwas an Bram Stokers Kurzgeschichte „The Jewel of Seven Stars“, die vorher bereits als Vorlage für DAS GRAB DER BLUTIGEN MUMIE (1971) und DAS ERWACHEN DER SPHINX (1980) diente. Doch Fulci bleibt nicht in Ägypten, sondern macht nach den ersten 15 Minuten einen Sprung in die USA, genauer nach New York City, wo er sich ja zu dieser Zeit gerne aufgehalten hat. 

    Konnte mich der Film anfänglich mit seinem Ägypten-Setting begeistern, was atmosphärische Pyramiden-Kulissen bereithält, fährt Fulci die Ansehnlichkeit mit dem Eintreffen in New York City etwas herunter. Größtenteils findet das Geschehen in der Wohnung der Hackers statt, wenn man nicht gerade in einem Park oder auf der Straße unterwegs ist. Ein bisschen Gates-Of-Hell-Trilogie-Feeling kommt auf, wenn man den Laden von Adrian Marcato (!) aufsucht, der mit lauter ausgestopften Tieren aufwartet. Der Effekte-Kram, der hier aufgetischt wird, wirkt manchmal etwas billig, doch insgesamt bleibt die Inszenierung in sich stimmig. Problematisch sind die Darsteller, bzw. die Rollen, die sie verkörpern. Christopher Connelly bleibt hinter den Erwartungen. Er ist hier als Professor George Hacker lange Zeit blind (aufgrund des Fluchs) und trägt nicht viel zum Geschehen bei. Seine Film-Ehefrau wird von Umbertos Tochter Laura Lenzi verkörpert, bei der auch kaum Feuer zu spüren ist. Mehr Leben bekommt die Inszenierung durch ihre Film-Kinder Brigitta Broccoli und Giovanni Frezza, die sehr viel mehr Aufmerksamkeit bekommen als die Erwachsenen. Ansonsten ist noch Cosimo Cinieri als Adrian Marcato und Carlo De Mejo als Freund der Familie Hacker dabei. 

    Auch wenn Fulcis Qualitäten bereits Ermüdungserscheinungen aufweisen, kann mich AMULETT DES BÖSEN immer gut unterhalten. Es gibt ein paar Längen und Schönheitsfehler, aber die surrealen Momente und der tolle Score von Fabio Frizzi sorgen für einen atmosphärischen Ägypten-Horrorfilm in New York. 

    (Bjoern Candidus) 

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • The Pyjama Girl Case, 1977 – ★★★½

    The Pyjama Girl Case, 1977 – ★★★½

    BLUTIGER ZAHLTAG
    (LA RAGAZZA DAL PIGIAMA GIALLO, Italien, Spanien, 1978, Regie: Flavio Mogherini)

    Am Strand von Sydney findet ein kleines Mädchen eine grausam zugerichtete Frauenleiche. Die Leiche weist Verbrennungen auf, die so heftig sind, dass man die Frau nicht identifizieren kann. Die Polizei verhaftet einen Obdachlosen, doch der pensionierte Inspektor Thompson verfolgt eine andere Spur, die ihn selbst in höchste Gefahr bringt. 

    Mitte der 1970er-Jahre war die große Phase des Giallo-Kinos langsam aber sicher vorbei, und erst 1982 sollte Dario Argento mit TENEBRAE noch mal richtig nachlegen. In der Zwischenzeit ist BLUTIGER ZAHLTAG entstanden, der sich gleich in mehrfacher Hinsicht von seinen Kollegen unterscheidet. Die Geschichte basiert lose auf einen wahren Fall, der sich in Australien im Jahre 1934 ereignet hat. Damals wurde eine Frau namens Florence Linda Agostini in Sydney getötet, und mangels Identifizierung, wurde ihre Leiche öffentlich zur Schau gestellt, wie auch in diesem Film. Zudem ist der Schauplatz Australien wohl einzigartig im Giallo-Kino, und der wirkt sich sehr positiv auf das Gesamtbild aus. Die Vegetation ist eine andere, die Autos haben das Steuer rechts etc. Für den einen mögen das Kleinigkeiten sein, für den anderen eine wunderbare Abwechslung. Außerdem schafft Regisseur Flavio Mogherini hier einen gelungenen Spagat zwischen Poliziottesco und Giallo. In der Regel sind es doch Privatpersonen, die die Fälle im Giallo lösen, während die Polizei am Rande auftritt. Hier konzentriert man sich mehr auf eine Kriminalfilm-Handlung mit einem Inspektor, Zeugenbefragungen und allem, was dazugehört, was wohl auch dem Hintergrund der Geschichte geschuldet ist. Auf die üblichen Merkmale, wie z.B. ein vermummter Killer mit Hut, Mantel, Handschuhen und Messer wird verzichtet. 

    BLUTIGER ZAHLTAG hat aber auch ein Problem. Er hechtet zwar von Schauplatz zu Schauplatz und von Figur zu Figur, aber irgendwann wird es etwas ermüdend. Außerdem mischt sich eine weitere Geschichte ins Geschehen, die erst mal Verwirrung stiftet und leider auch nicht mit Spannung aufwarten kann, bis alles immer mehr Sinn ergibt. Mehr sei hier nicht gesagt. 

    Neben dem charismatischen Ray Milland, der als pensionierter Inspektor wunderbar ins Bild passt, zeigt sich Dalila Di Lazzaro als Linda Blythe, die die einzige nennenswerte Dame in dem männerdominierten Film ist. Zudem sind hier Michele Placido, Mel Ferrer und Howard Ross am Start. Die Besetzung ist wirklich gut. Und wenn es auch manch langweiligen Moment geben mag, stört hier eine Sache zu keiner Sekunde: der fabelhafte Score von Riz Ortolani, der teilweise von Amanda Lear begleitet wird. Im musikalischen Bereich wird es fast Giallo-Klassisch, was einfach nur schön ist. 

    BLUTIGER ZAHLTAG ist ein Sonderling im Giallo-Kino, der eigene Wege geht, die nicht immer die spannendsten sind, aber letztlich zu einem starken Finale führen. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Girl in Room 2A, 1974 – ★★★½

    The Girl in Room 2A, 1974 – ★★★½

    DAS HAUS DER ANGST
    (LA CASA DELLA PAURA, Italien, 1974, Regie: William Rose, Ramiro Oliveros)

    Nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis bekommt Margret Bradley von einer Bekannten ein Apartment im Haus der alten Mrs. Grant vermittelt. Doch das Glück hält nicht lange an, denn Alpträume suchen sie heim, und in der Realität wird sie immer wieder von einem Mann verfolgt, der ihr bis in das Haus von Mrs. Grant folgt. Als Margret schließlich wieder ausziehen will, lernt sie Jack kennen, der den angeblichen Selbstmord seiner Schwester untersuchen will, die vor Margret im gleichen Apartment gewohnt hat. 

    Dass hier bereits zu Beginn (während die Credits laufen) eine Frau auf sadistische Art getötet wird, ist nichts Besonderes im Giallo-Kino, aber dass es gleich zwei Täter sind, weicht ab. Überhaupt fällt DAS HAUS DER ANGST etwas aus dem üblichen Rahmen und entwickelt sich bis zum Ende durchaus interessant. Im gleichen Jahr ist auch das HAUS DER PEITSCHEN von Pete Walker und DAS PARFUM DER DAME IN SCHWARZ von Francesco Barilli entstanden, die durchaus Parallele aufweisen. 
     
    Da es heute nicht mehr richtig zu klären ist, ob nun William Rose (PROFESSOR LUST UND SEINE VÖGELEIN, 1967) oder Ramiro Oliveros (DIE LEICHENFABRIK DES DR. FRANKENSTEIN, 1974) den Film gedreht hat, bleibt auch für mich an dieser Stelle nichts zu sagen. Wer auch immer es war, er hat hier einen kurzweiligen Giallo gezimmert, der vor allem in der ersten Hälfte einige spannende Momente zu bieten hat. Die Atmosphäre ist düster und bedrohlich, auch wenn der Film neben der leicht ranzigen Villa immer wieder sommerliche Abschnitte in der Natur zu bieten hat. Außerdem mangelt es nicht an Sadismus und Gewalt. Hier bekommt man durchaus blutige Momente geboten. 

    Auch an bekannten Gesichtern fehlt es nicht. Neben Daniela Giordano, die als Margret etwas ausdruckslos bleibt, gibt es ein Wiedersehen mit der reizenden Rosalba Neri, der unheimlichen Giovanna Galletti und dem Muskelberg Brad Harris. 
    Für den Score zeichnet sich Berto Pisano verantwortlich, und hier liegt ein Kritikpunkt. Obwohl der Score für sich gesehen okay ist, passt er oft überhaupt nicht zum Geschehen und wirkt wie ein Fremdkörper. 

    Über weite Strecken ist DAS HAUS DER ANGST ein spannender und atmosphärischer Giallo mit einigen mysteriösen Momenten, nackter Haut und Gewalt. Von kleinen Schönheitsfehlern bleibt die Inszenierung allerdings nicht verschont. 

    (Bjoern Candidus)

  • Terror in the Aisles, 1984 – ★★★★

    Terror in the Aisles, 1984 – ★★★★

    TERROR IM PARKETT
    (TERROR IN THE AISLES, USA, 1984, Regie: Andrew J. Kuehn) 

    Da ich schon in früher Jugend ein großes Interesse an Horrorfilmen hatte, waren für mich natürlich auch die Hintergründe des Genres interessant. Im Fernsehen gab es immer wieder Sendungen zum Thema Horror und die angeblichen Gefahren, die davon ausgehen können. In einem Geschäft bin ich dann auf die hier auf zwei VHS-Kassetten veröffentlichte Dokumentation STEPHEN KING‘S WORLD OF HORROR gestoßen, die mich sehr beeindruckt hat. Nicht viel später sah ich dann im Fernsehen TERROR IM PARKETT, und ich war hin und weg. Der wunderbare Donald Pleasence sitzt zwischen dem Publikum in einem Kino, neben ihm Nancy Allen. Beide kommentieren das Geschehen, was aus einer Aneinanderreihung von Szenen berühmter (und weniger berühmter) Horrorfilme besteht. Man bekommt einen wirklich guten Überblick über die Historie des US-Horrorfilms in seinen unterschiedlichen Formen und Spielarten präsentiert, was sowohl den Kenner des Genres als auch den Neuling erfreuen sollte. Frankensteins Monster beginnt zu leben, ein Alien richtet Schaden auf einem Raumschiff an, in der Nachbarschaft wird der Teufel gehuldigt, während an Halloween ein Killer um die Häuser schleicht, ein Kind in Georgetown im Bett sitzt und kotzt und irgendwo ein Kopf platzt. Diese und viele weitere vertraute Momente, die mich bis heute tief beeindruckt haben, prasseln auf einen nieder. Viele dieser Filme kannte ich damals schon, aber ein Film stand ganz oben auf meiner Must-have-Liste: TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Ich hatte damals schon viel von dem Film gelesen und wollte ihn unbedingt sehen, aber selbst meine Cousin-Film-Connection kam nicht an diesen Film. Und so konnte ich durch TERROR IM PARKETT das erste Mal bewegtes Filmmaterial aus TEXAS CHAINSAW MASSACRE sehen. Ich war so glücklich. Verrückt. Danach dauerte es noch gut drei Jahre, bis ich ihn endlich komplett sehen konnte. 

    TERROR IM PARKETT ist eine tolle Compilation von vielen beeindruckenden Horrorfilmen (Teilweise werden auch Thriller, Science-Fiction- und Actionfilme berücksichtigt), die zeigt, wie kreativ, abwechslungsreich, kraftvoll und zauberhaft dieses Genre ist. Nichts Neues, aber sehr viel schönes Altes für den Fan und für den, der es noch werden möchte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Tourist Trap, 1979 – ★★★

    Tourist Trap, 1979 – ★★★

    TOURIST TRAP
    (USA, 1979, Regie: David Schmoeller)

    Ein paar junge Leute fahren gemeinsam ins Grün, um Urlaub zu machen. Als ihr Auto eine Panne hat, bietet der alte Mr. Slausen seine Hilfe an. Der nimmt sie mit in sein Haus, was gleichzeitig ein Museum für Schaufensterpuppen und Wachsfiguren ist. Die ländliche Idylle trügt, denn ein Irrer mit einer Maske treibt sich herum, der Mr. Slausen gut bekannt ist. 

    Hinter den Kulissen dieses sommerlichen Horror-Slashers tummeln sich viele gute Bekannte aus dem Horror-Genre. Regie führte David Schmoeller, produziert wurde von Charles Band, der Art Director war Robert A. Burns, den Schnitt hat Ted Nicolaou übernommen und für den Score zeichnete sich Pino Donaggio verantwortlich. Also beachtliche Namen für eine 800.000-Dollar-Produktion, aber 1979 war noch vieles möglich. Der Erfolg von HALLOWEEN (1978) zeichnet sich ab; das Slasher-Prinzip, was sich ein Jahr später durch FREITAG DER 13. (1980) noch mehr etablierte, ist hier ebenso zu erkennen wie TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974), was mitunter wohl auch an Robert A. Burns lag. Das Set-Design von Mr. Slausens Wachsfigurenmuseum und das Design des Killers mit seiner teigähnlichen Gesichtsmaske und Perücke könnten dem Universum von Hooper entsprungen sein. Immer wieder gelingt es Schmoeller durch die vielen Puppen, die hier in der Gegend herumstehen oder einem wie Jack in the Box anspringen, einige verstörende und Spannende Momente zu erzeugen. Die grafische Gewalt hält sich in Grenzen, aber für die ein oder andere Garstigkeit bleibt dennoch Zeit. 

    TOURIST TRAP ist aber nicht nur ein Slasher mit einem Wahnsinnigen Killer mit einer Maske in einer Liste von vielen, die bis heute weitergeführt wird, sondern Schmoeller würzt das erfolgreiche Prinzip noch mit dem damals durch CARRIE (1976) beliebten PSI-Thema. Der unheimliche Maskenmann hat hier nämlich telekinetische Kräfte, was der Story durchaus guttut. 

    Leider bietet die Inszenierung aber auch immer wieder zähe Momente, besonders in der zweiten Hälfte. Es sind auch die belanglosen Darsteller, die den Film manchmal etwas ausbremsen. Chuck Connors mit seiner widerlich freundlichen Art als Mr. Slausen ist aber soweit okay und passt ganz gut als Hinterwäldler. 

    TOURIST TRAP ist ein atmosphärischer Horror-Slasher mit einer netten Story, aber austauschbaren Figuren, der seinen Twist gegen Ende leider nur halbgar präsentiert. 

    (Bjoern Candidus)

  • Olivia, 1983 – ★★

    Olivia, 1983 – ★★

    OLIVIA – IM BLUTRAUSCH DES WAHNSINNS
    (OLIVIA, USA, 1983, Regie: Ulli Lommel)

    Nachdem die kleine Olivia mit ansehen musste, wie ihre Mutter von einem Freier umgebracht wird, vergehen 15 Jahre. Inzwischen hat Olivia Richard geheiratet. Dieser behandelt sie allerdings sehr schlecht und möchte nicht, dass sie einen Job annimmt. Er zwingt sie sogar zum Sex. Hinter seinem Rücken arbeitet sie heimlich als Prostituierte, wie einst ihre Mutter. Eines Abends lernt sie den Architekten Michael Grant aus Los Angeles kennen, der sich aus beruflichen Zwecken in London die London Bridge anschauen muss. Olivia lässt sich auf eine Affäre mit Michael ein, die darin endete, dass ihr Mann Richard die beiden am Ufer der Themse erwischt. Es kommt zu einem Kampf zwischen den beiden Männern, bei denen Richard in die Themse fällt. Darauf hin verschwindet Olivia aus dem Leben beider Männer. Vier Jahre vergehen, in denen sie nach Arizona zieht, wo sie schließt wieder auf Michael trifft. Als sie sich wieder auf einander einlassen, holt Olivia der Schatten ihrer Vergangenheit ein. 

    Zwischen seinen beiden sehr ordentlichen Horrorfilmen THE BOOGEY MAN (1980) und TOTENTANZ DER HEXEN (1983) hat Ulli Lommel diesen sonderbaren Horror-Psycho-Thriller gefrickelt, der irgendwo zwischen Kunst und Kommerz angesiedelt ist. Statt eines durchaus derben Geister-Horrorfilms wie THE BOOGEY MAN, liefert Lommel mit OLIVIA eher eine Antwort auf Filme wie PSYCHO (1960), PEEPING TOM (1960) und MANIAC (1980), leider ohne deren Qualitäten zu kopieren. Das Hauptproblem von OLIVIA ist nicht die wenig überraschende Story, die zudem einige Fragen aufwirft, und nicht die Darsteller, sondern die Art, wie hier Szenen in die Länge gezogen werden. Obwohl man sich im Rahmen von gut 84 Minuten bewegt, hatte ich das Gefühl, eine halbe Stunde länger zu sitzen. Das liegt vielleicht auch daran, dass sich der Film sehr genau in zwei Teile spaltet. Die erste Hälfte ist der London-Part mit der kurzen Rückblick-Szene in Olivias Kindheit, wo sie den Mord an ihrer Mutter durch ein Schlüsselloch beobachtet. Dieser Teil ist sehr düster und deprimierend. Man begleitet Olivia durch den grauen Alltag in einer englischen Arbeitersiedlung, wo sie von ihrem Ehemann drangsaliert wird. Die zweite Hälfte des Films ist in Arizona angesiedelt, und dieser Part erstrahlt im Lichte der Sonne. Ein Kontrast wie Tag und Nacht, was eigentlich kein Problem wäre, hätte Lommel hier das Tempo erhöht oder wenigstens die anfängliche Spannung erhalten. Egal, in welche Richtung sich der Film entwickelt, die Sauerstoffarmut macht sich breit. Lommels damalige Ehefrau Suzanna Love spielt Olivia. Die Frau am Rande des Wahnsinns steht ihr durchaus gut zu Gesicht. Weniger überzeugend ist Robert Walker Jr., der die Langeweile zusätzlich befeuert. Jeff Winchester ist als Olivias Ehemann Richard lediglich das Abziehbild eines ekligen Typens, aber das funktioniert zumindest. Ansonsten ist noch Ulli Lommel selbst vertreten, sowie Suzannas Bruder Nicholas Love.

    Manchmal fragte ich mich auch, ob Ungereimtheiten einer Schlampigkeit des Drehbuchs geschuldet waren oder einer Art Absicht Lommels unterlagen. Einiges ist sonderbar, und wäre es nicht so langweilig inszeniert, würde es mich viel weniger stören. Das Ende wirft nämlich eine durchaus interessante Frage auf. 
    Neben ein paar mitunter sadomasochistischen Softsex-Einlagen, gibt es ein bisschen Gore, der aber kaum der Rede wert ist. Hier hätte man durchaus mehr rausholen können, statt Minuten mit Nichts zu dehnen. Aber wenigstens bleibt eine Sache konstant gut: der Score von Joel Goldsmith, dem Sohn des großen Jerry. 

    OLIVIA – IM BLUTRAUSCH DES WAHNSINNS war sicher gut gemeint, wurde aber leider schlecht umgesetzt. Gute Ansätze sind zu erkennen, aber die Trägheit der Inszenierung erstickt sie fast komplett. 

    (Bjoern Candidus)

  • Lost Continent, 1951 – ★★★

    Lost Continent, 1951 – ★★★

    DIE REISE ZUR GEHEIMNISVOLLEN INSEL
    (LOST CONTINENT, USA, 1951, Regie: Sam Newsfield)

    Eine Rakete der US-Army, ausgestattet mit einem Atomsprengkopf, stürzt über dem Südpazifik ab. Glück im Unglück, denn die Rakete geht nicht hoch. Dennoch muss die Massenvernichtungswaffe geborgen werden. Und so bricht ein Team aus Wissenschaftlern und Armee zu einer Insel auf, die ein prähistorisches Geheimnis birgt. 

    Noch bevor Eugène Lourié und Ray Harryhausen mit ihrem Rhedosaurus aus PANIK IN NEW YORK (1953) durch die Kinoleinwand brach, um das Publikum zu faszinieren, kam Sam Newsfield, der eine beachtlich umfangreiche Filmographie vorzuweisen hat, um die 1950er-Jahre prähistorisch zu vertreten. 

    Die Mischung aus Jules Verne und dem atomaren Schrecken, der das 50er-Jahre-Monster-Scifi-Kino dominierte, ist ein weniger bekanntes Fantasy-Abenteuer-Relikt. Der sehr langsame Aufbau der Geschichte und die steifen bis unsympathischen Darsteller (u.a. Cesar Romero, John Hoyt) machen die erste Hälfte etwas zäh und unattraktiv. Nach circa 45 Minuten wandelt sich der Schwarzweißfilm in einen Schwarzgrünfilm, natürlich mit dem Betreten der geheimnisvollen Insel. Ein netter Effekt, und dann wird es auch etwas spannender.

    Während man für den ersten Dinosaurier ein Reptil benutzt, was durch eine optische Täuschung als riesig verkauft werden soll, geht es danach in die Stop-Motion-Bereiche. Hier darf man sich dann auf einen Flugsaurier, auf einen aggressiver Brontosaurus (!) und auf ein Duell zweier Triceratopse freuen. Das sieht ganz ordentlich aus. Sehr gelungen ist sind auch die Fels-Kulissen im Studio. Überhaupt hat der Film einen schönen Look, der die Darsteller schnell vergessen lässt. 

    DIE REISE ZUR GEHEIMNISVOLLEN INSEL ist eine unterhaltsame Variante einer bekannten Geschichte, die etwas braucht, um in Fahrt zu kommen, dann aber mit ihrem abenteuerlichen Charme in der zweiten Hälfte versöhnlicher wird. 

    (Bjoern Candidus)

  • They Nest, 2000 – ★★★

    They Nest, 2000 – ★★★

    THEY NEST 
    (USA, 2000, Regie: Ellory Elkayem)

    Als der Chirurg Benjamin Cahill die kleine Insel Casco Bay, Maine, besucht, um sich dort um sein Haus und sein Alkoholproblem zu kümmern, gerät er in ganz andere Schwierigkeiten, die bald zum Problem der ganzen Insel werden. Gefräßige Kakerlaken haben sich dort angesiedelt, die vor allem ein Lebewesen besonders gerne auf dem Speiseplan haben: Menschen. Und so beginnt ein Kampf ums überleben, bei dem Cahill tatkräftige Unterstützung von der schönen Nell bekommt. 

    Dass hier unter dem Strich kein Fest der Innovationen gefeiert wird, kann sich der Genrekenner vermutlich schon denken. Regisseur Ellory Elkayem (ARAC ATTACK, 2002) ist aber dennoch ein solider Tier-Horrorfilm gelungen, der stark in der Tradition von MÖRDERSPINNEN (1977) steht, aber auch ein bisschen AKTE X – Feeling schwingt mit, was vermutlich am Jahrgang und dem TV-Seriencharakter liegt, der hier deutlich durchschimmert, aber es ist ja auch eine Fernsehproduktion. Für TV-Verhältnisse geht es hier teilweise gar nicht zimperlich zu; der Blut- und vor allem Ekel-Sektor wird gut bedient. Das passiert gnädigerweise vor allem mittels praktischer Effekte und mit Hilfe von echten Schaben. Von CGI-Verschmutzungen bleibt man hier zwar nicht ganz verschon, aber die sind selten und nur kurz. Überzeugen konnte mich vor allem die Atmosphäre, die durch das waldige und verregnete Insel-Setting mit ihren drahtbürstigen Bewohnern heraufbeschworen wird. Das Gefühl einer Serie wird nochmals verstärkt, wirft man einen Blick auf die Darsteller. Thomas Calabro (als Dr. Ben Cahill) kennt man vor allem aus der Serie MELROSE PLACE. An seiner Seite steht Kristen Dalton, (als Nell) die z.B. eine längere Rolle in der DEAD ZONE – Serie hat. Am bekanntesten dürfte hier aber Dean Stockwell (als Sheriff Hobbs) sein. 

    THEY NEST ist ein angenehmer Tier-Horrorfilm mit bekannten Zutaten. Der langsame Aufbau bringt ein gutes Maß an Spannung mit, auch wenn es hier keine großen Überraschungen gibt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Next of Kin, 1982 – ★★★★

    Next of Kin, 1982 – ★★★★

    MONTCLARE – ERBE DES GRAUENS
    (NEXT OF KIN, Australien, Neuseeland, 1982, Regie: Tony Williams)

    Nach dem Tod ihrer Mutter übernimmt Tochter Linda die Seniorenresidenz Montclare. Ihre anfängliche Skepsis verschwindet, bis sie sich von einer unheimlichen Gestalt verfolgt fühlt. Ihr Ängste nehmen zu, und die Schatten, die über Montclare liegen verdichten sich. 

    Die australisch-neuseeländische Koproduktion, die unter der Regie des Neuseeländers Tony Williams hat hier einen spannenden Horror-Thriller abgeliefert, der vor allem durch seine visuelle Seite und seiner schleichenden Inszenierung punkten kann. Über den Inhalt und den Verlauf des Films werfe ich den Mantel des Schweigens, denn ich möchte nicht zu viel verraten. Wer aber Gefallen an Filme wie LANDHAUS DER TOTEN SEELEN (1976), SUSPIRIA (1976), DIE NACHT DES TODES! (1980) oder SHINING (1980) findet, ist hier richtig. 

    Nachdem einen der Film mit lichtdurchfluteten Bildern der australischen Natur begrüßt, bekommt man kurze Zeit später eher einen britischen Vibe zu spüren. Der wird vor allem durch das Setting, eine alte Villa, die als Altersresidenz fungiert, ausgelöst. Außerdem weicht das schöne Wetter einem Unwetter. Es herrscht Gruselstimmung. Hier kann man sich von einer tollen Fotografie (tolle Kamerafahren und Perspektiven) von Gary Hansen überzeugen lassen, an die sich der hervorragende Electro-Score von Klaus Schulze (TANGERINE DREAM) haftet, der die Inszenierung fast zum schweben bringt. Aber nicht nur eine sehr dichte Atmosphäre wird hier erzeugt, sondern auch ein paar wirklich verstörende und Harte Momente, die ich so nicht erwartet hätte. Besonders im letzten Drittel dreht die Inszenierung richtig auf. Auch die Besetzung kann sich sehen lassen. Die mir unbekannte Jacki Kerin macht spielt sehr gut und bringt die nötige Sympathie mit. John Jarratt (WOLF CREEK, 2005) bleibt hingegen etwas auf der Strecke, doch der Ausgleich kommt mit den schrulligen Herrschaften, die auf Montclare residieren. 

    MONTCLARE – ERBE DES GRAUENS ist ein starker Horror-Thriller, der zu unrecht unter dem Radar läuft. Ein weiteres Argument für das Ozploitation-Kino. 

    (Bjoern Candidus)

  • A Force of One, 1979 – ★★★

    A Force of One, 1979 – ★★★

    DER BULLDOZER
    (A FORCE OF ONE, USA, 1979, Regie: Paul Aaron)

    Wenn Weihnachten unter Palmen im Blut ertrinkt, kann nur einer helfen: Chuck Norris!

    Matt Logan (Chuck Norris) wird von der ansässigen Polizei gebeten, zu helfen. Ein Killer einer Drogenbande, der es auf Drogenfahnder abgesehen hat, versetzt die Stadt in Angst. Auffällig ist, dass der Killer mit Karate-Moves tötet. Da Matt ein Karate-Champion ist, liegt es nahe, dass er den Polizisten Karate beibringt, damit sie sich zukünftig wehren können. Doch schnell hängt er selbst in dem Fall…

    Klingt bekloppt, ist es auch, aber immerhin hat Regisseur Paul Aaron einen kurzweiligen Material-Arts-Action-Krimi gezimmert, der keine Langeweile aufkommen lässt. Richtige Spannung kommt zwar nicht auf, aber die Action steht auch klar im Fokus, und von der gibt es einiges zu sehen. Vor allem im Bereich Kampfkunst wird hier fleißig abgeliefert.

    Über der ganzen Produktion liegt ein herrlicher Spät-70er-Charme, zu dem der Cast nur allzu gut passt. Neben Chuck und Bruder Aaron Norris, tauchen hier Clu Gulager (RETURN OF THE LIVING DEAD, 1985), Ron O‘ Neal (DAS GRAUEN KOMMT UM 10, 1979), Charles Cyphers (HALLOWEEN, 1978) und als Sahnehäubchen Kickbox-Legende Bill „Superfoot“ Wallace auf. Weibliche Unterstützung gibt es von Jennifer O‘Neill(SCANNERS, 1981).

    Inhaltlich ist bei DER BULLDOZER nicht viel zu holen. Wer hätte das gedacht? Ich nicht, deshalb wurde ich hier auch nicht enttäuscht. Schläge und Tritte können manchmal reichen, um einen Tag zu versüßen. 

    (Bjoern Candidus)