Autor: marco-fritz

  • Exorcismo, 1975 – ★★

    Exorcismo, 1975 – ★★

    DIE NACHT DES EXORZISTEN
    (EXORCISMO, Spanien, 1975, Juan Bosch) 

    Zurück von einer satanischen Messe, die mit Sex und Drogen in Schwung gebracht wurde, fährt scheinbar der Teufel selbst in die blonde Leila, die daraufhin das Leben ihrer Umwelt erschwert. Hilfe kommt alsbald von Priester Adrian Dunning.  

    Nach dem weltweiten Erfolg von DER EXORZIST (1973), wollte jedes Land sein eigenes vom Teufel besessenes Menschenkind. Die Deutschen kamen mit dem unterhaltsamem MAGDALENA – VOM TEUFEL BESESSEN (1974) um die Ecke, die Türken mit SEYTAN (1974), die Italiener bekamen mal wieder den Hals nicht voll und sendeten gleich mehrere Teufelsblitze, z.B. DER ANTICHRIST (1974) oder WER BIST DU? (1974) Und als hätte Amando De Ossorios Teufels-Spaß DER EXORZIST UND DIE KINDHEXE (1975) nicht schon gereicht, kommt im gleichen Jahr auch diese spanische Produktion: DIE NACHT DES EXORZISTEN

    Und in dieser Nacht lässt unser aller Lieblingswerwolf seinen Pelz am Haken, um als Priester einer jungen Frau zu helfen, in der der Beelzebub gefahren ist. Das klingt nach großer Unterhaltung mit kleinen Mitteln. Kleine Mittel kann ich bestätigen, große Unterhaltung leider nicht. Von einem Totalausfall soll hier aber auch nicht die Rede sein. Regie führte Juan Bosch, der zumindest ein Händchen für Sets hatte, um eine relativ dichte Atmosphäre zu erzeugen. Die Studioaufnahmen entstanden in Spanien, die Außenaufnahmen in England, und in diesem Bereich kann Bosch Punkte sammeln. Auch die Eröffnungs-Szene mit Teufelshippies ist durchaus stimmig inszeniert. Der Score und die Soundeffekte sind ebenfalls in Ordnung. Doch es sind immer nur kurze Momente, die diesen Film nicht ganz ertrinken lassen. Statt auf Spannung, Horror oder Obszönitäten zu setzen (ist trotzdem alles dabei), legt man mehr Wert auf Geschwätzigkeit. Ausschweifende, nach Drogen und Sex geifernde junge Leute, die den Teufel anbeteten statt den Mann mit Rauschebart, stehen hier zur Debatte, die Fragen der Moral aufwerfen. Das wäre alles okay, wäre es seriöser ausgearbeitet worden. Unter dem Strich ist dies aber nur eine sauerstoffarme Abarbeitung zeittypischer Themen. Naschy steht die Rolle des Priesters gar nicht schlecht, der Rest der Besetzung befindet sich jenseits von Gut und Böse. Neben Naschy liegt die Aufmerksamkeit aber vor allem auf Mercedes Molina (geb. Grace Mills) als besessene Leila. An für sich ist ihr Schauspiel annehmbar, aber ich habe hier eindeutig mehr Aktion erwartet. Immerhin fährt sie gegen Ende noch eine eklige Horrorfratze mit gebatikten Kontaktlinsen auf. Nett, aber zu kurz. Was fehlt also noch? Genau, eine Familie in Sorge über ihren rattigen Nachwuchs, eine Leiche mit verdrehtem Kopf und ein Kommissar. An alles wurde gedacht und dennoch schafft es Juan Bosch diese Zutaten nur halbgar zu servieren. 

    Nacktes Fleisch, okkulte Reliquien
    sexgeile Teufelshippies und nur wenig Horror, aber viel Sauerstoffarmut bietet DIE NACHT DES EXORZISTEN. Im Grunde nur für Naschy-Fans interessant.   

    (Bjoern Candidus)

  • The Snorkel, 1958 – ★★★½

    The Snorkel, 1958 – ★★★½

    DER SCHNORCHEL
    (THE SNORKEL, GB, 1958, Regie: Guy Green) 

    Paul Decker hat seine wohlhabende Frau ermordet. Sein Gas-Mord wurde clever durchdacht, der Plan geht auf. Erst mal. Doch er hat die Rechnung ohne seine Stieftochter Candy gemacht, die sich als Hobby-Detektivin versucht. 

    Bevor die Hammer-Studios Ende der 50er-Jahre immer mehr zum Synonym für Horror wurden, waren es vor allem Krimis, die man dem Publikum servierte. 

    Der unter der Regie von Guy Green gedrehte DER SCHNORCHEL entstand zwischen FRANKENSTEINS FLUCH (1957) und DRACULA (1958) und wurde im Gegensatz zu den beiden Horrorfilmen noch in Schwarzweiß gedreht. Stilistisch hat mich der Film etwas an die Thriller EIN TOTER SPIELT KLAVIER (1961) und HAUS DES GRAUENS (1963) erinnert, wobei sich dieser Film hier vielmehr als Krimi versteht. Auch wenn sich die Frage nach dem Täter und dem Motiv erst gar nicht stellt, ist DER SCHNORCHEL recht spannend. Das liegt mitunter auch an der hervorragenden Fotografie von Jack Asher, der schon in der Pre-Titel-Sequenz, in dem der Gas-Mord von Paul an seiner Ehefrau minutiös vorbereitet wird, sein Können unter Beweis stellt, wenn es unter die Dielenböden der Villa an der italienischen Küste geht. Es ist schon recht garstig, wenn Paul mit seiner Tauchermaske und dem Schnorcheln, durch den er Luft bekommt, den langsamen Erstickungstod seiner Frau beobachtet. 

    Nach dieser finsteren Eröffnungszene kommt etwas Auflockerung ins Spiel, denn im Fokus der Ermittlung steht nicht die Polizei, sondern die fünfzehnjährige Candy, die im Gegensatz zur Polizei nicht von einem Selbstmord ausgeht. Und so begleitet man Candy durch den Film, die versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen und plötzlich selbst in Gefahr gerät, denn Paul hat die Cleverness seiner Stieftochter unterschätzt und will sie aus dem Weg räumen. 

    Besetzt wurde der Film mit Peter van Eyck (LOHN DER ANGST, 1953) als Paul Decker, der seine Rolle gut meistert, in der er ständig zwischen seinem wahren Charakter und dem Trugbild, was er aufbaut, wechseln muss. Sein Problem, Candy, wird von Mandy Miller (COMPACT, 1962-1965) verkörpert, die für eine Fünfzehnjährige gute Arbeit abgeliefert hat. 

    Dass sich der Film durchaus etwas nach Hitchcock anfühlt, dürfte vor allem dem geistigen Vater der Story zu verdanken sein. Anthony Dawson (bitte nicht mit Antonio Margheritis Pseudonym Anthony M. Dawson verwechseln), der in BEI ANRUF MORD (1954) für Alfred Hitchcock vor der Kamera stehen durfte, lieferte die Vorlage. 

    DER SCHNORCHEL ist ein dicht inszenierter Krimi, mit einer guten Besetzung und einem sommerlichen Schauplatz am Meer, der zwar keine Überraschungen auf Lager hat, aber trotzdem spannend und nie langweilig ist. 

    (Bjoern Candidus)

  • Stage Fright, 1987 – ★★★½

    Stage Fright, 1987 – ★★★½

    AQUARIUS – THEATER DES TODES
    (DELIRIA, Italien, 1987, Regie: Michele Soavi)

    Eine Musical-Gruppe probt in einem alten Theater ihre neue Nummer. Unweit davon entfernt entflieht ein Psychopath aus einer Psychiatrie, der sich das Theater als sein nächstes Ziel ausgesucht hat.  

    Nachdem Michele Soavi als Regie-Assistent von Joe D‘Amato, Dario Argento und Lamberto Bava arbeiten durfte, war es nur eine Frage der Zeit, bis er selbst auf dem Regiestuhl Platz nahm. 

    Und so entstand nach Soavis Dokumentation DARIO ARGENTO‘S WORLD OF HORROR (1985) 1987 für D’Amatos Filmschmiede Filmirage sein Debütspielfilm AQUARIUS – THEATER DES TODES, der sich sowohl als Giallo als auch als Slasher nach US-Prinzip lesen lässt. Das Theater-Setting erinnert nicht nur an OPERA (1986) und IM RAMPENLICHT DES BÖSEN (1972), sondern auch an L‘ ASSASSINO HA RISERVATO NOVE POLTRONE (1974), in dem ebenfalls eine Gruppe junger Leute in einem Theater eingeschlossen sind und nach und nach ableben müssen. 

    AQUARIUS – THEATER DES TODES startet erst mal rein in die (eklige) 80er-Jahre-Musical-Welt, in der wild zu fürchterlicher Musik getanzt wird. Doch dem bunten Treiben wird schnell einen Riegel vorgeschoben, wenn der Film dem typischen Einer-nach-dem-anderen-Slasher-Prinzip folgt. Innovativ ist das Ganze natürlich nicht, und 1987 hatte man den Brei eigentlich schon viel zu oft geschluckt. Doch Soavi zeigt es dem Zuschauer auf visuelle Art, um sich abzusetzen. Im Gegensatz zu den vielen sehr steifen oder langweilig inszenierten US-Slashern der späten 80er-Jahre kann AQUARIUS – THEATER DES TODES durch die gute Fotografie von Renato Tafuri glänzen, der das Theater auf, unter, über und hinter der Bühne nutzt, um dem Killer eine Spielwiese zu bieten. Überzeugen kann Soavi auch in Sachen Gore. Eine Spitzhacke, eine Bohrmaschine und eine Kettensäge kommen zum Einsatz und lassen das Blut spritzen. Zudem bringt der Killer dank seiner Eulenmaske frischen Wind in die Welt der Maskenmörder. 

    Die Besetzung ist okay. Viel sollte man von den Darstellern nicht erwarten, aber im Gegensatz zu vielen ihrer Slasher-Kollegen, geben sie ein sympathischeres Bild ab. Ich habe mir ein bisschen mehr Spielzeit von Giovanni Lombardo Radice erhofft, aber man kann ja nicht alles haben. Neben der Pop-Musik, die hier im Rahmen der Musical-Proben erklingt, darf auch Simon Boswell wieder ran. 

    AQUARIUS – THEATER DES TODES ist ein ordentlicher inszenierter Giallo-Slasher mit wuchtigen Gewalteinlagen und visuellen Reizen, der zwar inhaltlich auf der Sparflamme kocht, aber diesbezüglich auch keinerlei Erwartungen erfüllen muss. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Weapon, the Hour, the Motive, 1972 – ★★★★

    The Weapon, the Hour, the Motive, 1972 – ★★★★

    DIE STUNDE, DIE WAFFE, DAS MOTIV
    (L‘ARMA, L‘ORA, IL MOVENTE, Italien, 1972, Regie: Francesco Mazzei) 

    Don Giorgio, ein junger Priester, hält nicht viel vom Zölibat und treibt es mit der ein oder anderen Dorfschönheit. Als er eines Tages ermordet in der Kirche aufgefunden wird, schaltet sich Kommissar Boito und sein Kollege Moriconi ein, die den Fall hinter den Klostermauern lösen wollen. Was weder der Täter noch der Kommissar weiß: es gibt einen Augenzeugen von dem Mord, der aber aus Angst schweigt. Als schließlich eine der Damen getötet wird, mit denen sich Don Giorgio amüsiert hat, spitzt sich die Situation zu. 

    Priester tauchen im Giallo-Kino immer wieder auf. Im Jahre 1972 gleich drei Mal. Lucio Fulci liefert einen in DON’T TORTURE A DUCKLING (1972), Aldo Lado folgt mit THE CHILD – DIE STADT WIRD ZUM ALPTRAUM (1972) und hier ist es Francesco Mazzei. Später reicht noch Antonio Bido einen in BLUTIGER SCHATTEN (1978) ein. In DIE STUNDE, DIE WAFFE, DAS MOTIV ist der Priester, der von Maurizio Bonuglia (DER SCHWARZE TAG DES WIDDERS, 1971) dargestellt wird, schnell Weg von der Bildfläche. Francesco Mazzei (CONVOY DER FRAUEN, 1974) fokussiert sich auf den Augenzeugen, den kleinen Ferruccio (Arturo Trina), der der spirituelle Freund des Jungen aus Argentos AURA (1993) sein könnte, auf die beiden Ermittler Boito (Renzo Montagnani) und Moriconi (Salvatore Puntillo) und auf Guilia (Eva Czemerys), die ebenfalls Sex mit dem Priester hatte und als nächstes Kommissar Boito in Liebes-Visier nimmt. Darstellerisch ist hier alles in bester Ordnung. Viele Nebenfiguren tauchen auf, die Leben in das Geschehen bringen, z.B. eine Horde Nonnen, die sich einer Selbstkasteiung mittels Peitsche, die sie sich auf den Rücken knallen, hingeben. Das gleiche Schauspiel darf man im übrigen auch von Don Giorgio genießen, bevor er umgebracht wird. 

    Wer der Täter ist, bleibt lange Zeit im Verborgenen, kann aber vom Zuschauer durchaus entlarvt werden. Das tut der Sache aber keinen Abbruch, denn die Inszenierung ist spannend und sehr atmosphärisch, allerdings mehr auf realistischer Ebene. Der Film hat sehr natürliche Bilder mit sommerlichem Anstrich, erdigen Farben und dem belebtem Grün der Bäume. Gedreht wurde in und um Rom. Urlaubsstimmung sei hier gewiss, auch wenn sie sich vor allem hinter Klostermauern abspielt. Aber auch das kommt der Inszenierung zu Gute, denn das alte Gemäuer mit vielen Ecken und Winkeln, Gängen und Treppen sorgt für eine tolle Stimmung, die man so selten im Giallo-Kino findet.
    Neben der durchaus ansehnlichen Kameraarbeit von Giovanni Ciarlo, kann auch Francesco De Masi mit seinem Score überzeugen. 

    DIE STUNDE, DIE WAFFE, DAS MOTIV ist ein gut erzählter, ordentlich besetzter Giallo, der keine ausufernden Morde und stylische Überzeichnungen benötigt, um Eindruck zu hinterlassen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Damnation Alley, 1977 – ★★★

    Damnation Alley, 1977 – ★★★

    STRASSE DER VERDAMMNIS 
    (DAMNATION ALLEY, USA, 1977, Regie: Jack Smight) 

    Nachdem der 3. Weltkrieg, wie gedacht, ein Atomkrieg wurde, hat sich die Erdachse verschoben, die Temperatur stark höht und sich ionisierende Strahlungen und elektrische Stürme breitgemacht, die auf Mensch, Flora und Fauna wirken. Vier Soldaten der US-Air Force haben in einem Bunker überlebt und schlagen sich fortan mit dem Landmaster, einem gepanzerten, wasserdichten Gefährt mit 12 Rädern, durch die todbringende Wüste, die von riesigen Skorpionen bewohnt wird. Angetrieben werden sie von einem Funkspruch aus Albany, der die Hoffnung in ihnen erweckt, auf andere Überlebende zu stoßen. 

    Das Science-Fiction-Kino der 70er-Jahre ist voll von Dystopien, und da bietet sich ein 3. Weltkrieg natürlich hervorragend an. Und so startet STRASSE DER VERDAMMNIS direkt mit einem Schlag ins Gesicht, wenn in einer Wüstenbasis der US-Air Force der Angriff mit zahlreichen Nuklearraketen gemeldet wird. Wer der Feind ist, ist klar, wird aber nicht erwähnt. Auf einem Radar sieht man die sich nähernden Raketen. Ein Abfangversucht glückt lediglich zu 40%, die anderen Raketen schlagen in den US-Großstädten ein und vernichten sie. Es folgen. Archiv-Aufnahmen von zahlreichen Atombombentests, die immer wieder schön anzusehen sind. 

    Bis zu diesem Punkt könnte man glauben, ein finsteres, bedrückendes Endzeit-Drama würde folgen, aber STRASSE DER VERDAMMNIS verwandelt sich schnell in ein Abenteuer-Roadmovie mit Action, Monstern und Hinterwäldlern. Vermutlich dürfte auch das der Grund sein, warum Robert Zelazny, der die Roman-Vorlage geschrieben hat, sehr unzufrieden mit dem Ergebnis war. Inhaltlich gibt Jack Smights (DER TÄTOWIERTE, 1969) Adaption nicht viel her. Vier Männer folgen einem Funkspruch, treffen eine Frau und einen Jugendlichen und müssen sich Gefahren stellen. Wenn man aber die Inhaltsleere schnell schluckt, macht dieser Film Spaß und ist verdammt kurzweilig. Dazu werden wirklich tolle Spezial-Effekte geliefert. Besonders der Himmel, der sich durch die veränderte Atmosphäre in Gelb-Orange-Tönen zeigt, ist gut gemacht. Stürme und Wolkenformationen rundet das Gesamtbild ab. Rein visuell bekommt der Endzeit-Scifi-Fan wirklich was geboten. Auch die Besetzung kann sich durchaus sehen lassen. Jan-Michael Vincent, George Peppard, Paul Winfield und ein noch blutjunger Jackie Earle Haley sind u.a. an Bord. Abgerundet wird der Film mit einem Score von Jerry Goldsmith.  

    STRASSE DER VERDAMMNIS ist inhaltsleer und unlogisch, aber bietet einiges fürs Auge und dürfte allen gefallen, die auf Endzeit-Abenteuer mit nuklearem Hintergrund stehen. 

    (Bjoern Candidus)

  • 83. Ein Kind zu töten… (1976)

    83. Ein Kind zu töten… (1976)

    EIN KIND ZU TÖTEN…

    (¿QUIÉN PUEDE MATAR A UN NIÑO?)

    Italien, 1976

    Regie: Narciso Ibáñez Serrador

    Bjoern Candidus und Patrick Siebold sprechen über Narciso Ibáñez Serradors Horrorfilm EIN KIND ZU TÖTEN…, in dem ein Touristenpärchen auf einer spanischen Insel von scheinbar ganz normalen Kindern angegriffen wird, die einer schrecklichen Agenda folgen.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Kiss of the Damned, 2012 – ★★

    Kiss of the Damned, 2012 – ★★

    KISS OF THE DAMNED
    (USA, 2012, Regie: Xan Cassavetes)

    Die geheimnisvolle Schönheit Djuna und Paolo, ein Drehbuchautor, lernen sich in einer Bar kennen. Als sich die beiden näher kommen, lüftet Djuna ihr Geheimnis. Sie ist eine Vampirin, die sich in erster Linie von tierischem oder synthetischem Blut ernährt. Anfänglich schenkt Paolo ihr keinen Glauben, doch er wird schnell eines Besseren belehrt. Doch statt das Weite zu Suchen, bittet er sie, ihn ebenfalls in einen Vampir zu verwandeln. 

    Regisseurin Xan Cassavetes greift mit KISS OF THE DAMNED auf eins der beliebtesten Subgenre des Horrorfilms zurück: auf den Vampirfilm. Seit über 100 Jahren beflügelt dieses Thema nun schon das Kino, und es passt sich stets an. Der Vampir als Figur ist unglaublich universell einsetzbar, und das hat er in der Filmgeschichte immer wieder bewiesen. Cassavetes hat dem Thema nicht viel Neues hinzugefügt. Die üblichen Probleme wie Tageslicht, unerträgliche Schmerzen, wenn der Blutdurst nicht gestillt wird und die Enthauptung als wirkungsvolles Mittel für die Vernichtung des Vampirs, werden auch hier thematisiert. Auch der Wille auf Verzicht von Menschenblut wird angeschnitten. Die Vampirgesellschaft, die porträtiert wird, versucht sich von tierischem oder synthetischem Blut zu ernähren. Ein Thema, was auch in SALEM 2 – DIE RÜCKKEHR (1987) aufgegriffen wird, wo sich die Vampire von Rinderblut ernähren. Die vampirische Gesellschaft mit ihrer hochgestochenen Kultur und ihren Strukturen zum Schutz und der Organisation von Blut erinnert an BLUTDURST (1979). Der Liebesbeziehungs-Part erinnert etwas an Filme wie BEGIERDE (1983) oder BLUT AN DEN LIPPEN (1971), auch wenn das Niveau dieser Filme hier nicht erreicht wird. Visuell braucht sich KISS OF THE DAMNED aber nicht verstecken. Der Film ist ordentlich fotografiert, gut ausgeleuchtet, zeigt sich in schönem Cinemascope und liefert, vor allem am Anfang, atmosphärische Nachtaufnahmen am See, über dem sich der Vollmond erhebt. Leider verlaufen sich diese stimmungsvollen Bilder immer mehr im Laufe der Spielzeit. Dann hält man sich vor allem in der weitläufigen Villa auf, die abgelegen an einem See am Waldrand steht. Rein optisch kann sich hier eigentlich alles sehen lassen, und vom Gefühl erinnerte ich mich mehr an das europäische Kino. Das ein oder andere Mal kam mir sogar Jean Rollin in den Sinn, dem der Film möglicherweise gefallen hätte, zumindest teilweise. Leider gibt es auch Schwachpunkte, und die sind schwerwiegend. Dass die abgelutschte Story nicht viel hergibt, ist geschenkt, aber sie wird sehr langsam und teils nervig erzählt, was vor allem an den Figuren liegt. Joséphine de La Baume, Milo Ventimiglia, Caitlin Keats, Roxane Mesquida, Michael Rapaport und Ching Valdes-Aran bewegen sich zwar auf solidem Niveau, doch sie waren mir völlig egal. Figuren, frei von jeglicher Anziehungskraft präsentieren sich hier, die sich in langweiligem Gequatsche verlaufen, wenn sie nicht gerade Sex haben oder ihren Blutdurst stillen. Natürlich hält sich hier auch nicht jeder an die Regeln bezüglich des Tier- und synthetischem Blut, und so kommt es auch zu Menschenopfern. In Sachen Gore sollte man nicht viel erwarten, mehr als Blut und ein paar Brandwunden sind nicht zu erwarten, genauso wenig Spannung. 

    Gelungen ist hingegen die musikalische Seite. Der Score stammt von Steven Hufsteter und wird mit diversen Songs ergänzt. Der Mix ist wild: Von Klassischer Musik eines Chopin bis zur Deutschpunk-Band Der Fluch aus Leverkusen (wie ich) ist hier einiges los. 

    KISS OF THE DAMNED sieht schön aus, klingt gut und erinnert etwas an das europäische 70er – 80er-Jahre-Vampirkino, doch die langweilige Liebes-Geschichte und die noch langweiligeren Figuren in dieser schmälern den Genuss deutlich. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Godsend, 1980 – ★½

    The Godsend, 1980 – ★½

    HORRORBABY
    (THE GODSEND, GB, 1980, Regie: Gabrielle Beaumont)

    Das Ehepaar Marlowe geht mit ihrer Horde Kinder spazieren. Bei dem Ausflug in den ländlichen Gefilden Englands treffen sie auf eine sonderbare Frau, die hochschwanger ist. Die Marlowes, die in der Nähe wohnen, nehmen sie zu sich mit nach Hause. Wenig später setzen bei der Frau die Wehen ein. Dr. Collins braucht nicht lange und bringt das Kind zur Welt. Plötzlich ist die Mutter spurlos verschwunden und hat ihr Baby zurückgelassen. Die Marlowesentscheiden sich dafür, dass Baby zu behalten, was ein törichter Fehler war.

    Böse Kinder haben eine lange Tradition im Kino (DAS DORF DER VERDAMMTEN, 1960 / EIN KIND ZU TÖTEN…, 1976). Nach dem Erfolg von DER EXORZIST (1973) und DAS OMEN (1976) setzte eine Welle von Filmen mit garstigen Kindern ein, vor allem die, die mit dem Teufel im Kontakt standen.

    Bei dieser britischen Produktion, die unter der Regie von Gabrielle Beaumont entstanden ist, hat man es mit einer kleinen, blonden, höchst ausladenden Göre namens Wilhelmina Green, zu tun, die die kleine Schwester von Eva Ionesco sein könnte. Und damit hat man eigentlich den einzigen überzeugenden Horror-Pluspunkt des Films. Dabei bin ich mir sicher, dass die Macher dachten, dem Zuschauer ein süßes, unschuldiges Mädchen zu präsentieren, was niemandem etwas Schlechtes will. Auf den ein oder anderen mag dies vielleicht so wirken, aber ich für meinen Teil war von Anfang an abgeschreckt. Und dann sind da noch die ganzen anderen Kinder, die hier gnädigerweise, von unserem blonden Teufel der Reihe nach getötet werden. In diesem Punkt ist der Film sogar ziemlich konsequent, wo das Töten von Kindern doch sonst nicht ganz so beliebt ist. Aber wenn Kinder Kinder töten, ist es wahrscheinlich etwas anderes.

    Leider war es das aber schon mit dem Positiven, was mir hier begegnete, denn leider ist die Inszenieren ziemlich dröge, bietet kaum Spannung, wenig Überraschungen und ist rein visuell sehr charakterlos. Besonders die erste Hälfte ist so langweilig wie die englische Landkulisse, in der man sich aufhält. Aufgefangen wird das ganze auch nicht von den Darstellern der Erwachsenen. Malcolm Stoddard und Cyd Hayman als Ehepaar sind beide höchst unsympathisch, während Donald Pleasence Tochter Angela Pleasence zumindest gut einen Dachschaden auf zwei Beinen verkörpert, was sie schon eindrücklich in SYMPTOMS (1974) bewiesen hat. 

    Trotz guter Ansätze konnte mich HORRORBABY leider nicht abholen. Es fehlt einfach zu sehr an Schauwerten, Spannung und Stimmung. 

    Möglicherweise war Horror nicht ganz so der Bereich von Gabrielle Beaumont, die als erste Frau Regie im STAR TREK-Universum führen durfte. Sieben Folgen TNG, eine DS9 und eine Folge VOY gingen auf ihr Konto.

    (Bjoern Candidus)

  • Deranged, 1974 – ★★★★

    Deranged, 1974 – ★★★★

    BESESSEN
    (DERANGED, Kanada, USA, 1974, Regie: Alan Ormsby, Jeff Gillen) 

    Basierend auf den Fall des Mörders, Grabräubers und Leichenschänders Ed Gein hat Alan Ormsby und Jeff Gillen hier einen sehr morbiden, fast pseudodokumentarischen Film geschaffen, der das Potential hat, einen schlucken zu lassen. Das Erstaunliche an diesem filmischen Abgrund ist die recht authentische Darstellung von Eds Leben, seinem Umfeld und seinen Taten, denn erst später gerieten Polizeiberichte und Fotos ans Licht der Öffentlichkeit. Wunderlich sind auch einige Parallele zu TEXAS CHAINSAW MASSACRE, der einige Monate später im selben Jahr in die Kinos kam, aber von Hooper bereits zwischen Juli und August 1973 gedreht wurde. Doch während Hooper gnadenlosen Terror vor hitziger Texas-Kulisse entfesselt, ist man hier auf dem schneebedeckten Boden Kanadas, auf dem sich Ormsby auf den schleichenden Wahnsinn seines Ed Geins konzentriert, der hier Ezra Cobb heißt und wirklich brillant von Robert Blossom (CHRISTINE, 1983) dargestellt wird. Blossom scheint geradezu in der Rolle eines psychisch kranken Mannes mit höchst unangenehmen Neigungen aufzugehen. Wenn er dann seine Mutter aus dem Grab holt, was Ed Gein nie getan hat, aber gerne behauptet wird, wird es unangenehm. Und richtig ekelhaft wird es, wenn er sie aushöhlt, um sie auszustopfen. Da war der gute Hitch mit dem schönen Anthony 1960 etwas subtiler unterwegs. Jeder Winkel in Ezra Cobbs Haus mit Farm ist dreckig und stinkt durchs Bild, wie der Bewohner selbst. Aber nicht nur das heruntergekommene Anwesen wird belichtet, sondern auch die kleine Stadt, in der Ezra durchaus bekannt ist, wenn auch nicht als Intelligenzbestie. Die Leute mögen Ezra, sie halten ihn für harmlos.

    Der Film erweckt nicht das Gefühl, Ormsby hätte es nur auf Schauwerte abgesehen, sondern nimmt das Thema ernst und versucht es in seinem möglichen Rahmen abzuarbeiten. Statt auf Spannung oder Action zu setzen, steckt man tief im Sumpf von Ezra und beobachtet ihn in seinem Leben, was nicht selten höchst unappetitlich ist. Dass dabei unter dem Strich trotzdem mehr ein Exploitationfilm statt ein Psycho-Drama entstanden ist, liegt auf der Hand. Da ändert auch das Auftauchen eines Erzählers nichts, der sich hin und wieder ins Bild rückt. Eine letztlich unnötige Idee, die aber auf sonderbare Art funktioniert. Untermalt wird der Ausflug in die Welt des Morbiden von einem Score von Carl Zittrer, der, wie auch bei BLACK CHRISTMAS (1974), unterschwellig wirkt. 

    Unter den zahlreichen Filmen, die entweder direkt auf Ed Gein eingehen oder sich auf dessen Neigungen oder Taten beziehen oder inspiriert wurden, ist BESESSEN einer der authentischsten, auch wenn er sich Freiheiten herausnimmt. Es gibt ein paar sehr widerliche Momente, aber in erster Linie überzeugt Blossom als Ezra Cobb und die faulige Atmosphäre, die über den Bildern einer bäuerlichen Welt liegt, die auch etwas an der aus CANNIBAL GIRLS (1973) erinnert. 

    BESESSEN ist kleines makaberes Meisterstück, was nie die Aufmerksamkeit bekommen hat, was es eigentlich verdient hätte, vor allem wegen der tollen Darstellung von Robert Blossom. 

    (Bjoern Candidus)

  • And Soon the Darkness, 1970 – ★★★½

    And Soon the Darkness, 1970 – ★★★½

    TÖDLICHE FERIEN
    (AND SOON THE DARKNESS, GB, 1970, Regie: Robert Fuest)

    Die beiden Engländerinnen Jane und Cathy machen gemeinsam Urlaub. Mit dem Fahrrad fahren die Freundinnen durch die ländlichen Abstriche Nordfrankreichs. Als sie eine Pause einlegen, kommt es zu einem Streit zwischen den beiden Freundinnen, was Jane dazu veranlasst, alleine weiterzufahren, was sie alsbald bereuen wird. Cathy verschwindet spurlos, nur ihr Fahrrad mit gebrochen Speichen ist noch am Ort ihrer letzten Rast. Jane sucht Hilfe in dem nahegelegenen Dorf, um ihre Freundin wiederzufinden. 

    Regisseur Robert Fuest (DAS SCHRECKENSKABINETT DES DR. PHIBES, 1971) hat mit TÖDLICHE FERIEN einen kleinen Ausblick auf das sommerliche Terrorkino der folgenden Jahre geliefert. Die sonnendurchfluteten Bilder einer abgelegenen Gegend, die erst mal nichts Böses zeigen, sondern nur Felder, Wälder und Alleen, erwecken Erinnerungen an TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974), was sich auch durch die ein oder andere Figur abzeichnet, die hier auftaucht. Es ist hier allerdings nicht im Ansatz so dreckig und klebrig wie in Hoopers Texas. Das Vorhaben, einen schönen Urlaub in der Sonne zu verbringen, blickt in Richtung EIN KIND ZU TÖTEN… (1976), wo, wie hier, auch die Fremdsprache zum Problem der Touristen wird. Im Originalton (wie auch in der dt. Synchronisation) wird das gesprochene Französisch nicht untertitelt, was dazu führt, dass derjenige, der kein Französisch kann, genauso kein Wort versteht wie Jane. Das erhöht die Authenzität, die hier ohnehin groß geschrieben wird.

    Fuest und sein Kameramann Ian Wilson liefern nicht nur schöne Bilder in natürlichen Farben, sondern geben einem auch das Gefühl, man wäre mitten drin. Das Verhalten von Jane ist größtenteils nachvollziehbar, abgesehen davon ist Pamela Franklin gut besetzt. Sie nervt nicht, sie ist nicht unnötig panisch und bewahrt einen kühlen Kopf. Auch ihre Freundin Cathy, dargestellt von Michele Dotrice, ist sympathisch, scheidet aber recht früh aus dem Geschehen aus. Sehr überzeugend sind auch die Darsteller, die die verschrobenen Bewohner des Dorfes verkörpern. Sandor Elès, John Nettleton, Hanna Maria Pravda, Clare Kelly… Jeder passt perfekt in seine Rolle. Die Dorfbewohner sorgen jedenfalls gut dafür, dass Jane und der Zuschauer verunsichert wird, was eine weitere Stärke von TÖDLICHE FERIEN ist. Doch die Inszenierung fordert auch viel Geduld. Der Film ist sehr langsam inszeniert, was durchaus zum Sommerwetter passt und den Beklemmungsfaktor erhöht, aber auf die ein oder andere Minute hätte man gut verzichten können, um etwas mehr Fahrt aufzubauen. Aber ich berücksichtige hier natürlich auch das Baujahr 1970, wo man noch Ruhe beim Inszenieren von Filmen hatte. Fuest nutzt diese Ruhe auch immer wieder, bei den Spannungsmomenten, wo er dann wieder richtig liegt. Und zur Belohnung für die Geduld gibt es ein packendes Finale. 

    Musikalisch wird das Geschehen begleitet von einem Score von Laurie Johnson, der allerdings wenig Ausdruck hat, dennoch gut passt. 

    TÖDLICHE FERIEN ist ein gut besetzter, spannender, authentischer Mystery-Thriller mit deutlichen Terror-Kino-Vorwehen. Der langsame Aufbau und die ein oder anderen zu lang geratenen Moment, werden mit der durchgehenden Atmosphäre der Beklemmung weitestgehend wieder wettgemacht.   

    (Bjoern Candidus)