Zunächst ein paar Worte über
STRYKER’S WAR
(USA, 1980, Regie: Josh Becker)
STRYKER’S WAR ist quasi die 5000 Dollar – Vorstudie, die Skizze zu THOU SHALT NOT KILL… EXCEPT, der fünf Jahre später folgen sollte. Die Story wurde von Josh Becker geschrieben, der tatkräftige Unterstützung von Leuten bekam, die ein Jahr später mit EVIL DEAD das Horrorgenre beeinflussten: die Gebrüder Raimi, die Gebrüder Campbell und Scott Spiegel (INTRUDER, 1989). Der auf 8-Millimeter gedrehte Film, der gerade mal 45 Minuten dauert, lässt bereits ein gewisses Gespür für das Action-Splatter-Kino jener Tage erkennen.
DU SOLLST NICHT TÖTEN AUSSER…*
(THOU SHALT NOT KILL… EXCEPT, USA, 1985, Regie: Josh Becker)
Sergeant Stryker, ein Vietnam-Veteranen will nach Kriegsende ein neues Leben starten, was ihm anfänglich auch gelingt. Doch als seine Freundin Sally von einer fiesen Satans-Hippie-Sekte entführt und ein Polizist auf grausame Art getötet wird, kommt Sergeant Stryker der Besuch seiner Kriegsveteranen gerade recht. Gemeinsam suchen sie die Sekte auf, um ihr den Garaus zu machen.
Wie schon bei der ersten Verfilmung der Story, STRYKER’S WAR, die hier von Becker, Spiegel, Bruce Campbell und Sheldon Lettich herausgearbeitet wurde, tauchen auch hier wieder Sam (herrlich als Charles Manson Parodie) und Ted Raimi, Bruce und Don Campbell und Scott Spiegel als Darsteller auf. Dazu gesellen sich viele unbekannte Gesichter, von denen die meisten danach nicht mehr gesehen wurden, jedenfalls nicht in der Filmwelt. Schauspielerisches Talent ist hier sowieso nicht groß gefragt. Es geht es um ungeschliffenes Action-Exploitation-Kino, was sich selbst nicht allzu ernst nimmt, und das liefert Josh Becker (LUNATICS – DUELL DER ALPTRÄUME, 1991) diesmal richtig ab. Der Spaß, den die Beteiligten vor wie hinter der Kamera hatten, ist zu sehen, wie auch die Liebe für das Medium Film. Wenn man sich im Rahmen von 200.000$ bewegen muss, braucht man talentierte und bereitwillige Leute. Und so bekommt man interessante Kameraperspektiven, die die Inszenierung beleben. Die Form stimmt einfach. Man erkennt den rohen, authentischen Stil eines frühen Wes Craven, Romero, Hooper und natürlich Raimi. Und da man bei diesen Namen auch an einen gewissen Härtegrad im Zeigen von Gewalt denkt, liegt man auch hier richtig und kann sich kaum beschweren. Es gibt einige blutige Einschüsse, es wird aufgespießt, geschlitzt oder anderweitig Böses getrieben.
DU SOLLST NICHT TÖTEN AUSSER… spielt nicht nur in den ausgehenden Flower Power-Jahren, er sieht auch wirklich so aus, als wäre er zu dieser Zeit gedreht worden. Heute würde man wohl von einem Retro-Film sprechen. Dabei hilft natürlich eine neutrale Kulisse, die die Zeit nicht verrät: Wald und Wiese. Hat man einem am Anfang Michigan als Vietnam verkauft, wandert die Geschichte schnell in die USA, nur ändert sich die Kulisse kaum. Man bekommt ein paar ländliche Häuser innen wie außen gezeigt, aber hält sich sonst nur in der Natur auf. Aber auch die Ausstattung der Darsteller ist gelungen und lässt den bunten Anstrich der End-60er-Früh-70er-Jahre aufleben. Das Vietnam- und Charles Manson-Thema bietet sich natürlich hervorragend an, um kombiniert zu werden, aber weder das eine noch das andere wird tiefer beleuchtet. Aber ein ernsthaftes Drama hat hier wohl auch niemand im Sinn gehabt. Doch der Film hat auch Schwächen, die das Gesamtbild etwas trüben können. Dass nicht alle Effekte gelungen sind, sei verziehen, aber Becker verschwendet zu viel Zeit mit seinen Figuren während der ersten Hälfte. Da weder die Figuren noch die Geschichte große Offenbarungen bergen, wird es manchmal etwas dröge und langatmig. Aber gut, dafür drückt man im letzten Drittel richtig aufs Gaspedal.
DU SOLLST NICHT TÖTEN AUSSER… ist ein grober, ungeschliffener Actionfilm mit netten Splatter-Einlagen und irrsinnigen Figuren, in dem ganz viel 70er-Jahre-Exploitation-Geist beherbergt ist. Gute Unterhaltung mit ein paar Längen.
(Bjoern Candidus)
*Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“