Autor: marco-fritz

  • I Eat Your Skin, 1971 – ★★

    I Eat Your Skin, 1971 – ★★

    I EAT YOUR SKIN
    (USA, 1971, Regie: )

    Ein erfolgreicher Autor Tom Harris (William Joyce) möchte sich auf einer Insel namens Voodoo-Island für seinen neuen Roman inspirieren lassen. Kurz nach seiner Ankunft taucht der erste Zombie auf. Die Zeichen stehen auf Schlechtwetter. 

    Der Film entstand bereits 1964 und lief erfolglos unter dem Titel ZOMBIES im US-Kino. Gut 7 Jahre später griff Regisseur Del Tenney auf das Fremdmaterial zurück, entfernte Szenen und drehte neue. Fertig war I EAT YOUR SKIN, der im Grunde nur für das Double Feature mit I DRINK YOUR BLOOD zusammengezimmert wurde. Durch die Voodoo-Zombie-Thematik und dem Setting werden schnell Erinnerungen an Jacques Tourneurs um Welten besseren I WALKED WITH A ZOMBIE (1943) wach. Doch wo Tourneur fesselt, schläft Tenney. Spannend ist dieses Filmchen nicht gerade, aber immerhin wird durch das Insel-Setting eine stimmige Atmosphäre erzeugt, die mich halbwegs bei Laune halten konnte. 
    Das Beste am Film ist allerdings die gezeichnete Opening Credits-Sequenz mit einem feinen Score von Lon E. Norman. 

    Wer mal Lust auf Grusel unter Palmen hat und Gefallen an der Voodoo-Thematik mitbringt, kann einen Blick riskieren, wenn I WALKED WITH A ZOMBIE gerade nicht in greifbarer Nähe ist.

    (Bjoern Candidus)

  • FleshEater: Revenge of the Living Dead, 1988 – ★★

    FleshEater: Revenge of the Living Dead, 1988 – ★★

    FLESH EATER – REVENGE OF THE LIVING DEAD
    (FLESHEATER, USA, 1988, Regie: S. William Hinzman)

    In einem Wald in Pennsylvania stört ein Mann die Ruhe eines Toten. Mitten im Wald stößt er auf ein mysteriöses Grab mit einer Steinplatte, verziert mit einem Pentagramm. Er öffnet das Grab und besiegelt damit sein Schicksal. Er wird das Mahl eines (bekannten) Untoten, der sich fortan mit weiteren Untoten durch die Umgebung fressen wird. 

    Bill Hinzman, der Friedhofzombie aus NIGHT OF THE LIVING DEAD (1968) wollte es noch mal wissen und schlüpft erneut in die Rolle eines Untoten. Aber nicht nur als Darsteller ist er an Bord, sondern auch als Regisseur. Zwei Jahre zuvor kam er mit seinem Regiedebüt THE MAJORETTS (1986) um die Ecke, das auf einem Roman und Drehbuch von John A. Russo basiert. Hier hat sich Hinzman mit Bill Randolph an die Story und ans Drehbuch gemacht. Dass es inhaltlich nichts zu holen gibt, ist fast klar. Der Film fühlt sich an wie ein Kapitel zwischen NIGHT OF THE LIVING DEAD und DAWN OF THE DEAD (1978), nur ohne die Qualität eines Romeros im Ansatz zu besitzen, aber damit war auch nicht zu rechnen, wobei Hinzman bei zahlreichen seiner Filme eine kleine Rolle übernommen hat. Auch wenn man kein wirkliches Geschick erkennen kann, scheinen die Beteiligten großes Vergnügen an diesem Zombie-Bauerntheater gehabt zu haben. Und wenn man jeglichen Anspruch herunterfährt, kann man sich von dem Spaß ein wenig anstecken lassen. 

    Junge Leute, die Halloween feiern, Bauern auf Traktoren und Zombies zwischen Wald und Wiese sind die Zutaten, die hier aufgetischt werden. Angereichert wird das Ganze mit blutigen Bissattacken, Erschießungen und anderen Momenten des Sterbens, die das beste am Film sind, aber genau darauf zielt dieses Produkt ab. An eine be- oder unbeabsichtigte Gesellschaftskritik eines George A. Romeros ist hier freilich nicht zu denken; hier geht es nur um Flucht, Verteidigung oder ums Sterben. Neben dem Gore ist die ländliche Kulisse der Star an Bord. Ich mag das landwirtschaftliche Ambiente mit dem authentischen Anstrich. Man kann sich schon gut vorstellen, dass hier irgendwo das Hause steht, in dem sich Judith O’Dean als Barbara und Duane Jones als Ben verschanzt haben. Apropos Darsteller: Die meisten Darsteller sind alles andere als das Gelbe vom Ei, was aber zu keiner Sekunde stört und irgendwie zu Ton des Films passt. Viel weniger erbaulich ist der sich ständig wiederholende Score von Erica Portnoy. 

    Hinzmann hat das Budget von 60.000$ gut verteilt. FLESH EATER hält ein, was man erwartet: ein hirnloser Wald-und-Wiesen-Zombiefilm, den man am besten nicht alleine genießen sollte. Mehr ist dieser Film aber auch wirklich nicht. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Vampire Bat, 1933 – ★★★½

    The Vampire Bat, 1933 – ★★★½

    VAMPIRE DER NACHT
    (THE VAMPIRE BAT, USA 1933, Regie: Frank R. Strayer)

    Irgendwo in Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts kommt es in einer kleinen Stadt zu Überfällen auf Menschen. Die Angst geht herum. Offensichtlich hat den Opfern irgendwer oder irgendwas das Blut entzogen. Schnell macht sich das Gerücht breit, dass es sich vermutlich um riesige Fledermäuse oder gar Vampire handelt. Vielleicht ist es aber auch nur der geistig retardierte Herman (Dwight Frye), der immerzu Fledermäuse liebkost. Oder steckt gar Dr. von Niemann (Lionel Atwill) dahinter? 

    Frank R. Strayer, der zwei Jahre später mit CONDEMNED TO LIVE einen weiteren Beitrag in vampirischen Gefilden verzeichnen konnte, ist hier ein ordentlicher Gruselfilm gelungen, der sich vor Whale und Browning nicht groß verstecken muss. 

    Mit Fay Wray (KING KONG, 1933), Melvyn Douglas (DER MIETER, 1976, THE CHANGELING, 1980) Dwight Frye (FRANKENSTEIN, 1931) und Lionel Atwill (IM ZEICHEN DES VAMPIRS, 1935) wurde hier außerdem prominent besetzt, was sich bezahlt macht. Der Mob, der den mutmaßlichen Täter hetzt, ist hier ebenfalls anzutreffen, und mit Dwight Frye haben wir einen prädestinierten Herren für diese Opfer-/ Täter-Rolle. Er bekleidete ja nicht umsonst zwei Jahre vorher die Rolle von Renfield in Tod Brownings DRACULA-Adaption. 

    Inhaltlich pendelt der Film zwischen klassischem Vampirismus und medizinischer Wissenschaft hin und her. Man bekommt die übliche Hysterie und Vorurteile in dichten Schwarzweißbildern präsentiert.  

    VAMPIRE DER NACHT ist ein charmanter kleiner Horrorfilm, der neben gruseligen Zutaten sogar ein bisschen Humor aufweist, der nie störend wirkt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Sartana Does Not Forgive, 1968 – ★★

    Sartana Does Not Forgive, 1968 – ★★

    FÜR EIN PAAR LEICHEN MEHR
    (SONORA, Italien, Spanien, 1968, Alfonso Balcázar)

    Startet der Film noch mit einer kitschigen Rückblick-Liebes-Szene, die in der Form selten im Italowestern vorkommt, geht es schnell in dreckige Gefilde. Die Hauptfigur, Uriah (Sartana in der dt. Fassung) wird eingeführt, und der Grund für seine Rache wird klar: Slim Kovac, der seine Frau vergewaltigte und ermordete, muss sterben! Es kommt es zu einem Konflikt zwischen drei Parteien: Uriah, sein alter Freund Kirchner und Slim Kovac mit seiner Bande. 

    Was bei Alfonso Balcázars (DIE TODESMINEN VON CANYON CITY, 1965) Regie-Arbeit vor allem dominiert, sind die vielen widerwärtigen Figuren, die sich hier ansammeln und für schlechte Laune untereinander sorgen. George Martin, der nicht meine Wahl gewesen wäre, darf sich als Uriah/Sartana zeigen, Gilbert Roland als sein Freund Kirchner und Jack Elam darf als Slim Kovac Garstigkeit verbreiten. Auch alle anderen Herrschaften, die aufgefahren werden, befinden sich in schlechter Laune. Da rettet auch kaum die schöne Rosalba Neri die Stimmung, wenn sie kurz ihr Näschen ins Bild rückt. 

    Die Inszenierung ist sehr sperrig, hält sich mehr in Räumlichkeiten als in der Prärie auf. Hier ist kaum Luft zum atmen, was den Film anstrengend macht. Die gewalttätigen, zynischen Figuren sind somit quasi das Einzige mit dem man hier arbeiten kann, und das nervte auf Dauer. Der Score von Francesco De Masi ist solide, aber relativ ausdruckslos. 

    Handwerklich kann man FÜR EIN PAAR LEICHEN MEHR kaum etwas vorwerfen, inhaltlich wird nichts Neues geboten, was auch zu verzeihen ist, doch es mangelt vor allem an einem sympathischen Revolvermann, mit dem man mitfiebern kann.

    (Bjoern Candidus)

  • It Came from Beneath the Sea, 1955 – ★★½

    It Came from Beneath the Sea, 1955 – ★★½

    DAS GRAUEN AUS DER TIEFE
    (IT CAME FROM BENEATH THE SEA, USA, 1955, Regie: Robert Gordon)

    Ab ins Meer, wo ein U-Boot auf einen mysteriösen schwarzen Fleck stößt, der sich als riesiger Kraken herausstellt, der nichts Besseres zu tun hat, als Schiffe, Brücken und Städte anzugreifen. 
    Klar, dass man sich diesem Schrecken nicht kommentarlos entgegenstellt. 

    Die Produktion, die unter der Regie von Robert Gordon entstand, macht vor allem eine Sache richtig:sie hat sich den großartigen Ray Harryhausen ins Boot geholt. Und der hat hier ein zauberhaftes Kraken-Modell gebaut und es mit Leben gefüllt. Der Freund von Stop-Motion-Effekten wird hier die Magie von Ray Harryhausen genießen können. Die Angriffe des riesigen Tentakelwesens sind besonders gegen Ende zu bestaunen. Leider muss man dafür in Sachen Spannung und Atmosphäre Abstriche machen. Was mich allerdings am meisten gestört hat: die eher unsympathischen Darsteller wie Kenneth Tobey, Faith Domergue oder Donald Curtis, die hier die Rollen von Marine, Ärzte und Meeresbiologen bekleiden. Es fiel mir schwer, mit irgend jemandem mitzufiebern, außer natürlich mit dem Kraken. 

    DAS GRAUEN AUS DER TIEFE ist etwas bieder und dröge, aber rettet sich durch sein Monster. 

    (Bjoern Candidus)

  • Gunman Called Nebraska, 1966 – ★★

    Gunman Called Nebraska, 1966 – ★★

    NEBRASKA JIM
    (RINGO DEL NEBRASKA, Italien, Spanien, 1966, Regie: Mario Bava, Antonio Román)

    Um sich gegen Carter, dem Kopf einer Bande, durchzusetzen, bietet Nebraska Jim dem Ehepaar Hillman seine Hilfe an. Carter will nicht nur die Farm, sondern auch Kay, die Frau des Rangers. Dann wird der Sheriff des Stadt erschossen…

    Vergleicht man die Schönheiten, die Mario Bava vorher und natürlich nachher geschaffen hat, ist dieser Film rein visuell eher unattraktiv. Es gibt immer wieder kleinere Momente, die sich durchaus sehen lassen können, aber im großen Ganzen gibt es hier nicht viel zu bestaunen. Es sei allerdings zu sagen, dass Mario Bava lediglich als Regisseur eingesprungen ist, nachdem Antonio Román nach dem zweiten Drehtag vom Produzenten gefeuert wurde.  

    Wenige Schießereihen, verbale Grantigkeit und ein paar nette Bilder können insgesamt nicht viel reißen. Leider ist auch inhaltlich kaum etwas zu holen, was diesen Western eher in die hinteren Reihen seiner zahlreichen Mitstreiter befördert. Zudem ist Cowboy Ken Clark (KATAKOMBEN DES GRAUENS, 1959 / FBI RUFT ISTANBUL, 1964) als Nebraska Jim so mitreißend wie ein Rinnsal; selbst der weibliche Part des Films, Yvonne Bastien (ÜBERFALL AUF FORT YELLOWSTONE, 1964), hat mehr Schwung. Stets als Widerling verlässlich, gibt sich Piero Lulli (DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA, 1966 / TÖTE, DJANGO, 1967) die Ehre. Immerhin. Am stimmigsten ist Nino Olivieros Score, der alles bedient, was man von einem Spaghetti-Western erwartet. 

    Trotz eines Mario Bavas konnte mich NEBRASKA JIM leider nur wenig bis gar nicht beeindrucken. Solide gezimmert, aber ohne Ausstrahlung serviert. 

    (Bjoern Candidus)

  • Thou Shalt Not Kill… Except, 1985 – ★★★

    Thou Shalt Not Kill… Except, 1985 – ★★★

    Zunächst ein paar Worte über 

    STRYKER’S WAR
    (USA, 1980, Regie: Josh Becker)

    STRYKER’S WAR ist quasi die 5000 Dollar – Vorstudie, die Skizze zu THOU SHALT NOT KILL… EXCEPT, der fünf Jahre später folgen sollte. Die Story wurde von Josh Becker geschrieben, der tatkräftige Unterstützung von Leuten bekam, die ein Jahr später mit EVIL DEAD das Horrorgenre beeinflussten: die Gebrüder Raimi, die Gebrüder Campbell und Scott Spiegel (INTRUDER, 1989). Der auf 8-Millimeter gedrehte Film, der gerade mal 45 Minuten dauert, lässt bereits ein gewisses Gespür für das Action-Splatter-Kino jener Tage erkennen.

    DU SOLLST NICHT TÖTEN AUSSER…*
    (THOU SHALT NOT KILL… EXCEPT, USA, 1985, Regie: Josh Becker)

    Sergeant Stryker, ein Vietnam-Veteranen will nach Kriegsende ein neues Leben starten, was ihm anfänglich auch gelingt. Doch als seine Freundin Sally von einer fiesen Satans-Hippie-Sekte entführt und ein Polizist auf grausame Art getötet wird, kommt Sergeant Stryker der Besuch seiner Kriegsveteranen gerade recht. Gemeinsam suchen sie die Sekte auf, um ihr den Garaus zu machen.  

    Wie schon bei der ersten Verfilmung der Story, STRYKER’S WAR, die hier von Becker, Spiegel, Bruce Campbell und Sheldon Lettich herausgearbeitet wurde, tauchen auch hier wieder Sam (herrlich als Charles Manson Parodie) und Ted Raimi, Bruce und Don Campbell und Scott Spiegel als Darsteller auf. Dazu gesellen sich viele unbekannte Gesichter, von denen die meisten danach nicht mehr gesehen wurden, jedenfalls nicht in der Filmwelt. Schauspielerisches Talent ist hier sowieso nicht groß gefragt. Es geht es um ungeschliffenes Action-Exploitation-Kino, was sich selbst nicht allzu ernst nimmt, und das liefert Josh Becker (LUNATICS – DUELL DER ALPTRÄUME, 1991) diesmal richtig ab. Der Spaß, den die Beteiligten vor wie hinter der Kamera hatten, ist zu sehen, wie auch die Liebe für das Medium Film. Wenn man sich im Rahmen von 200.000$ bewegen muss, braucht man talentierte und bereitwillige Leute. Und so bekommt man interessante Kameraperspektiven, die die Inszenierung beleben. Die Form stimmt einfach. Man erkennt den rohen, authentischen Stil eines frühen Wes Craven, Romero, Hooper und natürlich Raimi. Und da man bei diesen Namen auch an einen gewissen Härtegrad im Zeigen von Gewalt denkt, liegt man auch hier richtig und kann sich kaum beschweren. Es gibt einige blutige Einschüsse, es wird aufgespießt, geschlitzt oder anderweitig Böses getrieben. 

    DU SOLLST NICHT TÖTEN AUSSER… spielt nicht nur in den ausgehenden Flower Power-Jahren, er sieht auch wirklich so aus, als wäre er zu dieser Zeit gedreht worden. Heute würde man wohl von einem Retro-Film sprechen. Dabei hilft natürlich eine neutrale Kulisse, die die Zeit nicht verrät: Wald und Wiese. Hat man einem am Anfang Michigan als Vietnam verkauft, wandert die Geschichte schnell in die USA, nur ändert sich die Kulisse kaum. Man bekommt ein paar ländliche Häuser innen wie außen gezeigt, aber hält sich sonst nur in der Natur auf. Aber auch die Ausstattung der Darsteller ist gelungen und lässt den bunten Anstrich der End-60er-Früh-70er-Jahre aufleben. Das Vietnam- und Charles Manson-Thema bietet sich natürlich hervorragend an, um kombiniert zu werden, aber weder das eine noch das andere wird tiefer beleuchtet. Aber ein ernsthaftes Drama hat hier wohl auch niemand im Sinn gehabt. Doch der Film hat auch Schwächen, die das Gesamtbild etwas trüben können. Dass nicht alle Effekte gelungen sind, sei verziehen, aber Becker verschwendet zu viel Zeit mit seinen Figuren während der ersten Hälfte. Da weder die Figuren noch die Geschichte große Offenbarungen bergen, wird es manchmal etwas dröge und langatmig. Aber gut, dafür drückt man im letzten Drittel richtig aufs Gaspedal. 

    DU SOLLST NICHT TÖTEN AUSSER… ist ein grober, ungeschliffener Actionfilm mit netten Splatter-Einlagen und irrsinnigen Figuren, in dem ganz viel 70er-Jahre-Exploitation-Geist beherbergt ist. Gute Unterhaltung mit ein paar Längen. 

    (Bjoern Candidus)

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 66

    Traumstadt Gazette Ausgabe 66

    In der 66. Traumstadt Gazette liefern Euch Bjoern Candidus und Marco Fritz Kritiken zu

    -DER SCHNORCHEL (1958)

    -AQUARIUS – THEATER DES TODES (1987)

    -DER MANN, DER ZWEIMAL LEBTE (1966)

    -A QUIET PLACE: TAG EINS (2024)

    -DIE STUNDE, DIE WAFFE, DAS MOTIV (1972)

    -STRASSE DER VERDAMMNIS (1977)

    -SASQUATCH SUNSET (2024)

    Außerdem haben wir einen Buch-Tipp dabei: NEON SHOCKS von Nic Parker

    Kauflink zum Buch: https://www.amazon.de/stores/Nic-Parker/author/B075TD51VV?ref=dbsamngrwtscns_share&isDramIntegrated=true&shoppingPortalEnabled=true

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Succubus, 1968 – ★★★★

    Succubus, 1968 – ★★★★

    NECRONOMICON – GETRÄUMTE SÜNDEN
    (Deutschland, Spanien, 1967, Regie: Jess Franco)

    Der Amerikaner Bill Mulligan lernt in Lissabon die geheimnisvolle Lorna kennen, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Lorna ist Teil einer sadomasochistischen Nachtclub-Performance, in der sie einen Mann und eine Frau gefesselt an Andreaskreuzen foltert. Während einer dieser Auftritte erzählt Mulligan einem anderen Mann, wo er Lorna kennengelernt hat. Aber Lorna ist nicht nur schön und verführerisch, sondern hat auch Probleme, mörderische. Psychiater Drawes möchte diese gemeinsam mit ihr lösen. Bei der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit, die verschleiert ist, taucht immer wieder ein mysteriöser Mann mit hypnotischem Blick auf, der der Schlüssel sein könnte. 

    NECRONOMICON – GETRÄUMTE SÜNDEN ist Jess Francos erste in Deutschland produzierte Regiearbeit. Als Produzent fungierte Adrian Hoven, der Franco die nötigen Freiheiten einräumte, um den Film ganz nach seinem Gusto zu gestalten. Eine hervorragende Idee, denn dabei ist ein wirklich schöner Film entstanden, der mehr einem sinnlichen Fiebertraum gleicht als einem stringent erzählten Film, der einem zwar Ansätze liefert, aber keine finalen Antworten bietet. Hier erlebt man Franco in Reinform und bekommt einen guten Eindruck von dem, was in seiner Filmografie folgen wird. Ästhetische Körper, Sex, knallige Farben, Formen, historische Gemälde in poppigen 60er-Jahre-Sets beherrschen das Innenleben. Die Außenwelt wird repräsentiert von Lissabon. Ganz prominent im Bild: der Turm Torre de Belém. Aber auch andere historische Bauten und Gärten bestimmen das Bild. Den völligen Kontrast bieten die modernen, weit weniger schönen Ansichten von West-Berlin im letzten Drittel. Aber diese Kontraste passen zum Wechselband der Inszenierung, zu den Verwirrungen Lornas, die zu denen des Zuschauers werden. Die surrealen, traumartigen Eskapaden, die Franco hier zelebriert, werden ihn in seiner Laufbahn weiter begleiten, ebenso das Thema „SM“. Nicht selten hängt bei Franco jemand am Andreaskreuz, und hier eröffnet er gleich seinen Film damit. 

    NECRONOMICON – GETRÄUMTE SÜNDEN ist ein visuell betörender Film, der nicht nur toll ausgestattet ist, mit einem coolen Jazz-Score von Friedrich Gulga aufwartet, sondern auch sehr gut fotografiert wurde und sich spannenden Perspektiven bedient. Künstlerisch ist Franco hier auf einem hohen Niveau unterwegs. 

    Mit Janine Raynaud als Lorna wird man gut bedient. Eine schöne Frau, der der Wahnsinn gut zu Gesicht steht. Sie sollte auch in den beiden folgenden Franco / Hoven Produktionen ROTE LIPPEN – SADISTEROTICA (1969) und KÜSS MICH, MONSTER (1969) eine Rolle bekommen. Die Kleider, die sie hier trägt, wurden im übrigen von Karl Lagerfeld kreiert, der auch im Vorspann erwähnt wird. Im Film selbst werden auch Buñuel und Fritz Lang erwähnt, wenn es um angesagte Kunst geht und es heißt: „Buñuel, Fritz Lang… Regisseure, die gestern Filme für morgen gedreht haben.“ Auf wen und was Jess Franco gestanden hat, was ihn inspiriert und bewegt hat, wird hier immer wieder klar. Jack Taylor spielt Bill Mulligan und Howard Vernon einen Admiral. Beide gehören quasi zum Franco Inventar und sollten immer wieder in seiner Filmografie auftauchen. Auch Produzent Adrian Hoven hat sich vor die Kamera begeben. Er spielt Ralf Drawes, den Psychiater, während Michel Lemoine den Mystery-Man gibt, der in Lornas Welt auftaucht. 

    NECRONOMICON – GETRÄUMTE SÜNDEN ist wundersames, von der Norm losgelöstes, experimentelles Kunst-Kino, was den zukünftigen Fahrplan Francos aufzeigt, der nicht immer so ausgewogen ist wie hier. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Awful Dr. Orlof, 1962 – ★★★½

    The Awful Dr. Orlof, 1962 – ★★★½

    SCHREI DURCH DIE NACHT
    (GRITOS EN LA NOCHE, Frankreich, Spanien, 1962, Regie: Jess Franco)

    Fünf Frauen müssen sterben, um Dr. Orloff davon zu überzeugen, dass er so auch nicht das Gesicht seiner Frau erneuern kann. Alle Versuche scheitern, da die Hautzellen bereits abgestorben waren. Er muss also die zukünftigen Frauen bei lebendigem Leibe häuten. Während Handlanger Morpho eine weitere Dame heranschafft, ermittelt bereits Inspektor Tanner. 

    SCHREI DURCH DIE NACHT ist nicht nur Jess Francos erster Horrorfilm, sondern er gilt auch als erster Horrorfilm Spaniens. Dabei handelt es sich um ein kaum zu übersehendes Remake von Georges Franjus AUGEN OHNE GESICHT (1960) nach der Novelle von Jean Redon. Zwar erreicht Franco nicht dessen Tiefe, erschafft aber dennoch einen handwerklich starken Film, der nur wenig bietet, was Franco-Kritiker dem Spanier oft vorwerfen. 

    In dichten, oft von Regen durchzogenen Schwarzweiß-Bildern wird eine schaurige Atmosphäre erzeugt. Der Film ist schön ausgeleuchtet und weiß durchaus, mit Schatten zu spielen und seine Sets bestens zu nutzen. Enge Gasse, Nachtleben und ein Schloss auf den Klippen sorgen für Grusel, dazu gesellt sich ein experimenteller Soundtrack.

    Franco-Freunde dürfen sich auf Howard Vernon als Dr. Orloff freuen. Vernon tauchte danach noch in gefühlt jedem zweiten Film von Franco auf und ist stets eine Bereicherung. Auch der Charakter des Dr. Orloff soll hier nicht ein letztes Mal auftauchen, ebensowenig wie Inspektor Tanner, der hier von Conrado San Martin verkörpert wird. 
    Schaurig wird es mit Ricardo Valle als vernarbter und mit basedowschen Augen ausgestatteter Morpho. Er sieht ein bisschen wie ein zu Fleisch gewordener Musikant der Dr. Phibes Blechband aus. 

    Nachtclubs, Dr. Orloff, Inspektor Tanner, Howard Vernon, schräge Klänge… Jess Franco serviert bereits in SCHREI DURCH DIE NACHT einige Elemente, die er danach immer wieder aufgreift. 
    Ein schauriger Horrorfilm, in dem sich Franco noch in einem etwas anderen Licht zeigt.

    (Bjoern Candidus)