Autor: marco-fritz

  • The Devil Bat, 1940 – ★★★★

    The Devil Bat, 1940 – ★★★★

    THE DEVIL BAT
    (USA, 1940, Regie: Jean Yarbrough)

    Wer hat noch nie daran gedacht, Rache mit Hilfe von einer Riesenfledermaus zu nehmen? Dr. Curruthers hat diese Idee erfolgreich in die Tat umgesetzt. Mittels Stromstösse vergrößert er Fledermäuse, die auf einen bestimmten Geruch abgerichtet sind, der sie anlockt. Dass dieser Geruch ausgerechnet in dem Rasierwasser ist, was der Doktor gebraut hat, versteht sich von selbst. Und so hetzt er das Tier auf die Herrschaften, die ihm noch etwas schuldig sind. 

    Regie führte bei diesem skurrilen Mad-Scientist-Tier-Horrorfilm Jean Yarbrough (KING OF THE ZOMBIES, 1941), und der greift mit der Besetzung von Bela Lugosi voll ins Schwarze. Belas verschrobene Art ist einfach herrlich, und als Fledermaus-Nanny könnte man sich keinen Besseren vorstellen. Fast liebevoll kümmert er sich um die kleinen Fledermäuse, die er dann größer werden lässt, was ihm sichtlich Spaß macht. Und wenn die große Oberfledermaus nicht gerade in ihrem Zimmer hängt und schläft, fährt sie auch mal im Kofferraum ihres Herrchens mit, bevor sie gebraucht wird. 

    Hat man die irrsinnige Idee geschluckt, darf man sich auf einen charmanten Grusel-Krimi freuen, der nie Langeweile aufkommen lässt. Die „Plüschfledermaus“ ist zum verlieben. Spannung ist hier kaum zu finden, da der Zuschauer rasch in die Geheimnisse des Doktors eingeweiht wird und ihm brav dabei folgen darf. Das macht aber überhaupt nichts, denn das Geschehen ist unterhaltsam genug.

    Charmant, skurril und durchzogen vom Zauber Lugosis hat mir THE DEVIL BAT rundum gefallen. 

    (Bjoern Candidus)

  • 82. Warlock – Satans Sohn (1989)

    82. Warlock – Satans Sohn (1989)

    WARLOCK – SATANS SOHN

    USA, 1989

    Regie: Steve Miner

    Bjoern Candidus und Marco Fritz sprechen über WARLOCK – SATANS SOHN, in dem Steve Miner Julien Sands als Hexenmeister ins 20. Jahrhundert schickt, damit er zu Satans Sohn werden kann, um das Ende der Welt einzuleiten.

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Red Dragon, 1965 – ★★

    Red Dragon, 1965 – ★★

    DAS GEHEIMNIS DER DREI DSCHUNKEN
    (Deutschland, Italien, 1965, Regie: Ernst Hofbauer)

    Michael Scott, ein Geheimagent, soll sich mit seiner Kollegin Carol Eden nach Hong Kong begeben, um dort einen Schmugglerring zu sprengen. 

    Das Hauptproblem bei diesem klischeegetränkten Agententhriller ist der Agent. Stuart Granger ist nämlich weder ein James Stuart, noch ein Sean Connery, noch ein Heinz Drache, dabei hätte er im Grunde das Potential. Doch leider bleibt er steif und wirkt irgendwie gelangweilt. An seiner Seite ist Rosanna Schiaffino, die zumindest schön anzusehen ist. Mehr Potential für Unterhaltung liefern Harald Juhnke, Margit Saad, Paul Klinger und vor allem der wundersame Horst Frank. 

    Dass die Story nicht das Aushängeschild ist, dürfte klar sein. Im Grunde hat man es mit einem zeittypischen Agentenfilm mit Abenteuer-Einschlag zu tun. Der wirkliche Star des Films ist ganz klar das Hong-Kong-Setting, bei dem es immer was zu sehen gibt. Von Tempeln, schön ausgestatteten Wohnungen bis hin zum Verkehr auf dem Wasser mittels Bötchen oder Dschunken darf man sich hier in eine asiatische Welt entführen lassen. 
    Zwischendurch würzt Ernst Hofbauer mit ein paar Action-Szenen und liefert Unfälle, Prügeleien und Schießereien und serviert ein bisschen Wortwitz und die üblichen handzahmen Zutaten, die solche Filme mit sich bringen. Am ehesten würde ich das Ganze mit Filmen aus dem FU MANCHU- oder EDGAR WALLACE-Zyklus vergleichen, nur das dieser Film hier etwas bodenständiger, aber auch langweiliger ist. Abgerundet wird der Ausflug mit einem Score von Riz Ortolani. 

    DAS GEHEIMNIS DER DREI DSCHUNKEN bietet keine großen Innovationen, sondern lädt lediglich dazu ein, sich mit ein bisschen charmanter und schön fotografierter Krimi-Unterhaltung ablenken zu lassen. 

    (Bjoern Candidus)

  • El Camino: A Breaking Bad Movie, 2019 – ★★

    El Camino: A Breaking Bad Movie, 2019 – ★★

    EL CAMINO: EIN „BREAKING BAD“ FILM
    (EL CAMINO: A BREAKING BAD FILM, USA, 2019, Regie: Vince Gilligan) 

    Die Idee, Jesse Pinkman einen würdigen Abschluss in einem eigenen Film zu spendieren, ist gar nicht unvernünftig, zumal ich die Figur eigentlich mag. Nach einer der spannendsten Serien des bisherigen 21. Jahrhunderts ist die Erwartungshaltung an einem BREAKING BAD – Film extrem hoch gewesen, zumal Serien-Schöpfer Vince Gilligan selbst Regie geführt hat. Hatte ich in den ersten Minuten, in denen es ein Wiedersehen mit Jonathan Banks als Mike im Rahmen einer Rückblick-Szene gibt, noch ein gutes Gefühl, wurde dieses von Minute zu Minute fahriger. Aaron Paul ist ist zurück als Jesse Pinkman. Jesse hat viel mitgemacht, sieht entsprechend heruntergekommen aus und ist verständlicherweise höchst gestresst. Der Jesse, wie man ihn kannte, existiert nicht mehr. Und so erlebt man ihn dann über zwei Stunden, in denen die Story zwischen Rückblicken und dem aktuellen Geschehen hin und her springt. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit Jesse Plemons als Todd, der plötzlich nicht nur wesentlich älter aussieht, sondern auch mindestens 20 Kilo schwerer geworden ist. Ebenfalls an Bord: Robert Forster als Ed, Kevin Rankin als Nazi Kenny und Matt Jones und Charles Baker als Jesses Kumpels Badger und Skinny Pete. Doch nicht genug mit Fan-Service, denn natürlich darf auch Bryan Cranston als Walter White nicht fehlen. Leider konnte mich das aufgezwungene Wiedersehen dieser Figuren überhaupt nicht abholen, weil die ganze Inszenierung im Treibsand der Belanglosigkeit versinkt. Statt sich auf ein Vorankommen Jesses zu konzentrieren, tritt man auf der Stelle, erzählt ausschweifend Dinge, die völlig uninteressant sind und nur dazu dienen, die Zeit zu füllen. Statt Coolness bekommt man billige Verbitterung, statt spannender Momente gibt es gähnende Leere. Alles wirkt aufgesetzt und gezwungen und der Geist der Serie ist nur noch rudimentär zu spüren. 

    Rein handwerklich gibt es keine große Qualitätsabweichung gegenüber der Serie, aber die Verspieltheit ist wie weggeblasen. Geschickte Twists weichen langweiligen Twists, unnötige Figuren werden eingeführt, um sie schnell über die Klinge springen zu lassen. Und wer hier den in der Serie immer wieder vertretenden Humor sucht, wird leider nicht fündig. 

    EL CAMINO: EIN „BREAKING BAD“ FILM ist ein langweiliger Abschluss, der sicher gut gedacht war, mich aber absolut nicht abholen konnte. Sehr schade. 

    (Bjoern Candidus)

  • Sex and Black Magic, 1980 – ★★½

    Sex and Black Magic, 1980 – ★★½

    WOODOO BABY – INSEL DER LEIDENSCHAFT
    (ORGASMO NERO, Dominikanische Republik, Italien, 1980, Regie: Joe D’Amato)

    Der Ethnologe Paul reist gemeinsam mit seiner Frau Helen auf eine karibische Insel, um dort die Voodoo-Kultur der Einheimischen zu studieren. Während sich Paul in die Arbeit stürzt lernt Helen die junge Haini kennen und lieben. Die beiden Frauen kommen sich schnell näher, und Helen beginnt sich langsam aber sicher in Haini zu verlieben. Das gefällt Paul natürlich überhaupt nicht und fängt an, um seine Ehefrau zu kämpfen, die Haini immer mehr verfällt. 

    Auf Joe D’Amato ist Verlass, zumindest, wenn es um Sex und Horror unter Palmen geht. Aus ästhetischer Sicht passt WOODOO BABY – INSEL DER LEIDENSCHAFT perfekt zum Dominikanischen-Republik-Zyklus D’Amatos, der z.B. Filme wie PAPAYA – LIEBESGÖTTIN DER KANNIBALEN (1978) und IN DER GEWALT DER ZOMBIES (1980) umfasst. Von Horror ist hier leider wenig zu spüren. Ein bisschen Blut und Gekröse bekommt man am Anfang und am Ende, aber das Hauptaugenmerk liegt auf dem Schambereich. Heterosex und Lesbensex bestimmen das Geschehen. Vor allem wird man Zeuge von minutenlangem Mösenkraulen, was dann irgendwann sehr ermüdend wird. Jeder darf mit jedem oder alle zusammen. Sex zwischen Mark Shannon und Richard Harrison, der, wenn er intellektuell sein möchte, einfach eine Brille aufsetzt, wenn er an seiner Schreibmaschine tippt, spart man sich allerdings. Irgendwie inkonsequent. Und wenn nicht gerade genagelt, geleckt oder gekrault wird, darf man sich an der schönen Natur oder an einem Ausflug nach Santo Domingo freuen. Zwei große Vorteile hat der Film, die auch die vielen langatmigen Momente immer wieder über Wasser halten können: eine gute Fotografie von Alberto Spagnoli und einen sehr stimmigen Score von Stelvio Cipriani, der die Insel zum leben bringt. 

    Doch zwischen den zahlreichen Softcore-Sex-Szenen (es gibt auch eine Hardcore-Fassung) erzählt WOODOO BABY – INSEL DER LEIDENSCHAFT auch eine Geschichte über ein Ehe-Drama, was zu einer unheilvollen Dreiecksbeziehung führt, in der Paul aus Eifersucht beinahe Haini vor den Augen Helens vergewaltigt, bevor sie schließlich einvernehmlich zu dritt Sex haben. D’Amato ist eben D’Amato. 

    Die beiden Herren Harrison und Shannon, beide ausgestattet mit blonden, wallenden Haaren und Pornobalken, sind natürlich zum schreien und lassen den Schmierfaktor in die Höhe schießen. In dieser Hinsicht wäre der Film perfekt gewesen, hätte man noch Jeff Blynn (der eierfressende Inspektor aus GIALLO IN VENZIA) eine Rolle zugewiesen. Edler wird es mit den Damen. Allen voran: Nieves Navarro alias Susan Scott, die hier als Helen den Kopf von Lucia Ramirez als Haini verdreht bekommt. 

    WOODOO BABY – INSEL DER LEIDENSCHAFT ist ein kruder Mix aus Sexfilm, Ehe-Drama und Voodoo-Horror mit einer tollen Urlaubsstimmung. Nicht gut und nicht schlecht, aber ganz klar ein reiner D’Amato. 

    (Bjoern Candidus)

  • Horror Rises from the Tomb, 1973 – ★★★½

    Horror Rises from the Tomb, 1973 – ★★★½

    BLUTMESSE FÜR DEN TEUFEL
    (EL ESPANTO SURGE DE LA TUMBA, Spanien, 1973, Carlos Aured) 

    Mitte des 15. Jahrhunderts wird der Tempelritter Alaric de Marnac von seinen eigenen Brüdern verraten und samt seiner Geliebten wegen Ketzerei und Hexerei hingerichtet. Vor seinem Ableben verflucht Alaric den Henker und schwört Rache. Gut 500 Jahre später nimmt der Fluch seinen Lauf und trifft die Nachfahren des Henkers. 

    Carlos Aured (DIE TODESKRALLE DES GRAUSAMEN WOLFES, 1973) schickt hier Paul Naschy, der auch die Story und das Drehbuch schrieb, gleich in drei Rollen ins Rennen. Er ist als Alaric, sein Bruder Hugo und sein Nachfahre Armand de Marnac zu sehen. Alarics Geliebte Mabille De Lancré wird von Helga Liné verkörpert, die im gleichen Jahr auch für Amando de Ossorios THE LORELEY‘S GRASP vor der Kamera stand. Naschy und Liné geben ein schönes, teuflisches Paar ab. 

    Aured serviert dem Zuschauer eine dichte Grusel-Atmosphäre, die sich kontinuierlich hält. Nebel zieht auf, Wind heult, Schnee fällt, Krähen und Eulen stimmen ihre unheimlichen Lieder an und man wird Zeuge von Grabschändungen und einer Geisterbeschwörung. Die stimmungsvolle Anfangs-Szene mit Off-Kommentar über die Pest und dem Aberglauben, die den Zuschauer ins 15. Jahrhundert mitnimmt, ist schön inszeniert und versprüht den Charme von Horror-Comics und Romanheften. Gleiches gilt für die teils blutigen Gore-Effekte, die zumindest in Deutschland für eine damalige Indizierung sorgten. Köpfe werden abgeschlagen, Kehlen aufgeschlitzt, ein Herz wird rausgerissen und am Ende dürfen sogar Zombies durchs Bild wanken, die etwas an die Untoten aus DAS LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN (1974) erinnern. Zudem taucht noch eine Gruppe Hinterwäldler auf, die auch nicht gerade freundlich ist. Die Effekte sind billig, aber ich mag sie.

    Mit der eigentlichen Story lassen sich natürlich keine Blumentöpfe gewinnen. BLUTMESSE FÜR DEN TEUFEL erfindet das Rad nicht neu, sondern labt sich an bekannten Horror-Tropen, die aber durchaus ansehnlich präsentiert werden. Das spanische Horror-Kino der 70er-Jahre schmückt sich nicht gerade mit hoher Qualität in Sachen Inhalt oder darstellerischem Können. Vielmehr bauen die Filme auf Atmosphäre und liefern bekannte Monster wie Vampire, Werwölfe oder reitende Leichen. 

    BLUTMESSE FÜR DEN TEUFEL ist ein charmanter Okkult-Horrorfilm mit dem einzigartigen Paul Naschy, der mich trotz einfacher Mittel begeistern konnte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Blood Salvage, 1990 – ★★½

    Blood Salvage, 1990 – ★★½

    MAD JAKE 
    (BLOOD SALVAGE, USA, 1990, Regie: Tucker Johnston)

    Die auf einen Rollstuhl angewiesene April hat an einem Schönheitswettbewerb teilgenommen, den sie nicht gewonnen hat. Enttäuscht fährt sie mit ihrer Familie in einem Wohnmobil zurück. Auf einer entlegenen Straße in einem Waldgebiet geraten sie in die Fänge von Jake und seinen beiden kleingeistigen Söhne Hiram und Roy. 

    Tucker Johnston Debütfilm, der auch gleichzeitig sein vorletzter Film ist, präsentiert sich als eine Aneinanderreihung von vertrauten Themen und Ideen. Schon die Titel-Sequenz lässt ein gewisses Gespür für Horror erkennen, wenn man eine sonderbare Maschine sieht, die irgendetwas ausführt. Wofür die Maschine gut ist, wird einem dann später offenbart. Doch vorher lernt man das bunte Treiben auf dem Grundstück von Jake kennen. Ein Schrottplatz, eine Müllpresse, ein versifftes Haus samt heruntergekommener Scheune und ein Alligator als Haustier erwecken sofortige Erinnerungen an die Hinterwäldlerwelten eines Tobe Hoopers. Besonders EATEN ALIVE (1976) und TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 (1986) blitzen immer wieder auf, natürlich ohne deren Stärke zu erreichen. MAD JAKE ist der kleine, hässliche Bruder eines Hoopers oder Cravens, dem man kaum böse sein kann, dass er seinen großen Brüdern nacheifert, denn das macht er zumindest auf unterhaltsame Art. Obwohl die Inszenierung keine wirklichen Qualitäten verrät, entfaltet das dreckige Ambiente dennoch so viel Atmosphäre, dass man sich als Backwoodhorror-Fan wohlfühlen kann, wenn man die Erwartungen nicht zu hoch setzt. Das Setting, irgendwo in den Wäldern von Georgia, ist jedenfalls ein ansehnlicher Schauplatz. Auch der Gore-Freund bekommt ein bisschen was zu sehen, und wenn es in den Bereich der Organtransplantation geht, wird es sogar ein bisschen ekelhaft. Eine kleine Überraschung darf man unter den Darstellern erleben, denn der legendäre John Saxon ist als Familienvater an Bord. Leider heißt das nichts. Saxon ist hier nicht mehr auf der Höhe seines Schaffens und verkommt etwas zur Nebensache. Der irre Jake wird von Danny Nelson (NIGHT SHADOWS, 1984) verkörpert, seine Söhne von Christian Hesler und Ralph Pruitt Vaughn. Und dann ist da noch Ray Walston (SKINNER, 1991) und eine Dame mit dem bizarren Namen Lori Birdsong (MUNCHIES, 1987), die die volle Aufmerksamkeit bekommt. 

    Ein Aushängeschild ist MAD JAKE wirklich nicht, aber als schnelle Backwoodhorrornummer für zwischendurch annehmbar. 

    (Bjoern Candidus)

  • Cannibal Girls, 1973 – ★★★½

    Cannibal Girls, 1973 – ★★★½

    CANNIBAL GIRLS – DER FILM MIT DER WARNGLOCKE
    (CANNIBAL GIRLS, Kanada, 1973, Regie: Ivan Reitman) 

    Clifford und Gloria, ein junges Liebespärchen, haben eine Autopanne in der Nähe eines verschneiten Küstenstädtchens in Kanada. Hilfe kommt sofort. Drei junge Damen kreuzen auf und bieten ihr Haus zur Unterkunft an. Clifford und Gloria nehmen das Angebot dankend an, denn sie ahnen noch nicht, was auf dem Speiseplan der Damen steht. 

    Ivan Reitmans (GHOSTBUSTERS, 1984) zweiter Langfilm wandelt auf bekannten Pfaden und ist gleichzeitig seiner Zeit voraus. Filme wie BLOOD FEAST (1963) oder 2000 MANIACS (1964) von Herschell Gordon Lewis liegen auf der Hand, aber auch TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974), der ein Jahr später das Licht der Welt erblicken sollte, ist hier klar zu spüren und zu sehen, wie auch ein DEAD & BURIED (1981) von Gary Sherman. Was als erstes ins Auge sticht, weil es insgesamt relativ selten ist im Horrorfilm: das Schnee-Setting. Man hat die bekannte Kulisse einer Kleinstadt, wie man sie auch in US-Produktion vorfindet, aber statt einer staubigen, hitzigen oder verregneten Umgebung, liegt Schnee. Sehr schön. Hier kam mir dann auch der wunderbare DERANGED (1974) von Alan Ormsby in den Sinn, einer ebenfalls kanadischen Produktion. Der Score von Doug Riley ist sehr gut und abwechslungsreich. Er reicht von schwer und melancholisch bis unheimlich und heiter. Also eine Mischung, die dieser Film durchaus benötigt. Auch wenn sich die Inszenierung größtenteils düster und bedrohlich anfühlt, schwingt auch immer wieder etwas Humor mit, der aber nur selten in Albernheit verkommt. Andererseits macht diese Mischung den Film auch etwas unklar bis befremdlich. Dass Reitman ein gutes Gespür für Figuren hat, zeigt er nicht erst in GHOSTBUSTERS. Die Figuren die hier auftauchen, und dabei ist es egal, auf welcher Seite sie stehen, sind verschoben, skurril oder geheimnisvoll. Auch wenn die Darsteller nicht unbedingt das Aushängeschild des Films sind, passen sie gut ins Gesamtbild. Mit Eugene Levy ist hier sogar ein Star an Bord, der er allerdings damals noch nicht war. Seine Film-Freundin, Andrea Martin, kennt man im Übrigen aus BLACK CHRISTMAS (1974). Sowohl der Titel als auch der Inhalt könnte auf ein blutigen Film schließen, aber im Grunde ist hier nicht viel zu sehen. Die Mord-Szenen finden meist im Off statt und sind nichts im Vergleich zu dem, was H. G. Lewis 10 Jahre zuvor abgeliefert hat. Umso verwunderlicher ist es, dass man den Film im Kino mit einem William Castle-artigen Feature ausgestattet hat. Vor jeder Mord-Szene ertönte eine Warnglocke, damit man Zeit hatte, sich auf „Schlimmes“ einzustellen. Nach jeder dieser Szenen gab es auch ein Geräusch zur Entwarnung. 

    Um als großer Klassiker des Genres durchzugehen, ist CANNIBAL GIRLS für mich etwas zu handzahm, zu wankelmütig und zu unbestimmt, aber er macht Spaß und er ist ein wichtiger Film für die damalige kanadische Filmindustrie, und der wohl wichtigste Film für die kanadische Horrorfilm-Industrie, da er dort der erste seiner Art war. Dann kam Clark, Ormsby und dann kam David Cronenberg und revolutionierte das Genre. 

    (Bjoern Candidus)

  • Wild Country, 2005 – ★★★

    Wild Country, 2005 – ★★★

    WILD COUNTRY
    (GB, 2005, Regie: Craig Strachan)

    Vier griesgrämige Teenager werden vom Dorfpfarrer für einen Selbstfindungstrip in die Natur Schottlands gefahren. Dort sollen sie eine Nacht campen und bis zum Ziel wandern, wo sie dann wieder abgeholt werden sollen. Kurz nach der Ankunft in der Pampa macht sich Lee bemerkbar, der die Vier begleiten will, um das Herz von Kelly zurückzugewinnen. Ein abgerissener Frauenkopf und ein weinendes Baby in einer Burgruine ist erst der Anfang einer fürchterlichen Nacht, denn vor ihnen tut sich eine haarige Bestie auf.

    Craig Strachan hat hier einen netten, kleinen Werwolf-Horrorfilm abgeliefert, der mit seinen geringen finanziellen Mitteln durchaus zu überzeugen weiß. Hat man sich einmal an die Handkamera-Wackelbilder im hässlichen Digitallook jener Tage gewöhnt, kann man einen kurzweiligen Horrorfilm entdecken, der durchaus einen eigenen Charakter mitbringt. Der Film beweist durchaus Mut, wenn man sich das Werwolf-Design anschaut. Die Werwölfe erinnern etwas an GINGER SNAPS (2000) und sind, bis auf eine (?) Ausnahme, nicht am Computer entstanden. Sie laufen auf vier Beinen und sind etwas klobig. Außerdem scheinen sich diese Werwölfe nicht zurück verwandeln zu können, nachdem sie ihren Menschenkörper transformiert haben, zumindest geht man darauf nicht ein. Auch wenn der Film kein Gore-Fest ist, gibt es doch die ein oder andere saftige Splattereinlage. Auf CGI-Gore wird glücklicherweise verzichtet, aber man konnte ja auch Bob Keen (HELLRAISER, 1987) gewinnen. Der Film bewegt sich viel in der Dunkelheit, was den Horror-Momenten zugute kommt und das schmale Budget kaschiert, was insgesamt gut verteilt wurde. Mit der Naturkulisse und einer alten Burgruine wird zudem auf quasi kostenlose Weise eine gute Atmosphäre erzeugt. Die Teens sind annehmbar und angenehmer und authentischer als viele ihrer US-Kollegen. 

    Ein bisschen BLAIR WITCH PROJECT (1999), ein bisschen mehr AMERICAN WEREWOLF (1981) und eine Spur GINGER SNAPS (2000) sind in WILD COUNTRY zu entdecken. Ein durchaus spannender, kurzweiliger Horrorfilm, der kaum mehr gekostet haben dürfte als das Einspielergebnis eines Klingelbeutels am Sonntag. 

    (Bjoern Candidus)

  • Symptoms, 1974 – ★★★½

    Symptoms, 1974 – ★★★½

    SYMPTOMS
    (Belgien, GB, Spanien, 1974, Regie: José Ramón Larraz)

    Zurück aus der Schweiz möchte Helen mit ihrer neuen Freundin Anne auf dem Landsitz ihrer Eltern ausspannen. Während Anne gefallen an ihrer neuen Umgebung findet, fällt Helen immer mehr in Unruhe. Sie hört sonderbare Geräusche die vom Dachboden zu kommen scheinen, und der Nachbar, der seine Zeit am nahegelegenen See vertreibt, scheint das Vorgehen der beiden Damen genau zu beobachten.      

    José Ramón Larraz hat hier ein bedrückendes, sehr langsam inszeniertes Psycho-Drama im Mantel eines Horrorfilms geschaffen, was auf atmosphärischer und visueller Ebene eine wahre Augenweide ist. Wer es ruhig und mysteriös mag, der sei willkommen. Dafür werden Leute, die stets Antworten auf Fragen erwarten, ziemlich enttäuscht. Larraz liefert immer wieder Ansätze für die Mysterien, die sich um Helen auftun, doch zu einer klaren Sicht kommt es nicht.

    Schon ab der ersten Sekunde baut sich hier die Gänshaut auf, wenn die nebeligen und herbstlichen Bilder auf einen niederprasseln. Gespenstische Bäume, ein moderiger See und ein schmuckes Landhaus verstärken die unheilschwangere Stimmung. Englische Schauerromantik Deluxe, gedreht in Harefield Grove bei London. (Studioaufnahmen: Pinewood Studios) Kurze Zeit später werden die beiden Hauptdarstellerinnen eingeführt. Mit Angela Pleasence (HORROR-BABY, 1980) hat man voll ins Schwarze getroffen. Sie überzeugt in der Rolle von Helen, der der Wahnsinn im Gesicht geschrieben steht. Schön, wie ihr Vater Donald in ihren Augen zu sehen ist. Lorna Heilbron als Helens Freundin Anne bleibt hingegen etwas blass und langweilig. Der neugierige Brady wird von Peter Vaughan (WER GEWALT SÄT, 1971) gespielt, der perfekt ins Bild passt. 

    SYMPTOMS ist eine packende Mischung aus Filmen wie EKEL (1965) und dem britischen Horrorkino aus den Händen von Pete Walker und Co. Den Meisten wird die sehr langsame Art der Inszenierung missfallen, und wer Schocks und Horror sucht, wird sehr lange warten müssen und trotzdem unbefriedigt werden. 

    SYMPTOMS, der seine Weltpremiere in Cannes hatte und nach seiner letzten Ausstrahlung Mitte der 80er-Jahre als verschollen galt, wurde 2016 wiederentdeckt und endlich zugänglich gemacht. Auch jetzt, acht Jahre später, bleibt der Film versteckt in den Ritzen der Filmgeschichte, bis man auf ihn stößt. 

    SYMPTOMS macht es dem Zuschauer nicht leicht. Der eine wird sediert bis er einschläft, der andere will Antworten, die er nicht bekommt, der nächste gibt sich dem düsteren Sog hin und genießt einen mysteriösen Film mit einer wunderschönen Herbstkulisse, der von einem Score von John Scott abgerundet wurde. 

    (Bjoern Candidus)