DELTA FORCE
(THE DELTA FORCE, USA, 1986, Regie: Menahem Golan)
Abdul und seine „New World Revolutionary Organization“ planen eine Flugzeugentführung. Der Plan wird umgesetzt und eine Maschine aus Athen wird auf dem Weg nach Rom entführt. Die US-Spezial-Eingreiftruppe „Delta Force“ wird eingesetzt, um die Entführung zu beenden und die Terroristen ins Paradies zu befördern.
Wer mal wieder Lust hat auf einseitige, reaktionäre, heroische Actionpampe, dem sei DELTA FORCE aus dem Hause Cannon unbedingt ans Herz gelegt. Kein Klischee wird ausgelassen, um klare Trennlinien zu ziehen, damit auch der Dümmste begreifen soll, wer die Guten und wer die Bösen sind. Das Erschreckendste ist dabei: es macht enorm Spaß, dieser simplen Formel zu folgen, bei der beide Seiten von hirnlosen Hanswurste bespielt werden. Aber gut, die politische Agenda des US-Action-Kinos der 1980er-Jahre ist eine eigene Geschichte, die hier nicht erzählt werden soll. Vielmehr soll es um meinen Eindruck des Gesamtpaketes gehen, was unter Menahem Golans Regie abgeliefert wurde.
DELTA FORCE startet mit einem Einsatzes im Iran, in dem die Antiterror-Spezialeinheit „Delta Force“ unter der Leitung von Captain Scott McCoy und Colonel Nick Alexander zu sehen ist und bereits erkennen lässt, was im späteren Verlauf dieses über zweistündigen Films passiert. Dabei lässt sich aber auch schon die ordentliche Fotografie und eine dichte Atmosphäre erkennen, die den Freund des 80er-Action-Kinos direkt an die Hand nehmen müsste. Danach schlägt der Film erst mal ruhigere Töne an und konzentriert sich auf die bevorstehende Flugzeugentführung. Zahlreiche bekannte Gesichter purzeln ins Geschehen. Martin Balsam, Shelley Winters, George Kennedy und Susan Strassberg sind als Passagiere an Bord, Hanna Schygulla als Stewardess. Als Captain hat man Bo Svenson besetzt, der mich mal nicht genervt hat. Und dann ist da natürlich noch der wunderbare Robert Forster, den ich als Terroristen Abdul überhaupt nicht erkannt habe. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass er mehr nach einem Zuhälter als nach einem Terroristen aussieht, aber dafür hat er ja seinen Kollegen mitgebracht. Christen, Moslems und Juden in einem Flugzeug, und draußen lauern Chuck Norris als McCoy, Lee Marvin als Colonel Nick Alexander, Steve James als Bobby und der Rest der „Delta Force“.
Die Besetzung ist wirklich sehr gelungen. Shelley Winters und Hanna Schygulla in einem Film mit Chuck Norris zu entdecken, zeigt, dass die Sterne durchaus einen Sinn für Humor haben. Angenehm ist es auch, dass Chuck Norris als eigentlicher Star des Films gar nicht so viel Spielzeit bekommt. Aber wenn er kommt, kommt er gewaltig, und das stets begleitet von einem passenden Score von Alan Silvestri, der das Geschehen zusätzlich anpirscht.
Wenn der ruhige Aufbau, der durchaus spannend inszeniert wurde, langsam in den Action-Modus schaltet, ist DELTA FORCE nicht mehr zu stoppen. Ein Mensch wird gefesselt und aus einem startenden Flugzeug gestoßen, andere Menschen werden erschossen oder explodieren. Der Body Count ist hoch, aber natürlich vor allem auf Seiten der Araber.
Die billige Hetze, die hier betrieben wird, konnte ich nie ganz ausblenden, aber wer halbwegs bei Trost ist, kann ohnehin trennen und darf sich entspannt dem Vergnügen seiner Wahl hingeben, so lange kein anderer zu Schaden kommt.
DELTA FORCE sieht gut aus, haut ordentlich auf den Putz, ist dumm wie Brot, aber hat mich keine Sekunde gelangweilt.
(Bjoern Candidus)