Autor: marco-fritz

  • Eyeball, 1975 – ★★★

    Eyeball, 1975 – ★★★

    LABYRINTH DES SCHRECKENS
    (GATTI ROSSI IN UN LABIRINTO DI VETRO, Italien, Spanien, 1975, Regie: Umberto Lenzi)

    Eine Gruppe Touristen aus den USA macht in Spanien, genauer in Barcelona Urlaub. Der sommerliche Trip in die historische Stadt wird schnell von einem Mord innerhalb der Gruppe überschattet, dem rasch ein weiterer folgt. Das ruft Inspector Tudela auf den Plan, der gleiche mehrere Tatverdächtige zu untersuchen hat. 

    Umberto Lenzi kredenzt hier einen sommerlichen Giallo, der allein schon durch seinen Barcelona-Schauplatz hervorsticht. Urlaubsstimmung ist einem absolut gewiss. Aber nicht nur die Stadt-Aufnahmen mit den vielen historischen Gebäuden sind zu sehen, sondern auch die umliegende Natur. Und in diese schickt er Martine Brochard, John Richardson, Jorge Rigaud, Ines Pellegrini, John Bartha und Andrés Mejuto. Freunde des europäischen Kinos werden also das ein oder andere bekannte Gesicht entdecken. Die Mischung ist super. Die Figuren bringen Spaß, Sex, Mysterien oder reden viel zu lange um den heißen Brei, was die Inszenierung manchmal etwas ausbremst. Leider vernachlässigt Lenzi auch etwas die Spannung, doch diesen Missstand gleicht er mit ein paar blutigen Messer-Attacken aus, bei denen stets der linke Augapfel entfernt wird. 

    LABYRINTH DES SCHRECKENS ist gut besetzt und hat eine schöne Sommer-Stimmung mit tollen Stadt-Ansichten zu bieten, die ordentlich fotografiert wurden. Inszenatorisch gibt es nicht viel zu meckern, unter dem Strich bleibt aber ein wenig spannender Whodunit-Giallo über, der am Ende zumindest rund wie ein Augapfel wird. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Killer Reserved Nine Seats, 1974 – ★★½

    The Killer Reserved Nine Seats, 1974 – ★★½

    THE KILLER RESERVED NINE SEATS
    (L‘ASSASSINO HA RISERVATO NOVE POLTRONE, Italien, 1974, Regie: Giuseppe Bennati)

    Patrick Davenant will mit seinen Verwandten und Freunden seinen Geburtstag in einem alten Theater feiern, was er geerbt hat. Doch schnell wird die Freude getrübt, als ein Balken von einer Bühne fällt und Patrick beinahe erschlägt. Patrick glaubt, dass jemand seiner Gäste hinter dem Anschlag steckt, was zu Misstrauen unter ihnen führt. Als einer die Party verlassen will, stellen die Gäste fest, dass man sie in dem Theater eingesperrt hat. Es dauert es nicht lange, bis es zu einem ersten Mord kommt.

    Wie in Pete Walkers Früh-Slasher IM RAMPENLICHT DES BÖSEN (1972) und im 13 Jahre später entstandenen AQUARIUS – THEATER DES TODES (1987) ist auch hier ein Theater der Schauplatz der Geschichte. In diesem Fall ist es ein altes Theater, was mehr einer Festung gleicht und von Beginn an bereits bedrohlich auf die anreisende Party-Gesellschaft herabblickt. Aber auch im Inneren des längst verlassenen Theaters herrscht eine unheimliche Stimmung. Die vielen Gänge und Räume sind wie geschaffen für einen Giallo, um dort Menschen zu verfolgen. Mit dem Setting heimst Bennati schonmal den ersten Punkt ein. Wenig aufbauend ist die Besetzung, die zwar aus halbwegs soliden Darstellern (z.B. Chris Avram, Howard Ross) besteht, die aber allesamt unsympathische, griesgrämige oder selbstverliebte Figuren beseelen, die von Anfang an die Stimmung drücken. Es kommt zu vielen, vor allem toxischen Gesprächen, die THE KILLER RESERVED NINE SEATS leider immer wieder ausbremsen, und mit 104 Minuten ist Bennati deutlich zu großzügig im Zeitmanagement gewesen. Besonders die erste Hälfte zieht sich deutlich hin. Der Umschwung kommt mit der ersten Spur, wenn Patrick Davenant ein altes Bild zum Vorschein bringt, was beweisen soll, dass sich vor 100 Jahren bereits ein ähnliches Ereignis in dem Theater zugetragen haben soll. 

    Wenn nicht gequatsch und gehasst wird, kommt es zwischendurch zu Sex-Szenen zwischen den zahlreichen Anwesenden oder zu Morden, die von einem geheimnisvollen Killer mit einer ekligen Menschengesicht-Maske mit Haaren ausgeführt werden, aber insgesamt kaum Eindruck hinterlassen. Gelungener ist die Fotografie und einige inszenatorische Tricks, die THE KILLER RESERVED NINE SEATS aufwerten. Besonders das Finale kann inhaltlich, aber vor allem visuell überzeugen. Schön anzuhören ist der Score von Carlo Savina. 

    THE KILLER RESERVED NINE SEATS ist ein handwerklich ordentlicher Giallo, der vor allem durch sein atmosphärisches Theater-Setting funktioniert. Die zu lange Spielzeit, die man mit den negativen Figuren verbringen muss, trübt den Gesamteindruck etwas. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Blood Rose, 1970 – ★★★½

    The Blood Rose, 1970 – ★★★½

    DIE GESCHÄNDETE ROSE
    (LA ROSE ÉCORCHÉE, Frankreich, 1970, Regie: Claude Mulot)

    Frédéric, ein Kunstmaler, ist verzweifelt. Seine geliebte Anne ist bei einen Eifersuchtsstreit mit ihrer Vorgängerin Moira in ein Feuer gefallen, was ihr Gesicht komplett entstellt hat. Für die Öffentlichkeit wird sie für tot erklärt, doch eigentlich lebt sie zusammen mit Frédéric, seiner Hausdame Agnès und den beiden Dienern Igor und Olaf auf einem Schloss. Frédéric will Anne ihre Schönheit zurückgeben und schaltet den ominösen Professor Römer ein, der ihr ein neues Gesicht basteln soll. Doch dafür braucht er das Gesicht einer anderen Frau.  

    Der bereits mit 44 Jahren verstorbene Claude Mulot hat hier einen recht schicken Gothic-Horrorfilm geschaffen, der auf den Spuren von Georges Franjus Roman-Adaption AUGEN OHNE GESICHT (1960) wandelt, ohne ihn direkt zu kopieren. Mulot entfaltet eine prächtige Gothic-Horror-Stimmung, die die Inszenierung nur selten verlässt. Bereits zu Beginn begrüßt einen das Wasserschloss Duvivier Chateau d’Auneau in Frankreich und erweckt sofort Erinnerungen an die Wunderwelt eines Jean Rollin. Aber es gibt weder Vampire, noch das Meer und keine Standuhren, die als Portal dienen, aber dafür zwei Kleinwüchsige und eine besonders giftige Pflanze, an der man sich nicht stechen sollte. Aber auch Jess Francos Welten schwingen ein wenig mit. Franco hat 1988 mit FACELESS ebenfalls eine Verfilmung des Jean Redon Romans vorgelegt. Doch statt einem Helmut Berger als Chirurgen, fährt man hier den einzigartigen Howard Vernon auf, der aus dem Franco-Universum nicht wegzudenken ist. Doch der Fokus liegt eher auf Philippe Lemaire als verzweifelter Kunstmaler Frédéric. Die weiblichen Rollen werden mit Anny Duperey, Elizabeth Teissier und Michèle Perello bekleidet. Harmonieren tun die Darsteller, aber so wirklich hervorstechen tut niemand, bis auf Roberto und Johnny Cacao als Igor und Olaf. Die Stärke des Films liegt ganz klar in der schauerlichen Atmosphäre. Der Nebel, der um die Mauern wabert, das Heulen des Windes und die schöne Ausleuchtung sorgen für wohligen Grusel. Ein bisschen Gewalt, Sex und ein paar krude Ideen unterbrechen zwar die melancholische, fast traurige Stimmung, andererseits verleihen sie dem Film auch eine zusätzliche Note. 

    Liebe, Eifersucht, Hass, Wahnsinn und ganz viel Euro-Gothic-Horror erwarten einen in DIE GESCHÄNDETE ROSE. 
    Liebe und Wahnsinn gehen Hand in Hand.

    (Bjoern Candidus)

  • Targets, 1968 – ★★★★

    Targets, 1968 – ★★★★

    BEWEGLICHE ZIELE
    (TARGETS, USA, 1968, Regie: Peter Bogdanovich)

    Peter Bogdanovichs Debütfilm ist ein sonderbares, aber kraftvolles Amok-Drama, was zwei unterschiedlichen Handlungssträngen folgt, die sich am Ende geschickt treffen. Der Film startet mit den Szenen eines alten Roger Corman Horrorfilm mit Boris Karloff, denn eben dieser spielt hier auch mit. Karloff spielt den kurz vor dem Ruhestand stehenden Horrorfilm-Star Byron Orlok, der genau weiß, dass die Zeit der klassischen Horrorfilme vorbei ist. Die Aufnahmen mit Boris Karloff sind deshalb entstanden, weil er Corman zwei Tage Arbeit schuldete. Und so sollte Bogdanovich 20 Filmminuten in zwei Tagen mit Karloff drehen. Zudem wurde noch Material aus dem Film THE TERROR (1963) hinzugefügt, um Geld und Zeit zu sparen. Aber da das nicht reichte, hat man sich auch noch eine richtige Geschichte einfallen lassen, und die hat es in sich. Beeinflusst durch den Fall „Charles Whitman“, der von einem Turm einer Universität in Texas wahllos auf Menschen schoß, schrieb Bogdanovich und Polly Platt die Story und ein Drehbuch, bei dem auch Samuel Fuller die Hände drin hatte. 

    Wir bekommen eine Welt des Konsums, der Unterhaltung, des industriellen Größenwahns, der gigantischen Werbetafeln und riesigen Autos präsentiert. In dieser Welt lebt Bobby Thompson mit seiner Ehefrau und seinen Eltern. Alles scheint glücklich zu verlaufen. Auch Bobbys Hang zu Schusswaffen scheint in einer Welt voller Schusswaffen nur allzu natürlich. Doch in Bobby brodelt etwas, was er auch einmal versuchte seiner Frau zu mitzuteilen. Aber die ist nur auf sich selbst fixiert. Eines Morgens wird die Welt der Pastelltöne blutrot gefärbt. Bobby erschießt seine Frau, seine Mutter und einen Jungen aus der Nachbarschaft. Und so beginnt ein grausamer Amoklauf, wie er uns aus unserer eigenen Welt bekannt ist. Bogdanovich nimmt keine Gefangenen und präsentiert mit Bobby einen hinterhältigen Killer, der einen besonderen Hang zu Gewehren mit Zielfernrohren hat.  

    Harter Stoff für 1968, der es in seiner Vermarktung auch nicht leicht hatte. Thematisch passen so auch die beiden Handlungsstränge zusammen, da sich der Karloff-Strang mit dem Wechsel vom klassischen zum modernen Horrorkino beschäftigt, in dem er als Star keinen Platz mehr hat, während der Amok-Strang das New Hollywood- bis Exploitation-Kino bedient. Zwei Welten treffen aufeinander. Aber nicht nur die klassischen Themen verabschiedeten sich langsam, sondern auch Boris Karloff, der hier schon schwer von Krankheiten gezeichnet war und ein Jahr später mit 81 Jahren starb. Ein weitaus kürzeres Leben hatte Tim O‘ Kelly, der eindrucksvoll zurückhaltend Bobby spielt. O‘ Kelly starb bereits mit 48 Jahren. 
    Aber nicht nur der Inhalt ist spannend und wirksam, sondern auch die Form. Der Film wurde von László Kovács (EASY RIDER, 1969) lebendig fotografiert. Der authentische Look des Amok-Stranges ist sehr modern und gibt bereits Auskunft über die 1970er-Jahre. 

    BEWEGLICHE ZIELE ist ein weiteres Kraftpaket aus dem weitläufigen Hause Cormans, das bis heute nichts von seiner inhaltlichen Relevanz verloren hat. 

    (Bjoern Candidus)

  • Drive-In Massacre, 1976 – ★★

    Drive-In Massacre, 1976 – ★★

    DRIVE-IN KILLER
    (DRIVE-IN MASSACRE, USA, 1976, Regie: Stu Segall)

    In einem Autokino werden während der Vorführung immer wieder Liebespärchen umgebracht. Zwei schmierige, ziemlich verstrahlte Polizisten ermitteln im Umfeld des Autokinos von Austin Johnson, einem Kotzbrocken von Natur aus. 

    Regisseur Stu Segall (THE SUCKERS, 1972) hat mit diesem kleinen dreckigen Film einen Hybrid aus Krimi und Slasher gezaubert, bevor Filme wie HALLOWEEN (1978) oder FREITAG DER 13. (1980) eine riesige Welle ähnlich gelagerter Filme losgetreten haben. 

    In DRIVE-IN MASSACRE ist es vor allem das Krimi-Element, was den Standart-Slashern meistens fehlt und den Film abhebt. Abheben tut sich der Film aber auch durch seine unglaublich widerlichen Figuren, und damit sind alle gemeint. Ob es die Ermittler sind, der Autokino-Betreiber, seine Angestellten oder die Opfer, das Sammelbecken von ausladenden Figuren ist prall gefüllt. Darsteller wie John F. Goff, Bruce Kimball oder Robert E. Pearson sind mir auch bewußt zuvor nie begegnet. Die meisten Darsteller tauchen hier ohnehin unter einem Pseudonym auf, da der Film ohne Gewerkschaft produziert wurde und man sich nachträglichen Ärger ersparen wollte.

    Auch wenn es zu viel Gequatsche und polizeilichen Verhören kommt, die teilweise sehr zäh geraten sind, kann Segall zumindest hin und wieder mit einer dichten Atmosphäre aufwarten und entfesselt in den besten Momenten ein richtiges Grindhouse-Feeling. Besonders wenn es ums Eingemachte geht, nimmt sich Segall nicht zurück und liefert expliziten Gore. In erster Linie kommt hier ein Schwert zum Einsatz, und mit dem wird enthauptet, geschlitzt und durchbohrt. Von einem handwerklichen Geschick soll hier allerdings trotzdem nicht die Rede sein. Untermalt wird das Geschehen von einem dezenten Score, der die Bezeichnung „Experimentell“ mehr als verdient hat. 

    Die dreckige Atmosphäre und eine Handvoll Gore stehen DRIVE-IN KILLER gut zu Gesicht, doch die ausladenden Darsteller und die zahlreichen langweiligen Abschnitte schaden dem Gesamtbild leider sehr. 

    (Bjoern Candidus)

  • Thunder of Gigantic Serpent, 1988 – ★★★½

    Thunder of Gigantic Serpent, 1988 – ★★★½

    TERROR SERPENT
    (THUNDER OF GIGANTIC SERPENT, Hongkong, 1988, Regie: Godfrey Ho)

    Ein Forscher experimentiert an einer Formel, die Lebewesen um das tausendfache vergrößern kann. Klar, dass da eine terroristische Vereinigung nicht weit ist, die sich diesem Wissen bedienen will, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Doch bei der mörderischen Aktion, sich der Technik zu bedienen, geht die Formel, die in einem Terrarium eingebaut ist, verloren. Der beste Freund der kleinen Tingting ist Mosla, eine Babyschlange (ich vermute, ein Python), der sie liebevoll eine Schleife bastelt. Als Tingting das merkwürdige Terrarium findet, in das sie Mosla setzt, beginnt das Unheil seinen Lauf zu nehmen. Durch die Formel, die in dem Kasten eingebaut ist, wächst die Schlage mittels Stromimpulse an. Tingting und Mosla setzen ihre Freundschaft fort. Doch beide sind in Gefahr, denn die Terroristen wollen die Formel und die Regierung und das Militär will die Schlange töten, die immer größer wird, bis sie Godzilla Konkurrenz machen kann.  

    Hatte mich vor kurzem noch Bela Lugosi mit einer ähnlichen Vergrößerungs-Technik (siehe THE DEVIL BAT) verzückt, ist es jetzt mal wieder Godfrey Ho (ROBO VAMPIRE, 1988 / DAS SCHLANGENMONSTER, 1988). 
    Was hier für ein Ulk aufgefahren wird, ist kaum zu übertreffen. Schnell habe ich die (größtenteils) trottelige Besetzung geschluckt, um mich voll und ganz auf Tingting und Mosla zu konzentrieren, ja, fast mein Herz an sie zu verlieren. Die kleine Tingting spielt mit der (da noch mittelgroßen) Mosla Ball und gemeinsam erkundet man die Umgebung. Doch schnell ist die gute Laune vorbei, denn Tingting wird von den Terroristen entführt. Ab dem Punkt startet das Geschehen dann richtig durch. Mosla wird noch größer und der Zuschauer wird mit schönen Modellen verwöhnt. Die Schlange, die Häuser und Landschaften sind wundersam arrangiert und bringen so manch einen TOHO-Klassiker ins Gedächtnis. Da der Film zu großen Teilen aus Szenen des Film KING OF SNAKE (1982) besteht, hat der Film mit vielen Logikbrüchen (natürlich!) und Anschlussfehlern (Mosla scheint überall gleichzeitig zu sein) zu kämpfen. Von den tölpelhaften Darstellern (und der dt. Synchro) will ich erst gar nicht anfangen. Doch all das sorgt auch für den Liebreiz, den das Ganze einfach hat.

    Action, Zerstörung und die Liebe zwischen einem Mädchen und einer Schlange sind die Zutaten, die TERROR SERPENT zu einem Fest der guten Laune macht. 

    (Bjoern Candidus)

  • L’Île aux trente cercueils, 1979 – ★★★

    L’Île aux trente cercueils, 1979 – ★★★

    INSEL DER 30 TODE
    (L‘ILE AUX TRENTE CERCUEILS, Frankreich, 1979, Regie: Marcel Cravenne)

    In DIE INSEL DER 30 TODE geht es um Véronique, die nach einem schrecklichen Leben mit ihrem machtsüchtigen Ehemann Vorski in einem Militärhospital arbeitet. Auf ihren Vater, der Vorski ablehnte, wollte sie damals nicht hören. Sie heiratete ihn gegen den Willen ihres Vaters und wurde schwanger. Eines Nachts entführte ihr Vater seinen Enkelsohn François. Ein Zeitungsartikel versichert ihre Tod auf dem Meer. 
    Véronique, die ihren Ehemann schon 14 Jahre aus dem Weg geht, wird über dessen Tod informiert. Wenig später geht sie mit zwei Kolleginnen ins Kino. In einem Film entdeckt sie ihre Initialen auf einer Türe einer Hütte. Der Drehort führt sie in die Bretagne. Dort trifft sie auf eine Dame, die sie von früher kennt. Sie berichtet ihr, dass ihr Vater und ihr Kind nicht tot sind und auf der Insel Sarek leben. Als Véronique die Insel mit ihren verschrobenen Bewohnern betritt, wird sie in eine mysteriöse Geschichte hineingezogen, deren Ursprünge in der Vergangenheit liegen.  

    Die fünfstündige Mini-Serie, die auf dem gleichnamigen Roman von Maurice Leblanc (Vater der Detektiv-Figur Arsène Lupin) aus dem Jahre 1919 basiert, entstand unter der Regie von Marcel Cravenne und wurde zu einem großen Erfolg in Frankreich. Verständlich, denn unter dem Strich hat man es hier mit guter TV-Unterhaltung zu tun, die eine ausgeglichne Mischung aus Mystery-Thriller, Krimi und Drama darstellt. Das Insel-Setting und das trübe Wetter beschwört eine beklemmende Stimmung herauf, die sich kontinuierlich hält. Zudem ist die Wahl der Darsteller sehr gelungen. Véronique wird dargestellt von Claude Jade (hier hätte ich mir auch gut Mia Farrow oder Mimsy Farmer vorstellen können), ihr Ehemann, Vorski, wird verkörpert von Jean-Paul Zehnacker (hier kam mir ein Ivan Rassimov in den Sinn). Inhaltlich haben wir es nicht nur mit einem Familiendrama, sondern auch mit dem Streben nach Macht, Manipulation und der Verirrung in religiösem Wahn zu tun. Kurz musste ich an Filme wie WICKER MAN (1973) oder LEBENDIG GEFRESSEN (1980) denken. 

    Das Problem bei der Produktion ist die Länge. Mit fünf Stunden Spielzeit hat man es hier etwas zu gut gemeint. Es wird mir etwas zu viel und zu lange geredet, was zwar einerseits der Handlung zuträglich ist, aber gleichzeitig auch die Sitzmuskeln etwas zu sehr beansprucht. Zum Ausgleich wartet man aber mit der ein oder anderen recht garstigen Szene auf. 

    Mysteriös, geisterhaft, aber auch ein bisschen sauerstoffarm zeigt sich die INSEL DER 30 TODE. Wenn man auf Mystery-Stoffe aus Europa steht, darf man hier einen Blick riskieren. 

    (Bjoern Candidus)

  • Scarab, 1983 – ★★½

    Scarab, 1983 – ★★½

    DER FLUCH DES SCARABÄUS
    (THE SCARAB, Spanien, USA, 1983, Regie: Steven-Charles Jaffe)
     
    Ein Reporter untersucht eine Reihe von Selbstmorden von Staatsoberhäuptern. Dabei gerät er in ein Netz von mysteriösen Kräften, einem wahnsinnigen Guru und anderen ominösen Figuren. 

    Wenn man nichts mit John Boormans bizarr verdrehtem EXORZIST 2 – DER KETZER (1977) anfangen kann, sollte man von DER FLUCH DES SCARABÄUS dringend die Finger lassen. Nicht, dass die Filme inhaltlich zu vergleichen sind, doch ihnen fehlt gleichermaßen der Boden, doch sie halten sich in der Luft, um ihr verrücktes Kunststück aufzuführen. 

    Steven-Charles Jaffe, der als Regisseur nur diesen einzigen Spielfilm vorgelegt hat, aber als Produzent von Filmen wie DES TEUFELS SAAT (1977), NEAR DARK (1987) und DIE FLIEGE 2 (1989) fungierte, wandelt hier auf absonderlichen Pfaden. Die Mischung aus Krimi, Abenteuer- und Horrorfilm ist selten und noch seltener wird sie derart wirr aufgeführt. Dadurch hebt sich der Film aber vom Gros ähnlicher Kandidaten aus der Zeit ab. Zudem hat man es mit einer DTV-Produktion zu tun, und dafür bekommt man einiges geboten. Die mystische Atmosphäre, die sogar etwas Spannung aufbauen kann, ist lobenswert, ebenso die Schauplätze, die für das nötige Abenteuer-Ambiente sorgen. Aber Jaffe serviert auch zähe Momente, die die Inszenierung manchmal zu sehr ausbremsen. Und mit Robert Ginty als Reporter trifft man nicht gerade ins Schwarze. Der Mann wirkt hier irgendwie geistesabwesend, was aber vielleicht auch einfach nur am Drehbuch lag. Komplett im Einschlafmodus ist Rip Torn als Mann irgendeines Glaubens, der nur herumsteht und Unsinn verzapft. 

    Keiner, weder vor noch hinter der Kamera, macht hier im Grunde irgendwas richtig, und vielleicht liegt genau darin die Magie von DER FLUCH DES SCARABÄUS. 
    Ich hatte durchaus meinen Spaß bei diesem sonderbaren Film. 
     
    (Bjoern Candidus)

  • Blood and Bullets, 1976 – ★★★½

    Blood and Bullets, 1976 – ★★★½

    BLUT EINES BULLEN
    (SANGUE DI SBIRRO, Italien, 1976, Regie: Alfonso Brescia)

    Dan Caputo ist zurück in New York, und er hat eine Aufgabe: den Mann zu töten, der seinen Vater Joe, ein Polizist, getötet hat. Doch schon bei der Einreise kommt es zu einer gewalttätigen Begrüßung. Dans Spurensuche nach dem Täter wird erschwert, und bald klebt die Mafia an ihm. 

    Vom Sandalenfilm bis zum Western, von der Komödie bis zum Polizeifilm: Alfonso Brescia war fast überall zu Hause, und hat mich bisher noch nie gelangweilt. 

    In diesem Rachefilm im New Yorker Mafiaumfeld schickt Brescia gleich zwei Herren ins Rennen, bei denen mein Herz höher schlägt: George Eastman (bzw. Luigi Montefiori) und Jack Palance. Diese Tatsache schaltet die Erwartungshaltung automatisch hoch. Während George Eastman von Anfang an als Protagonist dient, dauert es bei Palance, abgesehen von einem kleinen Auftritt am Anfang, bis zum letzten Drittel, bis er fester Bestandteil des Films wird. Bis dahin rockt Eastman die Bude, und zwar gewaltig. Eastman versteht es nicht nur, Biestigkeiten auszuteilen wie in WILD DOGS (1974) oder Menschen zu fressen wie in MAN-EATER (1980), sondern auch sympathisch, wenn auch gewalttätig wie hier zu sein. Beides steht ihm gut zu Gesicht. Neben diesen Herren versammeln sich auch Jenny Tamburi (DIE SIEBEN SCHWARZEN NOTEN, 1977), Ugo Bologna und Nello Pazzafini. 

    Aber auch alles andere darf als geglückt bezeichnet werden. Schießereien, Explosionen, Autoverfolgungsjagden, abwechslungsreiche Sets und ein toller Score von Alessandro Alessandroni, der zwischen funkigen und spannenden Tönen pendelt. Dazu überzeugt sowohl die Fotografie von Silvio Fraschetti als auch die Ausleuchtung der Sets. 

    Actionreich, spannend und frei von Leerlauf präsentiert sich BLUT EINES BULLEN. Ein zünftiger Rache-Film über dessen simple Story man ganz automatisch hinweg sieht.

    (Bjoern Candidus)

  • The Delta Force, 1986 – ★★★

    The Delta Force, 1986 – ★★★

    DELTA FORCE 
    (THE DELTA FORCE, USA, 1986, Regie: Menahem Golan)

    Abdul und seine „New World Revolutionary Organization“ planen eine Flugzeugentführung. Der Plan wird umgesetzt und eine Maschine aus Athen wird auf dem Weg nach Rom entführt. Die US-Spezial-Eingreiftruppe „Delta Force“ wird eingesetzt, um die Entführung zu beenden und die Terroristen ins Paradies zu befördern. 

    Wer mal wieder Lust hat auf einseitige, reaktionäre, heroische Actionpampe, dem sei DELTA FORCE aus dem Hause Cannon unbedingt ans Herz gelegt. Kein Klischee wird ausgelassen, um klare Trennlinien zu ziehen, damit auch der Dümmste begreifen soll, wer die Guten und wer die Bösen sind. Das Erschreckendste ist dabei: es macht enorm Spaß, dieser simplen Formel zu folgen, bei der beide Seiten von hirnlosen Hanswurste bespielt werden. Aber gut, die politische Agenda des US-Action-Kinos der 1980er-Jahre ist eine eigene Geschichte, die hier nicht erzählt werden soll. Vielmehr soll es um meinen Eindruck des Gesamtpaketes gehen, was unter Menahem Golans Regie abgeliefert wurde. 

    DELTA FORCE startet mit einem Einsatzes im Iran, in dem die Antiterror-Spezialeinheit „Delta Force“ unter der Leitung von Captain Scott McCoy und Colonel Nick Alexander zu sehen ist und bereits erkennen lässt, was im späteren Verlauf dieses über zweistündigen Films passiert. Dabei lässt sich aber auch schon die ordentliche Fotografie und eine dichte Atmosphäre erkennen, die den Freund des 80er-Action-Kinos direkt an die Hand nehmen müsste. Danach schlägt der Film erst mal ruhigere Töne an und konzentriert sich auf die bevorstehende Flugzeugentführung. Zahlreiche bekannte Gesichter purzeln ins Geschehen. Martin Balsam, Shelley Winters, George Kennedy und Susan Strassberg sind als Passagiere an Bord, Hanna Schygulla als Stewardess. Als Captain hat man Bo Svenson besetzt, der mich mal nicht genervt hat. Und dann ist da natürlich noch der wunderbare Robert Forster, den ich als Terroristen Abdul überhaupt nicht erkannt habe. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass er mehr nach einem Zuhälter als nach einem Terroristen aussieht, aber dafür hat er ja seinen Kollegen mitgebracht. Christen, Moslems und Juden in einem Flugzeug, und draußen lauern Chuck Norris als McCoy, Lee Marvin als Colonel Nick Alexander, Steve James als Bobby und der Rest der „Delta Force“. 
    Die Besetzung ist wirklich sehr gelungen. Shelley Winters und Hanna Schygulla in einem Film mit Chuck Norris zu entdecken, zeigt, dass die Sterne durchaus einen Sinn für Humor haben. Angenehm ist es auch, dass Chuck Norris als eigentlicher Star des Films gar nicht so viel Spielzeit bekommt. Aber wenn er kommt, kommt er gewaltig, und das stets begleitet von einem passenden Score von Alan Silvestri, der das Geschehen zusätzlich anpirscht.

    Wenn der ruhige Aufbau, der durchaus spannend inszeniert wurde, langsam in den Action-Modus schaltet, ist DELTA FORCE nicht mehr zu stoppen. Ein Mensch wird gefesselt und aus einem startenden Flugzeug gestoßen, andere Menschen werden erschossen oder explodieren. Der Body Count ist hoch, aber natürlich vor allem auf Seiten der Araber. 

    Die billige Hetze, die hier betrieben wird, konnte ich nie ganz ausblenden, aber wer halbwegs bei Trost ist, kann ohnehin trennen und darf sich entspannt dem Vergnügen seiner Wahl hingeben, so lange kein anderer zu Schaden kommt. 

    DELTA FORCE sieht gut aus, haut ordentlich auf den Putz, ist dumm wie Brot, aber hat mich keine Sekunde gelangweilt. 

    (Bjoern Candidus)