Autor: marco-fritz

  • The Return of Count Yorga, 1971 – ★★½

    The Return of Count Yorga, 1971 – ★★½

    DIE SIEBEN PRANKEN DES SATANS
    (THE RETURN OF COUNT YORGA, USA, 1971, Regie: Bob Kelljan)

    Graf Yorga ist zurück! Zum Leidwesen von so mancher Dame hat sich der Graf in einem schicken Schloss neben einem Waisenhaus eingenistet, um dort der Liebe und dem Blut zu frönen und nebenher eine Vampirarmee aufzubauen. Doch er hat eine Gruppe Menschen gegen sich, die der Kreatur der Nacht das Licht ausblasen will.

    Schon ein Jahr nach dem ersten Teil, der hier dummerweise auf JUNGES BLUT FÜR DRACULA getauft wurde, kehrte Robert Quarry als höchst unsympathischer Vampir Graf Yorga zurück, erneut unter der Regie von Bob Kelljan.

    Der Film startet mit einer recht atmosphärischen Szene, in der ein unheimlicher Wind weht, über den sich eine Frau mit einem Priester unterhält, während sich ein kleiner Junge durch den Park schleicht, wo sich drei Gespielinnen Yorgas aus der Erde buddeln. Auf der Flucht vor den Vampirinnen läuft der Junge Graf Yorga in die Hände, der sich, bekanntermaßen, direkt aggressiv zeigt. Dass der Graf, der eigentlich im Vorgängerfilm JUNGES BLUT FÜR DRACULA (1970) zu einer Staubmaus zerfallen ist und eigentlich vernichtet sein müsste, spielt hier keine Rolle. Fakt ist: er lebt und hat sich in einem Herrenhaus neben einem Waisenhaus eingenistet. Gleiches gilt auch für seinen Haus-und-Hof-Trottel Brudda. Insgesamt wirkt der Film belebter als sein Vorgänger, denn es tauchen mehr Figuren auf. Yorga hat nicht nur mehr Vampirinnen an seiner Seite, sondern auch eine Hexe, die ihm Ratschläge gibt und den oben erwähnten Junge, der unter seinem Bann steht. Aber auch auf der anderen Seite gibt es mehr Figuren, die hier agieren, um gegen Yorga vorzugehen, und die reden sehr viel, zu viel. Roger Perry (DAS DING MIT DEN ZWEI KÖPFEN, 1972), der junge Doktor aus dem Vorgänger, ist wieder an Bord, aber diesmal als ein anderer Doktor. Ebenfalls dabei: Craig T. Nelson (POLTERGEIST, 1982) als Sgt. O’Connor, Michael Pataki (ROCKY IV, 1985), Mariette Hartley (GOODNIGHT, BEANTOWN, 1983-1984) und Yvonne Wilder (WEST SIDE STORY, 1961) die hier ziemlich nervig ist. Durch die Bank ist das Ensemble wenig einladend, schon gar nicht charakterstark. Die gesamte Inszenierung wirkt unkonzentriert, sprunghaft und baut, im Gegensatz zum Vorgänger, weniger Spannung und Atmosphäre auf. Am stimmungsvollsten wird es, wenn es in die Grünanlagen zwischen Yorgas Herrenhaus und dem Waisenhaus geht, aber der Gothic-Horror-Anstrich von JUNGES BLUT FÜR DRACULA ist deutlich reduziert worden, was sehr schade ist, denn die Kombination aus klassisch und modern hat dort gut funktioniert. Dafür setzt man jetzt auf etwas Humor, der völlig unpassend ist, z.B. wenn sich Yorga angewidert im Fernseher GRUFT DER VAMPIRE (1970) anschaut oder er einem als Graf Dracula verkleideten Mann auf einem Kostümball begegnet. Auch der schwarzweißfarbene Oldtimer, den Yorga fährt, verzerrt die Figur unnötig. Aber gut, zumindest sieht das Ganze stylisch aus.

    DIE SIEBEN PRANKEN DES SATANS schraubt die positiven Elemente seines Vorgängers herunter und fügt unnötige neue hinzu. Was bleibt ist ein halbgarer Vampirfilm, der aber noch genug Charme besitzt, um zu unterhalten.

    (Bjoern Candidus)

  • Teenage Mutant Ninja Turtles, 1990 – ★★★½

    Teenage Mutant Ninja Turtles, 1990 – ★★★½

    TURTLES – DER FILM
    (TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES, Hongkong, USA, 1990, Regie: Steve Barron)

    New York City ertrinkt in einer Diebstahlwelle. Die Reporterin April O’Neal versucht die Drahtzieher zu finden und wird bei ihrer Recherche überfallen. Doch Hilfe ist zur Stelle. Vier bewaffnete Schildkröten überwältigen die Angreifer und können April retten, die längst bewusstlos auf dem Boden liegt und ihre Retter nicht erblicken konnte. Doch April O’Neal ist zäh und hartnäckig und hängt sich weiter in den Fall rein, bis sie den mutierten Schildkröten Leonardo, Raffaello, Donatello Michelangelo und Ratte Splinter gegenübersteht. Gemeinsam nehmen sie den Kampf gegen den verbrecherischen Foot Clan unter der Herrschaft von Shredder auf.

    Ich war zehn, und die Turtles waren extrem angesagt, auch bei mir. Eine Zeichentrickserie, eine ausgedehnte Spielzeuglinie, Comics, Hörspiele und was man sich nur vorstellen kann, schwappte in viele Kinderzimmer der späten 80er-90er-Jahre. Basierend auf der Comic-Reihe von Kevin Eastman und Peter Laird, die 1984 startete, folgte die erfolgreiche Zeichentrick-Serie TEENAGE MUTANT HERO TURTLES (1987-1996). Und so dauerte es nicht lange, bis schließlich der erste Realfilm der mutierten Schildkröten in die Kinos kam.

    Was bei dem Film, der unter der Regie von Musikvideo-Legende Steve Barron entstanden ist, schnell auffällt: er hat stilistisch nicht viel mit den Turtles zu tun, die man aus der Zeichentrick-Serie kennt. Statt einem bunten Treiben in New York, steht die Atmosphäre hier eher auf düster und dreckig, natürlich im Rahmen eines kindertauglichen Films. Dennoch erstaunt der finstere Ton, der sich vielmehr auf die ursprünglichen Comics von Eastman und Laird beruft. Mich hat es nicht gestört, damals wie heute nicht. Und so begibt man sich in die Kanalisation, in finstere Gassen der New Yorker Häuserschluchten, in Lagerhallen voller Foot Soldiers oder in April O’Neils Apartment und macht einen Abstechers ins Grüne. Für Abwechslung im Bereich der Schauplätze ist also gesorgt und qualitativ sieht das Ganze auch noch aus. Den Klamotten, den Frisuren, der Musik haftet noch etwas 80er-Charme an, aber der Beginn der 90er-Jahre steht dem Film klar ins Gesicht geschrieben. Wo er sich hingegen sehr klassisch zeigt, ist im Bereich der Kostüme und Effekte. Die Latex-Schildkröten-Kostüme sind richtig schick geworden und entsprechen dem bekannten Aussehen. Ratte Splinter ist hingegen ein Animatronic-Puppet aus dem Hause Jim, bzw. Brian Henson, und der ist richtig gut geworden, samt der niedlichen Rückblick-Szene, in der man sieht, wie Donatello, Michelangelo, Raffaello und Leonardo zu dem wurden, was sie sind. Neben April O’Neal, die ziemlich passend von Judith Hoag (CADILLAC MAN, 1990) besetzt wurde, taucht auch die Figur des Casey Jones auf, der von Elias Koteas (CRASH, 1996) gespielt wird. Und dann ist da natürlich noch Oroku Saki aka Shredder, der von James Saito (STIRB LANGSAM – JETZT ERST RECHT, 1995) verkörpert wird. Und wer genau hinschaut, kann auch einen noch jungen Sam Rockwell entdecken. Große schauspielerische Leistungen werden hier nicht vollbracht, was kaum verwunderlich ist, wenn die Hauptdarsteller in Kostümen stecken und fast alle von anderen synchronisiert werden, z.B. von Corey Feldman (Donatello). Aber es geht hier weder um ernsthafte Charakterzeichnungen noch um eine inhaltsschwere Story. TURTLES – DER FILM setzt auf Action, Humor, auf eine düstere Comic-Atmosphäre und auf tolle Effekte und Masken, und genau damit kann Steve Barron überzeugen. Hier gibt es noch einen angenehmen Rhythmus zwischen Action und Entspannung; man hat Ruhe, sich auf Dinge zu konzentrieren. Die Kampf-Szenen mögen oft etwas steif wirken, und sie sind natürlich handzahm, da es sich letztlich um einen Film für Kinder handelt (FSK ab 6).

    TURTLES – DER FILM ist eine charmante Comic-Verfilmung und ein tolles Bindeglied zwischen 80er- und 90er-Kino.

    (Bjoern Candidus)

  • Teenage Mutant Ninja Turtles II: The Secret of the Ooze, 1991 – ★★

    Teenage Mutant Ninja Turtles II: The Secret of the Ooze, 1991 – ★★

    TURTLES 2 – DAS GEHEIMNIS DES OOZE
    (TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES 2 – THE SECRET OF THE OOZE, Hongkong, USA, 1991, Regie: Michael Pressman)

    Shredder galt als verschrottet, doch er ist zurück, und mit ihm der Foot Clan. Als er durch eine Reportage von April O’Neal über die Experimenten des Professor Jordon Perry erfährt, der durch die illegale Beseitigung von Industriemüllabfällen sonderliche Mutationen hervorgebracht hat, wächst sein Interesse an ihm und seinen Experimenten. Er will seinen Foot Clan erweitern, stärken und seine Machtphantasien ausleben. Doch wie immer hat er die Rechnung ohne die Turtles gemacht.

    Treu dem Fortsetzungsprinzip „Höher, schneller, weiter“ serviert der TV-Serien-erfahrene Michael Pressman das zweite Kinoabenteuer der mutierten Schildkröten. Doch leider ist Pressman nicht ganz so geschickt wie ein Jahr vorher noch Steve Barron. Optisch unterscheidet sich der Film gar nicht so groß von seinem Vorgänger. Die Sets ähneln sich, der Farbanstrich ist in etwa gleich, wie auch die düstere Großstadt-Atmosphäre, und trotzdem wirkt TURTLES 2 etwas aufgelockerter, schriller und tendiert mehr zum Ton der ersten Zeichentrickserie. Es gibt mehr Kämpfe, mehr Witze, die weniger zünden und zwei neue Kreaturen, die stellvertretend für Roxdaddy und Bebop eingefügt wurden, da die Turtles-Väter Kevin Eastman und Peter Laird diese Charaktere nicht freigeben wollten. Und so wird aus einem Warzenschwein und einem Nashorn ein mutierter Wolf und eine Geierkopfschildkröte. Beide sind gut designt und entsprechen der Qualität der vier Turtles. Überhaupt sind die Effekte, Masken und Puppen wieder sehr gut geworden, vor allem Ratte Splinter. Auch in diesem Teil zeigte sich Jim Henson’s Creature Shop verantwortlich. Was das Visuelle angeht, ist man also weiter auf guten Niveau. Doch leider muss man Abstriche bei den Figuren machen. Es fängt mit der neuen April O‘Neal – Darstellerin Paige Turco (THE 100, 2014-2020) an, die leider das Charisma einer Judith Hoag aus dem 1. Teil vermissen lässt. Der wunderbare David Warner ist als Professor Jordon Perry dabei, doch auch der bleibt leider ziemlich blass, aber das gilt letztlich für die meisten Darsteller, die hier ohne Ganzkörper-Kostüm auftauchen.

    TURTLES 2 – DAS GEHEIMNIS DES OOZE ist eine actionreiche, gut ausgestattete Comic-Verfilmung, die inhaltlich allerdings baden geht und zu wenig Abwechslung bietet, um die gesamte Spielzeit zu unterhalten.

    (Bjoern Candidus)

  • Teenage Mutant Ninja Turtles III, 1993 – ★½

    Teenage Mutant Ninja Turtles III, 1993 – ★½

    TURTLES 3
    (TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES 3, Hongkong, Japan, USA, 1993, Regie: Stuart Gillard)

    Shredder scheint endlich besiegt, und die Turtles und Splinter sind zur Ruhe gekommen. Doch die Ruhe hält nicht lange an. Als April O‘Neal in der Kanalisation bei ihren Freunden auftaucht, hält sie den neuen Ärger förmlich in der Hand. Ein Zepter aus dem feudalen Japan entpuppt sich als eine Art Zeitportal, was April ins alte Japan schickt und umgekehrt einen japanischer Feudalherr in die Gegenwart. Die vier Schildkröten haben 60 Stunden Zeit, April zurück in die Gegenwart zu holen. Ein weiteres Abenteuer steht an, bei dem auch Casey Jones wieder auf den Plan gerufen wird.

    Nachdem auch der zweite Teil recht erfolgreich in den Kinos lief, war es nur eine Frage der Zeit, bis eine weitere Fortsetzung entstehen sollte. Diesmal führte Stuart Gillard Regie, der sich wie sein Vorgänger Michael Pressman, vor allem für TV-Arbeiten verantwortlich zeigt.

    Nach einer ziemlich stylisch Pre-Titel-Sequenz im feudalen Japan, geht es erst mal nach New York zu den beliebten Titelhelden, und schnell zeigt sich, dass die düstere Atmosphäre der beiden Vorgängerfilme verschwunden ist. Alles wirkt hell und viel zu positiv, was vielleicht daran liegt, dass Shredder und seine Schergen geschlagen sind. Die Großstadtkulisse mit düsteren Straßenschluchten, Kanalisationssystemen und Lagerhallen weicht einer grünen, hügeligen Naturkulisse mit Holzhütten und einem japanischen Tempel. Das sieht alles sehr gut aus, und auch die Ausstattung und die Kostüme wissen zu gefallen. Die Story ist nicht originell, aber Zeitreisen sind beliebt. Geschenkt. Aber die Figuren, besonders die Antagonisten, sind einfach nur langweilig und haben mich schon als Kind im Kino angeödet. Allen voran Stuart Wilson als Walker. Paige Turco ist erneut als Langweilige-Version von April am Start, und Elias Koteas macht hier, im Vergleich zum 1. Teil, gar keinen Spaß. Und dann sind da ja noch Michelangelo, Donatello, Leonardo und Raffaello, und auch die haben hier nicht ihren besten Auftritt. Das liegt vor allem an der unausgegorenen Regie, die null Taktgefühl besitzt. Alles wirkt unglaublich fad.

    Langweilige Kämpfe, ständiges von A-nach-B-Laufen und langweiliges Gerede mit platten Sprüchen führen TURTLES 3 zum Desaster. Bis auf die Rüstungen, die Naturkulissen und der Tempel hat mir hier nichts gefallen, wie schon vor über 30 Jahren, als ich aus dem Kino herauskam.

    (Bjoern Candidus)

  • Leprechaun, 1993 – ★★

    Leprechaun, 1993 – ★★

    LEPRECHAUN
    (USA, 1993, Regie: Mark Jones)

    Im Keller eines Hauses auf dem Land ist ein Leprechaun in einer Kiste eingesperrt, die mit einem vierblättrigen Kleeblatt versehen wurde, um den Kobold zu bannen, den einst ein Mann namens Daniel O’Grady in Irland gefangen hat, da dem Fänger dieser Kreatur ihr Gold zusteht. Gut zehn Jahre später bezieht J. D. Redding und seine Tochter Tory das Haus. Für die Renovierung bekommen sie tatkräftige Unterstützung von ein paar Idioten aus der Nachbarschaft, von denen einer den Leprechaun unwissentlich befreit, und der will jetzt sein Gold zurück, mit allen Mitteln.

    Als den großen Horror-Slasher-Ikonen Freddy, Jason und Michael langsam der Saft ausging, mussten neue Figuren her, um das Genre aufzumischen. Mit LEPRECHAUN von Mark Jones ist das nicht wirklich geglückt, wobei es nicht an Fortsetzungen mangelt, die zumindest für eine gewisse Nachfrage sprechen.

    Das ländliche Setting steht dem Film; kein Camp und keine schicke Vorstadtsiedlung ist in Sicht, nur ein kleines, nettes Holzhaus im Grünen. Was mich sehr schnell gestört hat sind die Charaktere, denn die sind alle dumm, nervig oder beides zusammen, und der Star des Films, Warwick Davis als Leprechaun, ist anfangs gewöhnungsbedürftig, was sich mit der Spielzeit und vor allem mit den Fortsetzungen legt. Das Make-up, bzw. das ganze Kostüm des goldgeilen irischen Kobolds ist auf jeden Fall gelungen. Bis zu LEPRECHAUN 4: IN SPACE (1997), den ich durchaus unterhaltsam in Erinnerung habe, werden die Teile besser, was eher selten der Fall ist. Keiner dieser Filme stellt ein Highlight im Horror-Genre dar, aber handwerklich ist man auf einem guten Niveau, und bei diesem Erstling bewegt sich das Budget im Rahmen von 900.000 Dollar, die ganz vernünftig eingesetzt wurden, zumindest in handwerklicher Hinsicht. Auch die überschaubaren Gore-Effekte sind solide umgesetzt, stellen aber wahrlich nichts besonderes dar.

    Die Idee, eine irische Mythengestalt für das US-Horror-Kino zu aktivieren, ist gar keine schlechte, und sowohl Zwerge, Kobolde als auch Killerpuppen lagen im Trend der damaligen Horrorblase, wenn auch in erster Linie im Rahmen des DTV-Markts. Filme wie FUNNY MAN (1994), RUMPELSTILTSKIN (1995, ebenfalls von Mark Jones), PINOCCHIO – PUPPE DES TODES (1996) und weitere Teile der PUPPET MASTER – Reihe folgten.

    Wortwitz, der selten zündet und dumme Figuren überschatten LEPRECHAUN, der gute Ansätze hat und zumindest rein visuell gar nicht schlecht aussieht.

    (Bjoern Candidus)

  • Monster in the Closet, 1986 – ★★★

    Monster in the Closet, 1986 – ★★★

    Wiedersichtung:

    ÜBERFALL IM WANDSCHRANK

    (MONSTER IN THE CLOSET, USA, 1987, Regie: Bob Dahlin)

    Nachdem innerhalb einer Woche drei Menschen in einer Kleinstadt getötet wurden, ermittelt ein Zeitungsreporter. Hilfe bekommt er von Diane, einer Wissenschaftlerin, und einer Handvoll anderen Helfern, die sich gegen ein Monster aus dem All zu Wehr setzen müssen, gegen das scheinbar keine Waffe stark genug ist.

    Spätestens seit HALLOWEEN (1978) von John Carpenter weiß man, dass ein Schrank nicht das beste Versteck vor Monstern ist. Hier ist es umgekehrt, denn das Monster versteckt sich selbst im Schrank und kommt lediglich zum töten heraus. Das klingt nicht nur albern, das ist es im Grunde auch, aber es ist charmant.

    Die TROMA-Produktion, die unter der Regie von Bob Dahlinentstand entstanden ist, ist eine skurrile Mischung aus Monster-, Scifi- und Horrorkomödie. Erstnehmen sollte man hier nichts bis auf die Liebe, die man durchaus an einigen Stellen erkennen kann. Aber TROMA geizt ja auch nicht mit Liebe. Das Monster, was in etwa so Aussieht wie ein degenerierter Mix aus dem Rancor-Monster und den Mini-Monstern aus THE GATE (1987), ist wunderbar geraten. Ein Mann im Kostüm – so soll es sein, und ein bekannter noch dazu. Ein weiteres Mal darf Kevin Peter Hall (PROPHECY, 1979 / WITHOUT WARNING, 1980 / PREDATOR, 1987) ein Monster spielen.

    Abgesehen von John Carradine, der hier kurz dabei ist und einem Paul Walker, der hier noch ein Kind ist, hat mir der Rest der Darsteller nicht wirklich was gesagt. Nach tiefsinnigen Charakteren sollte man hier ohnehin nicht suchen.

    Das Kleinstadt-Setting versprüht den typischen Charme von Filmen, wie NIGHT OF THE CREEPS (1986), MONSTER BUSTERS (1987) oder der eben schon erwähnte THE GATE (1987). Und im letzten Drittel bekommt man dann sogar noch eine alberne Hommage an UNHEIMLICHE BEGEGNUNG MIT DER DRITTEN ART (1987) geboten. Der Film hält sich größtenteils fern von harter Gewalt, Blut und Gekröse; der Fokus ist auf einen Familienpublikum gerichtet.
    Positiv ist auch der Humor. Da hier alles etwas auf dem Kopf steht, sind es vor allem die Situationen, die für den Witz sorgen.

    Zu viel Unterhaltung sollte man allerdings auch nicht erwarten. Spannung findet man weitestgehend keine, die Action-Sequenzen wirken etwas billig und uninspiriert.

    Nichtsdestotrotz ist ÜBERFALL IM WANDSCHRANK eine nette kleine Hommage an das Monster-Kino und ein weiteres gutes Beispiel aus dem Haus von Lloyd Kaufman und seinem bunten TROMA-Universum.

    (Bjoern Candidus)

  • Hallucinations of a Deranged Mind, 1978 – ★★★½

    Hallucinations of a Deranged Mind, 1978 – ★★★½

    HALLUCINATIONS OF A DERANGED MIND
    (DELIRIOS DE UM ANORMAL, Brasilien, 1978, Regie: José Mojica Marins)

    Und wieder schickt einen Regisseur José Mojica Marins (AWAKING OF THE BEAST, 1970) in die Hölle, und das so richtig. Hier verzichtet er allerdings auf eine richtige Handlung. Er selbst ist als José Mojica Marins, bzw. als Ze Do Caixao aka Coffin Joe dabei, der mit einem von Alpträumen geplagten Psychiater konfrontiert wird. Das hat mich alles etwas an Lucio Fulci in NIGHTMARE CONCERT (1990) erinnert, der nun wahrlich keine Sternstunde ist. Ähnlich wie bei Fulci, greift Marins dabei auf Szenen seiner vorherigen Filme zurück. Der Clou: Es handelt sich dabei um Szenen, die die brasilianischen Zensurbehördern einst nicht durchgelassen haben. Menschen werden ausgepeitscht, auf Streckbänken gefoltert, erstochen; Menschen verwandeln sich in groteske Fleischhaufen, bekommen Arschgesichter oder ertrinken in Lava oder Leichensud. Hier werden knapp 85 Minuten mit krassen Gräueltaten ausgefüllt, die sich dank Kameramann Giorgio Attili durchaus ins Hirn brennen können. Durch den Wechsel von farbigen zu schwarzweißen Bildern, wird das Ganze allerdings auch manchmal etwas anstrengend.

    HALLUCINATIONS OF A DERANGED MIND ist ein wahnsinniger Horrortrip, wie ihn nur ein José Mojicá Marins auslösen kann. 

    (Bjoern Candidus)

  • At Midnight I’ll Take Your Soul, 1964 – ★★★★

    At Midnight I’ll Take Your Soul, 1964 – ★★★★

    AT MIDNIGHT I’LL TAKE YOUR SOUL
    (À MEIA NOITE LEVAREI SUA ALMA, Brasilien, 1964, Regie: José Mojica Marins)

    Der Totengräber Coffin Joe (im Original Zé do Caixao) in kein gern gesehener Mensch in der kleinen Gemeinde, für die er die Toten unter die Erde bringt. Er ist aggressiv, exzentrisch und verhält sich blasphemisch. Doch niemand traut sich, sich ihm in den Weg zu stellen, und wenn, zahlt es ihm Coffin Joe heim. Alles, was ihm zu seinem teuflischen Spiel fehlt, ist ein Sohn, dem er sein Denken weitervererben will. Dumm nur, dass seine Frau Lenita unfruchtbar ist. Er bringt sie mit Spinnengift um und fokussiert sich auf Terezinha, die Verlobte seines Freundes Antonio. Kurz bevor sich Terezinha und Antonio das Jawort geben wollen, besuchen sie mit Coffin Joe eine Wahrsagerin, die nichts Gutes verkündet.

    AT MIDNIGHT I’LL TAKE YOUR SOUL ist nicht nur der erste Horrorfilm von José Mojica Marins, sondern auch der erste aus Brasilien. Und während der Film in Brasilien ein Erfolg wurde, und sich mehrere Monate in den Kinos von São Paulo hielt, sollte er, wie auch die meisten anderen Filme von Marins, nicht den Weg nach Deutschland finden. Trotz des großen Erfolgs im Heimatland, spaltete Marins die Gemüter und es kam dazu, dass der Film in manchen Gegenden Brasiliens wegen seiner blasphemischen Szenen verbannt wurde.

    Noch bevor eine Wahrsagerin den Zuschauer eindringlich davor warnt, sich den Film anzugucken, holt Marins in kurzen Sequenzen bereits zur Gewalt gegen Menschen aus. Bilder der Gewalt und des Todes dominieren von Beginn an, und Hoffnung und Freundlichkeit wird hier nie aufkommen. Marins, der angeblich sein Haus, wie auch sein Auto verkaufen musste, um den Film zu finanzieren, schlüpft selbst in die Rolle des Ze do Caixao, der als Coffin Joe natürlich besser bekannt ist. Mit schwarzem Anzug, Cape, Zylinder und zentimeterlangen spitzen Fingernägeln macht er schon optisch was her und sorgt mit seinem exzentrischen, überhöhten Gerede dafür, das ihn die Bewohner des Dorfes mit Respekt begegnen, denn schließlich bringt er hier die Toten unter die Erde. Stellt man sich ihm aber in den Weg, sticht er Augen aus, schlägt einem Rosenkränze ins Gesicht, zerhackt Hände mittels abgebrochener Glasflaschen,
    zündet Körper an oder foltert, tötet und vergewaltigt Frauen. Es ist schon wirklich erstaunlich, welche Grausamkeiten hier gezeigt werden, die immerhin noch in Schwarzweiß sind. Wie schön Splatter in Farbe funktioniert, hat ein Jahr vorher bereits H. G. Lewis mit BLOOD FEAST (1963) unter Beweisgestellt. Doch während Lewis seine schrillen Figuren in Pastellfarben mit Blut und Organen beschmierte und mehr den Eindruck eines bewegten Comicstrips hinterlassen hat, driftet Marins in düstere, unheimliche und sehr garstige Alptraumwelten ab, denen man sich nur schwer entziehen kann. Die Gothic-Horrorwelt eines Mario Bavas ist jedenfalls deutlicher zu erkennen als ein H. G. Lewis. Lucio Fulci kam mir bei den drastischen Szenen in den Sinn, und auch Spinnen, Maden, ein Zombie und Attacken gegen die Augen bringen das Kino des Italieners in Erinnerung. Aber Marins gelingt es nicht nur Gewalt und Ekel zu erzeugen, sondern auch sehr spannende und höchst atmosphärische Bilder, die reich gefüllt sind mit mystischen Gegenständen, Totenschädeln und der permanenten Griesgrämigkeit von Coffin Joe.

    José Mojica Marins hat mit AT MIDNIGHT I’LL TAKE YOUR SOUL ein Feuer entfacht, was mit seinen folgenden Filmen zu einem wahren Höllenfeuer wird.

    (Bjoern Candidus)

  • Children Shouldn’t Play with Dead Things, 1972 – ★★½

    Children Shouldn’t Play with Dead Things, 1972 – ★★½

    CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS
    (USA, 1972, Regie: Bob Clark)

    Alan, der Kopf einer Theatergruppe, begibt sich mit seinen Kollegen auf eine Insel vor Miami, wo sie auf einem alten Friedhof eine Leiche ausbuddeln, die sie mittels eines Zauberbuches zu neuen Leben erwecken wollen. Anfangs ohne Erfolg, doch es dauert nicht lange, bis sich die Toten in ihren Gräbern gestört fühlen und nach den Lebenden greifen.

    Bob Clarks (und Alan Ormsbys) erster Horrorfilm verrät bereits, dass er dichte Stimmungen heraufbeschwören kann. Schon mit seinen nachfolgenden Filmen, DEAD OF NIGHT (1974) und BLACK CHRISTMAS (1974) perfektionierte er diesen düsteren Ton. Inhaltlich ist CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS allerdings einfacher und vor allem lockerer strukturiert. Wer für diesen Zombiefilm Pate stand, dürfte klar sein: George A. Romero. Doch Clark greift auch auf das klassische Thema zurück. WHITE ZOMBIE (1932) trifft auf NIGHT OF THE LIVING DEAD (1968) mit einem Touch William Grefe, könnte man vereinfacht sagen. Mittels eines Zauberbuches werden hier die Toten durch eine Handvoll Lebender aufgeweckt, was gleich Erinnerungen an den neun Jahre später entstandenen EVIL DEAD weckt. Auch dort ist man in der Abgeschiedenheit der Natur unterwegs. Hier ist man mitten in der Nacht auf einer Insel in vor Miami. Strand, Palmen, ein alter Friedhof und eine Hütte sorgen für gespenstische Stimmung. Wenn die hippieartigen Damen und Herren mit ihren Theatergruppen-Guru Alan (dargestellt von Alan Ormsby) aufmarschieren wird es bunt. Dadurch sorgt man nicht gerade dafür, dass die Spannung aufrechterhalten wird. Alan spielt sich auf wie ein Charles Manson für die Schul-Theater-AG, und seine Schäfchen folgen ihm auch noch dumm. Kennt man. Bei der Zeichnung der nervigen Figuren hält sich Clark zu lange auf, was manchmal zu einer Ödnis führt, aber immerhin vergisst er auch dabei nie die Atmosphäre, die auch hier schon musikalisch von Carl Zittrer (DEAD OF NIGHT / BLACK CHRISTMAS) unterstützt wird. Und wenn einmal auf Zombie-Terror gestellt wird, darf man sich an billigem, aber durchaus effektivem Zombie-Make-up erfreuen, was zum Rest dieses horrorcomicartigen Films passt.

    Eine Handvoll Idioten, Lagerfeuerromantik auf einer Insel, okkulte Spielereien und ein Boden voller Tote, die sich dann im letzten Drittel aus der Erde erheben, machen CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS nicht gerade zu einem Feuerwerk der Innovation. Dennoch ist Clark ein ansehnlicher, früher Beitrag der Zombiewelle gelungen, die zu dieser Zeit noch gar nicht so groß im Gange war, schließlich folgte DAWN OF THE DEAD (1978) erst sechs Jahre später. Interessant ist auch eine Gewisse Nähe zu WOODOO – SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES (1979), die einem hier besonders am Ende auffallen dürfte.

    (Bjoern Candidus)

  • The Night Child, 1975 – ★★★★

    The Night Child, 1975 – ★★★★

    THE CURSED MEDALLION
    (IL MEDAGLIONE INSANGUINATO – PERCHE?, GB, Italien, 1975, Regie: Massimo Dallamano)

    Michael Williams, ein Fernsehreporter der BBC, soll in Italien eine Dokumentation über mystische und okkulte Gemälde aufnehmen. Gemeinsam mit seiner Tochter Emily und dem Kindermädchen Jill geht es nach Italien, genauer nach Spoleto, einem wunderschönen Bergdorf. Seit dem Unfalltod ihrer Mutter ist Emily stark angeschlagen, und die neue Umgebung tut nichts, um dies zu verbessern. Sie wird von Angstattacken und Visionen heimgesucht und entwickelt einen Hass gegen Jill. Vater Michael ist besorgt, konzentriert sich aber gleichzeitig um die reizende Produzentin Joanna. Als die mysteriöse Gräfin Cappelli auftaucht, warnt sie Michael vor einem finsteren Gemälde, was ihn und seine Tochter ins Verderben stürzen wird, sollte er nicht abreisen. Doch er will nicht hören…

    Die Schatzkammer des italienischen Kinos ist reich gefüllt, und es gibt immer wieder etwas zu entdecken. IL MEDAGLIONE INSANGUINATO von Massimo Dallamano (DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER, 1974) ist ziemlich in Vergessenheit geraten, scheint mir. Hierzulande erklärt sich das wahrscheinlich dadurch, weil der Film hier nie in synchronisierter Form erschienen ist. Im Ausland sieht es da besser aus. Der Mangel an Aufmerksamkeit ist vor allem deshalb tragisch, weil Dallamano einen wirklich hervorragenden Okkult-Horrorfilm geschaffen hat, der zwar klar auf der damaligen Teufelswelle entstanden ist, aber ROSEMARY‘S BABY (1968) oder DER EXORZIST (1973) nicht direkt kopieren will, wie es andere eher versucht haben. Es gibt durchaus bekannte Elemente, aber die Story ist eine andere. Der Film hat mich sogar stellenweise mehr an DAS OMEN erinnert, was erst ein Jahr später das Licht der Leinwand erblicken durfte. Von London geht es nach Rom und von da in ein italienisches Bergdorf irgendwo in Umbrien. Alte Häuser, finstere Gassen und eine schöne Natur mit sommerlichem Wetter dominieren das Bild, im Kontrast dazu gibt es düstere Vision aus dem Mittelalter und die höllischen Impressionen des mysteriösen Gemäldes. Kameramann Franco Delli Colli hat jedenfalls erneut eine hervorragende Arbeit abgeliefert. Nicht weniger gelungen ist der facettenreiche Score von Stelvio Cipriani, der die Inszenierung immer passend begleitet. Blut und Ekel hat Dallamano nicht nötig, stattdessen setzt er auf atmosphärische Bilder und eine Story, die bis zum Ende gut funktioniert. Nicht ganz so überzeugend sind die Darsteller, was nichts mit der Qualität von Richard Johnson, Joanna Cassidy, Evelyn Stewart oder Lila Kedrova zu tun hat, aber die Inszenierung scheint sie etwas zu überlagern. Einzig Nicoletta Elmi, mein Lieblingsitalopsychokind, sticht hervor. Wobei die auch etwas anstrengend sein kann.

    IL MEDAGLIONE INSANGUINATO – PERCHE? ist ein weiterer starker Film aus dem Hause Dallamano und gehört zu einem der gelungensten Beiträge der damaligen Okkult-Horror-Welle.

    (Bjoern Candidus)