Autor: marco-fritz

  • The Loreley’s Grasp, 1973 – ★★★½

    The Loreley’s Grasp, 1973 – ★★★½

    THE LORELEY‘S GRASP – DIE BESTIE VOM MÄDCHENPENSIONAT
    (LAS GARRAS DE LORELEI, Spanien, 1973, Regie: von Amando De Ossorio)

    In einer kleinen Stadt am Rhein kommt es zu einer Serie von schrecklichen Morden, bei denen die Herzen der Opfer aus ihren Leibern gerissen werden. Man glaubt an einen Bären und schaltet Sigurd, den Jäger ein. Doch der Mörder ist weder ein Bär noch ein Nacktmull. Etwas anderes ist aus der Unterwasserwelt des Rheines entstiegen.

    Kein Orden schwebt mehr über Amando De Ossorio als der der Templer. Zu Recht, denn mit DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN (1972) hat Ossorio einen höchst atmosphärischen Horrorfilm geschaffen, der samt seiner Fortsetzungen bis heute nicht in Vergessenheit geraten ist. Die zweite Geige spielen definitiv die Werke zwischen seinen Templer-Fortsetzung, was schade ist, denn besonders THE LORELEY‘S GRASP ist eine richtige Wundertüte.

    Den Anfang macht Antón Garcia Abril, der wieder für gespenstische Töne sorgt, wie bereits ein Jahr vorher bei den blinden Templern. Der Rheinländer, der ich nun mal bin, darf sich auf den Rhein und auf eine Rheinpromenade mit netten Häusern freuen; die Außenaufnahmen zeigen u.a. Rüdesheim. Doch schnell merkt man, dass hier doch nicht alles vor Ort gedreht wurde. Die Natur von Spanien, genauer Madrid, zeichnet sich ab, wie auch der Baustil gewisser Häuser im Hintergrund. Aber auch die Darsteller verraten es, und besonders die Statisten im Hintergrund. Egal, dieses Kino lebt durch die Freiheiten, die es sich nimmt. Tony Kendall ist am Start, der als Sigurd (!) auf die Jagd nach einem geheimnisvollen Schuppenmonster geht. Ein Strauß junger Damen wird z.B. mit Helga Liné, Marisol Delgado und Silvia Tortosa gereicht. Dazu gesellen sich Ángel Menéndez als Professor, der kunterbunte Experimente vorführt und Luis Induni und Luis Barboo, die wahrlich keine Fremden sind. Eine prächtige Mischung. Und dann ist da noch der nächtliche Schrecken: ein schuppiges, humanoides Meeresmonster mit Krallenhänden und ordentlich Wut im Bauch. Erstaunlich hart wird es im Gore-Bereich. Einige Körper werden ziemlich blutig aufgerissen, was für 1973 ganz schön derbe aussieht. Vorher dürfen die Damen, die hauptsächlich als Opfer dienen, ordentlich schreien, bevor sie ihren Geist aufgeben. Die Story, die die Loreley-Nibelungen-Mythologie mit wissenschaftlichem Quatsch und Monster-Horror-Elementen vermengt, macht einfach Spaß.

    THE LORELEY‘S GRASP ist eine herrliche Euro-Horror-Kirmes, die auf Euren Besuch wartet.

    (Bjoern Candidus)

  • The Mind Snatchers, 1972 – ★★★★

    The Mind Snatchers, 1972 – ★★★★

    EIN DRAHT IM KOPF
    (THE HAPPINESS CAGE, USA, 1972, Regie: Bernard Girard)

    In einer Klinik für US-Kriegsveteranen in Frankfurt führt Dr. Frederick Gehirn-Experimente durch, die Menschen von Schmerzen, Geisteskrankheiten und aggressivem Verhalten heilen sollen. Dabei wird das Gehirn mit einem Draht verbunden, um mittels Fernsteuerung das Gefühlszentrum zu regulieren. Doch die Experimente stecken erst in der Anfangsphase und wurden bisher nur an Tieren und unheilbar kranken Menschen erprobt, mit tödlichem Ausgang. Drei neue Testpersonen stehen bereit, darunter auch der Soldat James Rees, ein Soziopath mit einer psychischen Störung.

    Bernard Girard hat mit EIN DRAHT IM KOPF das Theaterstück „The Happiness Cage“ von Dennis Reardon, was im Jahre 1970 uraufgeführt wurde, auf die Leinwand gebracht. Niemand geringeres als Christopher Walken feiert hier sein Debüt als Hauptdarsteller und schlüpft in die Rolle des zynischen, menschenverachtenden, möglicherweise schizophrenen Private James H. Reese. Walken scheint den aggressiven Soziopathen mit links zu spielen; der vom Leben angewiderte Gesichtsausdruck ist unbezahlbar. Ronny Cox schlüpft in die Rolle des Zimmergenossen Sergeant Boford Miles, der eine ebenfalls überzeugende Darstellung abliefert. Der verzweifelte Dr. Frederick wird von Joss Ackland dargestellt, Ralf Meeker verkörpert den widerlichen Major und Marco St. John spielt sich als sadistischer Klinikwächter auf. Die Besetzung ist rundum gelungen, was wohl das Wichtigste in einem Film ist, der fast nur auf Dialogen basiert und so auch der Vorlage gerecht werden kann. Keine Action, keine Effekte, nur Gespräche über menschliche Abgründe, Einstellungen und der Drang eines Professors, das körperliche und seelische Leid von Menschen zu lindern, bzw. auszuschalten. Dass diese Möglichkeit besonders für das Militär von Nutzen ist, steht außer Frage und wird hier natürlich thematisiert. Girard zeigt keine schönen Bilder, alles ist trist und geprägt vom maladen Erscheinungsbild der Klinik, die sich äußerlich als schöne Luxusvilla zeigt. Besonders die Affen, an deren Köpfen experimentiert wird, lässt einen schlucken und erinnert einen daran, welche Experimente jetzt gerade, wo man den Text liest, stattfinden. Sehr unschön, aber wissenschaftlich und im Rahmen dieses Films durchaus wirksam. Einen Draht im Kopf stecken zu haben, der das Gehirn reguliert, mag Anfang der 1970er-Jahre noch Neuland gewesen sein, jetzt, im Jahre 2024, wurde ein Chip in ein menschliches Gehirn implantiert.

    EIN DRAHT IM KOPF fällt hervorragend in die Ecke des dystopischen Science-Fiction-Kinos der 70er-Jahre, verkauft sich aber noch besser als Medizin-Thriller-Drama. Wer auf intelligente, charakterorientierte Filme steht, dürfte hier seine Freude haben. Und Fans von Christopher Walken kommen hier sowieso nicht dran vorbei.

    (Bjoern Candidus)

  • They Came from Beyond Space, 1967 – ★½

    They Came from Beyond Space, 1967 – ★½

    SIE KAMEN VON JENSEITS DER STERNE
    (THEY CAME FROM BEYOND SPACE, GB, 1967, Regie: Freddie Francis)

    Nachdem einige Meteoriten auf eine Farm gefallen sind, macht sich eine Seuche breit, die in kurzer Zeit erste Tote verursacht. Doch die exakte Anordnung der Meteoriten an der Absturzstelle lässt darauf schließen, dass es sich möglicherweise um einen außerirdischen Kontakt handelt, der absichtlich herbeigeführt wurde. Das Militär riegelt die Farm und das Land drumherum ab. Irgendetwas Sonderbares geht da draußen vor, und der Astronom Curtis Temple soll für Aufklärung sorgen.

    Regisseur und Kameramann Freddie Francis ist meistens ein Garant für gute Unterhaltung. Als Regisseur konnte er mich z.B. mit HAUS DES GRAUENS (1963), DIE TODESKARTEN DES DR. SCHRECK (1965) und DRACULAS RÜCKKEHR (1968) überzeugen, als Kameramann fotografierte er sich mit SCHLOSS DES SCHRECKS (1961) und DER WÜSTENPLANET (1984) in mein Herz. Einen Oscar kassierte er für seine Kameraarbeit in SÖHNE UND LIEBHABER (1960) und GLORY (1989).

    Mit SIE KAMEN VON JENSEITS DER STERNE, ein weiterer Film, den er für Milton Subotskys Amicus-Filmschmiede inszenierte, hatte er kein glückliches Händchen. Obwohl der Film unheimlich startet, wenn man merkwürdiges Geräusch und sonderbar angeordnete Flugobjekte am Himmel sieht, die sich als Meteoriten herausstellen, die im ländlichen England herunter gehen, kann Francis diese Stimmung im weiteren Verlauf nur selten fortsetzen. Auf das Dorf, die Landhäuser und die ländliche Naturkulisse, die dem Freund des britischen Horrorkinos jener Tage vertraut ist, muss trotzdem nicht verzichtet werden. Man fühlt sich Zuhause, dafür sorgt Francis und Kameramann Norman Warwick, und auch die Miniaturmodelle samt Landschaften sind ansehnlich inszeniert und verbreiten einen angenehmen Charme. Doch leider vergisst Francis die Spannung und serviert stattdessen eine Handvoll unsympathischer Figuren, die durch eine halbgare Story stampfen, die sowohl das Invasions-Kino eines INVASION VOM MARS (1953) als auch das Paranoia-Thema von DIE DÄMONISCHEN (1956) aufgreift und mit Seuchen-Katastrophenfilm-Elementen kombiniert. Man hat hier eindeutig den Mund zu voll genommen. Nichts funktioniert und wenn, nur in Ansätzen, die dann schnell ins Nichts zerlaufen. Lovecrafts „Die Farbe aus dem All“ ist zu erkennen, auch das Blut, was aus den Hautporen der Infizierten läuft, bietet Ansätze, aber alles wird immer wieder zerschlagen von Hauptdarsteller Robert Hutton als Dr. Curtis Temple, der sich steif wie ein Brett durch die krude Story bewegt und auf ebenso öde Figuren trifft. Nicht mal Michael Gough kann hier irgendwas retten, aber der hält sich sowieso bis zum Ende verdeckt. Der unpassende Score von James Stevens ist ein zusätzliches Ärgernis.

    SIE KAMEN VON JENSEITS DER STERNE ist ein wirrer Scifi-Invasions-Virus-Mix, der sich gerade noch mit seiner britischen Atmosphäre über Wasser halten kann.

    (Bjoern Candidus)

  • Bloody Moon, 1981 – ★★★½

    Bloody Moon, 1981 – ★★★½

    DIE SÄGE DES TODES
    (Deutschland, Spanien, 1981, Regie: Jess Franco)

    An einer Sprachschule an der spanischen Küste geht ein Mörder um, der es auf die Schülerinnen abgesehen hat. Es gibt auch schon einen Verdächtigen: Miguel, der entstellte Sohn der Contessa, der die Sprachschule gehört. Doch ist der voyeuristisch veranlage Miguel wirklich der Mörder?

    Auch ein Jess Franco musste sich an die neuen Gepflogenheiten des Horrorkinos anpassen und verfilmte hier für die deutschen Produzenten Wolf C. Hartwig und Otto Retzer das Drehbuch von Erich Tomek. Mit DIE SÄGE DES TODES wollte man auf dem damals angesagten Slasher-Pfad wandeln, und das ist durchaus gelungen.

    Der Film ist nicht nur inhaltlich für Franco ungewöhnlich, er sieht auch kaum nach ihm aus. Das liegt mitunter auch am Fehlen seiner Stammschauspieler wie Howard Vernon, Paul Muller oder Lina Romay (immerhin als Regieassistentin an Bord), die hier wegen Leute wie Olivia Pascal, Jürgen Drews damaliger Ehefrau Corinna Drews, Alexander Waechter und vielen anderen weichen mussten. An Figuren, die auch nicht mehr Hirn in der Birne haben als viele ihrer US-Vorbilder, mangelt es jedenfalls nicht, ebensowenig wie an ausufernde Gewalt. Brüste werden durchstochen, Körper werden aufgeschlitzt oder zersägt; hier kreist mehr der D’Amato- und Fulci-Hammer.

    Kameramann Juan Soler liefert schöne Bilder und fängt die Urlaubstimmung gut ein, die der Drehort in Alicante, Spanien mitbringt. Es gibt sowohl düstere Abschnitte als auch sehr sommerliche, was den Film immer frisch und belebt wirken lässt. So kann man bestens über die flache Story hinwegsehen. Neben dem durchaus gelungenen Score von Gerhard Heinz, liefert sogar DERRICK-Komponist Frank Duval ein exklusives Stück.

    Mit DIE SÄGE DES TODES nimmt Franco keine Gefangenen, liefert, was ihm aufgetragen wurde und sticht aus der Masse seiner eigenen Filme hervor.

    (Bjoern Candidus)

  • The Devil’s Gift, 1984 – ★½

    The Devil’s Gift, 1984 – ★½

    Demnächst erscheint mit THE MONKEY die Verfilmung von einer der unheimlichsten Stephen King Storys. 

    Bereits 1984 wurde diese auf inoffiziellem Wege und sehr stark abgeändert verfilmt. 

    THE DEVILS GIFT
    (USA, 1984, Regie: Kenneth J. Berton) 

    THE DEVILS GIFT ist ein recht unbekannter, sehr günstig produzierter Horrorfilm, der zudem sehr unspektakulär ist. Was ihn aber durchaus interessant macht, ist die Nähe zu Stephen King. Kenneth J. Berton, der hier Regie führte und die Story schrieb, hat sich offensichtlich an Kings Kurzgeschichte DER AFFE (THE MONKEY, im Sammelband SKELETON CREW, dt. Titel BLUT) orientiert, sie ordentlich variiert, aber das Hauptelement, ein böser Spielzeug-Affe mit Zimbeln, der für den Tod von Menschen und Tieren verantwortlich ist, aufrecht erhält. Das klingt gar nicht schlecht, zumal Kings Geschichte wirklich furchteinflößend ist, aber das filmische Ergebnis ist leider sehr mäßig. Anfänglich bekommt man noch ein gruseliges Horrorhaus wie aus dem Katalog spendiert, in dem eine schrullige Frau mittels Quija-Brett einen Dämonen beschwört. Hier wird dann auch bereits der Zimbel-Affe eingeführt, der kurze Zeit später als Geschenk in das Haus der Familie Andrews einziehen darf. Familie Andrews besteht aus Vater David, seinem Sohn Michael, der angehenden Stiefmutter Susan und einem Hund. Jeder scheint gelangweilt, niemand hat eine Ausstrahlung, am ehesten noch der Hund. Keine gute Grundlage für einen Film, der sich vor allem im Kreis einer Familie bewegt, was in der Vorlage ebenfalls so ist, nur kennt dort der Vater den Schrecken um den Affen aus seiner eigenen Kindheit. Hier kauft David den Affen in einem Antiquitätenladen, um ihn seinem Sohn zu schenken. Was bei King im Unklaren bleibt, ist die Erklärung, warum der Zimbel-Affe böse ist, während man dieses Wissen hier bereits in den ersten Minuten bekommt. Die eigentliche Handlung der King-Geschichte wird nicht groß berücksichtigt. Dennoch gibt es Elemente, die sich überschneiden. Wie in der Vorlage erklingen im Film auch erst die Zimbeln, bevor einer stirbt; ebenso muss auch der Familienhund im Film das Zeitliche segnen, außerdem wird man den Affen nicht los. Ansonsten gibt es eine langatmig inszenierte Geschichte, die eher POLTERGEIST (1982) aufgreift als sich ins King-Universum zu begeben, aber das wäre aus rechtlicher, bzw. finanzieller Situation auch schwierig gewesen. Neben einer Quasi-Tangina gibt es auch hier eine Parapsychologin, die Ratschläge gibt. Und was sehr präsent ist: STAR WARS-Spielzeug und E.T.-Poster. Ansonsten erwarten einen billige Tricks, ein albernes Äffchen, was nicht im Ansatz mit der Bedrohung mithalten kann, die King im Text entfacht und ganz viel sauerstoffarmer Wirrwarr. Im Jahr 1996 hat sich Kenneth J. Berton seinen Film erneut angenommen, ihn zurechtgestutzt und in seinen Anthologie-Film MERLIN‘S SHOP OF MYSTICAL WONDERS einfließen lassen. Wie eine richtige Adaption des kingischen Stoffes aussieht, wird man 2024 in THE MONKEY erfahren. 

    THE DEVILS GIFT ist ein schlecht inszenierter Horrorfilm, der im Grunde nur Stephen King-Fans empfohlen sei, die wirklich alles konsumieren wollen, was im Ansatz aus seiner Richtung kommt. Immerhin ist hier mehr King drin als in DER RASENMÄHERMANN (1992), aber das ist eine andere Geschichte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Killer Nun, 1979 – ★★★½

    Killer Nun, 1979 – ★★★½

    GESTÄNDNIS EINER NONNE
    (SUOR OMICIDI, Italien, 1979, Regie: Giulio Berruti)

    Schwester Gertrudes Leben ist durchzogen von Problemen und Geheimnissen. Seit einer Gehirn-OP, bei der ein Tumor entfernt wurde, ist die Nonne morphiumsüchtig und verhält sich zunehmend sonderbar. Sie entwickelt einen sadistischen Hang, den sie an ihren Patienten auslässt, und vergnügt sich abends heimlich mit Männern. Als es zu Mordfällen in dem Krankenhaus kommt, in dem sie arbeitet, fällt der Verdacht auf sie.

    Giulio Berruti hat mit GESTÄNDNIS EINER NONNE einen ziemlich eigenwilligen Hybrid aus Giallo und Nunploitation geschaffen und mit Anita Ekberg als Nonne mit Problemen eine sehr gute Wahl getroffen. Es hat mir große Freude bereitet, ihrer eindringlichen Mimik und ihrem sonderbaren Verhalten zu folgen. Schön gemein wird sie, wenn sie mit voller Absicht die Zahnprothese einer alten Frau zerstampft. Ekberg überstrahlt hier alle, egal, ob Alida Valli als Mutter Oberin, Paola Morra, Lou Castel, Massimo Serato oder Joe Dallesandro, der als Arzt etwas fehlbesetzt ist. Dennoch passen sie gut ins Gesamtbild dieses bizarren Films, der sich weder vor surrealen, sexuellen noch blutigen und sadistischen Szenen zurücknimmt. Nicht, dass der Film in grafischer Gewalt ausufern würde, aber es gibt kleine Spitzen, die durchaus wirksam sind. Zudem erzielt das Krankenhaus-Setting, was kaum verlassen wird, eine bedrückende Wirkung und stellt im Giallo-Kino eine Seltenheit dar. Es mangelt Giulio Berrutis Inszenierung etwas an Spannung, und manchmal kommt er nicht richtig in die Gänge, aber insgesamt wirkt GESTÄNDNIS EINER NONNE stimmig, glänzt durch einen eigenen Charakter mit kleinen Provokationen und einer tollen Anita Ekberg. Abgerundet wird der Nonnen-Giallo mit einem Score von Alessandro Alessandroni.

    Wer auf besondere Gialli steht und generell offen ist für das schier grenzenlose italienische Kino, der sollte bei GESTÄNDNIS EINER NONNE auf jeden Fall einen Blick riskieren.

    (Bjoern Candidus)

  • 78. Angst (1983)

    78. Angst (1983)

    ANGST

    Österreich, 1983

    Regie: Gerald Kargl

    True Crime in der Traumstadt!

    Bjoern Candidus und Patrick Siebold sprechen über Gerald Kargls visionären Psycho-Thriller ANGST, der vom Oscar-Gewinner Zbigniew Rybczyński fotografiert und von Klaus Schulze untermalt wurde. In diesem schlüpft Erwin Leder in die Rolle eines Serienmörders, der an den österreichischen Fall um Werner Kniesek angelehnt ist.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Seven Deaths in the Cat’s Eye, 1973 – ★★★½

    Seven Deaths in the Cat’s Eye, 1973 – ★★★½

    7 TOTE IN DEN AUGEN DER KATZE
    (LA MORTE NEGLI OCCHI DEL GATTO, Deutschland, Frankreich, Italien, 1973, Regie: Antonio Margheriti)

    Die schöne Corringa wird aus dem Internat geworfen und reist unter falschen Tatsachen auf Schloss Dragonstone, in dem ihre Mutter, ihre Tante und weitere Teile ihrer Sippschaft wohnen. Doch Corringas Faszination hält nicht lange an, denn die Laune der dort Lebenden Damen und Herren ist schwankend. Als ihre Mutter ermordet wird, eskaliert die Situation.

    Freunde des Gothic-Horrors dürfen sich bereits von Beginn an über ein Schloss auf einem Berg in Schottland freuen, was eigentlich Castello Massimo in Arsoli bei Rom ist, bevor dann nach und nach Giallo-Elemente mit einfließen.
    Schnell wird man in eine Art Familiendrama gestoßen, bei dem jeder irgendwie verdächtig wirkt. Schon der Name der Burg, Dragonstone, schreit nach DRAGONWYCK (1946).

    Innovationen werden hier nicht aufgefahren, aber Regisseur Antonio Margheriti versteht es blendend, Bewährtes versiert wieder aufzuführen, aber er ist schließlich ein Mann, der sein Handwerk versteht. Und dabei hilft natürlich auch die Besetzung. Hiram Keller als Cousin von Corringa, die von der schönen Jane Birkin dargestellt wird, nutzt ein weiteres Mal sein dandyhaftes, leicht androgynes Wesen, um hier als Sonderling aufzuspielen. Seine Mutter wird von Françoise Christophe und sein Vater von Anton Diffring dargestellt. Luciano Pigozzi und Venantino Venantini sind dabei, die quasi zum Inventar des italienischen Kinos jener Tage gehörten. Ach ja, nebenbei ist auch die Legende Serge Gainsbourg als Kommissar vertreten, der zu dieser Zeit mit Jane Birkin liiert war. Eine weitere Legende ist Riz Ortolani, der einen fabelhaften, unheilschwangeren Score abliefert.
    Dazu zaubert Margheriti einiges aus dem Hut, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Ein gefangener Gorilla, der gerne aus dem Fenster guckt, gehört ebenso dazu wie eine von Ratten als Festmahl auserkorene Leiche, Fledermäuse, Kellergewölbe, einen nebligen Friedhof und natürlich der im Titel auftauchende Kater.

    7 TOTE IN DEN AUGEN DER KATZE ist ein atmosphärischer, recht spannender und vor allem gut besetzter Gothic-Giallo. Schön.

    (Bjoern Candidus)

  • The Sender, 1982 – ★★★★

    The Sender, 1982 – ★★★★

    TEUFLISCHE SIGNALE
    (THE SENDER, GB, 1982, Regie: Roger Christian)

    Nach dem Selbstmordversuch eines Mannes, wird dieser in einer Psychiatrie eingewiesen. Zuordnen können sie ihn jedoch nicht, da er sein Gedächtnis verloren hat. Sie nennen ihn, wie üblich in solchen Fällen, „John Doe“. Die Psychiaterin Gail Farmer nimmt sich seinem Fall an, ohne zu ahnen, welche Gefahr von dem Unbekannten ausgeht. Kurze Zeit später wird sie und alle, die ihm zu nahe kommen von unheimlichen Träumen und Visionen geplagt, deren Schaltzentrale offensichtlich im Kopf von John Doe liegt.

    Roger Christians Langfilm-Debüt ist ein finsterer Trip in die Gefilde der PSI-Horrorfilme, die in der Tradition von CARRIE (1976), THE FURY (1978), SCANNERS (1981) oder DEAD ZONE (1983) stehen. Gleichzeitig erkennt man bereits eine ähnliche (Alp-)Traum-Ästhetik, wie man sie zwei Jahre später in A NIGHTMARE ON ELM STREET (1984) und noch viel deutlicher in A NIGHTMARE ON ELM STREET 3: DREAM WARRIORS (1987) erleben darf. TEUFLISCHE SIGNALE verhält sich aber weitaus erwachsener, wissenschaftlicher und fällt damit mehr ins Fach von David Cronenberg. Zeljko Ivanek spielt die Rolle des „John Doe“ ziemlich eindringlich und ist weit entfernt von vielen Darstellern gleicher Altersklasse, die oft das US-Horrorkino der 80er-Jahre verwässerten. Hilfe bekommt er von Kathryn Harrold (DER CITY HAI, 1986) als Psychiaterin Gail Farmer, der Paul Freeman (JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES, 1981) als Dr. Denman zur Seite steht.

    Christian umgeht den Weg des Popcorn-Horrors, der damals durch die erfolgreiche Slasher-Welle weiter Geld in die Kassen spülte. Obwohl es sich um eine britische Produktion handelt, wurden die Außenaufnahmen in Georgia, USA geschossen, der Rest in den britischen Shepperton Studios, in denen z.B. auch ALIEN (1979) entstanden ist. Bis auf wenige Szenen am Tageslicht, spielt sich das meiste Geschehen am Abend oder in den klaustrophobischen Räumen der Psychiatrie ab, die relativ realistisch und weniger übertrieben dargestellt wird, was zu dieser Zeit eher eine Ausnahme war. Die Stimmung ist von Beginn an bedrückend. Christian baut eine dichte Atmosphäre auf, lässt die Spannung mehr und mehr ansteigen und serviert zwischendurch immer wieder ein paar sehr gelungene Schock-Effekte, auf denen er sich aber nicht ausruht. Christian ist immer auch auf die Story und die Figuren bedacht. Veredelt wird die Inszenierung von einem stimmungsvollen Score von Trevor Jones (ANGEL HEART, 1987).

    TEUFLISCHE SIGNALE ist ein spannender, gut erzählter, passend besetzter und ansprechend fotografierter Horrorfilm, der leider etwas in Vergessenheit geraten ist.

    (Bjoern Candidus)

  • Voyage to the Prehistoric Planet, 1965 – ★★★

    Voyage to the Prehistoric Planet, 1965 – ★★★

    DIE REISE ZUM PRÄHISTORISCHEN PLANETEN
    (VOYAGE TO THE PREHISTORIC PLANET, USA, 1965, Regie: Curtis Harrington)

    Zwei Raumschiffe sind auf einer gemeinsamen Mission unterwegs. Als eins von einem Meteoriten getroffen wird, stürzen die Überreste auf der Venus ab. Die Crew des anderen Raumschiffes beschließt auf dem Planeten zu landen. Als die Crew die Oberfläche betritt, staunt sie nicht schlecht, denn prähistorische Lebewesen bevölkern den Planeten. Ein gefährliches Abenteuer beginnt.

    Komplexer als die Handlung des Films ist die Produktion. Eigentlich ist DIE REISE ZUM PRÄHISTORISCHEN PLANETEN nur ein Zusammenschnitt des russischen Sciencefictionfilms PLANET DER STÜRME (PLANETA BURG, 1962), der unter der Regie von Pawel Wladimirowitsch Kluschanzew inszeniert wurde. Doch der unsterbliche Roger Corman bat für eine alternative US-Auswertung Curtis Harrington (SATANISCHE SPIELE, 1967) neue Szenen für eine Rahmenhandlung zu drehen, in der Faith Domergue und Basil Rathbone als Professor auftreten soll, da sich britische oder amerikanische Namen schließlich besser verkauften. Im übrigen wurden auch die russischen Schauspieler aus dem Original, die immerhin einen großen Teil des Films ausmachen, umbenannt.

    Unter dem Strich ist ein sehr phantasievoller Film mit Raumschiffen, einem Roboter, riesigen Schlingpflanzen, Dinosauriern (prähistorische Korrektheit sollte man hier natürlich nicht erwarten, aber man befindet sich ja auch auf der Venus), (Pappmaché-)Bergen, Lavaflüssen und Unterwasserwelten entstanden, der kaum Zeit für Langweile lässt. Man bekommt hier einiges geboten. Auch wenn die Tricks nicht wirklich weltbewegend sind, ist die Atmosphäre der Venus sehr gelungen und entführt einen in eine fremde Welt. Dass die Darsteller dabei abfallen, stört nicht. Auch von Basil Rathbone sollte man hier nicht viel erwarten. Der gute Mann musste ohnehin niemanden mehr etwas beweisen. Er starb zwei Jahre später, 1967, im Alter von 75 Jahren.

    DIE REISE ZUM PRÄHISTORISCHEN PLANETEN ist ein charmanter, detailreicher Sci-Fi-Abenteuerfilm, der besonders Freunde von Jules Verne- oder Edgar Rice Burroughs-Verfilmungen ansprechen dürfte.

    (Bjoern Candidus)